© 2002, Ralf Dänzer, ohne Gewähr
Divers Inside Teil II:
Das Wohl oder Wehe der Gruppe - auch beim Tauchen?
1.) Kennen Sie das?
Der Tauchtag ist geplant. Seit einiger Zeit hat man sich mit zwei seiner
Tauchkollegen zu einem schönen Tauchgang in einem nahegelegenen See
verabredet. Am morgen packt man also sein Tauchgerödel zusammen und
auf geht's zum See - mit gut 20 Minuten Verspätung. Am See angekommen
kommen schon die ersten Sprüche der anderen beiden Taucher(innen).
"Man wo bleibst Du bloß? Jetzt mach aber hin, sonst fallen wieder
die anderen Horden ein und die Sicht wird wieder voll mies". Von all
diesen aufmunternden Worten angestachelt beeilt man sich und baut seine
Ausrüstung zusammen. Alles dabei - Mist die Lampe vergessen. "Jetzt
komm endlich. Ne Lampe braucht man doch erst ab 25 Meter. Und wir haben
doch auch eine dabei. Das reicht doch." Hmmm - eigentlich sollte man
die eigene Lampe schon mitnehmen, egal es wird schon gehen. Was hier im
Kurzen etwas prägnant dargestellt wurde, dürfte einigen - wenn
nicht allen Tauchern, in irgendeiner Weise irgendwie bekannt vorkommen.
Durch äußere Einflüsse lässt man sich in seinem Verhalten
beeinflussen und schmeisst dabei eventuell sehr wichtige Grundsätze
oder Verhaltensregeln kurzfristig über den Haufen. Besser bekannt
ist dieser Themenkomplex als Gruppendruck. Doch gibt es im Tauchbereich
überhaupt so etwas wie Gruppen - bei beispielsweise zwei Tauchern?
2.) Was ist überhaupt eine Gruppe?
Von einer Gruppe spricht man "wenn zwischen zwei oder mehr Personen
eine Interaktion stattfindet, bei der jeder den/die anderen beeinflusst
und von dem/den anderen beeinflusst wird."1 Andere Autoren
sehen auch das Tun zum erfolgreichen Erreichen eines gemeinsamen Zieles
als wichtigen Aspekt einer Gruppe.
Auf die Tauchaspekte bezogen heisst dies, dass schon allein zwei Taucher
eine Gruppe bilden und damit den Strukturen und Auswirkungen dieser unterliegen
- und zwar auch schon Überwasser. Besonders stark wird die Auswirkung
der Gruppe wenn man ein gemeinsames Ziel, welches erfolgreich umgesetzt
werden soll, hinzuzieht. Dieser Aspekt tritt im Tauchen insbesondere im
Bereich des "missions"orientierten Tauchens - speziell im Technical
Diving (z.B. Wrack- und Höhlerntauchen) auf. Erforschungen in diesem
Bereich erfordern Stand heute eigentlich immer eine Gruppe - auch wenn
nicht alle dann taucherisch aktiv werden.
Die Gruppe verfügt des weiteren über eine Struktur in Form
einer Führungsrolle und eines kommunikativen Netzwerks. Jede Position
beziehungsweise Rolle in der Gruppe beinhaltet einen bestimmten Satz an
Verhaltensweisen. Eine "Rolle ist ein soziales Verhaltensmuster, das
von einer Person, die eine bestimmte Funktion in einer Gruppe hat, erwartet
wird"2 . Dies bedeutet, dass natürlich von einem Gruppenführer
verlangt wird, dass er diese "Führungsrolle" auch ausfüllt.
Desweiteren existieren in der Gruppe bestimmte Kommunikationsmuster. Die
einfachsten Regeln sind hier die bekannten UW-Handsignale als Kommunikationsmuster
der Taucher untereinander. Natürlich gilt dies auch für die Überwasserkommunikation
oder die Kommunikationsregeln unter den Gruppenmitgliedern. Die Muster
der Beziehungen der Rollen der Mitglieder untereinander, bilden dann die
Gruppenstruktur im Ganzen. Allerdings muss man festhalten, dass in Gruppen
die Regeln - oder Normen wie noch erwähnt wird - häufig nicht
schriftlich festgelegt sind, sondern auf eine Art informellem Wege beibehalten
werden. Dies führt aber nicht selten zu unterschiedlichen Auslegungen
dieser und damit falschem Verhalten von Gruppenmitlgiedern - wie z.B. Neulingen.
Aus der Definition der Rolle erkennt man, dass Erwartungen an das Verhalten
einer Personen in einer Gruppe eine sehr wichtige Bedeutung beikommt. Hier
wird es dann oft schwierig, denn diese Erwartungen nicht selten auslegungsfähig
sind. So versteht das eine Gruppenmitglied seine Rolle möglicherweise
anders, als ein anderes Gruppenmitglied. Im taucherischen Umfeld könnte
dies beispielsweise eine nicht unwesentliche Rolle bei Tauchunfällen
spielen. Geht man von zwei Tauchern aus, wovon einer der erfahrenere Taucher
ist und der andere beispielsweise ein Neuling, so kommt dem Erfahreneren
fast automatisch die Rolle eines Gruppenführers zu. Der Neuling setzt
in ihn die Erwartung, dass er mit Problemsituationen besser umgehen kann
- was aber tatsächlich nicht der Fall sein muss. Der Neuling verlässt
sich nun aufgrund der Erwartung auf diese Leistungsfähigkeit. Dies
kann dazu führen, dass der unerfahrenere Taucher seine eigene Aufmerksamkeit
reduziert, weil er sich auf den Gruppenführer verlässt. Hier
besteht die Gefahr, dass im Falle einer Trennung der Taucher plötzlich
alleine dasteht und sich nicht richtig zu helfen weiss, weil er sich auf
seinen Buddy verlassen hat. Eine andere Alternative könnte natürlich
auch sein, dass der erfahrene Taucher gar nicht so reagiert wie nötig
und sich die Situation dadurch noch weiter zuspitzt, weil sich der Neuling
immer noch auf den erfahrenen Taucher verlässt. In beiden Fällen
war der Neuling allein und die erwartete Hilfe war nicht erreichbar.
Wie wirkt sich aber nun die Gruppe weiter aus? Welche zusätzlichen
Effekte kann man bei Gruppen beobachten und welche Auswirkungen können
diese auf das Tauchen mit sich bringen?
3.) Effekte und Auswirkungen von Gruppen3
Im Folgenden sollen die Auswirkungen und Effekte von Gruppenbildung
und Gruppen innerhalb der Bereiche "positive" und "negative"
Auswirkungen behandelt werden. Natürlich beinhaltet dies auch eine
möglicherweise nicht vollkommen sachliche Einteilung, aber dürfte
doch weitgehend die für viele sinnvolle Aufteilung darstellen. Desweiteren
muss erwähnt werden, dass natürlich auch Abhängigkeiten
existieren in der Form, dass ein Effekt zu einem bestimmten Grad positiv
wirken kann, wie beispielsweise die Einführung von einheitlichen Normen
in einer Gruppe, die aber später auch ins negative umschlagen können,
wenn diese Normen bedingungslos und ohne Hinterfragen befolgt werden.
3.1) Positive Effekte von Gruppen
Ein Aspekt ist die sogenannte "soziale Erleichterung".
Dies bedeutet, dass Aufgaben durch eine Gruppe unter bestimmten Bedingungen
besser erledigt oder erfüllt werden können. Einerseits trägt
dazu natürlich die Möglichkeit der Arbeitsteilung bei, bei der
jeder das übernimmt, was er beispielsweise am besten kann. Andererseits
hingegen spielt hier auch der Einfluss der Gruppe eine wichtige Rolle,
da man Unterstützung in Form von Motivation oder Hilfe erhält,
die die Erledigung der Aufgabe dann erleichtert. Taucherisch gesehen würde
hierzu beispielsweise die Hilfestellung eines erfahrenen Tauchers für
einen Neuling in Bezug auf Ausrüstungskonfiguration fallen, ebenso
wie anspruchsvolle Höhlentauchprojekte bei der Support-Taucher das
Tauchteam mit bestimmten Leistungen unterstützen.
Ein andere Effekt ist die Einführung von Gruppennormen.
Neben den Erwartungen die sich aus der Rolle einer Person ergeben, bilden
Gruppennormen einen wichtigen Aspekt. Gruppennormen kann man übertragen
als Erwartungen der Gruppe ansehen. Oft sind diese nicht explizit formuliert
und festgehalten, sondern meist nur informelle und verdeckte "Verhaltensregulatoren".
Neue Mitglieder erfahren von diesen Gruppennormen meist nur durch:
- bereits vorhandenen Gleichförmigkeit des Verhaltens "alter"
Mitglieder
- negative Konsequenzen bei der Abweichung von diesen Standards
Auf den taucherischen Bereich übertragen findet man derartige "Gruppennormen"
- sogar schriftlich festgehalten in Form von Verbandsstandards und Richtlinien,
wie Tiefengrenzen, etc. Im Bereich des Technical Diving sind diese Gruppennormen
teils noch stärker ausgeprägt, da sie hier eine besonders wichtige
Funktion übernehmen um den Erfolg des Vorhabens sowie das Überleben
der Teilnehmer sicherzustellen. Dies ist auch der positive Aspekt von Gruppennormen,
denn sie stellen Richtlinien für alle Mitglieder dar, was eine ständig
neue Überprüfung von Verhaltensweisen oder anderen Aktivitäten
auf ein notwendiges Minimum reduziert. Kurz zusammengefasst sind die Funktionen
von Gruppennormen:
- Hilfe bei der Orientierung und Regulation der sozialen Interaktion
("man weiss wie man sich verhält bzw. sich verhalten soll")
- Toleranz für Maß zur Absicherung von der Norm ("wie
weit kann man gehen")
Sich an Gruppennormen zu halten ist hierbei der erste Schritt zur Identifikation
mit einer Gruppe.
So sind die Normen, beziehungsweise Standards für die Ausrüstungskonfiguration
die beispielsweise von Tauchern des DIR-Systems verwendet werden weltweit
einheitlich. Dies erleichtert Vorhaben deutlich, da jeder Taucher dieser
Tauchrichtung sofort weiss, was der andere Taucher wo an Ausrüstung
hat und wie die Standards für die Verwendung sind. Gleiches findet
sich in ähnlicher Weise - wie bereits erwähnt- auch bei den Richtlinien
der Tauchverbände. So weiss jeder Taucher, dass nach Verlust des Partners
eine Minute unter Wasser nach ihm gesucht und dann aufgetaucht wird um
an der Oberfläche sich zu sammeln. Gruppennormen/ Gruppenstandards
bilden daher eine äußerst wichtige und effiziente Art einheitliche
Verhaltensweisen und Abläufe festzulegen.
3.2 Negative Effekte von Gruppen
Wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten. Also wo liegen die Probleme
mit Gruppen und Gruppenbildung. Dies soll im Folgenden nun näher beleuchtet
werden.
Ein sehr großer Aspekt fällt auch hier wieder den bereits
erwähnten Gruppenormen bzw. -standards zu. Wie schon aufgezeigt
erleichtern Normen und Standards - wie in anderen Bereichen - das Zusammenleben
und -arbeiten der Gruppenmitglieder. Natürlich auch im taucherischen
Umfeld. Doch können diese Normen auch negative Auswirkungen haben.
So werden Gruppennormen nicht selten zum Dogma erhoben und ohne Hinterfragen
hingenommen. Dies kann auch zu einer Reduzierung der Innovation führen,
weil neue Meinungen, die nicht den Normen entsprechen nicht offen geäußert
oder vollkommen zurückgehalten werden. Normen haben nämlich auch
den Effekt sich selbst zu erhalten. Somit kommt es immer stärker zu
einer Konformität der Gruppe und der Mitglieder. Abweichende Meinungen
hiervon werden bei Überschreitung mehr oder weniger stark geahndet.
Einerseits vereinfacht also die Gruppenkonformität das Leben, andererseits
macht sie es auch gleichförmiger. Taucherisch erkennt man diese beispielsweise
bei Diskussionen von Tauchern über bestimmte Ausrüstungskonfigurationen,
bei denen man feststellt, dass manche Mitglieder hier sich der Gruppennorm
- ohne Hinterfragen - unterordnen ohne sich selbst darüber Gedanken
zu machen. Es wird also einfach ein Verhalten übernommen ohne wirklich
sich Gedanken aus seiner eigenen Perspektive gemacht zu haben. Gleiches
gilt auch für Standards der Tauchausbildungsorganisationen. Sie vereinfachen
und vereinheitlichen die Ausbildung weltweit, aber andererseits wird beispielsweise
grundsätzlich der Schnorchel als "essenzieller" Bestandteil
gefordert - auch wenn in Gebieten getaucht wird, in denen der Schnorchel
nicht unbedingt benötigt wird oder wenig Sinn macht. Dies führt
zu gleichförmigen Verhalten indem Neuerungen/ Abweichungen nur schwer
umgesetzt werden können, auch wenn Sie hier deutliche Vorteile bringen
könnten. In der Arbeitswelt hört man an dieser Stelle oft den
Satz "das ist schon immer so und das machen wir weiter so", ob
es Sinn macht oder nicht.
Wie erwähnt spielt die Gruppenkonformität eine sehr wichtige
Rolle. Ein damit eng verbundener Aspekt ist das sogenannte "Groupthinking"4.
Beim Groupthinking wird ein unabhängiges Verhalten der Mitglieder
immer geringer und die Gruppe entwickelt eine einheitliche Entscheidungsfindung.
Dies führt zur unkritischer Übernahme von Verhaltensweisen ohne
sie zu überdenken. Die Gefahr in diesem Effekt liegt darin, dass sich
ein falsches Gefühl der Sicherheit aufbaut und man bestimmte Sicherheitsregeln,
die eine einzelne Person beachten würde hintan stellt. Beispielshaft
könnte hier genannt werden, dass man sich blind auf seinen erfahreneren
Partner verlässt, ohne aber sich selbst über bestimmte Aspekte
Gedanken zu machen. "Der Partner wird mir da schon helfen, der hat
ja genug Erfahrung". Zusätzlich führt Groupthinking dazu,
dass "Abtrünnige" Druck spüren um sich wieder in die
Gruppe und ihre Struktur einzureihen. Dies dürfte im normalen Sporttauchen
so direkt keine große Rolle spielen. Erkennbar könnte dies eher
im missionsorientierten Technical Diving sein, da hier Gruppen längere
Zeit und in engerem Kontakt zueinander stehen. Das Problematische am Groupthinking
ist auch, dass die Entscheidungsfindung negativ beeinflusst wird. Es werden
nämlich durch dieses Verhalten nicht alle Entscheidungsmöglichkeiten
einbezogen, sondern einige werden bereits vorab automatisch gefiltert,
wen dieses nicht mit den Normen und Strukturen übereinstimmen. Wer
kritisiert beispielsweise schon direkt seinen Chef? Wie oft werden im beruflichen
Umfeld Managemententschiedungen ohne Einbezug aller notwendigen Daten nur
aus dem Bauch heraus gefällt? Nicht selten fallen, weil die Chance
toll aussieht Kosten-Nutzen-Rechnungen einseitig aus. Gleiches ist auch
im Tauchen erkennbar. Beispielsweise wenn Taucher sich aufgrund der Gruppenmeinung
zu Tauchgängen hinreissen lassen, die über Ihren Grenzen liegen.
Auch hier kommt das Groupthinking zum Tragen, wenn der Einzelne hier sich
der Gruppenmeinung beugt und meint "naja die 50 Meter mit Luft werden
schon klappen und die 10 Liter-Flasche wird schon reichen". Schnell
endet dies in einer Katastrophe. Es resultieren somit aus diesem Effekt
oft schwerwiegende Entscheidungsfehler, die nun mal im Tauchen das Leben
kosten können. Dies ist dürfte somit ein entscheidender Faktor
sein, an dem sich Sicherheit im Tauchsport festmachen lässt.
Ein weiterer negativer Gruppeneffekt wird kurz als "soziales
Bummeln" bezeichnet. Hierunter versteht man den Effekt, dass Gruppen
unter bestimmten Situationen weniger produktiv sind als Einzelpersonen5
. Mit zunehmender Gruppengröße nimmt dieser Effekt zu. Grund
hierfür ist, dass die Aufmerksamkeit des Einzelnen für sich selbst
sinkt. Ein Aspekt hierfür ist, dass das Handeln des Einzelnen nicht
mehr so deutlich sichtbar wird, wie bei einer Einzelpersonen. Klassisch
äußert sich dies im normalen Alltag in der Einstellung "die
anderen werden das schon machen". Auf das Tauchen bezogen wäre
die Situation denkbar, dass mehrere Taucher zusammen einen Tauchgang planen
und aber keine klare Gruppenführung bzw. Rollenverteilung definiert
wurde. Nicht häufig kommt es dann dazu - auch bei einer reinen Zweiergruppe
- dass "ohne Ziel und Plan" getaucht wird und man am Ende des
Tauchgangs dann Sätze hört " ich dachte Du navigierst und
ich folge nur". Solange alles gut gegangen ist ist - schön, was
aber in einer Notsituation?
Man sieht also wie sich diese Gruppeneffekte direkt auf das Tauchen
und Verhalten beim Tauchen, selbst in kleinen Gruppen auswirken. Klare
Absprache der Rollen und des Ziels sind beim Tauchen überlebenswichtig!
"Plan your dive and dive your plan" drückt dies sehr gut
aus.
"Gruppennormen verfügen folglich über die Macht, fundamentale
Veränderungen in unseren Einstellungen und unserem Verhalten herbeizuführen"6
. Vor ihnen ist auch kein Taucher oder keine Taucherin gefeit.
4.) Was bleibt?
Was sind nun die Ableitungen aus diesem Verhalten für das Tauchen?
Ein wichtiger Aspekt liegt darin sich nicht auf die Gruppe als Hilfsmittel
zu verlassen, sondern eher gemäss dem Motto "Tauche solo, aber
nie allein" zu handeln. Dies bedeutet sich über sich selbst,
seine Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie seine Ausrüstung im
klaren zu sein und nicht nur auf den Buddy als Ersatz- oder Notlösung
zu verlassen. Trotzdem sollte man aber den Buddy beim Tauchgang dabei haben.
Schliesslich macht auch Tauchen zu zweit mehr Spaß und als Hilfe
ist ein Buddy oft hilfreich - auch wenn man für sich alles abgeklärt
hat. Dies beinhaltet aber auch, dass ich mir meinem Buddy näher ansehe.
Denn was hilft mir ein Buddy in einer Notsituation der mit der Situation
selber überfordert ist - auch wenn er 200 Tauchgänge mehr hat.
Falsch verstandener Gehorsam hilft da leider nicht weiter. Man sollte sich
also vor dem Tauchen mal mit seinem zukünftigen Tauchbegleiter unterhalten
und bestimmte Einstellungen und Verhaltensweisen offen besprechen. Unter
Wasser und unter Stress wird das dann deutlich schwieriger. Durch beide
Aktionen wird der Aufbau von Gruppendruck und Groupthinking vermieden.
Auch sollte sich jeder Tauchpartner zu keinen ungewollten Tauchgängen
oder Aktionen zwingen lassen. Im Ernstfall bezahlt er es mit SEINEM Leben.
Ein anderer Aspekt ist das Einhalten bestimmter Standards. Meist sind
dies die Standards der Tauchausbildungsorganisationen, bei denen man seine
Ausbildung gemacht hat. Man kann diesen Aspekt auch etwas aufweichen, indem
man den Spruch "Tauche innnerhalb Deiner Grenzen heranzieht.
Taucht man mit anderen - und damit in der Gruppe, sollte vor dem Tauchgang
klar geklärt werden welche Rolle welcher Taucher oder welche Taucherin
einnimmt. Das bedeuet, dass geklärt sein muss wer navigiert oder wer
die Gruppe führt. Zusätzlich gehört es dazu Notfallverfahren
oder andere Vorgehensweise genau zu definieren. Ansonsten passiert es sehr
leicht, dass sich ein Taucher auf den anderen rein aufgrund von Erwartungen
verlässt. Im Notfall ist man dann verlassen. Nicht selten hört
man an Tauchplätzen nach Tauchgängen den Satz "ich dachte
Du würdest..." Hier sollte man also klar vorher alles wichtige
durchsprechen und durchgehen. Der Buddycheck ist natürlich dabei ebenfalls
ein wichtiger Bestandteil. Schliesslich sollte man wissen wo der Tauchpartner
oder die Tauchpartnerin seinen/ ihren Oktopus hat.
Besonders wichtig ist es jedoch, dass der einzelne Taucher sich nicht
durch die Gruppe unter Druck setzen lässt. Passt einem etwas nicht,
sei es an der Ausrüstung , am Tauchgang oder an seinen Mittauchern,
hat jeder Taucher das Recht dies (in passender kommunikativer Weise) anzusprechen
und im Extremfall auch den Tauchgang nicht zu machen. Das gleiche gilt
auch unter Wasser. Jeder Taucher kann zu jeder Zeit, aus welchem Grund
auch immer den Tauchgang abbrechen - und es ist immer richtig! Dies dürfte
jedoch aber auch gleichzeitig der am schwierigsten einzuhaltende Punkt
sein, denn er betrifft einen selbst. Wie oft ist man nicht schon längere
Zeit zu einem Tauchplatz gefahren und plötzlich stellt man fest -
ein O-Ring ist defekt oder irgend etwas anderes ist schief gegangen (Erkältungen
und Schnupfen sind hier sehr typisch). Aber nachdem man nun mal den ganzen
Aufwand für das Tauchen betrieben hat, will man nun auch Tauchen.
Also egal. Genau hier muss jeder für sich so stark sein zu sagen -
nein, unter diesen Umständen nicht. Lieber ein Tauchgang weniger als
danach kein einziger mehr.
Man sieht also Gruppen schränken ein, Gruppen helfen aber auch.
Wichtig ist, dass jede Gruppe sich aus den einzelnen Mitgliedern zusammensetzt.
Jeder steuert über sein Verhalten das Verhalten der Gruppe und deren
Effekte.
1Zimbardo, 5. Auflage, S. 594
2Zimbardo, 5. Auflage, S. 594
3vgl. Zimbardo, 5. Auflage, S. 594-604 sowie Krech, Crutchfield,
S. 85-112
4Krech, Crutchfield, S. 91-92
5Zimbardo, S. 595
6Zimbardo, S. 597
Quellen:
Kretch, David; Crutchfield, Richard S.; Livson, Norman; Wilson, Wilhelm
; Parducci, Allen; Herausgeber Hellmuth Benesch; "Grundlagen der Psychologie";
Studienausgabe; Bechtermünz Verlag; 1992; Genehmigte Lizenzausgabe
für Bechtermünz-Verlag im Weltbild Verlag GmbH; augsburg; 1997;
Band 7: Sozialpsyhcologie; S. 85-112
Zimbardo, Philipp G.; "Psychologie" 5. Neu übersetzte
und bearbeitete Auflage; Springer-Verlag; Berlin, Heidelberg, New York.;
1992; S. 594-604
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