Das Cenoten- und Grotten-Forschungsprojekt "Yucatan 2000"
des Yucatan Deep Speleological Dive Team
© Andreas W. Matthes MI 906133
Seit Jahren, ja, seit Jahrhunderten werden die Höhlen und Cenoten
in Yucatan (Mexico) erforscht, aber erst seit Erfindung der "Aqualunge"
können moderne Forscher die Cenoten mit Tauchausrüstung erkunden.
Das Wort "Cenote" entstammt der Maya-Sprache und ist vom Wort
"Dzonot" = "heilige Quelle" abgeleitet.
 Foto © Dr. Gustav Quade
In der Kolonialzeit wurden die Cenoten erforscht, um die Trinkwasserversorgung
zu sichern. Allein in Yucatan gab es rund 1.200 Haciendas, die Trinkwasser
brauchten. Die Maya betrachteten die Cenoten als heilige Plätze, nutzten
sie aber auch, um ihre Zivilisation mit Wasser zu versorgen. So war zu
allen Zeiten das Süßwasser die treibende Kraft für die
Forschung. Denn dieses Wasser erst ermöglicht bis heute das Leben
in dieser trockenen Gegend ohne jedes Oberflächengewässer und
ließ schon vor Jahrhunderten Kulturen und Zivilisationen blühen.
 Foto © Dr. Gustav Quade
In den Felsen Yucatans findet sich eines der größten Süßwasservorkommen
Mexikos. Seine Erforschung, Erkundung und sein Schutz sind die Hauptziele
des Projekts "Yucatan 2000". Das Yucatan Deep Speleological Dive
Team wurde 1996 gegründet, um die Cenoten zu erforschen, zu untersuchen
und zu kartographieren. Das Projekt sollte nicht nur über die Cenoten
von Yucatan informieren, es sollte vor allem auf ihre ökologische
Bedeutung aufmerksam machen und eine allgemeine Bereitschaft wecken, diese
natürlichen Ressourcen zu schützen. Wenn wir begreifen, woher
unser Trinkwasser kommt - jenes Wasser, das wir täglich, ohne groß
nachzudenken, nutzen - und in welchem Zusammenhang das Oberflächenwasser,
das wir in den Cenoten sehen, mit den unsichtbaren Wasservorräten
im Untergrund steht, wird uns klar, wie dringend wir schützen müssen,
was Mutter Natur uns gegeben hat: einen gewaltigen Vorrat an klarem und
sauberem Süßwasser.
 Foto © Dr. Gustav Quade
Vom 9.-27. November 2000 versammelte sich eine internationale Gruppe
von Höhlentauchern in Yucatan, um einen Bruchteil der Unzahl von Cenoten
und trockenen Höhlen zu erforschen und zu erkunden. Bis heute sind
etwa 2.400 Cenoten katalogisiert - von schätzungsweise 3.500 insgesamt
in Yucatan.
Als ich vor vier Jahren meine Forschungen auf diesem Gebiet begann,
war ich glücklich, einer der sehr wenigen zu sein, die dieses Gebiet
kannten. Es war ein schönes Gefühl, allein zu arbeiten. Im Laufe
der Jahre merkte ich aber, dass die Erforschung dieses Gebietes mehr ist,
als ein Mensch allein in seinem Leben bewältigen kann. Zugleich wurde
mir klar, wie wichtig das Studium der Cenoten und ihrer Süßwasservorräte
wirklich ist. Und so wurde die Idee zu diesem Projekt geboren.
Das Projekt zu organisieren, Mitarbeiter zu akquirieren und die nötigen
Gelder dafür aufzutreiben kostete mich fünf Monate. Wir hatten
Glück, unser Camp auf der schönen Hacienda Mucuyche de Peon aufschlagen
zu dürfen. Mehr als zwei Wochen lang diente sie uns als Basiscamp
für unsere Forschungen.
Uns standen zwei Kompressoren, eine Gaspumpe und große Mengen
von Helium und Sauerstoff in Speicherflaschen zur Verfügung. Geschlafen
wurde in Hängematten in einem der alten Gebäude, und die Frauen
unserer Sherpas Dionicio und Pedro versorgten uns mit traditionellen Maya-Speisen.
Die meisten Tauchgänge wurde mit offenen Tauchgeräten bewältigt,
so dass wir viel Zeit mit dem Mischen der Gase und dem Füllen der
Flaschen verbrachten. Die drei Kreislaufgeräte "Buddy Inspiration",
die uns zur Verfügung standen, waren daher ein großer Segen
für die Gasmischer, die Tankfüller, das Budget des Projekts und
nicht zuletzt auch für die Taucher. Ich glaube heute, Kreislaufgeräte,
egal welchen Herstellers oder welcher Bauart, sind die Geräte der
Wahl für Forschungstauchgänge. Die nötige Redundanz könnte
man mit doppelter oder dreifacher Ausrüstung erzielen, so dass Bailout-Lösungen
mit offenen Systemen unnötig würden.
Nach jedem Tauchgang musste das Team einen sehr detaillierten Berichtsbogen
ausfüllen, um Gedanken, Informationen, Skizzen und andere während
des Tauchgangs gesammelte Daten für spätere Nachforschungen und
für die Analyse festzuhalten. Von einigen Höhlen wurden Fotos
und Videos gemacht, um sie später eingehender studieren und Video-Präsentationen
abhalten zu können.
Die Ziele dieses Projekts waren vielfältig. Viele Ideen sind in
seine Konzeption eingeflossen und wurden später während des Projekts
verwirklicht. Rund um das Dorf Mucuyche nahmen wir zu Analysezwecken Wasserproben
aus vier verschiedenen Cenoten. Im Lauf der nächsten zwölf Monate
werden wir aus denselben Cenoten in vierteljährlichem Abstand weitere
Proben nehmen, um zu sehen, ob die Wasserqualität stabil ist. Zu den
Langzeitzielen des Projektes gehört die Herstellung und Verteilung
einer spanisch- und mayasprachigen Informationsbroschüre in den Dörfern
von Yucatan, die über den Zusammenhang zwischen der Umweltverschmutzung,
den Süßwasservorräten und den Cenoten informieren soll.
Wir hoffen, damit Verhaltensänderungen in Sachen Umwelt- und Trinkwasserschutz
bewirken zu können. Zu den wichtigsten Sponsoren bezüglich dieses
Zieles gehört die PADI-Stiftung AWARE.
Ein vollständiger Bericht des Projekts wird an alle Sponsoren und
Helfer, an Verwaltungsorgane wie das Ecology Department von Yucatan, an
SEMARNAP, an die Subdivision de Archeologia Subacuatico und an INAH (Interessengruppen
der Höhleninteressierten und Höhlentaucher) gehen. Zum Abschluss
soll eine Internet-Seite den kompletten Bericht mitsamt einer Bildgalerie
und Höhlen-Karten jedem zugänglich machen.
Folgende Cenoten haben wir betaucht und erkundet:
Sabak Ha, Dzonot Ila, X-Batun, Kopochen, Norias, Dzonot Nohoch, X-Kakuel,
Yaal Utzil, Chihouol II, Otchela, Tzumul, Xaxquis, Yax Akel, Cenote Cervera
and Dzonot Zah.
Dieses Projekt hätte nicht realisiert werden können ohne die
Mitarbeiter, die viel Zeit und Mühen investiert haben, sowie ohne
unsere Sponsoren und Helfer, die unsere Vision teilten und uns bei ihrer
Verwirklichung unterstützten.
Die Mitarbeiter: Gabor Koos (Deutschland), Jim Rozzi (USA), Benja Sacristan
(Spanien), Scott Garham (USA), Juan Carlos Lara (Mexiko), Aaron Diaz (Mexiko),
Agustin Garcia (Mexiko), Roberto Hashimoto (Mexiko), Samantha Smith (Kanada),
Steve Bogaerts (Großbritannien), Thomas Iliffe (USA), Bill Charlton
(USA), Roberto Chavez (Mexiko), Alberto Gayan (Mexiko), Marike Jasper (Niederlande),
Dan Lins (USA), Hazel Barton (Großbritannien) and Andreas W. Matthes
(Deutschland).
Die Sponsoren und Helfer: PADI-Stiftung AWARE, National Speleological
Society, National Speleological Society - Abteilung Höhlentauchen,
Department of Ecology of Yucatan, INFRA Gas company, Ox Bel Ha Höhlenforschungsgruppe,
Coca Cola, Mayatech, Vallartech, Gabor Koos, Jim Rozzi, Hacienda Mucuyche
de Peon, Balambeh Expeditions and Motel Paraiso.
Und natürlich unsere Sherpas und Köchinnen, die uns mit Essen
versorgten und uns auf dem Weg zum Wasser und zurück zum Truck das
Gewicht von den Schultern nahmen. Sherpas: Dionicio, Pedro, Luis, Jorge,
Calistro, William und seine zwei Söhne. Köchinnen: Adelaida and
Reina.
Andreas W. Matthes
P. O. Box 397
77710 Playa del Carmen
Q. Roo - Mexico
[00 52] 9 87-3 20 46
info@mayatechdiving.com
www.mayatechdiving.com
Alle Fotos in diesem Bericht wurden uns freundlicherweise von Herrn Dr. Gustav Quade zur Verfügung gestellt. Vielen Dank !
|