Einleitung
Vom 31.5.2001 bis zum 13.6.2001 haben
wir unseren ersten diesjährigen Tauchurlaub auf Gozo verbracht. In
diesem Artikel möchten wir unsere Eindrücke als Individualtaucher
beschreiben. Wir hatten ein Appartement und ein Auto gemietet und ein Non-Limit-Tauchpaket
gebucht.
Insel
Gozo ist eine Insel im südlichen
Mittelmeer. Sie bildet zusammen mit ihren Schwesterinseln Malta und Comino
ein kleines Archipel, welches zwischen Sizilien und der nordafrikanischen
Küste liegt. Bis zur Küstenstadt Tripolis sind es nach Süden
ca. 370 km, bis zur sizilianischen Küste nach Norden etwas mehr als
100 km. Die Länge der Insel in west-östlicher Richtung beträgt
maximal 15 km, ihre Breite in nord-südlicher Richtung 7 km. Diese
Inseln bestehen geologisch hauptsächlich aus gelbem Kalksandstein,
der neben Beton das wichtigste Baumaterial darstellt. Die Kalksandsteinfelsen
bilden Steilwände, die bis zu 160 m aus dem Meer herausragen.
Viele nennen Gozo eine grüne
Insel, was vielleicht auch für die Lage und den Breitengrad zutreffen
mag, jedoch verglichen mit den herrlichen, grünen Landschaften von
Madeira oder den Azoren erscheint sie ziemlich karg. Klimatisch bietet
sie ausdauernden Sonnenschein und ab Anfang Juni sehr hohe Tagestemperaturen
mit häufig über 35 Grad Celsius. Die Windsituation ist unberechenbar.
Bei aufkommenden Winden kann sich binnen kürzester Zeit an dem betreffenden
Küstenabschnitt eine hohe Brandung aufbauen. Flaut der Wind ab, beruhigt
sich das Meer innerhalb eines Tages recht schnell.
Politisch bildet das Archipel eine
eigene Republik, die 1990 den Antrag auf eine Vollmitgliedschaft in der
EU gestellt hat.
Kulturlandschaft
Die Landschaft ist geprägt durch
ihre wechselhafte Geschichte. Sie reicht von den Überbleibseln steinzeitlicher
Tempelanlagen, den Hinterlassenschaften der Römer, den mittelalterlichen
Bauten der Ritterorden bis hin zu Andenken an die englische Kolonialzeit.
Neben Kalksandsteinbauten wird das Bild durch Terrassen-Gärten und
-Felder geprägt. Es existiert ein vernünftig ausgebautes Straßennetz,
wobei alle Straßen sternförmig in die Inselhauptstadt Victoria
führen.
Tauchen auf Gozo allgemein
Individualtauchen
Wir hatten schon viele begeisterte
Berichte über das Tauchen auf Malta und Gozo gehört, worauf wir
neugierig wurden. Da wir gern individuell, also vom Basenbetrieb unabhängig,
und allein tauchen, mussten wir warten, bis wir unser CMAS **-Brevet in
den Händen hielten. Individualtauchen ist auf Malta nur möglich,
wenn die betreffenden Taucher mindestens über das CMAS **-Brevet oder
über eine AOWD-Qualifikation eines anderen Verbandes verfügen.
Nachdem wir Ende letzten Jahres nun unser CMAS **-Brevet erhalten hatten,
hatte ich nichts Eiligeres zu tun, als einen Tauchurlaub auf Gozo zu buchen.
Hierfür musste neben den Brevets eine gültige Tauchtauglichkeitsbescheinigung
beim Reiseveranstalter (hier Tauchreisen Roscher) eingereicht werden, um
von den maltesischen Behörden die so genannte C-Card ausgestellt zu
bekommen. Diese erlaubt einem das völlig unabhängige Tauchen.
Auf Gozo ist das Tauchen, mit Ausnahme
von zwei Plätzen, überall gestattet. Bei den beiden genannten
Plätzen handelt es sich um archäologische Fundstätten, die
von uns Tauchern nicht durcheinander gebracht werden sollen. Das Harpunieren
ohne Sondererlaubnis ist nicht gestattet und wird mit empfindlichen Strafen
geahndet.
Unterwasserlandschaften
Die Tauchreviere auf Gozo sind recht
unterschiedlich. Zum einen gibt es Ebenen, auf denen ausgedehnte Seegrasprärien
vorzufinden sind, daneben existieren Sandflächen, Hartböden aus
Fels und Steilwände mit Höhlen, Grotten, Spalten und Kaminen.
Zu meiner großen Freude verfügten alle diese Landschaften neben
der noch zu erwähnenden Fauna über eine reichhaltige und anscheinend
intakte Flora. Die Unterwasserpflanzen bilden einen eindrucksvollen Kontrast
zu der eher kargen Landschaft über Wasser. Auf Madeira beispielsweise
ist es genau umgekehrt, dort ist der Meeresboden im Vergleich zur Oberfläche
eher karg.
Flora
Die Posidonia-Wiesen erwähnte
ich bereits. Sie scheinen, soweit ich das beurteilen kann, in einer recht
guten Verfassung zu sein. Die an der französischen Mittelmeerküste
eingeschleppte tropische Alge Caulerpa Taxipholia, die dort die Seegrasbestände
verdrängt und damit die Lebensgrundlage vieler Organismen zerstört,
konnte ich dort nicht entdecken. In vielen Buchten im Flachwasser bis zehn
Meter Tiefe sind die Halme kräftig und hoch gewachsen. Je tiefer der
Tauchplatz liegt, an denen noch Posidoniawiesen existieren, desto kleinwüchsiger
sind die Halme. Noch in Bereichen bis 40 Meter Tiefe haben wir Posidoniakolonien
angetroffen. Insbesondere bei Nachttauchgängen kann man sehr viele
interessante Tiere wie z.B. Schnecken oder junge Kalmare dort entdecken.
Die Hartsubstrate, insbesondere die
Riffwände, sind dicht mit Meeresschirmchen, Trichteralgen, Beerentang,
Meeresflechten u. a. bewachsen.
Fauna
Tagsüber sind in den Posidoniawiesen
häufig größere Gruppen von stattlichen Goldstriemen anzutreffen,
die Algen von den Seegrashalmen abweiden. Bei genauem Hinsehen entdeckt
man gut getarnt den Grünen Lippfisch. Ein häufiger Begleiter
ebenfalls in der Nähe von Seegraswiesen sind diverse Brassenarten
bis hinauf zu den großen Sackbrassen.
Auf Sandböden in etwa 15 Meter
Tiefe konnten wir Plattfische wie z.B. junge Butte entdecken, ein Knurrhahn
"lief" uns über den Weg, und - was für mich eine Sensation
war - mein erstes Petermännchen schoss an einer Stelle aus dem Sand,
um sich einen Meter weiter flugs wieder einzubuddeln. Hierbei handelte
es sich um ein stattliches Exemplar eines Spinnen-Petermännchens.
Später haben wir noch eine Reihe weiterer Exemplare in größerer
Tiefe entdeckt. Auf denselben Sandböden fanden wir Meerbarben. Ebenfalls
auf Sandböden, aber häufig tiefer, kann man auf Rochen treffen.
Hierbei handelt es sich um Stech-, Sand- und Zitterrochen. Unsere erste
Rochenbegegnung fand an eher untypischer Stelle statt: im Flachwasser auf
felsigem Untergrund. Hier schwamm uns ein Sandrochen entgegen, nachdem
er von Sägebarschen belästigt und aufgescheucht worden war.
Häufig vertreten sind die diversen
Lippfischarten. Auffallend sind Arten wie Meerjunker und Meerpfau sowie
Gruppen großer Papageienfische.
Gut getarnt sitzen auf felsigem Untergrund
und zwischen Posidoniahalmen verschiedene Arten von Drachenköpfen.
In zahlreichen dunklen Felsspalten sind die Meerbarbenkönige allgegenwärtig.
Nur einmal haben wir eine Muräne zu Gesicht bekommen. Es war ein bleistiftdünner
Winzling von Mittelmeermuräne, welcher uns mit weit aufgerissenem
Maul frech drohte, bevor er sich in einer Felsspalte doch lieber in Sicherheit
brachte. In größeren Tiefen ab 30 Meter begegneten wir unter
Felsüberhängen Gabeldorschen. Nicht selten, aber vor allem nachts,
findet man verschieden große Exemplare von Kraken. Eine besondere
Begegnung hatten wir mit einer großen Sepia, die auf einem Fels saß
und uns, als wir dichter herankamen, ganz gelassen einige Schwimmdarbietungen
lieferte und sich danach ruhig auf einem anderen Stein niederließ.
An tiefer gelegenen Riffkanten konnten
wir eine Reihe von pelagischen (im Freiwasser lebenden) Fischen beobachten.
Hierzu zählte ein großes Exemplar eines jagenden Barakudas,
diverse noch nicht ausgewachsene Braune Zackenbarsche, Wrackbarsche, Gelbflossen-Stachelmakrelen,
Bernsteinmakrelen und wahrscheinlich sogar einige Thunfische.
Bei Nachttauchgängen versammeln
sich am Rand des Lichtkreises der Lampen Fischschwärme. Ab und an
stoßen Barakudas blitzartig in diese Schwärme hinein und stören
damit die Schwarmordnung; jedoch dauert es nicht lange, bis sich diese
Ordnung wieder neu ausgebildet hat. Hin und wieder stöbert man auch
winzige Kalmare auf.

|
Kapitaler
Barakuda beim Jagen im Freiwasser |
Anmerkungen
Für das Mittelmeer gilt Ähnliches
wie für den Nordatlantik oder die Ostsee. Entgegen landläufigen
Meinungen gibt es dort eine Fülle von Lebewesen ebenso wie in den
tropischen Revieren. Diese Lebewesen sind jedoch häufig besser getarnt
und somit schwerer zu entdecken. Das ist jedoch für uns auch ein Reiz,
das eigene Auge entsprechend zu üben und sich unter Wasser so zu verhalten,
dass Fische eher aus Neugier zu einem heranschwimmen, anstatt sie durch
ungeschickte Annäherungsversuche zu vertreiben.
Tauchplätze und Tauchgänge
Xlendi
Xlendi Bay
Ein faszinierender Tauchplatz ist
die Xlendi Bay und das Gebiet in der Umgebung. An dieser Bucht liegt der
Ort Xlendi. Es gibt Gerüchte, dass hier gelegentlich ungeklärtes
Abwasser eingeleitet wird, was wir nach unseren Beobachtungen nicht bestätigen
können. Die Bucht liegt gut geschützt auf der Südseite der
Insel. Vom hintersten Ende fällt sie ganz allmählich ab. Die
tiefste Stelle liegt bei ca. zehn Meter am Buchtausgang.
Der Boden besteht aus Sandflächen
und Posidoniakolonien. Auf dem Boden befinden sich einige Betongewichte,
zwischen denen Taue zum Festmachen von Booten gespannt sind. Diese Taue
mit eigenem Auftrieb bilden im Wasser interessant anzuschauende Bögen,
die man bequem durchtauchen kann. Sowohl die Betongewichte als auch die
Taue sind von Algen und anderen Lebewesen in Besitz genommen worden.
Die Xlendi Bay dient seit der Römerzeit
als Naturhafen. Daher müssen Taucher auf Bootsverkehr achten. Ansonsten
ist das Tauchen in dieser Bucht unproblematisch, solange man auf Taue oder
lose treibende Leinen Acht gibt. Auf beiden Seiten wird die Bucht von Felsgestein
begrenzt. Auf der linken Seite, wenn man zum Meer hinausschaut, verläuft
eine Uferpromenade, von der man bequem an verschiedenen Stellen ins Wasser
gelangen kann. Im Fels verankerte Eisenleitern ermöglichen den Ein-
und Ausstieg.

|
Blick auf
das vordere Ende der Xlendi Bay |
Xlendi Cave bzw. -Tunnel
Auf der rechten Seite befindet sich
über Wasser eine größtenteils unzugängliche Steilwand.
Diese Steilwand wird unter Wasser durch einen Tunnel durchbrochen, der
eine Verbindung zum offenen Meer darstellt. Der Eingang zum Tunnel liegt
ca. drei Meter unter der Wasserlinie und ist relativ eng. Nach einem nach
links verlaufenden Knick kann man aber bereits das andere Ende sehen. Der
Tunnel weitet sich in seinem Verlauf auf, und in der hinteren Hälfte
könnte man auch auftauchen. Unmittelbar hinter dem Eingang gabelt
er sich - beide Durchgänge sind benutzbar, wir haben nur den (etwas
breiteren) rechten genommen.
Wenn man sich nach Durchqueren des
Tunnels links hält, gelangt man zum Xlendi Reef und von dort wieder
zurück in die Bucht. Auf der dem Meer zugewandten Seite fällt
das Riff auf eine Tiefe von rund 18 Metern ab. In der Xlendi Bay trifft
man auf einen Großteil der oben beschriebenen Fauna mit Ausnahme
der pelagischen Arten.
Xlendi Reef
Als sehr entspannend habe ich das
Tauchen entlang der Steilküste am rechten Ausgang der Xlendi Bay empfunden.
Ganz langsam nimmt die Tiefe zu, wobei wir vorwiegend über Seegras
getaucht sind. Die Unterwasserlandschaft und insbesondere die rechter Hand
liegende Felswand bietet immer wieder einen interessanten und abwechslungsreichen
Anblick. Nachdem wir eine Tiefe von 22 Metern erreicht hatten, drehten
wir senkrecht zur Steilwand ab und tauchten zu frei liegenden Sandflächen
hinaus. Hier stand an einer bestimmten Stelle eine Reihe von Betonkübeln
auf dem Sandgrund. Welchem Zweck sie dienen sollten, konnten wir nicht
feststellen; vielleicht sollen sie die Ansiedlung weiterer Fauna und Flora
fördern. Danach tauchten wir im Rechteckkurs zurück zum Eingang
der Xlendi Bay.
Xwieni-Bay
Ein interessanter und auch für
Anfänger hervorragend geeigneter Tauchplatz auf der Nordseite der
Insel ist die Xwieni-Bay. Sie bietet auch bei stärkerem Nordwind noch
gute Einstiegsmöglichkeiten. Parkplätze befinden sich wenige
Meter vom Ufer entfernt. Der Unterwasserboden besteht zum größten
Teil aus Seegraswiesen. Die Tiefe nimmt langsam bis zum Buchtausgang auf
zwölf Meter zu.
Wenn man links an der Küste
entlang weitertaucht, lösen sich Sand- und Hartsubstratböden
in stetem Wechsel ab, bis man auf eine surrealistisch anmutende Unterwasserlandschaft
trifft, die von Minicanyons zerfurcht ist. Vor allem die Unter- und Schattenseiten
der Felsen sind hier farbenprächtig bewachsen. Hier konnten wir u.a.
gelbe Krustenanemonen, purpurrote Seescheiden, orange, rote und purpurne
Seesterne, größere Einsiedlerkrebse, Unterwasserspinnen und
die kleine Muräne beobachten. Außerdem hatte hier ein Minizackenbarsch
in einer kleinen, aus mehreren Felsblöcken gebildeten "Höhle"
sein Revier. Mitten in einer kleinen Posidoniawiese saß ein größerer
Krake, der es sich in einer Holzkiste bequem gemacht hatte. Der Boden liegt
hier recht gleichmäßig bei ungefähr zwölf Metern und
fällt Richtung Norden ganz gemächlich ab.
Taucht man von den Canyons vom Ufer
weg nach Norden, stößt man nach einer Strecke von vielleicht
300 m auf eine Riffkante in 20 Meter Tiefe. An dieser Riffkante fällt
der Boden senkrecht auf Tiefen von z.T. weit mehr als 40 Meter ab. Hier
lassen sich gut die genannten pelagischen Fische beobachten. In den Wintermonaten
besteht sogar die geringe Chance der Sichtung von Blau- und auch Makohaien.
Leider haben wir das Glück nicht gehabt, diese eleganten Fische beobachten
zu können. Die Riffkante schlängelt sich und bildet kleinere
Buchten. In einer solchen Bucht liegt eine Wand mit zwei Durchbrüchen
untereinander, das so genannte Double Arch Riff. Leider haben wir diesen
Platz nicht gefunden. Wie wir später hörten, ergeht es anderen
Tauchern ähnlich.
Gashri Valley
Der Einstieg
Einer unserer Lieblingstauchplätze
liegt im Gashri Valley. Hierbei handelt es sich um eine fjordähnliche
Einbuchtung an der Nordküste. Das Wasser wird von hohen, steilen Felsen
eingeschlossen. Am südlichen Ende der Bucht liegt ein relativ kleiner
Kiesstrand. Dorthin gelangt man über eine in den Fels gehauene Treppe,
die ungefähr 100 Stufen in die Tiefe führt. Am oberen Ende der
Treppe ist Platz zum Parken für ca. vier Autos. Es empfiehlt sich,
sich direkt auf dem Parkplatz anzurödeln und in voller Montur die
Treppen hinabzusteigen. Ein Mindestmaß an körperlicher Fitness
ist hierfür allerdings unerlässlich, denn man muss ja nach dem
Tauchgang auch wieder rauf.
Tauchen im Fjord
Vom Strand aus kann man ins Wasser
gehen, der Boden fällt ganz langsam ab. Nach kurzem Flösseln
erreicht man eine Abtauchtiefe von zwei Metern. Wenn man dort abtaucht,
findet man eine Unterwasser-Landschaft aus Kieselsteinen und größeren
Felsbrocken. Der Boden fällt langsam ab, wobei immer wieder Stufen
zu finden sind, an denen es auch mal abrupt ein bis zwei Meter tiefer geht.
Es lohnt sich, länger zu verweilen und auch die Stellen unter den
Überhängen näher anzusehen. Dort sind die Felsen mit orange-
bis rotfarbenen Krustenschwämmen und Sternkorallen bewachsen. Bis
in eine Tiefe von ca. sieben, acht Metern sitzen jede Menge Seeanemonen
zwischen den Steinen. Am Ende dieses "Fjordes" befindet sich
in ca. zwölf Metern Tiefe ein Wall bestehend aus großen Felsblöcken.
Überquert man diesen Wall, gelangt man direkt ins offene Meer. Von
dort aus kann man zwei weitere sehr interessante Plätze ansteuern.
Tauchgang zum Blue Dome
Ein Highlight dieses Tauchplatzes
ist der Blue Dome. Hierbei handelt es sich um eine Höhle, in die man
tauchend hineingelangen kann. Die Oberkante des Eingangs liegt wenige Meter
(ca. fünf Meter) unter der Wasseroberfläche, die Unterkante auf
ca. 15 Metern. Der Eingang ist riesengroß. In der Höhle selbst
kann man auftauchen und auch ohne Regler atmen, die Frischluftzufuhr von
außen ist gewährleistet. Mindestens ein "Luftloch"
ist unübersehbar.
Das Höhlendach besteht aus einer
riesigen Kuppel. Das Faszinierendste an dieser Höhle ist das blaue
Farbenspiel. Vor allem nachmittags gelangt jede Menge blauen Lichtes in
allen Farbschattierungen aus dem Meer durch den Unterwassereingang in diese
Höhle. Ich leide unter einer leichten Klaustrophobie, hatte dort aber
nicht die geringsten Beklemmungen. Eine Höhlentauchausbildung ist
für den Besuch des Blue Dome absolut nicht erforderlich, und aufgrund
der geringen Tiefen sollten auch leicht fortgeschrittene Anfänger
diesen Tauchgang durchführen können. Den Blue Dome erreicht man,
indem man sich hinter dem Steinwall am Ausgang des Ghasri Valley rechts
hält und an der Felswand entlang taucht. Hinter einer größeren
Einbuchtung ist die Höhle nicht zu verfehlen.
 |
Blue Dome
- ein ungefährliches Höhlenerlebnis |
Tauchgang an der Riffschräge
bis zum Meeresgrund
Überquert man den Steinwall
in Buchtmitte und taucht geradeaus weiter, so schwebt man über ein
Geröllfeld, dessen Boden kontinuierlich recht steil abfällt.
Diese Schräge endet in einer Tiefe von 30 Metern. Dort setzt sich
der Boden in Form von Sandflächen fort, die hin und wieder mit Posidoniabüscheln
bewachsen sind. Der Grund fällt weiter ab, jedoch ganz langsam. Wir
sind dort bis zu einer Tiefe von 40 Metern weiter getaucht, in der leider
vergeblichen Hoffnung auf Sichtung von Rochen oder Katzenhaien. Einen Rochen
haben wir dann doch noch gesehen, allerdings erst auf dem Rückweg
im Fjord in ca. sechs Meter Tiefe. Er schwamm uns lässig entgegen.
Jedoch sind allein schon die Farben (Blautöne) und die Stimmung dort
unten den Tauchgang wert. Des weiteren haben wir in dieser Tiefe einige
Petermännchen halb vergraben im Sand entdeckt, und etwas weiter oben
schaute aus einem Loch zwischen den Felsen eine prachtvolle Languste hervor.
Inland Sea
Der Einstieg
Der Inland Sea liegt im Nordwesten
von Gozo. Es handelt sich hierbei um einen kleinen, ziemlich flachen See,
der durch eine hohe Felswand vom Meer getrennt ist. Es besteht eine Verbindung
zum Meer durch einen beeindruckenden Tunnel. Der Tunnel ist durchgehend
über der Wasserlinie nach oben offen. Direkt am Tauchplatz bestehen
gute Parkmöglichkeiten. Am See befinden sich einige Bootsslipanlagen,
die man für den Einstieg nutzen kann. Man sollte vorsichtig einsteigen,
da der Betonboden durch Algenbewuchs recht rutschig sein kann. Unmittelbar
am Einstieg ist es sehr flach. Erst am Eingang zum Tunnel wird es mit zwei
bis drei Metern etwas tiefer. Ab hier sollte man abtauchen.
Tauchgang durch den Tunnel.
Der Tauchgang beginnt an der linken
Tunnelseite in einer Tiefe von maximal vier Metern. Der Grund fällt
schnell bis zu einer Tiefe von mehr als 30 Metern am anderen Ende ab. Der
Tunnel an sich ist eine relativ schmale, hohe Spalte im Fels, die sich
zum Meer hin immer weiter öffnet. Das Bezaubernde besteht in dem Farbenspiel,
das sich demjenigen bietet, der ihn zum Meer hin durchtaucht. Man taucht
aus dem Dunklen dem hellen, blauen Farbenspiel entgegen.
Aufgrund des regen Bootsverkehrs
durch den Tunnel hindurch sollte auf keinen Fall im Tunnel aufgetaucht
werden. Eine Begegnung mit Booten, deren Führer einen in der Dunkelheit
nicht sehen können, ist sehr wahrscheinlich. Am Tunnelende zum Meer
befindet sich eine Riffkante, die steil bis auf etwa 70 m abfällt.
Hier hat man die Möglichkeit, den Tunnelausgang genauer zu untersuchen
oder nach rechts bzw. links den Tauchgang fortzusetzen.
 |
Blick aus
dem Tunnel in das magische Blau, das vom Meer kommt |
Tauchgang rechts der Steilwand folgend
Wenn man am Tunnelausgang rechts
der Steilwand folgt, taucht man an verschiedenen Spalten und Einbuchtungen
vorbei. Stellenweise befinden sich Plateaus im Fels. Auf dem Tauchgang
haben wir mehrere Zackenbarsche gesehen, die für Gozo schon eine beachtliche
Größe von bis zu einem Meter hatten. Des weiteren glauben wir,
einen kleinen Schwarm von ausgewachsenen Thunfischen gesehen zu haben.
Außerdem beobachteten wir Schwärme großer Sackbrassen
und Stachelmakrelen. Auf dem Rückweg sind wir irrtümlich am Tunnelausgang
vorbei getaucht, da wir ihn in der Tiefe, in der wir uns befanden, nicht
wiedererkannt haben. Dies hat uns dann in Schwierigkeiten mit unserem Luftvorrat
gebracht.
Tauchgang links der Steilwand folgend
Der Weg links an der Steilwand entlang
führt an diversen Spalten und Höhlen vorbei. Dies kann ebenfalls
zu Verwechslungen und Orientierungsproblemen auf dem Rückweg führen.
Dieser Tauchplatz erfordert eine recht gute Übung in Orientierung
unter Wasser. Auf direktem Weg ließe sich von hier ein anderer berühmter
Tauchplatz, nämlich das Azure Window, erreichen; man könnte dann
am Blue Hole aussteigen - Ortskenntnis und geeignete Wetterverhältnisse
vorausgesetzt.
Sicherheitshinweise
Im Folgenden möchte ich nochmals
auf die Tücken dieses Tauchplatzes hinweisen.
Reger Bootsverkehr im Tunnel. Daher
Auftauchen in jedem Fall vermeiden.
Mitunter Navigationsprobleme. Deshalb
auf ausreichende Reserve achten. Beim ersten TG an diesem Platz schon bei
140 bar den Rückweg antreten und den Tunnelausgang eingehend unter
die Lupe nehmen.
Mit Strömung am Tunnelausgang
rechnen und mit einkalkulieren.
Reqqa Point
Der Einstieg
Der Tauchplatz Reqqa Point liegt
an der Nordküste nicht weit von der Stadt Marsalforn. Eine kleine
Felszunge ragt von der Felsküste ins Meer. Von dieser Zunge kann man
auf beiden Seiten ins Wasser gelangen, rechts per Sprung, links durch Hineinklettern.
Wir haben die linke Seite benutzt, da wir fast spiegelglattes Wasser vorfanden
und so verhältnismäßig bequem einsteigen konnten.
Der Fels besteht dort nicht aus weichem
Kalksandstein, sondern aus scharfkantigem (Lava-?) Gestein. Daher sollte
man sich entsprechend vorsichtig bewegen, um sich keine Schnittverletzungen
zuzuziehen (Handschuhe nicht vergessen!) oder sich den Neoprenanzug zu
zerfetzen. Nach meiner Meinung sollte man diesen Tauchplatz nur bei sehr
ruhigem Wasser betauchen. Auch schon bei nur leichtem Wellengang artet
der Ausstieg auf der anderen Seite der Felszunge zu einem akrobatischen
Akt aus, der ziemliche Kraft und Geschicklichkeit erfordert. Schaukeln
sich während des Tauchgangs die Wellen weiter auf, kann der Ausstieg
unmöglich werden.
Der Tauchgang
Der Tauchgang selber war sehr schön,
aber nicht sonderlich spektakulär. Wir tauchten dem Urzeigersinn folgend
um das Riff herum. Nach dem Abtauchen erreichten wir schnell eine Tiefe
von 34 Metern. Dort befand sich eine Gruppe von Wrackbarschen, die nichts
Eiligeres zu tun hatten, als in noch größere Tiefen zu entschwinden.
Daneben trafen wir Gelbflossen-Stachelmakrelen, einen Trupp Bernsteinmakrelen
und große Schwärme von Mönchsfischen. Stetig höher
tauchend (an der Nullzeitgrenze entlang) umrundeten wir das Riff. Das Riff
selber ist von der Atmosphäre, die es ausstrahlt, beeindruckend. Es
sieht aus wie ein steil aufragender Berg, auf dem ein Schloss stehen könnte.
Nachdem wir das Riff umrundet hatten, tauchten wir zum Fuße der linken
Seite der Felszunge. Am Boden in ca. 20 Metern Tiefe liegt einiges an Schrott
und Müll, darunter auch eine ehemalige Ausstiegsleiter, die von den
Wellen abgerissen wurde und erahnen lässt, mit welcher Gewalt sich
das Meer hier austoben kann.
 |
Impression
vom Reqqa Point |
Tauchbasis
Wir hatten uns in Xlendi einquartiert
und als Basis die St. Andrews Divers Cove gewählt. Die Tauchbasis
hat im vollen Umfang ihre zugesagten Leistungen erbracht. Das Personal
erwies sich als ausgesprochen nett und hilfsbereit. Wir bekamen auch als
Individualtaucher bereitwillig Antwort auf jede Frage und erhielten jede
Information zu den diversen Tauchplätzen, um die wir baten, obwohl
wir kein einziges Zusatzangebot der Basis (Bootstauchgänge) in Anspruch
nahmen. Auch die Organisation von An- und Abreise sowie Transfer funktionierte
einwandfrei.
Die Tauchbasis verfügt über
ein riesiges Kontingent von Stahlflaschen mit den Größen 10,
12, 15 und 18 Liter; selbst bei großem Andrang findet man immer noch
die Flasche, die man gerade braucht. Die meisten Flaschen haben ein Ventil,
einige auch Doppelventile, mit DIN-Schraubanschluss. Für INT-Atemregler
sind ausreichend viele INT-Adapter vorhanden. Die Atemluft ist sehr trocken
und geschmacksfrei, was auf einen gut gewarteten Kompressor schließen
lässt.
Unterkunft
Bei der Unterkunft handelte es sich
um ein sehr großes Appartement mit zwei Schlafzimmern. Es hatte einen
Balkon mit einem wunderschönen Ausblick über die Xlendi Bay.
Leider war das Appartement ziemlich trostlos eingerichtet, die Einrichtung
fiel teilweise schon fast auseinander. Der Kühlschrank funktionierte
zwar, hatte aber fast keine Türdichtung mehr, so dass er ununterbrochen
arbeitete - wenn man ihn denn anstellte, worauf wir weitestgehend verzichteten.
Nachts erwies sich der gesamte Bau als extrem hellhörig, so dass ich
um Oropax nicht herum kam.
Weitere Informationen
Unsere wichtigste Informationsquelle
war das Buch von Klaus-Thorsten Tegge mit dem Titel "Tauchen auf Gozo
- Die schönsten Landtauchplätze". Wir können diesen
Tauchführer jedem Individualtauchenden nur wärmstens empfehlen.
Weitere Infos sind auf der Internet Homepage http://www.tauchenundmeer.de
von Klaus-Thorsten Tegge zu finden. Dort kann man auch das besagte Buch
bestellen (vorzugsweise mit Spiralbindung, hält besser).
Als weitere Informationsquelle verwendeten
wir den MALTA-Tauchführer“ von Ned Middleton, Jahr Verlag, Hamburg.
Dieser hat sich leider in Bezug auf die Informationen zu den Tauchplätzen
als häufig irreführend und fehlerhaft erwiesen. Er taugt lediglich
als Basisinformation, um eine Vorentscheidung zur Auswahl von Tauchplätzen
zu treffen.
Resümee
Auf Gozo bekommt man viel Tauchen
für relativ wenig Geld, wenn man als Individualtaucher loszieht. Das
Tauchen kann dort ziemlich anspruchsvoll sein, und man sollte sich gründlich
informieren und sich keinen Tauchgang antun, von dem man selber nicht sicher
ist, ob man den Anforderungen gewachsen ist. Angesichts der Vielzahl und
der Vielfalt der Tauchplätze auf Gozo sind wir uns einig, in einigen
Jahren wieder einmal dort abzutauchen.
© Juli 2001 - Text: Stefan Sprungk,
Fotos: Klaus-Thorsten Tegge