Rund um die Uhr

 Geschrieben von Carsten und Anita

Rund um die Uhr - bei jedem Wetter

Wer mit dem Gedanken spielt, die Taucherei beruflich zu betreiben und dabei an sagenhafte Gehälter und ein markiges Sonnyboy-Image denkt, sollte sich diesen Artikel unbedingt zu Gemüte führen. Taucher.Net hat den Tauchern der Hamburger Bereitschaftspolizei über die Schulter geguckt. Was in wenig realitätsbezogenen Fernsehsendungen oft sehr reißerisch dargestellt wird, ist in Wirklichkeit ein psychisch und physisch fordernder Beruf!

Es ist Dienstag morgen um 08.00. Das Hamburger Wetter wird seinem schlechten Ruf wieder einmal mehr als gerecht. Wir sind mit den Beamten der Tauchergruppe der LBP 43 (Landesbereitschaftspolizei) verabredet. Nachdem wir eine Woche zuvor bereits bei der Ausbildung der Taucher am Oortkatener See zusehen durften, bot sich uns die Möglichkeit, bei einem richtigen Einsatz dabeizusein.


Abb.1: Die Hamburger Polizeitauchergruppe trainiert regelmäßig im Hohen- deicher See. Zu Übungszwecken wurde im Tauchrevier eine Taucher- glocke installiert.

Auf dem Programm steht eine Schiffsabsuche nach Rauschgift. Während Beamte des Zolls für die Durchsuchung an Bord zuständig sind, ist die Aufgabe der Polizisten das Abtauchen der Bordwände. "Das ist Routine", erklärt uns Polizeikommissar Marco Nicolaus, Einsatzleiter der 11-köpfigen Tauchergruppe. "Das Rauschgift wird z.B. in einem südamerikanischen Hafen am Rumpf oder in den Seekästen (Ansaugrohre zur Seewasserkühlung der Maschinen, Anm.d.Red.) eines Schiffs placiert und dann im Hamburger Hafen nachts heimlich wieder entfernt. Die Besatzung weiß in der Regel nichts von ihrem unfreiwilligen Kurierdienst."


Abb.2: Vor dem Taucheinsatz im Hamburger Freihafen. Teamwork vor, während und nach den Tauchgängen ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Beamten.

Offenbar ist diese Methode des Drogenschmuggels bei den Verantwortlichen beliebt: Jährlich fahren die Hamburger Polizeitaucher aus diesem Grund einige Dutzend Einsätze. 6 Taucher machen sich einsatzbereit. Immer zu zweit, und immer mit Leinen gesichert. Zwar sind die Polizisten mit Lampen ausgerüstet, aber bei nahezu null Sicht in der Elbe läuft der Job auf reine Tastarbeit hinaus. Obwohl PK Nicolaus sich vor Beginn des Taucheinsatzes im Maschinenraum des Frachters von der Lage der Seekästen ein Bild gemacht und seine Taucher entsprechend eingewiesen hat, dauert es doch nahezu zwanzig Minuten, bis diese gefunden sind.


Abb.3: Nix für Warmduscher! Die Taucher der Polizei können sich das Wetter nicht aussuchen. Daß obendrein die UW-Sicht von ca. 30cm die Arbeit in der Elbe nicht angenehmer macht, dürfte jedem einleuchten...


Abb.4: Der Abstand zwischen Bordwand und Kaymauer beträgt nicht einmal 1m. Platzangst darf man beim Tauchen zwi- schen diesen beiden künstlichen Hindernissen nicht haben.

Das Ergebnis der knapp 2-stündigen Suche ist ernüchternd: Weder am Rumpf noch in den Seekästen waren irgendwelche Drogenpakete zu finden. Nicolaus nimmt es relativ gelassen: "Man kann nicht immer Glück haben."


Abb.5: Dieses Team beginnt mit der Suche am Heck.

Der Weg zum Profi

Die Aufgaben der Hamburger Polizeitaucher reichen von der Schiffsabsuche über Beweismittelsicherungen, Untersuchungen von UW-Bauten bis hin zur Suche/Bergung von Leichen. Auch seeseitige Sicherheitsüberprüfungen (Sprengstoffsuche) im Rahmen von Staatsbesuchen hoher Politiker stehen auf dem Programm. Die persönliche Ausrüstung jedes Polizisten ist umfangreich: Unter anderem gewährleisten Trockentauchanzüge, DTGs in "Upside Down"-Konfiguration und Vollgesichtsmasken, daß die Taucher bei Bedarf auch in schwierigen und belasteten Gewässern ihre Arbeit verrichten können. Trotz des vielfältigen Aufgabenspektrums ist die Taucherei für die Beamten "nur" eine Aufgabe von vielen: "Wenn wir nicht gerade tauchen, sind wir in den täglichen Dienstbetrieb integriert", erläutert uns Nicolaus. Da die Tauchergruppe der LBP angehört, werden die Polizisten z.B. auch zu Demonstrationen, Einsätzen des Landeskriminalamtes, Absicherung von Castortransporten und dem Streifendienst hinzugezogen. Um Polizeitaucher zu werden, muß man zunächst die ca. 3-jährige Ausbildung zum Beamten im Polizeivollzugsdienst durchlaufen. Nach der Versetzung in den Technischen Zug der LBP kann man sich - Eignung und Bedarf vorausgesetzt - zum Dienst in der Tauchergruppe bewerben. Die Ausbildung dauert 8 Wochen. Eine zentrale Ausbildung zum Taucher bei der Polizei Hamburg gibt es nicht. Die Anwärter der norddeutschen Tauchergruppen werden im Wechsel durch die jeweiligen Mitglieder des sogenannten Nordverbundes (z.B. in Schwerin, Eutin, Hamburg) auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet. Ursprünglich fand die Ausbildung beim Bundesgrenzschutz statt. Richtlinien der Ausbildung sind die UVV-See (Unfallverhütungsvorschrift) sowie die PDV 4/15 (Polizeidienstvorschrift). Somit gehören Polizeitaucher zu den Berufstauchern. Allerdings haben auch die Profis von der Polizei ihre Grenzen: So werden z.B. Unterwasserschweißarbeiten nicht von ihnen durchgeführt. Die Beamten versehen in der Regel ihre Aufgaben bis zum 40. Lebensjahr - vorausgesetzt, der behördeneigene Taucherarzt gibt jährlich sein Okay. Wird einem Polizisten die Belastung des "Dienstes unter Wasser" zu hoch, kann er jederzeit die Tauchergruppe verlassen. Die Bezahlung erfolgt nach den einschlägigen Besoldungsgruppen für Beamte/Soldaten. Für gewisse Taucheinsätze erhalten die Beamten geringe Zulagen. "Reich wird man bei der Sache nicht", zwinkert Nicolaus. Eine große Portion Enthusiasmus gehört also dazu. Das trifft übrigens auch auf die Dienstzeiten zu: Einsätze nach Dienst oder am Wochenende sind keine Seltenheit. Eine Frage hat uns natürlich brennend interessiert: Tauchen die Beamten auch in ihrer Freizeit? "Nur noch im Urlaub," grinst Nicolaus. "Aber es gibt auch ein paar Kollegen, die hier in Deutschland in ihrer Freizeit tauchen." Es ist übrigens eine traurige Tatsache, daß die Ausbildungsnachweise der Polizei von Tauchbasen im Ausland oftmals nicht anerkannt werden. Der Idiotismus hat das Thema Globalisierung offenbar schon erfolgreich umgesetzt...

Wir bedanken uns bei der Tauchergruppe LBP 43 sowie der Hamburger Polizei für die freundliche Unterstützung. Wer sich für einen Berufseinstieg bei der Hamburger Polizei interessiert, kann sich unter www.polizei.hamburg.de ausführlich informieren.

Text: Carsten Torn
Fotos: Anita Sprungk
© www.Taucher.Net


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