Ein Bericht aus dem Tauchmuseum in Hallstatt, von Gerhard Zauner.
Warum tauchen die Amerikaner im Toplitzsee?
Die Unterwasser - Legende Ridgely Albaugh von Oceaneering, einer weltweit
operierenden Profi Tauchfirma, wollte das "Geheimnis des Toplitzsees"
lüften.

Die Wahrheit vom Toplitzsee? Klappe zu, Affe tot! - Toplitzseemärchen!
Die Toplitzsee- Saga: Einen doppelten Boden soll er haben, und unter dem
See sei noch ein See. Dazwischen schwebe eine dicke Schicht vermoderte
Baumstämme, durch die die Schatzkisten durchgerutscht seien. Taucher
könnten sich allmählich durch die Treibholzschicht durchwühlen
in den unteren See, aber sie kämen nicht wieder herauf, weil die Stämme
ständig in Bewegung sind.
Toplitzsee - Die Fakten:
Der romantische Toplitzsee hat es "in" sich. Er liegt im steirischen
Salzkammergut, im Ausläufer des Toten Gebirges, ist 1,5 km lang, 500
m breit, 103 m tief und trägt nicht zu unrecht den Spitznamen "Mülleimer
des Nazireiches".

Zuerst kamen nur die Holzarbeiter an den See, um den Wald zu fällen.
1819, am 22. August beginnt hier die wunderschöne, verbotene
Liebe des ehrenwerten Erzherzog Johann zu seiner Postmeisterstochter Anna
Plöchl, die später seine Gemahlin und Gräfin von Meran wurde.
Auch der Hochadel, die berühmte Kaiserin Sissi, bewunderte den Toplitzsee.
Nach ihr folgen schon bald die Touristen.
1914 - 1918, während des 1. Weltkrieges, kehrt Ruhe am See
ein. Die einheimischen Männer kommen ihrer Militärpflicht nach.
Als Ersatz kommen nun serbische Kriegsgefangene, die deren Arbeit machen.
Zur Holztrift schlagen sie eine Schlucht in den Felsen, vom Kammersee zum
Toplitzsee.
Die mystische Geschichte des Sees wächst im 2. Weltkrieg.
1941 kommt die Waffen - SS mit der schweren Artillerie und ballert
in die Gössler Felswand. Mit Hochdruckpumpen und Röchlingsgeschossen
experimentieren und erproben sie die sogenannten "Wunderwaffen",
mit denen man die uneinnehmbare Festung Gibraltar sprengen wollte.
1943 - 1945: "Streng geheim" werden die militärischen
Forscher der Chemisch Physikalischen Versuchsanstalt (CPVA) von Kiel an
den Toplitzsee verlegt. Zahlreiche Wunderwaffen werden entwickelt und erprobt:
Unterwassersprengungen mit Grundminen bis zu 4.000kg Sprengstoff, akustische
Minenräumung, Wurfkörper und Unterwasserraketen. Auch Tests von
V2, Kleinst-U-Booten und Torpedos sind geplant. Zum Schluß wird alles
vernichtet, in den See versenkt.

Unternehmen Bernhard 1945: Vom Konzentrationslager Sachsenhausen
über die KZ - Orte Mauthausen, Redl, Zipf und Ebensee kommen die Chefs
der Geldfälscher mit ihren Geldschätzen an den Grundlsee. Das
Unternehmen Bernhard, die größte Geldfälscheraktion der
Weltgeschichte, endet bei Kriegsende hier und der Toplitzsee wird der nasse
Geldsafe von den Resten der 72,8 Millionen Pfund. Sie verschwinden im See.
Bei jeder Such- und Bergeaktion steht der Toplitzsee im Blitzlicht der
Weltöffentlichkeit. Welche Geheimnisse der NS Mülleimer noch
schluckte, weiß keiner.
Was Wahrheit, Märchen oder echte Vergangenheit ist, verschmolz
zu der enormen Toplitzseesaga. Nährboden für diese Sagen gibt
es genug hier im Salzkammergut und 1945 waren tatsächlich sagenhafte
Reichtümer im Ausseerland und um den Toplitzsee versteckt geworden:
Der Fund im Blumenbeet der Villa Kery in Altaussee: 76 kg Gold, 10.000
Goldstücke, 15.000 Dollar und 8.000 Franken.
Der Schatz des SS - Obergruppenführers, Generals der Deutschen
Polizei, Chefs der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes, Dr.
Ernst Kaltenbrunner: 2.000 kg Gold in 50 Kisten, eine Briefmarkensammlung
im Wert von 5 Millionen Goldmark, 50 kg Feingold in Barren, 5 Kisten Brillanten
und Edelsteine, 2 Millionen Schweizer Franken.
Die Geldverbrennung aus der Kriegskasse der 6. Armee: 4,500.000 Reichsmark
konnten noch gesichert werden.
Die Vermögenswerte der Pro - Deutschen Exilregierungen der Balkanstaaten
Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Serbien, Montenegro, Albanien, aber
auch die der Slowakei, Ungarn und Griechenland, waren im Salzkammergut.
Mit den Männern der Balkanstaaten kamen auch die Schatzgeschichten,
denn für sie gab es nur eine Währung - Gold. Sie transportierten
die Schätze nicht im Handwagen, sondern in Lastenzügen: die Goldreserven,
Kron- und Kirchenschätze ihrer Länder, die nicht in die Hände
ihrer Feinde fallen sollten.
Silber und Platin aus der Marineversuchsanstalt Toplitzsee.
Der Transport des SS - Standartenführers Josef Spacil, Oberabschnitt
"Ukraine", später persönlicher Stab Kaltenbrunners,
traf mit 3 Lastwagen Gold in Altaussee ein.
Der Schatz des SS - Obersturmbannführers Dip.Ing. Otto Skorzeny,
Chefs der Gruppe VI. (Sabotage) im RSHD, Kommandeur der SD Agentenschule:
22 Kisten mit 48 kg Feingold in 20 Barren zu je 2,4 kg. Diese Kisten wurden
angeblich 1945 in den Toplizsee geworfen.
Russische Wassow - Einheiten führten den Tatarenschatz, 20 Kisten,
und 120 kg Morphium, mit.
SS - Obersturmbannführer Adolf Karl Eichmann, Leiter des Judenreferates
im RSHA,
Der Becher - Fond Hitlers Wirtschaftsbeauftragter in Ungarn, der SS
- Standartenführer Kurt Becher brachte eine Waggonladung jüdisches
Beutegut aus Ungarn ins Ausseerland. Zu seinem Eigentum zählten einige
goldschwere Schrankkoffer.
Im Mai 1945 versenkten einige SS - Sturmbannführer aus dem
Kaukasus 6 bis 7 Kisten Feingold in den Altaussee.
Im Toplitzsee wird auch der deutsche Reichsschatz vermutet.
SS - Obergruppenführer und Gauleiter von Oberdonau, Eigruber, versenkte
eine 25 x 35 cm große Stahlkassette mit Brillanten in den Toplitzsee.
Inmitten der Schönheit der Bergdörfer, Gipfel, Seen und Flüsse
des Salzkammergutes war der geheime Krieg noch lange nicht zu Ende. Trotz
aller Idylle war der Kampf um die enormen Kriegsschätze immer noch
allgegenwärtig. Mord und Totschlag, Unfälle und Agententreffen
aller Nationen waren hier traurige Selbstverständlichkeit.
Von 1945 bis in die 60er Jahre ereignen sich eine Menge von mysteriösen
Todesfällen, welche die Geschichten und Sagen um die versteckten Schätze
im Ausseerland ungemein anheizen. Mehrere zivile männliche und weibliche
Tote werden aufgezeichnet, die alle amtlich als Berg- und Verkehrsunfälle
deklariert sind.
1945 werden vier SS Leute am Toplitzsee tot aufgefunden.
1946: Am 6. Februar verunglücken die ehemaligen SD Agenten
Pichler und Mayer mysteriös bei einer Skitour. Sie sollen angeblich
nach einem geheimen NS - Versteck gesucht haben.
1950: Am 10. August stürzt Gert Gerrens bei einer Bergtour
am Rechenstein ab. Sein Bergkamerad war der Leiter der Marineversuchsstation
Toplitzsee, der ehemalige SD Mann Dr. Hans Keller. Die ersten Vermutungen
über einen Mord kommen in den Medien auf.
1952: Am Toplitzsee gibt es wieder mehrere mysteriöse Todesfälle.
Am Ufer des Sees findet die Exekutive 2 erschossene Männer, vom Mörder
fehlt jede Spur. Die Erschossenen waren ehemalige SS - Angehörige.
1953: Am 6. August stürzt Dipl. Ing. Josef Erwin Meyer (52)
am Gamsenstell' ab. Er war nur leicht verletzt, soll aber im 10 cm tiefen
Gerinne eines kleinen Gebirgsbaches ertrunken sein? Wußte er von
verborgenen Schätzen? War es Mord?
Sehnsucht, die erlebt werden kann. Heinrich Schliemann bewies, daß
Sagen und Volksgeschichten zu Erfolg führen können, als er 1870
Troja fand.
Obwohl es über alle Salzkammergutseen interessante Schatzgeschichten
gibt, ist die des Toplitzsees die spektakulärste und bekannteste.
Bergungsversuche wurden viele gemacht, auch geborgen wurde vieles, doch
das Geheimnis vom Toplitzsee wurde nie gelüftet. Im Gegenteil, mit
jeder Bergung ist der Mythos Toplitzsee gewachsen.
Die große NS - Welt gebündelt in einem kleinen See. In den
österreichischen Parlamenten wurden von demokratischen Parlamentariern
neue Gesetze formuliert und mehrheitlich beschlossen, um das Aufdecken
der Nazivergangenheit aus dem Toplitzsee zu verhindern. Kurz, für
den Toplitzsee wurde eigens ein Gesetz für ein exekutierbares Tauchverbot
geschaffen.
Es mußten von den Unterwasserforschern wie Biologen, Historikern,
Journalisten und Tauchern alle denkbar möglichen und unmöglichen
Tricks angewandt werden, um ein kleines Stück Toplitzsee - Unterwelt
zu erkunden.
1956: Die "Befreier" aus den USA sind die ersten, die
das Geheimnis Toplitzsee lüften wollten. Amerikanische CIC Agenten
mit der 2. US - Navy Tauchgruppe aus Cherbourg tauchen in großen
Tiefen. Ein Tauchunfall beendet rasch den Bergeversuch.
1959: Der Journalist Wolfgang Löhde und die Illustrierte
Stern organisieren die erste erfolgreiche Bergeaktion, die aus "irgendwelchen"
Gründen sehr rasch abgebrochen werden muß. Die Berichtserie
"Geld wie Heu" geht durch die ganze Welt und über Nacht
ist der Toplitzsee in aller Munde.
1959: Franz Antel dreht den erfolgreichen Film "Der Schatz
vom Toplitzsee", mit den Darstellern Joachim Hansen, Sabine Sesselmann,
Gert Fröbe, Hannelore Bellmann, Werner Peters, Til Kiwe, uvm.
1963: Am 10. 06. um 5 Uhr früh verunglückt der Taucher
Adolf Egner aus Haar bei München tödlich. Die Organisatoren des
geheimen, nächtlichen Bergeeinsatzes sind Herr Georg Freiberg aus
Starnberg - im Krieg diente er in der Abwehr Admiral Wilhelm Canaris, Abteilung
II. Sabotage Aktionen, Kompanie V. 800, später Division Brandenburg,
II. West - und Herr Dr. Schmidt aus Bonn, der gute Kontakte zur Organisation
Gehlen, dem Deutschen Nachrichtendienst der Nachkriegszeit, unterhalten
haben soll.
1963: Das österreichische Innenministerium ordnet die Suche
nach Adolf Egner und eine gründliche Reinigung von NS- Gütern
an. Am 31. 10. finden sie Egner auf einer Tiefe von 57 m. Von 2 Helmtauchern
wird er noch am gleichen Tag geborgen, ebenso wie ca. 50 NS - Objekte,
Kisten und Materialien.
1978: Großeinsatz der Spezialtaucher des Entminungsdienstes
- Innenministerium mit Tauchbasisleiter Gerhard Zauner. 3 Anker - Minen,
Raketenteile, Waffen, Raketentreibsätze und Sprengladungen werden
geborgen.

1980: Taucheinsatz des Entminungsdienstes - Innenministerium
mit Tauchbasisleiter Gerhard Zauner. Eine Granate wird geborgen, die sich
später, als der Schutzdeckel abgenommen wird, als Vermessungsinstrument
entpuppt.
1981, 28. Juni: Großeinsatz der Spezialtaucher des Entminungsdienstes
- Innenministerium mit Tauchbasisleiter Gerhard Zauner. Wunderwaffen Unterwasser
- Raketen werden geborgen.


1982: Im März erscheint vom Journalisten Thomas Wartmann
der authentischste Bericht über den Toplitzsee in der Lesezeitung
Trans - Atlantik.
1983: Im Juli taucht Prof. DDr. Hans Fricke mit seinem Forschungs
U - Boot GEO im Zuge einer Alpensee Forschungstour das erste Mal mehrere
Wochen hindurch auch im Toplitzsee. Neben verschiedenen Messungen und Untersuchungen
werden neuartige Bakterien entdeckt und - als biologische Weltsensation
- der Toplitzseewurm, der in einer Schwefelwasserstoff - Substanz ohne
Sauerstoff lebt. Die Weltpresse interessiert dieser Wurm überhaupt
nicht. - Wo ist der deutsche Reichsschatz? Das ist das Toplitzsee Thema!
1984: Mehrere Wochen dauert im November der zweite Taucheinsatz
des Prof. DDr. Hans Fricke mit dem Forschungsboot GEO. Das Pionierbataillon
3 aus Salzburg und die Heerestaucher bergen, unterstützt vom Forschungsboot
GEO, Unmengen von NS - Forschungsgeräten, NS - Kriegsrelikten und
Falschgeld. Das Falschgeld und alle Dokumente wurden laut richterlichem
Beschluß in Wien verbrannt. Warum?
1986: Am 25. Und 26. Oktober taucht das U - Boot " Austria"
des Dipl. Ing. Bernd Doppler im Toplitzsee. Rasch endete auch dieser Einsatz.
Was fanden sie?
1987, 1. April: Schlagzeile auf den Titelseiten aller Tageszeitungen:
"Toplitzsee - Geheimnis gelüftet, Nazi - Gold geborgen!"
Die Fotos von Tauchbasisleiter Zauner und seinen Freunden mit den geborgenen
Goldbarren sind eine Sensation und alle Medien berichten über den
Erfolg. "April, April" - ein absolut gelungener Aprilscherz!
1987: Am 2. Oktober transportieren 40 Mann des Pionierbataillon
3 aus Salzburg einen 12 t schweren Bagger über ein Ponton zur Südwestseite
des Sees. Dort soll ab 3. Oktober mit der Öffnung des geheimen Kriegsbunkers
begonnen werden. Einheimische erinnern sich, daß im Bunker Kisten
mit der Aufschrift Munition lagerten.
Tatsache ist, daß in den Kriegsjahren 4.700 Kisten mit Reichsgold
in Munitionsbehältern verschwunden waren.
1989, 24. April: Die TV Firma aus Los Angeles USA, Kusch na Looky,
dreht den Film "HUNT For Stolen War Treasures" und sendet live
mit Moderator Michael York. Bei den Dreharbeiten erleidet der bekannte
Höhlenforscher und Mischgastaucher Jochen Hasemaier einen Dekompressionsunfall.
1991: Die Cousteau Society dreht einen TV Film über den
Rhein-Main-Donau-Kanal ins Schwarze Meer, "Vom Morgenland ins Abendland".
Zu Besuch sind die Tauchpioniere Captain PhilippeTailliez, der französische
Präsident Daniel Mercier und der italienische Präsident Roberto
Dei.
1996: Das hochwissenschaftliche Drachenungeheuer "Wurli"
aus dem Toplitzsee erscheint auf dem TV Schirm des Senders ARD 1, Redaktion
"Verstehen Sie Spaß". Alle Tageszeitungen berichten über
das Seeungeheuer und fallen auf den TV Schwindel hinein.
2000: Am 15. Jänner trifft die Unterwasser - Legende Ridgely
Albaugh von Oceaneering, einer weltweit operierenden Profi Tauchfirma,
am Toplitzsee ein. Wie schon so viele Fachexperten zuvor, wollen jetzt
sie das Geheimnis des Toplitzsees lüften. Der US - TV Sender CBS wird
das teure Projekt Toplitzsee finanzieren und weltweit darüber berichten,
dabei auch sicher hohe Gewinne erzielen.
Beim Tauchen im Toplitzsee ist es wie mit seinen Geschichten, man glaubt
etwas zu wissen, zu sehen, zu spüren, greift hin - und steht im Dunkeln.
Natürlich könnte man mit moderner Technik den See ausräumen.
Alles kann in jeder Tiefe - auch im Schlamm - gefunden werden. Es gibt
heute Mischgastaucher, die bis 300m Tiefe sicher tauchen, Digitalsonden,
die den Faulschlamm und Seeboden und alles, was dazwischen liegt, bis zum
Mutterfelsen dreidimensional digital aufzeichnen. Es gibt tiefseetaugliche
ferngesteuerte Videokameras, Taucherglocken und Mini U - Boote, alles sichere
Technik zum erforschen des "Top Secret - Sees".
Trotz aller Technik und Spezialtaucheinsätze wird der Toplitzsee
sein Geheimnis für ewig behalten, und das ist gut so.
Was würde denn aus "Loch Ness" werden, wenn das Biest
eines Tages in einem schottischen Vorgarten zum Trocknen hinge?
© Text by Gerhard Zauner (mit freundlicher Genehmigung), Tauchpark
Dachstein Salzkammergut; http://www.zauner-online.at
© Bilder2002 by Harald Mathä
Weitere Infos auch hier: http://www.toplitzsee.at
!!! Allen jetzt neugierig Gewordenen sei gesagt, dass im Toplitzsee ABSOLUTES TAUCHVERBOT
BESTEHT !!!
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