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 Geschrieben von Jessica

Nachdem ich gerade ein Woche Kreuzfahrt vor dem Sinai hinter mir hatte, wollte ich ein Woche Tauchurlaub vom Festland anhängen. Ich entschied mich für das Hotel Lotus Bay in Safaga mit der dazugehörigen Barakuda Tauchbasis.

Ich nahm von Sharm El Sheik am Montag, den 06.05.2002, die Turbofähre nach Hurghada, wo mich der Chef, Mahmoud, persönlich in Empfang nahm.

Da es bereits 21 Uhr war, als ich ankam, bezog ich mein Zimmer und ging zum Abendessen. Das Einchecken an der Tauchbasis sollte am nächsten Tag erfolgen.

Auf dem Weg zum Abendessen habe ich mich zunächst einmal verlaufen. Die Hotelanlage ist sehr weitläufig und besteht aus einzelnen, zweistöckigen Gebäudekomplexen, die durch Wege miteinander verbunden sind. Doch im Endeffekt führen doch alle Wege zum Essen :-)

Das Hotelareal ist sehr schön begrünt. Man kann es sich kaum vorstellen, dass direkt vor der Hotelrezeption die Wüste beginnt. Den ganzen Tag sind ein dutzend Gärtner damit beschäftigt, Büsche zu schneiden, zu pflanzen, umzugraben, Beete anzulegen und natürlich insbesondere zu gießen. Aber sie haben ein Wunder vollbracht. Die Anlage ist wirklich wunderschön.

Das Essen ist auch umwerfend. Alle Mahlzeiten in Buffetform, das Abendessen steht immer unter einem anderen Motto, so gab es z.B. ein französisches Buffet, ein Fischbuffet und viele andere leckere Dinge. Vor allem aber ein riesiges Salatbuffet, an dem es auch Blattsalat gab (eine echte Rarität). Den grössten Andrang gab es jedoch immer am Süßspeisenbuffet mit seiner reichhaltigen Auswahl.

Am nächsten Morgen stand das Check-in auf dem Plan. Brevet, Loggbuch und ärztliches Attest wurden eingesehen, Blei und eine Box für das Equipment ausgegeben, sowie ein allgemeines Basenbriefing über den Tagesablauf abgehalten.

Ein besonderes Feature ist das Angebot, eine Versicherung für Tauchunfälle abzuschließen. Diese kostet 6 US-$, ist für drei Wochen gültig und stellt die tauchmedizinische Versorgung in den Druckkammerzentren El-Gouna, Safaga oder Marsa Alam (siehe dazu auch diesen Link) sicher. Von den Einnahmen finanziert die Gesellschaft nicht nur ihre Ärzte, sondern veranstaltet auch tauchmedizinische Fortbildungen für Ärzte und Tauchlehrer. Außerdem bieten sie Tauchtauglichkeitsuntersuchungen an, die Druckkammer ist 24 Stunden besetzt.

Die Basis bildet nach Richtlinien von PADI, SSI und Barakuda (CMAS) aus.

Nachdem ich mein Tauchgepäck in meine Box umgepackt und den Bleigurt befüllt hatte, ging es auch schon los. Ich war der "Tornado" zugeteilt, dem größten Boot, das die Basis derzeit in Betrieb hatte. Grundsätzlich werden am morgen Bootslisten ausgehängt, an denen jeder ablesen kann, welchem Boot er zugeteilt ist. Nach Möglichkeit ist dies während des Urlaubs immer das gleiche Boot. Die Box wird auf einen Pickup geladen, der diese zum 80m entfernten Anleger bringt. Dort nimmt man sie wieder in Empfang und trägt sie auf sein Boot.

Je nach Andrang stellt die Basis bis zu 8 Boote zur Verfügung, die je nach Größe max. 20 Taucher aufnehmen können. Um 8:30 wird (meistens sogar pünktlich) ausgelaufen. Rückkehr ist je nach Tauchziel 16-17h.

Mein erster Tauchplatz war ein Innenriff. Ich wurde einer Taucherin zugeteilt, die ebenfalls am Vortage angereist war, was sich als Glücksgriff erwies, denn sie hatte nicht nur die gleichen Vorstellungen in Bezug auf Tauchtiefe, -verhalten und -länge, sie hatte auch noch den gleichen niedrigen Luftverbrauch wie ich. So kam es, dass wir den ein oder anderen TG bis zu 100 Minuten ausdehnten, da es keine Zeitbegrenzung gab. Beim zweiten TG wurde, je nach Guide, eine Maximallänge von 60 Minuten erbeten, da ja noch zurückgefahren werden mußte! Getaucht wird Grundsätzlich mit kurzen 12l-Stahlflaschen (INT und DIN), was sich natürlich deutlich bei der benötigten Bleimenge bemerkbar macht! Bei entsprechendem Verbrauch, gibt es in Ausnahmefällen 15l-Flaschen. Zunächst gab es ein Bootsbriefing und einen Hinweis auf die vorhandene Sauerstoff-Flasche.

Für den ersten TG stand ein kleiner Checkdive an, wo die Maske komplett abgenommen, aufgesetzt und ausgeblasen werden mußte, außerdem Oktopusatmung. Danach durften wir unseren TG dem Briefing entsprechend alleine durchführen. Die TG sind in der Regel keine Rudeltauchgänge. Die Briefings sind sehr gründlich und werden mit Hilfe von Zeichnungen des Riffs abgehalten, je nach Guide allerdings auf englisch. Jedes Buddyteam geht für sich separat ins Wasser und taucht seine eigene Route, die besonders bei Innenriffen, variabel gestaltet werden kann. Ein Kompass ist unbedingt empfehlenswert! Da an den meisten Tauchplätzen mehrere Boote liegen, wird an allen Booten ein Schild mit der Aufschrift "Lotus Bay Safaga" und dem Bild des Maskottchens der Basis an einem Seil abgelassen, so dass man sein Boot auf jeden Fall wiederfinden kann.

Nach dem TG gibt es eine ca. 2 bis 2,5-stündige Oberflächenpause, in der man nach Wunsch für 15 LE (ca. 3,50 €) ein Mittagessen in Buffetform bekommt, das an Bord zubereitet wird. Für den zweiten TG wird das Boot an einen anderen Ankerplatz verlegt, so dass man nicht am selben Platz zweimal tauchen muß. Die Crew ist äußerste kompetent. Sie hält einem das Gerät, während man selbst ins Jacket schlüpft und nach dem Auftauchen bauen sie sofort die Flasche ab, kaum, dass man senkrecht steht und reichen eine neue, volle.

Die Innenriffe haben durch die intensive Betauchung leider schon einen Schaden erlitten. Es gibt einiges an Korallenbruch. Die Außenriffe sind allerdings noch weitgehend intakt und auch vom Korallenbewuchs, strömungsbedingt, deutlich interessanter. Doch auch die meist strömungsarmen Innenriffe haben ihren Reiz, im direkten Vergleich zu den Riffen vor dem Sinai müssen sie allerdings kapitulieren.

Nach der Rückkehr in den Hafen, wartet man an der Basis bei einem Drink auf seine Box, schreibt sein Logbuch und bespricht die Taucherlebnisse mit anderen Tauchern. Wenn die Box kommt, kann man sein Gerödel in zwei großzügigen Süßwasserbecken spülen und an einem der zahlreichen Bügel aufhängen. Das Areal für das Equipment wird über Nacht verschlossen.

Der zweite Tauchtag führte uns wieder zu einem Innenriff, da wir einem OWD-Kurs an Bord hatten, der seinen ersten Freiwasser-TG vom Boot aus machte. Dort hatten wir das Glück, eine Schildkröte, sowie einen Napoleon stattlicher Größe zu beobachten.

Am vierten Tag stand das Middle Reef auf dem Plan. Leider war so gut wie gar keine Strömung, so dass der geplante Drift-Dive ausfallen musste. Der Flachbereich dieses Riffes ist sehr schön bewachsen, in der Nähe der Ankerstellen sieht man jedoch schon deutliche Schäden. Je weiter man sich von den Ankerstellen entfernt, desto besser wird es jedoch und der Fischreichtum nimmt zu.

Am vierten Tauchtag wurde uns etwas ganz besonders angekündigt. Das gewünschte Panorama Reef oder das abgelegene Außenriff Abu Kafan wurden erneut nicht angefahren, obwohl es seit zwei Tagen ausdrücklich von mehreren Personen gewünscht wurde. Begründung: Es ist ein AOWD-Kurs an Bord. Statt dessen fuhren wir zum recht weit im Norden gelegenen Sha'ab Saiman. Wie man uns sagte, seien dort immer Haie, mit etwas Glück sogar Hammerhaie. Sogar Mantas seien dort schon öfters gesehen worden. So eingestimmt, sind wir frohen Mutes dorthin geschippert. Beim Briefing allerdings bekamen wir zu hören, dass die Tauchlehrerin, die unser Guide war, selbst noch nicht an diesem Platz gewesen war, aber gehört hatte, dass es hier sehr schön sein solle.... Dementsprechend ankerten wir an der falschen Stelle (Grund unter dem Boot bei 25m, Abbruchkante mit Überhängen, wo Haie sein sollten, erst nach 15min. Tauchzeit), tauchten in die falsche Richtung (ich habe mich später mit einem einheimische Guide darüber unterhalten, wie der TG hätte verlaufen sollen) und haben nichts besonderes gesehen, außer einem Barakuda und einen schönen Korallengarten im 10m-Bereich. Der zweite Tauchgang an diesem Tag sollte ein Strömungstauchgang sein. Das Boot wollte uns absetzen, dann einen Ankerplatz am Ende des Riffes anfahren und den AOWD-Kurs dort absetzen, für den "Suchen und Bergen" auf dem Plan stand. Leider drückte die Strömung die Ankerleine auf das Riffdach, so dass ein Ankern nicht möglich war. Ein Sprung/Erklettern des nicht ankerndes Bootes wurde der Tauchgruppe verweigert, mit der Begründung, der AOWD-Kurs müsse unbedingt sein "Suchen und Bergen" durchführen. Es wurde als ein strömungsfreies, naheliegendes Riff mit Sandgrund angefahren, das schon vom Boot aus sehr langweilig wirkte. Obwohl die meisten Taucher an Bord nicht begeistert waren und dies auch kundtaten, fand der Tauchgang hier statt. Es war erwartungsgemäss öde, die Stimmung an Bord dementsprechend! Meine "Beschwerde" bei der Basenleitung, ein paar Tage später, fand im übrigen Gehör. Die Tauchlehrerin hatte fortan bei ihr unbekannten Tauchplätzen jemanden Erfahrenen dabei. Wie ich herausfand, war sie selbst erst seit 6 Wochen vor Ort. Für den nächsten Tag wurde uns von ihr "eventuell das Panorama Reef" versprochen.

Der fünfte Tauchtag begann, wie immer, mit einem Blick auf den Bootsplan und der Erkenntnis, dass wir diesmal einen Rescue-Diver-Kurs an Bord haben sollten. Meine Tauchpartnerin und ich wechselten nur einen Blick und uns war klar, dass es auch heute nicht zum Panorama-Reef gehen würde. Wir verstauten unsere Kisten an Bord und als die Tauchlehrerin an Bord kam bestätigte sich unser Verdacht. Sie wollte jedoch ein recht unbekanntes Riff, relativ weit im Süden anfahren. Unsere Frage, ob sie dort selbst schon einmal gewesen sei, verneinte sie. So sprach ich den ägyptischen Guide des Nachbarbootes an, wohin er fahren würde. Er wollte ans Panorama-Reef. Wir beide überlegten nicht lange, griffen unser Equipment und wechselten kurzerhand das Boot! Am Abend erfuhren wir dann, dass doch nicht das Riff im Rüden angefahren worden war, sondern erneut ein Innenriff. Erst auf massiven Druck der Taucher wurde das Boot dann zum Nachmittags-TG doch noch dorthin verlegt!

Das Panorama-Riff hingegen war der erste Tauchgang vor Safaga an einem echte Außenriff mit Steilwandcharakter. Die Strömung war mäßig und so hatten wir zwei wunderbare TG dort. Das Briefing, durch den langjährig erfahrenen ägyptischen Guide, war exzellent. An Bord herrschte zudem eine viel lockere Stimmung als auf der "Tornado". Wir hatten viel Spaß! So flogen diverse Taucher, der Guide und zum Schluß auch Teile der Crew (natürlich in Kleidung) über Bord und alle hatten ihren Spaß dabei! Die Rückfahrt wurde durch die Begleitung einer kleineren Gruppe Delfine gekrönt!

Wir beschlossen, auch am folgenden Tag auf der "Fantasia" zu verbleiben.

Am Abend fand dann noch ein Nachttauchgang statt. Dieser war wunderschön, nur leider auf 45 Minuten begrenzt. Wir haben eine Sepia-Familie, sowie einen Oktopus als besondere Highlights gesehen.

An diesem Tag habe ich intensiv nach unserem Redakteur Harry aussschau gehalten, der auch zur gleichen Zeit in Safaga weilte, konnte ihn leider auf keinem der Safari-Boote entdecken (an der fehlenden Haarpracht hätte ich ihn eigentlich sofort erkennen müssen! :-)

Der sechste und mein letzter Tauchtag begann damit, dass Mahmoud, der Basenchef, das Schiff klaute. Unser Kapitän befand sich auf dem Bord des Nachbarschiffes "Tornado" und wartete auf die alltägliche Erlaubnis zum Auslaufen von der Hafenpolizei, als Mahmoud mit dem Bordbuch vom Skipper unbemerkt an Bord kam, sich das Ruder schnappte, die Leinen losmachen ließ und ablegte. Natürlich unter lauten gejohle und anfeuereugsrufen unsererseits Der Skipper hat nicht schlecht gestaunt und die "Tornado" nahm die Verfolgung auf. Nach einer viertelstündigen Verfolgungsfahrt drosselte Mahmoud schließlich das Tempo und in einer waghalsigen Kletteraktion enterte unser eigentlicher Kapitän das Boot. Schade, wenn es nach uns gegangen wäre, dann hätte die Verfolgungsjagd ruhig noch etwas andauern können. Wir überlegten dann, ob wir Mahmoud zurück schwimmen lassen wollten, aber wir waren dann nicht so und haben ihn zum Hafen zurückgebracht.

Dieser Tauchtag war wieder etwas außergewöhnliches. Wir fuhren Abu Kafan an, ein Tauchplatz extrem weit im Süden. Es war sehr windig und der Guide meinte, bei diesem Wind würde niemand dorthin auslaufen und wir hätten das Riff sicher für uns alleine. So war es dann auch. Außer uns nur ein Boot - und das legte gerade ab. Aufgrund des Windes und Wellenganges beschloß der Guide, aus Sicherheitsgründen an der Innenseite des Riffes zu tauchen, was an sich aber kein Problem war, da die Strömung das Riff umkreiste und sich auch auf dieser Seite ein Drop-Off bis auf 3000m unter dem Boot befand. Hier war das Riff noch absolut intakt, man merkte deutlich, dass hier selten ein Boot anlegt, da es 2,5h Fahrzeit von Safaga entfernt ist. Dort haben wir dann auch einen Hai gesehen, der die Ruhe unter Wasser sichtlich genoß.

Auf der Hinfahrt gab es wieder eine Delfin-Begleitung, diesmal eine größere Gruppe, die leider relativ zügig wieder verschwand.

Alles in allem muß man sagen, dass das Tauchen in der Barakuda-Basis sehr gut organisiert ist! Wenn man einen Kritikpunkt hat, kann man sich jederzeit an Mahmoud wenden und es ist gesichert, dass er sich darum bemüht, diesen Mißstand aufzuheben! Das einzige in der Region liegende Wrack ist das der vor 11 Jahren gesunkenen Salem Express, das jedoch nur im Rahmen des Early Morning Dive angefahren wird, außer man findet genug Personen, die bereit sind, dort zu tauchen, so dass auch mal eine Normal-Tour dorthin organisiert wird.

Die Basis bietet außerdem Kreuzfahrten auf der "Millennium" an, die meist in den Süden, zu den Brothers, aber auch in den Norden Richtung Thistlegorm, gehen.

Weiter Informationen zur Basis:
www.barakuda-diving.com
www.tauchen-meer.de
Kontakt: Mahmoud@red-sea.com (auch in deutsch)


Infos

Was ist so schön am Sinai? Nur Tauchen? Oder auch mehr? Unser Sinai-Führer gibt Auskunft. Hier gibt es jede Menge Infos zu Tauchplätzen und Tauchbasen, viele Verweise in unsere Datenbanken und jede Menge Links zum Thema


02.12.2008 14:08 Taucher Online : 154
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