Reitende Gebirgsmarine im Einsatz

 Geschrieben von Oli
©  2002 Michael Waldbrenner & Reinhard Buchaly

Tauchen, Vierbeiner und Bergsteigen - geht das übereinander?
Einfach ist das nicht, dafür aber sehr schön.
Dies beweist der folgende Bericht von Michael und Reinhard, die Anfang des Jahres zusammen mit ein paar gleichgesinnten ein kleines Trainingscamp für ihren dann nachfolgenden Höhlentauchgang imRessel-System mit dem neuen Rebreather RB 80 durchführten.Durchführungsort des Trainingscamps war das recht abseits gelegene Höhlensystem von Gourneyras bei Nimes in Südfrankreich.

Und so brach das vielköpfige Tauchteam nun Ende Februar an zwei Wochenenden von daheim auf und quälte sich mit seinen schwer beladenen vierbeinigen Blecheseln durch die Serpentinen dieser hügeligen Landschaft. Schließlich befand sich die ganze Mannschaft vor Ort. Sie bestand aus folgenden Personen: Deniz Guersoy, Harmen Nieuwenhuis, Ralph Wilhelm, Chris Andor, Mark Schmalenberg, Wido Langemheen, Ralf Haslinger, Jörg Gaukel, Danny van Kuik, Tom Karch, Hervé Deschamps, Michael "Brus" Brusdeilins, Jiles and Gertjan Verhoef, Reinhard Buchaly und Michael Waldbrenner. Trotz der Abgelegenheit tummeln sich hier recht viele Taucher, aber auch Angler.Alleine zwischen unseren beiden Wochenenden waren noch je eine englische und französische Gruppe dort.Zwei Höhlenforscher aus der Gegend der Vaucluse besuchten uns abends und waren natürlich herzlich willkommen.
Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es nun daran die Ausrüstung zum Tauchplatz zu schaffen. Dies war gar nicht so einfach, denn hier waren bergsteigerische Kenntnisse gefragt! Sämtliches Material mußte nämlich über ein erst noch zu installierendes Seilsystem etliche Höhenmeter zum recht tief gelegenen Tauchplatz geschaft werden!

Hier sieht man Ralf Haslinger, den "Ropeman" beim Abseilen eines der Doppel-RB80-Flaschenpakete. In deren Mitte wurden später zwei jeweils selbständige RB 80-Rebreather eingesetzt und ergaben so ein redundantes Rebreather-Tauchsystem.
An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an Ihn und an Jörg Gaukel für Ihren Einsatz -insbesondere beim zweiten Mal, als Sie lediglich für den Aufbau anreisten!
Hier sieht man die Seilbahn in voller Länge. Am zweiten Wochenende hatten wir dann statt eines Speleoseils ein Stahlkabel verwendet.

Dies ließ sich wesentlich besser spannen und der Transport wurde noch einfacher. Der Höhenunterschied beträgt ca. 70m. Mit der Zeit sah es an der "Talstation" dann so aus:

Um Platz zu schaffen wurden schon einmal alle Stages ins Wasser "geworfen", um diese dann an die Aufnahmepunkte zu bringen.

Rechts schwimmen auch schon die ersten Scooter und links steht der Frame des RB80 auf dem Vorbereitungstisch. An der unterschiedlichen Lage der meisten Stages im Wasser erkennt man schon die verschieden hohen Heliumanteile.
Doch noch ist nicht alles Material unten am Einstieg, einiges hängt noch am Seil.

Hier bremst Wido grade die Transporttonne ab.Die Leistung und das Teamwork aller Beteiligten an beiden Wochenenden war einfach Klasse!
Bald schon konnten die ersten an das Abtauchen denken wie hier zB. Brus, der als Supporttaucher die Vorhut antritt. Als Supporttaucher hilft er dem Haupttauchteam beim erreichen des gesteckten Zieles.

Durch die Standardisierung des Equipments und der Verwendung von Stages als primäre Gasquelle, reichten drei Doppelpakete für alle Supporttauchgänge aus.So bekommen alle Beteiligten nach und nach alle die Gelegenheit für einen oder mehrere Tauchgänge in der Höhle.
Bevor aber nun das Team mit den Rebreathern an den Start geht, baut hier Reinhard mit Hilfe von Michael seinen Doppel-RB 80-Rebreather noch zusammen. Seine gefütterte Wathose mit Spikes-Sohlen kam richtig gut zum Einsatz ;-)

Rechts im Bild direkt am Doppel-Rebreatherpack kann man die 20Ah-NiCad-Lampe sehen.
Der Humor kam während dieses Trainings auch nicht zu kurz - Hervé Deschamps wollte uns unbedingt vorführen, wie man Apnoe in Höhlen taucht.

Leider war es an dieser Stelle für einen Kopfsprung zu flach und so blieb er im Grund stecken ;-)
Nein, einen Helm zieht er trotzdem nicht auf !
Wir hatten unseren Spass!

Warum Tom die Hände im Hosensack hat ? Keine Ahnung, ist mir auch erst auf den Bildern aufgefallen.Links sieht man das Zweipersonenhabitat, einer der zu testenden Ausrüstungsgegenstände am ersten Wochenende. Es ist eine Art Mini-Unter= wasserwohncontainer. Nur daß man eben nicht drin wohnt,sondern für eine längere Zeit unter Wasser in trockener Umgebung dekomprimieren kann. Es hat sich voll bewährt, man kann sich unterhalten, essen und trinken und auch wenn einer ein Problem haben sollte, sich gegenseitig helfen. Leider ist der Transport unter Wasser nicht ganz einfach. Denn speziell die Supporttaucher müssen diese Art von Ausrüstung zu bestimmten Stellen im Höhlensystem bringen um es dort zu installieren oder zu deponieren,so daß das Hauptteam mit Hilfe dieser Ausrüstungsdepots noch weiter in das System vordringen kann bzw. überhaupt das gesteckte Ziel erreichen kann. Und so wird schließlich Stück für Stück der Ausrüstung im Flachwasser des Einstiegs zurechtgelegt und vom Supportteam in die Höhle getaucht.

Gegen Abend des ersten Tages sind nun endlich unsere beiden Rebreatherpacks fertig. Nun wird es Zeit Feierabend zu machen, damit wir noch etwas plaudern und trotzdem am nächsten Morgen um 7 Uhr tauchen können.

Am nächsten Morgen wurde nun der Tauchgang mit den Rebreathern begonnen. Hier ist Reinhard kurz vor dem Abtauchen zu sehen. In der Wathose ist Chris Andor zu erkennen, rechts im Wasser Hervé und oben Brus.

Brus, Hervé und Tom filmten den Abstieg und das "Aufrödeln" unter Wasser, ab 45m filmte Reinhard mit der Videonase auf dem Scooter.Dies war ein weiteres Bauteil, welches sich das erste Mal im "Echtbetrieb" bewähren sollte.Den ersten Test dazu gab es ja beim letzten Treff in Hemmoor.
Die ersten Bilder aus der Videonase zeigen den Höhleneingang von unten her gesehen. Der Taucher hält eine 50W HID-Lampe mit Flood-Reflektor.

Das folgende Bild dürfte mich (Micha) beim "Aufrödeln" bei der 21m-Marke zeigen.

Dabei legt man die Ausrüstung "frei schwebend" unter Wasser an. Diese Variante wird vor allem bevorzugt,wenn man schwere Ausrüstung anziehen muß oder es aus Praktikabilitätsgründen nicht anders geht.Die 21m-Flasche (50% Sauerstoff / 25%Helium) welche vorne liegt (40cuft) habe ich gerade abgelegt, da diese zum Abtauchen verwendet wurde. Hier, auf 21m nehme ich nun eine 80m und eine 130m Stage (Atemgasflasche) auf.

Hier sind wir auf 45m, wo wir auf einem Kiesfeld die Scooter aufnehmen. Dies sind kleine mit einem Propeller angetriebene Unterwasserfahrzeuge die uns das flosseln und damit auch Sauerstoffverbrauch ersparen. Hier liegt auch unser erstes Dekogas, welches wir aber dann auf 54m Tiefe weiter mitnehmen und dort in einem Depot ablegen.Zwischen den Scootern ist auch sehr gut ein Heizungstank zu sehen. Deponiert man Gegenstände wzB. auch Scooter, muß man darauf achten daß genug Platz für die Taucher vorhanden ist die sich am Depot rumdrücken.Dann ist auch genug Platz für jeden da bis alles "verstaut" ist.
Im folgenden Bild sieht man links die Führungsleine im ersten tiefen Bereich.In der Höhle sind zur Orientierung Leinen gespannt.So kann man immer wieder den Weg zum Ausgang finden.Außerdem sieht man auf dem Bild zwei gezogene Gavin= scooter und zwei Exploration-Reels.

Weiter geht es nun bis zum Punkt wo die Leinenführung endet. Von diesem Endpunkt aus wurden am ersten Tauchwochenende des 23. Februar 2002 achtzig Meter Leine neu verlegt. Dieser Trainings-Rebreathertauchgang dauerte insgesamt 501 Minuten
 

Auf dem ersten Tauchwochenende aufbauend wurde dann einen Monat später weiter in das Höhlensystem vorgedrungen. Bei der Tauchgangsplanung wurde von einer Stunde mehr Grundzeit ausgegangen und entsprechend auch die Dekompressions= planung verändert. Sie bestand im wesentlichen in einer Modifikation bei der Auf= tauchphase aus dem Habitat aus neun Metern Tiefe. Zweck dieser Änderung war, dem durch das Trimix-Atemgas im Blut gelösten Helium die Möglichkeit zum Verlassen des Körpers durch Abatmen zu geben.
Der nun folgende Tauchgang war identisch mit dem vom ersten Tauchwochenende. Das neue daran begann dort,wo der vom ersten Tauchwochenende abgebrochen worden war. Da wir also nun die Gegebenheiten vor Ort schon kannten, erreichten wir beim zweiten Tauchgang nach nur 103Minuten den Umkehrpunkt. Der Rückweg dauerte etwas länger, da wir die von uns neu ausgelegte Leine noch vermessen mußten. Am Ende kamen 485m davon zusammen.

Leider fehlte mal wieder das Anfangsstück, also die ersten 1300m der Leine. Wir wollen diesen Teil jedoch durch andere aus unserer Gruppe beim nächsten Tauchgang vermessen lassen. Nach 180 Minuten Tauchzeit gelangten wir auf den ersten Dekostop.
Auf dem folgenden Bild bekommt man einen Eindruck der schlechten Sicht= verhältnisse im tiefen Bereich.

Die Grundzeit wurde mit Trimix (12% Sauerstoff / 75% Helium) auf dem Rebreather gemacht. Jeder von uns hatte hierzu eine Stage (Atemgasflasche) mit 11 L dabei und im Rückenpaket befanden sich 40 L Trimix (12% Sauerstoff / 75% Helium) als Bailout.Letzterer dient bei einem Versagen des Rebreathers als alternative Atemgasquelle um so wieder unbeschadet die Obefläche zu erreichen.
Als zweite Stage für den flachen 80m-Teil wurde eine 11 L Aluminiumstage mit 17% Sauerstoff / 55% Helium mitgeführt.Reinhard verwendete testweise eine neue Gegenlunge mit einem geänderten Auswurfverhältnis in einem der beiden RB 80- Rebreather.In tiefen Höhlen ermöglicht dies eine noch effizientere Gasnutzung.Sein Gasverbrauch lag auch dementsprechend unterhalb von meinem.
Langsam tauchten wir nun unter Einhaltung auch der Deep-Stops und Gaswechsel auf. Hier kann man mich mit meiner 130m-Stage anhand der Namensmarkierung erkennen. Außerdem sieht man den Magnumscooter mit der asymetrischen Zugschnur. Der silbrig schimmernde Gegenstand auf meiner rechten Seite ist der Switchblock des Rebreathers.

Supporttaucher besuchten uns auf dem tiefsten Stop, da wir -wie vereinbart- nach drei Stunden zurück waren.Wir tauschten uns kurz in den Wetnotes aus, um Ihnen mitzuteilen, dass die Rebreather einwandfrei funktionieren.Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätten Sie ab dem 21m Stop unsere Zusatzflaschen ins Wasser bringen müssen. So konnten wir Ihnen noch das komplett leere EE-Reel in die Hand drücken, die Heizung einstöpseln, etwas trinken und mit der Deko beginnen.
Schließlich auf der 54m-Dekostufe angekommen, wechselten wir auf eine 30cuft- Flasche mit 25% Sauerstoff / 40% Helium als erstes Dekogas.
Nach dem "Absitzen" der Dekozeit geht es weiter durch das Höhlensystem der nächsten Dekostufe entgegen.

Diese Bilder sind direkt aus dem Videomaterial entnommen, das mit einer Sony Digitalvideokamera und einem 50W HID-Videolampensystem in der der Scooter= kameranase von Reinhard´s Scooter entstand.
Endlich kamen wir auf der nachsten Dekostufe von 36m an. Das Dekogas hier war ein 35% Sauerstoff / 35% Helium-Gemisch in einer 30cuft-Flasche.
Nach 267 Minuten Tauchzeit waren wir auf 21m angekommen wo wir dann die grösseren 80cuft (11 L) Aluminiumflaschen einsetzten.
Nach und nach besuchten uns alle Tauchkollegen und so verging die Zeit recht flott, so daß wir in der 302. Tauchgangsminute bei der 18m-Dekostufe angelangt waren.
Gasbreakes wurden wie üblich auf dem Trimix gemacht, ohne diese zur Dekozeit hinzuzufügen.
Bei 348 Minuten Tauchzeit erreichten wir 12m und bereiteten uns auf das Ablegen der Doppelgeräte unter Wasser vor.

Reinhard wurde zuerst "bedient" und sass nach kurzer Zeit im Habitat. Ich folgte.
Die Rebreather,Scooter und tieferen Dekogase wurden inzwischen bereits nach oben gebracht, demontiert und schon per Seilbahn hochgefahren.Ich behielt nur die Atemgase Reinsauerstoff sowie die Mischgase 17% Sauerstoff / 55% Helium und 50% Sauerstoff / 25% Helium am Habitat in neun Metern Tiefe.Im Habitat installiert freuten wir uns auf die erste Lieferung in der Foodtube.
Die kam dann auch bald und enthielt Nudeln und Süssigkeiten ! Ach ja -wenn man mit Zucker, bzw. Schokolade unter Wasser begonnen hat, sollte man den Blutzuckerspiegel auch nicht mehr zu stark absinken lassen :-) Und so verbrachten wir Tauchminute 382 bis 538 blieben im Habitat auf -genau- 8,8m Tiefe.Ab und zu tauchte auch mal Tom oder Hervé im Habitat auf und wir plauderten kurz.
Ab dem Verlassen des Habitats blieb je ein Begleittaucher bei uns und wir tauchten extrem langsam Zentimeter für Zentimerter bis zur Wasserobefläche auf.Hierbei hatten wir auch keine Rückengeräte mehr dabei.

Nach der 561. Tauchminute wurde schließlich aufgetaucht. Trotzdem blieben wir noch ca. 20 Minuten im Wasser und erzählten.

Verblüfft waren Reinhard und ich von der Geschwindigkeit mit welcher das Equipment nach oben transportiert wurde. Ein Grossteil davon war schon mehr nicht am Eingang zu sehen.Aber auch unter Wasser tat sich einiges: Das folgende Bild entstand circa 20 Minuten nach unserem  auftauchen in einem Meter Tiefe und schon ist fast nichts mehr an Equipment zu sehen.

Die Effektivität war erstaunlich!
Wir hörten nur die Kommandos über das Funkgerät und wieder entschwand eine Ladung nach oben.

Mit Wido war nicht zu spassen, solange er die "Commander-Kappe" auf hatte ;-)

Das ganze wurde von strategisch günstiger Stelle eifrig dokumentiert.

Ob das der berühmte Fels in Gibraltar ist ?? :-)

Die letzten Flaschen und das Habitat wurden rausgeholt und versandfertig verpackt.
Nichtsdestotrotz bekam auch Wido noch Gelegenheit zu tauchen.

Die rote Kappe kann man prima weitergeben und es ist immer jedem klar, wer an der Oberfläche das sagen hat!

Am nächsten Morgen ging es früh raus und so konnten wir den Rest noch verpacken, das Habitat ins Auto einladen und gegen 8 Uhr am Sonntag morgen wieder abreisen.

Abschließend kann man sagen,daß im März die Sicht im Eingangsbereich deutlich besser war -im tiefen Teil der Höhle aber wieder lediglich nur um die 10-15 Meter. Für ein solch grosses Höhlenprofil wie die Gourneyras macht dies eine Exploration schwierig da wir zB. einige Male in  grossen Räumen nach der Fortsetzung des Gangprofiles suchen mußten.
Nach der Doux de Coly -wenn wir wieder etwas mehr Zeit haben- werden wir diese schöne Höhle wohl nochmals besuchen. Diesmal aber wieder mit zwei gefüllten Reels !
Beide Wochenenden liefen prima, alle Tests konnten abgeschlossen werden, einige hundert Meter neue Höhle betaucht und vermessen werden und es hat jedem gefallen !


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