Wracktauchen in der Nordsee

 Geschrieben von Klaus-Dieter Schwarz

Vom Ruhrgebiet aus, in ca. 220 km Entfernung, liegt Ijmuiden (NL) direkt an der Nordsee. Von hier aus geht es zum Wracktauchen auf die Nordsee.

Vor einiger Zeit habe ich in Holland einen Prospekt der "Fogo Isle" erhalten und war beeindruckt von der Größe des Schiffes. 44 m lang und 8 m breit. Neugierig geworden haben mein Tauchpartner Jochen und ich uns im Frühjahr 2002 zu einer Tagesfahrt eingebucht.

Das Schiff lief morgens um 4 Uhr 45 aus. Was uns natürlich an einem Sonntagmorgen eine Menge an Schlaf fehlen ließ, da wir von Oberhausen aus immerhin schon ca. 2 Stunden unterwegs waren. Besser ist es, sich abends vorher einzubuchen. Man kann dann nachts in gemütlichen Kojen schlafen und ist zum ersten Tauchgang fit. Im Laufe des Tages kann man sich darin auch zwischendurch ein wenig ausruhen und hat einen trockenen Platz für seine Privatsachen. Denn es sind immer recht lange Fahrzeiten bis zum ersten Tauchplatz. Vorbei an Ölplattformen, uns kreuzenden Fracht- und Passagierschiffen ging es ca. 3-4 Stunden hinaus auf die offene Nordsee. Mit modernster Ortungstechnik werden alle Wracks gefunden (GPS und DGPS sowie Echolot). An diesem Tag wurden zwei englische Kreuzer angefahren. Die "Aboukir" und die "Hooghe". Diese beiden und die "Cressy", drei englische Kreuzer, wurden an einem Tag im 1. Weltkrieg von Otto Weddigen, Kapitän des deutschen U-Bootes U9, versenkt. An diesem Tag mussten etwa 1500 englische Seeleute ihr Leben lassen.

Gegen 9.00 Uhr wurde das Briefing durch die Schiffsglocke der "Fogo Isle" eingeläutet und wir bekamen den Ablauf des ersten und zweiten Tauchgang erklärt. Die erste Tauchgruppe sollte um 9.30 Uhr über Bord springen. Wir erhielten vorher eine Nummer und wussten so, als wievielte Gruppe wir ins Wasser gehen sollten. Getroffen wird sich mit dem Tauchpartner auf 5-6m Tiefe. Sobald die Wasseroberfläche frei ist springt die nächste Gruppe. Vor dem Tauchgang wurde durch die Besatzung der "Fogo Isle" ein Schlauchboot zu Wasser gelassen. Mit zwei Tauchern der Fogo wurde eine Ab- und Auftauchleine zum Wrack hergestellt. Anschließend legten sie noch eine Wrackleine links und rechts von der Ab- und Auftauchleine entlang des Wracks. Beim Briefing wurde auch mitgeteilt, daß Aufstiege im Freiwasser vermieden werden sollten, da trotz Gezeitenstillstand (das Zeitfenster zwischen Ebbe und Flut) immer noch eine ordentliche Strömung vorherrscht. Damit es zu keinem Unfall kommt - sollte man doch einmal die Leinenverbindung verfehlen und frei auftauchen müssen - sind dekopflichtige Tauchgänge nicht erlaubt. Da die meisten Wracks zwischen 25 und 35 m Tiefe liegen, bietet sich wegen der längeren Nullzeit hier Nitrox gegenüber Pressluft an. Nitrox 32 ist, ebenso wie normale Pressluft, an Bord zu erhalten

Für die Sicherheit sorgt die Besatzung. Das Schlauchboot bleibt für einen Notfall während der gesamten Tauchzeit im Wasser. Es dient allerdings nicht als Taxi für Taucher die im freien Wasser auftauchen, denn dafür gibt es eine 150 m lange Strömungsleine hinter der "Fogo Isle" um wieder an Bord zukommen. Wenn man Glück hat, nimmt einem die Schlauchbootbesatzung damit es ein wenig leichter wird den Bleigurt ab.

Dann ging es endlich los. Nacheinander wurde über Bord gesprungen. Ist der Tauchpartner da, geht es ab in die Tiefe. Es ist schon spannend an einem Seil in die dunkle Nordsee abzutauchen und darauf zu warten, dass die ersten Umrisse des Wracks zu erkennen sind. Die Sichtweite kann hier je nach Wetter und Jahreszeit von 1 bis 10 m schwanken. Unten angekommen ist es schon ein tolles Gefühl, die Ausrüstung der vergangenen Geschichte zu erforschen. Da kommen schon Gedanken auf, was ist hier einmal geschehen sein muß und wie es den Leuten an Bord ergangen ist. Unten angekommen, kann man sein Reel (Verbindungsleine) an der Wrackleine befestigen und eigenständig auf Wrackerkundung gehen. Getaucht werden kann am Wrack und bei manchen auch in das Wrack hinein. Zu sehen und zu finden gibt es immer etwas, denn die Wracks werden nicht häufig angefahren. Aber Vorsicht an den Kriegswracks! Hier ist noch sehr viel Munition in komplettem Zustand vorhanden. Sie ist auch heute noch gefährlich und darf nicht geborgen werden! Andere Fundstücke kann man problemlos aufnehmen. Hat man seinen Hebesack markiert und mit den Fundstücken beladen, schickt man ihn nach oben und er wird vom Schlauchboot eingesammelt. Die Teile werden an Bord der "Fogo Isle" gebracht wo man ihn nach dem Tauchen in Empfang nimmt. Außer dem eigentlichen Wrack, gibt es die in der Nordsee übliche Flora und Fauna - sehr viel Fisch - Schwärme von Dorschen und riesige Seeanemonen zu sehen.

Nach dem Tauchen am Wrack geht es dann wieder an der Aufstiegsleine nach oben. Dort angekommen wartet man bis die Leiter frei ist und der Verantwortliche das Zeichen gibt an Bord zu kommen.

Nach dem ersten Tauchgang hat man ca. 5 Std. bis zum nächsten Gezeitenwechsel Zeit sich in der Schiffsküche zu stärken oder sich auszuruhen. Nach dem zweiten Tauchgang geht es auf die lange Heimreise und man hat Zeit über das Erlebte nachzudenken.

Das Tauchen in der Nordsee ist stark abhängig vom Wetter und der Sichtweite. Der Verantwortliche der "Fogo Isle" behält sich vor, die Tauchfahrt 12 Stunden vor der Reise wegen schlechten Wetters abzusagen.

Trotz aller Strapazen der Auto- und Schiffsfahrt, die man aber gerne in Kauf nimmt, ist es schon etwas besonderes in der Nordsee auf Wracktour zugehen. Es gibt noch sehr vieles zu erkunden. Ob Fischerboote, Fracht- und Passagierschiffe, die im Sturm gesunken sind, oder Kriegsschiffe die versenkt wurden. Die Wrackliste der "Fogo Isle" ist noch sehr lang und es gibt noch eine Menge zu entdecken.

Seefest sollte man schon sein, denn es kann während der Fahrt ganz schön rau werden - denn man ist ja auf der Nordsee. Erfahrung mit Strömungstauchgängen und Abtauchen am Seil im Freiwasser sollte man ebenfalls haben - der Prospekt bietet, sollte man hier unsicher sein, einen Tauchgang mit Buddy an.

Die Ausrüstung sollte für das Wracktauchen schon angepasst werden:

  • Tauchflasche mind. 12l Pressluft - besser Nitrox
  • Strömungsboje
  • Reel
  • Hebesack - wenn man Gegenstände bergen möchte
  • Halbtrockentauchanzug - besser ein Trockentauchanzug
  • Zwei voneinander unabhängige Lungenautomaten

Mehr Infos gibt es unter www.fogoisle.nl
Oder bei Klaus Schwarz unter black-diver@t-online.de


Infos

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