Ein riskantes Vergnügen
Na, gehörst Du auch zu den Tauchern, die - kaum dem Wasser entstiegen
- nur Tauchgerät, Blei und Kopfhaube fallen lassen und schon die Fluppe
im Mund haben? Erwischt!
Seltsamerweise scheint auch eine größere Anzahl Tauchlehrer
zur Zunft der Raucher-Taucher zu gehören. Dass Rauchen gesundheitsgefährdend
ist, weil es Krebs und sonstige unangenehme Dinge hervorruft, dürfte
allgemein bekannt sein. Aber wie sieht das beim Taucher im Besonderen aus?
Tragen rauchende Taucher irgendwelche besonderen Risiken? Eindeutig ja
!
Air Trapping
Durch das Rauchen produzieren die Atemwege Schleim, um sich vor Giften,
Reizstoffen und Mikropartikeln im Tabakqualm zu schützen. Bei länger
bestehendem Missbrauch verstopft dieser ziemlich zähe Schleim die
kleinen Alveolen (Lungenbläschen) und Bronchialzweige der Lunge. Dies
führt u. a. zum Raucherhusten. Das ist schon unangenehm genug, vor
allem unter Wasser. Aber noch längst nicht alles.
Viel schlimmer ist eine Folge, die zunächst keine fühlbaren
Beschwerden auslöst: Air Trapping. Dabei gelangt die Atemluft zwar
in die Lungenbläschen hinein, kann aber nicht wieder vollständig
abströmen, weil ihr der Ausgang durch die schleimverstopften und geschwollenen
Bronchiolen versperrt ist. Weil die Luft nicht bzw. nicht schnell genug
entweichen kann, steigt der Druck in der Lunge beim Aufstieg immer weiter
an, bis er das zuträgliche Maß überschreitet. Ergebnis:
Die schwächsten oder am stärksten gebeutelten Lungenbläschen
platzen. Es kommt zu einem mehr oder weniger ausgedehnten Lungenüberdruckunfall
mit all sein unangenehmen Begleiterscheinungen, die bis hin zum Tod reichen
können.
Kohlenmonoxid
Wer raucht, reichert sein Blut mit Kohlenmonoxid an. Dieses ist bekanntlich
giftig. Es bindet sich nämlich an den Blutfarbstoff Hämoglobin,
und zwar sehr viel fester und dauerhafter als der Sauerstoff, der ja eigentlich
von den roten Blutkörperchen in unsere Organe und Gewebe transportiert
werden sollte. Die feste Verbindung zwischen Hämoglobin und Kohlenmonoxid
führt dazu, dass dieses Gas sehr lange im Blut kreist, bevor es endlich
wieder abgeatmet ist. Während dieser Zeit kann das Blut erheblich
weniger Sauerstoff aufnehmen als unter normalen Bedingungen.
Durch die schlechte Sauerstoffversorgung von Organen, besonders dem
Gehirn, wird die allgemeine Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit herabgesetzt.
Schädigungen des zentralen Nervensystems bis hin zu Hirnschäden
durch Sauerstoff-Unterversorgung können die Folge sein. Besonders
"Tiefenknacker", die rauchen, sind hochgradig gefährdet.
Tauchen macht also doch blöd!
Durchblutungsstörungen
Nikotin verengt die Blutgefäße. Zunächst nur vorübergehend.
Aber je länger ein Mensch raucht, desto stärker kommt es zu chronischen
Durchblutungsstörungen, vor allem im Herzmuskel, im Gehirn und in
den Extremitäten. Das erhöht nicht nur das Risiko für Herzinfarkt,
Schlaganfall und Raucherbein. Auch die Gefahr eines Dekompressionsunfalles
wird dadurch deutlich erhöht: Gewebe, die schlecht durchblutet sind,
können Stickstoff nur verzögert ins Blut abgeben. Mikrobläschen
sind die Folge, und welchen Schaden die anrichten können, dürfte
bekannt sein.
Darüber, wie man das Ganze verhindern kann, brauche ich mich eigentlich
nicht auszulassen. Rauchen und Tauchen schließen einander im Grunde
aus. Wer es schon nicht ganz lassen kann, sollte seinen Zigarettenkonsum
wenigstens reduzieren und nicht erst unmittelbar, bevor er ins Wasser hüpft,
von der Fluppe auf den Atemregler wechseln.