Buddy-System

 Geschrieben von Michael

Buddy-System oder doch gleich besser Solo tauchen?
von © 2002 Michael Scharrer

Einleitung:

Ich möchte hier das Buddy-System nicht in Frage stellen, im Gegenteil, eine Lanze dafür brechen. In der Praxis wird diese Bezeichnung nur all zu oft missbraucht und nicht selten genug führt genau dieses System manchmal zu Unfällen, teilweise mit tödlichem Ausgang.

Auf Basen werden uns Buddy`s zugewiesen, von denen wir nicht viel wissen und uns meistens auch nicht trauen, mal detailiert nachzufragen. Tauchpartner planen Tauchgänge, denen sie eigentlich nicht gewachsen sind. Jeder vertraut auf seinen Buddy. Anfänger vertrauen voll und ganz auf das Können ihres Tauchpartners, von dem sie glauben, dass er erfahren und routiniert ist.

Die Unfälle sprechen für sich... Ein Taucher bekommt ein Problem, der Partner ist dem nicht gewachsen und dreht auch durch.

Buddy = Partner

Ein Partner ist jemand gleichberechtigtes. Jeder übernimmt Verantwortung, auch dem Anderen gegenüber. Keiner der Partner unternimmt etwas, was den Anderen schädigen oder gefährden könnte. Jeder Teil sichert dem Anderen Unerstützung und Hilfe zu.

Die Illusion Buddy-System:

Jeder Taucher hat auf Grund seines Könnens und mentaler Stärke einen Handlungsspielraum, in dem er sich, ohne sich einem erhöhten Risiko auszusetzen, bewegen kann. Ich unterscheide einmal folgende Tauchgangssituationen: Partnerschaftliche Taucher: Leider schätzen viele Taucher den eigenen Handlungsraum meistens völlig falsch ein. Näheres siehe dazu im Artikel Tieftauchen mit Pressluft. In einem Notfall wäre der Taucher gar nicht in der Lage, sich, geschweige seinem Partner, zu helfen. Mit der Vorstellung, einen "Tauchpartner" zu haben oder auch zu sein, gibt sich der Taucher einer gefährlichen Illusion hin, denn ein wichtiges Kriterium, dem Anderen in einer Notsituation Unterstützung und Hilfe gewähren zu können, kann er gar nicht erfüllen. Eigentlich ist in diesem Fall jeder Taucher ein Solo-Taucher, ohne dass es diesem bewusst ist.

Tauchgänge mit erhöhtem Risiko: Teilweise werden Tauchgänge durchgeführt, wo ein erhöhtes Risiko von vorne herein einkalkuliert ist (Tiefe, Wrack, Höhle...). Jeder einzelne Taucher für sich würde den Tauchgang gar nicht durchführen. Jeder vertraut auf den Anderen. In diesem Fall potenziert sich die Gefahr. Hier ist der Fall einer Partnerschaft erst recht nicht gegeben.

Psychologische Faktoren: Da hätten wir die Gruppendynamik, wo labile Naturen Tauchgänge durchführen, die sie eigentlich gar nicht unternehmen möchten. Das Nichteingestehen von Ängsten, Rekordsucht, Grenzen erfahren wollen, Machogehabe u.s.w.

Ausbildung: Kaum ein Ausbilder macht sich klar, dass er eigentlich ein Solotaucher ist. Ein Anfänger kann bei der Lösung eines schwerwiegenden Problems nie, bzw. kaum ein Partner sein. Hier hat der Ausbilder eine ganz besondere Verantwortung, für sich und seinen Tauchschüler.

Erweiterung des Handlungsraumes: Der Anfänger möchte natürlich Erfahrungen sammeln, auch einmal tiefer tauchen. Hier gilt das Gleiche wie für die Ausbildung. Der Erfahrenere ist ein Solotaucher mit einer ganz besonderen Verantwortung, der seinen eigenen Handlungsraum bei solchen Tauchgängen nie überschreiten sollte.

Die oben genannten Beispiele stellen durchweg die gängige Praxis dar. Da aber in allen Fällen wichtige Kriterien für eine Partnerschaft fehlen, resultiert daraus:

Das Buddy-System ist in der gängingen Praxis nur eine Illusion!

Die Versuchung ist nun für den Erfahrenen und vielleicht Solo-Kompetenten Taucher gross zu sagen:"Dann kann ich ja gleich "solo" gehen..."

Ich bin ja nicht grundsätzlich gegen das Solotauchen, doch wir wollen doch alle einen Sicherheitsgewinn, so sehe ich im Folgenden doch eine...

Lösung:

Das Ziel eines jeden Tauchers muss sein... seinen Handlungsraum möglichst objektiv festzustellen und zu erweitern

Ehrlichkeit bezüglich des eigenen Könnens und seiner Ängste sich selbst und seinem(n) Partner(n) gegenüber

die schrittweise Erlangung von Solo-Kompetenz

Die Durchführung von Tauchgängen mit Orientierung an das schwächste Glied unter Einhaltung der partnerschaftlichen Prinzipien

Nur so handelt es sich auch wirklich um ein Buddy-System, welches einen Sicherheitsgewinn darstellt! Tauche nie alleine! ... bekommt dann eine neue sinnreiche Bedeutung.

Gewiss gibt es ihn, den solo kompetenten Taucher. Aber hat sich schon einmal jemand dieser "Spezies" Gedanken darüber gemacht, was er wohl tun würde, sollte er infolge Kälteeinwirkung eine Nierencholik oder einen Bandscheibenvorfall erleiden?

Vielleicht habe ich den wichtigsten Punkt für einen Tauchpartner vergessen [:-)] Mit wem soll ich mich denn beim Deko-Bier über den Tauchgang und das Gesehene austauschen...


Infos

Kuba - Karabik-Feeling - Tauchen. Infos zum Thema findest Du in unserem Kuba-Guide. Hier sind übersichtlich nach Regionen die Tauchmöglichkeiten auf der Insel beschrieben und mit vielen weiteren interessanten Informationen bestückt.


18.05.2013 15:09 Taucher Online : 165
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