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Du bist hier: Onlinemagazin 22. Ausgabe Tauchexpedition mit der Tutu 1





 Geschrieben von Michael Scharrer

Tauchexpedition mit der Tutu 1 im Roten Meer, St. Johns und südlicher.

Josef Blumenschein, Eigner der Tutu1 hatte die Idee, mit ein paar ausgesuchten Leuten die Riffe südlich der St. Johns zu betauchen.

Gerhard Strobel, GF des Reiseveranstalters DTTI in Nürnberg übernahm die Organisation. Hier hat er ziemlich auf die Brause gehauen, ob der Anforderungen... Schon im September 01 rührte Gerhard die Werbetrommel, doch erst Anfang März stand die Expedition fest. Expedition ist wohl nicht der rechte Ausdruck [ ;-) ] Denn wir hatten an Bord den gleichen Service wie auf Safaris üblich (hier besonders zu erwähnen das an Körperverletzung grenzende hervorragende Essen), jedoch mit dem Unterschied, dass jeder tauchen konnte wie er wollte und wir auch ein paar Riffe angefahren haben, die wohl tatsächlich noch nicht betaucht worden sind. Wir waren eher ein Taucherstammtisch, der mal ne Runde tauchen geht ;-))) Neben Josef und Crew zählten wir eine Gruppe von 8 Männern und vier Frauen.

Am 6.8. am Spätnachmittag wurden wir von Gerhard am Flughafen Hurghada eingesammelt. Nach einem Erfrischungsbier ging es dann mit dem Bus nach Marsa Alam, wo das Schiff bereits auf uns wartete.

Das Schiff:

Die Tutu1 ist ein 26m langes und ca. 6,5m breites Safariboot aus Holz ägyptischer Bauart mit mittlerem Komfort.

Alle erforderlich nautischen Geräte, Zodiak, 2 Rettungsinseln, 2 Kompressoren, 2 Generatoren und 2 Maschinen mit je 380 PS sind vorhanden.

Reisegeschwindigkeit: ca. 11 Kn, 6 Doppelkabinen, Entsalzungsanlage mit ca. 5t Süsswasser täglich und Aircon im Salon.

Ausreichend Flaschen mit 12l Alu oder 15l Stahl, Leihausrüstung, 50l O2

Um 2:00 Uhr Morgens erreichten wir unser Ziel, hier wurden wir erst einmal mit einem mächtigen Essen abgefüttert. Das war auch nicht was für jeden, ich sag ja, Körperverletzung... Nach einem kleinen Schläfchen stachen wir dann in See. Natürlich wollten wir nicht mit einem Gewaltmarsch direkt zu den St. John`s, sondern auf dem Hinweg einige bekannte Plätze betauchen.

Das Rote Meer gehört leider mittlerweile nicht mehr zu den Top-Tauch-Spots der Welt. Manchmal ist es einfach nur erschreckend. Ich denke mal, dass hier mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Klar, die Taucher machen auch so einiges kaputt, aber vor einigen Jahren hat bis Marsa Alam die Dornenkrone gewütet und der rauhe Seegang richtet auch so einiges an. Es gibt nur wenige Riffe, wo der Bewuchs auch jenseits von 30m noch halbwegs prachtvoll erscheint.

Nach 3 Tagen erreichten wir die St. John`s. Hier wurde eine deutliche Besserung der Riffe sichtbar. Auffällig sind, von Ausnahmen abgesehen, Schäden in tieferen Bereichen. Bis 15m sind sie nahezu intakt.

Dies ist eher eine biologische Einlassung, denn wenn auch nicht alles lebt, wie dies vielleicht jemand aus z.B. Indonesien her kennt, so ist die UW-Landschaft zum Teil einfach grandios. Höhlen, Steilwände, Ergs...

Am 6. Tag erreichten wir ein Riff weiter im Süden, welches uns Rätsel aufgab. Hier hat garantiert noch niemand getaucht. Es sah aus, als wenn hier die Amis einen Bombenangriff geflogen hätten. Einfach nur Tot, kein Fisch, keine lebende Koralle. Es wirkte wie wenn der Zustand schon Jahre so wäre. Aber wieso ist nichts nachgewachsen? Woher kommen die seltsamen Trichter? Ein Rätsel - aber das Riff muss früher großartig ausgesehen haben. Nur ein einsamer riesiger Riesenzacki zog seine Patrouille.

Nun, wir sind die unterschiedlichsten Menschen und dann drei Wochen auf See? So verschieden wir sind, aber wir sind ein richtiges Team und verstehen uns prächtig. Alle? Na ja, nicht alle... Ein "Problemkind" hatten wir an Bord. Aber nach einem Abend mit etlichen Bieren konnten wir seine Hormone ein wenig beruhigen.

1 1/2 Wochen sind nun rum, allmählich fangen wir ganz schön an, herumzualbern, die Stimmung ist prächtig. Natürlich haben da wohl die neuen (oder ist es nur eines..) Riffe beigetragen, die ich zu den Top-Spots des Roten Meeres zähle. Aber wahrscheinlich ist es eher der Stickstoff: 3 -4 Tg mit einer Gesamtverweildauer von 3 - 5 Stunden je Tag im Wasser, das kann ja wohl nicht ohne Folgen bleiben...

Ich mag nicht überheblich klingen, aber es ist schon angenehm, nicht auf Anfänger oder Urlaubstaucher Rücksicht nehmen zu müssen. Keine nervenden Guides, man geht tauchen wenn man Lust hat, egal ob solo oder zu zweit. Tiefen im Logbuch die andere Glauben machen man hätte den Compi auf Fuss umgestellt, Deko, usw... keinen Menschen interessiert das hier. Und sehr angenehm - kein Gejammer über Seegang.

Leider hatten wir auch "Verluste" hinzunehmen. Henning, dessen Ohr streikte, oder Ralf, dessen Entzündung des Zehs auch auf den Fuss überging. Dazu noch ein Jacket und ein geplatzter Hochdruckschlauch.

Hier, kurz vor dem Sudan, setzt uns das Wetter allmählich doch zu. Feuchter als in den Tropen, und das bei 35 Grad. Nachts findet man kaum Schlaf.

Irgend jemand scheint ein Aphrodisiakum ins Meer geschüttet zu haben... Die Fische spielen völlig verrückt. Hier kuscheln Napoleons mit Muränen oder Barschen. Herden von Kugelfischen ziehen umher... Tja, und zwei unserer Frauen wären hier wohl besser nicht tauchen gegangen, sie müssen etwas von dem Wasser geschluckt haben ;-)))

Augenscheinlich war hier tatsächlich noch kein Taucher, manche Fische sind ganz schön neugierig. Bei dem einen Barakuda war mir dies nicht ganz geheuer.

Nun ist allmählich "Heimreise" angesagt, Josef möchte uns noch ein paar Spots bei den St. John`s zeigen. Auch die Temperatur "kühlt" leicht ab und wirkt angenehmer. Kaum zu glauben, was ein paar Kilometer ausmachen. 4 - 6 Bf, Wellenhöhen bis 2m. Endlich wieder normales Wetter.... und die Schwitzerei hat ein Ende.

Hier bei den St. John`s habe ich dann auch was für mich Neues entdeckt... Da mache ich einen TG im 70er Bereich als ich eine Wand entdecke in der es recht rot leuchtet. Die Wand sah einfach nur "geil" aus mit ihrem fluoreszierenden rot, fast wie ein Traum. Aber rot, in dieser Tiefe? Ich glaubte an einen beginnenden Tiefenrausch und machte, dass ich nach oben kam. Am nächsten Tag entdeckte ich am "Eden Reef" wieder eine solche Wand. Nun war mir klar, kein Tiefenrausch. Eine mögliche Erklärung: Schwämme (Bohrschwamm) die Schwermetalle speichern. Diese Schwämme sind nur mm dick auf der Korallenoberfläche, bohren sich in diese hinein - und saugen sie aus.

Die Zeit verrinnt wie im Fluge. Schon stehen wir wieder in Marsa Alam am Pier und warten auf den Bus.

Josef wird in der nächsten Saison diese Süd-Tour für 10 - 14 Tages Törns mit in sein Programm aufnehmen. Eines ist gewiss, die Tutu1 sieht mich wieder! Die Anfahrt zu den St. John`s oder südlicher lohnt sich allemal, die Spots dort bieten auch dem verwöhnten Taucher einiges und das angenehme Umfeld lädt auf jeden Fall zu einer Wiederholung ein.


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