Der Untergang der MY Legend

 Geschrieben von Martin

Von Martin Rubner 12/02

( Bildrechte bei: http://www.seawolf-diving.de )

Vieles wurde geschrieben, vieles spekuliert. Diverse Medien haben, ohne die Fakten zu prüfen, vernichtende Berichte über den Untergang der M/Y Legend im Roten Meer veröffentlicht. Das Bild, das sich dadurch zeichnet, scheint sich nicht mit den uns vorliegenden Informationen zu decken. Dies alles hat uns veranlasst, mit der Tauchbasis, den Gästen und dem deutschen Diveguide zu sprechen. Die Inhalte dieser Gespräche findet Ihr hier in diesem Bericht.


Zur Einführung die offizielle Stellungnahme der Eigentümerin der M/Y Legend:
(diese Stellungnahme wurde an die Medien übermittelt)

Die Safari "Deep South auf MY Legend fand statt vom 12.10. - 19.10.

Gestartet wurde von Marsa Alam aus Richtung Sueden. Es wurden die Tauchplaetze:

Dolphin House zum Check-Tauchgang, Wadi Gimal und Wadi Gimal zum Nachttauchgang angefahren.

Ca. 24.00 Uhr startete das Boot zum Riff Shaab Maksur, welches um 6.00 Uhr morgens erreicht wurde. Dieses Riff wurde 2 x betaucht. Am Abend wurde das Riff Zadaja, auch Fury Shoal genannt, betaucht.

Frueh am naechsten Morgen wird dann das Riff Erg Zadaja betaucht, der 2. Tauchgang ist grundsaetzlich Abu Galawa. Hier wird dann normalerweise auch zum Uebernachten festgemacht.

Nun sollte aber aufgrund eines Geburtstages die Insel Wadi Gimal angefahren werden. Die Fahrt nimmt fuer gewoehnlich 4,5 Stunden in Anspruch. Dort angekommen war es dann dunkel. So wurde dann lange der Liegeplatz gesucht, um an diesem Platz zu uebernachten.

Hierzu gibt es dann jetzt zwei verschiedene Aussagen von unseren Gaesten: 1. das GPS funktionierte nicht, 2. das GPS war ungenau aufgrund der sich im Einsatz befindlichen Kriegsschiffe. Unser Diveguide Kurt, ein Polizist aus Muenchen, fuehrt auch staendig sein eigenes Hand-GPS mit.

Von hier aus wurde am Morgen das Riff Shaab Sharm und Samadai Dolphin House angefahren. An diesem Riff wurde dann auch uebernachtet.

Auf Wunsch der Gaeste sollte nun das Riff Elphinestone angefahren werden. Dieses Riff liegt weit im Norden und ist normal nicht im Programm. So wurde dann gegen ca. 3.00 Uhr am Morgen gestartet, um nach Elphinestone zu gelangen. Hierbei ist der Captain dann um 5.30 - 5.45 Uhr auf das Riff Shaab Marsa Alam aufgelaufen. Dieses Riff befindet sich vom Hafen Marsa Alam 5 km entfernt.

Fakt ist, daß der Elektriker mit der Funktionsfaehigkeit der technischen Geraete beschaeftigt war, da der Dynamo die Batterien des Bootes nicht richtig auflud.

Die in Marsa Alam ansaessige Polizeistation wurde informiert durch das Signal des EPIRB (Emergency Position Indicating Radio Beacon) , welches in einer Notsituation automatisch Signal zur Hilfe abgibt.

Mir wurde von den Gaesten mitgeteilt, daß die Crew einerseits den Schaden unterm Boot checkte, andererseits wurde mir auch erzaehlt von "guten Ideen" wie z. B. auch die Abwasserpumpe des Bootes als Lenzpumpe einzusetzen. 2 Personen der Crew fuhren zusammen mit dem Diveguide zum Hafen, da auch auf das Abschießen der Leuchtraketen von dort aus nicht reagiert wurde. Auch wurde von der Crew geholfen, das Gepaeck der Gaeste zusammenzupacken, die Jackets von den Tauchflaschen zu loesen, das Blei abzufaedeln... Unsere Gaeste hatten insgesamt 2 Stunden Zeit, bis Legend dann in Schraeglage ueberging und dann letztendlich zu ¾ versank.

Leider muß ich sagen, daß die aegyptische Zeit mit der deutschen Zeit nicht zu vergleichen ist, denn es dauerte einige Zeit, bis wirklich ein anderes Tauchboot, wovon doch einige im Hafen lagen, "auch ohne Genehmigung" von der dortigen Polizei auslaufen durfte, um zu Legend zu gelangen.

Nicht zu entschuldigen ist, daß sich die Rettungsinseln nicht oeffneten. Das mit den Inseln ist wie mit einem Airbag. Einmal getestet, muss ein neuer Ausloesemechanismus installiert werden, wie Wolfi, einer unserer Gaeste ja schon beschrieben hat. Wir fanden dann eine der Inseln am naechsten Tag vor. Geoeffnet - etwas spaet. Nachdem eine dieser Inseln jetzt bei uns in Hurghada ist, kamen die "Fachleute" zu dem evtl. Schluß, daß die Gaeste, die ja normalerweise diese Dinge nicht zu nutzen haben, die aus der Rettungsinsel kommende Schlaufe nicht durch ein Seil mit dem Boot verbunden haben, so daß sich die Rettungsinsel durch den fehlenden Ruck beim Hereinwerfen nicht oeffnen konnten. Spaeter wurde dann von einem Crewmitglied ein Seil durch diese Schlaufe gezogen, um die Rettungsinsel daran zu hindern, wegzutreiben. Und diese Rettungsinsel fanden wir dann auch am naechsten Tag geoeffnet vor.

Legend wurde 4 Wochen vor diesem Unfall von der HEPCA kontrolliert, da zum groesstenteils nur Brother Island Touren mit diesem Schiff von uns organisiert wurden. Die Auflagen fuer ein Boot, welches zu den Brother Islands faehrt, sind sehr streng. Das Ergebnis war -beanstandungsfrei-.

Leider passiert so etwas immer wieder in Aegypten und ich kann nur versichern, daß wir, SEAWOLF - Diving Safari Red Sea alles dafuer tun, um die Sicherheit auf den Booten, die Ausstattung der Boote und den reibungslosen Ablauf der Safaris zu gewaehrleisten. An diesem Tag sind noch 2 weitere Boote gesunken und auch finde ich es sehr sehr schade, daß ueber all unsere hunderte von Safaris, die ein voller Erfolg waren, so wenig berichet wird.

Mit freundlichen Gruessen

Christiane Nedwed

Zusatz von Christiane:

Die Gaeste hatten 2 Stunden Zeit, ihre Sachen zu packen und, wie oben beschrieben, auch hatten sie Zeit genug noch den Kuehlschrank mit dem Bier zu pluendern. Als ich dann morgens den 1. Telefonkontakt hatte, wurde mir dann lachend mitgeteilt, daß das Rote Meer ein neues Wrack hat. Und dann kommt natuerlich die große Liste, was denn alles verloren wurde und was denn alles ersetzt werden muß. Was da waere: Sonnenbrille, Telefon, Oil fuer den besonderen Koerper (das ist kein Witz)...........

Den Bericht oben, habe ich genauso an die bekannten Tauch-Zeitschriften geschrieben, und Du siehst, was sie geschrieben haben????

Auch haben die Leute nicht die ganze Nacht in Rettungswesten gesessen, das kannst Du oben aus der Tauchplatzaufstellung erkennen. Dafür habe ich extra eine Karte mitgeschickt.


Stellungnahme von einem Gast: Wolfgang:

Hi Martin, ich finde es interessant, dass sich auf einmal so viele Leute um diese Sache kümmern. Ich frage mich natürlich auch, welche Motivation für den einzelnen dahinter steckt. Ist es tatsächlich Sensationshascherei? Also hier die Ereignisse: Ganz nüchtern. (Bin gespannt, was ihr tatsächlich darüber in dem demnächst erscheinenden Artikel lesen werde und was noch alles (natürlich der Objektivität halber) verändert wurde. Ich hatte für meine Gruppe (14 Personen) eine Safari in den tiefen Süden gebucht. Diese Tour wurde uns zugesagt. Das Boot "Legend" sollte für uns gechartert werden. Es ist ein Boot mit 10 Doppelkabinen. Jede Kabine hat eine Toilette mit einer Dusch. Die Safari sollte vom 12. - 19.Oktober stattfinden. Die Buchung erfolgte meinerseits direkt über "Seawolf Diving" bzw. Christiane Nedwed (Cici), bei welcher ich schon 2 Safaris mit sehr schönen Erinnerungen und tadellosem Ablauf durchgeführt hatte. Deshalb auch die Entscheidung, in diesem Jahr bei ihr zu buchen. Der Flug wurde direkt von mir über eine Frankfurter Agentur (Tour active) gebucht. Auch auf Grund guter Erfahrungen - und der Flieger hat uns wohlbehalten hin und zurück gebracht. Wir wurden pünktlich vom Flughafen abgeholt und direkt nach Marsa Alam gefahren. Dort sind wir auf das Boot gebracht worden. Ein deutscher Dive Guide hat uns dann mit den sicherheitsrelevanten Informationen und Einrichtungen vertraut gemacht und uns die Kabinen zugeteilt. Die Tour sollte in den tiefen Süden gehen, wobei wir noch das Riff Elphinstone betauchen wollten. Zu Beginn des Törn wurde dies jedoch aufgrund der langen Wege abgelehnt. Also sind wir nach Süden aufgebrochen. Zuerst haben wir am Dolphin House getaucht. Der Guide hat hier den Check der gesamten Gäste durchgeführt um dann die Gruppen einzuteilen. Zunächst war das etwas ärgerlich für einen Teil von uns, da wir doch gewohnt waren, uns selbst zu organisieren. In internen Gesprächen fanden wir jedoch den gemeinsamen Standpunkt, dass es eine zusätzliche Sicherheitskomponente ist, welche uns auf vielen anderen Booten bisher nicht geboten wurde. Da scherte sich keiner drum, wer mit wem wie lange und wie tief tauchte. Das war bisher oft ein Grund zur Besorgnis. Nach dem Motto: Hauptsache der Kunde ist zufrieden und die Kasse klingelt. Danach sind wir weiter nach Wadi Gimal. Dort 2 Tauchgänge. Um Mitternacht sind wir weitergefahren nach Riff Sha´ab Mahsur. Dort einen Early-Morning-Dive und einen Mittags-TG. Danach sind wir zum Riff Fury Shoal gefahren. Nächster TG. Übernachtung. Early-Morning Dive am Erg Zadaja. Dann Abu Galawa. Gegen 15:00 Uhr sind wir dann aufgebrochen um zur Insel Wadi Gimal zu fahren. Dort wollten wir einen Geburtstag am Strand feiern. Da wir im Dunkel erst in der Gegend waren, war eine optimale Orientierung nicht möglich. Das GPS (an Bord) hatte definitive Abweichungen zu dem, was einige unserer erfahrenen Tauchleute mittels der Seekarte errechnet hatten. Die von uns geschätzte Abweichung betrug ca. 1/2 Seemeile. Da diese Gegend sehr viele Untiefen hatte, entschied sich der Kapitän mittels des Zodiak einen geeigneten Ankerplatz zu suchen. Dies dauerte dann ca. 5 Stunden. Die Feier fiel dann aus, da wir alle etwas genervt und müde waren. Auch konnten wir nicht einschätzen, in wie weit und in welcher evtl. Gefahr wir uns beim Suchvorgang befunden hatten. Die Sorge unter den Teilnehmern war sicherlich vorhanden. Da ich jedoch schon oft auf die Fähigkeiten eines Käptain bei Nachtfahrten angwiesen war und dies auch stets ohne Zwischenfälle ausgegangen war, hatte ich keine echte Sorge. Am nächsten Morgen sind wir dann zu den Riffen Sha´ab Sharm und Samadai gefahren und sind dort getaucht. Übernachtung am Riff Samadai. Unser Diveguide teilte uns dann mit, dass (nach Rücksprache mit dem Kapitain) der Wunsch zum Betauchen von Elphinstone erfüllt werden könne. Das Schiff fuhr dann gegen 3:00 Uhr nachts los. Um 5:30 wurden wir durch einen ordentlichen Ruck und einem krachenden Geräusch aus dem Schlaf gerissen. Es war gerade noch Nacht. Auf den ersten Blick konnte man erkennen, dass das Boot auf ein Riff aufgelaufen war. Unseren Ort konnten wir auch sehr schnell bestimmen, da etwa 6 Seemeilen entfernt die Lichtes von Marsa Alam zu sehen waren. Der Kapitain versuchte das Boot mittels Motorkraft vom Riff zu ziehen. Glücklicherweise gelang es ihm nicht. Es wurde von uns sichergestellt, dass alle Passagiere wach, unverletzt und in Sicherheit waren. Ein Pärchen (zu einer separaten 3-Gruppe gehörend) musste aus ihrer Kajüte wegen der eingklemmten Tür (Rumpf war durch das Riff verzogen) befreit werden. Alles folgende lief sehr gründlich, überlegt und geordnet ab. Durch den leicht angehobenen Bug tauchte die Plattform unter die Wasseroberfläche. Durch das Loch im Bug lief sehr schnell Wasser in den Rumpf. Die Besatzung setze sofort die Lenzpumpe in Gang und schloss die Abwasserpumpe als zusätzliche Lenzpumpe an. Mit unseren Taucherlampen funkten wir SOS an den Hafen. Zusätzlich schossen wir in Abständen von 5 Min. Leuchtpatronen ab. Aufgrund der frühen Zeit vermuteten wir, dass uns keiner sehen würde. Unser Diveguide und ein Besatzungsmitglied fuhren deshalb mit dem Zodiak zum Hafen um die Hilfe zu sichern. Ein in der Nähe befindliches Fischerboot kam herbei, um eine Notsicherung der Passagiere anzubieten. Andere Crewmitglieder begutachteten den Schaden am Boot vom Wasser aus. Wir packten alle unsere Sachen, welche teilweise im Schiff verteilt waren (Jackets an den Flaschen, Bücher und Badesachen im Gemeinschaftsraum, Kleidung in den Kajüten, etc.) in unsere Koffer und brachten diese an Deck (an den Bug). Dort hielten wir uns dann auch bis zur Rettung auf. Die an Oberdeck befindlichen beiden Rettungsinseln wurden von uns über Bord geworfen. Trotz der Befestigung des Auslöseseils an der Reling öffneten sich die Inseln nicht. Wir versuchten es anschließend noch durch ruckartiges Ziehen - ohne Erfolg. Es wurde gemeinsam beschlossen, dass wenn das Boot weiter abrutschen würde, wir samt den Gepäckstücken auf das Riffdach gehen würden. Dort könnten wir dann auf Hilfe warten. Zur Sicherung vor dem schnellen Abrutschen des Schiffes vom Riff wurde von der Crew ein Anker vom Bug aus auf dem Riff angebracht. Nach gut einer 3/4 Stunde (es war eher eine) kam dann endlich ein anderes Tauchboot um uns und unser Gepäck aufzunehmen. Das es so lange dauerte lag (dem Bericht unseres Diveguides zufolge) an den behördlichen Müßiggängern in Ägypten. Die Hafenpolizei wollte kein Boot ohne Genehmigung auslaufen lassen. (Vielleicht wurde dem Chef der Polizei zu wenig Bakschisch angeboten!! - kleiner Scherz am Rande.) Es bedurfte einiger geschickter Verhandlungen und dem Verweis darauf, dass auch ägyptische Personen an Bord seien. Als das Boot kam, wurden unverzüglich mit dem Zodiak und mit Hilfe des kleinen Fischerbootes als Zwischenbrücke alle Frauen und dann alle männlichen Passagiere in Sicherheit gebracht. Anschließend bargen die Crew und die anderen Helfer unser gesamtes Gepäck. Bis zu diesem Zeitpunkt waren ca. 2 Stunden seit dem Auflaufen vergangen. Fast mit dem letzten Gepäckstück rutschte die Legend weiter vom Riff ab und versank zu 2/3. Sie drehte sich noch mit der sich ändernden Strömung nach Norden. Laut Aussagen von Beobachtern versank sie dann 5 Stunden später und wurde zur Legende. Mit Bedacht zurückblickend kann ich nur sagen, dass ich einer ägyptischen Crew soviel Hilfe, Hilfsbereitschaft und schnelle Koordination nicht zugetraut hätte. Die Tatsache, dass das Schiff überhaupt aufgelaufen ist, werde ich wohl dem Kapitän zuschreiben. Wer diesen aussucht vermag ich nicht zu beurteilen. Das fehlerhafte GPS ist nicht schlüssig nachvollziehbar, da das mobile GPS unseres Tauchguides ebenfalls falsche Angaben machte. Ob nun, wie Gerüchte behaupten, die angespannte Situation in der Golf-Region dafür verantwortlich ist, vermag ich auch nicht zu beurteilen. Die teilweise nicht funktionierende Ausrüstung ist sicherlich sehr bedenklich. Wenn der Reeder Rettungsinseln auf dem Boot vorsieht, dann sollten sie zumindest funktionieren. Die Überprüfung ist allerdings sehr schwierig. Es ist wie mit dem Airbag im Auto. einmal ausgelöst, muss eine neue Gaspatrone installiert werden. Dass das Funkgerät nicht an einen Stromkreis angeschlossen ist, ist allerdings sehr bedenklich. Durch unsere Teilnehmer wurde das Funkgerät (über eine externe Lampen-Batterie) an einen Stromkreis angeschlossen. Und siehe da, es funktionierte. Dass die ägyptischen Kapitaine mit solchen technischen Ausrüstungen wie GPS, Sonar, Radar nicht besonders gut umgehen können, ist sicherlich jedem Ägypten-Taucher bekannt. Die erlernen ihre Fähigkeiten durch jahrelanges mitfahren - oder saugen es irgendwie mit der Muttermilch auf !? Es wundert mich nur, dass das Unternehmen Seawolf Diving das Boot mit großem Aufwand und Kosten hat aufbauen und modernisieren lassen und dann von einer Prüfbehörde für Touren zu den Brothers hat abnehmen lassen. Das war alles in diesem Jahr geschehen. Dass nach so kurze Zeit das Boot in dem vorliegenden Zustand war - und das betrifft nur die Rettungsinseln, das Funkgerät, der evtl. Fehler des GPS und die Fähigkeiten des Kapitains damit umzugehen, wundert mich doch sehr. Die Frage ist für mich, welche Sorgfalt hat der Eigner/Reeder des Bootes bei der Überholung walten lassen? War das Boot bei der Prüfung ok oder waren nur die Prüfer etwas zu ungenau? Wer setzt die Prüfstandarts und wie sind die Ausbildungsstände der Prüfbehörden? Wäre ich ein Safari-Veranstalter und auf ein Charter angewiesen, ich wüsste nicht, ob ich all diese Dinge bei jeder Safari in Ägypten gewährleisten könnte. Es ist eben nicht der europäische und schon gar nicht der deutsche Standard. Und das weiss jeder (oder sollte wissen), der eine Tauchreise nach Ägypten oder Sudan oder andere südliche Länder plant. Deshalb sehe ich dieses Ereignis als eine Ausnahme, die einem genauso gut auf einer Busreise in der Türkei passieren könnte. Dort nur mit größeren Folgen. Mit der Erfahrung, die ich bei Cici und ihren Leuten gemacht habe, bin ich trotzdem zufrieden und ich werde auch weiterhin bei ihr buchen und Seawolf Diving weiter empfehlen.

Liebe Grüße Wolfgang


Stellungnahme vom deutschen Diveguide Kurt König:

Kurt König München, 20.12.02 Barakuda TL 339

Untergang der Legend I

Ich war vom 21.09.2002 bis zum Untergang der Legend Diveguide auf diesem Schiff. Diese Safari startete am 13.10. von Marsa Alam aus und stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Verspätung des Fluges und somit verspätete Ausfahrt. Der Koch Hany und sein Helfer streikten ab Montagabend und weigerte, sich ihre Arbeit zu machen. Somit mußte ich mit einem der Gäste die Küche übernehmen.

Es waren auch einige Probleme beim Anfahren von verschiedenen Tauchgebieten, da zu dieser Zeit Südwind herrschte. Am Dienstagabend wollte der Kapitän die Insel Wadi Gimal anfahren. Bei der Rückfahrt kamen wir in die Dunkelheit und er verfehlte den Ankerplatz. Erst nach einer fast 5stündigen Suche hatte er die Boje gefunden. Es ist richtig, daß einige Gäste bereits unruhig wurden. Wobei die Legend mit "Schleichfahrt" fuhr und mit dem Zodiac der Ankerplatz gesucht wurde. Dieser wurde dann auch gefunden und die Gäste beruhigten sich wieder. Bei allen Fahrten benützte der Kapitän sein Hand GPS, mit dem er gut zurecht kam. Warum er den Ankerplatz nicht fand ist mir persönlich ein Rätsel. Er machte die ganze Zeit über einen souveränen Eindruck.

Am nächsten Tag fuhren wir dann zum sog. "Dolphin Riff", verbrachten dort den Tag und alles war wieder o.k. Wir einigten uns, da es doch ein paar Probleme auf dieser Fahrt waren, daß wir in den Morgenstunden des Donnerstag noch zum Elphinston Riff fahren würden. Ich erklärte noch, daß dies kein Problem ist, da das Fahrwasser, außer dem Shab Marsa Alam, "klar" ist und allen hier fahrenden Kapitänen dieses Riff bestens bekannt ist. Gegen 04.00 Uhr legten wir aus Shab Samadai ab und fuhren Richtung Norden. Gegen 0530 Uhr wurde ich unsanft aus dem Schlaf geweckt. Wir standen auf dem Riff "Shab Marsa Alam".

Ich fragte nun unseren Maschinisten auf arabisch nach der Lage. Seine Antwort war wenig beruhigend. Ich wählte bewußt die arabische Sprache, um die Gäste nicht zu beunruhigen. Nachdem ich nun wußte wie es um das Schiff stand, erklärte ich den Gästen, daß wir zu fest auf dem Riff sitzen würden und eine Weiterfahrt nicht möglich sein wird. Ich sagte nun, daß jeder alles fertig packen soll. Ich werde mit dem Beiboot nun rüber in den Hafen fahren, um ein Ersatzschiff zu organisieren. Dies war allerdings nicht ganz so einfach wie es klingt. Wenn man die ägyptischen Behörden kennt, die sogar bei Notfällen noch Probleme machen, kann man das nachvollziehen. Während ich das Ersatzschiff besorgte, erreicht mich auf dem Handy schon der erste Anruf, daß die Legend inzwischen bedrohliche Schieflage hat. Ich kam gerade noch rechtzeitig mit an, um alle Gäste und das komplette Gepäck auf das Ersatzschiff zu bringen. An dieser Stelle möchte ich noch anmerken, daß der Kapitän dieses Schiffes sofort bereit war, uns zu helfen und daß die Verzögerung alleine an den ägyptischen Behörden lag.

Eine konkrete Gefahr für Leib und Leben bestand zu keiner Zeit und für niemanden. Unter den Gästen herrschte keine Panik. Im Gegenteil, sie fanden noch Zeit den Kühlschrank mit den Biervorräten auszuräumen und waren alle guter Dinge. Als wir alle an Land waren fragte ich noch einmal nach, ob irgend jemand etwas vermisse und ob alle ihr Gepäck haben. Der Tenor war nein wir haben alles. Es war ja schließlich Zeit genug zum packen. Daß manche die Schwimmwesten anhatten ist richtig. Jedoch nicht wegen Panik, sondern sie erklärten mir, daß sie diese Weste als Souvenir und Erinnerungsstück mitnehmen wollen.

Es ist richtig, daß ein Problem mit der 12 Volt Versorgung war und deshalb ein Elektriker mitgefahren ist. Leider kam er zu seiner Arbeit nicht, da er ja mit einspringen mußte bei den sonstigen Arbeiten, bedingt durch den Ausfall des Kochs mit seinem Helfer

Mir freundlichen Grüßen Kurt König


Obige Aussagen sollen den tatsächlichen Untergang der M/Y Legend besser für die Allgemeinheit verständlich machen. Wir, die Redaktion, möchten Euch diese Informationen weitergeben. Gleichzeitig bedanken wir uns bei Cici, Wolfi und Kurt für Ihre ausführlichen Stellungnahmen. Von den anderen Teilnehmern bekamen wir leider bis heute keine Antworten zu unserer Anfrage.

Wir wünschen der Seawolf-Diving und Ihren Gästen weiterhin schöne und erlebnisreiche Safaris im Roten Meer.

Viele Grüsse Martin Rubner Redaktion www.taucher.net


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