Die Bucht am Kap Garajau an der Südküste von Madeira wurde
1986 zum Naturschutzgebiet erklärt. Handzahme bis 1,5 m große
Zackenbarsche, Muränen und im August/September auch Mantas locken
jährlich Taucher aus aller Welt.
Doch das vielleicht erstaunlichste Phänomen, das sich alljährlich
in dieser Bucht ereignet, ist die Wanderung der Zackenbarsche: manche der
Spitzkopf-Zackenbarsche wandern jedes Jahr im Frühjahr weg und kommen
im Herbst wieder in die Bucht zurück. Entdeckt hat dieses Verhalten
der Tauchlehrer Rainer Waschkewitz, weil er einen der Spitzkopf-Zackenbarsche
individuell erkennen kann: im Gegensatz zur normalen, braun-silber gefleckten
Färbung der Art ist dieses Tier zitronengelb. Daß Tiere einer
Art ausnahmsweise ganz gelb gefärbt sind ("Xanthochromismus"),
ist bei Fischen etwa so häufig wie Schwarzfärbung ("Melanismus")
bei Säugetieren. So wie der schwarze Panther nichts anderes als ein
rabenschwarzer Leopard ist, so ist der "Gelbe" von Garajau nichts
anderes als ein zitronengelber Spitzkopf-Zackenbarsch.

Der etwa 80 cm lange Fisch ist an seiner Körperfarbe und an einigen
weißen Flecken an den Lippen leicht individuell zu erkennen. Nur
zwischen Oktober und April ist er in der Bucht von Kap Garajau. Von 1981
bis 1990 erschien er immer Ende September oder Anfang Oktober in der Bucht
und verschwand dann wieder im März oder April. Wenn der Gelbe wieder
auftauchte, war er stark abgemagert und nahm gierig Futter aus der Hand
der Taucher. Im Frühjahr, kurz bevor er verschwand, machte er dann
einen ausgesprochen "wohlgenährten" Eindruck.
Im Jahr 1991 kehrte der Gelbe Zackenbarsch von Madeira nicht zurück
in die Bucht von Garajau und auch in den folgenden Jahren war er verschunden.
War er irgendwo an der Küste harpuniert worden oder war er eines natürlichen
Todes gestorben ? Nach sieben-jähriger Abwesenheit erschien er wieder
im September 1998 ! Und seither kommt er wieder jährlich zurück,
wenn auch etwas unregelmässiger als zuvor.
Mit seinem Erscheinen Ende Oktober 2001 waren es dann also gerade 20
Jahre, in denen dieses erstaunliche Verhalten dokumentiert werden konnte.
Von mindestens sechs Zackenbarsch-Arten kennt man jährliche Ansammlungen
von hunderten von Tieren an traditionellen Laichplätzen. Wahrscheinlich
wandert auch der Gelbe vom Kap Garajau zu einem (noch unbekannten) Laichplatz.

Jährliche Wanderungen sind von vielen Fischarten bekannt. Daß
aber ein individueller Fisch wie ein Zugvogel nach seiner jährlicher
Wanderung immer wieder an denselben Ort zurückkommt, war bisher noch
nicht bekannt. |