© 2000 Oliver Meise
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Klein - aber oho!
So müsste es eigentlich über die Seenotsignalgeber heißen.
Ist man in einer Notlage, sind sie nicht selten das wirksamste Mittel,
das einem zur Verfügung steht. Ich selbst habe nur mit dem Signalgeber
von Comet Erfahrungen gesammelt - Modell 150 M. Daneben bietet der Hersteller
noch die Modelle 150 S und TM-5 an. Letzteres verfügt über ein
Magazin am oberen Ende, das fünf Patronen enthält.

Zunächst einmal die technischen Daten zum Modell 150 M:
Nach außen ist es ein oranges Stück Plastik dem man seine
Funktion eigentlich nicht ansieht.. Im Prinzip besteht es aus zwei schmalen
zylindrischen Röhrchen, die parallel aneinanderkleben. Im schmaleren
Röhrchen befindet sich eine Spannfeder mit einer Spitze am offenen
Ende der Röhre. Dort ist auch ein Schraubgewinde, auf das die kleinen
Raketenbecher aufgeschraubt werden.
Die Raketenbecher haben nämlich an der Unterseite der Aufschraubfläche
ein großflächiges Zündplättchen. Befindet sich der
Spannhebel nicht in der gesicherten Position, ragt das spitze Ende der
Spannfeder hervor. Es würde das Zündplättchen zur Zündung
bringen und die Leuchtkugel auslösen!
In dem dickeren Röhrchen befindet sich ein Magazin für drei
der kleinen Raketenbecher. Es ist O-Ring-gesichert und soll für 40
m Tiefe "gut" sein. Nach meinen Erfahrungen macht es aber auch
nichts, wenn die Raketen bei diesem Modell bei jedem Tauchgang gewässert
werden. Ich habe meine alten zu Sylvester verschossen, und alle funktionierten.

Um einen Notfall kundzutun, verwendet man rote Signalkugeln. Der Hersteller
bietet außerdem grüne und weiße Leuchtkugeln an sowie
orange Rauchraketen, die tagsüber eine Alternative zur roten Leuchtkugel
darstellen können. Die Leuchtkugeln Kaliber M9/15 mm sollen nach Herstellerangaben
75 m hoch steigen und fünf Sekunden lang mit einer Lichtstärke
von 5000 Candela sichtbar sein (bei TM-5 nur 3000 Candela). Sie sollen
weiterhin zwei Kilometer bei Tag und 20 Kilometer bei Nacht zu sehen sein.
Man kann sie in der Regel in einem Neuner-Pack für ca. 25 DM kaufen.
Der 45 Gramm leichte, PTB-geprüfte Signalgeber 150 M (143x37 mm)
ist waffenerwerbsscheinfrei ab 18 Jahren für ca. 35 DM zu haben. Für
diesen Signalgeber und die Version 150 S gibt es außerdem noch eine
bis angeblich 50 m druckdichte, 96 Gramm leichte Box (173 x 55 mm).
Nachteiliges lässt sich fast nichts sagen. Nach ca. einem Dreivierteljahr
entwickelte sich in der Schraubkappe über dem Magazin ein Riss im
Schraubdeckel - möglicherweise vom zu festen Zudrehen auf den O-Ring?
Die Vorteile dieses Modells: Der unschlagbare Preis, die Wartungsfreiheit
(allenfalls mal ein Tröpfchen Öl pro Jahr auf die Spannfeder)
und die guten Leistungsdaten, die den teureren Modellen anderer Hersteller
m. E. nicht wesentlich nachstehen.
Weitere Informationen: http://comet-pyro.de
oder info@comet-pyro.de.
Neben dem genannten Signalgeber von Comet sind noch zwei weitere weit
am Markt verbreitet: das "Nicosignal" und der Signalgeber der
Firma Heckler & Koch, welcher angeblich auch von der Bundeswehr benutzt
wird.
Von der Firma Nico gibt es zwei Signalgeber. Im Wesentlichen unterscheiden
sie sich darin, dass der eine ein Magazin mit vier Patronen hat, der andere
eins mit sechs. Der letzte ist der eigentlich übliche Signalgeber,
der andere wird als "Nicosignal Handy" vermarktet und kann über
eine Halterung mit einem Stroboskoplicht aufgerüstet werden. Der Körper
der Signalgeber ist aus Kunststoff, gleiches gilt für die Magazine.
Um die Wasserfestigkeit dieser Signalgeber und der Munition zu erhöhen,
gibt es eine wasserdichte Hülle als Zusatzausrüstung. Die zum
Einsatz kommende Munition kann gleichermaßen von beiden Signalgebern
verwendet werden.
Auch hier können weiße, rote und grüne Signalkugeln
verschossen werden. Sie steigen ca. 80 m hoch und brennen ca. sechs Sekunden
mit einer Helligkeit von ca. 10.000 Candela, wobei sie weiter als zehn
Kilometer zu sehen sein sollen.
Die klassische Variante des 280 Gramm schweren Signalgebers (27 x 6
cm) mit sechs Patronen kostet ca. 80 DM, die andere ca. 100 DM. Beide Varianten
haben eine Schubsicherung gegen ein versehentliches Abfeuern der Leuchtkugeln.
Weitere Informationen: www.nico-pyro.de
oder info@nico-feuerwerk.de.
Das 8 cm lange und 445 Gramm schwere Notsignalgerät der Firma Heckler
& Koch sieht wie eine automatische Pistole ohne Lauf aus. Es ist auf
dem Markt m. E. nicht weit verbreitet. Auch hierfür ist zur Erhöhung
der Wasserfestigkeit eine separate Schutzhülle erhältlich. Im
Magazin befinden sich fünf Einzelsternleuchtkugeln des Kalibers 19
mm wahlweise in den Farben weiß, rot oder grün. Sie sollen ca.
65 m hoch steigen und im Fünfer-Nachfüllpack ca. 50-60 DM kosten.
Anders als die schon beschriebenen Signalgeber verfügt dieses Gerät
über eine Hahnsicherung. Im Handel kostet es mit einem Ersatzmagazin
zwischen 270 und 350 DM.
Weitere Informationen: www.heckler-koch.de
oder hkinfoboard@heckler-koch.de.
Stellt sich noch die Frage: Wie stellt sich die Nutzung dieser Signalgeber
im Ausland dar?
In Cuba bei der Ankunft habe ich den netten Mädels von der Kontrolle
eh den Inhalt meiner Tauchtasche erklären müssen. Demnächst
packe ich ein Klistier ein, hehe… Dabei kam dann auch der Signalgeber zur
Sprache. Durfte ich behalten. Die Signalmunition allerdings nicht. Na Klasse!
Zwar habe ich die Munition bei der Ausreise wiederbekommen. Das half aber
nicht viel: In Frankfurt angekommen, war sie endgültig verschwunden.
In Ägypten habe ich die Signalmunition für die Cometsignaler
schon als Ausleihausrüstung gesehen. Ich wollte es vor einem Urlaub
(Ägypten, Februar 2000) aber einmal genauer wissen: Was ist erlaubt
und was verboten? Messer, Signalmunition…?
Deshalb habe ich die Ägyptische Botschaft kontaktiert, verschiedene
Stellen antelefoniert. Schließlich erklärte sich in Berlin eine
Stelle für zuständig und wollte mein Ansinnen schriftlich haben,
um es auch schriftlich zu beantworten. Bisher Fehlanzeige. Tilt. Bei einer
erneuten telefonischen Anfrage antwortete man mir, dass man das Gerät
ja auch vor Ort ausleihen könne. Na toll. Signalmunition, von der
man nicht weiß, ob sie funktioniert oder nicht, ausleihen! Können
die ja mal selbst machen. Viel Spaß dabei.
Ist jedoch einwandfrei geklärt, dass es unproblematisch ist, Signalmunition
in ein bestimmtes Land einzuführen, muss man noch folgendes Prozedere
beachten:
Das Pyrotechnische Material muss mit einer bestimmten Kennung (UN 0432
mit dem proper shipping name: ARTICLES, PYROTECNIC (for technical purposes))
und diversen Papieren (s. u.) versehen werden. Außerdem muss es nach
der ICAO T.1 und der IATA-DGR nach der Verpackungsvorschrift 135 behandelt
werden, d. h.:
- Ein Luftfrachtbrief muss erstellt werden.
- Eine Absendeerklärung muss vom Absender ausgefüllt werden.
Ein Muster dieser Erklärung gibt es unter: http://www.nico-pyro.de/aktuelles/gefahrengut_pdf.zip
als Adobe-Dokument, unter http://www.nico-pyro.de/aktuelles/gefahrengut_doc.zip
als Word 97-Dokument.
- Eine Gefahrgut-Annahmeprüfung muss von der Luftverkehrsgesellschaft
erfolgen.
- Das Gefahrgut muss in einer UN-geprüften und für die UN 0432
zugelassenen Verpackung untergebracht sein (nach meiner Kenntnis gibt es
eine solche Verpackung zwar für das vierschüssige Nico-Signal,
aber nicht für das sechsschüssige).
Da man in den Urlaub fährt und keinen Papierkrieg eröffnen
will, bietet es sich an, diese Arbeiten zu UN 0432 vom Reisebüro vornehmen
zu lassen, das auch abklärt, welche Regelungen in welchem Land für
welche Luftfahrtgesellschaft gelten. |