Von Olaf Will
... Rummel, Stress und Massentourismus - das ist das Idealbild vieler
Taucher von ihrem Urlaub. Unter dieser Prämisse sind sicherlich die
Malediven ein optimales Ziel. Aber kann man das nicht auch woanders haben,
vielleicht ein bisschen näher an Deutschland, ohne langen Flug und
nicht nur auf eine Insel angewiesen? Man kann - und findet diese Kombination
in Safaga am Roten Meer.
Safaga liegt rund 50 Kilometer südlich von Hurghada, ist also weit
genug vom Rummel des Tauch-Mekka entfernt. Wer trotzdem einmal Lust auf
ägyptisches Großstadtflair verspürt, erreicht Hurghada
in einer guten Stunde mit dem Taxi.
Safaga selbst zieht sich an der Straße Richtung Süden entlang
und präsentiert sich als ein ruhiger Ort. Ob es auch so ruhig bleiben
wird, kann natürlich niemand mit Gewissheit sagen. Allerdings spricht
im Moment einiges dafür, denn die große Tourismuswelle, die
als erstes Ziel Hurghada hatte, scheint an Safaga vorbeizurollen, geradewegs
Richtung Marsa Alam. Dort entstehen zur Zeit viele neue Hotels, und der
Flughafen steht kurz vor der Fertigstellung.
Safaga selbst hat wenig oder viel zu bieten - je nachdem, was man möchte.
Partymenschen ist wohl eher Hurghada oder Sharm el Sheikh zu empfehlen,
aber wer es lieber ruhig angehen lassen möchte, für den ist Safaga
eine gute Adresse. Die Attraktionen sind schnell genannt und beschränken
sich auf zwei Bars, eine Hand voll Restaurants und ein Internet-Café.
Zusätzlich gibt es natürlich noch die Hotelkomplexe, die sich
etwas nördlich von Safaga befinden. Dort findet man dann auch wieder
Altbekanntes: Animation, höhere Preise, vergleichsweise große
Menschenmassen, eben die Pauschal-Touristen-Welt. Aber genau der wollte
man ja eigentlich aus dem Weg gehen ...
Kein Problem: Dem Individualurlauber sei zum Hotel Toubia geraten. Das
einfache, aber saubere Haus hat rund 20 Zimmer und eignet sich auch bestens
für Single- oder besser Alleinurlauber. Denn Anschluss ist hier schnell
gefunden. Anders als in großen Hotels geht es hier eher zu wie in
einer Pension, die Mahlzeiten werden an einem langen Tisch eingenommen,
und wie nicht anders zu erwarten, sind die meisten Gäste Taucher,
so dass es an Gesprächsstoff nicht mangelt.
Chef des Toubia ist Hakim, und seinen Service kann man wirklich nur
als hervorragend bezeichnen. Der Weg zur Bank wird so gut wie unnötig,
denn Hakim holt die Bank ins Haus. Wenn jemand eine Shisha (Wasserpfeife)
mit nach Hause nehmen möchte, kein Problem, Hakim macht das schon.
Der Mann hat seine Taucher einfach ins Herz geschlossen und ist mit Liebe
bei der Sache. Eins ist allerdings schwer gewöhnungsbedürftig:
Der Mann spricht bayerisch - trotzdem bleibt der Gamsbart-Hut (meistens)
im Schrank.

Nicht weit weg von der Anlegestelle - das Hotel Toubia
So, ein passendes Hotel für den Individualtaucher ist gefunden,
wie sieht's jetzt mit einer passenden Basis aus? Kein Problem, die liegt
direkt neben dem Toubia und heißt Tom's Diver House. Tom ist seit
1995 in Safaga, hat vorher bei Orca als Guide und Tauchlehrer gearbeitet.
Seine Basis ist klein, aber fein: Zwar warten morgens keine fünf Boote
am Steg, dafür geht es aber gemütlich zu, und Tom geht, wann
immer möglich, auf die persönlichen Wünsche seiner Taucher
ein. Soll heißen: Der Mann ist flexibel. An dem Riff, das er morgens
zum Tauchen einplant, wird nicht unbedingt auch getaucht. Sollten dort
schon zu viele Boote liegen, wird eben ein anderer Platz angefahren.

Mitten in Safaga: Toms Basis
Und das macht schon einen sehr großen Unterschied. Denn nicht
nur bei den Plätzen ist Tom wählerisch, sondern auch die Durchführung
der Tauchgänge läuft bei ihm nicht nach Schema "F"
ab. Beispiel Panorama-Riff: Während die meisten Boote an den Bojen
in der Nähe des Südplateaus festmachen und die Taucher dort ins
Wasser gehen, haben wir den Platz nur als Drift-Dive betaucht und dadurch
mehr und weniger gesehen: mehr Fische und weniger Taucher. Und mit der
Strömung klappt's dann natürlich auch besser, was dann wieder
dem Luftverbrauch zugute kommt. Im Endeffekt hat man einfach mehr vom Tauchgang.
Auf die Sicherheit wird ebenfalls geachtet. Neben Sauerstoff - der natürlich
auf keinem Boot fehlen sollte - hängt unter dem Boot auf fünf
Metern auch noch eine Flasche für den Sicherheitsstopp. Bei anderen
Booten ist hier oftmals Fehlanzeige. Gerade die vielen Steilwände
verleiten aber viele Taucher immer wieder dazu, tiefer und länger
zu bleiben, als sie können und sollten. Von den Tauchern auf unserem
Boot musste zwar niemand die Flasche in Anspruch nehmen, dafür wurde
sie gelegentlich gern von anderen Tauchern angesteuert ...
Toms Angebot will ich hier jetzt nicht komplett aufzählen, das
findet ihr, gut sortiert, auf seiner Homepage. Schnuppertauchen, Nachttauchen
vom Boot und vom Strand sowie Anfängerausbildung und Weiterbildung
stehen auf dem Programm. Leihausrüstung ist reichlich vorhanden, jedenfalls
im Verhältnis zur Größe seiner Basis. Frieren muss keiner,
auch dicke Anzüge für den Winter hängen im Ausrüstungsraum.
Und nass eingepackt werden muss auch nichts, denn hinter der Basis stehen
Regale zum Trocknen der Ausrüstung, Spülbecken sind ebenfalls
vorhanden.

Frieren muss keiner - Tom hat genug Anzüge
Was soll man noch groß schreiben, außer, dass ich die Basis
eigentlich nur rundum empfehlen kann? Keine 08/15 Basis, alles "im
Rahmen", und mir macht's einfach Spaß, wenn ich auch ein bisschen
was tun kann. Wem es allerdings zu viel sein sollte, die Flaschen vom Boot
Richtung Pickup zu hieven, oder wem morgens der fünfminütige
Fußweg zur Ablegestelle zu weit ist, der sieht sich besser nach etwas
anderem um. Wer es hingegen lieber klein und gemütlich mag, dem kann
ich Toms Basis nur empfehlen.

Die Ablegestelle
Zum Schluss noch ein paar Infos:
Die Homepage von Tom findet ihr unter dieser
Website, und Hakim vom Hotel Toubia könnt ihr unter folgender
e-mail-Adresse erreichen: toubia@hurghada.ie-eg.com.
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