© 2001 Oliver Meise
-Keine Gewährleistung-
© 2001 Riccardo
Conti
Bei dem Gegenstand dieser Geschichte handelt es sich nicht um einen
Liebesgott der kalorienreichen Schokoladenriegeln huldigt - nein.Vielmehr
handelt es sich wie bei so vielen meiner Geschichten um ein Wrack. Was
das mit Eros und Mars zu tun hat? Gemach.....
Dieses 915 BRT - Wrack erblickte im Jahre 1926 auf der Werft von Ramage
and Ferguson in Leith / Großbritannien das Licht der Welt. Schon
während der ersten Baustadien war der spätere Kapitän des
Schiffs J.E. Evrard in der Nähe und überwachte die Bauausführung.
Von der Konstruktion des Schiffs her, war es als Yacht ausgelegt. Bedenkt
man die Maße -65,13m Länge und 9,75m Breite- ist dies sicher
eine außergewöhnliche Yacht! Berücksichtigt man weiter,
daß an Bord die damals schwersten Schiffsmotoren überhaupt eingebaut
wurden - zwei jeweils 26t schwere B&W Sechszylinder-Dieselaggregate
mit jeweils 900PS - so dürfte klar sein, daß sich ein solches
Schiff nur ein außergewöhnlich reicher Mann leisten konnte.
Und so war es auch: Dieses 14 Knoten schnelle Schiff gehörte keinem
anderen als dem französichen Multimillionär Baron Henri de Rothschild.
Nachdem es in seinem zukünftigen Heimathafen Le Havre in Frankreich
festmachte, wurde das luxuriös eingerichtete Schiff getauft. Es erhielt
den Namen "Eros". Ein Schelm, der übles dabei denkt:-)
Und so schipperte die Yacht mit dem Unterscheidungssignal "FOGB" all
jene friedlichen Jahre mit zumeist fröhlichen, sicher jedoch wohlhabenden
Menschen an Bord über die Weltmeere. Eine erste Unterbrechung dieses
friedlichen Daseins erfolgte am 17. April 1939. Zu dieser Zeit machte ein
kleiner, hungriger Mann mit einem häßlichen Schnurrbart von
sich reden. Er war so hungrig, daß er gerade dabei war ein Land zu
verspeisen - wieder einmal. Wegen der politischen Weltkrise um die Tschechoslowakei
beschlagnahmte die französische Marine die Yacht und stellte sie in
Ajaccio mit der taktischen Nummer AD 227 in Dienst. Da der kleine
Mann aber seinen Hunger mit Hilfe von ausländischen Nationen stillen
konnte, wurde die Yacht schon am 4. März 1939 aus dem Dienst in der
Marine entlassen und an seinen alten Besitzer zurückgegeben.
Es ergab sich jedoch kurze Zeit später die Situation, daß
der kleine Mann wieder Hunger hatte.
Wieder war er dabei ein Land zu verschlingen. Für die Eros
hieß dies wieder: Zurück in den Militärdienst! Sie stellte
diesmal unter der taktischen Nummer AD 196 in Dienst und wurde dem
französischen Flottenkommando in Marokko für repräsentative
Aufgaben zur Verfügung gestellt. Dieser nutzte dann die AD 196
für eine Zahl von Einsätzen diplomatischer Natur. Aufgrund der
Kriegslage sah man sich dann gezwungen, auch diese schöne Yacht zu
einem Kriegsfahrzeug zu machen. Die AD 196 wurde mit einer 10cm-Kanone
und anderen militärischen Installationen versehen, neu klassifiziert.
Fortan tat sie mit der neuen taktischen Nummer P 140 ihren Dienst
als Konvoibegleitschiff. Am 2. September 1939 nahm sie Abschied von ihrem
Heimathafen Toulon und verlegte nach Tanger. Von hier aus führte sie
als Konvoibegleitschiff einige Einsätze zum Schutze von Konvois aus.
Hierzu gehörten im Dezember 1939 die Eskortierung des französischen
Uboots Arianne, die Eskortierung des französischen Uboots Espadon
im April 1940, die Begleitung und Überwachung von zwei Truppentransporten
im März und schließlich die Untersuchung des dänischen
Zerstörers Geir am 12. April 1940. Vor dem Waffenstillstand
mit Deutschland war die letzte Mission der P 140 die Velegung der
Französischen Marinemission nach Gibraltar. Hiernach lag sie fast
zwei Jahre mehr oder weniger untätig in Marokko, bevor sie dann in
Toulon unter einem neuen Namen in Dienst stellte - sie hörte nunmehr
auf den Namen L` Incomprise II. Kurze Zeit später besetzten
am 27. November 1942 deutsche Truppen Toulon. Die hier liegenden Einheiten
der französischen Marine wurden von den Franzosen alle mehr oder weniger
selbstversenkt.Eines der wenigen Schiffe die unversehrt in deutsche Hand
gerieten, war die nunmehrige L` Incomprise II.
Nachdem die Vichy-Regierung die L` Incomprise II für
die deutsche Kriegsmarine freigegeben hatte, wurde das Schifflein mit den
vielen Namen wieder umgetauft. Der neue Name war: UJ-2216.
Der neue Name war Programm. Als Uboot-Jäger mußte das Schiff
stark umgebaut werden. Man entfernte Teile der hinteren Aufbauten. Die
Luxussalons mußten weichen.An ihrer Stelle hatte man nun achtern
genug freies Deck um ein 8.8 cm/45 SK C/35-Geschütz,einen Wasserbombenwerfer
und mittschiffs einen 2cm/65 C 38/43-Flakvierling zu installieren. Auf
dem Vorderdeck wurde ein 3,7cm/L69 M42-Flakzwilling aufgestellt und beidseits
der Brücke jeweils eine Breda - 2cm/65 RM1935-Zwillingsflak.Nach neun
Monaten mit Umbauarbeiten wurde sie endlich in Dienst gestellt und am 27
September 1943 der 22. U-Jagdflottille in Genua unterstellt.

Hier tat dann UJ-2216, zwischen Genua und Marseille pendelnd,
ihren Dienst. Dann kam mit dem 13. September 1944 der letzte Tag, bzw.
die letzte Nacht der ehemaligen Yacht in Diensten der deutschen Kriegsmarine:
Bei leichtem Nordwind und mittlerer Sicht lief UJ-2216 unter dem
Kommando von Oberleutnant zur See Hanekamp um 22.30 Uhr zu einer Minenoperation
aus.Vor Tino kommen um 0.10 Uhr die Marinefährprähme
MFP 2865
und MFP 2922 in Sicht.Schräg hinter UJ-2216 gestaffelt
marschieren sie nun zur Verminungsaktion Richtung Genua.Schon kurz hinter
Tino wird der Konvoi von einem Flugzeug gebombt. Glücklicherweise
entsteht kein Schaden.Das Flugzeug fliegt jedoch nicht ab,sondern setzt
Leucht- und Markierungsbojen. Es bleibt als Fühlungshalter außerhalb
der Geschützreichweite und wird deutscherseits mit dem Fu.M.B. (Deutsches
Radar einfachster Konstruktion) im Auge behalten.
Üblicherweise ist bei derartigen Situationen bald mit dem heranführen
von Feindkräften und einem baldigen Gefecht zu rechnen. Aus diesem
Grund war man dann an Bord von UJ-2216 jetzt besonders auf Draht:
Um ca. 01.00 Uhr meldet der FkObGefr. Harmeier,der das Gerät der B-Gruppe
besetzt hatte, daß Sprechverkehr von S-Booten der Stärke 3-4
zu hören ist. An die MFP ergeht sofort per Klappbuchs (Morsescheinwerfer)
die Warnung:"Sofi,Sofi" (Vorsicht S-Boote!). Auf UJ-2216 ermahnt
Oberleutnant z.S. Hanekamp die Matrosen am Horchgerät wegen der S-Boote
besonders scharf zu horchen.Um 03.00 Uhr nahm der Hocher vom Dienst an
Backbord Schraubengeräusche eines in der Rapallobucht ca. 25 Knoten
laufenden Fahrzeuges auf, gleichzeitig meldet der Funker zwei sehr laute
Funkstellen direkt in unmittelbarer Nähe die sich darüber unterhalten,
schon mal angegriffen zu haben und wieder angreifen zu wollen. Dies konnte
nur ein feindlicher Zerstörer oder eines der schnellen britischen
MTB`s sein! Sofort wurde Alarm ausgelöst und die Mannschaft eilte
an ihre Gefechtspositionen. Doch eine halbe Stunde lang passierte gar nichts.
Um 03.30 Uhr -Sestri Levante stand querab- konnten zwar an Bord der MFP
eingeschiffte Matrosen kurz den Feind erkennen, dieser verschwand jedoch
ebenso rasch, wie er gekommen war. Oberleutnant z.S. Hanekamp hält
diese Schatten jedoch für ein entgegenkommendes Geleit der Deutschen
Kriegsmarine.Tatsächlich: Es wird das richtige ES (Erkennungssignal)
geschossen. Das um 03.35 Uhr an Steuerbord in Sicht kommende Spitzenboot
des entgegenkommenden Konvois gibt ebenfalls die Warnung: "Sofi,Sofi!"
Weiter ging die Fahrt in das Ungewisse! Der Konvoi fuhr mittlerweile zur
Vorsicht einen 30°-Zickzackkurs durch das Dunkel der Nacht um den Feind
zu verwirren. Zwischenzeitlich hatte nämlich der Funker an Bord die
Funkkennungen der immer als Paar arbeitenden Angreifer entschlüsseln
können. Es handelte sich hierbei um Schiffe mit den Funknamen Tiger,Mistral,
Tering und Daniel. Da das S-Gerät Geräuschpeilung
voraus meldete und Oberleutnant z.S. Hanekamp jede Verwechslungsmöglichkeit
mit befreundeten Geleitbooten ausschließen wollte,gab er Feuerkommando:
Die 8,8cm Flak sollte einen Leuchtgranatenfächer von fünf Schuß
nach Backbord abgeben! Sofort erkennt man feindliche Schnellboote.Diese
machen sofort Fahrt auf und schießen Torpedos ab.Durch geschicktes
Manövrieren gingen drei Torpedos knapp an Steuerbord vorbei und zwei
an Backbord -mit einem Seitenabstand von drei bis 20m!
Schlagartig eröffnen die vorderen Flakwaffen das Feuer auf die
S-Boote.
Trotz allen Manövriergeschicks traf plötzlich und unerwartet
um 03.40 Uhr doch noch umgefähr auf der Höhe des Flakvierlings
ein Torpedo: Ausgerechnet die mitgeführte Munition und die Wasserbomben
gingen gleich mit hoch! Trotz der großen Zerstörungen an Deck
durch die Explosionen schoß die 2cm-Steuerbordflak von Geschützführer
MtrObGefr. Czarny noch bis zuletzt auf ein Feindboot Steuerbord voraus.Mittlerweile
sind die Feindbote als amerikanische PT-Boote erkannt,da sie normalerweise
doppelt so groß wie S-Boote sind. Zusammen mit den Geschützen
der MFP wurde versucht, den Angreifern doch noch am Zeug zu flicken.Die
PT-Boote ziehen nebelnd unter Höchstgeschwindigkeit ab. Nach ca. zehn
Minuten und dem Überbordgehen der Geheimsachen versank aber UJ-2216
im Planquadrat CJ 1354 für immer übers Heck.
Bis auf sechs Tote und 17 Vermißte konnten die MFP alle Besatzungsmitglieder
retten und im weiteren ungeschoren im Hafen abliefern.
Heute steht UJ-2216 aufrecht auf dem Grund in 60m Tiefe. Teile
der Aufbauten beginnen aber schon bei ca. 35m.
© 2001 Riccardo
Conti
Problematisch an diesem Wrack ist natürlich einerseits die Tiefe,
andererseits die Tatsache, daß sich im Laufe der Jahre einige Fischernetze
am Wrack verfangen haben. Wegen der Tiefe sollte man also schauen daß
man die Dekompression befördert.Hilfreich hierbei ist ein Trocki,
genug Flüssigkeit im Blut (Trinken!) und natürlich optimalerweise
auch noch das mitführen von O2 zur Dekompression und das Einhalten
Eurer Tauchpläne! Ein weiterer tiefenbezogener Aspekt ist die Auftriebsreserve.
Je nach Jacket das Ihr taucht und Eure Zieltiefe am Wrack,sind hier noch
zusätzliche Auftriebskörper einzuplanen! Was die Netze angeht,
sollte man entsprechend Schneidewerkzeuge in Griffnähe dabeihaben.
Ein weiterer Punkt ist, daß sich wegen des dunklen Meeresbodens bei
ungünstigen Strömungsverhältnissen auch mal die Sicht drastisch
reduzieren kann.Da ist Nervenstärke angesagt!
Also bitte liebe Taucher!
Hier bitte nur mit der entsprechenden Erfahrung,Ausbildung
und Ausrüstung tauchen!
Dafür wird man dann bei guter Sicht mit einem fast unberührten
Wrack belohnt. Klaro-das Heck ist wegen des Torpedos und der Folgeexplosionen
in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier ist demzufolge ein großes
Explosionsloch,das 8,8cm-Geschütz ist umgefallen und die Breda-Flakstände
sind vollkommen zusammengebrochen. Da dies die tiefste Stelle ist und das
anschauen eigentlich nicht lohnt, sollte man wegen der ansonsten fälligen
Dekozeit diese Stelle aussparen.
Mit der entsprechenden Erfahruung, Ausbildung und Ausrüstung kann
man sich dann bei einem widerstandsfähigen Nervenkostüm auch
noch durch die Schiffsgänge bewegen. Gelangt man so
in den Maschinenraum, kann man sich dort den Maschinentelegrafen sowie
diverse Hebel, Bedienelemente und Messapparaturen anschauen.
Ansonsten ist das Wrack noch fast -naja Bewuchs&Raubritter,klar-so
wie es sank.
Dieses Wrack an der ligurischen Küste Italiens wird regelmäßig
von einigen wenigen örtlichen Tauchbasen angefahren. Man kann dieses
Wrack auch schon in Deutschland "buchen". Dort ist das Wrack dieses U-Jägers
allerdings eher bekannt als das Wrack mit dem Namen "KT". Dieses
im 2. Weltkrieg üblichen Kürzel für "Kriegstransporter"
war nämlich auf einigen Fundstücken des Wracks eingraviert vorgefunden
worden. Weiter trägt zur Namensverwirrung bei, daß ganz in der
Nähe -auch vor Sestri Levante- im Golf von Tigullio ein weiteres Wrack
liegt. Dieses ist wirklich ein KT = Kriegstransporter - er wurde
dort im November 1943 von alliierten Flugzeugen gebombt und in eine Tiefe
von 35m versenkt.. Hiervon ist heute aber nur noch eine Bugsektion
erhalten geblieben,da Raubtaucher auf der Suche nach interessantem den
Rest in Stücke gesprengt haben.
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GPS-Position:
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44°15'50"N / 09°21'58"E
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Vorsicht: Von Gerät zu Gerät gibt es
bei der Ermittlung der GPS-Daten immer Unterschiede.Bei Annäherung
an den Tauchplatz ist entsprechende Vorsicht zu beobachten und weniger
die GPS-Anzeige zu betrachten als vielmehr die Nähe eines möglichen
Schiffahrtshindernisses in Form einer Untiefe, Unterwasserfelsen etc. zu
überwachen!!!!!!!
Our "Thanks!" for the generous donation of the colour photos go to Mr.
Riccardo Conti! He shows them at his nice website
together with other interesting wreck shots.
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