© 2003 Oliver Meise
- Keine Gewähr -
Seit dem 12. Jahrhundert streiten sich die Preußen mit den Russen,
wer denn eigentlich das alkoholische Getränk namens "Wodka" erfunden
hat. Angeblich wurde Wodka nämlich schon im 11. Jahrhundert in preußischen
Gefilden konsumiert. Wie man diesen Streit auch immer entscheiden mag - noch
heute trägt der klare Stoff aus dem Osten den Namen Wodka. Dies ist eine
Abkürzung der russischen Bezeichnung Zhiznennia voda, was nichts
anderes heißt als: Lebenswasser.
Etwas ähnliches war in Maschinenform auch am 7. April 1989 an Bord von K-278.
Nur daß hierbei eine Maschine nicht Lebenswasser für viele
Menschen herstellte, sondern in Form eines speziellen Atemgeräts lebensnotwendige
Atemluft für jeweils eine Person bereitstellte. Weshalb dann auch
für jeden an Bord eine dieser lebensrettenden Maschinchen bereitlag.
K-278 war nichts anderes als die Komsomolets -ein sowjetisches
Jagd-U-Boot vom Typ "Projekt 685 Plavnik" aus der Mike-Klasse. Hierbei
handelte es sich um ein ca. 120m langes und 12m breites atomgetriebenes
8.000ts-Unterwasserfahrzeug der russischen Marine das unter dem Kommando
von Kapitän 1. Ranges (Kapitän zur See) Evgeniy Vanin stand und
ua. mit zwei Raketen-Torpedos vom Typ RK-55 Granat SS-N-21 bewaffnet
war, die jeweils einen scharfen Atomsprengkopf trugen. Die Aufgabe dieses
U-Bootstyps war, feindliche mit Atomraketen bestückte U-Boote und feindliche
Trägerkampfgruppen zu zerstören.
Am Morgen des 7. April 1989 war K-278 nach 37 Tagen auf See
wieder auf dem Weg nach Hause und steuerte in ca. 300m Tiefe die Heimatbasis
der russischen Nordmeerflotte -Zapadnaja Litsa auf der Kola-Halbinsel-
an. Um 11.00 Uhr stand man 100 Seemeilen südwestlich der Bären-Insel
und 260 Seemeilen von der norwegischen Küste entfernt auf der Höhe
zwischen Spitzbergen und dem Nordkap, als der diensthabende Wachoffizier
Aleksander Verezgov turnusgemäß den Klarzustand aller sieben
U-Bootsabteilungen gemeldet bekam. Doch schon drei Minuten später änderte
sich dies: Der Leitende Ingenieur W. Judin las am Kontrollpult eine stark
erhöhte Temperatur in der siebten -hintersten- Abteilung mit den Hilfsmaschinen
ab. Blitzschnell benachrichtigte er den Kommandaten der sofort Alarm auslöste.
Abteilung 7 brannte!
Schon elf Minuten später durchbrach die Komsomolets die
Meeresoberfläche und tauchte auf. Sehr viel mehr Zeit hätte man
aber auch nicht gehabt da nun das Feuer einen Kurzschluß nach dem
anderen verursachte und einen elektrischen Kreislauf nach dem anderen zusammenbrechen
ließ. In diesen fröhlichen Zusammenbruch reihten sich nun auch
die Hilfs- und Notfallsysteme ausfallenderweise mit ein. Das Notfallsystem
des Kernreaktors an Bord fuhr diesen nun runter womit nun gar keine Elektrizität
mehr vorhanden war. Ausströmendes Öl aus dem Druckluftsystem
der K-278 heizte den Brand weiter an und beschädigte das Druckluftsystem,den
Rumpf und die Schotts dabei so stark,daß das Feuer sich von Abteilung
zu Abteilung vorwärtsfraß. Der Rumpf war am Heck nun so heiß
geworden,daß außen Schwaden von Wasserdampf aufstiegen und
permanent über dem hinteren Teil des U-Boots lagen. Um 12.10 Uhr brannten
schon vier Abteilungen und machten wegen der Entwicklung von Rauchgas
das Leben in den übrigen drei Abteilungen schwer. Trotzdem entschloß
sich der Kapitän erst nach dem Ersticken von zwei Besatzungsmitgliedern
in Abteilung 2 um 13.12 Uhr mit der Heimatflottenbasis Kontakt aufzunehmen.
Dort befahl man dem in der Nähe das Havaristen stehenden Fischereifabrikschiff
Aleksey Khlobystov und dem dazugehörigen Trawler STR-612, sofort
Kurs auf K 278 zu setzen. Um 15.00 Uhr traf ein sowjetisches Rettungs-
und Suchflugzeug vom Typ IL 38 am Unglücksort ein und begann über
der Komsomolets zu kreisen. In dieser Zeit beobachtete der Pilot
bis zum Abflug siedenendes Wasser am Heck inklusive Wasserdampfschwaden
und einer Zunahme der Hecklastigkeit von 2° auf 4°. Zwar
forderte man um 15.20 Uhr von Bord des U-Boots noch einen Bergungsschlepper
von der Heimatbasis an, meldete aber um 16.35 Uhr nach Hause, daß
die Besatzung von Bord gehen muß. Die Rettungsflieger über dem
U-Boot warfen nun den in das Wasser gehenden Besatzungsmitgliedern Rettungsmittel
ab. Doch noch blieben einige Seeleute weiter an Bord und gingen gegen den
Brand vor.Der Kampf um die Komsomolets dauerte schließlich
bis gegen 17.00 Uhr als das durchgeglühte U-Bootsheck undicht wurde,
K-278 damit seinen Konstruktionsauftrieb sowie die Lagestabilität verlor
-und sich langsam dem eindringenden Wasser zu ergeben begann. Nachdem der
Befehl "Alle Mann von Bord" erteilt wurde, verblieben nur noch der Käpitän
und vier Mann in K-278. Als es dann um 17.08 Uhr auf der Position
73°40’N / 13°30’E sank, bestiegen diese fünf Personen mit ihren
persönlichen Lebensmaschinen die Rettungskapsel der Komsomolets
und wollten damit zur Oberfläche aufsteigen. Leider war diese Rettungskapsel
schon teilweise voll Wasser gelaufen und mit giftigen Gasen gefüllt.
Erschwerend kam hinzu,daß der Lösemechanismus der Kapsel nicht
funktionierte und man immer schneller immer tiefer sank. 500m....800m.....1000m.......1200m.......
Da! In 1500m Tiefe löste sich der letzte Bolzen und die Kapsel schoß
nach oben,während K-278 nur 180m tiefer auf den Meeresboden
aufschlug! Schon zwei Minuten nach dem lösen der Rettungskapsel vom
U-Boot brach sie durch die Wasseroberfläche. Der Innendruck riß
das Ausstiegsluk auf und schleuderte zwei Personen, darunter den Fähnrich
Slyusarenko, heraus. Da nun durch das Luk zu schnell zuviel Wasser eindrang
und mindestens drei der Insassen der Rettungskapsel beim Aufstieg ohnmächtig
wurden, versank die Rettungskapsel wieder und riß ihre Passagiere
mitsamt dem Kapitän für immer in die Tiefe.
Fähnrich Slyusarenko aber überlebte mit seinem lebensspendenden
Maschinchen. Und das -wenn auch an Bord einer speziellen Rettungskapsel-
aus einer Tiefe von 1500m! Bei jenem Maschinchen handelt es sich um ein
Atemgerät namens IDA 59M. Über dieses wurde schon viel
geschrieben -jedoch : Nichts genaues -und viel- weiß man nicht. Dank
Tomas Konarek, der mir eine in die Deutsche Sprache übersetzte Gebrauchsanweisung
übermittelte und auch die schönen Photos hier für den Bericht
spendete, kann nun mehr zu diesem Rebreather gesagt werden. Tauchgeräte,
die wir heutzutage Rebreather nennen, gibt es schon längere Zeit.
Nur daß sie größtenteils aus dem militärischen Tauchen
kommen.Und so wurde der Rebreather IDA 59M von der Sowjetischen
Marine auch eigentlich als Notrettungssystem zum austauchen aus gesunkenen
U-Booten konzipiert.
Schaut man ihn sich an, ist die Ähnlichkeit mit den im 2.Weltkrieg
auf deutschen U-Booten verwendeten Dräger-Tauchrettern nicht
zu übersehen.

U-Bootfahrer bei Ausstiegsübung mit
Tauchretter im Tauchtopf der Kriegsmarine
Man kann deshalb wohl annehmen, daß 1945 bei Kriegsende erbeutete
Exemplare die Grundlage dieser Konstruktion bildete, die dann weiterentwickelt
1959 in den Gebrauch bei der Roten Flotte übernommen wurde.Das IDA
59M kann entweder als Sauerstoffrebreather oder Trimixrebreather getaucht
werden.Je nach Tauchtiefe wird entweder O2 oder Trimix mittels zweier mechanischer
Druckregler dem Atemgaskreislauf zugeführt.
Ähnlich wie der Dräger-Tauchretter kann das IDA 59M
auch für leichte Unterwasserarbeiten und Notfälle innerhalb eines
U-Boots eingesetzt werden. Darüberhinaus wurde es für Notaufstiege
aus U-Booten aus einer Tiefe von bis zu 300m bzw. auch für Austiege
entlang von Führungsleinen aus grosser Tiefe entwickelt. Was man unter
"grosser Tiefe" zu verstehen hat bleibt dabei wohl im Dunkeln, auch wenn
man davon ausgehen kann daß hier Tiefen von deutlich über 300m
gemeint sein müssen. Der Ausstieg muß wegen der Bauweise dieses
Geräts nicht unbedingt durch eine der regulären U-Bootsluken
erfolgen, sondern kann -wie bei einem Zwischenfall mit dem sowjetischen
U-Boot K-429 schon einmal geschehen- auch durch die Torpedorohre
bewerkstelligt werden.
Wie viele Dinge die aus Rußland kommen, handelt es sich bei dem
IDA 59M um ein robustes aber auch ein wenig schweres Gerät das mit
gefülltem und einsatzbereiten Atemkalkbehälter ca. 15,7kg wiegt
-wovon auf den Original-Atemkalk allein 1,7kg Gewicht anfallen. Außerdem
gehört zu diesem Rebreather noch eine Menge Ausrüstung dazu wzB.
eine Vollgesichtsmaske -in die das Mundstück integriert werden kann-
das Werkzeugset sowie die Abdeckung und Transporttasche. Der Rebreather
selbst gliedert sich in die Baugruppen A-G:

A = Atembeutel
Dieser besteht aus einem gummiartigen Material und kann auf ein Volumen
von bis zu acht Litern gebracht werden. Der Atembeutel dient zweierlei
Zwecken: Zunächst ist dies der Raum in dem das wiederaufbereitete
Atemgas einströmt, ggfs. mit O2 oder Trimix oder Helium angereichert
wird und dann per Einatemschlauch der Lunge zugeführt wird.Außerdem
dient der Atembeutel mit seiner runden Form an der Wasseroberfläche
in befülltem Zustand als Rettungskragen und stellt einen ausreichenden
Auftrieb für den Kopf über Wasser sicher. Im Inneren des Atembeutels
führt weiterhin noch unsichtbar der Ausatemschlauch direkt in den
Atemkalkbehälter.Außerdem befindet sich im Inneren des Atembeutels
im Genickteil der Lungenautomat,der per Schlauchverbindung an die Trimixflasche
angeschlossen ist.

 Foto © 2003 Diethard Wagner
Beim Zusammenbau des Rebreathers ist darauf zu achten,daß der Atembeutel
auch tatsächlich am Tragegeschirr (Baugruppe B) befestigt ist.
B = Tragegeschirr aus einem Gurtsystem
Auch das Tragegeschirr besteht aus gummiähnlichem Material.Es
dient der rutschsicheren Befestigung aller Baugruppen und der Sicherung
des Gesamtgerätes am Taucher. Das Brustteil des Tragegeschirrs besteht
im wesentlichen aus einem Taschensatz mit drei eingearbeiteten Taschen.
Die mittige Tasche dient der Aufnahme des Atemkalkbehälters, die beiden
anderen der Aufnahme jeweils einer Trimix-Flasche bzw. einer O2-Flasche.
Rückansicht des IDA 59M
mit seinem Gurtsystem
C = Ventilbox
Diese besteht aus einem Metallgehäuse mit einem Hahnverschluß.Rechts
und links sitzen vor den angeschlossenen Gummischläuchen jeweils ein
Einatem- und ein Ausatemventil. Diese Baugruppe lenkt die Versorgung des
Tauchers mit Atemgas unter Wasser und an der Wasseroberfläche. Dabei
atmet dann der Taucher an der Wasseroberfläche direkt aus der
Umgebungsluft und unter Wasser aus dem Kreislauf.
Ventilbox mit Mundstück statt Vollgesichtsmaske Foto © 2003 Diethard Wagner
Er muß zur Oberflächenatmung lediglich die auf dem Hahnverschluß
sitzende Kurbel in die Position ZULUFT drehen. Hierbei ist es sicherlich
nicht von Nachteil wenn man kyrillische Schriftzeichen zu deuten weiß
:-)

Die Mechanik in der Ventilbox erinnert ein wenig an die alten einstufigen
Zweischlauchregler: Beim Einatmen sinkt der Druck in der Ventilbox und
das Ausatemventil wird in den Ventilsitz gedrückt. Mit diesem Andrücken
des Ausatemventils wird gleichzeitig das Einatemventil geöffnet und
Atemgas strömt in das Mundstück.
Alternativ zum Mundstück kann man beim IDA 59M auch eine
Vollgesichtsmaske an die Ventilbox anschließen, so daß man
dann aus dieser atmet.

Vorder- und Rückseite der IDA 59M-Vollgesichtsmaske
Beim Ausatmen läuft alles umgekehrt: Es entsteht Überdruck
in der Ventilbox und das Einatemventil schließt sich.Gleichzeitig
öffnet sich das Ausatemventil und läßt über den Ausatemschlauch,
der verdeckt durch den Atemsack direkt in den Atemkalkbehälter führt,
die ausgeatmete Luft in den Atemkalkbehälter strömen. Vor Inbetriebnahme
müssen der Einatemschlauch wie auch der Ausatemschlauch selbstverständlich
am jeweiligen Anschlußstutzen des Atemkalkbehälters angeschlossen
sein. Die anderen Enden dieser beiden Schläuche mussen natürlich
auch mit Dichtungen und den dazugehörigen Überwurfmuttern an
der Ventilbox befestigt sein.
D = Atemkalkbehälter
Dieser Behälter besteht eigentlich aus zwei verschieden großen
zylindrischen Gefäßen. Das äußere ist gewissermaßen
der Schutzbehälter,das innenliegende ist der Funktionsbehälter.In
letzterem befindet sich gemäß Gebrauchsanweisung 1,7kg einer
speziellen chemischen Substanz, durch die das ausgeatmete Gas durchgeleitet
wird.Während des durchleitens wird erstens das Kohlendioxid chemisch
ausgefällt, zweitens chemisch Sauerstoff erzeugt und dem durchgeleiteten
Gas mitgegeben. Genauer gesagt handelt es sich bei dieser speziellen chemischen
Substanz um ein Kalium-/ Natriumperoxidgemisch. In einer exothermen Reaktion
wird die ausgeatmete Luft durch diese Chemikalie geleitet.Dabei reagiert
das CO2 in der Ausatemluft zu O2 und Carbonaten. Die oe. chemischen Wirkstoffe
werden nicht in Reinform in den Atemkalkbehälter gegeben, sondern herunterdosiert
und mit Hilfe eines Granuliermittels -welches früher (heutige Mischung
unbekannt) Asbest enthielt- in einer Pulverform mit einheitlicher Körnung
verwendet. Im oberen Teil des folgend abgebildeten Atemkalkbehälters
befindet sich dann auch sowohl der Stutzen für die Ausatemluft als
auch der Stutzen für die Einatemluft.
Links: Oberteil mit Stutzen für Ein- und Ausatemluft
Beide Stutzen sind über entsprechende Anschlüsse mit dem Atembeutel
verbunden. Ähnlich wie bei anderen Rebreathern befindet sich im oberen
Teil des Atemkalkbehälters über dem Atemkalk auch ein Gitter,
das eine gleichmäßge Verteilung des Ausatemgases auf den Atemkalk
ermöglicht. Die untere Seite des Atemkalkbehälters ist mit einem
weiteren Stutzen versehen.

Über ihn kann der Behälter gefüllt und gereinigt werden.
Achtung! Bei dem russischen Atemkalk handelt
es sich um eine spezielle russische Substanz die KEINESFALLS mit dem europäischen
Atemkalk zu verwechseln ist! Europäischer Atemkalk reagiert nicht
mit der vorbeiströmenden Luft in der Form daß Sauerstoff freigesetzt
wird! Somit hat die mit europäischem Atemkalk aufbereitete Luft auch
weniger Sauerstoff ! Da die Dosierungsmechanik des IDA 59M aber
genau davon ausgeht daß zusätzlicher Sauerstoff im Atemkalkbehälter
entsteht, kann es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff kommen wenn man
mit europäischem Atemkalk taucht. Dies kann somit zu Tauchunfällen
führen!
Nichtsdetotrotz tauchen einige Fans dieses Geräts
mit ihm unter Verwendung des europäischen Atemkalks von Drägersorb
oder Sofnolime. Wie auch bei europäischen Kreislaufgeräten darf
bei einem Wassereinbruch in das Kreislaufsystem der Inhalt desselben nicht
eingeatmet oder verschluckt werden, da dieser giftig ist und auch die Atemwege
usw. verätzen kann. Neben dem Umstand daß der europäische
Atemkalk genauso wie der russische umweltschädlich ist und nicht einfach
in die Botanik gekippt werden kann, ist der russische Originalatemkalk
vor allem kaum zu beschaffen und deshalb auch recht teuer -wenn man ihn
einmal bekommt.
E = Trimixflasche
Diese 1L-Flasche ist für einen Betriebsdruck von 180-200bar ausgelegt
und soll noch Drücke bis 250bar aushalten. Die Farbkennung dieser
Flasche folgt nicht den modernen EU-Vorschriften sondern originär
russischen Standards. Flaschenhals und Teile darunter sind schwarz,die
Mitte braun und das untere Teil blau gestrichen. In Längsachse der
Flasche sind dabei über die drei verschiedenfarbigen Felder in gelber,weißer
und schwarzer Farbe die russischen Schriftzeichen A r K angebracht.

Auf dem Flaschenhals ist ein, mit einem Druckregler kombiniertes Ventil
angebracht.Der in Längsachse der Flasche aus dem Regler ragende Stutzen
dient der Befüllung der Flasche mit Trimix. In der Regel ist der Stutzen
mit einer Verschlußschraube verschlossen. Aus dem Ventil ragt außerdem
noch ein T-Stück, bei dem der obere Anschluß mit dem Lungenautomaten
im Genick des Atembeutels verbunden wird und so den Zufluß von Trimix
aus der Flasche in den Kreislauf garantiert. Der untere Anschluß des
T-Stücks dient der Anbringung eines ca. 5cm langen Schlauchs mit Schnellverschluß.Damit
kann hier eine Heliumflasche für die größeren Tiefenbereiche
"angedockt" werden. Der Anschluß der Trimixflasche über den oberen
Teil des T-Stücks an den Kreislauf läuft über einen Lungenautomaten. Dieser
stellt die automatische Zuführung von Trimix in den Atemsack für den Fall sicher, daß die Gasmenge dort nicht mehr zum Atmen ausreicht. Weiterhin
wird durch den Lungenautomat für einen Druckausgleich zwischen Umgebungsdruck
und Druck im Atemsack beim Abtauchen gesorgt. Somit soll der Lungenautomat
beim Atmen und Abtauchen immer genug Trimix liefern.
F = O2-Flasche mit Konstantdosiereinheit
Von den technischen Werten her handelt es sich bei der O2-Flasche um
das gleiche Material wie bei der Trimixflasche. Sie ist lediglich vollkommen
blau gestrichen und trägt im oberen Teil den russischen Schriftzug
in schwarzer Farbe Sauerstoff.

Auf dem Flaschenhals sitzt eine ähnliche Ventil/Druckreglerkombination
wie bei der Trimixflasche.Nur daß bei der O2-Flasche statt eines
T-Stücks eine Konstantdosiereinheit an die Ventil-/Druckreglerkombination
angeflanscht wurde.
G = Karabinerhaken
Der Karabinerhaken befindet sich in der Transporttasche für den
Rebreather IDA 59M und gehört zum Zubehör wie auch diverses
Wartungswerkzeug oder zB. die Ersatzdichtungen der Vollgesichtsmaske. Der
Karabinerhaken wird mit dem grauen Band am Tragegeschirr befestigt und
wird vor allem bei Aufstiegen aus großen Tiefen verwendet.In solchen
Fällen wird nämlich zuerst eine Boje mit einem langen Seil zur
Wasseroberfläche emporgelassen. Die aus dem U-Boot aussteigenden Seeleute
klinken dann den Haken in das Seil ein, um nun kontrolliert an diesem emporzusteigen.
 
Diese Baugruppen zusammengesetzt funktionieren im Taucheinsatz so, daß
der Taucher entweder durch ein an die Ventilbox angesetztes Mundstück
atmet, oder aber die Ventilbox direkt an der Vollgesichtsmaske befestigt
ist und somit der Taucher aus der Vollgesichtsmaske atmet.
Einsatzbereiter IDA 59M-Rebreather
Beim Einatmungsvorgang gelangt das Atemgas aus dem Atemsack über
den Einatemschlauch und dann das Einatemventil in der Ventilbox in die
Lunge des Tauchers. Das aus der Lunge abgeatmete Gas gelangt durch das
Ausatemventil in der Ventilbox und den Ausatemschlauch per verdecktem Schlauch
im Innern des Atembeutels in den Atemkalkbehälter. Hier wird das ausgatmete
Gas dergestalt aufgearbeitet, daß vom Atemkalk das CO2 in der ausgeatmeten
Luft ausgefällt und Sauerstoff erzeugt wird. Das derart behandelte
Atemgas fließt nun in den Atemsack, wo es sich -je nach Tauchtiefe-
über den Lungenautomaten im Inneren des Atembeutels mit dem aus der
Trimix- bzw. O2-Flasche zuströmenden Atemgas vermengt und wieder einatembares
Gas wird.
Wie schon erwähnt ist die Zugabe von O2 bzw. Trimix in den Atemsack
tiefenabhängig.
Bewegt man sich mit dem IDA 59M in Tiefen zwischen Null und
55-65m, wird lediglich O2 in den Atemsack gegeben.Die Dosierung der O2-Menge
erfolgt über die Konstantdosierungseinheit auf der O2-Flasche. Über
ein System von Ventilen, Federn und Membranen in der Konstantdosierungseinheit
werden im oe. Tiefenbereich vom 5,5-6,5 bar starken Mitteldruck drei Dosierdüsen
angefahren. Taucht man im Bereich von Null bis 20m beträgt die O2-Flußrate
mit Dosierdüse Eins 0,3-0,6 L/min. Im Bereich von 20-24m wechselt
die Flußrate in der zweiten Dosierung auf 0,2-0,6 L/min. Die letzte
Dosierung setzt ein bei Tiefen von 25-37m. Die Flußrate sinkt zwar
weiter im Vergleich zu den Werten der Vordosierungen, ist hier aber unbekannt.
Schließlich erreicht bei einer Tiefe von 55 bis 65m der Umgebungsdruck
den Mitteldruck des O2 und die O2-Zufuhr in den Atemsack stoppt. Wird an
dieser Stelle oder später wieder aufgetaucht, wird wieder O2 zu dem
Gas im Atemsack zudosiert. Hierbei wird aber nicht dem Schema der Flußraten
in einem Rückwärtsmuster beim Abtauchen gefolgt, sondern erheblich
mehr O2 zudosiert. Beim Auftauchen wird so in 20-24m Tiefe schon eine Flußrate
von 1 L/min erreicht und dann stetig bis zum austauchen bei Null Metern
Tiefe auf 3 bis 4 L/min erhöht. Sinn dieser Verfahrensweise ist, daß
einerseits das Vorhandensein von genug O2 im Atemsack sichergestellt werden- und andererseits die Dekompression begünstigt werden soll.
Übersteigt die Tauchtiefe die Marke von 55-65m, setzt im Tiefenbereich
von 75-90m über den Lungenautomaten die Beimischung eines 25%-igen
Trimixgases zum Atemgas im Atembeutel ein. Wird auch diese Marke überschritten
stoppt die Zufuhr von Atemgas aus der Trimixflasche und Helium aus der
Heliumflasche am Schnellverschluß strömt in dem Kreislauf.
Achtung! Wie oben schon mal erklärt, setzt
europäischer Atemkalk in der Luftaufarbeitungsphase KEINEN Sauerstoff
frei -wie es etwa der russische Original-Atemkalk tut. Da ab der Tauchtiefe
von 55-65m jegliche O2-Zudosierung aus der O2-Flasche endet, bekommt man
zwar ab 75-90m Trimixgas und noch tiefer noch Heliumgas, jedoch KEINEN
Reinsauerstoff mehr. Damit steigt bei Verwendung europäischen Atemkalks
mit zunehmender Tauchtiefe ab ca. 55-65m die Gefahr eines tödlichen
Tauchunfalls rapide an!
Standzeiten des original russischen Atemkalks bzw. stundenmäßige
Tauchzeiten in Abhängigkeit zur Tauchtiefe sind nicht bekannt. Laut
IDA 59M-Gebrauchsanweisung sind mit original russischem Atemkalk jedoch
2,5 Stunden Tauchzeit "bei leichter Unterwasserarbeit" möglich. Bei
dieser Zeitangabe fehlt in der Gebrauchsanweisung jedoch jegliche Tiefenreferenz.
Die NVA-Gebrauchsanweisung des IDA 71-Rebreathers -der ja ähnlich
aufgebaut und dimensioniert ist was die Atemkalkbehälter für
den O2 produzierenden russischen Spezialatemkalk angeht- beschränkt die
Nitroxtauchzeit bis in eine Tiefe von 40m auf 30min. Vermutlich deshalb,weil die
Sauerstofffreisetzung aus dem O2-produzierenden Atemkalk von vielen Unbekannten
bestimmt wird und deshalb auch kein bestimmter Partialdruck garantiert werden kann
auf dessen Grundlage man tiefenabhängige Tauchzeiten berechnen könnte.
Tauchen unter Sauerstoff ist auch von der Standzeit des Spezialatemkalks abhängig.
Leider sind in den mir bisher zugänglichen Gebrausanweisungen keine Standzeiten
für das IDA 59M genannt worden. In der NVA-Betriebsanleitung des IDA 71
wird zwar eine Standzeit von drei Stunden genannt, jedoch bezieht sich diese Angabe
nicht auf die Standzeit des blauen Atemkalkbehälters mit dem Spezialatemkalk, sondern
auf die Standzeit des grauen Atemkalkbehälters.Anders als das IDA 59M ist das
IDA 71 nämlich auch mit einem Kalkbehälter -der normalen Atemkalk enthält- für
flache Tauchgänge in Tiefen von zB. sechs Metern ausgestattet.
IDA-Fans tauchen dieses Gerät eher selten im Originalzustand.Wenn überhaupt, dann
auch nur bis in sechs Meter Tiefe. Bei einer tieferen Verwendung sind Änderungen
zwangsläufig. Meist wird aber schon von vornherein an ihm herumgebastelt um es
tauchbar&sicherer zu machen. So wird gelegentlich ein Dräger-Oxymeter im Zuluftstrom
des Einatemweges installiert um einigermaßen sicher den Sauerstoffgehalt in der
Atemluft während des Tauchens kontrollieren zu können. Oder das ganze wird zu einem
Constant-Flow-Kreislaufsystem mit einigen Stageflaschen zusammengebastelt
um nicht nur eine mehr als ausreichende Gasversorgung, sondern für
alle Fälle auch ein System mit viel Bailoutreserve zu haben.
Unterm Strich handelt es sich beim IDA 59M für heutige
Verhältnisse also eher um ein Spaßsystem dem man wie jedem Kreislaufgerät
erhöhte Aufmerksamkeit vor, während und nach dem Tauchen widmen
muß. Ernsthafte Tauchgänge sollten also damit nicht unternommen
werden, da es viele Taucher einfach überfordert und bei Unfällen
für anhaltende Feiern im lokalen Versicherungsbüro sorgt, da
diese bei Tauchgängen mit derartigen Tauchgeräten ohne CE-Zeichen,Bauartzulassung
usw. keine Kopeke zahlen.
Mein besonderer Dank für die Bereitstellung der vieler schöner
Photos vom IDA 59M und der deutschsprachigen Gebrauchsanleitung
geht an Herrn Tomas Konarek! Weiterer Dank geht an Herrn Diethard Wagner für die freundliche Genehmigung seine entsprechend gekennzeichneten Photos verwenden zu dürfen!
Für weitere Tips im Zusammenhang mit diesem Kreislaufgerät
möchte ich Lothar aus dem Tek-Forum von www.taucher.net
danken, wie auch Herrn Johannes Ante der mir einiges über den russischen
Atemkalk erzählen konnte.
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