Von Martin Rubner 12/02
( Bildrechte bei: http://www.seawolf-diving.de )
Vieles wurde geschrieben, vieles spekuliert. Diverse Medien
haben, ohne die Fakten zu prüfen, vernichtende Berichte über den Untergang der M/Y Legend im Roten Meer veröffentlicht.
Das Bild, das sich dadurch zeichnet, scheint sich nicht mit den uns vorliegenden
Informationen zu decken. Dies alles hat uns veranlasst, mit der Tauchbasis,
den Gästen und dem deutschen Diveguide zu sprechen. Die Inhalte dieser
Gespräche findet Ihr hier in diesem Bericht.
Zur Einführung die offizielle Stellungnahme der Eigentümerin
der M/Y Legend:
(diese Stellungnahme wurde an die Medien übermittelt)
Die Safari "Deep South auf MY Legend fand statt vom 12.10. - 19.10.
Gestartet wurde von Marsa Alam aus Richtung Sueden. Es wurden die Tauchplaetze:
Dolphin House zum Check-Tauchgang, Wadi Gimal und Wadi Gimal zum Nachttauchgang
angefahren.
Ca. 24.00 Uhr startete das Boot zum Riff Shaab Maksur, welches um 6.00
Uhr morgens erreicht wurde. Dieses Riff wurde 2 x betaucht. Am Abend wurde
das Riff Zadaja, auch Fury Shoal genannt, betaucht.
Frueh am naechsten Morgen wird dann das Riff Erg Zadaja betaucht, der
2. Tauchgang ist grundsaetzlich Abu Galawa. Hier wird dann normalerweise
auch zum Uebernachten festgemacht.
Nun sollte aber aufgrund eines Geburtstages die Insel Wadi Gimal angefahren
werden. Die Fahrt nimmt fuer gewoehnlich 4,5 Stunden in Anspruch. Dort
angekommen war es dann dunkel. So wurde dann lange der Liegeplatz gesucht,
um an diesem Platz zu uebernachten.
Hierzu gibt es dann jetzt zwei verschiedene Aussagen von unseren Gaesten:
1. das GPS funktionierte nicht, 2. das GPS war ungenau aufgrund der sich
im Einsatz befindlichen Kriegsschiffe. Unser Diveguide Kurt, ein Polizist
aus Muenchen, fuehrt auch staendig sein eigenes Hand-GPS mit.
Von hier aus wurde am Morgen das Riff Shaab Sharm und Samadai Dolphin
House angefahren. An diesem Riff wurde dann auch uebernachtet.
Auf Wunsch der Gaeste sollte nun das Riff Elphinestone angefahren werden.
Dieses Riff liegt weit im Norden und ist normal nicht im Programm. So wurde
dann gegen ca. 3.00 Uhr am Morgen gestartet, um nach Elphinestone zu gelangen.
Hierbei ist der Captain dann um 5.30 - 5.45 Uhr auf das Riff Shaab Marsa
Alam aufgelaufen. Dieses Riff befindet sich vom Hafen Marsa Alam 5 km entfernt.
Fakt ist, daß der Elektriker mit der Funktionsfaehigkeit der technischen
Geraete beschaeftigt war, da der Dynamo die Batterien des Bootes nicht
richtig auflud.
Die in Marsa Alam ansaessige Polizeistation wurde informiert durch das
Signal des EPIRB (Emergency Position Indicating Radio Beacon) , welches
in einer Notsituation automatisch Signal zur Hilfe abgibt.
Mir wurde von den Gaesten mitgeteilt, daß die Crew einerseits
den Schaden unterm Boot checkte, andererseits wurde mir auch erzaehlt von
"guten Ideen" wie z. B. auch die Abwasserpumpe des Bootes als
Lenzpumpe einzusetzen. 2 Personen der Crew fuhren zusammen mit dem Diveguide
zum Hafen, da auch auf das Abschießen der Leuchtraketen von dort
aus nicht reagiert wurde. Auch wurde von der Crew geholfen, das Gepaeck
der Gaeste zusammenzupacken, die Jackets von den Tauchflaschen zu loesen,
das Blei abzufaedeln... Unsere Gaeste hatten insgesamt 2 Stunden Zeit,
bis Legend dann in Schraeglage ueberging und dann letztendlich zu ¾
versank.
Leider muß ich sagen, daß die aegyptische Zeit mit der deutschen
Zeit nicht zu vergleichen ist, denn es dauerte einige Zeit, bis wirklich
ein anderes Tauchboot, wovon doch einige im Hafen lagen, "auch ohne
Genehmigung" von der dortigen Polizei auslaufen durfte, um zu Legend
zu gelangen.
Nicht zu entschuldigen ist, daß sich die Rettungsinseln nicht
oeffneten. Das mit den Inseln ist wie mit einem Airbag. Einmal getestet,
muss ein neuer Ausloesemechanismus installiert werden, wie Wolfi, einer
unserer Gaeste ja schon beschrieben hat. Wir fanden dann eine der Inseln
am naechsten Tag vor. Geoeffnet - etwas spaet. Nachdem eine dieser Inseln
jetzt bei uns in Hurghada ist, kamen die "Fachleute" zu dem evtl.
Schluß, daß die Gaeste, die ja normalerweise diese Dinge nicht
zu nutzen haben, die aus der Rettungsinsel kommende Schlaufe nicht durch
ein Seil mit dem Boot verbunden haben, so daß sich die Rettungsinsel
durch den fehlenden Ruck beim Hereinwerfen nicht oeffnen konnten. Spaeter
wurde dann von einem Crewmitglied ein Seil durch diese Schlaufe gezogen,
um die Rettungsinsel daran zu hindern, wegzutreiben. Und diese Rettungsinsel
fanden wir dann auch am naechsten Tag geoeffnet vor.
Legend wurde 4 Wochen vor diesem Unfall von der HEPCA kontrolliert,
da zum groesstenteils nur Brother Island Touren mit diesem Schiff von uns
organisiert wurden. Die Auflagen fuer ein Boot, welches zu den Brother
Islands faehrt, sind sehr streng. Das Ergebnis war -beanstandungsfrei-.
Leider passiert so etwas immer wieder in Aegypten und ich kann nur versichern,
daß wir, SEAWOLF - Diving Safari Red Sea alles dafuer tun, um die
Sicherheit auf den Booten, die Ausstattung der Boote und den reibungslosen
Ablauf der Safaris zu gewaehrleisten. An diesem Tag sind noch 2 weitere
Boote gesunken und auch finde ich es sehr sehr schade, daß ueber
all unsere hunderte von Safaris, die ein voller Erfolg waren, so wenig
berichet wird.
Mit freundlichen Gruessen
Christiane Nedwed
Zusatz von Christiane:
Die Gaeste hatten 2 Stunden Zeit, ihre Sachen zu packen und, wie oben
beschrieben, auch hatten sie Zeit genug noch den Kuehlschrank mit dem Bier
zu pluendern. Als ich dann morgens den 1. Telefonkontakt hatte, wurde mir
dann lachend mitgeteilt, daß das Rote Meer ein neues Wrack hat. Und
dann kommt natuerlich die große Liste, was denn alles verloren wurde
und was denn alles ersetzt werden muß. Was da waere: Sonnenbrille,
Telefon, Oil fuer den besonderen Koerper (das ist kein Witz)...........
Den Bericht oben, habe ich genauso an die bekannten Tauch-Zeitschriften
geschrieben, und Du siehst, was sie geschrieben haben????
Auch haben die Leute nicht die ganze Nacht in Rettungswesten gesessen,
das kannst Du oben aus der Tauchplatzaufstellung erkennen. Dafür habe
ich extra eine Karte mitgeschickt.

Stellungnahme von einem Gast: Wolfgang:
Hi Martin, ich finde es interessant, dass sich auf einmal so viele Leute
um diese Sache kümmern. Ich frage mich natürlich auch, welche
Motivation für den einzelnen dahinter steckt. Ist es tatsächlich
Sensationshascherei? Also hier die Ereignisse: Ganz nüchtern. (Bin
gespannt, was ihr tatsächlich darüber in dem demnächst erscheinenden
Artikel lesen werde und was noch alles (natürlich der Objektivität
halber) verändert wurde. Ich hatte für meine Gruppe (14 Personen)
eine Safari in den tiefen Süden gebucht. Diese Tour wurde uns zugesagt.
Das Boot "Legend" sollte für uns gechartert werden. Es ist
ein Boot mit 10 Doppelkabinen. Jede Kabine hat eine Toilette mit einer
Dusch. Die Safari sollte vom 12. - 19.Oktober stattfinden. Die Buchung
erfolgte meinerseits direkt über "Seawolf Diving" bzw. Christiane
Nedwed (Cici), bei welcher ich schon 2 Safaris mit sehr schönen Erinnerungen
und tadellosem Ablauf durchgeführt hatte. Deshalb auch die Entscheidung,
in diesem Jahr bei ihr zu buchen. Der Flug wurde direkt von mir über
eine Frankfurter Agentur (Tour active) gebucht. Auch auf Grund guter Erfahrungen
- und der Flieger hat uns wohlbehalten hin und zurück gebracht. Wir
wurden pünktlich vom Flughafen abgeholt und direkt nach Marsa Alam
gefahren. Dort sind wir auf das Boot gebracht worden. Ein deutscher Dive
Guide hat uns dann mit den sicherheitsrelevanten Informationen und Einrichtungen
vertraut gemacht und uns die Kabinen zugeteilt. Die Tour sollte in den
tiefen Süden gehen, wobei wir noch das Riff Elphinstone betauchen
wollten. Zu Beginn des Törn wurde dies jedoch aufgrund der langen
Wege abgelehnt. Also sind wir nach Süden aufgebrochen. Zuerst haben
wir am Dolphin House getaucht. Der Guide hat hier den Check der gesamten
Gäste durchgeführt um dann die Gruppen einzuteilen. Zunächst
war das etwas ärgerlich für einen Teil von uns, da wir doch gewohnt
waren, uns selbst zu organisieren. In internen Gesprächen fanden wir
jedoch den gemeinsamen Standpunkt, dass es eine zusätzliche Sicherheitskomponente
ist, welche uns auf vielen anderen Booten bisher nicht geboten wurde. Da
scherte sich keiner drum, wer mit wem wie lange und wie tief tauchte. Das
war bisher oft ein Grund zur Besorgnis. Nach dem Motto: Hauptsache der
Kunde ist zufrieden und die Kasse klingelt. Danach sind wir weiter nach
Wadi Gimal. Dort 2 Tauchgänge. Um Mitternacht sind wir weitergefahren
nach Riff Sha´ab Mahsur. Dort einen Early-Morning-Dive und einen
Mittags-TG. Danach sind wir zum Riff Fury Shoal gefahren. Nächster
TG. Übernachtung. Early-Morning Dive am Erg Zadaja. Dann Abu Galawa.
Gegen 15:00 Uhr sind wir dann aufgebrochen um zur Insel Wadi Gimal zu fahren.
Dort wollten wir einen Geburtstag am Strand feiern. Da wir im Dunkel erst
in der Gegend waren, war eine optimale Orientierung nicht möglich.
Das GPS (an Bord) hatte definitive Abweichungen zu dem, was einige unserer
erfahrenen Tauchleute mittels der Seekarte errechnet hatten. Die von uns
geschätzte Abweichung betrug ca. 1/2 Seemeile. Da diese Gegend sehr
viele Untiefen hatte, entschied sich der Kapitän mittels des Zodiak
einen geeigneten Ankerplatz zu suchen. Dies dauerte dann ca. 5 Stunden.
Die Feier fiel dann aus, da wir alle etwas genervt und müde waren.
Auch konnten wir nicht einschätzen, in wie weit und in welcher evtl.
Gefahr wir uns beim Suchvorgang befunden hatten. Die Sorge unter den Teilnehmern
war sicherlich vorhanden. Da ich jedoch schon oft auf die Fähigkeiten
eines Käptain bei Nachtfahrten angwiesen war und dies auch stets ohne
Zwischenfälle ausgegangen war, hatte ich keine echte Sorge. Am nächsten
Morgen sind wir dann zu den Riffen Sha´ab Sharm und Samadai gefahren
und sind dort getaucht. Übernachtung am Riff Samadai. Unser Diveguide
teilte uns dann mit, dass (nach Rücksprache mit dem Kapitain) der
Wunsch zum Betauchen von Elphinstone erfüllt werden könne. Das
Schiff fuhr dann gegen 3:00 Uhr nachts los. Um 5:30 wurden wir durch einen
ordentlichen Ruck und einem krachenden Geräusch aus dem Schlaf gerissen.
Es war gerade noch Nacht. Auf den ersten Blick konnte man erkennen, dass
das Boot auf ein Riff aufgelaufen war. Unseren Ort konnten wir auch sehr
schnell bestimmen, da etwa 6 Seemeilen entfernt die Lichtes von Marsa Alam
zu sehen waren. Der Kapitain versuchte das Boot mittels Motorkraft vom
Riff zu ziehen. Glücklicherweise gelang es ihm nicht. Es wurde von
uns sichergestellt, dass alle Passagiere wach, unverletzt und in Sicherheit
waren. Ein Pärchen (zu einer separaten 3-Gruppe gehörend) musste
aus ihrer Kajüte wegen der eingklemmten Tür (Rumpf war durch
das Riff verzogen) befreit werden. Alles folgende lief sehr gründlich,
überlegt und geordnet ab. Durch den leicht angehobenen Bug tauchte
die Plattform unter die Wasseroberfläche. Durch das Loch im Bug lief
sehr schnell Wasser in den Rumpf. Die Besatzung setze sofort die Lenzpumpe
in Gang und schloss die Abwasserpumpe als zusätzliche Lenzpumpe an.
Mit unseren Taucherlampen funkten wir SOS an den Hafen. Zusätzlich
schossen wir in Abständen von 5 Min. Leuchtpatronen ab. Aufgrund der
frühen Zeit vermuteten wir, dass uns keiner sehen würde. Unser
Diveguide und ein Besatzungsmitglied fuhren deshalb mit dem Zodiak zum
Hafen um die Hilfe zu sichern. Ein in der Nähe befindliches Fischerboot
kam herbei, um eine Notsicherung der Passagiere anzubieten. Andere Crewmitglieder
begutachteten den Schaden am Boot vom Wasser aus. Wir packten alle unsere
Sachen, welche teilweise im Schiff verteilt waren (Jackets an den Flaschen,
Bücher und Badesachen im Gemeinschaftsraum, Kleidung in den Kajüten,
etc.) in unsere Koffer und brachten diese an Deck (an den Bug). Dort hielten
wir uns dann auch bis zur Rettung auf. Die an Oberdeck befindlichen beiden
Rettungsinseln wurden von uns über Bord geworfen. Trotz der Befestigung
des Auslöseseils an der Reling öffneten sich die Inseln nicht.
Wir versuchten es anschließend noch durch ruckartiges Ziehen - ohne
Erfolg. Es wurde gemeinsam beschlossen, dass wenn das Boot weiter abrutschen
würde, wir samt den Gepäckstücken auf das Riffdach gehen
würden. Dort könnten wir dann auf Hilfe warten. Zur Sicherung
vor dem schnellen Abrutschen des Schiffes vom Riff wurde von der Crew ein
Anker vom Bug aus auf dem Riff angebracht. Nach gut einer 3/4 Stunde (es
war eher eine) kam dann endlich ein anderes Tauchboot um uns und unser
Gepäck aufzunehmen. Das es so lange dauerte lag (dem Bericht unseres
Diveguides zufolge) an den behördlichen Müßiggängern
in Ägypten. Die Hafenpolizei wollte kein Boot ohne Genehmigung auslaufen
lassen. (Vielleicht wurde dem Chef der Polizei zu wenig Bakschisch angeboten!!
- kleiner Scherz am Rande.) Es bedurfte einiger geschickter Verhandlungen
und dem Verweis darauf, dass auch ägyptische Personen an Bord seien.
Als das Boot kam, wurden unverzüglich mit dem Zodiak und mit Hilfe
des kleinen Fischerbootes als Zwischenbrücke alle Frauen und dann
alle männlichen Passagiere in Sicherheit gebracht. Anschließend
bargen die Crew und die anderen Helfer unser gesamtes Gepäck. Bis
zu diesem Zeitpunkt waren ca. 2 Stunden seit dem Auflaufen vergangen. Fast
mit dem letzten Gepäckstück rutschte die Legend weiter vom Riff
ab und versank zu 2/3. Sie drehte sich noch mit der sich ändernden
Strömung nach Norden. Laut Aussagen von Beobachtern versank sie dann
5 Stunden später und wurde zur Legende. Mit Bedacht zurückblickend
kann ich nur sagen, dass ich einer ägyptischen Crew soviel Hilfe,
Hilfsbereitschaft und schnelle Koordination nicht zugetraut hätte.
Die Tatsache, dass das Schiff überhaupt aufgelaufen ist, werde ich
wohl dem Kapitän zuschreiben. Wer diesen aussucht vermag ich nicht
zu beurteilen. Das fehlerhafte GPS ist nicht schlüssig nachvollziehbar,
da das mobile GPS unseres Tauchguides ebenfalls falsche Angaben machte.
Ob nun, wie Gerüchte behaupten, die angespannte Situation in der Golf-Region
dafür verantwortlich ist, vermag ich auch nicht zu beurteilen. Die
teilweise nicht funktionierende Ausrüstung ist sicherlich sehr bedenklich.
Wenn der Reeder Rettungsinseln auf dem Boot vorsieht, dann sollten sie
zumindest funktionieren. Die Überprüfung ist allerdings sehr
schwierig. Es ist wie mit dem Airbag im Auto. einmal ausgelöst, muss
eine neue Gaspatrone installiert werden. Dass das Funkgerät nicht
an einen Stromkreis angeschlossen ist, ist allerdings sehr bedenklich.
Durch unsere Teilnehmer wurde das Funkgerät (über eine externe
Lampen-Batterie) an einen Stromkreis angeschlossen. Und siehe da, es funktionierte.
Dass die ägyptischen Kapitaine mit solchen technischen Ausrüstungen
wie GPS, Sonar, Radar nicht besonders gut umgehen können, ist sicherlich
jedem Ägypten-Taucher bekannt. Die erlernen ihre Fähigkeiten
durch jahrelanges mitfahren - oder saugen es irgendwie mit der Muttermilch
auf !? Es wundert mich nur, dass das Unternehmen Seawolf Diving das Boot
mit großem Aufwand und Kosten hat aufbauen und modernisieren lassen
und dann von einer Prüfbehörde für Touren zu den Brothers
hat abnehmen lassen. Das war alles in diesem Jahr geschehen. Dass nach
so kurze Zeit das Boot in dem vorliegenden Zustand war - und das betrifft
nur die Rettungsinseln, das Funkgerät, der evtl. Fehler des GPS und
die Fähigkeiten des Kapitains damit umzugehen, wundert mich doch sehr.
Die Frage ist für mich, welche Sorgfalt hat der Eigner/Reeder des
Bootes bei der Überholung walten lassen? War das Boot bei der Prüfung
ok oder waren nur die Prüfer etwas zu ungenau? Wer setzt die Prüfstandarts
und wie sind die Ausbildungsstände der Prüfbehörden? Wäre
ich ein Safari-Veranstalter und auf ein Charter angewiesen, ich wüsste
nicht, ob ich all diese Dinge bei jeder Safari in Ägypten gewährleisten
könnte. Es ist eben nicht der europäische und schon gar nicht
der deutsche Standard. Und das weiss jeder (oder sollte wissen), der eine
Tauchreise nach Ägypten oder Sudan oder andere südliche Länder
plant. Deshalb sehe ich dieses Ereignis als eine Ausnahme, die einem genauso
gut auf einer Busreise in der Türkei passieren könnte. Dort nur
mit größeren Folgen. Mit der Erfahrung, die ich bei Cici und
ihren Leuten gemacht habe, bin ich trotzdem zufrieden und ich werde auch
weiterhin bei ihr buchen und Seawolf Diving weiter empfehlen.
Liebe Grüße Wolfgang
Stellungnahme vom deutschen Diveguide Kurt König:
Kurt König München, 20.12.02 Barakuda TL 339
Untergang der Legend I
Ich war vom 21.09.2002 bis zum Untergang der Legend Diveguide auf diesem
Schiff. Diese Safari startete am 13.10. von Marsa Alam aus und stand von
Anfang an unter keinem guten Stern. Verspätung des Fluges und somit
verspätete Ausfahrt. Der Koch Hany und sein Helfer streikten ab Montagabend
und weigerte, sich ihre Arbeit zu machen. Somit mußte ich mit einem
der Gäste die Küche übernehmen.
Es waren auch einige Probleme beim Anfahren von verschiedenen Tauchgebieten,
da zu dieser Zeit Südwind herrschte. Am Dienstagabend wollte der Kapitän
die Insel Wadi Gimal anfahren. Bei der Rückfahrt kamen wir in die
Dunkelheit und er verfehlte den Ankerplatz. Erst nach einer fast 5stündigen
Suche hatte er die Boje gefunden. Es ist richtig, daß einige Gäste
bereits unruhig wurden. Wobei die Legend mit "Schleichfahrt"
fuhr und mit dem Zodiac der Ankerplatz gesucht wurde. Dieser wurde dann
auch gefunden und die Gäste beruhigten sich wieder. Bei allen Fahrten
benützte der Kapitän sein Hand GPS, mit dem er gut zurecht kam.
Warum er den Ankerplatz nicht fand ist mir persönlich ein Rätsel.
Er machte die ganze Zeit über einen souveränen Eindruck.
Am nächsten Tag fuhren wir dann zum sog. "Dolphin Riff",
verbrachten dort den Tag und alles war wieder o.k. Wir einigten uns, da
es doch ein paar Probleme auf dieser Fahrt waren, daß wir in den
Morgenstunden des Donnerstag noch zum Elphinston Riff fahren würden.
Ich erklärte noch, daß dies kein Problem ist, da das Fahrwasser,
außer dem Shab Marsa Alam, "klar" ist und allen hier fahrenden
Kapitänen dieses Riff bestens bekannt ist. Gegen 04.00 Uhr legten
wir aus Shab Samadai ab und fuhren Richtung Norden. Gegen 0530 Uhr wurde
ich unsanft aus dem Schlaf geweckt. Wir standen auf dem Riff "Shab
Marsa Alam".
Ich fragte nun unseren Maschinisten auf arabisch nach der Lage. Seine
Antwort war wenig beruhigend. Ich wählte bewußt die arabische
Sprache, um die Gäste nicht zu beunruhigen. Nachdem ich nun wußte
wie es um das Schiff stand, erklärte ich den Gästen, daß
wir zu fest auf dem Riff sitzen würden und eine Weiterfahrt nicht
möglich sein wird. Ich sagte nun, daß jeder alles fertig packen
soll. Ich werde mit dem Beiboot nun rüber in den Hafen fahren, um
ein Ersatzschiff zu organisieren. Dies war allerdings nicht ganz so einfach
wie es klingt. Wenn man die ägyptischen Behörden kennt, die sogar
bei Notfällen noch Probleme machen, kann man das nachvollziehen. Während
ich das Ersatzschiff besorgte, erreicht mich auf dem Handy schon der erste
Anruf, daß die Legend inzwischen bedrohliche Schieflage hat. Ich
kam gerade noch rechtzeitig mit an, um alle Gäste und das komplette
Gepäck auf das Ersatzschiff zu bringen. An dieser Stelle möchte
ich noch anmerken, daß der Kapitän dieses Schiffes sofort bereit
war, uns zu helfen und daß die Verzögerung alleine an den ägyptischen
Behörden lag.
Eine konkrete Gefahr für Leib und Leben bestand zu keiner Zeit
und für niemanden. Unter den Gästen herrschte keine Panik. Im
Gegenteil, sie fanden noch Zeit den Kühlschrank mit den Biervorräten
auszuräumen und waren alle guter Dinge. Als wir alle an Land waren
fragte ich noch einmal nach, ob irgend jemand etwas vermisse und ob alle
ihr Gepäck haben. Der Tenor war nein wir haben alles. Es war ja schließlich
Zeit genug zum packen. Daß manche die Schwimmwesten anhatten ist
richtig. Jedoch nicht wegen Panik, sondern sie erklärten mir, daß
sie diese Weste als Souvenir und Erinnerungsstück mitnehmen wollen.
Es ist richtig, daß ein Problem mit der 12 Volt Versorgung war
und deshalb ein Elektriker mitgefahren ist. Leider kam er zu seiner Arbeit
nicht, da er ja mit einspringen mußte bei den sonstigen Arbeiten,
bedingt durch den Ausfall des Kochs mit seinem Helfer
Mir freundlichen Grüßen Kurt König
Obige Aussagen sollen den tatsächlichen Untergang der M/Y Legend
besser für die Allgemeinheit verständlich machen. Wir, die Redaktion,
möchten Euch diese Informationen weitergeben. Gleichzeitig bedanken
wir uns bei Cici, Wolfi und Kurt für Ihre ausführlichen Stellungnahmen.
Von den anderen Teilnehmern bekamen wir leider bis heute keine
Antworten zu unserer Anfrage.
Wir wünschen der Seawolf-Diving und Ihren Gästen weiterhin
schöne und erlebnisreiche Safaris im Roten Meer.
Viele Grüsse Martin Rubner Redaktion www.taucher.net |