Wer kennt das nicht: ein wunderschöner Tauchgang, bei dem man mir
nichts, dir nichts einem schönen Fisch hinterhergeschwommen ist - und
dabei natürlich wie immer nicht auf seinen Kompass geschaut hat.
Also dann ... ganz normal austauchen ... Tauchboot sichten ... und dann hinpaddeln.
Doofe Sache. Aber auch im heimischen See ist man davor nicht gefeit. Schlechte
Sicht und fehlende Orientierungspunkte lassen einen auch nicht immer den
Einstiegspunkt wiederfinden. Was tun?
Für über Wasser finden wir ja schon reichlich Navigationssysteme, welche
sich der Technik von GPS bedienen. Auch Geschwindigkeitssensoren werden
hierbei benutzt. Beides Verfahren, die wir unter Wasser leider nicht benutzen
können. Also muss hier eine andere Technik verwendet werden.
Die Schweizer Firma Xios hat sich dieses Problems angenommen und ein
Navigationssystem entwickelt, welches die Eigenschaften der Unterwassersonartechnologie
verwendet. Es war mir möglich, dieses System ausgiebigst zu testen.
Der Eye-Sea besteht aus einem Sender, an den beliebig viele Empfänger
gekoppelt werden. In der Standardauslieferung besteht er aus einem Sender und
einem Empfänger.
Empfänger RX

Empfänger von oben und von der Seite (Batteriefach)
Der orangefarbene Empfänger ist zur Befestigung am Handgelenk vorgesehen.
Er trägt etwa doppelt so dick auf wie ein Aladin Air X. Das Display
ist groß und sehr kontrastreich, leider fehlt hier die Fluoreszenz,
was die Verwendung bei Nachttauchgängen etwas erschwert. Vier Mignon-Batterien
betreiben den Empfänger. Vorteil hier: Ein Wechseln kann einfach und
schnell selbst vorgenommen werden. Dies ist auch notwendig, denn die Lebensdauer
eines Batteriesatzes liegt bei ca. acht Stunden. Über das Gewinde des
Batteriefachs wird der Empfänger dann auch letztlich ein- bzw.
ausgeschaltet.
Hier ist zwar ein doppelter Dichtring vorhanden, doch trotzdem
sollte beim Ausschalten (Aufdrehen des Batteriefachs um ¼ Umdrehung)
darauf geachtet werden, dass sich keine Tropfen einschleichen, sowie immer
nur mit eingeschaltetem Gerät ins Wasser gestiegen werden. Der Empfänger
wiegt knapp ein halbes Kilo und hat unter Wasser Abtrieb. Befestigt wird
er mit einem Gummiriemen und einer Kunststoffschnalle, welche etwas gewöhnungsbedürftig
ist. Tiefenlimit für den Empfänger: 100 Meter. Dies sollte dem
"normalen" Sporttaucher reichen.
Vom Hersteller werden zwei verschiedene Sender angeboten, der TX Sport
(Standardausführung) bzw. der TX Pro (für den Professionellen
Betrieb). Der Sport ist kompakt und wird komplett unter Wasser betrieben,
der Pro ist für den Einsatz über Wasser konzipiert, lediglich
der Sonarkopf wird versenkt.
Sender TX Sport

Der genauso orange Sender wiegt ebenfalls ca. ein halbes Kilo, ist
23 cm lang und hat einen Durchmesser von 6,5 cm. Gefüttert wird der
Sender mit acht Mignon Batterien; die Lebensdauer des Batteriesatzes liegt
hier bei 30 Stunden. Das Batteriefach ist mit zwei Dichtringen gesichert,
das Anstöpseln der Batterieeinlage einfach, aber anfällig. Der
Sender hat zwei Schalter, einen, um das Gerät ein- bzw. auszuschalten,
und einen Knopf für den Rückrufmodus, über den während
der Initialisierung auch die Frequenz gewählt werden kann. Die Frequenzwahl
ermöglicht es, mehrere Systeme an ein und demselben Tauchplatz zu
verwenden, ohne in die Gefahr von gegenseitigen Störungen zu laufen.
Die maximale Tauchtiefe des Senders beträgt 10 m, es können vier
verschiedene Frequenzen gewählt werden.

Sender offen mit Batteriefach (8x Mignon)
Genug analysiert und gebabbelt - rein ins Wasser mit dem Teil. Im Praxistest
zeigt der Eye-Sea, was er kann.
Bei Tests im Schwimmbad konnte das Gerät schon überzeugen,
obwohl hier die Gefahr von Reflexionen am Beckenrand besteht. Der Empfänger
wurde mit einer Leine an einem 1 kg-Bleistück befestigt, am oberen
Ende hing eine Styroporkugel mit 10 cm Durchmesser. Diese Kombination hat
sich auch bei der Bodenbefestigung im See bewährt, der Sender sollte
immer einen Abstand von ein paar Metern zum Boden haben und frei im Wasser
schweben. Bei einer Befestigung unter einem Tauchboot genügt es, den
Sender an der oberen Öse ein paar Meter unter dem Schiff zu befestigen.
Wird der Sender eingeschaltet, ertönt ein langer Piepston. Nun
hat man fünf Sekunden Zeit, um durch Drücken des zweiten Knopfes eine
der vier verschiedenen Frequenzen zu wählen. Drückt man fünf Sekunden
keinen Knopf, ist die Initialisierung komplett, und das Gerät fängt
an zu senden. Bringt man nun den eingeschalteten Empfänger in die
Nähe des Senders, wechselt das INIT im Display schnell auf die gewählte
Frequenz des Senders. Kurze Zeit später wird die Entfernung des Senders
in Metern angezeigt, ein kleines Ankersymbol auf dem Display zeigt die
Richtung zum Sender an. Dies funktioniert perfekt, im Schwimmbad machte
das System eine ausgezeichnete Figur. Die Orientierung zum Sender war sehr
gut möglich, und die Entfernungsanzeige äußerst genau.
Um Taucher vom Einstieg bzw. Tauchboot zurückrufen zu können,
besitzt der Sender einen "UP" Knopf. Der Sender kann zur Betätigung
des Knopfes auch aus dem Wasser gezogen werden, und wird danach sofort
wieder versenkt. Der Aufstiegswunsch wird danach dem Empfänger auf
dem Display signalisiert, dieser weiß nun, dass sein Aufstieg vom der
Oberflächencrew gewünscht ist.

(1) Der Empfänger wartet auf ein Signal vom Sender.
(2) Der Empfänger hat den Sender gefunden und sich auf dessen Frequenz
eingestellt.
(3) Normales Display: Entfernung 314m, Position zum Sender 355 Grad,
Batteriewarnung und Auftauchen vom Sender erwünscht.

(4) 1.056m Entfernung, der Empfänger befindet sich OUT of
Range.
(5) Normales Display: 522m Entfernung, 280 Grad zum Sender, Aufstiegswunsch.
Die Tests im Freiwasser bestätigten den positiven Eindruck aus
dem Schwimmbad. Das System funktionierte genau und zuverlässig, auch
bei einer Entfernung von 800 m zum Sender konnten wir keine Einschränkung
feststellen. Das Gerät, welches ursprünglich für militärische
Zwecke konzipiert war, hat eine maximale Reichweite von 1.000 m. Dank
der Befestigung des Empfängers am Handgelenk kann man durch Anwinkeln
des Armes sehr gut die Richtung zum Sender peilen und in die gepeilte
Richtung schwimmen.
Am Ende der Tests zeigte sich auch, dass die Batterieüberwachungen
funktionieren, eine verbleibende Operationsdauer von 45 Minuten bei
Auftauchen dieses Symbols garantiert ein sicheres Beenden des Tauchgangs.
Zusammenfassung:
UW-Navigationssystem, bestehend aus Sender und Empfänger.
Empfänger: Reichweite 1.000 m, max. Tiefe 100 m, Abtrieb, 0,5 kg,
8 verschiedene Frequenzen, 4 Mignon-Zellen, Autonomie 8 Stunden.
Sender Sport: Reichweite 1.000 m, max. Tiefe 10 m, Abtrieb, 0,5 kg,
4 verschiedene Frequenzen, 8 Mignon-Zellen, Autonomie 30 Stunden.
Sender Pro: Reichweite 1000m, max. Tiefe 10m (Sonarkopf), Abtrieb, 4kg,
8 verschiedene Frequenzen, 2 integrierte Akkus, Autonomie 40 Stunden.
Fazit:
Das System besticht durch seine einfache Bedienung, seine Genauigkeit
und die hohe Reichweite von 1.000 m. Ich möchte den Eye-Sea nicht mehr
missen, denn gerade bei Bootstauchgängen kann man sich mehr darauf
konzentrieren, was man sehen will, und muss nicht ständig nach seinem
Kompass spähen. Ein Gerät für den Taucher, der seine Ausrüstung
schon beisammen hat und der den Komfort eines solchen Systems nicht missen
will. Preislich liegt das System (Empfänger/Sender Sport) bei ca. 600 Euro. Vertrieben wird das Gerät in Deutschland von der Fa. Seemann
Sub, eine Liste der Fachhändler, welche dieses Produkt vertreiben, ist ebenfalls auf den Seiten von Seemann Sub zu finden. |