© 2001 Oliver Meise
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Photo courtesy NOAA
Bürgerkrieg! Wir schreiben das Jahr 1861. Schon zu lange kämpft
der Süden des nordamerikanischen Kontinents gegen den Norden. Die
Südstaaten - auch Konföderation genannt - sind anfangs sehr erfolgreich.
Konföderierte Truppen rücken auf den Kriegshafen der Nordstaaten
Norfolk in Virginia vor und drohen ihn zu erobern. Das Marineoberkommando
der Nordstaaten in Washington befiehlt, im Hafen alle Schiffe und Vorräte
in Brand zu stecken. Nach der Einnahme von Norfolk finden dann die Konföderierten
am 20. April 1861 tatsächlich nur noch rauchende Trümmer vor. Ausnahme:
Die hölzerne Dampf-Fregatte USS Merrimack. Sie war zwar bis zur
Wasserlinie abgebrannt und dann gesunken, jedoch nicht
entscheidend zerstört - der Rumpf und die Maschinenanlage unter der
Wasserlinie waren gut erhalten. Für den Rest des Jahres und in den
ersten beiden Monaten Anfang 1862 werkelte die Marine der Konföderierten
eifrig darauf los: Man wollte ein schwimmendes Rammschiff mit einer Batterie
schwerer Geschütze schaffen und damit die Blockade der Nordstaaten
in der Chesapeake Bay knacken! Gesagt - getan.
U.S. Naval Historical Center Photograph NH 58712
Mitte Februar 1862 war ein mit Eisenplatten gepanzertes Überwasserschiff
mit einer Eisenramme am Bug fertiggestellt. Es verfügte nicht nur
über je ein 17,8 cm-Pivotgeschütz an Bug und Heck, sondern auch
in jeder Breitseite über ein 15,2 cm-Geschütz und drei 15,2 cm-Dahlgrengeschütze.
Eines dieser Dahlgrengeschütze lässt sich im Folgenden betrachten.
U.S. Naval Historical Center Photograph NH 1896
Hiermit war die Hauptwaffe der Nordsaaten gegen die Konföderierten
- die Unterbindung des Nachschubs durch eine Blockade der Chesapeake Bay -
gefährdet. Allenthalben rechnete man nun damit, dass dieses unverwüstliche
Schiff der Konföderierten den Elizabeth River herunterfahrend die
Blockadeschiffe der Nordstaaten vom Wasser blasen würde oder dass
es den Potomac heraufdampfen würde, um Washington zu beschießen.
Doch der Geheimdienst der Nordstaaten hatte diese Situation vorausgesehen. Schon
nach den ersten Meldungen, dass die Konföderierten dabei waren,
aus der ehemaligen USS Merrimack ein Panzerschiff mit schwerer Bewaffnung
zu machen, suchte man nach Auswegen. Vor allem suchte man nach einem Schiff,
dass diesem neuen Konföderiertenschiff Paroli bieten könnte. Da
nichts in Sicht war, musste man eben eines konstruieren. Nur wer war dazu
fähig?
Per Zeitungsannonce wurden nun die Konstrukteure in der ganzen Union
von Gideon Wells, dem Marinestaatssekretär, dazu aufgefordert, Entwürfe
vorzulegen. Viele Entwürfe kamen, jedoch nur einer war geeignet, in
der kurzen verbleibenden Zeit zum Ziel zu führen: Der Entwurf eines
gewissen John Ericsson. Dies war ein amerikanischer Ingenieur schwedischer
Abstammung, der in New York lebte und der US-Marine nicht unbekannt war.
Erst relativ kurze Zeit zuvor war bei einer Besichtigung ein Geschütz
an Bord eines von Ericsson gebauten Kriegsschiffs explodiert und hatte
den Staatssekretär Abel P. Ushur sowie den Marinestaatssekretär
Thomas Gilmer getötet. Da der Präsident der Vereinigten Staaten
Tyler zwar auch an Bord gewesen war, sich zum Zeitpunkt der Explosion
aber unter Deck aufgehalten hatte, war er mit dem Leben davon gekommen.
Gegen den Protest der Marineleitung erteilte Präsident Abraham Lincoln
den Bauauftrag über 275.000 US-$ für den Ericsson-Entwurf,
den man sich hier als Vierseitenansicht betrachten kann:
U.S. Naval Historical Center Photograph NH 50954
Neben einigen anderen Dingen hatte man wegen der nur sehr knappen zur
Verfügung stehenden Zeit verabredet, das Schiff in 100 Tagen zu bauen.
Im Folgenden der Bauauftrag vom 25.10.1861 zwischen Thomas Fitch
Rowland von der Werft Continental Iron Works und John Ericsson selbst:
 
U.S. Naval Historical Center Photographs NH 45964, NH
45965,NH 45966
Mit viel Elan ging Ericsson daran, seinen Entwurf eines 987 t-Schiffs
zu realisieren, und erteilte seine Aufträge. Der Schiffsantrieb sollte
bei Delamater & Co. in New York hergestellt werden, und die Fertigstellung
des Geschützturms mit einer achtlagigen Panzerung aus jeweils 2,5 cm
dicken Eisenplatten ging an die Novelty Iron Works in New York.
Nachdem er sich eine kompetente Werft für den Schiffsrumpf in
Brooklyn/New York gesichert hatte, fing er mit der Bauausführung des
52,4 m langen und 12,2 m breiten Schiffes an. Es war so konstruiert, dass
den Rumpf ein Panzer von 20,3 cm dickem Eisen umgab und es mit einem
Freibord von nur 30,5 cm nicht nur schwer gepanzert war, sondern auch
ein nur kleines Ziel abgab. Die Bewaffnung bestand aus einem 2,7 m hohen
runden Geschützturm aus Eisen, der mittig auf dem flachen Deck stand.
Er hatte einen Durchmesser von 6,1 m und beherbergte zwei jeweils 7,264 t
wiegende Dahlgren-Geschütze vom Kaliber 24,6 cm. Einen Querschnitt
durch die Geschützsektion kann man sich im Folgenden anschauen:
U.S. Naval Historical Center Photograph NH 60660
Wenn man auf folgender Bugansicht vom Oberdeck und vom Geschützturm
der USS Monitor mal etwas genauer hinschaut, bemerkt man neben der
linken Geschützpforte Einbeulungen - Spuren eines späteren Gefechts.
Die Personen (von l.n.r.) auf dem Deck sind: 3. Hilfsingenieur Robinson W. Hands,
Steuermann Louis N. Stodder, 2. Hilfsingenieur Albert B. Campbell (sitzend)
und Leutnant William Flye (mit Fernglas).
Library of Congress Photo LC-B8171-0486 DLC
Nicht nur der Schiffstyp selbst war neu -auch die Konstruktion hatte
Neuheiten zu bieten. An Bord befand sich ein neuer Dampfmaschinentyp zum
Betreiben der Schiffsschraube und als Novum an Bord von Kriegsschiffen
auch die erste Spültoilette :-). Insgesamt waren über 40
neue Patente in die Konstruktion des Schiffes eingeflossen.
Nach 101 Tagen Bauzeit lief die USS Monitor am 30. Januar 1862
auf der Continental-Werft vom Stapel und führte ab dem 19. Februar 1862
See-Erprobungen durch. Schließlich wurde sie am 25. Februar 1862 unter
dem Kommando von Leutnant John L. Worden in Dienst gestellt. Schon
am 6. März 1862 befand sie sich auf See und begleitete -von der USS
Seth Low geschleppt - die Kanonenboote USS Carrituck und USS
Sachem zur Chesapeake Bay.
U.S. Naval Historical Center Photograph NH 45967
Doch in der Zwischenzeit waren die Konföderierten nicht untätig
geblieben. Die CSS Virginia war überholt und mit Personal aufgefüllt
worden. Auch das Training der Mannschaft war abgeschlossen. Am 8. März
1862 hatte man dann Leinen losgeworfen mit dem Ziel, die Seeblockade der
Chesapeake Bay zu durchbrechen und zu vernichten. So dampfte man den
Elizabeth River hinunter Richtung Chesapeake Bay.
U.S. Naval Historical Center Photograph NH 57830
Schon am gleichen Tage hatte man Glück: In der Chesapeake Bay angekommen,
bot sich die Lage recht übersichtlich: Auf der gegenüberliegenden Seite
der Hampton Roads lagen bei Newport News die Blockadeschiffe der Nordstaaten
vor Anker. Im einzelnen handelte es sich hierbei um die Fregatte USS
Congress, die große Kriegssloop USS Cumberland, die Fregatte
USS
St. Lawrence, die Fregatte USS Minnesota und die Fregatte
USS
Roanoke. Zwar waren dies alles sehr starke Schiffe, jedoch waren sie
zum geschickten Manövrieren und für den Einsatz ihrer Geschütze auf den
Wind bzw. ihre Segel angewiesen. Nur zwei der Schiffe verfügten schon
über einen Dampfantrieb: Die USS Minnesota und die USS Roanoke.
Nun machte sich die CSS Virginia daran, die Hampton Roads zu überqueren.
Hierbei kam sie zunächst am Ankerplatz der 1.762 t-Kriegssloop USS
Cumberland vorbei.
U.S. Naval Historical Center Photograph NH 61867
Immer näher kommend, belegte sie die USS Cumberland mit
schwerem Granatfeuer und rammte sie schließlich auch unter der Wasserlinie
mit ihrer Eisenramme.
U.S. Naval Historical Center Photograph NH 59215
Gleichzeitig prallten die Geschosse der USS Cumberland an der
Eisenpanzerung der CSS Virginia wirkungslos ab. Trotz immer stärker
werdender Schlagseite kämpfte das Nordstaatenschiff den aussichtslosen
Kampf weiter, bis es schließlich unterging. Über 100 Nordstaatenmatrosen
ertranken.
Hiernach wandte sich die CSS Virginia sofort einem weiteren Blockadeschiff
der Nordstaaten in unmittelbarer Nähe zu: Der 1842 in Kittery/Maine
auf dem dortigen Portsmouth Navy Yard fertiggestellten 1.867 t-Fregatte
USS
Congress.
U.S. Naval Historical Center Photograph NH 590
Diese wurde eine Stunde mit Granaten belegt. Endlich ergab sich nach
schweren Verlusten die USS Congress, ohne der CSS Virginia
Schäden beibringen zu können. Nach dem Hissen der weißen Fahne
durch die USS Congress wurde aber die Entermannschaft der CSS
Virginia von Geschossen einer Nordstaatenbatterie an Land getroffen. Auch
der Kapitän der CSS Virginia, Franklin Buchanan, wurde verwundet.
Aus Rache wurde nun Feuer auf der USS Congress gelegt. Das Feuer
wütete bis zwei Stunden nach Mitternacht, dann erreichte es das
Munitionsmagazin, woraufhin die USS Congress in die Luft flog...
Die Beseitigung der Seeblockade war nun in greifbare Nähe gerückt!
Da mittlerweile die Nacht hereinbrach, wurden weitere Kämpfe auf
den nächsten Tag verschoben, und die CSS Virginia fuhr zur südlichen
Seite der Hampton Roads zurück, wo sie ankerte.
Mit dem Morgennebel und dem heraufziehenden neuen Tag erreichte den
neu ernannten Kapitän der CSS Virginia, Oberleutnant Catesby
R. Jones, am 9. März 1862 dann eine interessante Nachricht: Die USS
Minnesota -eines der größten und kampfstärksten Schiffe
der Nordstaatenflotte - war in der Chesapeake Bay auf eine Sandbank
gelaufen und dadurch manövrierunfähig. Eine leichte Beute also!
Auf der CSS Virginia wurde Dampf aufgemacht und wieder Kurs
auf die Blockadeschiffe in den nördlichen Hampton Roads gesetzt. Als
sich die CSS Virginia der USS Minnesota näherte, schob
sich plötzlich hinter dem Nordstaatenschiff die spät am Abend
angekommene USS Monitor hervor!
U.S. Naval Historical Center Photograph NH 59217
Was nun geschah, wurde von Hunderten Schlachtenbummlern vom Ufer aus
verfolgt: Die wendigere, weil in den flachen Küstengewässern mit
geringerem Tiefgang manövrierfähigere USS Monitor traf
auf die etwas schwerfällige CSS Virginia. Diese hatte anders
als die USS Monitor keinen drehbaren Geschützturm, sondern verfügte
nur über eine konventionelle Geschützaufstellung, bei der mit
dem ganzen Schiff gezielt werden mußte. Vier Stunden lang prügelten
beide Schife mit ihren Geschützen aufeinander ein. Die USS Monitor
feuerte aus beiden Geschützen jeweils 76,5 kg schwere Geschosse auf
die CSS Virginia, diese antwortete mit allen ihren zehn schweren
Geschützen. Schon bald war klar, dass keine der beiden den Panzer
der anderen durchschlagen konnte, weshalb das Feuer auf die Geschützpforten
verlagert wurde. Doch hier konnte die USS Monitor besonders gut
punkten: Sobald eine Breitseite der CSS Virginia anstand, drehte
sie einfach den Turm mit den Geschützpforten auf die abgewandte Seite
und zeigte den Kanonen die dicke Eisenpanzerung! Einige Geschosseinschläge
der CSS Virginia lassen sich neben der linken Geschützpforte
der USS Monitor ausmachen. Sie haben dort die Panzerung nur verbeulen
können. Die Personen auf dem Oberdeck sind übrigens der 2. Hilfsingenieur
Albert B. Campbell (mit gefalteten Armen) und der Kriegsfreiwillige Leutnant
William Flye (mit Fernglas).
Library of Congress Photo LC-B8171-0659 DLC
Am Ende der Schlacht war im Geschützturm der USS Monitor
die Temperatur auf über 60°C angestiegen, und die acht Kanoniere
pro Geschütz waren ziemlich erschöpft, als eine Granate der CSS
Virginia das Ruderhaus der USS Monitor traf und den Kapitän
erblinden ließ. Zum gleichen Zeitpunkt hatte schon in einem gewissen
Maß die Ebbe eingesetzt, und die CSS Virginia war in Gefahr,
nunmehr wegen ihres hohen Tiefgangs aufzulaufen. Zähneknirschend trennten
sich beide Kontrahenten. Die Seeblockade hielt!
In einer Nachbetrachtung des Kampfes zwischen beiden Schiffen kritisierte
Ericsson die Marine, weil sie nie mit der vollen Treibladung geschossen
hatte. Hätte sie es getan,hätten die Geschosse der USS Monitor
die Panzerung der CSS Virginia durchschlagen können, und das
Gegnerschiff wäre innerhalb von 15 Minuten gesunken!
In der Folgezeit fürchteten beide Seiten den Verlust ihrer Superschiffe
so sehr, dass sie sie nie wieder gegeneinander antreten ließen. Die USS
Monitor wurde ab Juli 1862 als schwimmende Geschützstellung zur
Unterstützung der Kämpfe an Land auf dem James River in Virginia
eingesetzt.
Hierbei ergab es sich, dass sich am 9. Juli ein kleiner Schlepper der
USS Monitor näherte. An Bord befand sich niemand anders als der
Präsident der Nordstaaten, Abraham Lincoln! Nach der gescheiterten
Offensive gegen die Hauptstadt der Konföderierten, Richmond, wollte er
sich von der Lage vor Ort persönlich einen Eindruck verschaffen. Bei
dieser Gelegenheit entstanden die einzigen Fotos von der USS Monitor.
Nach dem Sommer mit Routineüberwachungsaufgaben in den Hampton
Roads verlegte die USS Monitor für kurze Zeit in das Navy Yard
von Washington, D.C. Hier erhielt das Schiff einen einziehbaren Schornstein,
eine verbesserte Luftventilation, Bootsdavits und weitere Verbesserungen.
Im September war sie jedoch schon zurück in den Hampton Roads, um
ihre Überwachungsaufgaben wieder zu übernehmen.
Wie man auf dem Bild unten sehen kann, ist es dabei anscheinend recht
gemütlich zugegangen. Die Besatzung aalt sich an Deck und hat dort
sogar - im vorderen linken Bildteil zu sehen - einen Klappherd aufgebaut
für die tägliche Bohnensuppe :-).
Library of Congress Photo LC-B8171-0660 DLC
Und nach der Bohnensuppe wurde dann gereest, Briefe von daheim gelesen
oder einfach nur in der Nase gebohrt.
Library of Congress Photo LC-B8171-0490 DLC
Da man sich von Seiten der Nordstaaten Demokratie und Gleichberechtigung
auf die Fahnen geschrieben hatte, nahmen an den Faulenzereien auf dem James
River auch die Offiziere teil - hier bei einem Gruppenfoto vor dem Geschützturm. Stehend
in der Oberen Reihe (v.l.n.r.): Steuermannsmaat George Frederickson,
3. Hilfsingenieur Mark Trueman Sunstrom, Leutnant Samuel Dana Greene,Leutnant
Howard Newman (1.WO auf der USS Galena und zu Besuch), 1. Hilfsingenieur
Isaac Newton. In den Stühlen der Mittelreihe sitzend: Steuermann Louis
N. Stodder, Hilfszahlmeister William F. Keeler, Kriegsfreiwilliger Leutnant
William Flye und Hilfschirurg Daniel C. Logue. Auf dem Deck sitzend:
3. Hilfsingenieur Robinson W. Hands, 2. Hilfsingenieur Albert B. Campbell
und Steuermann E. V. Gager.
Library of Congress Photo LC-B8171-0390 DLC
Am Weihnachtstag 1862 erhielt der Kapitän der USS Monitor,
Korvettenkapitän John P. Bankhead, den Verlegungsbefehl Richtung Beaufort/
North Carolina, um dann von dort nach Charleston oder Georgia zu laufen. Ein
anderes Schiff der Monitor-Klasse - die USS Passaic, hergeschleppt
von der USS State of Georgia - sollte nunmehr die Überwachungsaufgaben
der USS Monitor in der Chesapeake Bay übernehmen.
  
Library of Congress Photos
Da wegen des geringen Tiefgangs die USS Monitor auf See schlimme
Gier- und Rollbewegungen ausführte und schwer steuerbar war, sollte
sie durch den 1.517 t-Seitenraddampfer USS Rhode Island geschleppt
werden.

U.S. Naval Historical Center Photographs NH 42205,NH
54332
Zuvor machte man die USS Monitor seefest und verbrachte u. a. die
Rettungsboote der USS Monitor auf die USS Rhode Island.
Gesagt, getan. Am 29. Dezember 1862 startete man gegen 14:00 Uhr von
Norfolk aus und rundete einen Tag später Cape Hatteras. Das Wetter
wurde zunehmend schlechter, und das Schiff nahm ein klein wenig Wasser über.
Noch konnte dieses Problem von der 65-köpfigen Mannschaft und den
Dampfpumpen unter Kontrolle gehalten werden. Vorsichtshalber teilte dann
um 18:30 Uhr Korvettenkapitän Bankhead dem Kapitän der USS
Rhode Island mit, dass er im Falle von ernsten Schwierigkeiten
eine rote Laterne am Mast des Geschützturms hissen würde. Eine
halbe Stunde später brach eine der beiden Schlepptrossen. Durch den
sich nun einstellenden ungleichmäßigen Zug kam die USS Monitor
so stark ins Schlingern, dass Teile des Hanfsiegels unter dem Geschützturm
verrutschten und Wasser über den Drehkranz des Turms einzudringen
begann. Schließlich erreichte das Wasser auch den Kohlebunker, und
Kapitänleutnant Bankhead befahl dem Schiffsingenieur Watters, die
Worthington-Wasserpumpen in Betrieb zu setzen. Zurück im
Maschinenraum, bemerkte Ingenieur Watters, dass dieser schon ca.
30 cm unter Wasser stand und auch die verfeuerte Kohle schon ganz
nass war. Eine unmittelbare Folge der nassen Kohle war ein Absinken
des Kesseldrucks von den üblichen 80 Pfund auf nur noch 20 Pfund
Betriebsdruck. Die vom Kesseldruck angetriebenen Worthington-Lenzpumpen
arbeiteten mit voller Leistung, schienen aber den Kampf gegen das Wasser
zu verlieren. Nun kam die Zentrifugalpumpe zum Einsatz. Das Wasser sank -
kurzzeitig. Um 20:45 Uhr peilte der Kap Hatteras-Leuchtturm N 1/2 W in 20
Meilen Entfernung, und noch immer schwamm die USS Monitor! Trotz
eines Leemanövers der USS Rhode Island für die USS
Monitor konnten keine erleichterten Seebedingungen geschaffen
werden -das Wetter wurde immer schlechter! Um 22:30 Uhr ließ Kapitänleutnant
Bankhead endlich die rote Laterne hissen, da der Wasserpegel im Schiff
unaufhörlich stieg. Auch die inzwischen von der Mannschaft eingerichtete
Eimerkette half nicht mehr weiter. Das Spannen und wieder Nachlassen
der Schlepptrosse machte die USS Monitor dann schließlich
vollkommen manövrierunfähig. Schlimm genug war schon, dass
man kaum mehr genug Dampf hatte, um Pumpen und Schrauben gleichzeitig arbeiten
zu lassen. Nun wurden Freiwillige gesucht, die sich auf das gischtumtoste
Vorderdeck wagen sollten, um die Schlepptrosse zu schlippen. Steuermann
Louis Stodder, Maat John Stocking und Kanonier James Fenwick versuchten
ihr Glück. Bis auf Stodder wurden aber alle auf Nimmerwiedersehen über
Bord gespült. Stodder aber schaffte es, die Schlepptrosse zu lösen
und wieder zurückzukehren.
Um 23.00 Uhr ließ der Kapitän der USS Rhode Island
- Kapitän Trenchard - auf seinem Schiff die Schrauben stoppen und befahl:
"Klar bei den Rettungsbooten!" Das erste Rettungsboot unter dem Kommando
von Fähnrich zur See A. O. Taylor arbeitete sich durch den Sturm langsam
an die USS Monitor heran und kam dort nach mehr als einer halben
Stunde an. Um Ruhe in die Schiffsbewegungen zu bekommen, ließ Korvettenkapitän
Bankhead auf der USS Monitor nun den vierarmigen Anker mit seiner
213 m langen Kette auslaufen. Vermutlich war dies jedoch der Grund, der
zum Untergang führte: Durch die Ankerklüse drang nun so viel Wasser
ein, dass der Wassereinbruch nicht mehr bewältigt werden konnte
und sogar die Kessel löschte, womit die Dampfpumpen auch aufhörten
zu arbeiten. Immer tiefer sank die USS Monitor...
Mittlerweile hatte Kapitänleutnant Bankhead an Bord der USS
Monitor das Kommando gegeben: "Alle Mann von Bord!" Der Chirurg Weeks
kämpfte sich mit einer Gruppe Besatzungsangehöriger nach vorn,
wo Fähnrich Taylor mittlerweile mit dem Rettungsboot angekommen war.
Matrose Butts berichtete später, dass drei Mann aus dieser Gruppe
plötzlich von einer Sturzsee erfasst und von der starken Strömung
davongetragen wurden. Dann geriet das Rettungsboot mit seinen Insassen auch
noch zwischen beide Schiffe und wurde von ihnen eingequetscht - glücklicherweise
ohne Verluste und größere Beschädigungen. In der Zwischenzeit
trieb die USS Rhode Island antriebslos über aufgewühlte
See - das von der USS Monitor losgeschnittene Schleppseil hatte
sich in einem der seitlichen Schaufelräder des Schiffes verfangen
und dieses blockiert. Während ein Trupp Seeleute dabei war, dies zu
klarieren, bat der Steuermannsmaat Rodney Browne von der USS Rhode Island
seinen Kapitän um die Erlaubnis, mit dem Kutter zur USS Monitor
hinüberpullen zu dürfen. Schnell war die Erlaubnis erteilt und
der Kutter mit vierzehn freiwilligen Rudergästen unterwegs zur USS
Monitor, die in der Ferne nur noch wegen der roten Laterne sichtbar
war. Zwischenzeitlich kletterten immer mehr Besatzungsmitglieder der
USS Monitor den Turm hinunter auf das überspülte Deck und
kämpften sich nach vorn zum Rettungsboot von Fähnrich Taylor.
U.S. Naval Historical Center Photograph NH 1279
Nachdem es schon vollkommen überfüllt war, legte es ab und
entfernte sich in Richtung USS Rhode Island. Hierbei mussten
die Seeleute an Bord, die nicht ruderten, konstant Wasser schöpfen,
damit das kleine Boot nicht unterging. Schließlich stieß das
Rettungsboot noch mit dem heraneilenden Kutter der USS Rhode Island
zusammen - doch wieder passierte kein großes Unglück, und beide
Boote konnten ihren Weg fortsetzen. Mittlerweile war es 0:15 Uhr geworden
- der letzte Tag des Jahres 1862 brach an.
Das verfangene Schleppseil war klariert worden, und das Rettungsboot
war endlich bei der USS Rhode Island angekommen. Jetzt erwies sich
das Wetter abermals als verheerend: Es bereitete unsägliche Mühen,
die Geretteten an Bord zu bekommen. Bald befand sich das Rettungsboot ganz
tief in einem Wellental, bald auf dem Kamm einer See über dem Deck.
Doch schließlich gelang die Bergung der Insassen des Rettungsbootes
mittels einzelner hinübergeworfener Rettungsleinen.
Von der USS Rhode Island wurde nun ein drittes Boot unter dem
Kommando von Fähnrich zur See William Rodgers ausgesetzt. Auch dieses
machte sich auf den beschwerlichen Weg zur USS Monitor und erreichte
das langsam sinkende Schiff, kurz nachdem Steuermannsmaat Browne mit dem
Kutter dort angelangt war. Rodgers gelang es, sieben Mann von der USS
Monitor an Bord zu nehmen, bevor er sich wieder auf den Rückweg
zur USS Rhode Island begeben musste. Browne sammelte alle übrigen
ein, die er überzeugen konnte, vom Turm heruntrzuklettern. Dies war
nicht besonders einfach, da viele Matrosen auf dem Turm schon vor ihnen
hinunter kletternde Kameraden gesehen hatten, die vom Deck durch hochgehende
Wellen einfach weggerissen wurden. Der letzte, der dann gegen 1:00
Uhr in den Kutter von Steuermannsmaat Browne plumpste, war der Kapitän
der USS Monitor. Immer noch konnte Browne zwei Menschen sehen, die
sich am Turm festkrallten - hierauf konnte er aber keine Rücksicht
mehr nehmen und wendete, um zur USS Rhode Island zurückzufahren.
Da die USS Rhode Island sich nunmehr zwei Meilen entfernt befand, war
dies schon eine hübsch lange Strecke.I mmerhin war dort mittlerweile
das Boot von Fähnrich Rodgers angekommen. Auch hier hatte man wieder
Schierigkeiten, die Bootsinsassen an Bord zu bekommen, was jedoch ebenfalls
endlich glückte. Nun machte die USS Rhode Island wieder Dampf
auf und fuhr in Richtung USS Monitor, um auch noch den Kutter aufzunehmen.
Dies gelang dann auch, und der Kutter machte sich zurück zur USS Monitor,
um auch die letzten Seelen an Bord abzubergen. Mittlerweile war es schon
1:30 Uhr, und immer noch konnte man hin und wieder die rote Topplaterne
der USS Monitor sehen. Der Kutter kam troptzdem zu spät.Als er
über der Untergangsstelle angekommen war, waren keine Überlebenden
mehr in Sicht, und auch eine Suche blieb erfolglos. Kapitän Trenchard
von der USS Rhode Island hatte inzwischen den Kutter aus den Augen
verloren und suchte den Rest der Nacht und den größten Teil des nächsten
Tages erfolglos nach ihm, bevor er in Beaufort einlief. Die Kutterbesatzung
sah nur noch, wie die USS Rhode Island Leuchtraketen schießend
davondampfte. Doch es gab ein Wiedersehen: Am Tag nach dem Untergang wurde
die Kutterbesatzung vom Schoner A. Colby aufgesammelt, in Beaufort
abgeliefert und mit der Besatzung an Bord der USS Rhode Island vereinigt.
Trotz großer Anstrengungen waren an Bord der USS Monitor
vier Offiziere und zwölf Mannschaftsmitglieder ertrunken.
Dies war das Ende der USS Monitor. Aber auch der einstige Opponent
der USS Monitor, die CSS Virginia, sollte nicht lange triumphieren:
Als das Ende der Konföderation absehbar war, wurden an Bord der CSS
Virginia die Seeventile geöffnet und obendrein das Schiff in Brand gesteckt.
Über beide Schiffe breitete sich der Mantel des Vergessens - bis...
Bis 1973 eine Expedition vom Meereslaboratorium der Duke-Universität
unter der Leitung von John G. Newton 111 Jahre nach ihrem Untergang die
USS Monitor 26 km vor Kap Hatteras wiederentdeckte.
Schon ein Jahr später wurde der Ruheort der USS Monitor
zur einer national bedeutsamen historischen Stätte erklärt, und
es wurde ein Nationales Meeresschutzgebiet errichtet. Die Überwachung
und den Schutz dieses Ortes übernahm die NOAA (National Oceanic and
Atmospheric Administration). Da die Wiederentdeckung mit ferngesteuerten
Fernsehkameras geschah, war ein erster Tauchgang bald fällig: 1977
begaben sich Taucher, die von der Oberfläche mit Trimix versorgt wurden,
hinunter zur USS Monitor und bargen einige Panzerplatten sowie das
rote Positionslicht. Die nächsten Taucher am Wrack waren zwei Jahre
später Cousteau und seine Mannen. In der Folgezeit besuchten dann
und wann Forscher das Wrack und bargen einige Artefakte, hierunter z. B.
den Bronzegriff für ein Bajonett zu einem Zouave-Karabiner und die
Glasstutzen für den Docht auf den Walfischöllampen an Bord.

Photo courtesy NOAA
Gegen Sporttaucher am Wrack der USS Monitor wehrte sich die NOAA
lange Zeit, und es war erst ein Gerichtsverfahren notwendig, um dieses Hindernis
für Sporttaucher zu beseitigen.
Seit dem Jahre 1990 ist es aber für Sporttaucher möglich, zur USS Monitor
zu tauchen.
Zu diesem Zweck wurden extra durch die Versenkung von 500 kg schweren
Grundgewichten Bootsankerplatze geschaffen.
Taucht man heute am Ruheplatz der USS Monitor ab, sollte man
mischgaszertifiziert sein - das Wrack liegt in einer Tiefe von immerhin
ca. 72 m. Der Rumpf liegt kopfüber auf dem sandigen Meeresboden auf.
Dabei ruht er auf dem ebenfalls kopfüber liegenden Geschützturm.
Photo courtesy NOAA
Scheinbar hat sich dieser kurz vor Erreichen des Meeresgrundes aus seiner
Verankerung gelöst und liegt einige Meter neben dem Drehkranz unter
dem Wrack. Der mit 290° in ost-westliche Richtung ausgerichtete Rumpf
reicht an der Backbordseite des Bugs nur ca. 30 cm über den Meeresboden
und erhebt sich in Richtung Heck langsam in eine Höhe von ca. 2,70 m. Demgegenüber
ist die Steuerbordseite fast gänzlich im Sediment versunken und gibt
dem Wrack somit etwas Stabilität.
Natürlich hat am Wrack der Zahn der Zeit genagt: Fast der gesamte
vordere nach oben gekehrte Rumpf ist eingefallen. Lediglich über der
ehemaligen Kombüse bzw. dem Maschinenraum ist der Unterrumpf noch
einigermaßen intakt. Aber auch auf der Höhe dieser Schiffssektion
fehlt an der Backbordseite fast alles an Schiffsspanten, -planken und Eisenplatten.
Photo courtesy NOAA
Was wohl auf dieser Schiffsseite größtenteils zur Stabilität
beiträgt, sind die noch vorhandenen Stahlträger des Oberdecks. Auf
der Steuerbordseite sieht es ähnlich aus. Hier fehlen auch fast alle
Schiffsplatten von der Schiffsaußenseite am Rumpf. Die noch vorhandenen
Schiffsspanten und Decksträger halten die Rumpfstruktur stabil, wie man
auf nachfolgendem Sonarbild sehen kann.
Photo courtesy NOAA
Gegenwärtig stellt man aufgrund von Langzeitbeobachtungen am Wrack
der USS Monitor zunehmende Verfallserscheinungen fest. Seit der
Entdeckung 1973 sind Teile des Hecks in der Nähe von Schraube und
Ruderanlage nicht mehr an ihrem üblichen Platz. Weiter sind meterlange
Rumpfteile im Panzergürtel hinter dem Turm einfach zusammengefallen.
Außerdem fehlen seit der Erstbetauchung 1974 mittlerweile am Heck
der Backbordseite ca. zwei Meter vom Panzergürtel und immerhin ganze
sieben Meter davon seit Sinken der USS Monitor.
Schuld hieran sind starke Strömungen, hohe Temperaturen, die
Salzwasserumgebung, Korrosion des Eisens und elektrolytische Prozesse
hieran sowie das Wirken des Schiffsbohrwurms an den Holzteilen im
Wrack. Im Jahre 1990 erwischte die Küstenwache außerdem zwei
Boote über dem Wrack, die durch Ankerwürfe den Turm und den
Panzergürtel verschrammt und das Ruder der USS Monitor
beschädigt hatten.
Da es sich bei diesem Wrack aber um ein historisches Monument von nationaler
Bedeutung handelt, ist man natürlich an einer Erhaltung und Konservierung
interessiert. Mit ein Grund, weshalb jährlich Expeditionen institutioneller
oder offizieller Art stattfinden, um Forschungen zum Verfall oder Bergungen
zu betreiben. Die geborgenen Wrackteile werden im Mariner's Museum in Newport
News/Virginia gesammelt und konserviert. Neben den schon erwähnten
Gegenständen wird hier mittlerweile auch die von der US-Marine geborgene
Schiffsschraube mit einem ca. 3 m langen Stück der Antriebswelle ausgestellt.

Photo courtesy NOAA
Am 16. Juli 2001 kam dann nach 138 Jahren das bisher größte
Stück der USS Monitor zurück an die Wasseroberfläche:
Um 11:56 Uhr tauchte die 30 t schwere Maschine auf und wurde von einem
500 t-Kran an Bord der Bergungshulk Wotan gehoben. Nach einem
Restaurierungsprozess von geschätzten zehn Jahren wird man dann auch
dieses Stück Geschichte im Mariner's Museum in Newport News bestaunen
können. Vier Wochen arbeiteten Marinetaucher der US -Marine rund um
die Uhr daran, die Maschine aus dem Rumpf herauszubekommen. Hierfür
mussten sie Rumpfplatten entfernen, Verkrustungen beseitigen und Kohle
aus dem nahe gelegenen Kohlebunker "schippen".
Es steht zu erwarten, dass der Rumpf rund um die Bergungszone in
Mitleidenschaft gezogen wurde.
In Nachsorgetauchgängen wollen NOAA-Taucher zusammen mit Marinetauchern
jedoch die Bergungsstelle wieder instand setzen, soweit möglich.
Hat man Lust bekommen, hier zu tauchen, so kann man sich natürlich
an die nahegelegenen Tauchcenter wenden. Mischgastauchgänge zur USS
Monitor werden realisiert u. a. vom Abyss
Dive Center und von den Treasure
Cove Divers.
For all NOAA media we gratefully thank
NOAA for the kind permission to use the
photos at this site!
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