Taucher.Net Treffen 2000

 Geschrieben von Anita, Jessica, Herbert

Taucher.net-Treffen Kreidesee Hemmoor April 2000

Von Jessica Brühl, alle Fotos sind © Herbert Gfrörer

Freitag, 07.04.2000

Der Tag fing schon äußerst mies an: Aufgrund dauerhafter personeller Unterbesetzung konnte ich Freitag keinen Urlaub bekommen und musste für sage und schreibe zwei Stunden antanzen… Na ja, das Auto war bereits gepackt, und etwa um 10:45 Uhr machte ich mich mit meiner Freundin Peggy auf den Weg gen Norden in Richtung Hemmoor. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen um 15 Grad im Schatten sowie die Aussicht auf das kommende Wochenende ("endlich wieder tauchen!") ließen die Frühlingsgefühle sprießen…

Es kam, was kommen musste: Kurz hinter dem Kreuz Unna auf der A1, gerade mal hundert Kilometer von zu Hause weg, platzte mir bei 140 km/h auf der linken Spur der dreispurigen Autobahn (wo auch sonst) der rechte Vorderreifen. Gleich vorweg: Es ist alles gut gegangen, wir sind nicht in die Walachei oder sonst wohin geflogen, aber die Fahrt war natürlich erst einmal unterbrochen.

Also dann - selbst ist die Frau! - Wagenheber und Ersatzreifen ausgepackt und: SHIT, den Schlüssel für die Radmuttern nicht dabei. Aber wozu ist man schließlich ADAC-Mitglied?! Nach nur 20 Minuten (so schnell waren die doch noch nie!) war der Mann da und wechselte den Reifen. Dann warf er einen kritischen Blick auf die anderen ("Wie lange haben Sie den Wagen schon ?" - "Zwei Monate." - "Die Reifen sind auch nicht mehr die besten, müssen Sie noch weit?" - "*grummel*" - "Dann fahren Sie aber langsam!").

Das war mir dann doch zu heiß. Also nächste Ausfahrt runter und in Kamen einen Reifendienst gesucht. So schnell kommt man an neue Reifen… Gegen 16 Uhr konnten wir die Fahrt dann endlich fortsetzen. Aus dem geplanten Abstecher an den Kreidesee am Freitag nachmittag wurde natürlich nichts mehr. Na, Hauptsache, wir leben noch.

Samstag, 08.04.2000

Gähn, wieso musste ich mich eigentlich fürs Empfangskomitee opfern? Soooo früh aufstehen… schon um 8 Uhr ging der Wecker.

Punkt 9:30 Uhr waren Peggy und ich da, wie versprochen. Bis 10:00 Uhr sollte der Rest erscheinen. Fehlanzeige. Nur einer war bereits da: Dirk!

Die anderen trudelten dann nach und nach ein. 10:20 Uhr Stefan und Anita: "Thomas und Andy brauchen noch mindestens eine halbe Stunde. Sie haben uns angerufen, daß es später wird. Da waren sie kurz vor Stade…" 10:50 Uhr Thomas und Andy: "Bis Carsten und Herbert kommen, kann noch dauern. Carsten war noch nicht mal angezogen, als wir los sind…" Die letzten beiden, Carsten und Herbert, um 11:30 Uhr. Natürlich haben wir die Wartezeit genutzt, um schon mal ausführlich miteinander zu quatschen. Ich muss schon sagen: Alles nette Leute im Taucher.Net.

Insgesamt waren wir also zu neunt. Von der Redaktion: Anita, Stefan, Carsten, Herbert und meine Wenigkeit. Von unseren treuen Lesern: Andy, Thomas, Dirk und Peggy. Unser Oberguru Armin ließ sich entschuldigen, meldete sich aber am Sonntag per Telefon - natürlich just, als ich im Kompressorraum stand… Endlich hat sich der eingebaute "Vibrator" mal bezahlt gemacht.


Peggy, Jessica, Dirk und Andy an Einstieg 3

Schnell war beschlossen: Wir treffen uns am Einstieg 3 (Rüttler). Nicht alle sind auch dort getaucht. Dirk, Andy und Thomas haben an Einstieg 4 den Wohnwagen besichtigt, Anita und Stefan sind von dort am Ufer entlang zum Einstieg 1 getaucht, und der Rest stürzte sich am Rüttler in die Fluten. Das Wasser hatte "traumhafte" 4,7 Grad auf 25 m, und zwei Drittel von uns waren halbtrocken unterwegs - was der Lästerneigung unserer Trockentaucher sehr entgegen kam. Na wartet, dafür werden wir im Sommer zurücklästern.


Andy

Für mich, die sonst in Seen bis max. 4 m Sicht taucht, waren die 15 m des Kreidesees geradezu paradiesisch, auch wenn ich mir hinterher sagen lassen musste, dass die Sicht für Hemmoorer Verhältnisse eher miserabel gewesen sei.

Am Rüttler angekommen, wimmelte es geradezu von Tauchern. Peggy und ich untertauchten die Brücke und lösten dabei ein paar Problemchen mit ihrer Lampe. Die hatte nämlich Auftrieb, baumelte ihr vorm Gesicht herum und wickelte sich um den Schlauch des LA. Als wir unter der Brücke hervorkamen, passierte es dann: Als sei die Reifenpanne noch nicht genug des Unglücks für dieses WE gewesen, kriegte ich plötzlich ein Zeichen von Peggy: Ihr LA war vereist. Er blies zwar nur mäßig ab, aber immerhin. Das "Notfallmanagement" lief ohne jede Hektik ab: Sie wechselte auf ihren zweiten LA, ich drehte das Ventil des ersten zu, und wir legten einen astreinen Aufstieg hin. So war der TG zwar schon nach 19 Minuten beendet, aber wir waren um eine Erfahrung reicher. Es war Peggys erste Vereisung. Unser beider Tauchlehrer wäre stolz auf uns gewesen (wir haben 40 bzw. 50 TG Erfahrung). Und um es gleich vorweg zu nehmen: jaaaaaaaaaaa, es war ein Scubapro… :-))) Und wir leben trotzdem noch!


Freezing Peggy

Danach Mittagessen im "schmierigen Löffel", wie Carsten den Laden, eine bessere Frittenbude, getauft hat. Tja, der Name passt ganz gut. Stefan und Anita verabschiedeten sich anschließend, da zu Hause zwei hungrige Katzenmäuler warteten und sie selbst "ein wenig" ausgekühlt waren. Sie waren ja auch schon am Freitag im Wasser gewesen.

Anschließend ein weiterer TG, diesmal geschlossen an Einstieg 5, der Steilwand. Während des Anrödelns schaltete ich das Autoradio ein, es lief gerade ein Bee Gees-Song. Und just in dem Moment, wo wir uns in den eklig nasskalten Anzug quälten, begann das Lied "Tragedy". Wie passend! Immerhin konnten wir noch einmal Carsten in seinem Unterzieher bewundern, der bei uns schnell die Bezeichnung Schlafanzug bzw. Strampler weg hatte. Warum bloß? *g*


Carsten im Strampler


Carsten unter Druck

Und um dem Ganzen einen drauf zu setzen, war das letzte Lied, bevor wir losmarschierten, eine Warnung für uns: "Staying alive!". Wie sinnig, befanden wir uns doch am "Teufelsloch von Hemmoor"…

Wir haben die Warnung beherzigt und kamen lebend zurück. Auch wenn die Steilwand für Herbert, unseren Walchenseetaucher, kaum der Rede wert war ("Gartenmäuerchen"), fanden wir anderen sie durchaus beeindruckend. Nur der Einstieg ist gewöhnungsbedürftig, da die Plattform sehr stark schwankt, was besonders das Aussteigen schwierig gestaltet. Andy machte unter Wasser eifrig Fotos, und diesmal gab es auch bei Peggy und mir keinerlei technische Schwierigkeiten.


Kopfloser Navigator


Jessica beim Setup

Zum Abendessen trafen wir uns im "Kaiserhof" und hatten noch einen schönen Klönschnack. Dann hieß es auch von Herbert Abschied nehmen, denn er musste am Sonntag morgen zurück nach München (wie er die Strecke in nur fünf Stunden geschafft hat, ist mir immer noch ein Rätsel; die durchschnittliche Geschwindigkeit rechne ich lieber nicht aus…)


Herbert


ein süßes Paar (Thomas und Andy)

Sonntag, 09.04.2000

Gähn, schon wieder so früh aufstehen! Und das am Sonntag. Obendrein umsonst, denn aus dem geplanten Treffen um 9:00 Uhr wurde natürlich nichts.

Wir beschlossen, noch einmal zu fünft den Rüttler zu betauchen (Carsten musste, aus Eingeweihten bekanntem Grund, an diesem Tag den Flaschenfüller spielen). Wir waren zwar erheblich früher dran als am Vortag, und es war auch deutlich weniger los, aber leider hatten wir ein paar dänische Möchtegern-Techtaucher direkt vor uns. Beim Abtauchen im Rüttlerschacht und auf der Brücke wirbelten sie so viel Sediment auf, dass die Sicht teilweise unter fünf Meter sank. Das war auch der Grund, warum ich unter Wasser kurzfristig unseren Gruppenführer verlor und einen Fremdtaucher "zuquatschte", was die anderen mir wahrscheinlich in 50 Jahren noch aufs Brot schmieren werden.


Dirk und Andy am Einstieg 5


Peggy

Absolut beeindruckt haben uns alle Andys Qualitäten als Navigator. Der Mann weiß wirklich mit dem Kompass umzugehen!

Für mich und Peggy endete der Tauchgang wieder vorzeitig, da sie Probleme mit den Ohren bekam. Wir kamen hinterher überein, dass der Rüttler einfach nichts für uns ist. Da Peggy nicht konnte und auch keiner der anderen mehr wollte, fand für mich an diesem Tage kein zweiter TG statt.


Jessica Haarpflege


Andy und Thomas

Also noch mal ab in den Kaiserhof zum Mittagessen (der Kreidesee-Saibling soll ein Gedicht gewesen sein) und anschließend Abschied mit Hoffen auf ein baldiges Wiedersehen. In einem Punkt sind wir uns einig: Noch in diesem Jahr soll auf jeden Fall ein weiteres Treffen stattfinden, diesmal in Süddeutschland.

Bis dann! Jessica

Von Anita Sprungk

Nachtrag zu Freitag, 07.04.2000

Tja, während Jessica und Peggy noch mit den Tücken des Objekts Auto zu kämpfen hatten, paddelten wir bereits im fast leeren Kreidesee herum. Unter der Woche ist in Hemmoor erfreulich wenig los. Das heißt: gute Sicht, kein Gedränge in der Anmeldung, freie Einstiege, kein Anstehen am Kompressor. Also hatten wir uns mit Andy und Thomas, die sich wegen der langen Anreise ein wenig mehr Zeit reserviert hatten, schon für Freitag vormittag verabredet.

Den Wagen hatten wir Donnerstag abend gepackt, so dass wir am nächsten Morgen eigentlich wie geplant um 8:00 Uhr hätten starten können. Eigentlich… Stefan legt aber Wert auf ein gemütliches Frühstück, und so wurde es 9:00 Uhr, bis wir endlich loskamen. Um 10:00 Uhr wollten wir uns am Kreidesee treffen. Dass das nicht zu schaffen war, war klar…

Fünf nach zehn, kurz hinter Stade - der strahlende Sonnenschein, der uns bei der Abfahrt zu Hause in Hochstimmung versetzt hatte, war inzwischen einer dichten Wolkendecke gewichen -, klingelte unser Funktelefon. Am andern Ende eine "etwas" verschlafene Stimme, die wissen wollte, wo wir denn seien, und uns mitteilte, dass jetzt gerade die Stadtgrenze von Harburg hinter ihnen liege. Fein, muss wenigstens keiner auf uns warten. Wir also in erleichtert weitergezuckelt, gemütlich eingecheckt und schon mal einen interessierten Blick auf Einstieg 5 geworfen. Da trödelten gerade zwei Taucher im Sperrgebiet Fischzucht und Ruinenfeld herum - offenbar nach dem Motto: Es ist Freitag, nix los, unter Wasser sieht uns keiner. Tja, wenn da nur die verräterischen Luftblasen nicht wären…

Zurück an der Anmeldung stellten wir fest, dass inzwischen ein eisig-scharfer Wind aufgekommen war. Igitt, irgendwie hatte es zu Hause netter ausgesehen. Immerhin waren jetzt auch Andy und Thomas eingetroffen. Schnell einigten wir uns auf Einstieg 3, weil man dort zwischen den Bäumen einigermaßen vor dem Wind geschützt ist. Da Thomas nass und wir andern auch nur halbtrocken tauchten, verabredeten wir eine TG-Dauer von ca. 30-40 Minuten und zogen los: Wir wollten in zwei Zweiergruppen auf die Straßenbrücke am Rüttler hinuntertauchen, einen Blick in die Schütte werfen, dann unter der Brücke hindurch und von dort Einstieg 1 anstreben.

Gesagt, getan, Stefan und ich vorneweg, die andern beiden hinterher. Die Sicht war für Kreidesee-Verhältnisse eher mittelmäßig, aber nach den Horrormeldungen der Wochen zuvor besser als erwartet. Nur die Binnenlachse, die wir unseren Mittauchern quasi versprochen hatten, ließen sich leider nicht blicken. Dafür zeigten sich im flachen vorderen Bereich des Sees ein paar große Saiblinge im Laichkleid.

Beim langsamen Austauchen längs der Straße hätten wir Andy beinah abgehängt, weil sein Compi ihm einen Sicherheitsstopp abverlangte. Wer rechnet denn mit so was… Immerhin fiel mir noch auf, dass unsere Nachhut irgendwie aufgehalten wurde, bevor sie ganz außer Sicht war, und es gelang mir sogar, Stefan in seinem Vorwärtsstreben ein wenig zu bremsen (was gar nicht so einfach ist *g*).

Erste Empfindung im Freien: Schööön war's, aber brrrr, ist das kalt! Der Wind kannte kein Erbarmen, und das Umziehen wurde zur Zitter- und Klapperpartie. Die andern redeten schon vom zweiten TG, und ich mochte nicht mal an so was denken.

Da es bereits nach Mittag war, knurrte uns allen der Magen. Stefan und ich hatten uns Brote und heißen Tee mitgebracht, aber Andy und Thomas hatten nichts dabei. Also essen gehen. Schwierig in der norddeutschen Provinz nachmittags um kurz vor zwei, um nicht zu sagen unmöglich. Einzige Chance auf was Warmes zwischen den Zähnen: Frittenbude in Hemmoor. Wir warfen nur einen Blick hinein und machten auf dem Absatz kehrt - dann doch lieber Brot und Tee. Andy und Thomas aber hatten keine andere Wahl…

Zurück am Kreidesee wartete Dirk bereits auf uns, voller Tatendrang und hoffnungsfroh: "Ihr geht doch noch mal rein?" No, ich nicht, auf keinen Fall, war gerade wieder halbwegs auf Normaltemperatur angelangt! Stefan mochte auch nicht mehr. Aber Andy und Thomas ließen sich mühelos überreden. Dirk im Trocki, kein Problem. Thomas hatte auch Glück: Dirk hatte noch einen Halbtrocki mit, der ihm passte. Nur Andy musste sich in sein nasskaltes Zeug quälen, tat es auch und hat es anscheinend nicht bereut.

Während die drei noch mal dem Wasser zustrebten, wiederum an Einstieg 3, fuhren wir zum "Taucherhotel", um dort unser Gerödel zum Trocknen aufzuhängen und uns unter der Dusche aufzuwärmen. Um 19:00 Uhr wollten wir uns im "Kaiserhof" treffen. Tja, Uhren und Taucher, das geht irgendwie nicht zusammen - es wurde deutlich später, bis Andy, Thomas und Dirk aufkreuzten. Hätten wir uns aber auch ausrechnen können, da sie erst kurz vor 18:00 Uhr ins Wasser gekommen sein konnten.

Es wurde ein ausgesprochen netter, fröhlicher Ausklang des Tages: Zeit zum Klönen, Lästern und Rumalbern bei richtig gutem Essen. Feine Sache, endlich mal die Leute persönlich kennen zu lernen, die man nur virtuell per e-mail, Newsgroup und Taucher.Net-Foren kennt. Schon allein dafür hat sich das Treffen gelohnt und schreit nach Wiederholung.

Gegen halb elf zog es dann alle "heimwärts". Dirk, der sich in Hemmoor eingemietet hatte, und wir beide hatten nur einen kurzen Weg, aber Andy und Thomas mussten zurück nach Hamburg. Sie waren bei Carsten in der Kaserne untergebracht. Thomas lud noch seine nassen Tauchklamotten bei uns im Hotel ab ("Bis morgen sind die vielleicht halbwegs trocken; wir kommen kurz vor zehn und holen sie ab!"), Andy verzichtete auf diese Bequemlichkeit. Das erwies sich dann auch als besser so, denn natürlich war am nächsten Morgen auch kurz nach zehn noch weit und breit nichts von unseren Bayern zu sehen. Nun, für eine zusätzliche Tauchkiste reichte der Platz in unserm Wagen so gerade noch. Ein Anruf (doch nicht so übel, dass es Funktelefone gibt) klärte die Sachlage, und wir strebten eilends wieder dem Kreidesee zu, wo Jessica, Peggy und Dirk bereits ungeduldig warteten.

Übrigens: Einen zweiten, sehr interessanten Bericht zum Taucher.net-Treffen mit schönen (UW-) Fotos findet ihr auf Andy's Hompepage: www.nowotaucher.de


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