Fünf und mehr Sterne...

 Geschrieben von Olaf

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...haben mittlerweile viele Malediveninseln und locken mit Wellness-Angeboten, Rund-um-die-Uhr-Service oder gar einem eigenen Weinkeller. Schön und gut, wenn man auf derlei Luxus wert legt (und das passende Kleingeld in der Tasche hat), aber wohin fährt derjenige, der einfach nur Tauchen will? Ein guter Tip ist Velidhu (alter Name: Avi) im nördlichen Ari-Atoll. Von Wasser und Brot ernähren und im 20-Betten-Schlafsaal übernachten muss man hier auch nicht, aber in diesem 4-Sterne-Resort bleibt dann doch alles noch "im Rahmen", und das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt auch.

100 Zimmer hat die Insel, 20 davon befinden sich in Wasserbungalows. Zwar bleibt das ganz originale Malediven-Feeling ein wenig auf der Strecke - Restaurant und Bar haben einen gekachelten Fußboden - aber Schuhe braucht man trotzdem nicht. Die Bungalows liegen angenehm weit auseinander und sind in die üppige Vegetation der Insel eingebettet, ihre Größe ist enorm (großer Schlafraum, Abstellraum, Ankleidezimmer und Bad) und die Möbel sind gut in Schuß. Auch über den Zimmerservice kann man beim besten Willen nicht meckern. Ein Wermutstropfen bleibt aber: Die Wasserbungalows liegen sehr nahe an dem Steg, an dem die Tauchboote ablegen und morgens (meistens so gegen sieben) die Wasserflugzeuge ankommen. Das kann man wohl, vorsichtig gesagt, als etwas unglücklich bezeichnen. Ich für meinen Teil würde mir daher sehr überlegen, ob ich mehr Geld für einen Wasserbungalow ausgebe und dafür fast jeden morgen vom Motorenlärm der Air Taxis geweckt werde. Zugegeben, in diversen Bungalows hört man den Lärm auch, aber dafür hat man da ja auch keinen Aufpreis bezahlt.

Apropos Aufpreis: Die Insel ist auch All-Inclusive buchbar, was in diesem Fall aber eher Some-Inclusive heißen sollte. Denn nicht alle Getränke sind inklusive, am Anfang des Urlaubs bekommt man eine Liste, auf der die freien Getränke aufgeführt sind. Das hat jetzt allerdings nichts mit Abzocke zu tun: In den Katalogen der Reiseveranstalter wird darauf hingewiesen, und die Auswahl der Getränke ist immer noch mehr als ausreichend: Alle Softdrinks (bis auf Cola light und frischgepresste Säfte), Bier, Wein zum Essen und diverse Cocktails. Wem das nicht reichen sollte, der muß halt für sein Lieblingsgetränk draufzahlen. Wer übrigens beim Thema "All-Inclusive" gleich Horrorvorstellungen von Horden sturzbetrunkener Menschen bekommt, muß keine Angst haben: diese Auswüchse gibt's aus Velidhu nicht, die meisten All-Inclusive-Gäste waren eher alte Malediven-Hasen, die schnell mal die Kosten für Wasser, Softdrinks und ein Dekobier durchgerechnet haben und dabei zu dem Schluß kamen, daß sie mit All-Inclusive günstiger weg kommen.

Beim Thema Trinken ist natürlich das Essen nicht weit, und das kann man eigentlich nur als hervorragend bezeichnen. Zwei Gerichte werden immer frisch, also in Wok, Pfanne oder auf dem Grill zubereitet, der Rest wird als Buffet angeboten. Dazu kommt eine Suppe, ein großes Salat- und Vorspeisen- und ein Nachspeisen-Buffet. Je nach Wochentag ändern sich die Themen des Buffets, mal asiatisch, mal italienisch, mal indisch-maledivisch. Sehr angenehm fand ich, daß sich dabei nicht jede Woche die Buffets wiederholten, sondern auch beim gleichen Themenbuffet die Speisen variiert wurden. Ist auch nicht immer überall so... Noch kurz zum Frühstücksbüffet: Große Auswahl an Brot, großes Früchtebuffet, Frühstücksflocken (oder auch Cereals; wer mit einem besseren Sammelbegriff im Deutschen dienen kann, möge mich bitte anmailen!), ein großes Englisches Buffet (Bacon, Rührei, Baked Beans etc.), frische Eierspeisen nach Wunsch (z.B. Spiegelei oder Omelett) und ein Curry, meistens etwas fischiges.

Tja, soviel zur Insel, vielleicht eins noch: Das Abendprogramm fand ich persönlich nicht besonders gelungen - Bingo, Magic- und Akrobatik-Show sind nun einfach mein Ding nicht. Anderen hat's wiederum gut gefallen, aber da es nur eine Bar gibt, hat man, wenn einem das Programm nicht zusagt, keine andere Ausweichmöglichkeit, als sich an einen der hintersten Tische zurück zu ziehen. Was dann im Fall der Fälle auch kein Problem ist.

So, nun aber endlich zum Tauchen! Die Basis auf der Insel wird von den Eurodivers betrieben, der Basisleiter ist der Deutsche Tom Weber, außerdem arbeiten zur Zeit auf der Insel die Instruktoren Connie, Priska, Laurence und Peer. Seit 1996 sind die Eurodivers auf Velidhu und fahren von dort aus etwa 34 Tauchplätze an.

Und die haben es teilweise in sich: Neben Ausfahrten zum Maaya Thila und Hafza Thila, zwei sehr schönen Haiplätzen, stehen auch Tagestouren zu Plätzen wie Maalos Thila (wunderschöne Überhänge mit Weichkorallen, leider meistens mit viel Strömung) oder Fish Head an. Ein weiteres Highlight: der "Crazy Trip" (crazy deswegen, weil die Abfahrt um 4 Uhr morgens ist) ins benachbarte Rasdhoo-Atoll. Dieser Trip lohnt sich deswegen, weil man mit etwas Glück Hammerhaie zu sehen bekommt - und dafür lohnt sich dann auch mal das frühe Aufstehen. Zusätzlich wird zweimal die Woche Nachttauchen vom Boot aus angeboten, dazu kommen noch die "normalen" Ausfahrten am Vor- und Nachmittag. Natürlich gibt es auch Tauchplätze, die einen nicht so vom Hocker hauen, gerade was den Korallenbewuchs angeht, der im Ari-Atoll durch El Nino teilweise schon sehr gelitten hat. Andererseits ist das eigentlich klar; wenn ich auf die Malediven, kann ich keine Korallengärten wie am Roten Meer erwarten.

Dafür hat man aber auf den Malediven die Möglichkeit, Großfrische zu sehen, ohne gleich ein Safariboot buchen zu müssen. Große Schwärme von Grauen und Weißspitz-Riffhaien sind an einigen Stellen nichts außergewöhnliches. Dazu kommen dann natürlich noch Mantas (normalerweise etwa von November bis April, obwohl mit viel Glück auch mal in der Nebensaison welche anzutreffen sind), Walhaie (ebenfalls von November bis April), standorttreue Schildkröten und eigentlich alles, was der indische Ozean an Fischen zu bieten hat.

Ein weiteres Positivum ist, daß auf Velidhu seit kurzem auch Nitrox angeboten wird. Die Kurse laufen nach den Richtlinien des NRC, und wer den Kurs auf der Insel macht oder ein NRC-Brevet sein Eigen nennt, der taucht auch noch ohne Aufpreis mit Nitrox. Und das ist doch ein sehr netter Zug, oder?

Überhaupt ist die Basis gut ausgestattet: Zur Verfügung stehen 30 komplette Leihausrüstungen mit Jackets von Aqualung und Automaten von Scubapro. Alles machte einen sehr guten Eindruck, was sicher auch daran liegt, daß die Automaten regelmäßig in der Werkstatt der Basis gewartet werden. Ebenfalls positiv fand ich, daß der Kompressorraum kein "wohlbehütetes Geheimnis" war. Wer wollte, konnte immer einen Blick hinein werfen und sich vom guten Zustand der Kompressoren überzeugen. Und damit sie auch in diesem Zustand bleiben und der Taucher keine verunreinigte Luft bekommt, werden die Filter alle 50 Betriebsstunden gewechselt - die Kladden mit den Daten hängen direkt neben den Kompressoren.

Alles in allem machen sowohl die Basis als auch die Instruktoren einen sehr guten und vor allem auch professionellen Eindruck. Das heißt sicherlich nicht, daß nicht auch mal gelacht werden darf, aber beim Tauchen oder vorher auf dem Boot hatte man immer den Eindruck, sich auf das Personal hundertprozentig verlassen zu können - und so soll's ja eigentlich auch sein.

Mein Fazit: Die Insel hat ein paar kleine Schwachpunkte - wie sehr diese ins Gewicht fallen, muß letztlich jeder für sich entscheiden. Mich werden sie jedenfalls sicher nicht daran hindern, wieder mal auf Velidhu Urlaub zu machen. Über die Basis kann man eigentlich gar nicht meckern. OK, der Umgang mit Nitrox war teilweise noch ein wenig provisorisch (wo ist doch gleich wieder der Taschenrechner für die Berechnung der MOD?), aber da bin ich mir sicher, daß sich das noch einspielen wird, denn schließlich war ich beim ersten Kurs auf der Insel dabei - und da kann eigentlich nach menschlichem Ermessen nicht alles glatt laufen. Ansonsten aber gibt's nichts zu meckern, und ich kann die Basis eigentlich nur empfehlen. Die Insel natürlich auch, wenn's nicht gerade fünf Sterne sein müssen und man Wert auf einen Weinkeller legt...


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