Apocalypse later!

 Geschrieben von Oli
© 2002 Oliver Meise
- Keine Gewährleistung -


PBR 138 RivDiv 572, Vietnam
Photo kindly donated of Mr. R.L.Gray of www.pbr-fva.org

Jeder von uns kennt (?) den Film "Apocalypse Now" aus den USA. In diesem Road-Movie geht es nicht um riesige amerikanische Straßenkreuzer die mit überdimensionalen Heckflügeln den Highway 66 runterdonnern, sondern um die mentale Odyssee eines Menschen auf einem PBR (Patrol Boat River = Flußpatrouillenboot) auf den Wasserstraßen des Mekongflusses während des Vietnamkrieges.
Möchte man heutzutage als tauchender Mensch auch mal auf so ein PBR, so kann man sich dieses Vergnügen machen, indem man nicht nach Vietnam, sondern nach Israel reist und dort bei Eilat am Roten Meer das auch Neetz oder Yeats genannte Wrack der Yatouche betaucht. Die Namensgebung dieses Wracks entstammt dem hebräischen Wort "Yatoosh" für "Mücke" weil dieses Wrack ein so kleines Schiffchen ist. Tatsächlich hatte dieses Schiff natürlich nie einen richtigen Namen. Ursprünglich aus dem zivilen und 9,46m langen Sport-Sedan Kabinenkreuzer der US-Firma Uniflite zum Flußpatrouillenboot PBR MkI entwickelt, trugen diese Boote nämlich zur Unterscheidung eine alphanumerische Zahlen-/Buchstabenkombination statt eines Namens. Zunächst wurden ab November 1965 zunächst 120 PBR MkI auf der Werft der United Boatbuilders in Bellingham/Washington gebaut -Stückpreis 75.000 US-Dollar. Da die 9,46m lange und 3,66m breite Fiberglaskonstruktion im Einsatz hie und da Schwächen zeigte und die PBR MkI in Vietnam sehr schnell "verbraucht" wurden, bestellte die US-Marine eine verbesserte zweite Serie von 130 PBR MkII.
Diese ca. 7.000kg schweren Boote kamen ab Dezember 1966 zum Einsatz und waren knapp 30cm länger als die "alten" PBR MkI. Außerdem konnten die PBR MkII dank neuer Jacuzzi 14YJ-Wasserdüsen vier Knoten schneller fahren und erzielten somit aus den beiden jeweils 216 PS leistenden V-6-53N Zweitaktdieselmotoren  von General Motors oder der Detroit Allison Corporation eine Maximalgeschwindigkeit von 29 Knoten. Die festeingebaute Bewaffnung bestand aus einem .50-kalibrigen Zwillings-MG im Bug und einem .50-kalibrigen Einzel-MG in einem Heckstand. Dazu kam mittschiffs noch jeweils ein M60-MG und ein 4cm-Granatwerfer vom Typ Honeywell Mk18. Außerdem führte die vierköpfige Besatzung meist noch ein Sammelsurium verschiedenster Waffentypen mit wzB.M79-Granatwerfer, Schrotgewehre,M16-Sturmgewehre, Handgranaten, Pistolen usw. Zur Standardausstattung gehörten ferner ein Raytheon 1900/W-Radar und zwei AN/VRC Funkgeräte.



All photos © 1968 Fred McGavran -and kindly donated of him.
Photos made available in the Internet via Mr. Hawleys Nice site about the Brownwater Navy

Dies alles wurde von vier Mannschaftsmitgliedern bedient. Ein Feldwebeldienstgrad führte das PBR als Kapitän, ein anderer war Waffenunteroffizier, der dritte war hauptamtlich für die Maschine zuständig und der letzte dann als einfacher Matrose das "Mädchen für alles" und achterer MG-Schütze.Mit der Zeit wurden die PBR-Einheiten diejenigen die am meisten Gefechte zu bestehen und auch die meisten Verluste zu beklagen hatten -3 von 4 PBR-Matrosen fielen. Dieser Hintergrund "passt" dann auch sehr gut zum Filmkonzept von "Apokalypse Now".
Nachdem nun der Vietnamkrieg im Jahre 1975 zuendeging und die USA mal wieder Berge von überschüssigem Militärgut herumstehen hatten, mußte dieses Zeug natürlich so gewinnbringend wie möglich abgestoßen werden. Scheinbar hatte man auch noch ein paar PBR MkII "zu viel". Diese kamen dann nach Israel -hier baute man gerade die eigene Marine auf. In Israel merkte man trotz geänderter Bootskajüte relativ schnell,daß dieser für Flüsse gebaute Bootstyp den Anforderungen der israelischen Küste nicht so gut entsprach, mußte ihn allerdings bis zum Eintreffen geeigneterer Schiffseinheiten weiterverwenden.
1987 wurde dieses PBR der israelischen Marine dann ausgesondert und kam nach Eilat im Roten Meer wo er im August des gleichen Jahres tauchgerecht zwischen dem Tauchplatz "Japanische Gärten" und dem "Coral World Unterwasser- Observatorium" versenkt wurde.
Möchte man das Wrack betauchen, startet man am besten vom Strand vor dem Aqua Sport Diving Center. Direkt geradeaus im Winkel von 90° zum Strand paddelt man ca. 30m weit. Dabei kommt man bei einer kleinen Kolonie von Röhrenaalen vorbei und trifft auf einen Korallenstock. Befindet man sich nun auf der 9m-Tiefenlinie, taucht man diese am besten parallel zum Strand ab bis man nach ca. 50m wieder auf einen Korallenstock trifft der sich dann schon auf einer Tiefe von ca. 10 bis 11m befindet. Hier dreht man sich wieder um 90° nach rechts und taucht 20m weiter bis man in ca. 21m Tiefe auf eine kleine Tischkoralle trifft.Hält man sich von hier aus ca. 25° nach links trifft man auf das Wrack der Yatouche.


Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Das Heck dieses Schiffes befindet sich in einer Tiefe von ca. 27m, der Bug liegt bei ca. 29m. Mit diesen Tiefenverhältnissen ist das Wrack ausgezeichnet geeignet mal wieder einen Nitrox-Tauchgang zu machen. Das Ruderhaus kann durch das große Türloch gefahrlos betaucht werden.


Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Weiter hinten im Boot tut sich in diesem Bild unter einem schon der Motorraum auf. Auch dieser kann leicht betaucht werden.


Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Im Boot sieht mann dann auch noch einige Aussparungen im Rumpf für Ausrüstungsgegenstände. Diese sind aber soweit möglich sämtlich entfernt.


Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Lediglich auf die Rotfeuerfische und Zackis innen und unten dem Kiel ist Obacht zu geben!
Ein weiterer Punkt (neben den gelegentlich starken Strömungen) wo man aufpassen sollte ist, daß man "seltsamerweise" beim Einstieg am Strand vom Aqua Sport Diving Center diesen durch rot-weiße Stangen und Leinen begrenzt sieht. Da diese Ecke des Roten Meeres ein relativ enges Schiffsgewässer ist, herrscht an der Oberfläche recht viel Betrieb. Also am besten wieder den gleichen Weg zurück nehmen den man gekommen ist um auch wieder beim Einstieg herauszukommen!
 
 

GPS-Position:
29°30.235N / 34°55.180E

Sämtliche Unterwasser-Fotografien wurden und freundlicherweise von Herrn Udo Kefrig und Herrn Stoll über ihre schöne Website www.unterwasserfotografie.de zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!!
Die Photo-Scans dazu wurden uns netterweise erlaubt von : Unterwasser - Das Tauchmagazin


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