© 2001 Oliver Meise
- Keine Gewährleistung -
Tscha. Worum geht`s ? Eine Schlafmünzensammelstelle
im Konservenformat? Mitnichten!
Dr. Reinhard Buchaly - vielen Tekkies bzw. tec-list
- Lesern als eingefleischter Höhlentaucher bekannt -hat einen unkomplizierten,
aber gerade deshalb genialen halbgeschlossenen Rebreather mit passiver
Gaszuführung entwickelt.
Alles begann Ende 1996 als privates Projekt ohne
Vermarktungsinteresse. Die am Markt befindlichen Rebreather erschienen
nicht leistungsfähig oder sicher genug für ausgedehnte Höhlenexplorationen
in größeren Tiefen mit kilometerlangen Tauchstrecken. Und militärische
Geräte waren nicht verfügbar,zu teuer oder überzeugten letztendlich
von der Konstruktion her nicht für den Einsatzzweck. Man ging also
daran, mit Hilfe eines Simulationsprogramms Eckwerte für einen passiven,
halbgeschlossenen Rebreather zu erstellen. Das Programm hierzu schrieb
Anfang 1997 Bernd Aspacher nach den Vorgaben von Reinhard. Die neue Rebreatherkonstruktion
sollte positive Eigenschaften und Konstruktionsmerkmale alter, erprobter
Rebreathertypen mit neuen Ideen verbinden. Ein erklärtes Ziel war
eine deutlich kleinere,kompaktere Bauform zu entwickeln. Pate stand hier
das ältere Halcyon-Gerät und auch zum Teil auch Oliver Isler`s
redundantes
Rebreathersystem. Vom letzteren wurde vor allem der
Gedanke der Redundanz und der optimierten minimalen Gegenlungengröße
übernommen. Ein Sicherheitsfeature sollte aber das Fehlen jedweder
Elektrik oder Elektronik sein.
Durch den Kontakt mit dem Konstrukteur des
DC 55-Rebreathers wurde die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Materialeigenschaften
der Gegenlunge gelenkt. Im folgenden floss noch viel Gedankenarbeit, gerade
in Sachen unproblematischer Aufbau des Systems, in die Konstruktion ein.
Schließlich war man aber fertig.
Wenn man nun diesen ca. 16 kg schweren Rebreather
( mit Atemkalk gefüllt, mit Mundstücksgarnitur und Gasblock)
auseinandernimmt, werden die Hauptkomponenten sichtbar.
Rechts und links ragen oben aus dem Rebreatherkopf
- er besteht aus einem massiven Delrinblock - die Schläuche für
die Ein- und Ausatemluft heraus.Hierbei handelt es sich um die bewährten
und extrem stabilen Darlingschläuche.Diese münden in dem ebenfalls
robusten Mundstück mit dem Bailouthebel aus Delrin. Die Anschlußstücke
sind rot und grün farbkodiert.
Der eigentliche Rebreatherzylinder besteht aus
zwei "Stufen". Ferner sieht man auf der Abbildung eine Neoprenmanschette,
die zur zusätzlichen Wärmeisolierung übergezogen wird.
Bei dieser Aufnahme erkennt man unter der Neoprenmanschette
die beiden Ventilgewinde, über die das Drive-gas in den Rebreather
strömen kann.
Beide "Stufen" sind miteinander durch zwei
senkrechte, mit der Hand zu lösende, Spannschellen stabil verbunden.
Löst man die Spannschellen, kann man das Oberteil vom Unterteil trennen.
Im Oberteil befindet sich der Scrubberbehälter
mit einem Fassungsvermögen von 3,5 Litern.
Im Unterteil befindet sich eine Gegenlunge in
Form eines Faltenbalges.Dieser Teil wird vom Oberteil durch ein Arrangement
von O-Ringen, Drahtgewebefiltern usw. getrennt.In diesem konstruktiv auf
dem Unterteil aufsitzenden Teil befinden sich auch die Zufuhrventile des
Vorratsgases.Es wird hier dem Kreislauf zugeführt.
Das Unterteil mit dem Faltenbalg hat noch einige
nette Features. Je nach Verwendungszweck kann man das Entlüftungsverhältnis
durch Einbau einer kleineren inneren Gegenlunge verändern. Außerdem
befinden sich seitlich durch feines Gewebe geschützte Öffnungen.
Die äußere Gasabgabe und der Schutz vor Überdruck im Faltenbalg
wird mittels eines Entlüftungsventils geregelt.
In dem abgebildeten Zustand ist natürlich
noch kein Tauchen möglich. Es fehlen die
Vorratsgasflaschen. Diese lassen sich an einem Rahmen,
der auch den Rebreather geschützt aufnimmt, rechts und links
anbringen.Für ganz extreme Zwecke kann man auch zwei dieser Rebreather
tauchen. Der Anfang August 2001 in der französischen Höhle Doux
de Coly durchgeführte Tauchgang über 5000 mtr ( damit längste
europäische Unterwasserhöhle) fand mit einer Doppelrebreatherversion
statt.
Das Gas aus Rücken- oder Stageflaschen wird
über einen Gasblock, den der Taucher am rechten Schulter-D-Ring einhängt,
zum Rebreather geleitet.
Die übliche Konfiguration, bestehend aus der
Begurtung, einer Rückenplatte und einem Wing, kann hier unverändert
verwendet werden.
Die beiden Gaszuführungen zum Rebreather
sind gleichgeordnet und dienen der Redundanz.
Das Potential dieses Rebreathers hat sich bei
dem 17 Stunden dauernden Tauchgang in der Doux de Coly gezeigt.
Das physikalische Gasabgabeverhältnis liegt
bei 1:10. Dies bedeutet im praktischen Betrieb eine Gasstreckung von ca.
1:8.
Weitere interessante Features sind die vollautomatische
Kondensatabscheidung - bei Tauchzeiten jenseits der drei Stunden ganz angenehm,
nicht eine manuelle Wasserpumpe bedienen zu müssen.
Außerdem kann man ein Dräger Oxygauge
installieren - wenn man das möchte. Die Überwachung des Rebreathers
erfolgt eigentlich durch die Akustik und das Empfinden. Bei der Gasabgabe
und Gaszufuhr ist ein deutliches Geräusch zu hören. Dieses wird
auch nicht durch andere Geräusche, wie zum Beispiel vom Scooter, überlagert.
Die Gasabgabe kann bei diesem Rebreather auch visuell leicht vom
Tauchpartner kontrolliert werden.
Schließlich ist dieser Rebreather auch druckmäßig
ambient, so daß man sich um Tiefenlimitierungen seitens der Konstruktion
keine Gedanken machen muß. Ein weiteres Sicherheitsfeature ist das
Vorhandensein von zwei Kupplungen zur Gaseinspeisung. Diese können
getrennt abgesperrt werden, außerdem kann über jedes der beiden
Ventile das Gas dem Rebreather zugeführt werden.
Dieser so konstruierte Rebreather wurde dann in
den USA einigen Rebreather-Gurus vorgestellt. Das ergab sich zwangsläufig
aus der Mitgliedschaft von Reinhard Buchaly und Michael Waldbrenner in
der WKPP.
Nachdem JJ, RMC und George Irvine es dann in Florida
auch getaucht hatten, war man davon so angetan,daß Reinhard`s Rebreather
der neue Halcyon-Rebreather wurde.
Er wird bei Halcyon als RB 80 vermarktet, wobei die
Buchstaben für die Initialen des Erfinders stehen und die Zahl ein
Indiz für die Abmessungen des Rebreathers sind (ca. die Größe
einer 80er cu/ft Preßluftflasche). Dies ist umso mehr ein passender
Partner zur Vermarktung, als das ein Halcyonmundstück mit intergriertem
Bail-Out-OC-Automaten und der Halcyon-Switchblock in die Rebreatherkonfiguration
einflossen.
Neben den RB80 existieren auch noch einige Geräte
mit der Bezeichnung RB2000. Hierbei handelt es sich um Reinhards Prototypen
bzw. Vorserienmodelle.
Interessenten für einen Rebreather müssen
sich somit an Halcyon wenden und können dort für 7885 US-$ einen
RB80 erwerben.Zu dem Rebreather bekommt man noch einen Pelicase-Transportkoffer,eine
Bedienungsanleitung, Atemkalk,ein Bailoutmundstück und den Switchblock
für das Vorratsgas. Bevor man aber den Rebreather ausgehändigt
bekommt, muß
jeder bei GUE einen speziellen, auf den RB80 zugeschnittenen
Kurs absolvieren. Dieser kostet z.Zt. weitere 1500 US-$. Ein nicht ganz
billiges Vergnügen,also. Das Gerät und die bei GUE bekannte solide
Ausbildung dürften das aber wieder wett machen.
Sollte man schon das Training auf dem alten Halcyon-Rebreather
absolviert haben, entfällt der GUE-Kurs. Hier würde dann nur
noch ein Trainingsupdate mit 300 US-$ zu Buche schlagen.
Zum Rebreather gibt es dann noch weitere Zubehörteile,
die man bei Halcyon bestellen kann:
Das MC-System für zwischen 457 und 555 US-$,
das Doppelflaschengestell mit Spezialbrücke für 500 US-$ sowie
die 300bar-Brücke für gegenwärtig 254 US-$.
Neben den vor allen preislichen "Nachteilen"
dieses Geräts ist die Hauptschwäche eventuell der Verzicht auf
die Tiefenkompensation und der damit verbundenen Gefahr der Hypoxie. Bei
dem RB80 wurde diese Vorrichtung für eine vermehrte Gasabgabe bis
in Tiefen von ca. 20m aber bewußt weggelassen,da es sich beim RB80
um ein Explorationsgerät handelt. Mit korrekter Gasauswahl ist es
allerdings kein Problem, das Gerät in geringen Tiefen zu tauchen.
Wahrscheinlich ist aus diesem Grund auch die Ausbildung bewußt in
die Hände von GUE gelegt worden.
Meinen Dank an dieser Stelle geht an Herrn Michael
Waldbrenner.Er fand letztens an einem Abend freundlicherweise Zeit,einigen
Taucher.net - Redakteuren dieses Gerät zu erklären.Im weiteren
bedanke ich mich bei Herrn Reinhard Buchaly selbst für das Gegenlesen
dieses Artikels um ggfs. technische Unklarheiten zu beseitigen. Dankeschön!!
|