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 Geschrieben von Oli
(C) 2002 Oliver Meise
- Keine Gewähr -

Menschen sind erstaunlich einfallsreich, wenn es darum geht Maschinen zu ersinnen die andere Menschen töten können. Je mehr desto besser. Betrachtet man die speziell zu Kriegszwecken erfundenen und voran gebrachten Technologien, so bekommt die Redewendung von "dem Krieg als Vater aller Dinge" einen der Perversion nahen Inhalt. Da ist es auch nicht besonders tröstend, sich vor Augen zu führen dass das in der Geschichte der Menschheit schon immer so war. Als Jules Verne seinen Roman von Kapitän Nemo und seinem Tauchboot vorlegte war dieses zwar eine interessante Fiktion, jedoch dachte niemand an eine ernsthafte Umsetzung. Doch schon kurze Zeit später wurden die ersten ernstzunehmenden Projekte vorgelegt, realisiert und schließlich von allen größeren Seefahrernationen auch militärisch genutzt. Fortwährende Verbesserungen brachten fortschrittlichere Uboote. Eines davon wurde am 27.April 1911 auf der Vickers-Werft bei Barrow-in-Furness/Großbritannien auf Kiel gelegt.

Dieses Uboot der E-Klasse verdrängte maximal 795ts, war 53,65m lang bzw. 6,86m breit und war für eine maximale Tauchtiefe von 61m ausgelegt. Die beiden auf zwei dreiblättrige Schrauben wirkenden jeweils 800 PS starken Vickers- Dieselmotoren konnten eine Höchstgeschwindigkeit von 14 Knoten über Wasser erreichen bzw. mit dem Ölvorrat von 42t an Bord bei einer Marschgeschwindigkeit von 10 Knoten eine Reichweite von 3.000 Seemeilen erzielen. Für die Fortbewegung unter Wasser sorgten zwei jeweils 420 PS starke Elektromotoren, die mit Hilfe der an Bord befindlichen Akkumulatoren eine Geschwindigkeit von bis zu 9,5 Seemeilen ermöglichten. Sollte es aber notwendig sein sich davonzuschleichen, reichte dieses Antriebsanlage dazu aus bei einer Geschwindigkeit von drei Knoten eine Reichweite von 99 Seemeilen zu erzielen. Die Bewaffnung bestand aus acht Mk VIII-Torpedos die aus einem 45cm-Bugtorpedorohr, zwei 45cm-Breitseitentorpedorohren und einem 45cm-Hecktorpedorohr abgeschossen werden konnten.
Nach Fertigstellung lief dieses Uboot dann am 29. Oktober 1912 vom Stapel und wurde an den Ausrüstungskai verholt. Hier kamen nun die Einrichtungen an Bord für die die Werft nicht zuständig war wie zB. die Funkanlage. Schließlich wurde das Uboot der aus drei Offizieren und 28 Unteroffizieren und Mannschaftsdienstgraden bestehenden Mannschaft übergeben die es einfuhren und erprobten. Am 29. Mai 1914 wurde das Uboot mit der taktischen Nummer I 83 endlich in Dienst gestellt und wurde unter dem Kommando von Lieutenant-Commander G.F. Cholmley und dem Namen E 3 in die 8.Ubootsflottille der Royal Navy in Harwich eingereiht.

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges verfügte diese der Home Fleet unterstellte Flottille über die 10 modernsten Uboote der ganzen Royal Navy. Bei Beginn der Feindseligkeiten wurden diese auch sofort eingesetzt, da auch nur sie wegen ihrer großen Reichweite gegen die deutsche Küste offensiv werden konnten. Sie wurden nun wichtiger Bestandteil der britischen Blockadepolitik und meldeten als vorgeschobene Beobachter per Funk die Bewegungen der deutschen Seestreitkräfte. Bei besonders günstigen Gelegenheiten griffen sie dann selbst in das Geschehen ein,während sie den restlichen Seekrieg den regulären Überwasserstreitkräften der Royal Navy überließen. Am 16. Oktober 1914 legte E 3 erstmalig von dem Ubootmutterschiff HMS Maidstone ab und ging auf seine erste Feindfahrt in die Nordsee um dort in dem zugewiesenen Operationsgebiet vor Borkum auf und ab zu stehen. Besonders ergiebig war oft die Beobachtung der deutschen Flussmündungen da hier einiges an Verkehr zu erwarten war. Oft legten sich ganz in der Nähe dieser Seewege die Uboote auf den Grund und lauerten dort mit eingeschalteten Horchgeräten dem deutschen Seeverkehr auf. So verfuhr zunächst auch E 3 und begab sich in die Nähe der Emsmündung. Da der Unterwasseraufenthalt aber von dem Luftvorrat und dem Stromvorrat in den Akkumulatoren abhängig ist, muss gelegentlich aufgetaucht werden um diese Ressourcen über Luftverdichter bzw. ein Aufladen mittels Schiffsdiesel zu ergänzen. Am 18. Oktober 1914 war es vormittags mal wieder soweit und E 3 stieg zur Oberfläche auf um die Akkumulatoren aufzuladen. Einige Tage zuvor hatte das deutsche Uboot U 27 unter dem Kommando von Kapitänleutnant Wegener seinen Liegeplatz in Emden verlassen.


U 27 an seinem Liegeplatz

Ziel von U 27 war das diesem Uboot zugewiesene Patrouillengebiet zwischen Emsmündung und Borkum. Dort angekommen sichtete der Ausguck im Ubootsturm von U 27 um 11.25 Uhr einen bojenähnlichen Körper im Wasser.
Bei der Annäherung an dieses Objekt stellte man fest, dass es sich bei dieser Boje um den Turm eines in der Dünung dümpelnden Ubootes handelte. Sofort tauchte U 27 weg um das gegnerische Uboot nicht auf sich aufmerksam zu machen. Eine weitere Beobachtung dieses Uboots führte aufgrund der deutlich auf den Turm gemalten taktischen Nummer I 83 zur einwandfreien Identifizierung als britisches Uboot. Aus ca. 300m Entfernung löste U 27 nun zwei G6-Torpedos aus seinen 50cm-Bugtorpedorohren auf E 3.Diese trafen nach einer Laufzeit von zwölf Sekunden das Heck von E 3. Sofort detonierten die beiden mit jeweils 160kg einer TNT/Hexanit-Sprengstoffmischung versehenen Gefechtsköpfe der Torpedos und versenkten das britische Uboot. Trotz einer entsprechenden Suche von U 27 über der Versenkungsstelle gab es keine Überlebenden.
Mit der Versenkung von E3 durch U 27 versenkte erstmalig in der Seekriegsgeschichte ein Uboot ein anderes Uboot. Über 80 Jahre lang lag nun das Uboot unberührt auf dem Meeresgrund. Erst 1997 wurde es zwischen Borkum und Schiermonnikoog "wiederentdeckt". Da ging nämlich die vom deutschen Torpedo abgesprengte Hecksektion des Uboots einem Fischer "ins Netz".

Am Ende der Hecksektion sieht man deutlich ein geöffnetes Luk. Hinter diesem befand sich der hintere "Stachel" von E 3 - das 45cm-Hecktorpedorohr!

Möchte man heute zu dem Wrack von E 3, gibt es im Moment nur die Möglichkeit einen Platz auf der von Lauwersoog aus operierenden MS Zeester von Klaas Koch zu buchen. Einen derartigen Trip hat Theo Beelien mitgemacht. Die dabei entstandenen Aufnahmen hat er jetzt großzügigerweise TN gespendet und für einen Bericht zur Verfügung gestellt.
Hüpft man nun vom Boot aus ins Wasser und taucht ab, sieht man bei einer durchschnittlichen Sichtweite von ca. zehn Metern schon bald das in ca. 30m Tiefe auf dem Meeresgrund liegende Uboot.
Beginnt man den Tauchgang am hinteren Ubootsteil, kann man wegen der abgerissenen Hecksektion direkt in den Maschinenraum schauen.

Hier springt einem auch sofort das Gehäuse eines der Elektromotoren des Ubootes ins Auge.

Man könnte hier nun tief in das Uboot eindringen. Angesichts des Umstandes daß es sich bei E 3 um ein Kriegsgrab handelt und im Jahre 1999 bei einem solchen "Spaß" ein holländischer Taucher sein Leben verloren hat, sollte man derartige Dinge aber besser sein lassen -erst recht ohne die entsprechende Ausbildung und Erfahrung! Denn im ersteren Fall steigt einem die Polizei aufs Dach und im letzteren der Deibel. Taucht man nun vom Heck des Ubootes nach vorne, kommt man an seitlich auf der Ubootröhre angebrachten Wülsten vorbei. Dies sind die Ballasttanks in denen der Treibstoff gelagert wurde bzw. die auch als Tauchzellen dienten.

Etwas weiter nach vorn kann man dann auch noch Reste des Achterdecks erkennen. Hierunter befinden sich die Auspuffleitungen des Schiffsdiesels.

Taucht man hier entlang der Wrackoberkante weiter, trifft man auf die Überreste des Uboots-Turms.

Der Turm selbst fehlt. man sieht aber alle Anschlußrohre für die im Ubootsturm untergebrachten rohrähnlichen Gerätschaften wie zB. das Rundblickperiskop, das Angriffsperiskop und die Luftansaugrohre für die Innenbelüftung des Uboots. Außerdem sieht man hier auch noch den traurigen Überrest eines abgebrochenen Periskops.

Schlussendlich befindet sich an dieser Stelle auch der Einstieg in das Uboot selbst nebst herunterführender Leiter.

Für abenteuerlich veranlagte die alles selbst erleben müssen zeigt die Erstbetauchung des Wracks,daß es innen tatsächlich nichts zu sehen gibt und diese Wrackpenetration sinnlos ist.



Die einzigen Dinge die hier in der Zentrale annähernd ihren Sinn verraten sind wohl der Periskopsockel, die Anzeigeinstrumente für Geschwindigkeit und zurückgelegte Strecke sowie ein Sprechtrichter.


Von der Zentrale aus kann man durch ein Kugelschott weiter nach vorne in den Torpedoraum tauchen.

Aber auch hier trifft man bis auf einige wenige aussagekräftige Handräder und einen vergammelten Torpedomotor im wesentlichen nur auf eins: Ägyptische Dunkelheit.

Also spart man sich den ganzen Penetrationskram besser und verlustiert sich außen. Taucht man nun vom Turmrest aus weiter nach vorne, trifft man auf eines der vier Tiefenruder von E 3. Davon befanden sich jeweils zwei an jeder Schiffsseite vorne und hinten. Mit ihnen konnte E 3 bei Maschinenbetrieb "dynamisch" auf- und abtauchen.

Weiter vorn direkt an der Bugspitze trifft man dann auf die Besonderheit der E-Klasse Uboote der 1. Bauserie: Das Einzel-Bugtorpedorohr.

Das hier rechts abgebildete Bronze-Luk desselben wurde aber schon kurz nach der Entdeckung für museale Zwecke abgeborgen. Dies trifft auch auf einige Gegenstände aus dem Turm- bzw. Zentralebereich zu.
Da E 3 auch vom Ubootsturm aus gefahren wurde, befand sich dort auch ein Maschinentelegraph. Dieser hier wurde von der Firma Chadburn hergestellt -leider ist aber sein Zifferblatt weggegammelt.
Er befindet sich heute zusammen mit den anderen hier gezeigten Gegenständen von diesem Wrack im Wrackmuseum Terschelling.

Aus der Zentrale selbst ist die Schaltbox mit Amperemeter für den Elektromotor der das Periskop hoch und runter bewegte. Wie man noch heute auf dem Zifferblatt ablesen kann war der Hersteller die Firma Everett, Edgcumbe &Co. Ltd. in London.

Aus der Zentrale stammt auch der Geschwindigkeits- und der Entfernungsmesser sowie die hier abgebildete Zuckerdose.


Um von der Zentrale aus Mitteilungen in andere Ubootsektionen zu machen, verwendete man diese Sprechröhren.

Um das Wasser in die Ballasttanks zu befördern bzw. diese zu entleeren benutzte man in der Zentrale dieses Kommadoelement für die Pumpenmotoren. Speziell dieses hier diente der Kontrolle über die Steuerbordtanks.

Dieser unscheinbare Kasten aus der Bildmitte sieht nach der Restaurierung so aus:

Schließlich konnte aus der Zentrale auch die Glocke von E 3 mit der Aufschrift "H.M.Submarine E 3 May 29 1914" geborgen werden.

Aus dem vorderen Torpedoraum stammt die im folgenden abgebildete elektrische Handabfeuerung für die Torpedos.

Von den 1.736kg schweren Torpedos in diesem Uboot wurden die Gyros geborgen. Entgegen landläufiger Meinung ist das kein gegrilltes Fleischgericht, sondern der Mechanismus der den Torpedo mit seiner explosiven Fracht von 145kg TNT während seines Laufs durch das Wasser auf Kurs und in der richtigen Tiefe hält.

Aus dem Bugtorpedoraum stammt dann auch dieses bronzene Luk des Torpedorohrs, durch das beim öffnen desselben das Rohr mit einem Reservetorpedo nachgeladen werden konnte.

Aus dem Maschinenraum wurden dann noch allerlei Kleinteile geborgen wie zB. dieser Umdrehungszähler des Schiffsdiesels von der Firma Chadburn in Liverpool.

Im Maschinenraum fanden sich außerdem zahlreiche Manometer und sonstige Armaturen an.

Auch U 27 sollte das Kriegsende nicht erleben. Nachdem es im Jahre 1915 neun Schiffe mit insgesamt 29.402 BRT versenkt hatte, traf es am 19. August 1915 ca. 70 Seemeilen südlich von Queenstown in Westirland auf zwei Handelsschiffe. Eines davon war das mit Bannware fahrende US-Handelsschiff SS Nicosian, das andere die getarnt unter der neutralen US-Flagge fahrende britische Uboot-Falle HMS Baralong. Erstere wurde von U 27 torpediert und trieb dann auf dem Wasser, letztere eröffnete entgegen allgemeingültigem Kriegsrecht unter dieser Flagge das Feuer und zeigte diese Flagge nach Berichten von überlebenden US-Staatsbürgern der SS Nicosian auch während des ganzen Gefechtes. Nachdem das Uboot auf der Position 50°25`N / 80°15`W versenkt war und sich ca. ein Dutzend deutsche Matrosen ins Wasser retten konnten, befahl der Kommandant der britischen Uboot-Falle das Feuer auf die deutschen Schiffbrüchigen zu eröffnen.
Bis auf drei Matrosen wurden so alle ermordet. Die überlebenden drei Matrosen retteten sich auf die nahebei treibende SS Nicosian. Ein Suchkommando der HMS Baralong kam an Bord der SS Nicosian, fand die drei Überlebenden und erschoss die waffenlosen deutschen Matrosen.
International fand dieser Zwischenfall große Beachtung.
Die Beteiligten wurden nie bestraft.

Alle nicht anders gekennzeichneten Farbfotos stammen von Herrn Theo Beelien der auch mehrere Videos über interessante Nordseewracks gedreht hat. Unseren herzlichen Dank nach Holland!!
Einen interessanten Einblick in seine Fotosammlung und seine Videos bekommt man auf seiner sehenswerten Homepage.


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