| © 2002 Oliver Meise
Schon vor Beginn des 20. Jahrhunderts spielte Öl eine zunehmend
wichtigere Rolle. Leider befanden sich die Vorkommen dieses schwarzen Goldes
nicht gleichermaßen in jedem Nationalstaat, sondern mußte schon
immer über weite Entfernungen herangeschafft werden. In der Regel
geschah und geschieht dies durch Pipelines. Dort, wo es keine Pipelines
gab oder diese unwirtschaflich wären ersetzen Tankschiffe diese schwarzen
Lebenslinien. Eines jener ölbefördernder Schiffe wurde im Jahre
1926 von der British Tanker Company Ltd. aus Llandarcy in Südwales/Großbritannien
bei der in Newcastle-on-Tyne beheimateten Schiffswerft Palmers Shipbuilding
& Iron Company Limited in Auftrag gegeben.

Nach Fertigstellung und Taufe auf den Namen British Loyalty lief
dieser zehn Knoten schnelle 6.993 BRT-Tanker der "British Advocate"-Bauserie
dann am 26. September 1927 vom Stapel. Nach Beendigung der Ausrüstungen
begannen die See-Erprobungen vor der Tynemündung. Diese konnten am
12. Januar 1928 mit einem zufriedenstellenden Ergebnis abgeschlossen werden. Das
134m lange und 17,4m breite Schiff wurde nun offiziell der Reederei übergeben
und trat mit dem Unterscheidungssignal GLFR unter britischer Flagge die
Jungfernreise an.
© BP plc. 2002
Diese begann schon am nächsten Tag und führte die 40-köpfige
Besatzung unter dem Kommando des neuernannten Kapitäns H.R.B. Kent
zur iranischen Erdölraffinerie Abadan. Und so tat dieses Schifflein
denn über die Jahre treulich seine Dienste und pflügte die Wellen
der Ozeane immer mit einer Ladung Öl im dunklen Schiffsbauch.
Dies hätte noch ewig so weitergehen können -jedoch brach
nach einigen Jahren der 2. Weltkrieg aus. Schon am 2. September 1939 zog
das britische Kriegsministerium den Tanker ein und unterstellte ihn seiner
eigenen Verwaltung. Einige friedliche Monate waren der British Loyalty
noch beschieden -dann bekam auch sie den Krieg zu spüren. Am 3. Februar
1940 befand sich das Schiff um 10.20 Uhr vormittags gerade zwölf Seemeilen
östlich der schottischen Küste bei von Arbroath, als ein einzelner
Heinkel 111 -Bomber der Luftwaffe auftauchte und hartnäckig fünf
Tiefangriffe flog.

Hierbei wurden insgesamt sechs Bomben geworfen und das Schiff mit Bordwaffen
beschossen. Die Bomben gingen zwar nur als Nahtreffer in die Nordsee, jedoch
verursachten die damit verbundenen Erschütterungen und auch die Bordwaffentreffer
Schäden an einem Dampfrohr des 748 PS starken Sechszylinder-Sulzer&Winterthur-Dieselmotors
und an der Rudermaschine. Da aber drei Jagdflugzeuge der RAF (Royal Air
Force = Königliche Luftwaffe) eingriffen und den Bomber vertrieben,
wurden schwerere Schäden verhindert. Schnell war die British Loyalty
repariert und wieder einsatzbereit. In den folgenden Monaten und Jahren
wurde der Tanker immer wichtiger da mehr Schiffe dieser Art von deutschen
Ubooten versenkt wurden als nachgebaut werden konnten. Der Jahresbeginn
1942 sah die British Loyalty dann im Indischen Ozean wo sie ua.
in Trincomalee britische Kriegsschiffe mit dem wertvollen Treibstoff versorgte.
Von dort aus verlegte es dann nach den Seychellen um hier das gleiche zu
tun. Zu diesem Zeitpunkt beherrschte das Japanische Kaiserreich mit seinen
Streitkräften noch die Weiten des Indiks und des Pazifiks. Zwar war
die alliierte Kriegsmaschine auch im Indik so langsam auf Touren gekommen,
jedoch war der Totpunkt noch nicht überschritten. Um diesen zu überwinden
und die letzten Schlupflöcher der Achsenmächte (Deutschland,Italien
und Japan) zu schließen, mußten zunächst die mit ihnen
Verbündeten neutralisiert werden. Einem riesigen Flugzeugträger
gleich befand sich aber die Insel Madagaskar noch in Händen der Vichy-Franzosen.
Dem wollte man abhelfen indem die Operation IRONCLAD gestartet wurde. Hierbei
sollte die unter dem Kommando von Rear-Admiral Sir Neville Syfret stehende
Force F mit den Schlachtschiffen HMS Malaya,HMS Ramillies
sowie den Flugzeugträgern HMS Illustrious und HMS Indomitable
und
den dazugehörigen Troßschiffen nebst 30.000 Mann an Bodentruppen
die 900 Meilen lange Insel vom im Norden gelegenen Hafen Diego Suarez her
erobern.
In Unkenntnis dieses Vorhabens -aber mit der Absicht weiterhin durch
eigene Seestreitkräfte Präsenz im Indik zu zeigen und Macht auszuüben-
erging am 20.April 1942 an die unter dem Kommando von Konteradmiral Noburo
Ishizaki stehende 1. Division der 8. Ubootflottille in Penang der Befehl,
die Häfen von Durban, Port Elizabeth,Aden,Djibouti und Madagaskar
aufzuklären und lohnende Ziele zu vernichten. Diese japanische Flotteneinheit
war gerade erst von Kwajalein und den Marschall-Inseln gekommen. Sie bestand
aus den Ubooten
I 10, I 16, I 18, I 20 und I 30 sowie den
Uboot-Tendern
Hokoku Maru und Airoko Maru. Anders als die
deutsche Ubootwaffe bei der Uboote selbst als Hauptwaffe gesehen wurden
um Ziele im Mittelstreckenbereich zu bekämpfen, ging die japanische
Marinestrategie von der Notwendigkeit aus, weite Seegebiete überwachen
und beherrschen zu müssen. Aus diesem Grund waren die japanischen
Uboote im Indik nicht nur mit größeren Treibstofftanks und Bevorratungsmöglichkeiten
ausgestattet,sondern waren insgesamt auch größer und mit anderen
Waffensystemen ausgerüstet. So war das 4.150ts-Uboot I 10 und
das 3.654ts-Uboot I 30 neben seinen Torpedo- und Artilleriewaffen
mit einem Yokusuka E14Y Glen Seeauklärungsflugzeug in einem druckfesten
Hangar auf dem Vorderdeck ausgerüstet, und die 3.561ts-Uboote I
16, I 18 und I 20 neben ihren Torpedo- und Artilleriewaffen
mit jeweils mit einem 46ts-Mini-Uboot vom Typ A.
Japanisches Mini-Uboot vom Typ A bei Bergung durch die
US-Navy 1945
© NARA, Photo-Nr. 80-G-350054
Noch am 20. April 1942 lief demgemäß
I 30 unter dem
Kommando von Kommodore Shinobu Endo aus und setzte Kurs auf Aden. Der Rest
dieser japanischen Streitmacht folgte ab dem 29. April 1942 auf südlicheren
Kursen in den Indischen Ozean, wobei I 30 mit seinem Seeaufklärungsflugzeug
gewissermaßen ein vorausfahrendes Auge mit einer Reichweite von 476
Nautischen Meilen darstellte.
Am 5. Mai 1942 machten die Alliierten Nägel mit Köpfen und
griffen mit der Force F diese Insel Madagaskar an. Nach einem kurzen und
heftigen Kampf war der Nordteil von Madagaskar samt Hafen Diego Suarez
in Händen der Alliierten der von nun an ein wichtiger Flottenstützpunkt
wurde. Nach und nach gingen alle Schiffe der Force F und ihre Versorgungsschiffe
hier vor Anker um hier ua. gewartet,aufgetankt, entladen oder beladen zu
werden.
Am 7. Mai wurde der nur 8,54m lange und beladen nur 1,45t schwere Glen-Seeaufklärer
von I 30 erstmals auf dieser Feindfahrt für einen Flug aus
seinem Hangar gezogen und auf der Abflugrampe aufgestellt.

Nach der Arretierung der Schwenkflügel und der Schwimmer wurde
er von Bord katapultiert.

Ziel war der Hafen von Aden und die dort gesuchte "British Eastern Fleet"
(Britisches Ostasiengeschwader der Britischen Marine). Die japanische Maschine
kam auch heil über dem Hafen an und überflog ihn.

Ein nach japanischen Maßstäben wertvolles Kriegsschiff, geschweige
denn die British Eastern Fleet war dort aber nicht vorhanden. Und so kehrte
die Yokusuka E14Y Glen zurück zu ihrem Mutterschiff.

Nachdem sie per Kran wieder eingesetzt und an Bord verstaut worden war,
wurde Kurs auf den Hafen von Djibouti gesetzt und das ganze Manöver
wiederholte sich mit dem gleichen Ergebnis schon am nächsten Tag - dem
8. Mai 1942. Knapp zwei Wochen später - am 19. Mai 1942- waren die
Häfen von Sansibar und Dar-es-Salaam in die Reichweite der Glen gerückt
und wurden - wieder ohne zufriedenstellendes Ergebnis - aufgeklärt.
Am nächsten Tag spart man sich das Ausbringen des zweisitzigen Kleinflugzeuges
und inspiziert den Hafen von Mombasa per Sehrohr. Es ist jedoch wie verhext
und I 30 findet die Einheiten der British Eastern Fleet nicht.
Das Gros der anderen japanischen Uboote - I 10,I 16,I 18 und
I
20 - verfügte mit dem unter dem Kommando von Fregattenkapitän
Kayahara stehende I 10 ebenfalls über ein Uboot mit einem Aufklärungsflugzeug.
Dieses startet am 20. Mai 1942 erstmalig und führt einen Kontrollflug
über Durban aus.Dort fand man schließlich 40 Handelsschiffe -
befand diese eines Angriffs nicht für ehrenhaft genug und suchte weiter
nach der British Eastern Fleet. Besonderes Augenmerk wurde nun auf die
Häfen von East London, Port Eilzabeth und Simonstown gelegt.
Gegen Ende Mai 1942 lagen in Diego Suarez schließlich neben dem
35.000ts-Schlachtschiff der Royal-Sovereign-Klasse HMS Ramillies
auch die Kriegsschiffe HMS Karanja, HMS Genista, HMS Thyme, HMS Duncan,
HMS Active ,das Lazarettschiff
Atlantis ,der Frachter Llandaff
Castle ,ein voll beladenes Munitionsschiff sowie dann auch die am 19.
Mai von den Seychellen eingetrudelte
British Loyalty vor Anker.
In der Abenddämmerung des 29. Mai 1942 erschien über dem Hafen
von Diego Suarez ein unbekanntes Flugzeug und warf eine Magnesiumfackel
ab. Da man es für eine Curtiss-Maschine bzw. ein Flugzeug der Vichy-Franzosen
aus dem noch unbesetzten Südteil von Madagaskar hielt, wurden vor
Ort keine besonderen Gegenmaßnahmen ergriffen.Lediglich HMS Ramillies
lichtete vorsichtshalber den Anker und dampfte einige Kreise -nur um dann
in einer anderen Hafenecke wieder zu ankern.
HMS Ramillies im Jahre 1939
Bei dem mysteriösen Flugzeug handelte es sich um den Seeaufklärer
des japanischen Ubootes I 10 - dem Flaggschiff von Admiral Noboru
Ishizaki. Nach seiner Rückkehr berichtete er vom Vorhandensein eines
Schlachtschiffes in der Nordostecke des Hafens von Diego Suarez. Da nach
japanischen Begriffen nur Kriegsschiffe ein ehrenhaftes und lohnenswertes
Ziel waren, entschloß man sich am 30. Mai 1942 für einen Angriff.
Zehn Seemeilen vor dem Hafen sollten die Uboote I 16, I 18 und I
20 ihre 23,9m langen Mini-Uboote auf die Fahrt in den Hafen schicken.
Auch ein Wiederaufnahmepunkt für Überlebende wurde verabredet.Nach
Sitte der Samurai banden sich die Fahrer der Mini-Uboote nun bevor sie
ihre Fahrzeuge bestiegen ein weißes Tuch um ihre Stirne und besprengten
sich mit Parfüm - ganz so wie es schon seit Urzeiten die japanischen
Ritter bei einem Kampf und Leben und Tod getan hatten.
Zeremonie von Kaiten-Fahrern an Land
Fähnrich Mizui von der Kaiten-Gruppe Tamon erhält am 18. Juli 1944 sein zeremonielles Kurzschwert
Photo kind donation of Mr.Kato Yasuto and his impressive Kaiten-website
Zehn Seemeilen vor dem Hafen angekommen versagte jedoch der Lösemechanismus
zwischen Miniuboot und dem von Korvettenkapitän Kiyonori Otani kommandierten
I 18, so daß dieses Uboot für den Angriff ausfiel.
Die anderen beiden Miniuboote lösten sich jedoch von ihren Mutterschiffen
und fuhren nun ihren Zielen entgegen. Das Kleinunterseeboot des von Fregattenkapitän
Kaoru Yamada kommandierten I 16 wurde von zwei Junggesellen gefahren:
dem Fähnrich Katsusuke Iwase als Führer des Uboots und Unteroffizier
Takato Takata als Navigator.
Das Mini-Unterseeboot des von Fregattenkapitän T. Yamada kommandoerten
I
20 wurde von zwei verheirateten Seeleuten bemannt: dem Leutnant
Saburo Akieda als Kapitän und von seinem Navigator Masami Takemoto.
Gegen 17.00 Uhr gelang es nun dem letzteren Team in der Dämmerung
der einsetzenden Nacht in den Hafen einzudringen. Dabei half nun insbesondere
daß das Dämmerlicht von einer klaren und unbewölkten Vollmondnacht
abgelöst wurde. Der Fahrbereich ihres Mini-Ubootes von 55 Seemeilen
bei maximal 19 Knoten Geschwindigkeit ließ eine ausgedehnte Suche
nach einem lohnenden Ziel für die beiden 45,7cm-Torpedos zu. Leise
trieb der 600PS-Elektromotor die Männer dahin. Schließlich fanden
sie kurz nach 20.00 Uhr ihr Ziel: HMS Ramillies. Nachdem man sich
in eine gute Angriffsposition gebracht hatte begann der Anlauf und man
löste einen Torpedo. Gegen 20.25 Uhr erschütterte dann eine Explosion
die Nacht: 500kg Sprengstoff hatten ihr Ziel gefunden und ein ca. 9m x
9m großen Loch in die Backbordseite des Schlachtschiffes gerissen.
Zwar war niemand getötet und das Schiff nicht versenkt worden, der
Schaden war jedoch beträchtlich.
Die British Loyalty hatte bis 06.00 Uhr früh an diesem
Tag die vor Anker liegenden Schiffe beölt und lag zum Zeitpunkt dieses
Angriffs nur fünf Kabellängen vom Antsivana-Leuchtturm entfernt
vor Anker. Mit der Torpedierung von HMS Ramillies setzte ein allgemeines
Tohubawohu ein, wo jedes verfügbare Rohr auf echte oder vermeintliche
Sichtmeldungen von Ubootstürmen ballerte. Der Kapitän der British
Loyalty R. Westell ließ sofort die Verkehrsboote einsetzen, den
Anker lichten und vom Maschinenraum Dampf zur Fortbewegung des Schiffs
aufmachen. Ca. eine Stunde später waren die Kessel angeheizt und hatten
gerade Dampf für etwas Fahrt, als die Brücke auch schon das Kommando
für "Kleine Fahrt Rückwärts" gab. Langsam begann sich nun
die British Loyalty rückwärts zu bewegen. Plötzlich
machte man an Bord von HMS Ramillies eine zweite Blasenbahn eines
Torpedos aus. Das Mini-Uboot von I 20 hatte seinen zweiten Torpedo
gefeuert! Der Torpedo lief genau auf das Schlachtschiff zu -einen weiteren
Torpedo konnte die schwerbeschädigte HMS Ramillies aber auf
keinen Fall mehr verdauen ohne zu sinken! Plötzlich schob sich die
rückwärts fahrende British Loyalty in die Torpedobahn,
wurde von diesem um Punkt 21.20 Uhr im Maschinenraum getroffen und begann
schnell mit dem Heck voraus zu sinken. Zwar konnten sich nun alle Besatzungsmitglieder
retten, der Tanker selbst glitt in die Tiefe.
Das Mini-Uboot von I 20 machte sich nun wieder aus dem Staub,
geriet aber wegen einer defekten Ruderanlage noch im Hafen auf ein Riff.
Das Ende vom Lied war,daß sie das Uboot aufgaben, an Land schwammen
und sich aufmachten um den mit Kapitän Takeshi Yamada von I 20
verabredeten Wiederaufnahmepunkt bei Cape Amber zu Fuß zu erreichen.Sie
wurden jedoch bei einem Dorf zwölf Meilen nördlich vom Diego
Suarez bei der Amponkaranabucht gesehen und gemeldet. Nach einer zweitägigen
Verfolgungsjagd wurden die beiden Japaner am 2. Juni von einem 15 Soldaten
starken Trupp der britischen Armee auf einem Hügel oberhalb des Strandes
-der mit I 20 als Wideraufnahmepunkt ausgemacht war- gestellt. Gemäß
dem Bushido-Ehrenkodex kam Gefangennahme für die beiden japanischen
Seeleute nicht in Frage und sie kämpften bis zuletzt mit ihren Pistolen
und Schwertern. Ergebnis: Zwei tote Japaner,ein toter Brite und vier verwundete
Briten.
Was war nun aus dem Mini-Uboot von I 16 geworden? Übereinstimmend
sagten Seeleute an Bord der British Loyalty und HMS Ramillies
aus,
zwei
Ubootstürme im Hafen gesehen zu haben. Demgemäß
muß das zweite Mini-Uboot also auch vom Mutterschiff in den Hafen
gelangt sein. Ein Suchtrupp, der einen Tag nach dem Angriff die Gegend
absuchte, fand am Strand vor dem Hafen einen toten Japaner in Marineuniform.
Dieses Mini-Uboot ist also wieder aus dem Hafen herausgelangt -nur um dann
bis auf ein Besatzungsmitglied für immer zu verschwinden.
Auch die Träger-Uboote für die Mini-Uboote und die Aufklärungsflugzeuge
überlebten den Krieg nicht. Sie wurden sämtlich im Kriegsverlauf
auf den Meeren der Welt versenkt.
Schon im Juni 1942 fanden erste Untersuchungen am Wrack der British
Loyalty statt.Zunächst befand man,daß 2.000t ihrer Ladung
und 1.800t Öl noch Verwendung finden konnten und barg diese ab. Im
Dezember 1942 barg man die British Loyalty dann auch selbst und
begann mit Instandsetzungsarbeiten. Am 7. Oktober 1943 fand schließlich
unter dem Kommando des neuen Kapitäns R.M. Anderson die zweite Jungfernreise
statt. Diese führte und zum RAF-Flugplatz Gan. Gan lag auf dem -zu
den Malediven gehörenden- Addoo-Atoll. Da dies -noch bis 1976-
ein besonders wichtiger Luftwaffenstützpunkt war, entschloß
man sich 1943 dafür die British Loyalty gleich als Großtankstelle
für die vielen schweren Bomber und Aufklärungsflugzeuge vor Ort
zu behalten.
Doch schon näherte sich neues Ungemach: Das deutsche IXC/40-Uboot
U
183 unter dem Kommando von Korvettenkapitän Heinrich Schäfer
war schon am 3. Juli 1943 von Lorient in Frankreich aus in See gegangen
und hatte schließlich ohne Versenkungserfolge im Operationsgebiet
des Indischen Ozeans und vor Malaya am 30. Oktober 1943 den japanisch-deutschen
Ubootstützpunkt Penang erreicht.
Penang, Anleger des deutschen U-Boot-Stützpunktes
U 178 im Vordergrund,U 183 Hintergrund
im Päckchen links,
U 188 im Päckchen rechts,U 532 Hintergrund
auf See
Anläßlich einer Verlegungsfahrt von U 183 im November
1943 in das Dock von Singapur zu Wartungs- und Reparaturarbeiten wurde
dort sein Kommandant Korvettenkapitän Schäfer wegen schließlich tödlicher Herzinsuffizienz am
20. November 1943 durch den 26-jährigen Kapitänleutnant Fritz
Schneewind ersetzt. Dieser war am 10. Mai 1943 aus Lorient in Frankreich
mit dem IXC-Uboot U 511 "Marco Polo I" ausgelaufen,
hatte einige Dampfer versenkt und brachte am 7. August 1943 nach dem Einlaufen
in Kure/Japan sicher den zukünftigen Deutschen Botschafter in Japan
Dr. Ernst Wörmann, den bisherigen Japanischen Marneattaché
in Berlin -Vizeadmiral Nomura- sowie einige Ingenieure ins Land. Schließlich
überreichte er sogar noch am 16. September 1943
U 511 -das
erste Uboot, mit dem in Peenemünde Unterwasser-Raketenstarts vom Uboot
aus erprobt wurden- der Kaiserlich Japanischen Marine als "Führergeschenk".
Schließlich verlegte U 183 im Januar 1944 unter seinem
neuen Kommandanten zurück nach Penang.
Da nun die Rückkehr nach Deutschland auf dem Plan stand, wurde
das Uboot mit in der Heimat knappen Rohstoffen wzB.Zinn,Gummi,Wolfram,Chinin
und Opium beladen. Endlich stach U 183 am 10. Februar 1944 wieder
in See. Am 29. Februar begegnete man nachmittags dem britischen 5.419 BRT-Motorfrachter
Palma
und versenkte ihn dann um 15.30 Uhr bei Galle/Ceylon im Planquadrat LN
4379. Wieder wurde Kurs abgesetzt in Richtung Heimat.
Kommandant Fritz Schneewind
auf der Brücke von U 183
Dieser führte U 183 aber auch am Addhoo-Atoll vorüber.Hier
erspähte der Ausguck am 8.März 1944 im Planquadrat LD 2726 ein
weiteres fettes Ziel. Sofort ließ Schneewind tauchen und näherte
sich diesem Schiff. Man stellte fest, daß es sich hierbei um einen
in der südwestlichen Einfahrt vor Anker liegenden Dampfer handelte.
U
183 brachte sich in Angriffposition, wurde aber von einem unbekannten
Flugzeug gestört, so daß man den Angriff zunächst abbrach.
Weitere Beobachtungen mit dem Periskop ergaben daß in der Lagune
des Atolls ein weiterer Dampfer vor Anker lag. Wie sich später herausstellte,
war dies die Zuiderkruis, ein Depotschiff der britischen Eastern
Fleet in Ceylon. Wichtiger war aber noch die Feststellung, daß alle
vier in die Lagune hereinführenden Kanäle mit Ubootnetzen versperrt
waren und nur für autorisierte Fahrzeuge geöffnet wurden. Genaueste
Beobachtungen ließen den Kommandanten von U 183 aber eine
Lücke in den Ubootnetzen entdecken. Duch diese konnte ein Torpedo
abgefeuert werden, der dann seinen Weg durch den Gan-Kanal direkt auf eines
der vor Anker liegenden Schiffe nehmen würde. Mit diesen Beobachtungsergebnissen
im Kopf wurde dann am Morgen des 9. März 1944 ein Angriff angesetzt
und ein Torpedo abgefeuert. Dieser traf das British Loyalty heißende
Schiff dann auch und ließ es brennend sinken.
U 183 lief nach dieser Versenkung ab Richtung Heimat. Es sollte
diese aber nie erreichen. Die geplante Versorgung mit Treibstoff unterwegs
aus den Beständen des Versorgungsschiffes Brake funktionierte
nicht. Die Alliierten hatten die geheimen Enigma-Funksprüche des Schiffes
mitgehört und es versenkt.
8.-11.September 1943: Versorgen von U 183 aus
Brake
auf der Hinreise nach Japan , südlich von Madagaskar
Foto: Archiv Roland Berr
In Ermangelung des zur Fortsetzung der Fahrt nach Deutschland aber unbedingt
benötigten Treibstoffes mußte
U 183 zum Ubootsstützpunkt
Penang zurückkehren, wo es am 21. März 1943 auch eintraf.
U 183 beim Einlaufen in Penang
Mittlerweile waren die für die Unterwasserfahrt so wichtigen Batterien
der E-Maschine wegen der hohen Belastungen in den Tropen zu zwei Dritteln
unbrauchbar geworden. Eine Rückkehr in die Heimat war deshalb zunächst
-wegen der Erfordernis möglichst lange vor den die heimischen Gewässer
dominierenden Alliierten See- und Luftstreitkräften tauchen zu können-
unmöglich.
Trotz dieses Problems führte U 183 vom 17. Mai 1944 bis
zum 7. Juli 1944 noch eine Kurzfeindfahrt -wieder nach Ceylon und den Malediven-
aus und versenkte dabei am 5. Juni bei den Malediven den britischen 5.299
BRT-Frachter Helen Moller. Am 24.Juni 1944 trifft es wie geplant
auf U 843 das neue Funkcodes und ein Fliege-Radarwarngerät
an U 183 übergibt.
U 183 kommt von hinten auf das im
Vordergrund befindliche U 843 heran
Foto: Archiv Roland Berr
Hierbei kommt es zu einer Kollision nach der zwei Bugtorpedorohre wegen
starker Beschädigung der Abdeckklappen unbrauchbar werden.
Nach seiner Rückkehr in den Heimathafen Penang verholte sich U
183 im November 1944 nach Kobe in Japan wo seine Batterien ausgetauscht
und weitere dringende Reparaturen ausgeführt wurden. Über die
Fahrt nach Japan und die Reparatur in der Schiffswerft gingen einige Monate
ins Land, was man auch zur Kontaktpflege mit den japanischen Waffengefährten
nutzte.
Kapitänleutnant Schneewind links sitzend
Foto: Archiv Roland Berr
Zwar näherte sich in der Heimat merklich das Kriegsende, jedoch
stach U 183 am 22.Februar 1945 trotzdem in See um nach Batavia zu
verlegen. Tatsächlich kam man hier am 9.März 1945 an. Von hier
aus sollte noch eine letzte Feindfahrt angetreten werden mit Ziel Java-See
und Makassar-Straße südlich von Borneo. Und so machte man sich
tatsächlich noch am 21. April 1945 -zwei Wochen vor dem Kriegsende
in Deutschland- auf dem Weg in dieses Operationsgebiet.Am 23. April 1945
lief es jedoch 70 bis 80 Seemeilen westlich der Bawean-Inseln und nördlich
von Surabaja in der Javasee genau in die Arme des amerikanischen Ubootes
USS Besugo und wurde von diesem per Torpedotreffer auf der Backbordseite
beim Turm auf der Position 04° 57`S / 112° 52`E versenkt. Der einzige
Überlebende der 55-köpfigen Besatzung war Obersteuermann Karl
Wisniewski. Er wurde von dem US-Uboot aufgefischt und überlebte so.
Foto: Archiv Roland Berr
Und die British Loyalty? Gesunken ist sie -ja.Aber nur
teilweise. Der Torpedotreffer erfolgte auf der Steuerbordseite und riß
Tank 7,8 und 9 sowie den Maschinenraum irreparabel in Stücke.Die hier
aufklaffenden Löcher und Risse verliefen vom Oberdeck bis unter die
Wasserlinie und sorgten sofort für eine starke Schlagseite des Tankers
nach Steuerbord. Dies wird man morgens auf U 183 beobachtet haben.
Der Kapitän des Tankers konnte dann aber bis 14.45 Uhr die Schlagseite
beheben, indem er aus den Haupttanks 1, 4 und 5 den Backbordtank Nummer
3 -gewissermaßen als Gegengewicht- fluten ließ. Sofort wurden
Reparaturarbeiten an dem Schiff vorgenommen, vor allem um die noch an Bord
befindlichen 6.417t Treiböl,105t Spiritus und 43.250 Gallonen Flugbenzin
zu retten. Sehr bald schon wurde aber klar, daß die British Loyalty
mit den ihr noch verbliebenen unbeschädigten Tanks nur noch als ein
großer antriebsloser Treibstofftank Verwendung finden konnte. Und
so kam es dann auch.Für den Rest des Krieges diente sie ausschließlich
diesem Zweck. Am 15. Januar 1946 wurde die British Loyalty dann
von ihrem bisherigen Ankerplatz bei Viligili entfernt und von einem Schlepper
zu einem Punkt im Innenatoll südöstlich der Insel Hithadhoo -zwischen
der Insel Maradhoo und der Insel Hithadoo- verbracht. Hier wurde es nun
planmäßig durch Schüsse eines britischen Kriegsschiffes
in die Wasserlinie endgültig versenkt.
Leider trat sowohl bei der Torpedierung durch U 183 wie auch
bei der letztmaligen Versenkung der British Loyalty Öl in beträchtlichem
Maß aus den Tanks des Schiffes und verseuchte die Lagune.Viele Fische
und Delphine mußten deshalb ihr Leben lassen. Auch dauerte es nach
der Versenkung durch die Royal Navy noch zehn Jahre bis das Austreten von
Öl aus dem Wrack der British Loyalty endlich aufhörte.
Heute ist das Wrack von der einheimischen Tierwelt "gut besucht". Neben
den üblichen Füsilieren,Glasfischen und Schnappern trifft man
hier auf Stachelrochen, einen großen Zackenbarsch und insbesondere
zwei große Schildkröten.Dies alles ist nur knapp 25 min von
der einzigen Tauchbasis des Atolls -dem Diverland- bei Gan entfernt. Taucher
finden das mit dem Bug in Richtung Norden ausgerichtete Wrack in 33m Tiefe
annähernd rechtwinklig auf seiner Steuerbordseite liegend vor. Die
geringste Tiefe am Wrack stellt mit 16m die Backbordseite des Schiffsrumpfes
dar. Alle Teile des Wracks sind mittlerweile von einer dicken Schicht Hart-
und Weichkorallen bewachsen.
Der Tauchgang beginnt üblicherweise an dem in der Schiffsmitte
an der Deckreeling befestigten Bojenseil.
Foto © 2002 Marco Zender
Taucht man von hier aus über das Deck in Richtung Heck, kommt man
an allerlei Bestandteilen des Oberdecks vorbei.

Fotos © 2002 Marco Zender
Schließlich erreicht man das Ende des Tankdecks und die hinteren
Aufbauten kommen in Sicht -besser das was davon überigeblieben ist.
Diese sind heute in sich zusammengefallen, so daß sich auch der Schornstein
mit einer Neigung von ca. 65°dem Meeresgrund zuneigt.

Fotos © 2002 Marco Zender
Auf den hinteren Aufbauten wurde seinerzeit die
Reserveschraube des Schiffes aufbewahrt. Und so findet sich auf den zusammengefallenen
Platten der Heckaufbauten auch eine solche an.

Fotos © 2002 Marco Zender
Sehr gut zu erkennen ist auch das System von Rohrleitungen, das sich
über die gesamte Länge des ehemaligen Oberdecks erstreckt.Früher
dazu bestimmt die verschiedenen Tanks voll- bzw. leerzupumpen, sind sie
heute ein interessantes Bestandteil dieses Wracks.
Foto © 2002 Marco Zender
Die anderen Schiffsbestandteile -was Decksreeling,Aufbautenreste oder
die ausgeschwungenen und leeren Rettungsbootdavits angeht- sind ebenfalls
noch erhalten und runden die Stimmung am Wrack ab.
 

Fotos © 2002 Marco Zender
Knapp 40m vor dem Heck des Schiffes bietet sich dem Auge des Tauchers
ein Bild der Verwüstung. Sowohl das Oberdeck wie auch die seitlichen
Bordwände des Schiffsrumpfes inklusive Kiel sind total zerfetzt.
 

Fotos © 2002 Marco Zender
Diese Beschädigungen wirken wie zwei riesige klaffende Löcher.
Da der Torpedo 1944 die untenliegende Schiffsseite traf und danach Reparaturarbeiten
stattfanden, kann diese Zerstörung nur durch die Artillerietreffer
bei der letztmaligen Versenkung herrühren. Nichtsdestotrotz öffnet
sich hier im wahrsten Sinne des Wortes die gelegenheit für einen Penetrationstauchgang
in den Maschinenraum.Jedoch Obacht! Dies ist nur etwas für Taucher
mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung!

Fotos © 2002 Marco Zender
Da der Maschinenraum nicht sonderlich interessant ist, sollte man sich
seine Luft sparen und stattdessen zum Heck des Wracks tauchen Hier kann
man in 28m Tiefe den großen vierblättrigen Schiffspropeller
bewundern der wunderschön mit buschigen Schwarzen Korallen bewachsen
ist. Lediglich einer der 2m langen Schraubenflügel fehlt, was wohl
auf einen fehlgeschlagenen Bergungsversuch der Schraube aus Phosphorbronze
zurückzuführen ist.


Fotos © 2002 Marco Zender
Auch das Ruder gleich hinter der Schraube ist einen Blick wert.

Fotos © 2002 Marco Zender
Hat man die Betrachtung der Hecksektion beendet, kann man auf 16m auftauchen
und über die mit Hartkorallen bewachsene Backbordwand des Wracks in
Richtung Bug tauchen. Schon bald passiert man wieder die Mittschiffssektion
mit dem Bojenseil um dann auf die Überreste der ehemaligen Schiffsbrücke
zu treffen.
 
Fotos © 2002 Marco Zender
Taucht man von hier aus weiter in Richtung Bug,trifft man auf die bei
Schiffen üblichen Installationen auf dem Vorderdeck: Allerlei Pollern,Klüsen
und Winschen zur Klarierung von Ankerketten und Festmachtauen.

Fotos © 2002 Marco Zender
Mitten unter diesen Gerätschaften befinden
sich auch einige Luken -wahrscheinlich Lichtfenster für das darunterliegende
Deck. Gibt man sich etwas Mühe,findet man an dieser Stelle auch einen
charakteristisch geformten Hauptfüllstutzen, mit dem seinerzeit die
Tanks des Schiffes befüllt werden konnten.

Fotos © 2002 Marco Zender
Schließlich erreicht man den Bug auf dessen
vorderster Deckspitze noch ein kleiner Behelfskran steht.
 
Fotos © 2002 Marco Zender
Setzt man sich nun etwas von diesem Kran ab,kann man den Bug wegen der
guten Sicht in seiner Gesamtheit bewundern.

Fotos © 2002 Marco Zender
Nun sieht man auch die beiden hier seinerzeit fallengelassenen
Anker auf dem Sandgrund liegen -mitsamt ihren zum Schiff führenden
Ankerketten. Alles hier am Bug ist attraktiv bewachsen.
Taucht man nun wieder vom Vorderteil aus in Richtung Schiffsmitte zum
Bojenseil, gleitet man über das guterhaltene Rohrsystem und die ebenso
guterhaltene Schiffsreling an dieser Stelle hinweg.

Fotos © 2002 Marco Zender
Naturgemäß betaucht sich am Vormittag bei dem besten Lichtstand
des Tages die British Loyalty am besten. Die Sichtweiten schwanken
je nach Situation zwischen 15 und 25m. Um das Wrack in seinem ganzen Umfang
zu erfassen sollte man sich zwei oder drei Tauchgänge gönnen.
Da das Wrack im Innenatoll liegt, herrscht auch meist keine oder nur eine
schwache Strömung. Gelegentlich tritt aber auch heute noch Öl
aus dem Wrack. Dies macht sich dann in einem buntschillernden dünnen
Ölfilm auf dem Wasser bemerkbar.
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GPS-Position:
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00°38.453N / 73°06.972E
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Unser Dank bei diesem Bericht geht an Marco Zender der für diesen
Tauchbericht seine schönen Unterwasserfotos der British Loyalty
spendete und so einen Einblick in dieses Wrack ermöglichte!
Außerdem möchte ich an dieser Stelle Roland Berr für
das Zurverfügungstellen seiner Photos zu U 183 aus seinem Bildarchiv
danken!
Furthermore we wish to express our gratitude to Lesley Hardwick of
BP
Shipping and Danny Morris of BP Photographic
Services for the kind donation of the photograph of the British Loyalty
and the generous permission to use it here!
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