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Onlinemagazin - 12. Ausgabe - Individualtauchen auf Gozo




 Geschrieben von Stefan Sprungk

Einleitung

Vom 31.5.2001 bis zum 13.6.2001 haben wir unseren ersten diesjährigen Tauchurlaub auf Gozo verbracht. In diesem Artikel möchten wir unsere Eindrücke als Individualtaucher beschreiben. Wir hatten ein Appartement und ein Auto gemietet und ein Non-Limit-Tauchpaket gebucht.

Insel

Gozo ist eine Insel im südlichen Mittelmeer. Sie bildet zusammen mit ihren Schwesterinseln Malta und Comino ein kleines Archipel, welches zwischen Sizilien und der nordafrikanischen Küste liegt. Bis zur Küstenstadt Tripolis sind es nach Süden ca. 370 km, bis zur sizilianischen Küste nach Norden etwas mehr als 100 km. Die Länge der Insel in west-östlicher Richtung beträgt maximal 15 km, ihre Breite in nord-südlicher Richtung 7 km. Diese Inseln bestehen geologisch hauptsächlich aus gelbem Kalksandstein, der neben Beton das wichtigste Baumaterial darstellt. Die Kalksandsteinfelsen bilden Steilwände, die bis zu 160 m aus dem Meer herausragen.

Viele nennen Gozo eine grüne Insel, was vielleicht auch für die Lage und den Breitengrad zutreffen mag, jedoch verglichen mit den herrlichen, grünen Landschaften von Madeira oder den Azoren erscheint sie ziemlich karg. Klimatisch bietet sie ausdauernden Sonnenschein und ab Anfang Juni sehr hohe Tagestemperaturen mit häufig über 35 Grad Celsius. Die Windsituation ist unberechenbar. Bei aufkommenden Winden kann sich binnen kürzester Zeit an dem betreffenden Küstenabschnitt eine hohe Brandung aufbauen. Flaut der Wind ab, beruhigt sich das Meer innerhalb eines Tages recht schnell.

Politisch bildet das Archipel eine eigene Republik, die 1990 den Antrag auf eine Vollmitgliedschaft in der EU gestellt hat.

Kulturlandschaft

Die Landschaft ist geprägt durch ihre wechselhafte Geschichte. Sie reicht von den Überbleibseln steinzeitlicher Tempelanlagen, den Hinterlassenschaften der Römer, den mittelalterlichen Bauten der Ritterorden bis hin zu Andenken an die englische Kolonialzeit. Neben Kalksandsteinbauten wird das Bild durch Terrassen-Gärten und -Felder geprägt. Es existiert ein vernünftig ausgebautes Straßennetz, wobei alle Straßen sternförmig in die Inselhauptstadt Victoria führen.

Tauchen auf Gozo allgemein

Individualtauchen

Wir hatten schon viele begeisterte Berichte über das Tauchen auf Malta und Gozo gehört, worauf wir neugierig wurden. Da wir gern individuell, also vom Basenbetrieb unabhängig, und allein tauchen, mussten wir warten, bis wir unser CMAS **-Brevet in den Händen hielten. Individualtauchen ist auf Malta nur möglich, wenn die betreffenden Taucher mindestens über das CMAS **-Brevet oder über eine AOWD-Qualifikation eines anderen Verbandes verfügen. Nachdem wir Ende letzten Jahres nun unser CMAS **-Brevet erhalten hatten, hatte ich nichts Eiligeres zu tun, als einen Tauchurlaub auf Gozo zu buchen. Hierfür musste neben den Brevets eine gültige Tauchtauglichkeitsbescheinigung beim Reiseveranstalter (hier Tauchreisen Roscher) eingereicht werden, um von den maltesischen Behörden die so genannte C-Card ausgestellt zu bekommen. Diese erlaubt einem das völlig unabhängige Tauchen.

Auf Gozo ist das Tauchen, mit Ausnahme von zwei Plätzen, überall gestattet. Bei den beiden genannten Plätzen handelt es sich um archäologische Fundstätten, die von uns Tauchern nicht durcheinander gebracht werden sollen. Das Harpunieren ohne Sondererlaubnis ist nicht gestattet und wird mit empfindlichen Strafen geahndet.

Unterwasserlandschaften

Die Tauchreviere auf Gozo sind recht unterschiedlich. Zum einen gibt es Ebenen, auf denen ausgedehnte Seegrasprärien vorzufinden sind, daneben existieren Sandflächen, Hartböden aus Fels und Steilwände mit Höhlen, Grotten, Spalten und Kaminen. Zu meiner großen Freude verfügten alle diese Landschaften neben der noch zu erwähnenden Fauna über eine reichhaltige und anscheinend intakte Flora. Die Unterwasserpflanzen bilden einen eindrucksvollen Kontrast zu der eher kargen Landschaft über Wasser. Auf Madeira beispielsweise ist es genau umgekehrt, dort ist der Meeresboden im Vergleich zur Oberfläche eher karg.

Flora

Die Posidonia-Wiesen erwähnte ich bereits. Sie scheinen, soweit ich das beurteilen kann, in einer recht guten Verfassung zu sein. Die an der französischen Mittelmeerküste eingeschleppte tropische Alge Caulerpa Taxipholia, die dort die Seegrasbestände verdrängt und damit die Lebensgrundlage vieler Organismen zerstört, konnte ich dort nicht entdecken. In vielen Buchten im Flachwasser bis zehn Meter Tiefe sind die Halme kräftig und hoch gewachsen. Je tiefer der Tauchplatz liegt, an denen noch Posidoniawiesen existieren, desto kleinwüchsiger sind die Halme. Noch in Bereichen bis 40 Meter Tiefe haben wir Posidoniakolonien angetroffen. Insbesondere bei Nachttauchgängen kann man sehr viele interessante Tiere wie z.B. Schnecken oder junge Kalmare dort entdecken.

Die Hartsubstrate, insbesondere die Riffwände, sind dicht mit Meeresschirmchen, Trichteralgen, Beerentang, Meeresflechten u. a. bewachsen.

Fauna

Tagsüber sind in den Posidoniawiesen häufig größere Gruppen von stattlichen Goldstriemen anzutreffen, die Algen von den Seegrashalmen abweiden. Bei genauem Hinsehen entdeckt man gut getarnt den Grünen Lippfisch. Ein häufiger Begleiter ebenfalls in der Nähe von Seegraswiesen sind diverse Brassenarten bis hinauf zu den großen Sackbrassen.

Auf Sandböden in etwa 15 Meter Tiefe konnten wir Plattfische wie z.B. junge Butte entdecken, ein Knurrhahn "lief" uns über den Weg, und - was für mich eine Sensation war - mein erstes Petermännchen schoss an einer Stelle aus dem Sand, um sich einen Meter weiter flugs wieder einzubuddeln. Hierbei handelte es sich um ein stattliches Exemplar eines Spinnen-Petermännchens. Später haben wir noch eine Reihe weiterer Exemplare in größerer Tiefe entdeckt. Auf denselben Sandböden fanden wir Meerbarben. Ebenfalls auf Sandböden, aber häufig tiefer, kann man auf Rochen treffen. Hierbei handelt es sich um Stech-, Sand- und Zitterrochen. Unsere erste Rochenbegegnung fand an eher untypischer Stelle statt: im Flachwasser auf felsigem Untergrund. Hier schwamm uns ein Sandrochen entgegen, nachdem er von Sägebarschen belästigt und aufgescheucht worden war.

Häufig vertreten sind die diversen Lippfischarten. Auffallend sind Arten wie Meerjunker und Meerpfau sowie Gruppen großer Papageienfische.

Gut getarnt sitzen auf felsigem Untergrund und zwischen Posidoniahalmen verschiedene Arten von Drachenköpfen. In zahlreichen dunklen Felsspalten sind die Meerbarbenkönige allgegenwärtig. Nur einmal haben wir eine Muräne zu Gesicht bekommen. Es war ein bleistiftdünner Winzling von Mittelmeermuräne, welcher uns mit weit aufgerissenem Maul frech drohte, bevor er sich in einer Felsspalte doch lieber in Sicherheit brachte. In größeren Tiefen ab 30 Meter begegneten wir unter Felsüberhängen Gabeldorschen. Nicht selten, aber vor allem nachts, findet man verschieden große Exemplare von Kraken. Eine besondere Begegnung hatten wir mit einer großen Sepia, die auf einem Fels saß und uns, als wir dichter herankamen, ganz gelassen einige Schwimmdarbietungen lieferte und sich danach ruhig auf einem anderen Stein niederließ.

An tiefer gelegenen Riffkanten konnten wir eine Reihe von pelagischen (im Freiwasser lebenden) Fischen beobachten. Hierzu zählte ein großes Exemplar eines jagenden Barakudas, diverse noch nicht ausgewachsene Braune Zackenbarsche, Wrackbarsche, Gelbflossen-Stachelmakrelen, Bernsteinmakrelen und wahrscheinlich sogar einige Thunfische.

Bei Nachttauchgängen versammeln sich am Rand des Lichtkreises der Lampen Fischschwärme. Ab und an stoßen Barakudas blitzartig in diese Schwärme hinein und stören damit die Schwarmordnung; jedoch dauert es nicht lange, bis sich diese Ordnung wieder neu ausgebildet hat. Hin und wieder stöbert man auch winzige Kalmare auf.


Kapitaler Barakuda beim Jagen im Freiwasser

Anmerkungen

Für das Mittelmeer gilt Ähnliches wie für den Nordatlantik oder die Ostsee. Entgegen landläufigen Meinungen gibt es dort eine Fülle von Lebewesen ebenso wie in den tropischen Revieren. Diese Lebewesen sind jedoch häufig besser getarnt und somit schwerer zu entdecken. Das ist jedoch für uns auch ein Reiz, das eigene Auge entsprechend zu üben und sich unter Wasser so zu verhalten, dass Fische eher aus Neugier zu einem heranschwimmen, anstatt sie durch ungeschickte Annäherungsversuche zu vertreiben.

Tauchplätze und Tauchgänge

Xlendi

Xlendi Bay

Ein faszinierender Tauchplatz ist die Xlendi Bay und das Gebiet in der Umgebung. An dieser Bucht liegt der Ort Xlendi. Es gibt Gerüchte, dass hier gelegentlich ungeklärtes Abwasser eingeleitet wird, was wir nach unseren Beobachtungen nicht bestätigen können. Die Bucht liegt gut geschützt auf der Südseite der Insel. Vom hintersten Ende fällt sie ganz allmählich ab. Die tiefste Stelle liegt bei ca. zehn Meter am Buchtausgang.

Der Boden besteht aus Sandflächen und Posidoniakolonien. Auf dem Boden befinden sich einige Betongewichte, zwischen denen Taue zum Festmachen von Booten gespannt sind. Diese Taue mit eigenem Auftrieb bilden im Wasser interessant anzuschauende Bögen, die man bequem durchtauchen kann. Sowohl die Betongewichte als auch die Taue sind von Algen und anderen Lebewesen in Besitz genommen worden.

Die Xlendi Bay dient seit der Römerzeit als Naturhafen. Daher müssen Taucher auf Bootsverkehr achten. Ansonsten ist das Tauchen in dieser Bucht unproblematisch, solange man auf Taue oder lose treibende Leinen Acht gibt. Auf beiden Seiten wird die Bucht von Felsgestein begrenzt. Auf der linken Seite, wenn man zum Meer hinausschaut, verläuft eine Uferpromenade, von der man bequem an verschiedenen Stellen ins Wasser gelangen kann. Im Fels verankerte Eisenleitern ermöglichen den Ein- und Ausstieg.


Blick auf das vordere Ende der Xlendi Bay

Xlendi Cave bzw. -Tunnel

Auf der rechten Seite befindet sich über Wasser eine größtenteils unzugängliche Steilwand. Diese Steilwand wird unter Wasser durch einen Tunnel durchbrochen, der eine Verbindung zum offenen Meer darstellt. Der Eingang zum Tunnel liegt ca. drei Meter unter der Wasserlinie und ist relativ eng. Nach einem nach links verlaufenden Knick kann man aber bereits das andere Ende sehen. Der Tunnel weitet sich in seinem Verlauf auf, und in der hinteren Hälfte könnte man auch auftauchen. Unmittelbar hinter dem Eingang gabelt er sich - beide Durchgänge sind benutzbar, wir haben nur den (etwas breiteren) rechten genommen.

Wenn man sich nach Durchqueren des Tunnels links hält, gelangt man zum Xlendi Reef und von dort wieder zurück in die Bucht. Auf der dem Meer zugewandten Seite fällt das Riff auf eine Tiefe von rund 18 Metern ab. In der Xlendi Bay trifft man auf einen Großteil der oben beschriebenen Fauna mit Ausnahme der pelagischen Arten.

Xlendi Reef

Als sehr entspannend habe ich das Tauchen entlang der Steilküste am rechten Ausgang der Xlendi Bay empfunden. Ganz langsam nimmt die Tiefe zu, wobei wir vorwiegend über Seegras getaucht sind. Die Unterwasserlandschaft und insbesondere die rechter Hand liegende Felswand bietet immer wieder einen interessanten und abwechslungsreichen Anblick. Nachdem wir eine Tiefe von 22 Metern erreicht hatten, drehten wir senkrecht zur Steilwand ab und tauchten zu frei liegenden Sandflächen hinaus. Hier stand an einer bestimmten Stelle eine Reihe von Betonkübeln auf dem Sandgrund. Welchem Zweck sie dienen sollten, konnten wir nicht feststellen; vielleicht sollen sie die Ansiedlung weiterer Fauna und Flora fördern. Danach tauchten wir im Rechteckkurs zurück zum Eingang der Xlendi Bay.

Xwieni-Bay

Ein interessanter und auch für Anfänger hervorragend geeigneter Tauchplatz auf der Nordseite der Insel ist die Xwieni-Bay. Sie bietet auch bei stärkerem Nordwind noch gute Einstiegsmöglichkeiten. Parkplätze befinden sich wenige Meter vom Ufer entfernt. Der Unterwasserboden besteht zum größten Teil aus Seegraswiesen. Die Tiefe nimmt langsam bis zum Buchtausgang auf zwölf Meter zu.

Wenn man links an der Küste entlang weitertaucht, lösen sich Sand- und Hartsubstratböden in stetem Wechsel ab, bis man auf eine surrealistisch anmutende Unterwasserlandschaft trifft, die von Minicanyons zerfurcht ist. Vor allem die Unter- und Schattenseiten der Felsen sind hier farbenprächtig bewachsen. Hier konnten wir u.a. gelbe Krustenanemonen, purpurrote Seescheiden, orange, rote und purpurne Seesterne, größere Einsiedlerkrebse, Unterwasserspinnen und die kleine Muräne beobachten. Außerdem hatte hier ein Minizackenbarsch in einer kleinen, aus mehreren Felsblöcken gebildeten "Höhle" sein Revier. Mitten in einer kleinen Posidoniawiese saß ein größerer Krake, der es sich in einer Holzkiste bequem gemacht hatte. Der Boden liegt hier recht gleichmäßig bei ungefähr zwölf Metern und fällt Richtung Norden ganz gemächlich ab.

Taucht man von den Canyons vom Ufer weg nach Norden, stößt man nach einer Strecke von vielleicht 300 m auf eine Riffkante in 20 Meter Tiefe. An dieser Riffkante fällt der Boden senkrecht auf Tiefen von z.T. weit mehr als 40 Meter ab. Hier lassen sich gut die genannten pelagischen Fische beobachten. In den Wintermonaten besteht sogar die geringe Chance der Sichtung von Blau- und auch Makohaien. Leider haben wir das Glück nicht gehabt, diese eleganten Fische beobachten zu können. Die Riffkante schlängelt sich und bildet kleinere Buchten. In einer solchen Bucht liegt eine Wand mit zwei Durchbrüchen untereinander, das so genannte Double Arch Riff. Leider haben wir diesen Platz nicht gefunden. Wie wir später hörten, ergeht es anderen Tauchern ähnlich.

Gashri Valley

Der Einstieg

Einer unserer Lieblingstauchplätze liegt im Gashri Valley. Hierbei handelt es sich um eine fjordähnliche Einbuchtung an der Nordküste. Das Wasser wird von hohen, steilen Felsen eingeschlossen. Am südlichen Ende der Bucht liegt ein relativ kleiner Kiesstrand. Dorthin gelangt man über eine in den Fels gehauene Treppe, die ungefähr 100 Stufen in die Tiefe führt. Am oberen Ende der Treppe ist Platz zum Parken für ca. vier Autos. Es empfiehlt sich, sich direkt auf dem Parkplatz anzurödeln und in voller Montur die Treppen hinabzusteigen. Ein Mindestmaß an körperlicher Fitness ist hierfür allerdings unerlässlich, denn man muss ja nach dem Tauchgang auch wieder rauf.

Tauchen im Fjord

Vom Strand aus kann man ins Wasser gehen, der Boden fällt ganz langsam ab. Nach kurzem Flösseln erreicht man eine Abtauchtiefe von zwei Metern. Wenn man dort abtaucht, findet man eine Unterwasser-Landschaft aus Kieselsteinen und größeren Felsbrocken. Der Boden fällt langsam ab, wobei immer wieder Stufen zu finden sind, an denen es auch mal abrupt ein bis zwei Meter tiefer geht. Es lohnt sich, länger zu verweilen und auch die Stellen unter den Überhängen näher anzusehen. Dort sind die Felsen mit orange- bis rotfarbenen Krustenschwämmen und Sternkorallen bewachsen. Bis in eine Tiefe von ca. sieben, acht Metern sitzen jede Menge Seeanemonen zwischen den Steinen. Am Ende dieses "Fjordes" befindet sich in ca. zwölf Metern Tiefe ein Wall bestehend aus großen Felsblöcken. Überquert man diesen Wall, gelangt man direkt ins offene Meer. Von dort aus kann man zwei weitere sehr interessante Plätze ansteuern.

Tauchgang zum Blue Dome

Ein Highlight dieses Tauchplatzes ist der Blue Dome. Hierbei handelt es sich um eine Höhle, in die man tauchend hineingelangen kann. Die Oberkante des Eingangs liegt wenige Meter (ca. fünf Meter) unter der Wasseroberfläche, die Unterkante auf ca. 15 Metern. Der Eingang ist riesengroß. In der Höhle selbst kann man auftauchen und auch ohne Regler atmen, die Frischluftzufuhr von außen ist gewährleistet. Mindestens ein "Luftloch" ist unübersehbar.

Das Höhlendach besteht aus einer riesigen Kuppel. Das Faszinierendste an dieser Höhle ist das blaue Farbenspiel. Vor allem nachmittags gelangt jede Menge blauen Lichtes in allen Farbschattierungen aus dem Meer durch den Unterwassereingang in diese Höhle. Ich leide unter einer leichten Klaustrophobie, hatte dort aber nicht die geringsten Beklemmungen. Eine Höhlentauchausbildung ist für den Besuch des Blue Dome absolut nicht erforderlich, und aufgrund der geringen Tiefen sollten auch leicht fortgeschrittene Anfänger diesen Tauchgang durchführen können. Den Blue Dome erreicht man, indem man sich hinter dem Steinwall am Ausgang des Ghasri Valley rechts hält und an der Felswand entlang taucht. Hinter einer größeren Einbuchtung ist die Höhle nicht zu verfehlen.

Blue Dome - ein ungefährliches Höhlenerlebnis

Tauchgang an der Riffschräge bis zum Meeresgrund

Überquert man den Steinwall in Buchtmitte und taucht geradeaus weiter, so schwebt man über ein Geröllfeld, dessen Boden kontinuierlich recht steil abfällt. Diese Schräge endet in einer Tiefe von 30 Metern. Dort setzt sich der Boden in Form von Sandflächen fort, die hin und wieder mit Posidoniabüscheln bewachsen sind. Der Grund fällt weiter ab, jedoch ganz langsam. Wir sind dort bis zu einer Tiefe von 40 Metern weiter getaucht, in der leider vergeblichen Hoffnung auf Sichtung von Rochen oder Katzenhaien. Einen Rochen haben wir dann doch noch gesehen, allerdings erst auf dem Rückweg im Fjord in ca. sechs Meter Tiefe. Er schwamm uns lässig entgegen. Jedoch sind allein schon die Farben (Blautöne) und die Stimmung dort unten den Tauchgang wert. Des weiteren haben wir in dieser Tiefe einige Petermännchen halb vergraben im Sand entdeckt, und etwas weiter oben schaute aus einem Loch zwischen den Felsen eine prachtvolle Languste hervor.

Inland Sea

Der Einstieg

Der Inland Sea liegt im Nordwesten von Gozo. Es handelt sich hierbei um einen kleinen, ziemlich flachen See, der durch eine hohe Felswand vom Meer getrennt ist. Es besteht eine Verbindung zum Meer durch einen beeindruckenden Tunnel. Der Tunnel ist durchgehend über der Wasserlinie nach oben offen. Direkt am Tauchplatz bestehen gute Parkmöglichkeiten. Am See befinden sich einige Bootsslipanlagen, die man für den Einstieg nutzen kann. Man sollte vorsichtig einsteigen, da der Betonboden durch Algenbewuchs recht rutschig sein kann. Unmittelbar am Einstieg ist es sehr flach. Erst am Eingang zum Tunnel wird es mit zwei bis drei Metern etwas tiefer. Ab hier sollte man abtauchen.

Tauchgang durch den Tunnel.

Der Tauchgang beginnt an der linken Tunnelseite in einer Tiefe von maximal vier Metern. Der Grund fällt schnell bis zu einer Tiefe von mehr als 30 Metern am anderen Ende ab. Der Tunnel an sich ist eine relativ schmale, hohe Spalte im Fels, die sich zum Meer hin immer weiter öffnet. Das Bezaubernde besteht in dem Farbenspiel, das sich demjenigen bietet, der ihn zum Meer hin durchtaucht. Man taucht aus dem Dunklen dem hellen, blauen Farbenspiel entgegen.

Aufgrund des regen Bootsverkehrs durch den Tunnel hindurch sollte auf keinen Fall im Tunnel aufgetaucht werden. Eine Begegnung mit Booten, deren Führer einen in der Dunkelheit nicht sehen können, ist sehr wahrscheinlich. Am Tunnelende zum Meer befindet sich eine Riffkante, die steil bis auf etwa 70 m abfällt. Hier hat man die Möglichkeit, den Tunnelausgang genauer zu untersuchen oder nach rechts bzw. links den Tauchgang fortzusetzen.

Blick aus dem Tunnel in das magische Blau, das vom Meer kommt

Tauchgang rechts der Steilwand folgend

Wenn man am Tunnelausgang rechts der Steilwand folgt, taucht man an verschiedenen Spalten und Einbuchtungen vorbei. Stellenweise befinden sich Plateaus im Fels. Auf dem Tauchgang haben wir mehrere Zackenbarsche gesehen, die für Gozo schon eine beachtliche Größe von bis zu einem Meter hatten. Des weiteren glauben wir, einen kleinen Schwarm von ausgewachsenen Thunfischen gesehen zu haben. Außerdem beobachteten wir Schwärme großer Sackbrassen und Stachelmakrelen. Auf dem Rückweg sind wir irrtümlich am Tunnelausgang vorbei getaucht, da wir ihn in der Tiefe, in der wir uns befanden, nicht wiedererkannt haben. Dies hat uns dann in Schwierigkeiten mit unserem Luftvorrat gebracht.

Tauchgang links der Steilwand folgend

Der Weg links an der Steilwand entlang führt an diversen Spalten und Höhlen vorbei. Dies kann ebenfalls zu Verwechslungen und Orientierungsproblemen auf dem Rückweg führen. Dieser Tauchplatz erfordert eine recht gute Übung in Orientierung unter Wasser. Auf direktem Weg ließe sich von hier ein anderer berühmter Tauchplatz, nämlich das Azure Window, erreichen; man könnte dann am Blue Hole aussteigen - Ortskenntnis und geeignete Wetterverhältnisse vorausgesetzt.

Sicherheitshinweise

Im Folgenden möchte ich nochmals auf die Tücken dieses Tauchplatzes hinweisen.

    Reger Bootsverkehr im Tunnel. Daher Auftauchen in jedem Fall vermeiden.

    Mitunter Navigationsprobleme. Deshalb auf ausreichende Reserve achten. Beim ersten TG an diesem Platz schon bei 140 bar den Rückweg antreten und den Tunnelausgang eingehend unter die Lupe nehmen.

    Mit Strömung am Tunnelausgang rechnen und mit einkalkulieren.

Reqqa Point

Der Einstieg

Der Tauchplatz Reqqa Point liegt an der Nordküste nicht weit von der Stadt Marsalforn. Eine kleine Felszunge ragt von der Felsküste ins Meer. Von dieser Zunge kann man auf beiden Seiten ins Wasser gelangen, rechts per Sprung, links durch Hineinklettern. Wir haben die linke Seite benutzt, da wir fast spiegelglattes Wasser vorfanden und so verhältnismäßig bequem einsteigen konnten.

Der Fels besteht dort nicht aus weichem Kalksandstein, sondern aus scharfkantigem (Lava-?) Gestein. Daher sollte man sich entsprechend vorsichtig bewegen, um sich keine Schnittverletzungen zuzuziehen (Handschuhe nicht vergessen!) oder sich den Neoprenanzug zu zerfetzen. Nach meiner Meinung sollte man diesen Tauchplatz nur bei sehr ruhigem Wasser betauchen. Auch schon bei nur leichtem Wellengang artet der Ausstieg auf der anderen Seite der Felszunge zu einem akrobatischen Akt aus, der ziemliche Kraft und Geschicklichkeit erfordert. Schaukeln sich während des Tauchgangs die Wellen weiter auf, kann der Ausstieg unmöglich werden.

Der Tauchgang

Der Tauchgang selber war sehr schön, aber nicht sonderlich spektakulär. Wir tauchten dem Urzeigersinn folgend um das Riff herum. Nach dem Abtauchen erreichten wir schnell eine Tiefe von 34 Metern. Dort befand sich eine Gruppe von Wrackbarschen, die nichts Eiligeres zu tun hatten, als in noch größere Tiefen zu entschwinden. Daneben trafen wir Gelbflossen-Stachelmakrelen, einen Trupp Bernsteinmakrelen und große Schwärme von Mönchsfischen. Stetig höher tauchend (an der Nullzeitgrenze entlang) umrundeten wir das Riff. Das Riff selber ist von der Atmosphäre, die es ausstrahlt, beeindruckend. Es sieht aus wie ein steil aufragender Berg, auf dem ein Schloss stehen könnte. Nachdem wir das Riff umrundet hatten, tauchten wir zum Fuße der linken Seite der Felszunge. Am Boden in ca. 20 Metern Tiefe liegt einiges an Schrott und Müll, darunter auch eine ehemalige Ausstiegsleiter, die von den Wellen abgerissen wurde und erahnen lässt, mit welcher Gewalt sich das Meer hier austoben kann.

Impression vom Reqqa Point

Tauchbasis

Wir hatten uns in Xlendi einquartiert und als Basis die St. Andrews Divers Cove gewählt. Die Tauchbasis hat im vollen Umfang ihre zugesagten Leistungen erbracht. Das Personal erwies sich als ausgesprochen nett und hilfsbereit. Wir bekamen auch als Individualtaucher bereitwillig Antwort auf jede Frage und erhielten jede Information zu den diversen Tauchplätzen, um die wir baten, obwohl wir kein einziges Zusatzangebot der Basis (Bootstauchgänge) in Anspruch nahmen. Auch die Organisation von An- und Abreise sowie Transfer funktionierte einwandfrei.

Die Tauchbasis verfügt über ein riesiges Kontingent von Stahlflaschen mit den Größen 10, 12, 15 und 18 Liter; selbst bei großem Andrang findet man immer noch die Flasche, die man gerade braucht. Die meisten Flaschen haben ein Ventil, einige auch Doppelventile, mit DIN-Schraubanschluss. Für INT-Atemregler sind ausreichend viele INT-Adapter vorhanden. Die Atemluft ist sehr trocken und geschmacksfrei, was auf einen gut gewarteten Kompressor schließen lässt.

Unterkunft

Bei der Unterkunft handelte es sich um ein sehr großes Appartement mit zwei Schlafzimmern. Es hatte einen Balkon mit einem wunderschönen Ausblick über die Xlendi Bay. Leider war das Appartement ziemlich trostlos eingerichtet, die Einrichtung fiel teilweise schon fast auseinander. Der Kühlschrank funktionierte zwar, hatte aber fast keine Türdichtung mehr, so dass er ununterbrochen arbeitete - wenn man ihn denn anstellte, worauf wir weitestgehend verzichteten. Nachts erwies sich der gesamte Bau als extrem hellhörig, so dass ich um Oropax nicht herum kam.

Weitere Informationen

Unsere wichtigste Informationsquelle war das Buch von Klaus-Thorsten Tegge mit dem Titel "Tauchen auf Gozo - Die schönsten Landtauchplätze". Wir können diesen Tauchführer jedem Individualtauchenden nur wärmstens empfehlen. Weitere Infos sind auf der Internet Homepage http://www.tauchenundmeer.de von Klaus-Thorsten Tegge zu finden. Dort kann man auch das besagte Buch bestellen (vorzugsweise mit Spiralbindung, hält besser).

Als weitere Informationsquelle verwendeten wir den MALTA-Tauchführer“ von Ned Middleton, Jahr Verlag, Hamburg. Dieser hat sich leider in Bezug auf die Informationen zu den Tauchplätzen als häufig irreführend und fehlerhaft erwiesen. Er taugt lediglich als Basisinformation, um eine Vorentscheidung zur Auswahl von Tauchplätzen zu treffen.

Resümee

Auf Gozo bekommt man viel Tauchen für relativ wenig Geld, wenn man als Individualtaucher loszieht. Das Tauchen kann dort ziemlich anspruchsvoll sein, und man sollte sich gründlich informieren und sich keinen Tauchgang antun, von dem man selber nicht sicher ist, ob man den Anforderungen gewachsen ist. Angesichts der Vielzahl und der Vielfalt der Tauchplätze auf Gozo sind wir uns einig, in einigen Jahren wieder einmal dort abzutauchen.

© Juli 2001 - Text: Stefan Sprungk, Fotos: Klaus-Thorsten Tegge


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