Von wilden Kamelen,Eseln und Tauchern

 Geschrieben von Oli
© 2001 Oliver Meise
-Keine Gewähr-

Hm? Wie paßt das zusammen? Einmal quer durch Afrika und dann ins Wasser gehopst?
Tja.Fast:-) Während eines Taucher.net-Trips hatte ich Gelegenheit, ein neues Tauchcamp im Süden von Ägypten zu besuchen. Genauer gesagt handelt es sich dabei um das Tauchcamp "Enfants de la Chance" -gegenwärtig nur über Aquarius buchbar. Dieses Camp befindet sich ca. eine Viertelstunde mit dem Auto südlich von Marsa Alam. Weiter südlich geht es also fast nicht mehr. Das bedeutet von Hurghada aus einen 2 bis 3-Stündigen Transfer.Gottseidank hat man bei Aquarius einen klimatisierten Minibus dafür.

So. Am Camp angekommen geht es nun fast wirklich nicht mehr weiter südlich. Hier kommt nur noch Port Berenice und dahinter der Sudan!

Was besonders nett für uns Taucher ist, garantiert dies doch nicht plattgetauchte Riffe und eine nicht oder kaum von Menschen beeinflußte Umwelt unter Wasser.

Zunächst jedoch ein paar Worte und Eindrücke zum Camp an Land:
Hierbei handelt es sich um eine bewußt einfach gehaltene Anlage von Hütten, die an Eingeborenenbehausungen in alten Tarzanfilmen erinnern:-)

Im Grunde handelt es sich dabei für jede Hütte um eine betonierte Senke.Hierum ist nach oben ein Holzgerüst aufgestellt um das Strohmatten mit einem Spitzdach aus Stroh geschlungen ist. Im Zelt selbst befinden sich zwei breite Einzelbetten. Die Wandverkleidung besteht innen aus Beduinenteppichen aus der Region.Einige sind mit Taschen so gearbeitet,daß sie als Wandschrank verwendet werden können.Als Türe hat man wiederum zwei Teppiche vor dem Eingang hängen.

Ein netter Einfall ist die äußere Gestaltung des Camps: Vorne ein Steinwall,dahinter ein Graben.

Der Eingang besteht aus einer schwankenden Hängebrücke aus einer Bambus/Stahlkonstruktion.

Das Camp ist zwar bewußt einfach und spartanisch gehalten, auf eine gewisse Art von Luxus muß man aber nicht verzichten: Auch hier gibt es selbstverständlich Elektrizität - zwar im Moment nur über einen zu bestimmten Zeiten angestellten ägyptischen Generator.

Jedoch gewährt dieser dann neben der Nachtbeleuchtung auch den Betrieb der Wasserpumpe und hiermit der Süßwasserduschen und der westlichen Toiletten.Diese befinden sich in einem speziellen Häuschen.Rechts Männekes,links Fraukes.

 

 

Weiterhin garantiert dieser Generator im Zusammenspiel mit der Kühltruhe auch kalte Getränke an der Bar.Diese ist zugleich Mittelpunkt der Mahlzeiten,da hier das Buffet aufgebaut wird.

Rund um die Bar sind mehrere Sonnenschirme aufgestellt worden. Unter diesen befinden sich in die Wüste gestaltete runde Ruhezonen mit Polsterkissen. Hier kann man verweilen,relaxen,essen und schnacken.

Doch warum ausgerechnet in ein Tauchcamp und auf die Annehmlichkeiten eines Hotels verzichten? Die Antwort ist einfach: In einem Camp hat man wirklich mal Ruhe und ist weg vom quirligen Leben.
Sogar per Handy ist man unerreichbar:-) Was nicht bedeutet, daß man bei einem Tauchunfall "geliefert" ist. Es ist das übliche First-Aid-Kit und eine Sauerstoffflasche mit Constantflow-Maske vorhanden. Diese reicht aus, um zur Druckkammer in Marsa Alam zu kommen.

Ein weiteres Argument für das Tauchcamp ist,daß man mit deutlich besser erhaltenen Riffen rechnen kann.So auch bei diesem Camp.

Außerdem kann man von hier aus -eine der wenigen Möglichkeiten außerhalb einer Südsafari- zum Elphinstone Reef fahren. Haibegnung -fast- garantiert.
Die Tauchinfrastruktur ist hier aufgrund der harten Umweltbedingungen (Wüste) und der Tatsache,daß man erst drei Monate das Camp geöffnet hat erst rudimentär -aber durchaus ausreichend- vorhanden. Die 12Liter-Tauchbuddeln sind hier durchgehend aus Alu. 40 sind mit einem DIN/INT-Ventil versehen. Möchte man diese Flaschen mit DIN tauchen,werden aus dem Ventil die INT-Adapter mit einem Inbusschlüssel herausgedreht.

Daneben gibt es noch sieben reine INT-Flaschen. Weiter stehen kostenlos INT/DIN - Adapter zur Verfügung. Diese Flaschen werden von einem M3E-Bauerkompressor aus dem Jahre 1995 aufgeblasen (190 l/min).
An Ausrüstungen sind drei komplette Sets vorhanden.darüberhinaus dann noch ca.sechs ABC-Sets sowie das ein oder andere Jacket oder den ein oder anderen Atemregler.Am besten fahrt Ihr wohl,wenn das eigene Equipment mitreist. Möchte man sich das komplette Equipment für eine Woche ausleihen, kostet das vor Ort beim netten Campmanager Jean-Michel Dubail 100 US-$
-pro Tag 20 US-$.

Die Leihjackets sind teils blitzneu,teilweise aber schon ziemlich gebraucht. Die drei neuen Jackets sind vom Typ Mares Vector Origin, die älteren sind vom Typ Seaquest (Größe S und M) und Scubapro. Nach meinen Tauchbuddys zu urteilen gab es an den älteren Jackets aber nichts auszusetzen.Bei den Atemreglern handelt es sich im Schwerpunkt um solche vom Typ Mares R2/Nikos mit Oktopus,Finimeter und Tiefenmesser.
Neben dem Kabäuschen mit dem Ausrüstungsverleih am Strand gibt es aber auch noch die Tauchschule. Am besten sagt man bei der Buchung -mindestens jedoch eine Woche im voraus- Bescheid, daß man einen Tauchschein machen will.Dann kommt nämlich extra für Dich ein Tauchlehrer von Hurghada zum Camp.Diese Kurse werden nach den Vorgaben von PADI oder FFSSM abgehalten.Letzteres ist die französische CMAS-Schmiede. Diese Kurse kosten in etwa soviel wie es die Preisliste des Aquarius Diving Club in Hurghada vorsieht.Minus ca. 20 US-$. In den Kursgebühren ist aber kulanterweise der Preis für die Leihausrüstung inbegriffen. Neben dem normalen Tauchen vom Strand aus am sehenswerten Hausriff -habe dort selbst eine Schildkröte und dieverse Fischschwärme& Minimördermuscheln gesehen- gibt es auch Tauchexkursionen.
Macht man sich vom Camp zum tauchen auf, beginnt dies zumeist mit einem bunten Eselskarren.

Ein freundlicher Beduine heißt einen willkommen und man hopst auf das Gefährt, daß einen durch die Wüste zum Tauchkabäuschen am Strand bringt. Unterwegs hierhin begegnen einem nicht selten wilde Esel oder wilde Kamele.

Am Strand angekommen,wird im Tauchkabäuschen die Ausrüstung zusammengestellt,zum Speedboot getragen und auch dort untergebracht.

So gibt es dann neben der zweistündigen Fahrt mit einem größeren Boot zum Elphinstone-Riff gibt es auch die zwei täglichen Fahrten mit dem 150PS-Speedboot.

Auch hier ergibt sich die seltene Gelegenheit einfach mal so -ohne eine Südtour machen zu müssen- zum Shaab Samaday zu kommen.Die besondere Attraktion hier sind - Delphine!
Fast immer ankert hier in der Lagune von Shaab Samaday schon eines der Safariboote auf Südtour wenn man sich morgens vom Camp um ca. 9.30 Uhr mit dem Speedbooat aufgemacht hat. Neugierig umkreisen dann und wann die kleinen schwarzen Delphine die Boote und entfernen sich alsbald wieder. Aus Rücksicht auf die Delphine wird dann nur geschnorchelt. Wenn man sich allerdings außerhalb der Lagune aufhält und dort taucht wenn die Delphine kommen -um so schöner.
Der Schwerpunkt der Tauchplätze rund um Shaab Samaday liegt nämlich außerhalb der Lagune am äußeren Riff. Auch hier sind die Korallen und die Fischwelt noch schön reichhaltig.Kein Vergleich zu Hurghada oder Sharm el Sheikh.Viel besser. Ein mE. besonders schönes Schmankerl bietet der Tauchgang Shaab Samaday Cave. An einem Riffende der Lagune befindet sich in vier Meter Tiefe ein natürliches Tunnelsystem im Korallenriff. Es ist nach oben zT. offen, so daß jederzeit genug Licht vorhanden ist. Für totale Anfänger ist es allerdings nicht geeignet.Etwas Lungentarieren sollte man schon können. Meiner Meinung nach ist dieses Tunnelsystemchen nach den Delphinen das zweite Highlight an diesem Tauchplatz.
Neben Shaab Samaday fährt das Speedboot auch noch oft den Tauchplatz Turfa Saif an. Nach 10min stoppt das Speedboot ab und man ist an einer Stelle nahe der Küste, wo drei dicke Korallenergs sich in Richtung Küste erstrecken. Also angerödelt,Sonnenstand zur Orientierung gemerkt und ab dafür! Gemütlich werden die reich bewachsenen und von Fischen besuchten Ergs umtaucht bis man auf die Korallenwand der Küste stößt.Diese taucht man dann in südlicher Richtung weiter, bis der Preßluftvorrat zuende geht und man dekomprimierend austaucht. Hier fischt einen das Speedboot auf und braust zurück zum leckeren Mittagessen. Je nach Absprache wird dann nachmittags gegen 16.30 Uhr ein zweiter Tauchplatz aufgesucht.
Diese Fahrten mit dem Speedboot oder dem anderen großen Boot nach dem Ephinstone-Riff zählen nicht als Sonderfahrt die man extra zahlen muß. Hat man ein Tauchpaket gekauft, wird hiervon einfach ein Tauchgang abgestrichen wie bei allen anderen Tauchgängen auch. Da man hier speziell in der Wüste ist,lassen sich auch noch ganz andwere Tauch- oder Ausflugstouren organisieren.Wenn man mit einem Quadbike zu einem Tauchplatz fahren will,läßt sich das einrichten.Genauso kann man Wüstentouren per Kamel oder Jeep arrangieren. Neben dem üblichen Tauchen,Schnorcheln und schwimmen kann man hier mit dem Speedboot auch Wasserski fahren. Nur Scheine on Wasserski kann man hier nicht machen, da dafür kein Lehrer vorhanden ist.
Dieses Tauchcamp ist für Ruhesuchende sehr empfehlenswert.Genauso empfehlenswert ist es für in der Wolle gefärbte Taucher die mal gut erhaltene Riffe sehen wollen.
Da es sich hierbei um ein Tauchcamp mitten in der Wüste handelt, muß man dies bei der Urlaubsplanung mit berücksichtigen und den Einfluß der Umwelt auf sich selbst und auch das Camp einkalkulieren. Da kann es zB. schon mal zeitweilig zu Engpässen bei der Wasserlieferung kommen oder der Generator sich für eine Stunde weigern seine Arbeit zu tun.
Bei dem gegenwärtigen Management habe ich aber keine Bedenken,daß man diese Unbill der Natur recht schnell ohne größere Unnanehmlichkeiten in den Griff bekommt.


Und nun für die, die bei diesem Bericht Lust bekommen haben hier auch mal vorbeizuschauen oder sich sonstwie zu informieren,die Kontaktfacts:

Aquarius Tauch- & Kulturreisen GmbH
Lange Gasse 18
D-92224 Amberg
Tel (+49) 09621 250 991 Fax (+49) 09621 250 992
www.aquarius-tauchreisen.de
email: info@aquarius-dc.de


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