Nachdem ich gerade ein Woche Kreuzfahrt vor dem Sinai hinter mir hatte,
wollte ich ein Woche Tauchurlaub vom Festland anhängen. Ich entschied
mich für das Hotel Lotus Bay in Safaga mit der dazugehörigen
Barakuda Tauchbasis.
Ich nahm von Sharm El Sheik am Montag, den 06.05.2002, die Turbofähre
nach Hurghada, wo mich der Chef, Mahmoud, persönlich in Empfang nahm.
Da es bereits 21 Uhr war, als ich ankam, bezog ich mein Zimmer und ging
zum Abendessen. Das Einchecken an der Tauchbasis sollte am nächsten
Tag erfolgen.
Auf dem Weg zum Abendessen habe ich mich zunächst einmal verlaufen.
Die Hotelanlage ist sehr weitläufig und besteht aus einzelnen, zweistöckigen
Gebäudekomplexen, die durch Wege miteinander verbunden sind. Doch
im Endeffekt führen doch alle Wege zum Essen :-)
Das Hotelareal ist sehr schön begrünt. Man kann es sich kaum
vorstellen, dass direkt vor der Hotelrezeption die Wüste beginnt.
Den ganzen Tag sind ein dutzend Gärtner damit beschäftigt, Büsche
zu schneiden, zu pflanzen, umzugraben, Beete anzulegen und natürlich
insbesondere zu gießen. Aber sie haben ein Wunder vollbracht. Die
Anlage ist wirklich wunderschön.
Das Essen ist auch umwerfend. Alle Mahlzeiten in Buffetform, das Abendessen
steht immer unter einem anderen Motto, so gab es z.B. ein französisches
Buffet, ein Fischbuffet und viele andere leckere Dinge. Vor allem aber
ein riesiges Salatbuffet, an dem es auch Blattsalat gab (eine echte Rarität).
Den grössten Andrang gab es jedoch immer am Süßspeisenbuffet
mit seiner reichhaltigen Auswahl.




Am nächsten Morgen stand das Check-in auf dem Plan. Brevet, Loggbuch
und ärztliches Attest wurden eingesehen, Blei und eine Box für
das Equipment ausgegeben, sowie ein allgemeines Basenbriefing über
den Tagesablauf abgehalten.

Ein besonderes Feature ist das Angebot, eine Versicherung für Tauchunfälle
abzuschließen. Diese kostet 6 US-$, ist für drei Wochen gültig
und stellt die tauchmedizinische Versorgung in den Druckkammerzentren El-Gouna,
Safaga oder Marsa Alam (siehe
dazu auch diesen Link) sicher. Von den Einnahmen finanziert die Gesellschaft
nicht nur ihre Ärzte, sondern veranstaltet auch tauchmedizinische
Fortbildungen für Ärzte und Tauchlehrer. Außerdem bieten
sie Tauchtauglichkeitsuntersuchungen an, die Druckkammer ist 24 Stunden
besetzt.



Die Basis bildet nach Richtlinien von PADI, SSI und Barakuda (CMAS)
aus.
Nachdem ich mein Tauchgepäck in meine Box umgepackt und den Bleigurt
befüllt hatte, ging es auch schon los. Ich war der "Tornado"
zugeteilt, dem größten Boot, das die Basis derzeit in Betrieb
hatte. Grundsätzlich werden am morgen Bootslisten ausgehängt,
an denen jeder ablesen kann, welchem Boot er zugeteilt ist. Nach Möglichkeit
ist dies während des Urlaubs immer das gleiche Boot. Die Box wird
auf einen Pickup geladen, der diese zum 80m entfernten Anleger bringt.
Dort nimmt man sie wieder in Empfang und trägt sie auf sein Boot.


Je nach Andrang stellt die Basis bis zu 8 Boote zur Verfügung,
die je nach Größe max. 20 Taucher aufnehmen können. Um
8:30 wird (meistens sogar pünktlich) ausgelaufen. Rückkehr ist
je nach Tauchziel 16-17h.
Mein erster Tauchplatz war ein Innenriff. Ich wurde einer Taucherin
zugeteilt, die ebenfalls am Vortage angereist war, was sich als Glücksgriff
erwies, denn sie hatte nicht nur die gleichen Vorstellungen in Bezug auf
Tauchtiefe, -verhalten und -länge, sie hatte auch noch den gleichen
niedrigen Luftverbrauch wie ich. So kam es, dass wir den ein oder anderen
TG bis zu 100 Minuten ausdehnten, da es keine Zeitbegrenzung gab. Beim
zweiten TG wurde, je nach Guide, eine Maximallänge von 60 Minuten
erbeten, da ja noch zurückgefahren werden mußte! Getaucht wird
Grundsätzlich mit kurzen 12l-Stahlflaschen (INT und DIN), was sich
natürlich deutlich bei der benötigten Bleimenge bemerkbar macht!
Bei entsprechendem Verbrauch, gibt es in Ausnahmefällen 15l-Flaschen.
Zunächst gab es ein Bootsbriefing und einen Hinweis auf die vorhandene
Sauerstoff-Flasche.
Für den ersten TG stand ein kleiner Checkdive an, wo die Maske
komplett abgenommen, aufgesetzt und ausgeblasen werden mußte, außerdem
Oktopusatmung. Danach durften wir unseren TG dem Briefing entsprechend
alleine durchführen. Die TG sind in der Regel keine Rudeltauchgänge.
Die Briefings sind sehr gründlich und werden mit Hilfe von Zeichnungen
des Riffs abgehalten, je nach Guide allerdings auf englisch. Jedes Buddyteam
geht für sich separat ins Wasser und taucht seine eigene Route, die
besonders bei Innenriffen, variabel gestaltet werden kann. Ein Kompass
ist unbedingt empfehlenswert! Da an den meisten Tauchplätzen mehrere
Boote liegen, wird an allen Booten ein Schild mit der Aufschrift "Lotus
Bay Safaga" und dem Bild des Maskottchens der Basis an einem Seil
abgelassen, so dass man sein Boot auf jeden Fall wiederfinden kann.

Nach dem TG gibt es eine ca. 2 bis 2,5-stündige Oberflächenpause,
in der man nach Wunsch für 15 LE (ca. 3,50 €) ein Mittagessen in Buffetform
bekommt, das an Bord zubereitet wird. Für den zweiten TG wird das
Boot an einen anderen Ankerplatz verlegt, so dass man nicht am selben Platz
zweimal tauchen muß. Die Crew ist äußerste kompetent.
Sie hält einem das Gerät, während man selbst ins Jacket
schlüpft und nach dem Auftauchen bauen sie sofort die Flasche ab,
kaum, dass man senkrecht steht und reichen eine neue, volle.
Die Innenriffe haben durch die intensive Betauchung leider schon einen
Schaden erlitten. Es gibt einiges an Korallenbruch. Die Außenriffe
sind allerdings noch weitgehend intakt und auch vom Korallenbewuchs, strömungsbedingt,
deutlich interessanter. Doch auch die meist strömungsarmen Innenriffe
haben ihren Reiz, im direkten Vergleich zu den Riffen vor dem Sinai müssen
sie allerdings kapitulieren.

Nach der Rückkehr in den Hafen, wartet man an der Basis bei einem
Drink auf seine Box, schreibt sein Logbuch und bespricht die Taucherlebnisse
mit anderen Tauchern. Wenn die Box kommt, kann man sein Gerödel in
zwei großzügigen Süßwasserbecken spülen und
an einem der zahlreichen Bügel aufhängen. Das Areal für
das Equipment wird über Nacht verschlossen.

Der zweite Tauchtag führte uns wieder zu einem Innenriff, da wir
einem OWD-Kurs an Bord hatten, der seinen ersten Freiwasser-TG vom Boot
aus machte. Dort hatten wir das Glück, eine Schildkröte, sowie
einen Napoleon stattlicher Größe zu beobachten.
Am vierten Tag stand das Middle Reef auf dem Plan. Leider war so gut
wie gar keine Strömung, so dass der geplante Drift-Dive ausfallen
musste. Der Flachbereich dieses Riffes ist sehr schön bewachsen, in
der Nähe der Ankerstellen sieht man jedoch schon deutliche Schäden.
Je weiter man sich von den Ankerstellen entfernt, desto besser wird es
jedoch und der Fischreichtum nimmt zu.

Am vierten Tauchtag wurde uns etwas ganz besonders angekündigt.
Das gewünschte Panorama Reef oder das abgelegene Außenriff Abu
Kafan wurden erneut nicht angefahren, obwohl es seit zwei Tagen ausdrücklich
von mehreren Personen gewünscht wurde. Begründung: Es ist ein
AOWD-Kurs an Bord. Statt dessen fuhren wir zum recht weit im Norden gelegenen
Sha'ab Saiman. Wie man uns sagte, seien dort immer Haie, mit etwas Glück
sogar Hammerhaie. Sogar Mantas seien dort schon öfters gesehen worden.
So eingestimmt, sind wir frohen Mutes dorthin geschippert. Beim Briefing
allerdings bekamen wir zu hören, dass die Tauchlehrerin, die unser
Guide war, selbst noch nicht an diesem Platz gewesen war, aber gehört
hatte, dass es hier sehr schön sein solle.... Dementsprechend ankerten
wir an der falschen Stelle (Grund unter dem Boot bei 25m, Abbruchkante
mit Überhängen, wo Haie sein sollten, erst nach 15min. Tauchzeit),
tauchten in die falsche Richtung (ich habe mich später mit einem einheimische
Guide darüber unterhalten, wie der TG hätte verlaufen sollen)
und haben nichts besonderes gesehen, außer einem Barakuda und einen
schönen Korallengarten im 10m-Bereich. Der zweite Tauchgang an diesem
Tag sollte ein Strömungstauchgang sein. Das Boot wollte uns absetzen,
dann einen Ankerplatz am Ende des Riffes anfahren und den AOWD-Kurs dort
absetzen, für den "Suchen und Bergen" auf dem Plan stand.
Leider drückte die Strömung die Ankerleine auf das Riffdach,
so dass ein Ankern nicht möglich war. Ein Sprung/Erklettern des nicht
ankerndes Bootes wurde der Tauchgruppe verweigert, mit der Begründung,
der AOWD-Kurs müsse unbedingt sein "Suchen und Bergen" durchführen.
Es wurde als ein strömungsfreies, naheliegendes Riff mit Sandgrund
angefahren, das schon vom Boot aus sehr langweilig wirkte. Obwohl die meisten
Taucher an Bord nicht begeistert waren und dies auch kundtaten, fand der
Tauchgang hier statt. Es war erwartungsgemäss öde, die Stimmung
an Bord dementsprechend! Meine "Beschwerde" bei der Basenleitung,
ein paar Tage später, fand im übrigen Gehör. Die Tauchlehrerin
hatte fortan bei ihr unbekannten Tauchplätzen jemanden Erfahrenen
dabei. Wie ich herausfand, war sie selbst erst seit 6 Wochen vor Ort. Für
den nächsten Tag wurde uns von ihr "eventuell das Panorama Reef"
versprochen.

Der fünfte Tauchtag begann, wie immer, mit einem Blick auf den
Bootsplan und der Erkenntnis, dass wir diesmal einen Rescue-Diver-Kurs
an Bord haben sollten. Meine Tauchpartnerin und ich wechselten nur einen
Blick und uns war klar, dass es auch heute nicht zum Panorama-Reef gehen
würde. Wir verstauten unsere Kisten an Bord und als die Tauchlehrerin
an Bord kam bestätigte sich unser Verdacht. Sie wollte jedoch ein
recht unbekanntes Riff, relativ weit im Süden anfahren. Unsere Frage,
ob sie dort selbst schon einmal gewesen sei, verneinte sie. So sprach ich
den ägyptischen Guide des Nachbarbootes an, wohin er fahren würde.
Er wollte ans Panorama-Reef. Wir beide überlegten nicht lange, griffen
unser Equipment und wechselten kurzerhand das Boot! Am Abend erfuhren wir
dann, dass doch nicht das Riff im Rüden angefahren worden war, sondern
erneut ein Innenriff. Erst auf massiven Druck der Taucher wurde das Boot
dann zum Nachmittags-TG doch noch dorthin verlegt!

Das Panorama-Riff hingegen war der erste Tauchgang vor Safaga an einem
echte Außenriff mit Steilwandcharakter. Die Strömung war mäßig
und so hatten wir zwei wunderbare TG dort. Das Briefing, durch den langjährig
erfahrenen ägyptischen Guide, war exzellent. An Bord herrschte zudem
eine viel lockere Stimmung als auf der "Tornado". Wir hatten
viel Spaß! So flogen diverse Taucher, der Guide und zum Schluß
auch Teile der Crew (natürlich in Kleidung) über Bord und alle
hatten ihren Spaß dabei! Die Rückfahrt wurde durch die Begleitung
einer kleineren Gruppe Delfine gekrönt!
Wir beschlossen, auch am folgenden Tag auf der "Fantasia"
zu verbleiben.
Am Abend fand dann noch ein Nachttauchgang statt. Dieser war wunderschön,
nur leider auf 45 Minuten begrenzt. Wir haben eine Sepia-Familie, sowie
einen Oktopus als besondere Highlights gesehen.
An diesem Tag habe ich intensiv nach unserem Redakteur Harry aussschau
gehalten, der auch zur gleichen Zeit in Safaga weilte, konnte ihn leider
auf keinem der Safari-Boote entdecken (an der fehlenden Haarpracht hätte
ich ihn eigentlich sofort erkennen müssen! :-)
Der sechste und mein letzter Tauchtag begann damit, dass Mahmoud, der
Basenchef, das Schiff klaute. Unser Kapitän befand sich auf dem Bord
des Nachbarschiffes "Tornado" und wartete auf die alltägliche
Erlaubnis zum Auslaufen von der Hafenpolizei, als Mahmoud mit dem Bordbuch
vom Skipper unbemerkt an Bord kam, sich das Ruder schnappte, die Leinen
losmachen ließ und ablegte. Natürlich unter lauten gejohle und
anfeuereugsrufen unsererseits Der Skipper hat nicht schlecht gestaunt und
die "Tornado" nahm die Verfolgung auf. Nach einer viertelstündigen
Verfolgungsfahrt drosselte Mahmoud schließlich das Tempo und in einer
waghalsigen Kletteraktion enterte unser eigentlicher Kapitän das Boot.
Schade, wenn es nach uns gegangen wäre, dann hätte die Verfolgungsjagd
ruhig noch etwas andauern können. Wir überlegten dann, ob wir
Mahmoud zurück schwimmen lassen wollten, aber wir waren dann nicht
so und haben ihn zum Hafen zurückgebracht.
Dieser Tauchtag war wieder etwas außergewöhnliches. Wir fuhren
Abu Kafan an, ein Tauchplatz extrem weit im Süden. Es war sehr windig
und der Guide meinte, bei diesem Wind würde niemand dorthin auslaufen
und wir hätten das Riff sicher für uns alleine. So war es dann
auch. Außer uns nur ein Boot - und das legte gerade ab. Aufgrund
des Windes und Wellenganges beschloß der Guide, aus Sicherheitsgründen
an der Innenseite des Riffes zu tauchen, was an sich aber kein Problem
war, da die Strömung das Riff umkreiste und sich auch auf dieser Seite
ein Drop-Off bis auf 3000m unter dem Boot befand. Hier war das Riff noch
absolut intakt, man merkte deutlich, dass hier selten ein Boot anlegt,
da es 2,5h Fahrzeit von Safaga entfernt ist. Dort haben wir dann auch einen
Hai gesehen, der die Ruhe unter Wasser sichtlich genoß.
Auf der Hinfahrt gab es wieder eine Delfin-Begleitung, diesmal eine
größere Gruppe, die leider relativ zügig wieder verschwand.
Alles in allem muß man sagen, dass das Tauchen in der Barakuda-Basis
sehr gut organisiert ist! Wenn man einen Kritikpunkt hat, kann man sich
jederzeit an Mahmoud wenden und es ist gesichert, dass er sich darum bemüht,
diesen Mißstand aufzuheben! Das einzige in der Region liegende Wrack
ist das der vor 11 Jahren gesunkenen Salem Express, das jedoch nur im Rahmen
des Early Morning Dive angefahren wird, außer man findet genug Personen,
die bereit sind, dort zu tauchen, so dass auch mal eine Normal-Tour dorthin
organisiert wird.
Die Basis bietet außerdem Kreuzfahrten auf der "Millennium"
an, die meist in den Süden, zu den Brothers, aber auch in den Norden
Richtung Thistlegorm, gehen.
Weiter Informationen zur Basis:
www.barakuda-diving.com
www.tauchen-meer.de
Kontakt: Mahmoud@red-sea.com (auch
in deutsch) |