Craspe- WAS ?!! Ja, tatsächlich- auch im heimischen Süßwasser
gibt es erstaunlicherweise eine Quallenart. Ihr Erscheinen und Verschwinden
folgt allerdings noch nicht genau erforschten Eigenheiten.

Keine UFO-Sichtung am klaren Nachthimmel, sondern eine Süßwasserqualle!
Die erste wissenschaftliche Beschreibung von Craspedacusta sowerbii (im englischen auch sowerby oder sowerbyi geschrieben) erfolgte 1880,
als sie in einem Becken mit Wasserlilien im Londoner Regent´s Park
entdeckt wurde (Lankester 1880). Die Herkunft dieser Spezies wird im Ostasiatischen
Raum vermutet- von dort kam sie auf natürlichem Wege oder aber auch als
"blinder Passagier" nach Europa.

Den größten Teil seines Lebens verbringt dieses Tier als
Polyp unscheinbar am Grund der Gewässer, wo es auf Steinen
oder verrotteten Pflanzen lebt.

Diese, mikroskopisch kleinen Polypen der Süßwasserquallen,
ernähren und vermehren sich nur während der Sommermonate in ausreichend
warmen Wasser ab einer Temperatur von etwa 22-24°C. Dadurch, dass aus unerfindlichen Gründen in
unseren Breiten immer nur männliche ODER seltener weibliche Tiere vorkommen, erfolgt ihre Vermehrung asexuell durch Knospung zu einem
Polypen, einer Frustrule oder einer Meduse (die wir als "Qualle"
sichten) . Ein geknospter Polyp bleibt mit seinen Ursprungskörper
verbunden- so entsteht aus einem Polypen eine ganze Kolonie. Aus Frustrulenknospen
entstehen vollwertige Frustrulen- diese sind zigarrenförmige Larven
die nicht mit dem Original verbunden sind, sondern sich frei bewegen können.
Diese verwandeln sich an einem geeigneten Ort wieder zu Polypen und bilden
so neue Kolonien. Sexuelle Fortpflanzung konnte bei C. sowerbii bislang
weder in Europa noch in Nordamerika beobachtet werden:-((

Die Medusenform von C. sowerbii erreicht etwa eine Größe
eines Fingernagels. Ihre klassische Quallenform besteht aus einem transparenten
glockenförmigen Körper der an seiner Unterseite mit von tausenden
Nesseln versehenen Fangarmen bestückt ist. Diese Nematocyten dienen
zum Beutefang- die Nesseln können aber die menschliche Haut nicht
durchdringen. Die Beute wird durch die Nesseln gelähmt oder getötet
und von dort zur Mundöffnung transportiert.

Die Farbe von C. sowerbii ist weiß- durch Einlagerung von Algen
können sie jedoch auch grünlich erscheinen. Männliche C.
sowerbii kann man (wie immer *g*) an Anhängseln erkennen, die an ihnen
herunter hängen- dies sind ihre Gonaden. C. sowerbii kann bei uns
in den Sommer und Herbstmonaten beobachtet werden. Die Süßwasserquallen
ernähren sich von mikroskopisch kleinen Lebewesen, dem Zooplankton,
welches allgegenwärtig ist. C. sowerbii bewegt sich in seichterem
Wasser zwischen der Wasseroberfläche bis zu einer Tiefe von etwa 7
Metern. In der Abenddämmerung begeben sie sich oft an die Wasseroberfläche,
wohin sie offenbar dem Zooplankton folgen.

Die Süßwasserquallen leben bevorzugt in warmen, stehenden
Gewässern wie Badeseen, Schottergruben, Altarmen von Flüssen,
Löschteichen und Tümpeln, aber sogar in wassergefüllten
Gräben. Das Auftreten von C. sowerbii ist schlicht und ergreifend
unvorhersehbar: In manchen Seen sind jedes Jahr eine große Anzahl
anzutreffen, in anderen wiederum alle paar Jahre einige wenige Exemplare.
In manchen Gewässern treten sie einmal- und dann nie wieder auf. Grundvoraussetzung
ist aber immer ausreichend warmes Wasser ab einer Temperatur von 22-24°C.

Die Süßwasserquallen stellen keine hohen Anforderungen an
die Wasserqualität- sind allerdings ebenso wenig ein Indikator für
eine schlechte Qualität des Wassers. Während des Winters ziehen
sich die Polypen zusammen und gehen eine Winterstarre ein, die es ihnen
ermöglicht die kalten Temperaturen zu überleben. Es wird vermutet,
das die Verbreitung von C. sowerbii in diesem Zustand im Gefieder von Wasservögel,
entnommenen Wasserpflanzen, Muscheln, etc. erfolgt. Kommen sie so in ein
Gewässer mit geeigneten Bedingungen, so entsteht aus ihnen wieder
ein Polyp, der sich vermehrt- und auch diesen neuen Lebensraum besiedeln
wird.

Ein kurzer Video-Clip
ist in unserem Downloadbereich
zu finden.
Aus folgenden Seen liegen Beobachtungen von C. sorwerbii in den letzten Jahren vor:
Feldkirchner Seen bei Feldkirchen/Donau, OÖ (A)
Pichlinger See bei Linz, OÖ (A)
Brandstätter See bei Aschach/Donau, OÖ (A)
Kahrteich bei Wr. Neudorf, NÖ (A)
Lobau bei Wien, W (A)
Adolfosee bei Hueckelhoven, NW (D)
Gloecklesee bei Schweinfurt, BY (D)
Dungkopfsee bei Remagen, NW (D)
Langenfelder Seen bei Langenfeld (D)
Streitköpfle bei Karlsruhe, BW (D)
Erlensee bei Hanau, BW (D)
St. Leoner See bei Heidelberg, BW (D)
Hainstadt See bei Offenbach, HE (D)
Vogelberg See, SA (D)
Krotzenburg Badesee bei Hainstadt, HE (D)
Matschelsee bei Offenburg, BW (D)
Linkenheim bei Karlsruhe, BW (D)
Berggeistsee bei Brühl, BW (D)
Heidesee bei Bruchsal, BW(D)
Weicheringer See bei Neuburg/Donau, BY(D)
Badesee Ichenheim bei Offenburg/Lahr (D)
Süplinger Canyon bei Helmstedt (D)
Steinbrüche Löbejün I und III (D)
Kiessee Leuben bei Dresden)
Untergrombacher See
© Text und UW-Bilder 2002 by Harald Mathä
© Mikroskopaufnahmen by Dr. Terry Peard, Indiana University of Pennsylvania,
der uns freundlicher Weise gestattete, diese Aufnahmen zu verwenden.
Thank you, Terry !
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