Im Vergleich: Sauerstoffsystem für Taucher
Dass Sauerstoff im Notfall nach einem schweren Tauchunfall oder bei
Anzeichen einer Dekompressionserkrankung verabreicht werden soll, lernt
jeder Taucher bereits in den ersten Stunden seines Tauchkurses. Auf das
"Warum" soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden.
Wer sich nicht mehr so genau an den Medizinteil seines Kurses erinnert,
kann es in seinem Lehrbuch nachlesen.
An dieser Stelle wollen wir versuchen, einen Überblick über
die zahlreichen angebotenen Systeme zu geben.
Zunächst einmal unterscheidet man grundlegend zwei Systeme: Das
offene und das Demand-System.
Offene Sauerstoff-Systeme
Offene Systeme sind sehr einfach zu handhaben und auch vom Preis her
deutlich günstiger als Demand- und Kreislaufsysteme. Sie haben jedoch
einen gravierenden Nachteil: Dadurch dass der Sauerstoff konstant fließt,
wird eine große Menge Sauerstoff "verschwendet", und je
nach Flaschengröße kann diese recht zügig leer sein. Die
gebräuchlichsten Flaschengrößen sind 2, 3, 5 und 10 l.
Eine mit 200 bar gefüllt 3-l-Flasche enthält 600 barliter Sauerstoff.
Bei einem angenommenen Atemminutenvolumen (AMV) von 20 l kann die Flasche
für 30 Minuten Sauerstoff liefern.
In unseren Breiten sollte dies in der Regel bis zum Eintreffen des Rettungswagens
reichen. Was jedoch, wenn man sich im Ausland, auf Bootstour oder an abgelegenen
Plätzen aufhält oder wenn die Rettungskette nicht unverzüglich
eingeleitet werden kann?
Der Preis einer kleinen 2-l-Sauerstoff-Flasche liegt bei ca. 150 Euro.
Gelegentlich hört man von "schlauen" Tauchern, die sich
im Baumarkt technischen Sauerstoff (zum Schweißen) besorgen. Dieser
ist erheblich billiger und steht in Sachen Reinheitsgrad dem medizinischen
Sauerstoff in nichts nach. Nichtsdestotrotz ist er nicht zur Verabreichung
an Menschen zugelassen! Um juristischen Problemen aus dem Weg zu
gehen, sollte man von dieser möglichen Variante Abstand nehmen.
Medizinischer Sauerstoff fällt in Deutschland unter das Medikamentengesetz.
Somit hat er (theoretisch) ein Verfallsdatum von zwei Jahren und darf eigentlich
nur von medizinischem Personal verabreicht werden. Inzwischen dürfen
jedoch auch "Laien" dieses Notfallmedikament applizieren.
Wenn man nun eine Sauerstoff-Flasche erstanden hat (TÜV alle zehn
Jahre), benötigt man außerdem einen speziell auf Sauerstoff
ausgelegten Druckminderer. Hierbei gibt es wiederum zwei Varianten: Regelbar
und nicht regelbar. Nicht regelbare reichern die Atemluft nur mit Sauerstoff
an (constant flow von 5-15 l/min) - eine hundertprozentige Sauerstoff-Gabe
ist somit nicht gewährleistet. Der Preis liegt bei etwa 175
Euro. Regelbare Modelle sind ab 150 Euro erhältlich, können bis
zu 15 l/min abgeben und darüber hinaus im Allgemeinen stufenlos eingestellt
werden!
Bei einem schweren Tauchunfall sollte der constant flow bei mindestens
15 l/min liegen, eher noch darüber. Je höher, desto besser. Doch
auch hier müssen Abstriche gemacht werden, denn je höher der
Flow, desto mehr Sauerstoff wird auch in kurzer Zeit durch ein offenes
System abgegeben, regelrecht in rauen Mengen verschleudert. Dazu kommt,
dass auch bei einer Gabe von 12-15 l/min bei einem AMV von 20 l/min keine
hundertprozentige Sauerstoff-Gabe erreicht wird!
Warum es zu einer Sauerstoff-Verschwendung kommt, liegt klar auf der
Hand: Offene Systeme mit constant flow geben dauerhaft Sauerstoff ab, egal
ob der Patient gerade einatmet oder nicht. Um diesem Prinzip entgegenzuwirken,
wurden so genannte Demand-Systeme entwickelt, dazu jedoch weiter unten.
An dieser Stelle soll darauf hingewiesen werden, dass billigere Druckminderer
und Flussregler aus dem Baumarkt nicht erlaubt sind!
Um Sauerstoff aus offenen Systemen zu verabreichen, gibt es wiederum
zahlreiche Möglichkeiten:
- per Atemmaske
- per Sauerstoff-Brille
- per Maske via Beatmungsbeutel
Atemmaske
Eine Maske, wie man sie aus Notfallmedizinserien im Fernsehen kennt.
Sie wird über Mund und Nase gelegt und mit dem Druckminderer verbunden.
Mit ihr wird eine höhere Sauerstoff-Konzentration erreicht als mit
Sauerstoffbrillen.
Sie haben allerdings - da Einheitsgröße - eine sehr schlechte
Passform. Zudem sind an den Seiten des Maskenkörpers Bohrungen angebracht,
die die zusätzliche Anatmung von Umgebungsluft gewährleisten
sollen. Im Krankenhaus ist dies erwünscht, da in der Regel eine Anreicherung
der Luft mit Sauerstoff ausreicht, bei einem Tauchunfall jedoch wirkt sich
dies nachteilig aus.
Eine deutlichere Verbesserung der Maske ist eine Entwicklung, bei der
Sauerstoff zunächst in einen Beutel fließt (Reservoir). Dieses
ist mit einem Flatterventil zur Maske hin versehen. Bei dieser Variante
öffnet sich das Ventil bei Einatmung zum Beutel hin, und der Patient
atmet den Beutel leer. Weitere Flatterventile am Maskenkörper legen
sich an und verhindern so, dass Umgebungsluft mit angesaugt wird. Atmet
der Patient nun aus, öffnen sich die Ventile nach außen, und
die Ausatemluft wird abgeleitet. Das Ventil zum Reservoirbeutel schließt
sich dagegen, und der Beutel wird in der Ausatemphase mit frischem Sauerstoff
gefüllt.
Hierüber ist eine nahezu hundertprozentige Sauerstoffgabe gewährleistet!
Die Passform des Maskenkörpers ist relativ gut, trotzdem werden Restmengen
von Umgebungsluft mit angesogen - das ist auch so gewollt, damit der Patient
trotz Flatterventil im Zweifelsfalle ausreichend atmen kann. Diese Maske
ist z. B. bei DAN für ca. 20 Euro erhältlich!
Sauerstoffbrillen
Eine in der (nichttaucherischen) Notfallmedizin weit verbreitete Methode.
Die Brille besteht aus einer Schlinge, die vom Kehlkopf aus hinter den
beiden Ohren bis zu den Nasenlöchern geführt wird. Weil bei diesem
System sehr große Mengen Umgebungsluft mit eingeatmet werden, ist
es für die Behandlung von Tauchunfällen absolut ungeeignet.
Beatmungsbeutel
Im Volksmund auch Ambu-Beutel genannt (nach einer Herstellerfirma),
dient nicht nur als reiner Beatmungsbeutel, sondern ein Verunfallter kann
auch selbstständig aus dem Beutel atmen, der an den Druckminderer
angeschlossen ist.
Es werden verschiedene Modelle auf dem Markt angeboten (der bekannteste
Vertreiber außer der Fa. AMBU ist z. B. die Fa. LAERDAL). Es gibt
sie bereits ab 20 Euro (Einweg!) im Handel. Beim Erwerb sollte darauf geachtet
werden, dass ein Sauerstoff-Anschluss vorhanden ist und dass sich der Maskenwulst,
der Mund und Nase umschließt, per Luftfüllung/-entlastung der
Gesichtsform anpassen lässt, um eine gute Dichtfähigkeit zu erreichen.
So ausgerüstete Beutel werden im Handel ab ca. 40 Euro angeboten.
Taucher.Net ergreift Initiative
Die Redaktion von Taucher.Net hat mit mehrere Anbietern von Sauerstoffsystemen Kontakt
aufgenommen, und in der Firma D.A.V. Notfallmedizinische Produkte
, einen kompetenten Ansprechpartner gefunden. D.A.V wird aufgrund unserer Anregung in Kürze zwei verschiedene
Notfallsysteme anbieten. Beide Systeme werden zusätzlich zur offenen Sauerstoffversorgung diverse Notfallgerätschaften
enthalten. (Anfragen zu den Notfallsystemen können an
rescue@taucher.net. gestellt werden.)
Innerhalb der nächsten Tage, werden wir auch einen Bestellservice auf unseren Seiten einrichten. Hier könnt Ihr
dann Eure Bestellungen direkt an D.A.V. eingeben. Einen entsprechenden Hinweis und Link werden wir kurzfristig auf der Startseite von
Taucher.Net anbieten.
Angeboten werden eine Grundversion (O2 Rescue Set Basic) sowie eine umfangreichere Ausführung (O2Rescue Set Plus).
Inhalt des Basic-Sets:
Tasche aus wasserabweisendem Nylon mit PVC-Einlegeboden und Platz für
weiteres Equipment zum Verstauen der Ausrüstung
Mercury Beatmungsbeutel-Set inkl. Reservoir, 1 Einmalventil, 1 Maske,
1 Sauerstoffbrille, 1 Pocket Mask (zur Einzelbeatmung, jedoch auch mit
Demand-Ventil/constant-flow-Ventil kombinierbar und zur Versorgung von
Kindern geeignet)
Mundkeil
BG Füllsortiment DIN 13157 - 72 Teile (alles für die erste
Hilfe, z. B. Pflaster, Verbände, Verbands-/Kleiderschere, Rettungsdecke,
Handschuhe etc. - ähnlich dem Inhalt des Autoverbandskastens, jedoch
umfangreicher)
Sauerstoff-Flasche 2,0 l, regulierbares Ventil 2-15 l/min.
Preis: 450 Euro


Zum Inhalt des O2 Rescue Set Plus bitte hier
klicken.
Fazit
Ein offenes System wie oben beschrieben, setzt sich aus einer Sauerstoff-Flasche
mit passendem Druckminderer, einem Verbindungsschlauch sowie einer Maske/einem
Beatmungsbeutel (mit Reservoir) zusammen. Es ist verhältnismäßig
günstig im Vergleich zum Demand-/Kreislaufsystem und eignet sich für
die Grundversorgung in Gebieten mit guter Notfallversorgung (Rettungswagen
nach max. 25 Minuten vor Ort). Es kann jedoch immer nur ein Verunfallter
damit versorgt werden!
Jedem Anwender von Sauerstoff und/oder einem Beatmungsbeutel sei dringend
angeraten, einen Kurs zu absolvieren, in dem gelehrt wird, mit Sauerstoff
sachgemäß umzugehen bzw. einen nicht selbsttätig atmenden
Patienten per Beutel korrekt zu beatmen. Solche Kurse werden über
Tauchschulen, Tauchsportverbände, Herstellerfirmen von Sauerstoffkoffern,
Rettungsorganisationen (Arbeiter-Samariter-Bund, DLRG, Dt. Rotes Kreuz,
Johanniter Unfallhilfe, Malteser Hilfsdienst) sowie zum Beispiel auch DAN
angeboten oder organisiert. Ebenfalls geeignet ist der VDST-Spezialkurs
"Medizin Praxis", in dem in Theorie und Praxis u. a. auf die
Handhabung von Sauerstoffsystemen eingegangen wird.
Eine weitaus bessere, aber auch teurere Lösung als das offene Sauerstoffsystem mit constant flow ist die Verwendung von geschlossenen/halbgeschlossenen
und somit Sauerstoff sparenden Kreislaufsystemen,
wie dem Wenoll-Koffer, oder einem Demand-System.
Kreislaufsysteme/Demand-Systeme
Wie bereits erwähnt, eine Möglichkeit, Sauerstoff zu sparen.
Doch wie kann das gehen? Schließlich ist die Sauerstoff-Flasche auch
nicht größer als bei einem offenen System, sie ist sogar eher
kleiner!
Ganz einfach mit zwei verschieden Varianten:
- Demand-System
- Kreislaufsystem
Das Prinzip eines Demand-Systems ähnelt dem eines Lungenautomaten,
welches jedem Taucher bekannt ist. Es handelt sich um einen Druckminderer
(erste Stufe) und einen Atemregler (zweite Stufe). Der Verunfallte steckt
den Atemregler in den Mund, und der Sauerstoff-Fluss kommt nur zustande,
wenn eingeatmet wird. Somit reicht die Sauerstoff-Menge fast dreimal so
lang wie bei einem constant flow-System. Trotzdem findet eine gewisse Vergeudung
statt, da die Ausatemluft bei der Atmung von reinem Sauerstoff noch etwa
96 % Sauerstoff enthält, der ungenutzt abgeatmet wird. Von diesem
Aspekt aus betrachtet, musste man ein System entwickeln, das die Rückatmung
der Ausatemluft anbietet, um auch diesen Sauerstoff zu nutzen. Da Ausatemluft
jedoch Kohlendioxid (CO2) enthält, ist eine Aufbereitung
notwendig. Das war die Geburtsstunde der Kreislaufgeräte.
Wenn man sich überlegt, sich eines der auf dem Markt befindlichen
Geräte zuzulegen, sollte man einige Punkte beachten: Einer davon ist,
dass man nicht einen x-beliebigen Lungenautomaten an das Demand-System
anschließen darf. Sie müssen besonders umgerüstet sein,
damit sie sauerstofftauglich sind. Dazu gehören u. a. besondere O-Ringe.
Denn normale O-Ringe, die auf 21-prozentigen Sauerstoff ausgelegt sind,
werden bei einem höheren Sauerstoffgehalt zerstört. Und was dann
passiert, möchte sicher niemand erleben...
Ein zweiter Grund ist, dass herkömmliche Lungenautomaten nicht
mit einem Beatmungsbeutel oder mit Atemmasken kombiniert werden können.
Nachfolgend nun zwei der den deutschen Markt beherrschenden Systeme und
die durch uns initiierte Variante:
DAN-System
Ein von Divers Alert Network entwickeltes System, das relativ einfach
aufgebaut ist. Dahinter steckt der Grundgedanke: "Taucher können
im Notfall ohne größere Probleme helfen und normobaren Sauerstoff
applizieren!"
Das DAN-System beinhaltet einen Abgang am Druckminderer für regelbaren
constant flow (einstellbar bis zu 25 l/min) sowie zwei weitere Mitteldruckabgänge.
Das constant flow-Ventil entspricht den bereits angesprochenen offenen
Systemen, bietet jedoch eine deutlich höhere Flussmenge an.
Mitgeliefert werden eine Atemmaske mit Reservoirbeutel (constant flow),
eine Maske mit Demand-Ventil und ein Mitteldruckschlauch (Tru Fit Mask)
und eine so genannte Non-Rebreather Maske (ähnlich der LAERDAL Pocket
Mask), die sowohl mit Demand-Versorgung als auch mit constant flow betrieben
werden kann. Bei der letzten Variante kann die Maske auch zur aktiven Beatmung
durch einen Helfer verwendet werden, wobei der constant flow zur Anreicherung
der gespendeten Luft mit Sauerstoff dient.
Die gelieferte Grundausstattung des Original DAN-Koffers erlaubt die
gleichzeitige Versorgung zweier Patienten. Einmal über das offene
System (constant flow) und einmal über den Mitteldruckabgang per Demand-System.
Da zwei Mitteldruckabgänge vorhanden sind, kann über einen zusätzlichen
Mitteldruckschlauch mit Atemregler auch noch ein dritter Taucher versorgt
werden.
Das Demand-Ventil ist mittlerweile auch zur Notfallbeatmung per Beutel
geeignet sowie für Patienten, die nur sehr flach atmen, bewusstlos
sind oder einen Atemstillstand haben. In diesem Falle kann das Demand-Ventil
mit dem mitgelieferten Beatmungsbeutel kombiniert werden.
Im Lieferumfang sind enthalten: King-Pelikan-Case, Sauerstoff-Maske
mit Reservoir, Demand-Maske (Tru Fit), Pocket Mask, Demand- und constant
flow-Ventil sowie Mitteldruckschlauch. In den Koffer passen Flaschengrößen
von 2 bis 5 l. Das System enthält außerdem einen so genannten
PIN-Index-Adapter zur Montage auf verschiedene Ventilsysteme.
Kofferpreis DAN Pelican Case ohne Sauerstoff-Flasche: zwischen 530 Euro
und 700 Euro, je nach Koffergröße - zu beziehen über www.daneurope.org.
Kofferpreis DAN Pelican Case inkl. Sauerstoff-Flasche: zwischen 850
Euro (2 l) und 1.150 Euro (5 l) - zu beziehen über www.watersafety.net.
Folgende Richtwerte zu den Flaschengrößen und Versorgungsarten
sind zu beachten:
Unbedingt empfehlenswert: Das Anwenderseminar (Oxygen Provider) des Anbieters.
Teils werden die Koffer ohne einen solchen Nachweis nicht verkauft!
Wie bekannt, dürfen unter Druck stehende Behälter nicht im
Flugzeug transportiert werden. Dank des druckfesten Pelican Koffers konnte
DAN mit den wichtigsten europäischen Fluglinien eine Vereinbarung
treffen, dass DAN-Koffer, sofern verschlossen, in allen Flugzeugen mitgenommen
werden dürfen! Sie können sowohl aufgegeben als auch als Handgepäck
transportiert werden. Die entsprechenden Begleitschreiben bitte bei DAN
anfordern.
O2-Koffer "Watersafety-Net"

©Firma W+S Water Safety Europe
GmbH
O2-Koffer "DAN Original"

©Firma DAN Europe
Akutkoffer 2001 (Dräger)
Ausstattung (nach Herstellerangaben): Orangefarbener Koffer mit 2,5-l-Sauerstoff-Flasche
(DIN-System) mit einem Abgang für constant flow (15 l/min) sowie zwei
Mitteldruck-Abgängen mit Demand-Ventil; ein Beatmungsbeutel, der mit
dem Demand-Ventil kombinierbar ist (jedoch nicht mit sonst handelüblichen
Druckminderern; dies bedeutet, dass bei Geräteausfall nur mit Umgebungsluft
beatmet werden kann); des weiteren die Möglichkeit einer Absaugung,
auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, da sie für
Laien schwer durchzuführen ist und zum anderen wertvollen Sauerstoff
für den Betrieb "verschwendet".
Preis: ca. 1.500 Euro
O2 Rescue Set Plus
Wie bereits unter Offene Systeme erwähnt,
bietet die Firma D.A.V. anf Anregung von Taucher.Net ab sofort zwei verschiedene Notfallsysteme an. Das
O2 Rescue Set basic wurde bereits vorgestellt. Das O2
Rescue Set plus ist deutlich umfangreicher von der Ausstattung her, und
zudem verfügt es über ein Demand-Ventil. Die Vorzüge gegenüber
dem constant flow-System wurden bereits erläutert.
Inhalt:
Tasche aus wasserabweisendem Nylon mit PVC-Einlegeboden und Platz für
weiteres Equipment zum Verstauen der Ausrüstung
Mercury Beatmungsbeutel-Set inkl. Reservoir, 1 Einmalventil, 1 Maske,
1 Sauerstoffbrille, 1 Pocket Mask (zur Einzelbeatmung, jedoch auch mit
Demand-Ventil/constant-flow-Ventil kombinierbar und zur Versorgung von
Kindern geeignet)
Mundkeil
BG Füllsortiment DIN 13157 - 72 Teile (alles für die erste
Hilfe, z. B. Pflaster, Verbände, Verbands-/Kleiderschere, Rettungsdecke,
Handschuhe etc. - ähnlich dem Inhalt des Autoverbandskastens, jedoch
umfangreicher)
Oropharyngeal-Notfallset (Guedel-Tuben, vier verschiedene Größen)
Chirurgisches Notfallbesteck (5-teilig: Skalpell, 2 verschiedene Scheren,
Pinzette, Klemme)
Sauerstoff-Flasche 2,0 l, regulierbares Ventil 2-15 l/min
Druckminderer Aeroway Fast 15 für Demandventil (0-15 l/min)
Demandventil HUM
Octenisept 50 ml (Wunddesinfektions-Sprühflasche)
Preis: 999 Euro (Anfragen an rescue@taucher.net).


Zusammenfassung Demand-Systeme
Obwohl die Systeme fast identisch sind, gibt es dennoch wichtige Differenzen:
DAN:
Adapter zur Verwendung mit DIN-Sauerstoffventilen nötig (im Lieferumfang
enthalten)
Gutes Preis-/Leistungsverhältnis
100 Prozent Sauerstoff garantiert über einen ausreichenden Zeitraum
Einfaches Handling
Oxygen Provider-Kurs wird angeboten
Bis 25 l/min constant flow
Dräger:
Koffer zwar komplett, aber sehr teuer
Nur 15 l/min im constant flow
Einfaches Handling
100 Prozent Sauerstoff garantiert über einen ausreichenden Zeitraum
Absaugung verschwendet Sauerstoff, und Auffangbehälter ist zu klein,
für Laien so gut wie nicht bedienbar
Rescue Set:
Sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis
100 Prozent Sauerstoff garantiert über einen ausreichenden Zeitraum
Einfaches Handling
Bis 15 l/min constant flow
Reichliches Zusatz Equipment für den "kleinen Tauchunfall"
ohne Aufpreis
Fazit: Alle drei Geräte können für Taucher empfohlen
werden, die in Gebieten tauchen, wo mit kurzen oder mittleren Anfahrtszeiten
des Rettungsdienstes zu rechnen ist (z. B. Deutschland, Österreich,
Schweiz). Eine langfristige Versorgung (Kreuzfahrt) ist nur unter Einsatz
mehrerer Sauerstoff-Flaschen möglich! Dabei spielt der Preis natürlich
eine ganz wichtige Rolle.
Laufende Kosten
Nicht allein der Anschaffungspreis der Geräte sollte in eine Kostenrechnung
einbezogen werden, sondern auch die gesetzlich vorgeschriebenen Inspektionsintervalle
und die Kosten dafür (gesetzliche Vorschriften zur Medizintechnik
siehe www.dimdi.de, Rubrik Medizintechnik).
Vor allem Tauchschulen, Tauchbasen, andere gewerbliche Betriebe sowie Vereine,
die die Notfalltechnik nutzen, müssen besondere Sorgfalt bei der Beachtung
der Prüf- und Wartungsintervalle walten lassen:
Die folgende Aufstellung bietet eine kleine Übersicht über
Prüf- und Wartungskosten sowie -Intervalle.
| Sauerstoff-Flasche
(TÜV) |
alle
10 Jahre |
20
bis 40 Euro |
| Druckminderer
DAN |
alle
5 Jahre |
ca.
25 Euro (große Wartung ca. 35 Euro) |
| Druckminderer
Dräger |
alle
6 Jahre |
ca.
130 Euro |
| Druckminderer
Weinmann |
alle
2 Jahre |
ca.
70 Euro |
| Demandventil
DAN/LSP |
alle
2 Jahre |
ca.
70 Euro (incl. Versand nach GB) |
| Demandventil
Dräger |
wartungsfrei |
-- |
Eine ausführliche Beratung über die sinnvolle Zusammenstellung
eines eigenen Notfallkoffers kann man sich über die Website www.watersafety.net
holen. Hier werden sowohl DAN- als auch Dräger-Notfallsysteme angeboten
und können in der Zusammenstellung variiert werden, um für den
eigenen Bedarf das optimale Preis- Leistungs-Verhältnis - auch in
Bezug auf die Wartungskosten - zu finden.
Kreislaufsysteme
Noch effektiver als Demand-Systeme können Kreislaufgeräte
sein. Denn wie bereits in der Schule im Biologieunterricht gelernt, enthält
unsere Atemluft 21 % Sauerstoff. Davon nehmen wir jedoch nur 4 % auf. Der
Rest wird unverbraucht wieder ausgeatmet. Atmet man reinen Sauerstoff,
sind die Verlustmengen also massiv. Bei einem angenommenen AMV von 20 l/min
werden nur 4 %, das sind 0,8 l, wirklich verwertet. Die restlichen 96 %,
also 19,2 l, werden "sinnlos verpulvert". Aber zum Glück
gibt es findige Ingenieure. Diese dachten sich, man könne die 4 %
ausgeatmetes Kohlendioxid doch ausfiltern und anschließend der gereinigten
Ausatemluft einfach wieder 4 % frischen Sauerstoff zusetzen...

Das Wenoll-System
Das Wenoll-System ist ein portables Notfall-Sauerstoff-Kreislaufgerät.
Es besteht im wesentlichen aus einem Druckminderer, der auf besonders niedrige
Flussraten ausgerichtet ist, einer Atemkalkpatrone sowie einem Schlauchsystem,
welches über verschiedene Ventilmechanismen die Atemluft zwischen
Lunge, Kalkpatrone und Atembeutel zirkulieren lässt.
Ein gigantischer Satz, der aber ganz simpel bedeutet, dass in der Einatemphase
der Sauerstoff direkt in die Lunge des Patienten strömt. Bei der Ausatmung
wird das aus der Lunge kommende Gas in den Atem(Reservoir-)beutel - auch
Gegenlunge genannt - geleitet. Bei der nächsten Einatmung wird dieses
Gas durch die Kalkpatrone gezogen, wobei das CO2 chemisch gebunden
wird. Reiner Sauerstoff bleibt übrig, und es müssen nur die fehlenden
4 %, die der Körper verbraucht hat, ersetzt werden.
Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass sich in unserer Umgebungsluft
78 % Stickstoff (N2) befinden. Da der Taucher während des
Tauchgangs N2 angereichert hat, befindet sich in dessen Ausatemluft
auch vermehrt N2! Zunächst muss also die Lunge "ausgewaschen"
werden. Dies bedeutet, es kann nicht sofort im geschlossenen System geatmet
werden. In gewissen Abständen muss das System mit reinem Sauerstoff
(ohne Ausatemluft) gespült werden.
Da nur sehr wenig Sauerstoff pro Minute verbraucht wird, wird ein Druckminderer
benötigt, der sehr präzise auch niedrige Flussraten liefern kann.
Zudem kann man über die "Flush-Taste" bis zu 30 l/min Sauerstoff
freigeben. Ein zweiter Abgang liefert über ein regelbares Ventil bis
zu 20 l/min constant flow für einen zweiten Patienten. Je nach Koffergröße
können bis zu drei Taucher pro Koffer mit Sauerstoff versorgt werden!
Im reinen Kreislauf-Betrieb kann man einem verunfallten Taucher
mit einer 2-l-Flasche bis zu fünf Stunden hundert Prozent Sauerstoff
applizieren! Auch dann wird die Sauerstoff-Flasche in der Regel noch nicht
leer sein, aber die Kalkpatrone ist dann gesättigt. Ist eine Reservepatrone
vorhanden, kann bis zu acht Stunden appliziert werden (Herstellerangaben).
Dem Koffer liegen eine Bedienungsanleitung sowie zwei Therapiepläne
bei, in denen die optimale Einstellung angegeben wird.
Die Firma EMS GmbH, die den Wenoll-Koffer vertreibt, führt derzeit
drei Koffergrößen, die in jeweils drei Ausführungen angeboten
werden:
WS 100
WS 200
WS 300
Version 1: mit Standard-Druckregler ohne Mitteldruckabgang
Version 2: mit Druckregler CS 215 und zwei Mitteldruckabgängen
Version 3: mit Druckregler CS 215 und Wenoll Demand-Modul


In der Tauchmedizin kann es von Vorteil sein, mit einem Sauerstoff-Koffer
mehrere Patienten gleichzeitig behandeln zu können. Mit den verschiedenen
Koffergrößen kann auch eine unterschiedliche Anzahl Patienten
versorgt werden:
WS 100:
ein Patient am offenen System oder
ein Patient mit Demand-Modul oder
ein Patient am Kreislaufsystem
oder
ein Patient am offenen System und
ein Patient mit Demand-Modul
oder
ein Patient am Demand- und
ein Patient am Kreislaufsystem
Preis: 600 Euro, 635 Euro, 740 Euro (Version 1, 2, 3)
WS 200 + 300:
zwei Patienten gleichzeitig mit je einem Kreislaufsystem oder
drei Patienten gleichzeitig, davon zwei mit Kreislaufsystem, einer
mit Demand-System
Preis:
WS 200: 670 Euro, 700 Euro, 800 Euro (Version 1, 2, 3)
WS 300: 730 Euro, 760 Euro, 860 Euro (Version 1, 2, 3)
CO2 Absorber: 45 Euro
(alle Preise Stand 05/2001)
Inhalt von WS 300 Version 1(Herstellerangaben):
Gelber Koffer
2-l-Flasche mit medizinischem Sauerstoff
Druckregler, stufenlos verstellbar bis 20 l/min, bereits montiert
Steckadapter für zweiten Abgang am Druckregler
Zwei CO2-Absorber mit O2-Anschlussschlauch
Schlauchset für das Kreislaufsystem
Ein 3-l-Rückatembeutel
Atemmaske mit Luftkissendichtung + Maskenhalter + Mundstück + Nasenklemme
+ Einmalspritze zum Befüllen/Entlüften der Luftkissendichtung
O2-Maske mit Reservoirbeutel
Verbandsschere
Ein Y-Stück für die gleichzeitige Verwendung von zwei Wenoll-Atemsystemen
Anwenderbroschüre
Inhalt WS 300 Version 2 (Herstellerangaben):
Gelber Koffer
2-l-Flasche mit medizinischem Sauerstoff
Druckregler CS 215, montiert
zwei CO2-Absorber mit O2-Anschlussschlauch
Schlauchset für das Kreislaufsystem
Ein 3-l-Rückatembeutel
Atemmaske mit Luftkissendichtung + Maskenhalter + Mundstück + Nasenklemme
+ Einmalspritze zum Befüllen/Entlüften der Luftkissendichtung
O2-Maske mit Reservoirbeutel
Verbandsschere
Ein Y-Stück für die gleichzeitige Verwendung von zwei Wenoll-Atemsystemen
Anwenderbroschüre
Inhalt WS 300 Version 3 (Herstellerangaben):
Gelber Koffer
2-l-Flasche mit medizinischem Sauerstoff
Druckregler CS 215, montiert
Ein Demandmodul einschl. Anschlussschlauch
Zwei CO2-Absorber mit O2-Anschlussschlauch
Schlauchset für das Kreislaufsystem
Ein 3-l-Rückatembeutel
Atemmaske mit Luftkissendichtung + Maskenhalter + Mundstück + Nasenklemme
+ Einmalspritze zum Befüllen/Entlüften der Luftkissendichtung
O2-Maske mit Reservoirbeutel
Verbandsschere
Ein Y-Stück für die gleichzeitige Verwendung von zwei Wenoll-Atemsystemen
Anwenderbroschüre


Fazit Wenoll-System
Dieses System bietet über eine sehr lange Zeitspanne die Möglichkeit
zur Gabe von Sauerstoff. Die Anwendung ist jedoch nicht so einfach wie
die eines Demand-Systemes, außerdem bedarf es einer längeren
Vorbereitungszeit, ehe das Gerät einsatzbereit ist. Es ist empfehlenswert
für fortgeschrittenes Bedienerpersonal (Anwenderkurs besuchen!) und
besonders geeignet für Tauchexpeditionen, die in ein entlegeneres
Gebiet führen, zum Beispiel bei Kreuzfahrten.
Zum guten Schluss sollte ein wichtiger Punkt nicht vergessen werden:
Wie bekannt, dürfen unter Druck stehende Behälter nicht im Flugzeug
transportiert werden. Dank des druckfesten Koffers konnte die Firma EMS
nun mit den wichtigsten europäischen Fluglinien eine Vereinbarung
treffen, dass Wenoll-Koffer, sofern verschlossen, in allen Flugzeugen mitgenommen
werden dürfen! Sie können sowohl aufgegeben als auch als Handgepäck
transportiert werden.
Entsprechende Begleitschreiben können bei der Fa.
EMS angefordert oder direkt hier unter den folgenden Links angezeigt
werden. Sie liegen den Wenoll-Koffern auch bei.



Schlussbemerkung
Die Gabe von hundertprozentigem Sauerstoff ist das wichtigste Hilfsmittel
der ersten Hilfe nach einem Tauchunfall. Daher sollte jeder Taucher zumindest
mit dem Umgang eines Notfallkoffers vertraut sein. Wünschenswert wäre
selbstverständlich, dass jeder Taucher selbst ein solches Gerät
besitzt, insbesondere Tauchlehrer während des Unterrichts. Leider
ist dies nicht zuletzt aus Kostengründen kaum realisierbar.
Einfache Geräte zur Verabreichung von Sauerstoff sind schon recht
günstig zu haben, wenn auch nur bedingt empfehlenswert. Im Vordergrund
sollte jedoch der Gedanke stehen: Lieber die Atemluft nur unbefriedigend
mit Sauerstoff angereichert, als überhaupt nicht!
Warnung
Seit einigen Monaten werden vor allem auf Auktionen und Internetbörsen
so genannte Sauerstoff-Notfallkoffer aus Bundeswehrbeständen angeboten.
Diese Geräte beruhen auf Dräger-Technologie und haben augenscheinlich
einen sehr attraktiven Kaufpreis. Das Angebot beruht in den meisten Fällen
auf einem Zarges-Koffer, einer 5-l-Sauerstoff-Flasche, Pulmotor und Beatmungssystem.
Aber Achtung: Die angebotenen Koffer sind nicht mehr auf dem Stand der
Technik. Sie stammen aus den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts
und sind nach der "Medizinprodukte-Betreiberverordnung aus dem Jahre
1998" nicht mehr zur Notfallbehandlung zugelassen.
Eventuelle Rückfragen zu den angebotenen Koffern können über
Dräger Medizintechnik GmbH, Abteilung mt-ds-bw, Telefon +49 (0) 4
51 8 82-22 07 erfolgen.
Sowohl der Pulmotor als auch der Druckminderer sind stillzulegen. Die
Sauerstoff-Flaschen haben keinen aktuellen TÜV - dieser muss vom Käufer
umgehend nachgeholt werden. Auch Dräger kann keine volle Wartung oder
Lieferung von Ersatzteilen mehr garantieren, da die Produktion dieser Geräte
bereits seit vielen Jahren eingestellt wurde. Einzig der stabile Alukoffer
hat einen Wert, der eine Investition von ca. 150 Euro rechtfertigen würde.
Bitte beachtet diese Hinweise. Bei Notfallbehandlungen mit diesem Koffer
und einer eventuellen Folge-Schädigung des Patienten wäre möglicherweise
eine Anklage wegen Körperverletzung zu befürchten, denn der Koffer
ist für Patientenbehandlung nicht zugelassen (siehe auch allgemeine
Verfahrensregelung unter www.dimdi.de
- Medizintechnik).
Wir danken der Firma EMS
für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der Fotos aus dem hauseigenen
Prospekt bezüglich Wenoll Systemen; der Firma
W+S Water Safety Europe GmbH für die freundliche Genehmigung
zur Verwendung der Fotos bezüglich Pelicase Koffer DAN mit Oxyparat/LSP
Technik; der Firma DAN Europe
für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der Fotos bezüglich
DAN Koffer mit DAN/LSP Technik.
© Jessica Brühl
und Herbert Gfrörer
Keine Gewährleistung
Das Copyright der hier explizit angesprochenen Fotos liegt allein bei
den genannten Firmen. Kopien oder Vervielfältigungen nur mit ihrer
ausdrücklichen Genehmigung.
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