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 Geschrieben von Oli
(C) 2002 Oliver Meise
- Keine Gewähr -

Das Jahr 1949 endet nach blutigen Auseinandersetzungen im mittleren Osten mit der hoffnungsbeladenen Gründung des Staates Israel. Schon kurze Zeit später sind die Erwartungen auf gute Nachbarschaft mit den arabischen Anrainerstaaten dahin und es kommt immer wieder zu Kriegen und blutigen Scharmützeln. Doch nicht nur an Land wird gekämpft - auch zu Wasser finden entscheidende Gefechte statt. Zur See hat man aber dem Feind nichts entgegenzusetzen außer ein paar alten konventionellen Schiffen aus dem 2. Weltkrieg. Die Ägypter dagegen verfügen über modernste russische Raketenschnellboote mit extrem großer Reichweite. Zur See herrscht also eine mehr als deutliche Unterlegenheit der israelischen Waffen. Gegen Ende 1962 schickte deshalb der israelische Premierminister Ben Gurion seinen Stellvertretenden Verteidigungsminister Shimon Perez nach Deutschland zu Bundeskanzler Konrad Adenauer. In Deutschland wurden nämlich hervorragende Schiffe des von Israel so gesuchten Typs gebaut. Es handelte sich hierbei um den Schnellboottyp 55 der Werft Lürssen und Kröger.


Bundesmarine-Schnellboot Tiger der Jaguar-Klasse
Photo mit freundlicher Genehmigung der Marine-Offizier-Vereinigung

Dieser beruhte auf den weltberühmten Schnellbooten der deutschen Kriegsmarine des 2. Weltkrieges. In Deutschland bildeten jeweils zehn dieser Boote der Jaguar-Klasse das 3. und 5. Schnellbootgeschwader. NATO-intern gehörten diese Schiffe zur Klasse 140. Diese 42,62m langen und 7,10m breiten 190t-Boote waren für eine Besatzung von 39 Mann ausgelegt und wurden von ihren vier Mercedes-Benz 518 B Dieselmotoren mit insgesamt 12.000 PS auf eine Maximalgeschwindigkeit von bis zu 43 Knoten gebracht. Die Standardbewaffnung bestand aus zwei 40mm/L70-Boforsflakgeschützen in Einzellafetten und vier 53,3cm Torpedorohren. Jeweils eine Flak wurde in einem Bugstand und eine mittig im Heckstand aufgestellt. Auf dem Heck waren dann noch an jeder Bordwand die zwei 53,3cm-Einzeltorpedorohre installiert. Diese konnte man zeitweilig entfernen und stattdessen hier eine Minenwurfanlage einrichten. So wurde aus diesen Schnellbootstyp ein leichter schnellen Minenleger.
Ende 1964 war es dann soweit und drei der bestellten zwölf Boote der Klasse 140 wurden ausgeliefert. Plötzlich wurde dieses Waffengeschäft jedoch bekannt und Deutschland zog sich mit Rücksichtnahme auf die arabische Welt aus diesem Geschäft zurück. Mit den Arbeiten zu den restlichen neun Booten nach deutschen Plänen wurde von den Israelis nun die französische Werft "Chantiers des Constructions Mechaniques de Normandie" in Cherbourg beauftragt. Die restlichen Boote wurden von Israel schon bei Auftragerteilung im Voraus bezahlt.
Im April 1967 war hier das erste Boot fertiggestellt und versegelte auch gleich nach Israel. Mit dem Ausbruch des Sechstagekrieges am 5. Juni 1967 verbot nun auch der französische Premierminister Charles de Gaulle die Auslieferung weiterer Waffen mit Offensivcharakter an Israel. Mittlerweile befanden sich in Cherbourg mehrere Boote in verschiedenen Fertigungsstadien.


Photo mit freundlicher Genehmigung der
Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg

Zwei davon wurden im Herbst 1967 fertig und versegelten trotz Verbot nach Israel. Als am 26. Dezember 1967 israelische Kommandoeinheiten als "Vergeltungsschlag" 13 libanesische Passagiermaschinen auf dem Flughafen von Beirut sprengten, verbot de Galle endgültig jeden weiteren Waffenexport nach Israel. Am 4. Januar 1969 waren schließlich wieder drei Boote in Cherbourg fertig. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gingen israelische Mannschaften an Bord und verdrückten sich damit. Das gleiche passierte nochmals mit den letzten drei Booten dieses Typs am 24. Dezember 1969. Die Französische Seite war natürlich "not amused".
Nach ihrem Eintreffen in Israel wurden die noch unbewaffneten zwölf Boote sehr bald ihren neuen Einsatzzwecken entsprechend von dem israelischen Staatsbetrieb "Israel Shipyard Ltd." bewaffnet und ließen so eine neue Schiffsklasse entstehen: Sechs Boote - Mivtach, Miznak, Mifgav, Eilath, Hiafa, Akko - bildeten die Sa`ar 1- und Sa`ar 2-Klasse. Die letzten sechs - Saar, Gaash, Heref, Hanit Hetz und Soufa - dann die Sa`ar 3-Klasse. Letztere war grundlegend verändert worden. Bei diesen Booten deutschen Ursprungs war der Antrieb und die Bewaffnung komplett ausgetauscht worden. Im Bug wurde ein einzelnes 76mm/L62 OTO Melara-Geschütz aufgestellt. Außerdem befanden sich nun zwei 12,7mm-Flakvierlinge an Bord mitsamt sechs Gabriel-Antischiffsraketen in Einzelabschussbehältern auf dem hinteren Bootsdeck. Die Mercedes-Benz Schiffsdiesel waren durch vier MTU MD 871- Motoren mit einer Leistung von 13.410 PS ersetzt worden. Damit waren diese Schiffe bis zu 40 Knoten schnell und konnten bei 30 Knoten Marschgeschwindigkeit bis zu 1.850km weit fahren - bzw. bei einer Sparfahrt von nur 15 Knoten bis zu 4.650km zurücklegen. Während der langen Jahre im Dienste der israelischen Marine kamen dann noch zahlreiche Umbauten hinzu wie zB. der Ausbau des Buggeschützes und der Einbau von Harpoon-Raketen sowie weiterer elektronischer Einrichtungen und ein Update auf Gabriel III-Antischiffsraketen.


Press photos of INS Soufa kindly donated by IDF

Boote der Sa`ar 3-Klasse bewährten sich von Anfang an wie zB. in den Auseinandersetzungen im Mittelmeer mit der ägyptischen Marine am 8. und 9. Oktober 1973 bei dem Seegefecht von Baltim an der ägyptischen Küste. Hier war auch die INS Soufa beteiligt. Im Jahre 1969 gebaut, schlug nun aber auch bald ihre Stunde -haben doch Schnellboote nur eine Lebensspanne von ca. 20-25 Jahren. So wurde INS Soufa dann auch ausgesondert und sollte verschrottet werden. Man besann sich dann aber eines besseren und versenkte es im Mai 1994 als Tauchattraktion 4,5km südlich von Eilat vor dem "Village Beach" bzw. der Tauchbasis Marina Divers. Vom Parkplatz aus führt ein kleiner Weg hinunter zum Strand. Hüpft man hier rechtwinklig zum Strand in das Wasser und taucht ab, trifft man in zwei bis 4m Tiefe zunächst auf eine Korallenformation. Folgt man den rechtwinkligen Kurs vom Strand weg, kommt man linkerhand in einer Tiefe von acht bis zehn Metern an einem Korallenblock vorbei. Taucht man nun weiter, trifft man auf der Tiefenlinie 22m - ca. 60m vom Strand entfernt - den Bug des Wracks an.


Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Hier kann man nun lustig herumtauchen und zB. das Heck auf 25m Tiefe besuchen oder vorn über das Aludeck dieses ehemaligen Raketenschnellbootes in 18,5m Tiefe hinweggleiten. Die Aluminiumbrücke schließt sich dem in 17m Tiefe an. Das Achterdeck als ehemaliger Startplatz für die Gabriel-Raketen befindet sich dann schon wieder auf einer Tiefe von 22m und bietet auch einen Einblick in den ehemaligen Maschinenraum.


Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Besonders schön anzuschauen ist der von der Blechverkleidung befreite Gittermast der sich bis in eine Höhe von nur noch 12m unter dem Meeresspiegel emporreckt.


Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Udo Kefig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin

Neben seinem Ursprungsnamen INS Soufa kennt man dieses Wrack auch noch unter dem Namen Satil oder Ha Satil was aus dem hebräischen "sfina 't ha til" entlehnt ist und soviel heißt wie "Raketenboot".
Da der Ölhafen in der Nähe liegt, ist manchmal die Sicht nicht besonders gut weil so einiges an Schwebeteilchen im Wasser ist. Möchte man den bei diesem Wrack zugrundeliegenden deutschen Schnellbootstyp lieber trockenen Fußes besichtigen, kann man dies im Schifffahrtsmuseum Bremerhafen tun. Hier liegt eins der deutschen Schwesterschiffe - die Kranich.


GPS-Position:
29°32.698N / 34°57.180E

Sämtliche Unterwasser-Fotografien wurden uns freundlicherweise von Herrn Udo Kefrig und Herrn Stoll über ihre schöne Website www.unterwasserfotografie.de zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!!
Die Photo-Scans dazu wurden uns netterweise erlaubt von : Unterwasser - Das Tauchmagazin

Das oberste Photo zeigt einen Bildausschnitt eines vom Marineamt Wilhelmshafen freigegebenen Photos, das uns freundlicherweise von Herrn Klaus Liedtke von der Marine-Offizier-Vereinigung zur Verfügung gestellt wurde.

Das die fünf in Cherbourg liegenden Schnellboote liegenden Schnellboote der Saar-Klasse zeigende Bild entstammt als Abbildung Nr. 344 dem 3. Band des dreibändigen Werks Schnellboot von Herrn Harald Fock und kann hier mit der freundlichen Genehmigung durch Herrn Hans-Peter Herfs-George von der Koehlers Verlagsgesellschaft in Hamburg gezeigt werden.


Infos

Interessante medizinische Themen sind in der Diskussionsseite Tauchmedizin zu finden. Wie auch in jedem anderen Forum auf unserer Seite - Fragen kostet nichts. Und viele kompetente Antworten sind dir in diesem Forum garantiert.


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