Das häßliche Entlein

 Geschrieben von Oli
© 2002 Oliver Meise
- Keine Gewähr -

Bei diesem kleinen Entlein handelt es sich um den 75,5m langen und 10,75m breiten 1.161 GRT- Frachter Cedar Pride. Er erblickte das Licht der Welt auf der Werft der Firma "Juliana Constructora Gijonesa S.A." in Gijon/Spanien und lief im Juli 1964 vom Stapel. Von der Konstruktion her war der auf den Namen MS San Bruno getaufte Frachter so angelegt,daß sich jeweils ein Frachtraum vor der mittschiffs stehenden Brücke und ein Frachtraum hinter der Brücke befand.Zunächst schipperte das maximal 12,5 Knoten schnelle Schiff für die Reederei "Naviera Aznar Sociedad" aus Bilbao in Spanien Frachtgut aller Art in die Häfen der Welt. Irgendwann wechselte dann der Eigentümer und der Frachter zockelte mit seinem 1.230 PS starken MAN-9-Zylinderdiesel unter griechischer Flagge über die Weltmeere. Mit der Veräußerung des Frachters an die "Cedar Pride Shipping Co. Ltd" im Jahre 1982 änderte sich dies: Fortan hieß das Schiff Cedar Pride.
Am 3. August 1982 war es gerade in Ballast fahrend im Hafen von Akaba in Jordanien angekommen, als es schon vor Anker liegend eigentlich eine Ladung Phosphat aufnehmen sollte. Plötzlich brach Feuer aus! Die Flammen griffen auf den Maschineraum und die Mannschaftsunterkünfte über -ein Matrose und der Kapitän Abdullah Ahmar starben. Nach Beendigung der Löscharbeiten stellten man schwerwiegende Schäden fest. Der Reparaturaufwand überstieg den Schiffswert. Hinzu kam, daß scheinbar etwas mit der Versicherung nicht in Ordnung war. So wollte am Ende niemand mehr etwas mit diesem Schiff zu tun haben und alle wandten sich von dem Schifflein ab. Fortan gammelte es im Hafen von Akaba vor sich hin und wurde immer häßlicher, während die Hafengebühr für das Schiff sich von Monat zu Monat erhöhte. Schließlich wurde das Schiff von den örtlichen Behörden beschlagnahmt und sollte in die Schrottpresse wandern. Der jordanische Kronprinz Abdullah  -selbst begeisterter Sporttaucher- hörte davon und veranlaßte ein tauchgerechtes Aufarbeiten des Schiffes. So wurde die Cedar Pride dann am 25. November 1985 schließlich ca. zehn Kilometer südlich von Akaba und nur ca. 150m vom jordanischen Küstenstrand entfernt als Tauchattraktion versenkt. Dort befindet sich das Wrack auch heute noch. Mit einer schwarzen Wracktonne markiert läßt es sich leicht wiederfinden und betauchen.
Startet man heute einen Tauchgang, so braucht man nurvom Ufer aus dem Riffabfall von ca. sechs auf ca. 18m zu folgen.So findet man die Cedar Pride in 28m Tiefe paralell zum Strand auf ihrer Steuerbordseite liegend vor.


Mit freundlicher Genehmigung von Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Ganz so tief muß man aber nicht tauchen, da einige der oberen Reelingsteile der Cedar Pride bis in nur 10m Tiefe hervorragen. Diejenigen die über genug Erfahrung verfügen können auch in das Wrack hineintauchen und so zB. den Maschinenraum besuchen.


Mit freundlicher Genehmigung von Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Man sollte bei allen derartigen Vorhaben aber im Hinterkopf behalten, daß hier mal ein Feuer gewütet hat und die Stahlkonstruktion insgesamt deswegen zusätzlich geschwächt hat. Die Zeit unterwasser hat dann ein übriges dazu getan. Also Obacht bei Pentetrationstauchgängen!
Beginnt man den Tauchgang am Bug , werden einem zunächst die Lufthutzen und das Ankergeschirr ins Auge fallen.


Mit freundlicher Genehmigung von Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Direkt hinter der Ankerwinde befindet sich der Lademast der interessant bewachsen in das Blau des Wassers hineinragt.


Mit freundlicher Genehmigung von Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Taucht man Richtung Brücke, kommt man an den beiden vom Vorschiff zum  Oberdeck hinunterführenden Leitern vorbei. Unter diesen Leiter befinden sich Zugänge zum gerade erwähnten Vorschiff. Da diese einigermaßen eng sind, dürften sie in der Regel für eine Wrackpenetration nicht in Frage kommen.
Folgt man dem Verlauf des Oberdecks in achterlicher Richtung stößt man auf den ersten Laderaum. Da er vollkommen leer ist,gibt es hier eigentlich nichts zu sehen und man kann über ihn hinweg weiter Richtung Brücke tauchen. Am Ende des ersten Laderaumes befinden sich dann wieder am Oberdeck einige Ladebäume zusammen mit einigen Winschen und Festmachern.


Mit freundlicher Genehmigung von Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Direkt dahinter befindet sich nun die ausgeweidete Brücke und das Mannschaftsquartier. Taucht man an dieser Stelle mal hinab zum Meeresgrund, findet man dort einige zT. zerdrückte Rettungsboote vor, die zum Teil noch an den Davits hängen.
Hinter der Brücke öffnet sich das weiträumige Deck nun um einem weiteren leeren Frachtraum Platz zu machen.Erst hinter diesem leeren Laderaum wird es am Heck wieder etwas interessanter. Hier kann man sich einige Winschen mit Handrädern und Poller  betrachten. Taucht man nun über das Heck hinaus und betrachtet die Schiffsaußenwand am Heck, kann man noch den Namenszug des Schiffes "Cedar Pride" ausmachen. Mit ca. 22m etwas tiefer gelegen sind hier Ruder und Schraube des Schiffs. Aus dem einst ungeliebten Schiff ist mittlerweile ein stolzer Unterwasserschwan geworden und hat schon manchem Taucher einen wunderschönen Tauchgang beschert.


Mit freundlicher Genehmigung von Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Hat man am Ende dieses Tauchgangs noch genaug Luft übrig, kann man auf der seewärtigen Seite in einem Winkel von ca. 90° vom Heck des Hecks wegtauchend in einer Entfernung von ca. 20 Meter in ca. 30m Tiefe die Überreste eines kleinen Hafenmotorbootes anschauen.


Mit freundlicher Genehmigung von Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin


 
 
 
GPS-Position:
29° 31.30 N / 34° 59.30 E

Sämtliche Unterwasser-Fotografien wurden freundlicherweise von Herrn Udo Kefrig zur Verfügung gestellt bzw. durch die schöne Seite von Herrn Kefrig und Herrn Stoll www.unterwasserfotografie.de zugänglich gemacht.Vielen Dank dafür!!
Die Photo-Scans dazu wurden uns netterweise erlaubt von : Unterwasser - Das Tauchmagazin


Infos

Wracktauchers Paradies. Die Solomonen. Taucht ein in Olis Solomonen-Wrackführer. Dort gibt es Wracks in Hülle und Fülle, und auch zu der Historie der untergegangenen Schiffe ist jede Menge zu lesen. Tauch ein in die Solomonen


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