Text: © 2001 Oliver Meise
Photos: © 1998 Manuela Kirschner
-Keine Gewährleistung-
Mit freundlicher Genehmigung von Frau Manuela Kirschner
Gescannt aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Bei diesem 1.582 GRT-Wrack handelt es sich nicht etwa um einen sozialistisch
oder kommunistisch gesinnten Vogel mit einem ausgesuchten Fischgeschmack,
hierbei handelt es sich vielmehr um ein 1963 bei der Schiffswerft VEB Neptun
in Rostock/ehemalige DDR gebauten Frachter mit 82,4 m Länge. Er war
mit einer 1.365 BPS-Sechszylinder-Dieselmaschine ausgestattet,die dem
Schiff eine Geschwindigkeit von zwölf Knoten ermöglichte.Außerdem
war die Konstruktion so beschaffen, dass der verstärkte Rumpf
mit seinen zwei Laderäumen vorne und der Brücke und dem Maschinenraum
hinten auch in Treibeisrouten fahren konnte. In der Folgezeit fuhr der Frachter
unter dem Namen Kormoran für die staatliche Reederei der DDR
und wurde dann 1976 einem italienischen Reeder verkauft, für den er
dann als Adamastos fuhr. 1980 wurde dieses 12,6 m breite Schiff
erneut verkauft. Der neue Eigner - die Reederei Montemare di Navigazione
S.P.A. aus Neapel - taufte es dann auf seinen endgültigen Namen
um: Zingara.
Am 22. August 1984 befand sich die Zingara gerade mit einer
Ladung Phosphatgestein von Akaba in Jordanien auf der Fahrt durch den südlichen
Teil des Golf von Akaba, als sie nordöstlich des Jackson Reef mit beträchtlicher
Geschwindigkeit auf das North Laguna Reef auflief. Der Aufprall war so
stark, dass durch das scharfe Korallengestein das gesamte Unterschiff vom
Schiffsrumpf abgeschert wurde. Sowohl die Geschwindigkeit als auch der
Kurs der Zingara gaben nachher Anlass zu Spekulationen über
einen Versicherungsschmu. Der südliche Golf von Akaba ist gewissermaßen
"gesperrt" durch die Tiranriffe. Deshalb gibt es eine klare, fest vorgeschriebene
Verkehrsregel: Schiffe mit südlichem Kurs nehmen die westliche Zufahrt,
Schiffe mit nördlichem Kurs die östliche - auch Grafton-Passage
genannt. So steht es auch auf jeder Seekarte. Entgegen dieser Vorschrift
nahm die südlich fahrende Zingara einen Ostkurs, der sie dann
auch auf das Laguna Reef auf der Ostseite führte.
Das Wrack geriet relativ schnell in Vergessenheit, so dass Nachforschungen
noch 1994 nichts ergaben. Erst die in den Rumpf eingelassenen Buchstaben
"Kormor..." des alten Namens halfen weiter.
Mit freundlicher Genehmigung von Frau Manuela Kirschner
Gescannt aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Das Schöne an diesem Wrack ist, dass es mit einer Maximaltiefe
von 15 m schön flach liegt, bei einer Sichtigkeit von durchschnittlich
um die 25 bis 30 m. Außerdem scheint das Wrack von einem Spezialisten
auseinandergenommen worden zu sein, da sich die Einzelteile am Meeresgrund
so ordentlich sortiert dem Auge des Tauchers darbieten, als ob jemand einen
Bausatzkasten aufgemacht hätte. Da ein Teil des Hecks aus dem Wasser
ragt, beginnt man am besten dort den Tauchgang und orientiert sich von dort
weiter. Beim Absinken merkt man schon auf den ersten Metern, wie das Schiff
bzw. das Heck am Riff liegt. Mit einer Krängung von ca. 45° reicht
der Schiffskörper bis zum Meeresgrund, in den hier die Schraube
und das Ruder eingebettet sind. Lässt man das Heck hinter sich, trifft
man auf Überreste der Brückenaufbauten und eine Fläche von
Stahlplatten. Diese ist durchsetzt mit dem üblichen Korallenbewuchs
und weiteren interessanten Wrackteilen wie z.B. kopfüber auf dem Grund
liegenden Dampfwinschen und einem Schiffsmast. Hieran schließt sich
ein seltsames Wrackteil an: Auf dem Meeresgrund liegt mit dem Bug fast
das gesamte vordere Oberdeck samt seiner Aufbauten. Ganz so, als ob es
mit einem großen Büchsenöffner vom Schiffsrumpf abgeschnitten
und auf den Meeresgrund gelegt worden wäre. Ein Indiz dafür, mit
welcher Kraft der Schiffsrumpf auf das scharfkantige Riff auffuhr.
Mit freundlicher Genehmigung von Frau Manuela Kirschner
Gescannt aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Schaut man an diesem Wrackteil an der Backbordseite hinunter, findet
man dort auf der Bordwand die beim Bau erhaben angebrachten Buchstaben
"K-O-R-M-O-R", wobei die restlichen zwei Buchstaben durch Korallenbewuchs
verdeckt sind.An der anderen Schiffsseite befindet sich der zweite Schiffsmast.
| GPS-Position: |
| 28°01`06``N/34°29`24``E |
Vorsicht: Von Gerät zu Gerät gibt es
bei der Ermittlung der GPS-Daten immer Unterschiede. Bei Annäherung
an das Riff ist entsprechende Vorsicht angesagt: Weniger die GPS-Anzeige
betrachten als vielmehr die tatsächliche Nähe zum Riff überwachen!
Die Fotos in diesem Bericht stammen sämtlich von der Urheberrechtsinhaberin
Frau Manuela Kirschner, die uns diese freundlicherweise zur Verfügung
stellte. Dankeschön!
Die Foto-Scans wurden uns netterweise erlaubt von: Unterwasser -
Das Tauchmagazin. |