(C) 2001 Michael Waldbrenner und Reinhard Buchaly
Am 9.8.2001 tauchten Dr. Reinhard Buchaly und Michael Waldbrenner in
Frankreich um die Erforschung der Doux de Coly voranzutreiben:
Die Doux de Coly ist eine Quelle, die nahe des Ortes Coly in Sued-Frankreich
liegt. Die naechstgroesseren Orte sind Terrrasson und Brive. Der Quellteich
liegt auf privatem Grund und darf nur mit der Genehmigung des Eigentuemers
betaucht werden.
Am Samstag den 4.8. wurden bereits die ersten Spits fuer die Habitatbefestigung
gesetzt und der Transport der Flaschen begann. Auf den ersten 300 Meter
(m) wurden bei 100m und 200m Safeties fuer die Supporttaucher deponiert
(Alu 80cuft Trimix 21/35). Diese ersten 300m sind mit max. 10m recht flach.
Es folgt dann der Schacht senkrecht bis ca. 40m Tiefe und dieser laeuft
dann etwas flacher in Richtung 45m aus. Sein Durchmesser betraegt knapp
10m. Von hier aus erreicht man innerhalb 100 weiterer Meter die 60m Marke.
Am oberen Schachtende wurden Seile befestigt, um die Dekoflaschen zu deponieren.
Die Flaschen wurden an den Seilen mittels Steigklemmen befestigt, so dass
diese waehrend der Deko mit nach oben geschoben werden konnten.
Folgende Flaschen wurden an den Seilen deponiert: (Mit XX/YY wird immer
O2/He gemeint)
Je Taucher:
42m: 1xAlu 40cuft 30/40
36m: 2xAlu 80cuft 35/35
21m: 3xAlu 80cuft 50/25
9m: O2 fuer ne kleine Ewigkeit und Luft zum Ausblasen des Habitats.
Dies war die einzige Verwendung von Luft innerhalb aller Tauchgaenge des
Projektes.
Die zur Verfuegung stehende Gasmenge war fuer eine Open-Circuit-Dekompression
mehr als ausreichend, obwohl wir den gesamten Tauchgang inklusive Deko
auf dem Rebreather durchfuehrten (Ausser Breaks und Habitatphase).
Auf 42m befand sich auch je Taucher eine Heizversorgung mit einem 12V
66Ah Batteriepaket in einer Scooterroehre und einer zusaetzlichen Lampe.
Die elektrische Heizung diente alleine dem Komfort und war fuer die sichere
Beendigung der Dekompression nicht erforderlich. Auf 21m wurde noch ein
60m-Rebreather-Trimix 19/65 80cuft und ein Alu 80cuft 17/55 Break-Trimix
fuer die Deko befestigt. Fuer ausreichend Getraenke war ebenfalls gesorgt.
Bei ca. 800m in der Hoehle (also bereits im tiefen Teil) wurden je 1
Drivestage Alu 80cuft Trimix 19/65 und Alu 80 cuft 30/50 von 2 Supporttauchern
deponiert. Insgesamt wurden pro Person 4 Magnumscooter und 1 long-Tube-Scooter
verwendet.
4 Magnumscooter waren bei ca. 40m am Schachtgrund deponiert, 4 weitere
bei 600m im tiefen Bereich der Hoehle. Der long-Tube wurde fuer die Anfangsstrecke
bis zum Schacht verwendet.
Am Tag vor dem eigentlichen TG wurden die Doppel-RB80-Rebreather am
Quelltopf tauchfertig aufgebaut.
Es handelt sich bei dem RB80 um einen halbgeschlossenen Rebreather in
Konstantvolumenbauweise. Die geringe Baugroesse erlaubt die Konfiguration
als Doppelgeraet.
Die Sicht in der Hoehle war mit 5-10m am unteren Bereich fuer einen
solchen Explorationstauchgang und wir beschlossen, den Tauchgang durchzufuehren.
Abends um 21 Uhr verkroch sich jeder in sein Nest. Morgens um 05:30 trafen
wir uns zum Fruehstueck. Um die Kohlenhydratspeicher aufzufuellen, gab
es Spaghetti zum Fruehstueck und wir tranken jeder noch etliches an Wasser.
Um 06:10 waren wir im Trocki und standen im Quellteich. Alle 4 Rebreather
wurden nochmals ueberprueft. Eine 14cuft Alu-Argonflasche, wie eine Ministage
ausgeruestet wurde angeschlossen, um den Argonvorrat am Rueckenpaket beim
Abstieg zu schonen.
Wir nahmen jeder einen longtube-Scooter und eine 21m-Stage und zuendeten
die 18W- HID- NiCad- 20Ah- Lampen und los ging es. Laut meinem Vyper war
es 06:41.
Wir fuhren die ersten 300m bis zum Schacht und liessen dort die long-tubes
zurueck. Wir schwammen den Schacht hinab und auf 21m nahmen wir eine 60m
Stage mit 19/65 auf und liessen die 21m Stage zurueck. Jetzt waren wir
auf dem selben Trimix, dass wir auch auf dem tiefen Teil des Tauchganges
atmen wuerden.
Am Ende des Schachtes nahm jeder von uns 2 Magnumscooter auf und wir
fuhren damit weiter bis auf ca. 600m. Hier befanden sich fuer jeden 2 weitere
Scooter, so dass nun jeder 3 Magnums zog und einen fuhr.
Bei 800m sahen wir unsere deponierten Drive-Stages liegen und wechselten
diese gegen unsere noch fast volle mitgebrachte Stage aus. Ab jetzt gab
es fuer den restlichen Tauchgang keine "Heimat" mehr....
Wir folgten dem Gangprofil und genossen, wie oft diese Hoehle Ihr Gesicht
wechselte....vorbei an grossen Sandduenen, ueber Steinplatten, mit staendig
wechselnder Richtung scooterten wir in ca. 55m bis 60m Tiefe dahin. Durch
den sehr hohen Heliumanteil lagen die Stages bequem und wir waren glockenklar
im Kopf. Die END ware nahezu Null.
Nach 131 Minuten kamen wir das erste Mal wieder flacher als 50m. Bei
160 Minuten war die Leine ploetzlich unterbrochen und fuer mich sah die
Hoehle wie eine Sackgasse aus. Reinhard kannte diese Stelle noch von den
Tauchgaengen mit Olivier Isler und fand die Anschlussstelle, die man auf
Grund der schlechten Sicht nicht ohne weiteres sehen konnte. Wir verlegten
160m Leine, um die unterbrochene Strecke wieder zu verbinden. Beim Anbinden
an die weiterfuehrende Leine hat sich unbemerkt ein loses Stueck der abgerissenen
Leine in den Sichtschatten des Scooters gelegt und war dadurch fuer mich
nicht sichtbar. Beim Starten des Motors wickelte sich diese um den Propellerschaft.
Wir versuchten ca. 20 Minuten lang die Leine aus dem Propeller zu befreien,
entschlossen uns aber dann den Scooter zurueckzulassen und auf dem Rueckweg
wieder mitzunehmen. Aus dieser Erfahrung resultierend haben wir Modifikationen
durchgefuehrt, welche es uns kuenftig gestatten den kompletten Schraubenteil
unter Wasser zu zerlegen und wieder zu montieren. Wir hatten vorher vereinbart,
dass wir bei einem Ausfall eines Scooters den TG fortsetzen wuerden, also
ging es ohne zu zoegern weiter. Selbst ein weiterer Scooterausfall haette
uns noch ausreichend Reserve gelassen. Bei dem unwahrscheinlichen Ausfall
eines Rebreathers haetten wir natuerlich abgebrochen. Wir setzten unsere
Fahrt fort.
Bei 3200m liessen wir die erste Trimixstage und bei 3500m insgesamt
3 Scooter zurueck.
Nach 221 Minuten hatten wir das bisherige Ende der Leine in 4300m Entfernung
und 32m Tiefe erreicht. Der Raum sah rund am hinteren Ende aus und Sand
war in der Mitte aufgeschuettet und dort war an einem Felsen die Leine
von Olivier im Jahre 1998 beendet worden. Reinhard hatte das grosse Explorer-Reel
mit mehr als 1000m 2,5mm Nylonleine dabei, ich hatte 2 kleinere EE-Reels
mit weiteren 1000m 1,5mm und 2,5mm Schnurstaerke dabei. Die Leinen waren
alle 20m mit Entfernungsmarken gekennzeichnet.
In diesem Raum gab es am Boden einen breiten, aber mit 0,8m Hoehe recht
niedrigen Spalt, der wohl die Fortsetzung darstellte. Ich nahm ab hier,
wie vereinbart, alle Scooter bis auf einen und Reinhard legte Leine. Er
scooterte in den Spalt und die Leine wanderte an das linke Ende aus...ich
tauchte hinterher...
Meine Rolle als Beleuchter und Lastesel versuchte ich mehr auf den Beleuchtungspart
zu konzentrieren, waehrend Reinhard beim Scootern die Leine legte.
Die Hoehle fiel und fiel....bei 258Minuten erreichten wir die 60m Marke,
welche wir urspruenglich als Umkehrpunkt definiert hatten. Ein kurzer Blick,
ein kurzer Kreis mit den HIDs und weiter gings. In der Hoffnung es moege
gleich wieder flacher werden, tauchten wir bis 64,6m Tiefe und befestigten
hier die Leine und schnitten Sie ab. Ich drueckte bei 262Minuten die Markertaste
des Vyper um die Stelle minutengenau festzuhalten. Wir hatten 700m neue
Leine verlegt und damit die Doux de Coly auf einer Gesamtlaenge von 5000m
betaucht. Mit einer Entfernung von 5000m zur naechsten Auftauchstelle stellt
dies die laengste durchgehende Unterwasserhoehle Europas dar.
Nach dem wir uns die Hand geschuettelt und ein kleines Andenken befestigt
hatten machten wir uns auf den Rueckweg. Auf diesem tiefen Teil befanden
wir uns auf dem Rueckengas 19/65 und waren froh, bald wieder auf die Stage
zu wechseln, da das Rueckengas ja auch als Bailoutgas diente.
Uns war klar, dass wir Georges und JJs Weltrekord knapp verfehlt hatten,
aber wir waren einfach vom Gas her zu flach gemischt, da wir eher damit
gerechnet hatten, dass die Hoehle noch flacher wuerde. Wir hatten beide
den Eindruck als wuerde Sie noch die 70m Tiefe erreichen...
Der Rueckweg erfolgte mit den ueblichen Scooterwechseln, ich wechselte
jedoch keinen Rebreather mehr, da ich sehen wollte, wann der Scrubber im
Rebreather A aufgebraucht sein wuerde. Wir nahmen die zurueckgelassenen
Scooter und die Trimixstage auf und drueckten wieder auf den Trigger...
Die Sicht war etwas schlechter, aber da wir nun den Verlauf kannten,
kamen wir recht flott voran und erreichten bei 375 Minuten unsere Stage
und die kleine Argonflasche. Das war ja fast schon zu Hause...
Man freut sich richtig, wenn man hier ankommt !
Nun noch hoch in den Schacht und die Deko kann beginnen. Bei ca 45m
clippen wir alle Scooter und alle Stages bis auf eine an die Leine, wo
diese dann spaeter abgeholt werden. Der erste echte Stop nach den Deepstops,
welche wir bei 80% des maximalen Druckes starteten, befindet sich auf 42m
fuer 8Minuten. Wir wechseln hier auf eine 40cuft Aluflasche mit 30/40.
Mittlerweile ist jede Stunde nach unserem Abtauchen ein Supportteam
zum Schacht gescootert, um nach uns zu schauen und so dauert es nur wenige
Minuten, bis das Begruessungsteam den Schacht hinabkam.
Reinhard und ich stoepseln unsere Heizungen ein und es wird mollig warm.
In die Wetnotes schreiben wir "5 km" und "Alles OK",
um den anderen einen Status zu geben.
Nach dem Stop lassen wir die Bottommix-Stage zurueck und schieben die
Steigklemme mit dem Dekogas hoeher. An dieser Steigklemme haengt nun auch
die Heizungsroehre und da clippe ich auch die Argonflasche fest. Nach kurzer
Zeit merke ich, dass mein am Rueckengas befestigtes Argon leer wird. Wie
gut, dass wir die zweite Flasche dabei haben.
Ich fluche ueber den Verschluss der Gatoradeflasche und trinke diese
halb leer. Reinhard schwebt horizontal neben mir im Schacht, keine 50cm
entfernt.
Wohl wissend, dass wir die gesamte Deko bis 9m frei tarierend im Schacht
machen duerfen, tariere ich etwas mehr mit dem Trocki, mache einen kurzen
Kopfstand und strecke meine Beine.
Der Ruecken schmerzt durch den langen Tauchgang, ab und zu rolle ich
mich wie ein Embryo zusammen. Auch Reinhard stretcht sich.
Auf gehts zum naechsten Stop, der sich auf der Maximaltiefe fuer Tauchgaenge
von Sporttauchern befindet. Ich schmunzle bei dem Gedanken, dass unser
hier durchgefuehrter Stop eigentlich bereits ein dekopflichtiger Tauchgang
darstellt.
Die naechsten Supporter kommen zurueck und fragen, ob wir etwas benoetigen.
Ich schreibe in die Wetnotes unter anderem "A Big Mac Menu",
eigentlich eher im Scherz....
Wir bekommen die ersten warmen, oder sagen wir lauwarmen Getraenke,
die zur besseren Isolierung im 12 Grad kalten Wasser in einer Foodtube
transportiert wurden.
Und wieder schieben wir die Steigklemmen hoeher, nun bereits Trimix
35/35 atmend. Das 30/40 lassen wir zurueck.
Auf diesem Stop befindet sich auch das Breakgas 17/55. Diese soll unter
anderem Schwellungen des durch hohen pO2 verursachten interstitiellen Lungengewebes
lindern und erhoeht damit die Dekompressionsqualitaet.
Der erste lange Break (15Minuten) erfolgt vor dem Wechsel auf das Trimix
50/25. In dieser Zeit laden die langsamen Gewebe die bereits staerker entsaettigten
schnelleren Gewebe nach. Beim Wechsel auf das 50/25 werden diese dann sehr
schnell entsaettigt (Push/Pull-Effekt).
Ein Blick auf den Timer zeigt mir 557 Minuten seit dem Abtauchen. Bald
10 Stunden vorbei.. Es tut gut statt dem Rebreather mal 15 Minuten Open-Circuit
zu atmen, da sich am Apeksautomat ein anderes Mundstueck befindet und sich
das sehr bequem anfuehlt. Ich bin zu diesem Zeitpunkt fast ausschliesslich
auf dem Rebreather A gewesen, lediglich das Hineinscootern in die Hoehle
und einige kurze Funktionstests waehrend des Tauchgangs wurden auf dem
Rebreather B absolviert. Ich war waehrend des Tauchgangs insgesamt 12 Stunden
auf dem Rebreather, davon 11 Stunden auf dem Rebreather A, Reinhard blieb
13 Stunden auf den Rebreathern, atmete diese aber gleichmaessig ab.
Ok, zurueck auf die Loop und das 50/25. Als Breakstrategie wird hier
das Verhaeltnis 15:5 angewandt, die Breakzeit als vollwertige Deko
angesehen.
Eigentlich eine gute Tarierungsuebung denke ich, waehrend Reinhard und
ich nebeneinander im Schacht schweben. Fast schon laestig, wenn die naechste
Supportcrew von oben uns wieder freundlich zuwinkt, ich gebe das OK einfach
nach hinten, ohne mich umzudrehen.
Reinhards HID-Lampe geht aus, ich schaue auf die Uhr. 10,5 Stunden,
nicht schlecht. Meine neuen NiCad-Akkus haben eine Stunde mehr Brenndauer.
Die Nicad-Akkus haben sich bewaehrt. So lange haetten wir fuer Exploration
und Problemloesungen Licht im Ueberschuss gehabt. Bei Bedarf haette ich
noch einen 10WHID Kopf aus der Tasche ziehen koennen um die Laufzeit noch
weiter zu verlaengern, oder falls der 18W-Kopf ausgefallen waere. Ferner
hatte jeder 3 Barry-Miller-Lampen und eine LED-Lampe dabei.
Reinhard schaut rueber, ob bei mir alles OK ist, ich nicke Ihm zu. Langsam
werden die Stops nun laenger und laenger und wir warten sehnsuechtig auf
das Habitat.
Der 12m Stop war mit 74Minuten veranschlagt, wir befinden uns in etwa
auf der Hoehe der gesetzten Spits meines Habitats.
Nach 730 Minuten schwimmt Reinhard zu seinem Habitat und laesst sich
aus dem Rebreather helfen. Ich grinse, weil er wieder laut vor sich hinbrummelt
und alles perfekt vorbereitet hat und in wenigen Minuten aus dem Geraet
draussen ist.
Er schaut den Tauchern zu, wie Sie den Doppel-RB80 auf den Schachtrand
hochschwimmen. Er hat nun 16kg Blei anhaengen und befindet sich schon die
letzten Minuten auf seinem Breakgas, da vor dem Erreichen des hohen pO2
im Habitat wieder ein langer Break auf dem 17/55 ansteht.
Reinhard schwimmt in das Habitat und zieht die Sitzklappe hoch. Die
Habitatcrew schwimmt zu mir rueber. Ok, es sah bei mir sicher nicht so
elegant aus, aber ich schwimme auch in das Habitat und blase es mit Luft
aus, nachdem ich mir die 16kg Blei angehaengt hatte und schweren Herzens
die Heizung zurueckliess.
Voll aufgeblasen erreicht das Habitat fast 800kg Auftrieb, die durch
6 Spits abgesichert sind. Ein Spit ist ein Bohr- und Spreizduebel, der
fuer eine sichere Verankerung im Gestein sorgt.
Ich freute mich nun auf das erste richtige Essen. Durch mein Habitat-Fenster
hatte ich einen guten Ausblick auf Reinhards "Wohnung", aber
sein Fenster war leider etwas weggedreht.
Die Supporter bringen die Food-Tube, ich lasse Luft in diese einstroemen
und oeffne den Deckel. Es riecht nach Nudeln. Nachdem ich meine Portion
rausgeholt hatte, verschloss ich die Roehre und gab Sie dem Taucher mit,
damit er Reinhard´s Portion zustellen konnte.
Die Flossen lassen wir an, das Blei wird am Gurt belassen und neben
einem auf den Sitz gelegt, die Maske bleibt in Reichweite. Ich habe die
17/55 Stage mit im Habitat, falls etwas schief geht.
Die Breakstrategie wird bei dem po2 von 1,9 auf 12:8 geaendert. Ich
richte mich auf bequeme 3 Stunden ein und Reinhards Beine baumeln gemuetlich
pendelnd aus seinem Habitat, es scheint Ihm gut zu gehen.
Als ich in der Roehre vom naechsten Team ein komplettes BigMac-Menu
gebracht bekomme, muss ich schallend lachen. Lediglich der Ketchup fehlte
und das Sprite schmeckte etwas oede. Nach dem Verzehr dieser kulinarischen
Delikatesse freute ich mich schon auf mein Buch.
Leider wurde das Buch vergessen und so ging die Zeit etwas schleppend
vorbei.
Um 22:45 wollten wir das Habitat wieder verlassen, gegen 22:30 kam die
Ausstiegsscrew. Ich hatte vorher in den Wetnotes gelesen, dass Reinhard
zurueck in den Rebreather wollte und schmunzelte, als ich Ihn mit einer
Stage in der Hand an Tom vorbeischwimmen sah, der mit dem Backplate mit
Lampe und Argon wartete und recht verduzt aussah, als Reinhard abwinkend
an Ihm vorbeischwamm.
Beide atmeten wir 15Minuten Trimix, bevor wir das Habitat verliessen, da
man auf keinen Fall einen Tox-Hit im Wasser riskieren moechte.
Nach ca. 15 Minuten war ich an der Reihe und schlupfte in das Backplate,
nachdem mir zuvor die 50/25 gebracht worden war, mit welcher ich zum Quellteich
zurueckscootern wollte.
Oben wartete Reinhard schon, also Scooter anclippen und Trigger betaetigen.
Die letzten 5m in der Hoehle waren mittels Leuchstaeben beleuchtet, fast
wie eine Landebahnbefeuerung. Nette Geste ! Wir brauchten 8Minuten bis
zum Pool und relaxten hier noch eine Weile. Wir bewegten nochmals alle
Gliedmassen durch, um auf irgendwelche Zipperlein zu achten. Meine Kreuzschmerzen
kamen sicher nicht vom DCS...
Hier im Pool wollte ich das Umspringen des Timers von 999Minuten sehen,
aber der Vyper blieb bei 999 einfach stehen. Ok, was solls, wir stiegen
mit ca. 1m/Minute nach oben.
Gerade aufgetaucht wurden wir mit Champagner uebergossen, die gesamte
Meute stand oben und alle jubelten und applaudierten. Reinhard und ich
grinsten uns bis ueber beide Ohren an. Was ein cooler Tauchgang.
Ueberall waren Teelichter aufgestellt, wir bekamen Champagner gereicht,
nahmen aber nur einen winzigen Schluck, da wir ja immer noch damit rechnen
mussten wieder ins Wasser zu gehen, falls wir wider Erwarten DCS-Probleme
bekommen sollten.
Die naechste Kammer war in Toulouse und Reinhard hatte seine transportable
Kammer nicht mitgenommen. Daher hatten wir fuer diesen Tauchgang die Deko
auch eher konservativ geplant. Man haette durchaus 1,5h einsparen koennen.
Wir blieben also ca. 10 Minuten im Wasser stehen, dann ging es raus.
Das gesamte Tauchequipment wurde tauchbereit gelagert und es war genug
O2 im Pool, doch wir benoetigten nichts davon.
Der Grill bruzelte schon und so feierten und futterten wir noch eine
ganze Weile.
Nach dem Essen (ca. 30 Minuten nach dem Tauchgang) wurden wir beide mittels
eines Dopplers auf Blasen untersucht, wir hatten beide keine Blasen. Die
grobe Dekoplanung wurde mit Decoweenie berechnet mit GFLo=0,1 und GFHi=1,2
und dann manuell angepasst.
Das Beeindruckendste des gesamten Trips war der Spass und Teamgeist
! Ebenso war es toll, mit Tauchern aus ganz Europa zu tauchen und durch
die Standardisierung gab es keinerlei Probleme in der Durchfuehrung. Der
Erfolg dieses Tauchgangs war nicht zuletzt auch dem verwendeten DIR-System
massgeblich zuzuschreiben.
Forschungstauchgaenge auf diesem hohen Niveau erfordern umfangreiches
technisches Equipment, von dem ein Grossteil selbst entwickelt und/oder
gefertigt wurde. Dazu gehoeren unter anderem das Heizungssystem, die Foodtube,
das Habitat, die Magnum-Gavin-Scooter, Pinkelventil, NiCad-20Ah-Lampenkanister,
Rebreather,usw. Die Magnum-Scooter basieren auf den von George Irvine vertriebenen
Gavin-Scootern und die von Reinhard entwickelten Rebreather werden inzwischen
von Halcyon produziert und verkauft.
Die folgenden Tage wurden eher gemuetlich verbracht. Wir machten noch
ein paar Tauchgaenge und mussten feststellen, dass die Sicht in der Doux
de Coly von mal zu mal besser wurde.
Wir danken den folgenden Personen für Ihre tatkraeftige Unterstuetzung
vor Ort (in alphabetischer Reihenfolge): Christiane Wieland, Dirk Zielinski,
Goetz Braeutigam, Harmen Nieuwenhuis,Helmut Pearson, Herve Deschamps, Ian
Pinkstone, John Grogan, Michael Brusdeilins, Paolo Passalaqua,Peter Fjelsten,
Ralph Wilhelm, Tanja Buchaly, Thomas Karch.
Ebenso gilt unser Dank Olivier Isler, der mit seiner Vorarbeit in dieser
Hoehle unseren Tauchgang ermoeglicht hat. Ebenso danken wir George Irvine
und Jarrod Jablonski, sowie unseren anderen Teamkollegen der WKPP, fuer
den Gedankenaustausch und die Ideen zu diesem Tauchgang.
Da wir auf offener Strecke bei 5000m aufgrund der Tiefe und des vorhandenen
Gasgemisches umkehren mussten, wird dies sicher nicht der letzte Tauchgang
hier gewesen sein.
Hier noch das getauchte Profil:
Reinhard und Michael
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