Trockentaucher der besonderen Art

 Geschrieben von Carsten

Ein Besuch im Maritim Museum Peenemünde

Das zunehmende Alter lässt den Taucher kaltes Wasser als das empfinden, was es ist: kalt. Und hin und wieder wird selbst bei so manchem Trockentaucher der Ruf nach einem besseren Kälteschutz laut. Der meist gehässig gemeinte Rat von weniger kälteempfindlichen Tauchkameraden lautet dann meist: "Kauf dir doch ein U-Boot..." Nun, die meisten Menschen werden kaum über die Anschaffung eines Unterseebootes nachdenken. Wann braucht man so was schließlich schon mal? Und dann die Kosten... Dennoch geht von den vorrangig durch Militär und Forschung genutzten Unterwasserfahrzeugen eine gewisse Faszination aus. Nicht zuletzt deshalb hat sich ein Redakteur des Taucher.Net auf die Socken gemacht, um sich das größte dieselelektrische U-Boot der Welt anzusehen...


Abb. 1: Schwarzes Boot, grauer Himmel, graues Wasser. Gut für die Tarnung, schlecht für des Betrachters Auge.

U 461, so die Bezeichnung des Unterwasserdampfers, gehört zum Maritim Museum Peenemünde (Usedom), welches sich auf dem Gelände des ehemaligen DDR-Marinehafens befindet. Gebaut wurde U 461 zwischen 1961 und 1965 und anschließend bei der 58. Baltischen U-Boot-Brigade in Lettland in Dienst gestellt. Das U-Boot war als Träger eines taktischen Raketensystems konstruiert. Nach seiner Ausmusterung 1993 wurde es zunächst nach Kopenhagen verkauft, um anschließend ab 1998 als Museumsboot in Peenemünde seinen letzten Dienst zu versehen. Das knapp 86 m lange U 461 ist ein Boot der JULIETT-Klasse (NATO-Bezeichnung) und wurde dieselelektrisch angetrieben. Insgesamt besaß die Sowjetische Marine 16 Boote dieses Typs. Ihr Auftrag war die Bekämpfung von Überwasserzielen mit Raketen, ven denen es vier Stück an Bord gab: zwei vor, zwei hinter dem Turm.




Abb. 2: Gut zu erkennen ist die rückwärtige Raketenabschussrampe. Während der Fahrt wurde sie einfach in den Rumpf abgesenkt.

In der Vorderverkleidung des Turms ist die Radarantenne des Feuerleitsystems für die Raketen untergebracht. Auf den ersten Blick nicht erkennbar, wurde sie bei Bedarf einfach in Richtung Bug geschwenkt. Auf dem Turm selbst befinden sich ein Seeraumüberwachungsradar, der Schnorchel sowie diverse Navigations- und Funkantennen.


Abb. 3: Feuerleitradar, in Bugrichtung geschwenkt.

Der dieselelektrische Antrieb mutet etwas antiquiert an (zumindest für ein Boot dieser Größe). Schließlich befanden sich die ersten atomgetriebenen U-Boote bereits seit den späten 50ern im Einsatz. Auch das Innenleben erinnert, von den elektronischen Einrichtungen abgesehen, stark an ein Boot aus dem 2. Weltkrieg. Die verwinkelten und mit technischen Betriebseinrichtungen zugebauten Gänge lassen ein Gefühl dafür aufkommen, wie es im Seebetrieb zugegangen sein muss. Trampeln sich heutzutage bereits eine Handvoll Touristen bei der Besichtigung auf die Füße, so kann man sich leicht vorstellen, wie wenig Platz die für die bis zu 82 Mann starke Besatzung vorhanden war.


Abb. 4: Arbeitsplatz U-Boot. Ob Flugzeug oder U-Boot, bei militärischen Systemen liegen Kabel und Leitungen häufig frei. Das gewährleistet eine gute Erreichbarkeit bei Reparaturen. Fehlt jetzt nur noch jemand, der einem erklären könnte, was hier was ist...

Insgesamt gab es drei Toiletten, davon eine außerhalb des Druckkörpers, und eine Dusche an Bord. Auch hatte nicht jeder seine eigene Schlafgelegenheit. Mit Ausnahme der Offiziere teilten sich die Besatzungsmitglieder die Kojen. Hatte die eine Hälfte der Marinesoldaten Wache, konnte die andere Hälfte schlafen. Bei entsprechender Einsatzdauer sicherlich kein Zuckerschlecken. Vom recht niedrigen Lohn der sowjetischen Seefahrer einmal abgesehen, lassen die Lebens- und Arbeitsverhältnisse an Bord bei den meisten Zeitgenossen der westlichen Hemisphäre vermutlich schnell den Wunsch nach einem warmen Plätzchen im Büro wach werden. Einige technische Daten zu U 461:

Länge: 86 m
Breite (ü. a.): 9,7 m
max. Tauchtiefe: 300 m
Autonomie: 90 Tage
max. ununterbrochene Tauchdauer: 800 Std.
max. Reichweite: 7.730 sm
max. Unterwassergeschwindigkeit: 18 ktn


Abb. 5: Hecktorpedoraum

Auch wenn U 461 sicherlich der spektakuläre Höhepunkt der Ausstellung ist, so wartet das Maritim Museum Peenemünde noch mit diversen anderen interessanten Exponaten auf. So findet sich beispielsweise, neben verschiedenen sowjetischen und deutschen (2. Weltkrieg) Raketensystemen, verschiedenen Flugzeug- und Hubschraubermustern der DDR, einer Ausstellung über NS-Zwangsarbeiter und die Tragödie um den Untergang der Titanic, auch ein russisches Raketenboot. Der Dampfer, der aus dem Jahre 1986 stammt und in der DDR-Marine seinen Dienst versah, lässt den technisch etwas versierten Betrachter allerdings ein wenig schmunzeln. Unter hochmodern verstand man 1986 im Westen sicherlich etwas anderes. Einige Besucher überlegten, welches Baujahr der Kahn wohl haben mochte (dass am Eingang eine Tafel mit derartigen Informationen stand, hatte der ein oder andere offenbar nicht mitbekommen...). Getippt wurde auf die Jahre 1945-1960...


Abb. 6: Russisches Raketenboot, im Dienst der NVA

Abschließend lässt sich sagen, dass sich der Ausflug nach Usedom gelohnt hat. Der technisch interessierte Leser sollte bei Gelegenheit einfach mal einen Blick ins Maritim Museum Peenemünde werfen. Einziger Wermutstropfen: Der Eintritt ins U-Boot ist gesondert zum Museumsbesuch zu rechnen (Kostenpunkt 9 DM) und beinhaltet leider nur den Durchgang durch die 1. Decksebene.


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