© 2002 Oliver Meise
-Keine Gewähr-
Die industrielle Revolution am Ende des vorletzten Jahrhunderts spielte
sich nicht nur auf dem Land, sondern auch zur See ab. Hieran nahmen alle
"modernen" Staaten des damaligen Europa lebhaften Anteil und begannen sowohl
die Kriegs- wie auch die Handelsmarine zu entwickeln. Besonders wichtig
war dies dem seit jeher sehr maritim eingestellten Großbritannien
und auch dem Deutschen Kaiserreich. Diese unterschwellige Konkurrenz der
beiden Länder fand bei der Handelsmarine in der Erringung des "Blauen
Bandes" ihren Ausdruck. Dies war eine besondere Auszeichnung, die dem am
schnellesten zwischen den USA und Europa verkehrenden Schiff zugesprochen
wurde.So wurmte es inbesondere die britische Handelsschifffahrt,als man
bei deutschen Reedereien Schnelldampfer wzB. Kaiser Wilhelm der Große
oder Deutschland in Dienst stellte, wobei ersterer 1897 den Cunard-
Schiffen SS Campania und SS Lucania auch prompt das Blaue
Band abnahm. Ein weiteres Ärgernis war der Verlust an Prestige durch
den Erwerb der sehr renommierten britischen Reederei -der White Star Line-
durch den Amerikaner J. Pierpont Morgan. Beide Ereignisse zusammengenommen
ließen dann auch Politiker die Stirne kraus ziehen, da schon immer
die britische Kriegsmarine -die Royal Navy- im Kriegsfalle das benötigte
Personal aus der britischen Handelsmarine rekrutieren konnte. Einem Ausländer
nunmehr die Kontrolle über einen wichtigen Teil der Kriegsmarine überlassen
und sich in einem Kriegsfall dessen Wohl und Wehe ausliefern? Dies war
nichts für Großbritannien! Der Präsident der mit der White
Star Linie konkurrierenden und nach wie vor britischen Cunard-Reederei
Lord Inverclyde machte in dieser Situation nun der britischen Regierung
das Angebot diese Scharte durch zwei große Würfe auszuwetzen.
Diese großen Würfe sollten in dem Bau von zwei Super-Passagierdampfern
bestehen. Diese sollten sowohl in der Beziehung auf den Luxus wie auch
technische Höchstleistungen verlorenes Terrain bei Ausbildungskapazitäten
in der Handelsmarine aufholen helfen. Dies war aber noch nicht alles: Diese
Superschiffe sollten so ausgerüstet werden, daß sie schon beim
Stapellauf mit Geschützbettungen für ca. ein Dutzend 15,2cm Schnellfeuergeschütze
versehen waren und so im Kriegsfalle sehr leicht zu Hilfskreuzern umgewandelt
werden könnten. Diese der Regierung sehr schmackhafte Sache hatte
aber einen Haken: Um die Schiffe bauen zu können,verlangte Lord Inverclyde
von der Regierung einen sehr günstigen und hohen Kredit.Für 2,6
Millionen Pfund Sterling, einer Kreditlaufzeit von 20 Jahren und einem
Zinssatz von 2,75% sollte das Geschäft über die Bühne gehen.
Die Regierung befragte das Parlament und gab nach dessen Zustimmung der
Cunard-Reederei grünes Licht.
Letztere beauftragte nun den Schiffskonstrukteur Leonard Peskett mit
der Ausarbeitung der ersten Pläne -die dann 1902 vorgelegt wurden.
Nach einigen Änderungen waren diese fertig und die Cunard-Reederei
vergab den Auftrag an die John Brown&Co.Ltd-Werft im schottischen Clydebank
bei Glasgow.Hier wurde am 16. Juni 1904 der Kiel des noch namenlosen Schiffes
gestreckt. Mit der Zeit und dem Fortschreiten des Baues bekam man langsam
eine Vorstellung von dem 31.550 BRT großen Passagier-Schnelldampfer
der hier auf der Helling von John Brown entstand: 232,31m lang und 26,75m
breit wurde der Rohbau! Als Antrieb diente eine 70.000 PS starke Kombination
von vier direktwirkenden Parson-Dampfturbinen nebst den dazugehörigen
24 Kesseln. Diese wirkten auf vier Schrauben und konnten das Schiff bei
einem täglichen Kohleverbrauch von maximal 850ts auf eine Geschwindigkeit
von bis zu 26 Knoten beschleunigen.
Nach der Fertigstellung des Rohbaus fand am 6. Juni 1906 die Schiffstaufe
statt -bei der 20.000 feierlich gestimmte Gäste und Einwohner von
Clydebank anwesend waren, die vorher auch noch ein wenig das Schiff erkunden
konnten.

Die Taufrede hielt der Präsident der John Brown-Werft Sir Charles
McLaren und bezeichnete den Neubau als DAS Mittel den Deutschen das Blaue
Band wieder abzujagen und als sehr gut geeignet durch einige wenige "leichte"
Veränderungen das Schiff zum "schnellesten und machtvollsten Kreuzer
der Welt" umwandeln zu können.Hiernach trat Lady Inverclyde -die
Frau des ein Jahr vorher verstorbenen Präsidenten der Cunard-Reederei-
an das Rednerpult und taufte das Schiff auf den Namen SS Lusitania.Nach
erfolgter Taufe lief die SS Lusitania dann auch prompt vom Stapel.
 
Die SS Lusitania war von nun an für lange Zeit das größte
schwimmende Schiff der Welt -und wurde ein klein wenig Bestandteil der
britischen Identität. Mit Stolz erfüllt über diese britische
Meisterleistung wurde dieser schöne Dampfer vielerorts auch mit dem
Namen "Lucy" statt "SS Lusitania" versehen.Zunächst aber verholte
der Rohbau an den Ausrüstungskai der Werft.Hier blieb die SS Lusitania
über ein Jahr. So lange dauerte der Einbau all der unverzichtbaren
luxuriösen Einrichtungsgegenstände! Schließlich war man
aber auch hiermit fertig und schleppte das Schff am 9. Juli 1907 von der
Werft aus den Fluß hinunter Richtung Seehafen.

Von hier aus startete man am 27. Juli 1907 zur ersten Testfahrt vor
Irland.

Hierbei wurden tiefgreifende Konstruktionsmängel am Heck festgestellt.Bei
Höchstfahrt kam dieses in derart starke Vibrationen,daß sich
die Schiffsverbindungen auflösten und das Schiff zerstörten.
Gefrustet kam man zurück und bugsierte die SS Lusitania ins
Trockendock.

Hier wurde das Heck dann sehr kostspielig umgebaut und bot zahlreichen
Neugierigen die Gelegenheit sich das Schiff einmal anzusehen.

Im August 1907 konnten dann die amtlichen Testfahrten zur Zufriedenheit
aller beendet werden.Die
SS Lusitania brach dann schon am 7. September
1907 von Liverpool aus zu ihrer Jungfernfahrt nach New York auf.

Sieben Tagen später traf der Schnelldampfer am 13. September 1907
in New York ein.

Nachdem es nun die erste Überfahrt gemeistert hatte kehrte das Schiff nach Liverpool zurück.

Kaum hatte es am Kai festgemacht,bereitete man für die 2.
Überfahrt alles zu Rückeroberung des Blauen Bandes vor!
 
Dies gelang auf Anhieb! Für die Strecke von Queenstown nach Sandy
Hook brauchte die SS Lusitania vier Tage,19 Stunden und 52 Minuten
-so daß sich der britische Schnelldampfer nach dem Festmachen im
Hafen von New York am 5. Oktober 1907 das blaue Band an die eigene Fahne
heften konnte!

Diese schöne Rekordzeit wurde später nocheinmal überboten
und wurde Bestandteil des Fahrplans.

Bis zum Beginn des 1. Weltkrieges war die SS Lusitania das auch
von der Cunard-Reederei auf vielen Werbeplakaten dargestellte Paradepferd der Passagierschiffahrt das nun ganz nach Fahrplan zuverlässig zwischen New York und Liverpool hin und her pendelte.
 
In der Zwischenzeit hatte in Deutschland die Entwicklung der Schiffsbautechnik
nicht geschlafen. Dies galt insbesondere für die bevorzugt behandelte
Kriegsmarine. Ein speziell geförderter Zweig dieser Kriegsmarine war
die sehr neue U-Bootwaffe.Hier lief das erste U-Boot -U1- erst am
18.Juni 1906 vom Stapel! Das war knapp zwei Wochen nach dem Stapellauf
der SS Lusitania. Nach einigen Fehlschlägen und einigen Erfolgen
mit den ersten U-Booten war man schließlich soweit,daß diese
auch in Serie gebaut werden konnten. Eines der ersten Serienboote mit dem sicheren
Dieselantrieb war auch das am 18. Dezember 1912 bei der Kaiserlichen Werft
in Danzig vom Stapel gelaufene und am 5. August 1913 unter dem Kommando
von Oberleutnant zur See Dröscher in Dienst gestellte 837t-U-Boot U
20.

Sofort nach der Übernahme von U 20 wurde es dem Führer der U-Boote der Hochseestreitkräfte Korvettenkapitän Bauer überstellt und dort innerhalb der 3. U-Halbflottille der III. U-Flottille in Emden unter Korvettenkapitän Gayer zugeordnet. Hier erlebte das Uboot Anfang August
1914 auch den Ausbruch des 1. Weltkrieges.
Der Ausbruch des 1. Weltkrieges ändert für die SS Lusitania
zunächst nicht besonders viel. Zwar wird die Zahl der Überfahrten
in die USA auf eine Fahrt pro Monat begrenzt und aus Gründen der Wirtschaftlichkeit
Kesselraum Nummer vier geschlossen -dies hat aber nur zur Auswirkung,daß
die Maximalgeschwindigkeit des Dampfers von 26 Knoten auf 21 Knoten sinkt.Und
so dampft die SS Lusitania immer noch munter hin und her zwischen
England und den USA.
 
Das Jahr 1914 vergeht und am 17.April 1915 dampft das Schiff wie gehabt
von Liverpool nach New York -wo es dann am 24. April 1915 an Pier
54 festmacht.
 
Mittlerweile hatte U 20 unter dem Indienststellungskommandanten
Oberleutnant z.S. Dröscher schon sehr erfolgreich diverse Feindfahrten
absolviert und den neuen Begriff der "Seewölfe" für die deutschen U-Boote mitgeprägt. Nach der Rückkehr zum Heimathafen erfolgte
dann ein Kommandowechsel an Bord von U 20.Der neue "Alte" an Bord
wurde Kapitänleutnant Walther Schwieger.

Auch er hatte mittlerweile schon zwei erfolgreiche Feindfahrten auf
U
20 hinter sich gebracht und befand sich nun mit U 20 in der
U-Bootbasis Emden.Außerdem war schon am 4. Februar 1915 in allen neutralen
Staaten eine spezielle Bekanntmachung des Deutschen Reiches veröffentlicht
worden:
1.
Die Gewässer rings um Großbritannien und Irland einschließlich
des gesamten Englischen Kanals werden hiermit als Kriegsgebiet erklärt.Vom
18. Februar 1915 an wird jedes an diesem Kriegsgebiet angetroffene feindliche
Kauffahrteischiff zerstört werden, ohne daß es immer möglich
sein wird, die dabei der Besatzung und den Passagieren drohenden Gefahren
abzuwenden.
2.
Auch neutrale Schiffe laufen im Kriegsgebiet Gefahr, da es angesichts
des von der britischen Regierung am 31. Januar angeordneten Mißbrauchs
neutraler Flaggen und der Zufälligkeiten des Seekrieges nicht immer
vermieden werden kann,daß die auf feindliche Schiffe berechneten
Angriffe auch neutrale Schiffe treffen.
3.
Die Schiffahrt nördlich um die Shetland-Inseln, in dem östlichen
Gebiet der Nordsee und in einem Streifen von mindestens 30 Seemeilen Breite
entlang der niederländischen Küste ist nicht gefährdet.
Am 30. April 1915 erschienen in insgesamt 50 Zeitungen New Yorks wzB.
in der "New York Sun" und anderer amerikanischer Städte eine englischsprachige
Warnung der Deutschen Botschaft in den USA.
 
Diese schon am 22. April 1915 vom deutschen Botschafter -dem Grafen
Bernstorff- aufgegebene aber gerüchteweise vom US-Außenministerium
bis zum 30 April 1915 zurückgehaltene Nachricht lautete wie folgt:
Reisende, die sich zur Fahrt über den Atlantischen Ozean einzuschiffen
gedenken, werden daran erinnert, daß zwischen Deutschland und Großbritannien
Kriegszustand besteht; daß die Kriegszone die an die Britischen Inseln
stoßenden Gewässer einschließt; daß demgemäß
der von der Deutschen Regierung ausgegebenen Bekanntmachung Schiffe, welche
die Flagge Großbritanniens oder einer seiner Verbündeten führen,
der Zerstörung in diesen Gewässern ausgesetzt sind und daß
Reisende, die in der Kriegszone auf Schiffen Großbritanniens oder
seiner Verbündeten fahren, das auf ihre eigene Gefahr tun.
Außerdem ging die Deutsche Botschaft so weit, Prominenten die
in der Passagierliste standen Telegramme mit einer eindringlichen Warnung
zu schicken.
Die Reaktionen der Verantwortlichen waren nicht sehr schön und
man gab sich angesichts dieser Hinweise der Deutschen Botschaft sehr verächtlich
gegenüber Deutschland.
Nichtsdestotrotz wollte der US-Außenminister William Jennings
Bryan Amerikanern Seereisen durch die deutscherseits bekanntgemachten Sperrgebiete
untersagen -wurde aber vom US-Präsidenten Woodrow Wilson schließlich
doch noch umgestimmt.
Und so kam es,daß kaum jemand auf die Warnungen hörte. Insgesamt
1.257 Passagiere schifften sich ein, um zusammen mit 702 Besatzungsangehörigen
an der 202. Überfahrt des Schnelldampfers teilzunehmen. Die bekanntesten
Individuen unter der illustren Gästeschar waren der amerikanische
Mulitmillionär Alfred G.Vanderbilt, der seinerzeit sehr bekannte Schriftsteller
Charles Klein und der Direktor der irischen Nationalgalerie Sir Hugh Lane.Und
so nahte mit dem 1. Mai 1915 der Abfahrtstag der SS Lusitania heran.
Einen Tag zuvor hatte U 20 schon in Emden seeklar gemacht und
war zu seiner insgesamt fünften Feindfahrt ausgelaufen. Der Operationsbefehl des FdU der Hochseestreitkräfte Korvettenkapitän Bauer hatte
dem Kommandanten von U 20 -Kapitänleutnant Walther Schwieger-
folgenden Befehl erteilt:
Große englische Truppentransporter zu erwarten, ausgehend von
Liverpool, Bristol-Kanal, Dartmouth. Zur kräftigen Schädigung
der Transporte sollen baldmöglichst U 20 und U 27 entsandt
werden.Stationen auf schnellstem Wege um Schottland aufsuchen, innehalten,
solange Vorräte gestatten.Boote sollen angreifen: Transporter,Handelsschiffe,
Kriegsschiffe.
Diese hier erwähnten Schiffe sollten nämlich Truppen und Nachschub
nach Gallipoli bringen. Dies ist ein gottverlassener Landstrich an der
südtürkischen Küste an dem die alliierten Truppen gelandet
waren um gegen Deutschland eine dritte Front aufzumachen.Sie lagen jedoch
am Strand fest und kamen nicht weiter.Sie brauchten dringend mehr Truppen
und Nachschub. Dies wußte natürlich auch die deutsche Kriegsleitung
und traf dementsprechend ihre Dispositionen um schon auf See das Heranschaffen
dieser Verstärkungen zu verhindern.
Und so schipperte U 20 dann gemäß Instruktion los.
Die irische Norküste kam am 2. Mai 1915 in Sicht. Da die Bewachung
des Nordkanals zu stark war, wählte man nun den Weg um die irische
Westküste herum um so über den Südkanal in die Irische See
und schließlich in die Liverpool-Bay zu gelangen. Drei Tage dicker
Nebel verhinderten jeden Versenkungserfolg und zehrten die schmalen Vorräte
an Bord auf. Am 5. Mai 1915 lichtete sich der Nebel kurzzeitig. Bei dieser Gelegenheit konnte das Boot den britischen 132 BRT-Dreimastschoner Earl of Lathom aufbringen und mit der 8,8cm-Bordkanone versenken.

Am nächsten Morgen stand U 20 im St. Georgs-Kanal und paßte dort den britischen 5.858 BRT-Frachtdampfer
SS Candidate ab. Nachdem die Mannschaft von Bord gegangen war, wurde das Schiff mit einem Torpedo
unter Deck geschoben. Von diesem Erfolg nun überzeugt auf der richtigen Fährte zu sein, drang das Boot befehlsgemäß tiefer in den St.Georgs-Kanal ein, wo es mittags auf einen schnellfahrenden Passagierdampfer der White Star-Linie von ca. 14.000 BRT Größe traf. Dieser konnte wegen des großen
Abstandes aber nicht torpediert werden und verschwand auch bald wieder im allgegenwärtigen Nebel.Abends stand U 20 dann schon wieder einiges weiter nördlich, als man auf den nach Liverpool gehenden 5.945 BRT-Frachter SS Centurion der Harrison-Linie traf und ihn torpedierte.
Da der Dampfer auf seiner Ladung schwamm, nahm sich die Mannschaft ein wenig mehr Zeit ihr Schiff zu verlassen. Nachdem dies geschehen war, wollte man an Bord von U 20 dem Sinken noch ein wenig mit Artilleriegranaten
nachhelfen, mußte dann aber doch einen weiteren Torpedo opfern. Aufgrund der widrigen Wetterumstände und dem permanenten Nebel entschied sich Schwieger nun dafür umzukehren. Mit nur noch zwei Torpedos und der
Hälfte des Treibstoffs an Bord kehrte er um und fuhr den Weg
den das Boot bis hierher genommen hatte zurück.
Mit zwei Stunden Verspätung legte die SS Lusitania kurz nach Mittag des 1. Mai 1915 vom Pier 54 im Hafen von New York ab -eifrig gefilmt und fotografiert von den durch die Zeitungsanzeigen der Deutschen
Botschaft herbeigelockten Reportern und Fotografen. Jeder von ihnen wollte das "letzte" Photo der SS Lusitania schießen.

Kurze Zeit später gewann dann das Schiff die offene See und marschierte
mit Höchstfahrt in Richtung Großbritannien.
Die Reise verging ohne besondere Vorkommnisse -wenn man einmal von
der Ergreifung von drei blinden Passagieren absieht die sich als deutsche
Saatsbürger entpuppten. Da sie sich unerlaubt an Bord aufhielten und
man in ihnen Spione vermutete, wurden sie kurzerhand auf Nummer Sicher weggeschlossen.
Während das britische Passagierschiff ruhig mit östlichem Kurs
die Wellen teilte, fing die britische Naval Intelligence Division (Marinegeheimdienst)
die Funksprüche von U 20 auf,entzifferte sie und leitete sie
an den Ersten Lord der Admiraliät Sir Winston Churchill und den Ersten
Seelord Admiral Sir John Fisher weiter. Durch eine weitere Funkbeobachtung
wurde am 5. Mai 1914 um 9.00 Uhr vormittags der Standort von U 20
festgestellt. Man vermutete das deutsche U-Boot nun wenige Meilen nordwestlich
von Fastnet. Dies wurde den oberen Marinebefehlshabern mitgeteilt. Nachdem
die örtliche Marineleitung in Queenstown unter dem Kommando von Admiral
Sir Charles Coke am Abend des 6. Mai 1915 von der Versenkung der drei Schiffe
durch U 20 erfahren hatte, wurde von dort aus sofort an alle Schiffe
folgende Warnung ausgegeben:
U-Boote operieren vor der Südküste von Irland.
Diese Nachricht wurde dem Kapitän der SS Lusitania um Punkt
19.50 Uhr von seinem Funkoffizier mitgeteilt. Einen zweiten Funkspruch
mit dem gleichen Inhalt erhielt Kapitän Turner nochmal um 20.30 Uhr.
Die daraufhin von ihm eingeleiteten Gegenmaßnahmen bestanden darin,
soviele wasserdichte Schotten wie möglich zu schließen,die Davits
der Rettungsboote ausschwingen zu lassen und den Ausguckposten zu verdoppeln.
Außerdem drosselte er die Geschwindigkeit des nunmehr abgeblendet
fahrenden Schiffes, um das gefährdete Gebiet vor Fastnet bei Nacht
zu passieren und so einen U-Bootangriff unmöglich zu machen. Kapitän
Turner ging im weiteren davon aus, bei Hellwerden am 7.Mai 1915 von einer
Kriegsschiffeskorte der Royal Navy aufgenommen und in den sicheren Hafen
geleitet zu werden. Diese ließ sich aber beim Morgengrauen nicht
blicken.Stattdessen traf gegen 11.00 Uhr vormittags am 7.Mai 1915 ein weiterer
Funkspruch der Admiralität ein mit dem Inhalt:
U-Boote operieren im Südteil des Irischen Kanals. Letzter bekannter
Feindstandort 20 Meilen südlich Coningbeg-Leuchtfeuer. Sicherstellen,
daß Lusitania dies erhält.
Um nicht auf den vermeintlichen Feindstandort zuzulaufen, änderte
Kaptän Turner nun den Kurs um 20 Grad nach Norden auf die Küste
zu -dem Schicksal entgegen....
Am 7. Mai 1915 wurde U 20 auf ihrer Heimfahrt durch einen Bewacher
unter Wasser gedrückt, konnte jedoch getaucht entkommen. Während
der Tauchfahrt näherte sich ein großes Schiff. Mit dem Periskop
hielt Kapitänleutnant Schwieger Ausschau und entdeckte fette Beute:
Ein großes britisches Kriegsschiff! Genauer gesagt handelte es sich
hierbei um den 1898 gebauten und in Queenstown stationierten Panzerkreuzer
HMS
Juno.Leider stand dieser zu ungünstig und ein Angriff hatte keine
Aussicht auf Erfolg. So setzte man nun die Unterwasserfahrt fort -bis um
13.45 Uhr aufgetaucht wurde. Schon kurze Zeit später -es war 14.20
Uhr- kamen recht voraus an der irischen Südküste Schornsteine
und Masten in Sicht. Zunächst hielt man diesen Anblick für eine
Ansammlung mehrerer Schiffe, bis dann klar ein einzelner Dampfer mit vier
Schornsteinen und mehreren Masten aus der Entfernung hervortrat. Er kreuzte
den Kurs von U 20 senkrecht, kam aus Süd-Südwest und strebte
in Richtung Holley Head. Um 14.25 Uhr drehte U 20 nach Steuerbord
ab und hoffte, daß der große Dampfer die irische Küste
entlanglaufen würde. Genau dies tat er dann nach einer Kursänderung
um 14.35 Uhr auch! Er dampfte nunmehr auf Queenstown und Old Head of Kinsale
zu. So kam er in Schußentfernung an U 20 heran!

Schwieger lief nun mit höchster Fahrt, um in Schußposition
zu kommen. Aus 700 Metern Entfernung wurde um 15.10 Uhr bei einer geschätzten
Gegnerfahrt von 22 Knoten,einem Schneidungswinkel von 90° ein auf drei
Meter Lauftiefe eingestellter alter G6-Bronzetorpedo aus dem Bugtorpedorohr -Rohr 1- gelöst, der mit 35 Knoten Geschwindigkeit auf sein Ziel loszischte........Treffer!
Die Höllenmaschine mit einem Sprengkopf von 160kg Hexanit hatte
die SS Lusitania steuerbords an der Hinterkante der Brücke getroffen. Kapitänleutnant Schwieger berichtete in seinen Aufzeichnungen von einer "ungewöhnlich
starken Detonation, gefolgt von einer ungeheuren Rauchwolke." Im weiteren berichtete der Kommandant von U 20 von einer zweiten Explosion, die
nach seinem Urteil wirkte "als ob Munition in die Luft gegangen" sei. Außerdem war "die Brücke und die Stelle der Bordwand wo der Torpedo traf weit aufgerissen". Die Frage nach einem weiteren
Torpedoschuß vorwegnehmend berichtet Kapitänleutnant Schwieger weiter: " Ich hätte es nicht fertiggebracht, in die Massen von Passagieren, die sich zu retten versuchten, einen zweiten Torpedo zu schießen".
Das brennende Schiff stoppte nämlich, legte sich schnell nach Steuerbord
über und sank über den Bug.
KTB-Einträge von U 20 für den 7. Mai
1915
Eine Alarmierung britischer U-Bootjäger befürchtend lief nun
U
20 in 20m Tiefe ab in Richtung Heimat.
Von der Torpedierung bis zum Sinken vergingen nur 18 Minuten. Trotz
moderner Bauweise, wasserdichten Schotten usw. kamen so auf der SS Lusitania
von den 1.959 an Bord befindlichen Personen tragischerweise 1.198 Menschen um. Hierzu zählten auch knapp 200 "Neutrale", insbesondere 128 US-Bürger.
Die von dem Nachrichtenbüro Reuters in alle Welt gedrahtete Neuigkeit sorgte dann natürlich nicht nur in Großbritannien, sondern vor allem in den USA für Schlagzeilen.



Englischerseits gab man in der vom britischen Handelsamt eingeleiteten
Untersuchung zwar unter vier Augen einigen britischen Beteiligten eine
Mitschuld -sprach aber wegen der Kriegslage nicht alles an. Nach außen
war natürlich allein dem Kriegsgegner Deutschland die Schuld für
diesen traurigen Verlust an Menschenleben zu geben. Wobei man scheinbar
übersehen wollte,daß die im Ladungsmanifest aufgeführten
5.400 Kisten mit Munition nach internationalen Kriegsgesetzen sogar aus neutralen Passagierschiffen ein legitimes Kriegsziel machten. Die Versenkung
der SS Lusitania sollte für das Deutsche Reich aber noch schwerwiegende Konsequenzen haben. Die USA war im Jahre 1915 noch nicht Kriegspartei und dachte auch nicht daran dies zu werden. Man stand dem Deutschen Reich im
Gegenteil freundlich gegenüber und trieb mit ihm sogar noch
Handel. Die Versenkung der
SS Lusitania war aber mit einem Aufschrei
der Empörung in den USA verbunden und die deutschfreundliche Stimmung
schwand zusehends. Auch auf Regierungsebene wurden zwischen den USA und
dem Deutschen Reich einige recht bedenkliche diplomatische Noten überreicht
die darin gipfelten, daß das Deutsche Reich den U-Bootkrieg überhaupt
aufgeben müsse andernfalls die USA dies als kriegerischen Akt ansehen
würden. Doch nocheinmal konnte die deutsche Diplomatie schlimmeres
abwenden und die USA trat nicht auf Seiten Englands in den Krieg gegen
das Deutsche Reich ein. Noch nicht.
Der Untergang der SS Lusitania zog die Bildung zahlreicher Legenden
und Gerüchte nach sich. Hauptsächlich fragte man sich warum das
Schiff so schnell sank, was die zweite Explosion auslöste, ob der
Erste Lord der Admiraliät Sir Winston Churchill vielleicht die SS
Lusitania absichtlich der Versenkung aussetzte um die USA in den Krieg
gegen Deutschland hineinzuziehen, oder ob tatsächlich Goldbarren im
Werte von 272 Millionen US-Dollar (Wert von 1915!) an Bord waren und ob
der Direktor der irischen Nationalgalerie Sir Hugh Lane tatsächlich
ca. zwei Dutzend unbezahlbare Gemälde von Rubens,Monet,Titian und
anderen alten Meistern im Wert von damals (!) 60 Millionen US-Dollar in
Blei- oder Zinkzylindern versiegelt dabeigehabt hatte.
Was den wohl vor allem durch die zweite, stärkere Explosion ausgelösten
schnellen Untergang der SS Lusitania anging, suchte man nach Erklärungen
-fand aber keine.Ein zweiter Torpedo von U 20 schied als Ursache
aus. Nach einigem Hin und Her gab man die Anwesenheit von 5.400 Kisten
Munition zu. Diese befand sich aber laut Ladungsmanifest 50 Yards (ca.
46 Meter) und zwei feste Stahlschotts von der Stelle entfernt, wo der Torpedo
einschlug. Daß weitere Munition an Bord war, ist von offizieller Seite
bis heute verneint worden. Man munkelt aber von 1.200 Kisten mit 7,62cm-Artilleriegranaten.
Außerdem befanden sich laut Ladungsmanifest der
SS Lusitania
vom 1. Mai 1915 noch 359 Ballen Pelze im Wert von 119.220 US-Dollar für
Liverpool an Bord. Versender der Pelze? Die Firma B.F. Babcock and Co.
Diese hatte aber nie mit Pelzen gehandelt -sehr wohl dagegen mit Nitrozellulose.
Dieser Sprengstoff ist besser unter der Bezeichnung "Schießbaumwolle"
bekannt und reagiert übrigens explosiv auf den Kontakt mit Wasser.Im
Ladungsmanifest findet sich aber auch ohne detektivischen Spürsinn
schon genug militärisches. So waren zB. nach Liverpool bestimmt ua.
189 Kisten "Militärgüter" im Wert von 66.221 US-Dollar und 1.271
Kisten Munition im Wert von 47.624 US-Dollar. Nach London waren dann nocheinmal
ua. 4.200 Kisten Munition im Wert von 152.400 US-Dollar bestimmt.In Bezug
auf Explosivstoffe an Bord äußerte sich der Vorsteher der Passagierabteilung
von Cunard in New York -ein Mr. Winter- dann auch, daß neben "4.200
Kisten Patronen für Handwaffen auch 1.250 Schrapnellhülsen an
Bord der
SS Lusitania" gewesen seien. Interessanterweise sind im Ladungsmanifest
auch noch 3.863 Kisten (!) Käse verzeichnet -jeweils 40 Pfund schwer.
Die Empfängeranschrift lautete auf eine Liverpooler Postfachnummer
die der Naval Experimantal Establishment (Marine-Testabteilung) in Shoeburyness
gehörte. Was die da wohl mit dem ganzen Käse wollten? :-) Außerdem
schrieb die deutschsprachige "New Yorker Staatszeitung" am 5. April 1915,
daß die SS Lusitania "so viel Ausrüstung und Kriegsmaterial
an Bord habe, als das der Rumpf des Schnelldampfers fassen konnte."
Außerdem veröffentlichte die New York Times am 4. Juni 1915
die Erklärung des Chemikers John Braun, daß "die SS Lusitania
250.000 Pfund Tetrachlorid an Bord führt, das in Pittsburg hergestellt
und für die französischen Regierung bestellt worden war.Die Überlebenden
der SS Lusitania hätten über erstickende Gasdämpfe
geklagt.Braun ist der Ansicht,daß diese Dämpfe von dem sich
verflüchtigenden Tetrachlorid herrührten, das eine teilweise
Erstickung verursachte und von den Franzosen zur Herstellung von Gasbomben
benutzt werden sollte."
In Bezug auf Sprengstoff an Bord der SS Lusitania ist auch noch
interessant zu bemerken,daß anläßlich von Tauchgängen
in neuerer Zeit den Tauchenden von Seiten der britischen Regierung gesagt
wurde, daß es "unklug sei nicht auf die einleuchtende,reale Gefahr
hinzuweisen, die gegeben wäre, wenn tatsächlich Sprengstoff vorhanden
wäre". Mit anderen Worten: Bleibt weg vom Wrack,möglicherweise
geht da Sprengstoff hoch von dem wir nichts wissen und der natürlich
nicht von uns stammt. (...)
Doch was könnte noch eine dermaßen starken Detonation ausgelöst
haben? Eine Explosion der mit dem einflutenden Salzwasser in Kontakt kommenden
Kessel der SS Lusitania scheidet jedenfalls aus -es gab genug
Überlebende Heizer die nichts derartiges berichten können.Anderen
Meinungen zufolge wurde die zweite Explosion durch eine Explosion von Kohlestaub
in einem der Kohlebunker ausgelöst. Daß diese Möglichkeit
besteht, ist ohne weiteres denkbar. Nur- ist sie auch passiert?
Die Frage, ob Sir Winston Churchill die SS Lusitania quasi vor
die Rohre von U 20 gelockt hat um die USA als Kriegspartei auf die
eigene Seite zu ziehen ist umstritten. In vielen Darstellungen wird von
einem Funkspruch der Admiralität berichtet, nach dem Kapitän
Turner angewiesen wurde, Queenstown anzulaufen und seinen Kurs dementsprechend
zu ändern -vor die Rohre von U 20. Dafür spricht der Umstand,
daß die Mannschaft der Lusitania schon am 7. Mai 1915 ihre erste
und beste Uniformgarnitur anzog. Dies geschah nur direkt beim Anlaufen
des Hafens. Wäre die SS Lusitania nicht durch den Funkspruch
der Admiralität nach Queenstown umgeleitet worden, hätte man
erst am 8. Mai 1915 den Einlaufhafen erreicht. Weshalb war aber dann die
Mannschaft schon am 7. Mai 1915 mit der besten Uniform bekleidet? Gegen
einen Funkspruch des Ersten Lords der Admiralität Sir Winston Churchill
mit diesem Inhalt spricht der Umstand,daß Sir Winston Churchill zu
diesem Zeitpunkt garnicht in Großbritannien weilte, sondern sich
in Frankreich bei Sir John French dem Befehlshaber der britischen Expeditionstruppen
aufhielt. Aber vielleicht hat ja einer seiner Stellvertreter diesen Funkspruch
aufgegeben? Wenn ja -und diese unbekannte Person dabei den Eintritt der
USA im Sinn gehabt hat- dann war diese Person wohl nicht nur ziemlich perfide,
sondern überschätzte auch die politische und militärische
Bereitschaft der USA in einen Krieg einzutreten.Bis zum heutigen Tage
sind keine Beweise für diese Theorie aufgetaucht.
Bezüglich des Gold- und Gemäldeschatzes an Bord der SS
Lusitania gibt es keinen harten Beweis für dessen Existenz. Daß
nüchterne und abgeklärte Menschen die Möglichkeit aber als
sehr real ansehen, davon zeugt der einige Jahrzehnte nach dem Untergang
einsetzende Streit um das Wrack und seine Ladung.
Der erste Taucher am Wrack der 90m tief liegenden SS Lusitania
war in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts der Engländer Jim
Jarrat. Noch mit dem damals üblichen schweren Helmtauchgerät
"hüpfte" er über die SS Lusitania. Taucher Nr. 2 war in
den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ein gewisser John Light. Dies
war ein ehemaliger Taucher der US-Navy . Nachdem er von der British War
Risks Insurance Association die Bergungsrechte für Rumpf und
Ausrüstung für 1.000 Pfund Sterling erworben hatte, schnappte
er sich seine Sporttauchausrüstung und ...ging tauchen:-))
Das machte er und einige weitere seiner Partner dann bis 1992. In diesem
Jahr starb John Light ohne jemandem zu erzählen,was er und seine Freunde
am Wrack gesehen hatten. John Light`s Privatwrack wurde aber zwischenzeitlich
auch von anderen besucht. So barg im Jahre 1982 der US-Multimillioär
G.Bemis drei der vier manganhaltigen Schiffsschrauben aus Bronze. Zwei
davon wurden zu sündteuren Golfschlägersets verarbeitet und eine
kann man heute auf dem Kai des Merseyside Maritime Museum im Albert Dock
bei Liverpool.anschauen.Außerdem brachte man bei diesen Tauchgängen
Tafelsilber und sonstiges Geschirr mit zurück an die Wasseroberfläche.
Die Berechtigung zu diesem Handeln leitete G.Bemis aus einem Erwerb von
Bergungsrechten von einem früheren Partner John Lights ab. Da sich
auch die Welt für das Schiff interessierte,kamen bald auch Filmteams
wzB. das von Robert Ballard um das Wrack der SS Lusitania auf Zelluloid
bzw. Magnetband zu bannen. Im Jahre 1994 traf eine weitere Truppe um die
Filmproduzentin Polly Tapson am Wrack ein. Nach ihrer Auffassung war der
Rechteerwerb von G.Bemis nicht einwandfrei und man führte ca. 100
OC-Trimix-Tauchgänge am Wrack durch, in deren Verlauf erklärt
wurde daß man die Spezialbehälter mit den alten Meistern gesichtet
habe.
Hierauf entbrannte nun ein Streit zwischen diesen beiden Kontrahenten
vor Gericht. In diesen fiel nun auch die Witwe John Lights ein -wurde aber
in einem außergerichtlichen Vergleich zufriedengestellt. Verschärfend
kam nun hinzu, daß die Taucher der Tapson-Expedition einen eigenen
Laden aufmachten und als "Fifty Fathom Venture" eigene Ansprüche anmeldeten.
Im wesentlichen ging G. Bemis aus diesen Auseinandersetzungen als Sieger
hervor -nicht jedoch in Bezug auf seinen Anspruch auch auf die Ladung.
Nun legte nämlich 1995 das irische Ministerium für Kunst und
Kultur gemäß dem National Monuments Act das Wrack an die Kette
und sprach einen rechtlichen Vorbehalt aus, nach dem niemand mehr ohne Genehmigung des Ministeriums das Wrack betauchen dürfe. Gelegentlich wird diese aber Forschern oder Journalisten erteilt. Bei einem dieser Tauchgänge
unter strenger Bewachung durch die Royal Navy,dem Reciever of Wreck und dem Ministerium für Kunst und Kultur war Leigh
Bishop dabei und hat uns seine sehr gut gelungenen Bilder für diese Reportage gespendet -unseren herzlichen Dank dafür!
Wenn man an diesem Wrack tauchen möchte, muß man sich darüber
klar sein daß dies ein Mischgastauchgang von der ungewöhlichen
Sorte wird, da das Schiff in ca. 91m Tiefe im offenen Meer liegt. In den verschiedenen Gaswechseltiefen wird man somit auch mit verschiedenen Umgebungsbedingungen
konfrontiert, wzB. in der Thermoschicht auf 30m Tiefe. Diese beschert dann unterhalb 30m zusammen mit der hier vorherrschenden Tidenströmung
eine Sichtweite von ca. fünf Metern. Naturgemäß empfiehlt
es sich beim Abstieg sehr, einer vorher gelegten Referenzleine nach unten
direkt zum Wrack zu folgen. Diese ist nicht fest am Wrack angebracht, sondern
muß von einem entsprechend begabten Tauchbootskipper vor den Tauchgängen
"geworfen" werden. Je nachdem wo das Teil (hoffentlich) am Wrack landet
beginnt dann auch der Wracktauchgang. Ist man nun einige Zeit entlang dieser
Leine in die Tiefe gefallen, schälen sich Dank der hoffentlich mitgeführten
1.000 Watt-Flakscheinwerfer die Umrisse der auf ihrer Steuerbordseite liegenden
SS
Lusitania aus dem Dunkel:-) Nachdem man sich einen Generalüberblick
über das Wrack verschaftt hat fällt einem auf,daß sowohl
die Schornsteine wie auch ein Großteil der Aufbauten komplett fehlen.
Außerdem ist der Rumpf des in einer Peilung von 230 Grad von Südwesten
nach Nordwesten liegenden Wracks wahrscheinlich schon beim Untergang zwischen dem dritten und vierten Schornstein abgebrochen. Dieser Bereich beherbergte
früher den Speisesaal und die Salons der 1. Klasse. Diese großen
Räume ohne weitere Schotten oder verstärkende Verstrebungen waren
wohl zu schwach um dem Bruch so standzuhalten wie die anderen Schiffssektionen.
Die beiden Hälften liegen nun wie eine gekrümmte Wurst auf dem
Meeresboden und sind an den Oberkanten mit zahlreichen abgerissenen Fischernetzen
verziert.Also Obacht hier und Kotelettmesser frei! Schaut man so über
das auf ebenem Meeresgrund liegende Wrack, so könnte man zunächst
meinen,das Schiff würde ohne seine Aufbauten waagerecht auf seinem
Kiel stehen. Dem ist aber nicht so.Kurz nach dem Untergang war dies wohl
noch so mit einer leichten Tendenz nach Steuerbord. Mittlerweile aber hat
der Zahn der Zeit dafür gesorgt,daß die innere Schiffsstruktur
zusammenfiel und sich dabei beide Rumpfseiten nach unten bewegten. Das
ganze sieht heute so aus,als ob die Backbordseite des Schiffes flach auf
einem Schrotthaufen mit einem Gefälle von ca. 30° liegt. Lediglich
am Bug läßt sich noch die ursprüngliche Schiffsform erkennen.
Die Metallteile an der SS Lusitania sind überall kaum bewachsen.Das
liegt möglicherweise an der anscheinend auch noch nach fast 90 Jahren
unter Wasser wirkenden Korrosionsbeschichtung auf den Schiffsplatten. Außerdem
sind viele Bullaugen noch intakt und nicht zerbrochen. Auch die Decksbeplankung
aus Teakholz ist noch erstaunlich gut erhalten. Beginnt man nun seine Erkundungstour
am Bug, so sieht man dort noch den kleinen Lastkran stehen den man auch
auf alten Photos sehen kann. Taucht man von hier aus an der Backbordseite
in Richtung Schiffsmitte und taucht über den Ansatz hinweg wo Bordwand
und Reeling ineinander übergehen, so sieht man in 82m Tiefe noch die
Umrisse der Buchstaben, die den Schiffsnamen "Lusitania" bildeten.
Taucht man dagegen auf der Steuerbordseite vom Bug aus in Richtung Schiffsmitte,
sieht man schon nach einigen Flossenschlägen den Steuerbordanker in
der Ankerklüse hängen.Taucht man von hier aus wieder ein Stück
hoch auf Deckshöhe,sieht der Betrachter die überall auf dem Vorderdeck stehenden
Poller, Ankerketten und Ankerwinscharmaturen nebst einigen Metern dicker
Ankerkette.
 
Vergleicht man die Unterwasseraufnahmne mit Detailaufnahmen vom Schiff,findet sich so einiges wieder,wzB. die Poller,Ankerketten und Ankerwinscharmaturen.

An einigen dieser Poller existieren immer noch die am 7. Mai 1916 um sie herumgeschlungenen Manilataue.
 
An all diesen "hakeligen" Teilen am Bug ist höchste Vorsicht angebracht,
hängen doch hier überall Fischernetze herum! Taucht man nun entlang
der Steuerbordseite fast bis zum Grund liegt hier ,quer umgestürzt, ein
dicker Stummel des Hauptmastes darnieder.Hinter diesem liegt etwas höher
die zusammengefallene Brücke.Dort kann man neben schönen Navigationsinstrumenten
auch den umgetürzten Schiffstelegrafen bewundern.

Taucht man nun weiter zur Schiffsmitte, kommt man an allerlei Gewusel
vorbei das mal Bestandteil der Brückenaufbauten gewesen ist wzB. den
Frischwassertanks mit ihren Ablaßventilen.
 
Diese und tonnenartige Lüfter waren direkt hinter dem ersten Schornstein
installiert.Ganz in der Nähe dieser Gegenstände liegt witzigerweise
einer der Luxusbadewannen aus der 1. Klasse mit dem charakteristischen
käfigartigen Führungsstangen für den damals üblichen
Duschvorhang.
 
Taucht man nun weiter in die gleiche Richtung und achtet auf den Übergang von Wrack zum Meeresboden, so fallen einem bald vier Stellen auf, wo rechtwinklig vom Wrack "Tröten" wegführen. Dies sind die seinerzeit an den
-aus dünnem Stahlblech fabrizierten- vier Schornsteinen befestigten
Dampfpfeifen. An der ersten dieser "Tröten-Stellen" liegt eine hübsche,
fast einen Meter lange Dreitonpfeife.

Eine Kollegin von ihr wurde bereits abgeborgen und genauso wie die Schiffsglocke
für teures Geld verkauft.Die Schornsteine selbst sind weggegammelt
und nur noch erahnbar. Speziell an dieser Stelle ist der Rumpf sehr zerbrochen
und zusammengefallen. Die Mittschiffsektion macht sehr den Eindruck eines
Schrotthaufens aus lauter verbogenem Metall.

Hier finden sich ganze Wandsektionen samt allen Zubehörteilen
wzB.Fenster,Lampen usw. die zum überdachten Promenadendeck der SS
Lusitania gehörten.

 
Das gleichte trifft zu für Fenster mit zeitgenössischer Verzierungen,
wie sie für das Bootsdeck der SS Lusitania verwendet
wurden.


Bleibt man nun auf Höhe des Meeresbodens auf der begrabenen Steuerbordseite
des Wracks und taucht weiter in Richtung Heck, kommt man bald wieder an
einem dieser tonnenartigen Lüfter vorbei und erspäht dicht dahinter
das Oberlicht und Relingstücke.

Zwar ist diese Stelle einigermaßen tief, jedoch bietet sie wie
übrigens auch die restliche Mittschiffsektion den Vorteil im wesentlichen
frei von Fischernetzen zu sein. Dies ist auch die Stelle, an der der Rumpf
einen breiten Bruchspalt aufweist. Späht man hinein, kann man die
Kessel von Kesselraum Nr. 4 sehen, also jene Kessel die während der
letzten Überfahrt aus Sparsamkeitsgründen nicht in Betrieb genommen
wurden.Nimmt man das vorhin erwähnte Oberlicht als Referenz und taucht
nun über zahlreiche großformatige Öffnungen schräg
über das Oberdeck hoch zur Backbordseite,trifft man dort die eckigen
Öffnungen der Fracht- und Passagiertüren in der Bordwand an.

Von hier aus geht es über die glatte und fast unbewachsenen Fläche
von Metallplatten in Richtung Heck, wo es wieder tiefer wird. Hier trifft
man als Unregelmäßigkeiten in der Bordwand nur Nieten und Bullaugen
an.

Vorsicht! Im Heckbereich hängen wieder zahlreiche Fischernetze
herum! Am Heck angekommen,kann man dort das auf dem Meeresboden liegende
Ruderblatt des Schiffes anschauen.Die Schrauben wurden -wie bereits oe.-
von G.Bemis abgeborgen. Man kann nur noch die leeren Wellenhosen betrachten auf denen sie früher saßen.Taucht man nun um das Heck herum
zur Bruchkante Steuerbordseite/Meeresgrund, kommt man an einer mit Teakholz
bepflasterten Fläche vorbei -dem ehemaligen hinteren rechten Bootsdeck.
Taucht man weiter in Richtung Mittschiffs, kommt die Dockbrücke mit
dem Fernsteuermechanismus in Sicht.


Taucht man nun wieder weiter zur Schiffsmitte und hält sich dabei
in der Mitte des Decks ohne Aufbauten, kann man durch einige der großen
Öffnungen auch in den Maschinenraum hineinschauen. Neben denen in
dieser Reportage beschriebenen interessanten Hauptpunkten am Wrack gibt
es unzählige weitere interessante Details am Wrack zu erkunden. Die
von mir erwähnten Hauptanlaufpunkte können wohl auch nur mit
einem schnellen Scooter im Schnelldurchlauf abgehakt werden, weshalb man
natürlich besser mehrere Tauchgänge an diesem schönen Wrack
machen sollte um es ganz erfassen zu können und nicht die Hälfte
zu übersehen oder zu vergessen. Auch die mehrstündigen Dekostufen
können sich als interessant erweisen, treiben sich doch nicht selten
Wale und Delphine in der Gegend herum.
Unterm Strich spricht der Erhaltungszustand des Wracks -speziell bezüglich
des Laderaums vorne im Bug- in Ermangelung von Verwüstungen dort gegen
eine Explosion etwaig dort mitgeführter Munition. Womit man sich mit
der Explosion von Kohlestaub in den Bunkern zu beschäftigen hat. Leider
liegt das Wrack größtenteils auf der Steuerbordseite -und damit
genau auf der Seite wo auch der Torpedo eingeschlagen hat und sich dann
auch die Kohlebunker befunden haben müssen die aus Sympathie wohl
gleich mit "hochgegangen" sind. Dies erschwert natürlich ein weiteres
Nachforschen in diese Richtung. Weshalb man wieder auf andere logische Überlegungen angewiesen ist. Ein Argument das für die Kohlenstaubexplosion vorgebracht
wurde,ist der Umstand daß überall Kohlebrocken herumliegen.
Man geht davon aus,daß sie dort von der Explosion hingeschleudert
wurden. Man könnte aber nun auch fragen, ob eine Explosion -die stark
genug ist ein Schiff wie die SS Lusitania in den Orkus zu schicken-
diese Kohlestücke nicht viel eher pulverisieren würde als sie
intakt in die Gegend zu pusten. Bestimmten Untersuchungen zufolge soll
nämlich auch das seinerzeit vorherrschende feuchte&kalte Wetter
eigentlich das Zustandekommen einer Kohlestaubexpolsion nicht möglich
gemacht haben. Die gleichen Untersuchungen nehmen vielmehr an,daß
es sich um eine Aluminiumstaubexplosion gehandelt haben soll. Laut Ladungsmanifest
befanden sich nämlich 144 nach Liverpool bestimmte Pakete Aluminium
im Wert von 6.000 US-Dollar an Bord. Das Manifest führt zwar an anderer
Stelle aus,daß zB. Bronze-Puder an Bord war, dieser Zusatz wurde
beim Ladungspunkt "Aluminium" jedoch nicht gemacht.Weshalb es sich wohl
auch um Aluminiumbarren gehandelt haben dürfen -die nicht zur Explosion
zu bringen sind. Außerdem muß doch wohl für Aluminiumstäube/-puder
das gleiche gelten wie für Kohlenstäube. Schafft das Wetter für
den einen Staub ungeeignete Explosionsbedingungen,trifft dies auch auf
den anderen Staub/Puder zu.
Vielleicht ist dies eine Frage auf die uns die Wissenschaft in der
Zukunft eine Antwort geben kann, da G. Bemis plant irgendwann das betauchen
seines Wracks für alle Sporttaucher freizugeben.
We wish to express our gratitude to the man who made this report possible
with the generous donation of his very nice underwater-photos of the SS
Lusitania originating from his fantastic photographic
website www.deepimage.co.uk : Mr. Leigh Bishop! |