Die TG Manati aus Oberhausen-Rheinhausen führte am 14.09-15.09.2002
in den Clubräumen der TG Manati ein Weiterbildungsseminar "Süßwasserbiologie"
unter Leitung von Dr. Marcus Frohme Sachabteilung Umwelt und Gewässerschutz
im BTSV durch.
Dr. Marcus Frohme informierte ausführlich in Theorie und Praxis über
die Flora und Fauna unserer einheimischen Gewässern und deren Bewohnern.
Die Teilnehmer wurden während des Seminars sensibilisiert und auf
die Unterschiede und Warnhinweise unserer Umwelt hingeführt.

Der Programm- Ablauf war wie folgt aufgebaut:
Samstag 14.09.02 Sonntag 15.09.2002
Theorie:
Gewässertypen,Klassifizierung von Gewässern, Zonierung in einem
Gewässer, Saprobiensystem und Makrophytenindex, Ein See als
Lebensraum, Stoffkreisläufe
Praxis:
Mitgebrachtes Material sortieren, Material sichten und sortieren,
Tauchgang um Material zu sammeln, Tiere bestimmen, Ausstellung des
Materials
Theorie:
Wasserpflanzen, umweltgerechtes Tauchen, Wassertiere
Praxis:
Material sichten und sortieren, Tauchgang zur Pflanzen-Kartierung,
Pflanzen bestimmen, Auswertung der Daten, Ausstellung organisieren
Wie beurteilt man die Wasserqualität stehender
Gewässer ?
Die Wasserqualität eines Sees wird von vielen Faktoren beeinflusst:
Von seinem Alter, der geografischen Lage, der Größe, der Tiefe
und anderen. Für die Beurteilung eines Gewässers ist es wesentlich,
seinen Nährstoffgehalt zu kennen. Dieser kann mit verschiedenen Methoden
erfasst werden:
1. Durch direktes Messen der chemischen Größen. Vorteil:
mengenmäßige Erfassung der wesentlichen Stoffe möglich.
Nachteil: Gültigkeit nur für den Zeitpunkt und den Ort der Probenentnahme.
Änderungen der Werte sind selbst im Tagesverlauf nicht auszuschließen.
Zuverlässige Aussagen nur bei längerfristiger Untersuchung möglich.
2. Durch Erfassen und Bestimmen der Organismen. Hierfür sind Zeigerorganismen
geeignet, deren Lebensansprüche bekannt sind: Planktonarten (Kleinkrebse,
Algen), Muscheln Insektenlarven, Fische und größere Wasserpflanzen.
Auch längerfristige oder zeitlich zurückliegende Einflüsse
sind erkennbar.

Unterschiede zur biologischen Gütebestimmung von
Fließgewässern
Ein unverschmutztes Gewässer ist in der Lage, ein Gleichgewicht
zwischen dem Aufbau (Produktion) und dem Abbau (Destruktion) organischen
Materials zu halten. Nährstoffzufuhr durch Abwassereinleitung und
Düngung fördern die Produktion, die wiederum eine gesteigerte
Destruktion nach sich zieht. Der Abbau kann jedoch nicht beliebig gesteigert
werden, da er sauerstoffabhängig ist.
Für eine Fließgewässerbeurteilung relevante Zeigerorganismen
werden im sogenannten Saprobiensystem einem bestimmten Wert (Saprobienindex,
SI) zugeordnet, der durch mühsame Feldarbeit und Laboruntersuchungen
ermittelt wurde. Definitionsgemäß stellt der Saprobienindex
der Wassertiere als Grad der organischen Zehrung ein Maß für
die Belastung bzw. Verschmutzung ihres Lebensraums mit abbaubaren organischen
Substanzen dar. Die Untersuchung eines Fließgewässers nach seinen
bioindikatorisch bedeutsamen Arten erlaubt mit Hilfe der bekannten Indexwerte
eine abschließende Beurteilung der Gewässergüte.

Biologische Gütebestimmung stehender Gewässer
Das Saprobiensystem kann nur in den zur Selbstreinigung befähigten
Fließgewässern angewandt werden. Stehende Gewässer sind
geschichtete dreidimensionale Wasserkörper mit äußerst
eingeschränkter Selbstreinigungskraft, die in unterschiedlicher Tiefe
durchaus unterschiedliche Güte aufweisen können. Eine nach dem
Saprobiensystem im Sommer durchgeführte Untersuchung eines Sees könnte
für den Bereich des Tiefenwassers eine Güte von IV ergeben und
für den Uferbereich eine Güte von II. Diese für eine Gütebeurteilung
untauglichen Ergebnisse sind eine Folge der Schichtung des Wassers.
| Die Beurteilung stehender Gewässer
geschieht über die Intensität der pflanzlichen Produktion
(Trophie). Pflanzen (Algen ebenso wie höhere Pflanzen) produzieren
organische Verbindungen aus verschiedenen anorganischen Stoffen und Verbindungen
unter Anwesenheit des Katalysators ("Vermittlers") Chlorophyll.
In vielen Gewässern entfällt der größere Teil dieser
Erzeugung organischer Verbindungen (Stärke, Eiweiß) auf Algen.
Höhere Wasserpflanzen produzieren nur den kleineren Teil. Wenn genügend
Energie (Licht) vorhanden ist und andere Bedingungen wie z.B. die Temperatur
stimmen, "legen sie mit der Produktion los" bis der erste für
die Erzeugung nötige Stoff knapp wird (Minimum-Gesetz, Justus Liebig).
Dieser begrenzende Stoff ist in der Regel Phosphor (als Phosphat), zum
Teil kann dies auch Stickstoff (als Nitrat) sein. Eine Zufuhr von Phosphat
hat in diesem Zustand der begrenzenden Knappheit eine sofortige Steigerung
der Produktion zur Folge. Der Eintrag von Phosphaten aus Haushalten (Waschmittel)
sowie aus der Landwirtschaft führte in der Vergangenheit zur Düngung
bzw. Überdüngung der Gewässer mit erheblich Folgen (in vereinfachter
Form: Große Mengen Biomasse, die am Gewässergrund zersetzt wird
>>> Sauerstoffmangel im Tiefenwasser >>> vermehrte Freisetzung
zuvor gebundenen Phosphats, >>> zusätzliche Steigerung der Produktion
usw. bis zum "Umkippen" des Sees).

|
Untersuchungsmethoden
Die Bestimmung der pflanzlichen Produktion (Trophie) eines stehenden
Gewässers kann mit zwei verschiedenen Verfahren geschehen:
1. Labormäßig, anhand der Menge Algen, bzw. genauer
gesagt, anhand des Chlorophyll-a-Gehaltes durch spektoskopische Messung
eines Extrakts aus dem Filterrückstand einer Wasserprobe.
2. Durch Bestandserfassung und Auswertung der vorkommenden Wasserpflanzen
(Makrophyten)
In erster Näherung kann der Zustand eines stehenden Gewässers durch
Bestimmung der vorgefundenen untergetauchten Wasserpflanzen (submerse Makrophyten)
abgeschätzt werden. Eine Reihe von Pflanzenarten gedeihen nur unter
ganz spezifischen Bedingungen und dienen durch ihr Vorhandensein bzw. besonders
durch ihr Fehlen als Indikator.
Unterwasserpflanzen (Makrophyten) und Algen als Zeiger
für unterschiedliche Nährstoffgehalte
Die Arten mit vergleichbaren Ansprüchen, die in großer Zahl
gefunden werden, weisen auf den Gewässerzustand hin. Pflanzen mit
anderen Ansprüchen, die nur vereinzelt auftreten, widersprechen dem
Gesamtbild dabei nicht. So können ein sehr zahlreiches Auftreten einer
Art z.B. Raues Hornblatt und das vereinzelte Auftreten oder Fehlen
einer anderen Art (z.B. Armleuchteralgen) Anzeichen eines stark nährstoffreichen
Gewässers oder Uferabschnitts sein.
Folgende Unterwasserpflanzen lassen sich tauchend sehr gut bestimmen
und sind zur Abschätzung des Nährstoffgehaltes geeignet.
| Pflanze (Alge) |
bevorzugtes Nährstoffangebot |
| Armleuchteralgen (Chara und Nitella spez.)
* |
sehr gering bis mittel
|
| Grasartiges Laichkraut (Potamogeton gramenius |
gering
|
| Gemeines Quellmoos (Fontinalis antipyretica) |
gering bis stark
|
| Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum
spicatum) |
mittel
|
| Durchwachenes Laichkraut (Potamogeton perfoliatus) |
mittel
|
| Glänzendes Laichkraut (Potamogeton
lucens) |
mittel
|
| Wasserschlauch (Utricularia australis) |
mittel
|
| Gemeiner Tannwedel (Hippuris vulgaris) |
mittel bis stark
|
| Fädige Grünalgen |
mittel bis sehr stark
|
| Haarblättriger Hahnenfuß (Ranunculus
trichophyllus) |
mittel bis stark
|
| Kamm Laichkraut (Potamogeton pectinatus) |
mittel bis stark
|
| Krauses Laichkraut (Potamogeton crispus) |
mittel bis stark
|
| Nuttalls Wasserpest (Elodea nuttallii) |
mittel bis stark
|
| Spreizender Hahnenfuß (Ranunculus
circinatus) |
mittel bis stark
|
| Stumpfblättriges Laichkraut (Potamogeton
obtusifolius) |
mittel bis stark
|
| Wasserstern (Callitriche cophacarpaa) |
mittel bis stark
|
| Gemeines Hornblatt (Ceratophyllum demersum) |
stark bis sehr stark
|
| Gewöhliches Pfeilkraut (Sagittaria
sagittifolia) |
stark bis sehr stark
|
| Teichfaden (Zannichellia palustris) |
stark bis sehr stark
|
*) Viele Armleuchteralgen können als Indikatoren einer geringen
Nährstoffbelastung dienen. Es ist jedoch für einen Laien nur
schwer möglich, die einzelnen Arten zu Unterscheiden. Weitere Unterlagen
hierzu bei lanaplan
Weitergehende Informationen sind zusammen mit sehr guten Fotos in Bernd
Humbergs "Unterwasserführer Europäische Binnengewässer"
zu finden.

Das vorgefundene Bild der Makrophytengesellschaft (Pflanzengesellschaft) sollte
zur gemessenen Sichttiefe bzw. Weite passen, denn sie ist ein weiteres
Indiz für die Nährstoffsituation. Die Sichttiefe wird mit Hilfe
der Secchi-Scheibe gemessen: eine weiße Scheibe mit 25cm Durchmesser,
vom Boot aus an einer markierten Leine ins Wasser gelassen. Die Tiefe,
in der die Scheibe gerade noch sichtbar ist, wird Sichttiefe genannt. Eine
für Taucher anwendbare Methode ist das Abschätzen von Sichttiefe
oder Weite anhand der eigenen Flossenspitzen oder der des Partners:
Sind die eigenen Flossenspitzen im ausgestreckten Zustand sichtbar, dann
ist die Sichtweite mindestens 2m (je nach Körpergröße).
Flossenspitzen des dahintertauchenden Partners sichtbar, Sichtweite mind.
4m usw.
Durch ein hohes Nährstoffangebot steigt besonders im Sommer die
Algenproduktion, die zu einer Trübung des Wassers führt. Es sind
jedoch auch andere Einflüsse möglich, so dass durchaus gegensätzliche
Beobachtungen gemacht werden können: Eine der Algenblüte oftmals
folgende Klarwasserphase, verursacht durch ein Massenwachstum von
Zooplankton, ist ein Beispiel für das komplexe Zusammenspiel.
|
Sommerliche Sichttiefe
|
| Sichttiefe |
Nährstoffangebot |
| >6...>10m |
sehr gering
|
| 4-6m |
gering
|
| 2-4m |
mittel
|
| 0,5-2m |
stark
|
| <0,5m |
sehr stark
|
Quelle: Müller; Gewässergüte bestimmen; Stuttgart, Nagelschmid,
1994
Die Bildung eines Indexes der Makrophyten, ähnlich des Saprobienindexes,
ist auch möglich. Das Verfahren ist jedoch nicht ganz unumstritten.
Es wurde von MELZER für die Beurteilung der eiszeitlichen Gewässer
Bayerns entwickelt. Die Übertragung auf andere Regionen erbrachte
zunächst ungenaue Ergebnisse, wenn jedoch bestimmte Bedingungen eingehalten
werden, ist es durchaus woanders anwendbar. Verfahren für die Beurteilung
stehender Gewässer durch Bildung des Makrophytenindexes
Zum Schluss stellten wir alle fest, dass unser See, der Erlichsee, in
der Nährstoffsättigung gering bis mittel belastet ist. Gleichzeitig
waren wir uns einig, das solch ein wichtiges Thema leider immer noch viel
zu kurz kommt und es nur zu hoffen ist solche Seminare in kürzeren
Abständen durchzuführen und bei anderen Tauchern Interesse für
dieses Thema zu wecken.
Wir danken Dr. Marcus Frohme für die Durchführung des Seminars
und freuen uns schon jetzt auf folgende und weiterführende Seminare |