Am 15. Dezember 1991 ist Weltuntergang! Nicht? Für manche war dies
dann doch ein sehr bestimmender Tag in ihrem Leben.....
Wie es dazu kam? Nun -alles begann im Juni 1963. Da wurde nämlich
auf der Werft der Ateliers et Chantiers de la Seyne sur Mer im Departement
Var in Frankreich, der Kiel eines 115m langen und 17,83m breiten Schiffes
gestreckt. Dieses Schiff war als Auto-&Passagierfähre ausgelegt
und sollte 230 Autos und 1.256 Passagiere auf einmal befördern können.
Nach der Fertigstellung lief das Schiff am 30. November 1964 vom Stapel
und wurde auf den Namen eines im 2. Weltkrieg von der italienischen Polizeieinheit
OVRA zu Tode gefolterten französischen Widerstandskämpfers Fred
Scamaroni getauft. Zur weiteren Fertigstellung wurde das Schiff nach
Port de Bouc geschleppt, wo vor allem die Innenausstattung eingebaut wurde.
Der Eigentümer -die CGT bzw. Compagnie Générale Transatlantique-
setzte das Dank seiner 14.880 PS starken Maschine bis zu 20 Knoten schnelle
Schiff dann erstmalig am 17. Mai 1966 auf der Strecke von Marseille nach
Ajaccio ein.

Schließlich wurde die Fähre am 1. Juli 1969 an die Compagnie
Générale Transméditerranée verkauft und
ebenfalls im Liniendienst zwischen Frankreich und Korsika eingesetzt. Eine
weitere Veräußerung erfolgt am 16. März 1976 an die Société
Nationale Maritime Corse-Méditerranée, die das Schiff auf
seiner alten Route weiter verkehren läßt. Einige Jahre später
wird im Zuge einer Modernisierung die MS Fred Scamaroni durch die
neue MS Cyrnos ersetzt und wird am 31. Januar 1980 für vier Millionen
US-Dollar an die dänische Ole Lauritzen-Line verkauft, wo sie unter
dem Namen MS Nuits Saint Georges auf der Strecke von Ramsgate nach
Dunkerque eingesetzt wird.Aber auch hier ist nach kurzer Zeit Schluß
und die elf Schiffsoffiziere mitsamt den 63 Mannschaftsmitgliedern müssen
sich einen neuen Arbeitgeber suchen. Schließlich wird die MS Nuits
Saint Georges im November 1981 für 3,6 Millionen Florins von dem
ägyptischen "Lord Maritime Enterprise" gekauft und unter
dem Namen MS Lord Sinai zwischen Aquaba und Suez eingesetzt.
Zwischenzeitlich im Jahre 1984 in MS Al Tahra umbenannt, wird die
Fähre 1988 an die ägyptische Samatour Shipping Company verkauft und MS Salem Express getauft.
Auf der Strecke Suez-Safaga-Jeddah laufend, befand sich die MS Salem
Express am 15. Dezember 1991 gerade auf ihrem Weg von Jeddah in Saudiarabien
nach Port Safaga, als es nur sechs Meilen von Safaga entfernt auf ein Riff
lief und dort auf der Position 26°38`24,5``N /34°03`40,2``E
in eine Tiefe zwischen zehn und 32m sank.
Die Angaben wie viele Passagiere an Bord waren sind höchst unterschiedlich:
Offizielle Stellen sprechen von 690 (offiziell !) verkauften Fahrkarten=
Passagieren- inoffizielle Quellen sprechen davon, dass die Fähre (wie
so oft) hoffnungslos überfüllt war und sich bis zu 3.000 Menschen
an Bord befunden hätten... Der damalige Kapitän Hassan Moro war ein
erfahrener Seemann, der das Kommando der Salem Express von der Reederei
Samatour 1988 übernahm.
Kapitän Moro kannte die Route zwischen Port Safaga und dem Saudi-Arabischen
Hafen Jeddah gut- möglicherweise aber zu gut... Wenn er den Heimathafen
von Port Safaga anlief, fuhr er eine ungewöhnliche Route zwischen
dem Festland und Shab Sheer (=Hyndman Reef ). Diese riskante Abkürzung
verringert die Fahrzeit um weit mehr als eine Stunde gegenüber der
sonstigen, sicheren Route, die nördlich des Panorama-Riffes in tiefem
Fahrwasser vorbeiführt. (Als Folge des Unglücks wurde es großen Schiffen verboten, diese Route zu nehmen).

In der Nacht des Unglücks tobte an der ägyptischen Küste
ein heftiger Sturm aus Norden, der es unmöglich machte, sicheres tiefes
Fahrwasser von den gefährlichen Korallenriffen zu unterscheiden. Das
Ergebnis war, das Kapitän Moro ein wenig von *seiner* Route abkam
und mit voller Geschwindigkeit auf ein Riff auflief.
Offiziellen Angaben nach traf er auf das Hyndman Reef= Shab Sheer ich
halte aber das kleinere, benachbarte Shab Sheer Soraya für den Unglücksort:
Bei einem Tauchgang dort konnte ich eine große Fläche an komplett
verwüsteten Korallenblöcken finden, bei der sich auch noch mehrere
alte Autoreifen (Fender) befanden. Die Größe dieser Fläche
entspricht auch etwa der des Buges der Salem Express.
Der Aufprall auf das Riff führte zwei Effekten: Zum einen riss das
Riff ein Loch in die Steuerbordseite des Bug, zum anderen öffnete
sich die Bugklappe und riesige Wassermassen ergossen sich in das Car-Deck
des Schiffes. Die gewaltige Menge an Wasser, die nun in den Rumpf drangen,
versenken das Schiff innerhalb von etwa 30 bis 90 Minuten (auch hierzu
gibt es sehr unterschiedliche Angaben).
Während das sinkende Schiff im Sturm trieb, konnte kaum eines der
Rettungsboote gewassert werden- die meisten der Passagiere konnten nicht
schwimmen und ertranken rasch jämmerlich. Die Rettungsaktionen liefen
nur langsam- und erst bei Tageslicht am nächsten Tag an und waren
nach Aussage Einheimischer auch sehr schlecht organisiert. (Aber: Was sollte
man hier mitten in der Nacht bei Sturm auch wirklich tun ?)
Nur 180 von 690 Menschen überlebten das Unglück- einige von Ihnen
trieben an die umliegenden, diesmal rettenden Riffe. Die Zahl der Toten
wurde offiziell (!) mit 510 beziffert, darunter auch Kapitän Moro.
Inoffizielle Quellen sprechen von bis zu 2000 Toten.
Das Tauchen an der Salem Express:

Die 100 m lange und 18 m breite Salem Express gehört zu den größten
Wracks im Roten Meer und liegt auf ihrer Steuerbordseite zwischen 10 m
und 32m.

Bei der Brücke ist der große Mast mit dem korallenbewachsenen
Krähennest gut erkennbar. Am Wrack selbst sind viele offene Luken
und Fenster, die einen kleinen Blick ins Innere des Schiffes gestatten.
Da das Wrack offiziell zum Grab bestimmt wurde, sind Tauchgänge in
das Wrack aus Respekt gegenüber den Toten, die immer noch im Wrack
vorhanden sind, zu unterlassen !

Das Tauchen an der Salem Express ist seitens der ägyptischen Behörden
lediglich stillschweigend geduldet !
Auf dem Deck hinter der Brücke befinden sich noch die Winden der Rettungsboote,
die zum Teil direkt neben dem Wrack versunken liegen. Am Meeresgrund verteilt
liegen auch die grün gestrichenen Wellblechplatten, die als Sonnenschutz
dienten. Gut zu erkennen ist das S im Lorbeerkranz für Salem Express,
das sich gut sichtbar an den beiden Schornsteinen des Wracks befindet.
Immer wieder stößt man auf Koffer, Radios, Fernseher sowie immer
noch Bekleidungsstücke, die in der Nähe des Wracks auf dem Sandboden
liegen. Am Heck hat man einen guten Blick auf die beiden Schiffsschrauben
sowie das Ruder der Salem Express.

Die Natur hat bereits einiges unternommen um dieses künstliche
Riff zu erobern: Viele Arten von Schwämmen sowie Weich- und Hartkorallen
siedeln und wachsen am Wrack. Jungfischschwärme nutzen den Schutz
und werden ihrerseits wieder von Rotfeuerfischen gejagt. Einige große
Zackenbarsche und Muränen besiedeln ebenso wie viele Süßlippen
und Doktorfische das Wrack. Viele Putzerstationen zeigen friedliche Szenen,
die für einige Momente die depressive Stimmung am diesem Wrack vergessen
lassen.

Ein beeindruckender, gleichzeitig aber auch deprimierender Tauchgang
an einem Wrack, an dem vor etwas mehr als 10 Jahren sehr viele Menschen
ihr Leben verloren haben. Man sollte sich dessen besinnen und dem Wrack
mit entsprechendem Respekt begegnen und Eintauchen in das Wrackinneren auf
jedem Fall unterlassen !!
Jeder Taucher sollte für sich persönlich entscheiden, ob er dieses
Wrack betauchen will oder nicht !
Alle Angaben nach persönlichen Informationen aus Port Safaga, der Literatur sowie Quellen
aus dem Internet- jedoch ohne jegliche Gewähr !

© Originalkarte Safaga by www.goredsea.com
(mit freundlicher Genehmigung)
© 2002 by Harald Mathä
Vielen Dank auch an den Redaktionskollegen Oliver Meise für die einleitenden Worte zu dieser Reportage ! |