Von Jan von Kamp
Die Firma Halcyon aus
den USA gehört in Deutschland noch zu den Exoten der Tauchartikelhersteller.
Bislang ist sie hauptsächlich in der deutschen DIR-Szene für
technisches Tauchen bekannt. "DIR" steht für "Doing
it right" und bezeichnet ein von Bill Hogarth und George Irvine in
den USA entwickeltes und perfektioniertes System für das technische
Tauchen vor allem in Höhlen.
Ein Teil dieses Systemes stellt die
Verwendung der am besten zum geplanten Einsatz und zum Gesamtsystem passenden
Ausrüstung dar. Ein wesentlicher Leitsatz in dieser Hinsicht ist "take
only what you need", also "nimm nur das mit, was Du brauchst".
Getreu diesem Leitsatz
wurde das hier besprochene Exlorer Wing der Fa. Halcyon entwickelt. Auf
nicht notwendige Anbauten und "Extras" wurde deshalb bewusst
verzichtet. Das Wing ist zur Verwendung mit Doppelflaschen mit Backplate
und dem dazugehörigen Gurtsystem gedacht.

Die Kontruktion ist
doppelschalig mit einer stabilen Außenschale aus 1000 Denier Cordura
und einer HF-geschweißten Innenblase.
Die Innenblase besteht
ebenfalls aus 1000 Denier Cordura und ist innen mit einer luftdichten Beschichtung
versehen. Sie ist über einen stabilen Reißverschluss gut zugänglich.
Leider sind sowohl Inflatoranschluss als auch Schnellablass nur mit Spezialwerkzeug
vernünftig zu demontieren bzw. wieder anzubringen. Es geht zwar notfalls
auch ohne (der Bogen am Infatorschlauch hat den entsprechenden Vielkant
am Ende), dann ist es aber etwas aufwändig.

Des weiteren ist das
Wing mit einem Inflator und einem Schnellablass links unten auf der Vorderseite
der Blase ausgerüstet. Der Inflatorschlauch ist mit einer zusätzlichen
Stoffschlaufe am Wing befestigt. Die "kugelsichere" Konstruktion
wird dadurch abgerundet, dass die Verbindung von Inflator und Rohrknie
zum Schlauch durch Kabelbinder bewerkstelligt wird. Die Kabelbinder sind
zusätzlich mit einem Stück Fahrradschlauch abgedeckt.
Der Inflator selbst
ist relativ langsam, was den Lufteinlass angeht. Dies ermöglicht eine
exakte Luftdosierung und ist damit für eine gute Tarierung sehr hilfreich.
Der Luftauslass geschieht
hingegen recht flott. Der Schnellablass hat aus Sicherheitsgründen
keinen Kunststoffball an der Zugschnur, weil dieser sich im ungünstigsten
Fall irgendwo verhaken könnte. Der Ablass ist trotz des fehlenden
Kunststoffballes aber sehr gut erreich- und bedienbar.

Der Inflatorschlauch
ist im Vergleich zu anderen Wings kurz geraten. Dies führt dazu, dass
der Inflator nur knapp unterhalb der Schulter sitzt. Diese Position ist
etwas gewöhnungsbedürftig, allerdings baumelt dann kein langer
Schlauch vor dem Bauch, und man hat den Inflatorauslass bei einer leichten
Linksdrehung des Kopfes sofort vor dem Mund; dies ist wichtig für
die Inflatoratmung im Notfall.
Das Wing ist hinter
dem Kopf schmaler geschnitten. Das verbessert den Trim unter Wasser, und
das Wing drückt nicht an den Hinterkopf. Außerdem können
so Trocki-Inflator und Finimeterschlauch bequem nach vorne geführt
werden.
Ich tauche das Explorer
Wing in Verbindung mit einer Doppel-12 lang. Der Trim unter Wasser ist
einwandfrei, auch die Schlauchführung ist kein Problem und sehr bequem.
Eine bequeme Wasserlage an der Oberfläche ist mit etwas Übung
ebenfalls problemlos zu erreichen. Der Auftrieb von 55 lbs. (ca. 22 kg)
ist bei einer vernünftigen Auswahl an mitgenommener Ausrüstung
durchaus ausreichend.
Fazit
Bei dem Epxlorer Wing
von Halcyon handelt es sich um ein kompromisslos auf Stabilität und
Funktion ausgelegtes Wing. Dies macht es zur ersten Wahl für ambitionierte
Taucher, die Wert auf hochwertige und langlebige Ausrüstung legen.
Vorteile
- extrem stabile Konstruktion
- sehr gute Lage unter
Wasser
- vernünftige Austattung
Nachteile
- relativ hoher Preis
- (noch) schlechte Verfügbarkeit
in Deutschland
- (noch) keine CE-Kennzeichnung
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