© 2001, Ralf Dänzer/Uli
Mößlang, ohne Gewährleistung
Freie Sicht voraus!
- Der große Maskentest
Der wohl erste Ausrüstungsteil,
mit dem ein Taucher zu Beginn seiner "Karriere" in Berührung
kommt, ist die Maske - fälschlich auch Taucherbrille genannt. Die
Maske ermöglicht aufgrund des von ihr gebildeten Luftraumes vor den
Augen ein scharfes Sehen unter Wasser. Ohne Maske wäre ein kontrolliertes
Tauchen sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich. Schon beim Kauf der
ersten Maske lernt man, worauf zu achten ist:
- Bequemer Sitz entsprechend der eigenen
Gesichtsform
- Dichtheit (prüfbar über
Einatmen durch die Nase, während die Maske auf dem Gesicht sitzt)
- Sicherheitsglas, damit im Falle
eines Bruches die Augen nicht durch Splitter verletzt werden
Im weiteren Taucherleben beschäftigt
man sich dann eher selten mit der Maske - sie ist halt einfach notwendig.
Taucher.Net hat einige neue "Notwendigkeiten" von Seemann Sub
und Oceanic auf Ihre Praxistauglichkeit getestet.
- Seemann Sub Attack Pro
- Oceanic Pro Ear 2000
- Oceanic Lite Vision
- Oceanic Shadow
Seemann Sub Attack
Pro
Die Seemann Sub Attack Pro ist, wie
ihre Verwandte die Seemann Sub Attack, eine Einglas-Maske ohne eigenen
Rahmen. Dies bedeutet, dass die Maske nicht aus zwei Gläsern in separaten
Fassungen besteht, sondern das Glas in einem Stück eingearbeitet ist.
Dies hat den Vorteil, dass Sichteinschränkungen wie bei manchen Zweiglas-Masken
aufgrund des Befestigungssteges in der Mitte entfallen. Zusätzlich
entfällt bei der Attack Pro auch der feste Kunststoffrahmen, der bisher
von Masken bekannt war. Das Glas ist bei diesem Modell direkt in den Silikonmaskenkörper
eingelassen.

Der Vorteil dieser Lösung liegt
darin, die Maske sehr klein zusammenlegen zu können. Sie ist somit
aufgrund ihres Aufbaus ideal für die Verwendung als Reserve-Maske.
Doch auch als Hauptmaske macht die Attack Pro eine sehr gute Figur. Durch
ihr großes Glas bietet sie ein Sichtfeld, das gegenüber einer
normalen Maske eine Erweiterung des Sichtbereiches um bis zu 20 % bietet
- und das nach allen Seiten. Das Ablesen der oft vor der Brust angebrachten
Konsolen oder anderer direkt am Jacket befestigter Instrumente wird dadurch
sehr vereinfacht. Zusätzlich reduziert sich durch die Sichtfelderweiterung
der Stress unter Wasser, da man nicht jedesmal den Kopf drehen muss, wenn
man bestimmte Bereiche betrachten will - man schaut einfach hin.
Auch das Aufsetzen der Maske unter
Wasser bereitet keine Probleme. Aufgrund der Konstruktion ist der Luftraum
größer als bei den meisten Zweiglasmasken, so dass eingedrungenes
Wasser etwas schwieriger auszublasen geht. Dies dürfte sich in der
Praxis aber kaum bemerkbar machen.
Etwas skeptisch blickt man auf die
Befestigung des Maskenbandes am Maskenkörper. Die Befestigungspunkte
entsprechen denen einer normalen Maske, allerdings wird sich wohl erst
im Laufe der Zeit zeigen, wie haltbar die Verbindung Kunststoff - Silikon
auf Dauer ist. Gleiches gilt auch für die Verbindung Glas - Silikon.
Erst der Langzeittest wird zeigen, wie robust die Konstruktion ist.

Ansonsten ist die Attack Pro ein sehr
gutes Produkt. Insbesondere durch das enorme Sichtfeld dürfte sie
für viele Taucher eine Alternative zu ihrer bisherigen Maske oder
zu den Vier- bzw. Sechs-Glas-Masken darstellen. Wie bezeichnete ein Tester
das Sichtfeld sehr prägnant: "Ich dachte schon, ich hätte
eine Vollgesichtsmaske."
Positiv:
- Deutlich größeres Sichtfeld
gegenüber herkömmlichen Masken
- Angenehm und komfortabel zu tragen
- Saubere Verarbeitung
- Einfach auf die Kopfgröße
einzustellen
Besonderheiten:
- Kommt eher für breitere Gesichtsformen
in Frage, da etwas breitere Auflagefläche
- Befestigungen von Glas und Maskenband
am Maskenkörper müssen sich erst noch im Langzeittest bewähren
Oceanic Pro Ear 2000
Im Gegensatz zur Attack Pro ist die
Pro Ear 2000 bereits beim Auspacken ein "Erlebnis". Die Maske
besteht nämlich aus einer klassischen Zweiglas-Maske, bei der sofort
die rechts und links am Maskenband befestigten "Ohrenschützer"
auffallen. Diese sind durch flexible Röhrchen mit dem Maskenkörper
verbunden. Dadurch ist es möglich, den Druckausgleich durch Ausatmen
in die Maske auch für die Ohren vorzunehmen.

Warum
nun diese außergewöhnliche Konstruktion? Laut Oceanic wurden
hier die Bedürfnisse vieler ohrschmerzgeplagter Taucher aufgenommen
und umgesetzt. Wer weiß, wie schmerzhaft eine Geh;rgangsentzündung
bei Tauchurlauben sein und wie schnell ein solcher Urlaub in einer längeren
Leidensphase enden kann, wird hier zustimmen. Durch die "Ohrenschützer"
wird Tauchers Ohr größtenteils jeder Kontakt mit Wasser erspart
und so den berüchtigten Entzündungen vorgebeugt. Auch der Bildung
so genannter "Extosen" (Verknöcherungen im Gehörgang
bei längerem oder kontinuierlichem Kontakt mit kaltem Wasser) wird
vorgebeugt. Vom Konzept her ist die Maske somit sehr sinnvoll. Wie sieht
es aber mit der Praxistauglichkeit aus?

Das Aufsetzen ist grundsätzlich
kein Problem, sofern man darauf achtet, so wenig Haare wie möglich
zwischen die Dichtlippen der Ohrenschützer und die Kopfhaut zu bringen.
Der Buddy kann hier schon mal seinen Wert beweisen. Bei "Wenig-Haupthaar-Trägern"
geht das Ganze naturgemäß einfacher als bei Rastafaris. Während
des Tauchgangs fallen der gute Tragekomfort und das Sichtfeld auf. Die
Maske spürt man nahezu nicht. Sollte die Pro Ear einmal - beabsichtigt
oder nicht - einen Wassereinbruch erleben, wird sie in gewohnter Manier
ausgeblasen. Passiert das Gleiche mit den Ohrenschützern, verhindern
Rückschlagventile in den Röhrchen zwischen Maskenkörper
und Ohrenschützern das Eindringen des Wassers in die Maske.
Das Ausblasen der Ohrenschützer
erfolgt, indem man geradeaus blickt (also nicht wie normal nach oben schaut)
und dann kräftig in die Maske ausatmet. Durch die Röhrchen wird
die Luft in die Ohrenschützer geleitet. Da die Röhrchen im oberen
Bereich der Schalen enden, wird das eingedrungene Wasser von der Luft nach
unten herausgedrückt. Eine kleine Einkerbung in den Dichtlippen der
Ohrenschützer unterstützt das Ausblasen. Danach ist wieder alles
trocken, und es kann weitergehen.

Für Kaltwassertaucher ist die
zugehörige Kopfhaube wichtig. Sie ist eine Spezialanfertigung und
besteht im Grunde aus zwei Hauben: Die innere Haube ist aus rund 2mm dickem
Neopren und besitzt an den Ohren Aussparungen, in denen die Ohrenschützer
der Maske platziert werden. Die äußere Haube entspricht einer
normalen Kopfhaube. Die Maske wird also über der inneren und unter
der äußeren Haube getragen.

Auch normale Kopfhauben können
laut Oceanic verwendet werden. Weil dabei die Maske unter der Kopfhaube
getragen werden muss, ist die Dichtigkeit der Kopfhaube natürlich
beeinträchtigt.
Etwas gewöhnungsbedürftig
ist der Maskenwechsel unter Wasser - insbesondere mit Kopfhaube. Hierzu
muss zuerst die äußere Haube nach hinten geschoben werden, dann
kann die Maske abgenommen, die neue aufgesetzt und die äußere
Haube zurückgeschoben werden. Verwendet man eine normale Kopfhaube,
so muss diese zuerst abgenommen werden, was in kaltem Wasser nicht unbedingt
angenehm ist.

Die Pro Ear 2000 ist also weniger
für Technical Diving geeignet, da solche "Manöver"
dabei nicht unbedingt erwünscht sind. Für den für Ohrprobleme
anfälligen Sporttaucher hingegen kann die Maske eine wirkliche Bereicherung
sein. Vor dem Kauf sollte man die Maske auf jeden Fall testen (Oceanic
könnte hier dem Handel mit einem Test & Sell-Programm unter die
Arme greifen). Ansonsten ist die Pro Ear 2000 in punkto Tragekomfort und
Verarbeitung sehr gut gelungen und für ohrschmerzgeplagte Taucher
eine innovative Neuerung.
Positiv:
- Schutz der Ohren vor Entzündungen
- Verringerung der Gefahr der Exostosenbildung
Besonderheiten:
- Vor Gebrauch unbedingt Gebrauchsanleitung
lesen
- Erste Tauchgänge bevorzugt
im Pool absolvieren
- Üben des Maskeausblasens und
des Maskenwechsels vor dem ersten Einsatz
- Fertig eingeschliffene optische
Gläser in Stärken bis 7.0 in Abstufungen von 0,5 Dioptrien erhältlich
Oceanic Lite Vision
Die Oceanic Lite Vision ist eine
typische Einglas-Maske. Allerdings steckt bzw. sitzt der Unterschied auf
dem oberen Maskenrahmen. Dort befindet sich eine Lampe, die ein Ablesen
der Instrumente oder die Betrachtung der näheren Umgebung vereinfachen
soll. Ein Knopfdruck genügt.
Wir haben diese Maske bei Nachttauchgängen
getestet und hier sind die Erfahrungen.

Foto: Oceanic
Der Sitz des Silikonkörpers im
Gesicht ist angenehm und dicht. Auch mit Bart hat man mit der Dichtigkeit
keine Probleme. Die 3 LEDs der Lampeneinheit haben eine Lebensdauer von
ca. 10.000 Stunden, die der Knopfzellen von ca. zehn Stunden, und der Einschaltknopf
ist auch mit Handschuhen leicht zu bedienen. Laut Beschreibung soll sie
optimal und unentbehrlich für Teamleiter und Fotografen bei schlechten
Lichtverhältnissen sein. Die Leuchtkraft der LEDs macht sich erst
bei völliger Dunkelheit bemerkbar. Das Licht reicht ca. 50 cm weit.
Ein schwacher Schein war auch noch bis ca. 1 m Entfernung wahrzunehmen.
Die LEDs leuchteten die Schwebstoffe direkt vor der Maske an und beeinträchtigten
deutlich die Sicht, wie man das von Fotografien kennt, bei denen der Blitz
neben dem Objektiv platziert ist. Eine gute Hilfe stellt sie für Einstellungsüberprüfungen
an Fotokameras dar. Die Beleuchtung sollte aber in unseren heimischen Seen
danach sofort wieder ausgeschaltet werden, da sonst die Schwebeteilchen
vor dem Objektiv auf den Fotos zu sehen sind.
Die beste Verwendung der LEDs ist
in klaren Gewässern mit wenigen Schwebstoffen in der unmittelbaren
Umgebung des Gesichtsfeldes. Der Lichtschein direkt über der Maske
ist trotzdem gewöhnungsbedürftig. Die Blinksignalfunktion kann
bei Dunkelheit zum Auffinden von aufgetauchten Tauchern nützlich sein.
Sinnvoll wäre eine einfache Anzeige der Restkapazität der Batterien.
Wichtig: Die Lite Vision ist kein
geeigneter Ersatz für eine Haupt- oder Backup-Lampe!
Positiv:
- Vereinfachte Ablesbarkeit von Instrumenten
und Einstellungen an Fotoapparaten
- Lange Lebensdauer der LEDs schützt
vor ständigem Lampenwechsel
- In klarem Wasser auch für die
Betrachtung der näheren Umgebung einsetzbar
- Guter Sitz der Maske
Besonderheiten:
- Bei vielen Schwebeteilchen im Wasser
ist die Leuchtweite eingeschränkt
Oceanic Shadow
Sehr nah verwandt mit der bereits
beschriebenen Seemann Sub Attack Pro ist die Oceanic Shadow. Auch bei ihr
handelt es sich um eine rahmenlose Einglas-Maske. Viele Punkte der Attack
Pro treffen auch auf die Shadow zu, was aufgrund des Vertriebskonzepts
von Oceanic und Seemann Sub nicht ungewöhnlich ist.

Foto: Oceanic
Die Passform ist hervorragend, auch
für Bartträger. Das Innenvolumen ist klein und der Blickwinkel
sehr groß. Für diese Maske können wir in Bezug auf Bandbefestigung
und Haltbarkeit des Silikonteils sogar schon auf Lanzeiterfahrung zurückgreifen.
Die anfängliche Skepsis über den fehlenden Rahmen und die Art
der Bandbefestigung am Silikonteil hat sich nach einem halben Jahr intensiver
Nutzung gelegt, sie ist sogar in Begeisterung umgeschlagen.
Positiv:
- Deutlich größeres Sichtfeld
gegenüber herkömmlichen Masken
- Angenehmer Tragekomfort
- Saubere Verarbeitung
- Einfach auf die Kopfgröße
einzustellen
- Verglasungsmöglichkeit mit
individueller Brillengläserstärke.
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