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 Geschrieben von Harry

September 2001

Tauchbasis und Pension "Petra", Ivica Stanic und Ilona Stanic-Konc

M. Vlacica bb, HR-52210 Rovinj
Tel./Fax der Pension: 0 03 85/52/8 12-8 80
Tel. der Basis: 0 03 85/52/8 14-1 13
Homepage: http://members.tripod.com/~petradive
E-mail: diving-center-petra@pu.tel.hr

Rovinj - eine malerische kleine Stadt an der Westküste von Istrien. Fotogen liegt die Altstadt mit ihren engen Gässchen, alten Häusern und dem dominierenden Campanile von St. Euphemia im venezianischen Stil auf der (heutigen) Halbinsel.

Auf dem Markt von Rovinj

Besonders empfehlenswert sind der Obst- und Allerlei-Markt und natürlich die vielen Lokale, wo man die Köstlichkeiten der Region genießen kann. Ein wahrer Balsam für Leib und Seele!

Pension Petra

Die Tauchbasis befindet sich sehr gut ausgeschildert etwas nördlich von Rovinj im Hotel Valdaliso, wo sich auch die Mole befindet, von der die Tauchboote ablegen.

Tauchbasis

Zwei große Trockenräume beherbergt das Basisgebäude, ferner den schon "etwas" antik anmutenden Bauer-Kompressor (ein "neuerer" Gebrauchter wurde bereits angeschafft). Hier sind auch die beliebten T-Shirts mit Motiven der "Baron Gautsch" und der "Coreolanus" erhältlich.

100 Meter sind es bis zum Hotel Valdaliso gehörigen Restaurant mit großer Terrasse fürs Deko-Bier, aber leider laschem Service...

Für entsprechend ausgebildete Taucher (und nur für sie) besteht die Möglichkeit, Flaschen mit Nitrox bis maximal 40 % Sauerstoffanteil füllen zu lassen.

Schnellboot an der Mole

Zur Basis gehört ein Schnellboot, das die Taucher bis vor kurzem noch mit etwa 20 Knoten zu den weiter entfernten Tauchplätzen brachte. Bei einem Auflaufen auf Grund wurden jedoch Schraube und Antriebswelle beschädigt. Seither kann das Boot nicht mehr schneller als 10 Knoten fahren.

So dauerte diesmal die Fahrt zur "Coreolanus" zwei Stunden statt einer - ächz! Bei einem längerem, abendlichen Gespräch zeigte Ivica mir die Baupläne zu seinem neuen Boot, das ab Frühjahr 2002 im Einsatz sein soll und mit zweimal 350 PS und mehr als 25 Knoten die Tauchplätze förmlich "anfliegen" wird. Mit diesem Boot werden dann auch Ganztagesausfahrten angeboten werden. Der Einsatzradius wird sich dabei bis zur Insel Losinj weit im Süden ausdehnen!

Sehr empfehlenswert ist die gleichnamige Pension "Petra", die sich etwa auf halbem Weg (etwa 1,5 km) zwischen Basis und Rovinj befindet und von Ivica und Ilona Stanic sehr engagiert geführt wird. Ivica Stanic ist auch der Mann, der von der kroatischen Regierung die Oberhand über die Vergabe von Tauchgenehmigungen an der "Baron Gautsch" erhalten hat. Nach seinen Aussagen ist dies auf der einen Seite eine große Ehre für ihn, andererseits bringt das aber sehr viel Arbeit mit sich, und es gibt auch immer wieder Ärger durch falsch ausgefüllte Listen der Basen, die dann bei Kontrollen durch die Küstenwache Probleme machen.

Die Zimmer der Pension sind geräumig und sauber, ebenso Bad/WC.

Im gemütlichen und großen Aufenthaltsraum treffen sich am Abend Taucher und Nichttaucher, und bei so manchem Glas Rotwein und angeregten Gesprächen vergehen die Stunden nur so wie im Flug.

Preise der Pension:
ÜF: Saisonabhängig ca. 16-21 Euro
HP: Saisonabhängig ca. 24-31 Euro
Einzelzimmerzuschlag 20%

Preise der Basis:
Tauchausfahrt zu "Riff": ca. 15 Euro
Tauchausfahrt zu Wrack: ca. 24 Euro
"Baron Gautsch" und "Coreolanus": ca. 38 Euro
(Preise für Ausfahrt und Luft)

Luft ohne Ende

Flaschenfüllung: ca. 0,40 Euro/Liter
Nachttauchen in Bucht: ca. 10 Euro
Nachttauchen vom Boot: ca. 18 Euro
Tauchen in Hausbucht: ca. 7 Euro
Tauchgenehmigung für Kroatien: ca. 13 Euro (12 Monate gültig und Pflicht!)

Ausbildung nach CMAS/ACUC/PADI:
OWD oder äquivalent: ca. 260 Euro
AOWD oder äquivalent: ca. 215 Euro
Schnuppertauchen: ca. 40 Euro

12- und 15-l-Leihflaschen (sowie einige 7- und 10-l-Flaschen) sowie komplette Leihausrüstungen sind vorhanden.

Die Hausbucht mit einer Tiefe von etwa 7 m ist in erster Linie für Ausbildungszwecke, Check-Dives oder Nachttauchgänge geeignet, wenngleich man auch hier schöne Entdeckungen machen kann: Große Steckmuscheln, Sepien, Seehasen, Knurrhähne und Gespensterkrabben sind hier zu finden.

Für Fahrten zu näher liegenden Tauchstellen werden bei Bedarf auch andere, langsamere Boote gechartert.

Wracks in der Umgebung (von Nord nach Süd)

HMS "Coreolanus"

Ein englischer Minenräumer, 1945 auf eine Mine gelaufen.

Länge etwa 60 m
Breite etwa 8 m
Tiefe 17-30 m

WC in der Coreolanus

Beeindruckendes, durch die Minenexplosion hervorgerufenes Loch im Bug an Steuerbord, durch welches ein Pkw passen würde. Schön zu betauchende Galerien, die über und über mit Miesmuscheln bewachsen sind. Wie an fast allen Wracks muss wegen der vielen hängengebliebenen Fischernetze aufgepasst werden. Der Mast ist vor einigen Jahren zusammengebrochen und liegt über dem Wrack. Das Wrack kann gut penetriert werden - sogar das WC befindet sich noch in hervorragendem Zustand! Gut erhalten sind die drei Maschinenkanonen an Deck. Auf den Deckaufbauten verstecken sich einige hervorragend getarnte Drachenköpfe (Vorsicht!), und unter Deck hat mindestens ein Conger (Meeraal) sein Zuhause! Sehr schön anzusehen sind auch das Ruder und die Schraube.

Im Schiff soll sich noch scharfe Munition befinden!

"Romania"

Frachtschiff, im Zweiten Weltkrieg gesunken.

Länge etwa 65 m
Breite etwa 8 m
Tiefe 30-40 m

"Numidia"

Frachtschiff, möglicherweise im Zweiten Weltkrieg gesunken.

Länge etwa 120 m
Breite etwa 13 m
Tiefe 28-40 m

"Maona"

Schleppkahn (?), ebenfalls angeblich im Zweiten Weltkrieg gesunken.

Länge etwa 40 m
Breite etwa 8 m
Tiefe 30 bis 36 m

Ein kleineres, übersichtliches Wrack das aufrecht am Grund steht. Laderäume und Steuerstand sind einfach zu betauchen, aber wie bei allen Wracks gilt es, mit seinen Flossen sehr vorsichtig umzugehen, da ansonsten sofort massiv Sediment aufgewirbelt wird.

Im "Schornstein" (andere Quellen sprechen von einem Geschützstand, was wahrscheinlicher ist!) wohnt eine große Languste.

Gut zu sehen das noch immer hart backbord eingeschlagene Ruder.

"Giuseppe Dezza"

Ein ursprünglich italienisches Torpedoboot, das im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Kriegsmarine unter dem Namen TA38 eingesetzt wurde und, von einer Bombe oder einem Torpedo getroffen, in zwei Teile zerbrach.

Länge etwa 35 m
Breite etwa 5 m
Tiefe 30-35 m

Taucher an Giuseppe Dezza

Die beiden Teile liegen etwa 50-70 m voneinander entfernt auf dem Schlammgrund. Grund und Wrack sind von sehr feinem Schlamm bedeckt, der außergewöhnlich leicht aufgewirbelt wird! Der größere Hauptteil des Wracks, an dem auch die Boje befestigt ist, ist der sehenswertere. Eine große, alleinstehende 8,8 cm-Kanone ist gleichzeitig der höchste Punkt des Wracks, und eine noch immer noch oben zielende Vierlings-Flak erinnert an die sicherlich dramatischen Umstände des Untergangs.

Vierlings-Flak der Giuseppe Dezza

Eine weitere Vierlings-Flak befindet sich am Wrack.

Zum Zeitpunkt der Betauchung war das Wrack von wirklich großen Dorschschwärmen besiedelt und erinnerte mich entfernt an die Bilder von Truuk-Lagoon. Hier konnte mein Kollege "Pipin" einen Leng entdecken und fotografieren - das Vorhandensein dieses Fisches in der Adria war für mich absolut überraschend - ich hatte ihn bisher nur ein Mal im Scapa Flow beobachten können.

Mein neuer Favorit unter den Wracks in Istrien!

"Baron Gautsch"

Wohl das berühmteste Wrack in der Adria: Ein österreichischer (eigentlich kuk) Passagierdampfer, 1914 auf eine (österreichische) Mine gelaufen.

Länge etwa 85 m
Breite etwa 12 m
Tiefe 28-40 m

Taucher in Baron Gautsch

Relativ einfach zu betauchendes und sehr abwechslungsreiches Wrack mit schönen Galerien und Salons, in denen sich Schwärme von Gabeldorschen tummeln. Von den hölzernen Zwischendecks sind noch immer Reste vorhanden. Man könnte theoretisch bis tief ins Wrack tauchen, was aber nur sehr erfahrenen Wracktauchern zu empfehlen ist.

Leider das am stärksten geplünderte Wrack überhaupt und trotzdem eines, das immer wieder begeistert. Für ausführliche Informationen über das Schiff und seine Geschichte wird es einen Bericht in der nächsten Ausgabe von Taucher.Net geben.

"Istra", richtig "Hans Schmidt"

Großes Frachtschiff, über das man wenig weiß. Man liest immer wieder von allen möglichen Untergangszeitpunkten und -ursachen: Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, noch früher oder doch später... Torpedotreffer, Bombentreffer, Kollision mit anderem Schiff usw.

Länge etwa 90 m
Breite etwa 11 m
Tiefe 28-42 m

In der Hans Schmidt

Laut neuesten Informationen handelt es sich um das deutsche Frachtschiff "Hans Schmidt", das im Ersten Weltkrieg von einem italienischen (?) Bombenflugzeug versenkt wurde. Dies ist für mich sehr schlüssig, da um das Wrack noch Bomben (die immer wieder fälschlicherweise als Torpedos bezeichnet werden - dazu passt aber weder ihre Größe noch ihre Form) zu sehen sind. Diese Bomben wurden von den Flugzeugen aus von Holzkisten/Gestellen zu mehreren abgeworfen.

Ein wirklich beeindruckendes Wrack!

Zwischen dem, was vom Bug übrigblieb, und dem sehr gut erhaltenen Rest des Schiffes klafft eine Lücke von etwa 20 m. In diesem Bereich sind die bereits erwähnten Bomben zu sehen. Sogar die Bullaugen sind noch erhalten - eine Ausnahme bei den Wracks in dieser Gegend. Am Wrack ist gelegentlich ein brauner Zackenbarsch mit einer Länge von fast einem Meter zu sehen.

Auf Grund der Tiefe und den Ausmaße des Wracks ist Nitrox 32 der normalen Druckluft unbedingt vorzuziehen!

"John Gilmore"

Ein Frachtschiff, das ich vor einigen Jahren betauchte. Möglicherweise gehörte ich sogar zu den ersten Tauchern an diesem Wrack, das wir damals - eigentlich auf der Fahrt zur "Giuseppe Dezza" - zufällig mit dem Echolot fanden und über das so gut wie nichts bekannt ist. Inzwischen ist das Wrack im Internet und in Büchern beschrieben und wird auch regelmäßig betaucht.l

Länge etwa 40m
Breite etwa 6 m
Tiefe 35-42 m

"John Gilmore" (der Name rührt offenbar von einem geborgenen = geplünderten Schild her) ist nicht der Name des Wracks, sondern einer englischen Werft. Vermutlich ist das Schiff in der zweiten Hälfte der vorletzten Jahrhunderts gesunken.

Einfach und schön zu betauchende offene Frachträume sowie ein Maschinenraum mit der Dampfmaschine und eine zweiblättrige Schraube. Das Wrack ist die Heimat des größten Congers, den ich bisher gesehen habe!

Bewuchs auf Felsen

Wie man sieht, liegen alle Wracks in großer Tiefe, und praktisch jede Betauchung mit Pressluft ist ein Deko-Tauchgang (Deko-Pausen an oder bei der Bojenleine). Dies ist neben anderen Faktoren wie Kälte, Strömung, manchmal mäßiger Sicht ein Grund, weshalb sich diese Tauchgänge absolut nicht für Anfänger eignen (die lässige Einstellung praktisch aller Anbieter diesbezüglich ist manchmal bedenklich!).

Die nächste Deko-Kammer befindet sich in Pula (etwa 50 km entfernt).

Wie bereits erwähnt, ist das Tauchen mit sauerstoffangereicherter Luft (jeweiligen "Best Mix" berechnen) dem mit Druckluft vorzuziehen!

Wie ebenfalls bereits erwähnt, sollte das Eindringen in tiefere Bereiche der Wracks (wrack-) erfahrenen und entsprechend ausgerüsteten Tauchern vorbehalten bleiben!

Bewuchs am Riff

Die anderen (nicht-Wrack-) Tauchplätze befinden sich entlang der Küste bzw. bei den vorgelagerten Inseln und Riffen.

Besonders schön sind Banjole, eine kleine Insel vor Rovinj, die von Höhlen durchzogen wird und die man sogar quer durchtauchen könnte, sowie Rubini - das Leuchtturmriff mit großen Fischschwärmen, das sich im offenen Meer von etwa 40 m bis etwa 20 m erhebt.

Überall anders und immer interessant sind auch viele Höhlen und Grotten sowie die typische Unterwasserflora und -fauna mit Seespinnen, Drachenköpfen, Sepien, Heringskönigen, Mönchsfischen, Gorgonien, Schwämmen ...

Gabeldorsch

Buchempfehlungen:

"Tauchreiseführer Kroatien" von Wolfgang Pölzer, ISBN 3-89594-069-0
Polyglott "Istrien", ISBN 3-493-59957-9 (ca. 7,50 Euro)

© Bilder 2001 Harald Mathä und Oliver Ferner-Prantner
© Text 2000 und 2001 Harald Mathä

Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen, jedoch ohne Gewähr!


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