Seit
Oktober ist sie im Handel, die IXUS V3 von Canon. Sie ist die Weiterentwicklung
der IXUS V2, von Uli Moesslang schon vor einiger Zeit im Starnberger See
getestet (hier klicken: Redaktionsausgabe 25 ). Äusserlich unterscheiden sich die beiden Digitalkameras nicht: Sie sind klein, kompakt und designpreisverdächtig elegant.
Das bis 30 m Tiefe geeignete Unterwassergehäuse Canon WP-DC600, welches
schon mit der IXUS V2 (siehe auch in Ulis Bericht über die IXUS V2)
in den Handel kam, passt auch für die IXUS V3. Sehr praktisch: Auch
über das UW-Gehäuse können sämtliche Menüeinstellungen
vorgenommen und Funktionen angewählt werden.
Die
Kamera ist insgesamt ausgesprochen bedienerfreundlich. Sämtliche Funktionen
sind über übersichtlich angeordnete Knöpfe auf der Kamerarückseite
und über die Menüanwahl im LCD-Display einstellbar. Im Grossen
und Ganzen findet man sich in den Optionen für die Voreinstellungen
im Aufnahme- und Wiedergabemodus schnell zurecht. Etwa ein halbes Stündchen
sollte man für das Studium der Bedienungsanleitung durchaus veranschlagen
Aber dann hat man auch schon eine recht gründliche Einweisung und
einen guten Überblick.
Ein
paar neue interessante Details hat der Hersteller in die IXUS V3 hinein
gepackt: Der neue CCD Sensor sorgt mit 3,2 Mio Bildpunkten für eine
ausgezeichnete Bildqualität. Damit sind nun noch bessere großformatige
Ausdrucke mit einer maximalen Grösse von 20 x 30 cm möglich (vorausgesetzt,
die Kamera wurde zuvor für die Aufnahmen auf die höchste Auflösungsqualität
eingestellt). Der Autofokus, hier AiAF genannt, hat nun nicht mehr nur
drei Meßfelder wie noch bei der IXUS V2, sondern ganze neun Meßfelder.
Für den Fotografen bedeutet dies eine noch exaktere automatische Schärfen-
und Belichtungskontrolle, die in der Lage ist, die richtigen Bildinhalte
zu identifizieren und fotografisch richtig zu bewerten. Einfacher ausgedrückt:
Man kann mit dieser Kamera beim Fotografieren fast nichts mehr falsch machen!
Zumindest über Wasser. Nur bei der Unterwasserfotografie ergeben sich
ja noch ganz andere Anforderungen an die Fotoausrüstung und das Können
des Tauchers. Deshalb nahm ich die IXUS V3 mit nach Nord-Sulawesi (Indonesien),
um im Bunaken Marine Park und der Strasse von Lembeh zu tauchen und dabei
viel zu fotografieren...
Meeresschildkröte
Denn
Motive gibt es dort mehr als genug: Die Celebes See zählt zu den artenreichsten
Meeresgebieten der Welt: Etwa 2.000 von weltweit ungefähr 7.000 Korallenfischarten
leben in den Gewässern um die Insel Bunaken und ihren Nachbarinseln,
die nordwestlich von Manado (am Ende des "Fingers" im Norden von Sulawesi)
einige Seemeilen vor der Küste liegen. Dort wurde 1997 auch der Quastenflosser
gesichtet, der sonst nur noch vor den Komoren vorkommt und von dem man
bis zur Entdeckung der afrikanischen Spezies im Jahr 1938 annahm, dass
er schon vor etwa 70 Millionen Jahren ausgestorben sei. Das Gefühl, an den gleichen
von Spalten durchzogenen Wänden zu tauchen, wie das lebende Fossil,
macht mir jedes Mal eine wohlige Gänsehaut. Persönlich ist der Quastenflosser aber nur weit jenseits einer Tiefe von 80 m anzutreffen.
Crevices Gegenlicht
Korallenbleiche
ist in diesen Gewässern unbekannt. Die Gegend ist recht strömungsreich
und teilweise sehr tief, so dass die gefährliche Erwärmung hier
glücklicherweise ausblieb. Trotzdem beträgt die Wassertemperatur
angenehme 28-29°C an der Oberfläche und 26-28° C in der
Tiefe. Ein 3 mm Anzug reicht eigentlich vollkommen aus, manche Taucher
nehmen sogar einen Shorty. Meist macht man Strömungstauchgänge
entlang der atemberaubenden Drop-Offs um Bunaken, die stets mit extrem
bunten und ausgedehnten Austauchphasen im 3-5 Meter Bereich enden. Dort, wo die mit riesigen Schwämmen und vielen verschiedenen Weichkorallen bewachsenen
Wände Bunakens in wunderschöne und intakte Korallengärten
übergehen. Der Fischreichtum ist bemerkenswert. Am Riff und am Drop-Off
sieht man viele verschiedene kleinere Arten, wie Falterfische, Skorpionfische,
Schaukelfische, Drücker, Kaiser und vieles mehr, während im 30-50
m Bereich Schwarzspitzen- und Weisspitzenriffhaie auf Patrouille gehen.
Riesige Füsilierschulen ziehen in langen blauen Bändern in der
Strömung vorbei, dann wieder große Schwärme mit Nasendoktorfischen,
Rotzahndrückern oder Langflossenfledermausfischen, Makrelen. Meeresschildkröten
fliegen an der Wand ein und aus. Und... und... und... Bunaken - my love!
Fledermausfische
Die
Strasse von Lembeh bedeutet dagegen oft schlammige, zugemüllte Tauchplätze
mit Sichtweiten von nur ein paar Metern, aber hier liegt das Besondere
im Kleinen: Lembeh ist das Mekka der Makrofotografen, Nacktschnecken- und
Critterfans. Hier leben viele seltene und schwierig zu findende Arten,
wie Pygmäenseepferdchen, verschiedene Geisterpfeifenfischarten, psychedelische
Nacktschnecken, Anglerfische, unglaubliche Krabben und was-weiss-ich noch
alles.
Drachenkopf
Nun
wollte ich diese ganze Fülle mit der Kamera einfangen, um endlich
meine Taucherlebnisse in Nord-Sulawesi mit den Daheimgebliebenen
teilen zu können. Hier nun also meine Erfahrungen mit den verschiedenen
Motiven und Aufgabenstellungen:
Mit
dem Einsatz des digitalen Zooms (bis 6,4-fach) sollte man, unter Wasser
noch mehr als an Land, grundsätzlich etwas vorsichtig sein, denn die
Qualität der Aufnahmen leidet dadurch- je nach Motiv unterschiedlich
stark. Darauf weist Canon in der Bedienungsanleitung der Kamera auch ordnungsgemäß
hin. Nutzt man das Digitalzoom zum Heranzoomen entfernter liegende Objekte,
z.B. eines Fischschwarms ein draussen im Blauwasser, einen scheuen
Schriftfeilenfisch oder Napoleon, der Taucher nicht sehr nahe heran kommen
lässt, gelingt die Aufnahme je nach Sichtweiten und Menge der Schwebeteilchen
von gut bis überhaupt nicht. Das Bild wird dadurch grobkörniger. Besser
ist es, wenn überhaupt, nur das optischen Zoom (2fach, Zoombereich 35-70
mm) zu verwenden und sich durch extrem ruhige Tauchweise eben selbst näher an das Objekt der Begierde heranzupirschen. Nahaufnahmen
(bei Canon "Makro" genannt- es hat aber mit dem, was UW-Fotografen unter
diesem Begriff verstehen, nicht wirklich etwas gemeinsam) gelingen je nach
Motiv sehr gut bis ganz gut, mit leichten, noch zu tolerierenden Unschärfen-
bis unbefriedigend bei sehr kleinen Motiven. Meine Aufnahmen in Lembeh
sind mit der IXUS V3 nicht sehr gut geworden, denn hier vernebelten ja die
vielen Schwebeteilchen die Sicht, so dass eigentlich nur Makroaufnahmen
in Frage kommen- und genau in diesem Bereich kommt man mit den digitalen
Kameras ja noch nicht so weit.
Bei
grösseren Motiven, wie Zackis, Skorpionfische, Sepien, Haarsterne,
Schwämme, Riesenmuscheln oder Meeresschildkröten gelingen sehr
schöne Portraits von hoher Brillianz und Tiefenschärfe. Das Gleiche
gilt für Weitwinkelaufnahmen wie Riffpanoramen und Gegenlichtaufnahmen.
Wenn diese Aufnahmen nichts werden, liegt es bestimmt am Fotografen.
Bewachsene Peitschenkoralle
Dieses
Bild des Atemorgans einer Riesenmuschel wirkt wie ein Makro. Es ist aber
keines - die Muschel IST einfach riesig!
Riesenmuschel
Bei
manchen Motiven im Nahbereich wirken die Unschärfen wie Weichfilter.
Zum Beispiel werden die weichen Züge von Anemonen dadurch noch hervorgehoben.
Diese Nahaufnahmen des Inneren einer Anemone ist - streng betrachtet - mißlungen, da unscharf. Trotzdem hat sie eine gewisse Ästhetik,
die mit der Vergrösserung noch deutlicher wird. Diese Feinheiten sind
beim Fotografieren über das Kamera-Display leider nicht wahrzunehmen.
Die wahre Qualität der Aufnahmen offenbart sich immer erst im PC-Bildschirm
bzw. auf Fotopapier. Man sollte also nach dem Tauchgang nicht zu viele,
augenscheinlich mißlungene Aufnahmen schon in der Kamera "aussortieren", sondern möglichst immer bis zur Betrachtung im Großformat warten.
Anemone Nahaufnahme
Auch
das Portrait des kleinen Halsbandanemonenfischs ist nicht ganz scharf,
ich finde es aber eigentlich nicht störend. Dieser einäugige
Wicht ist übrigens mein Lieblingsbild aus diesem Urlaub.
Halsbandanemonenfisch
Kleine,
fragile Motive, wie z.B. dieser ca. 10 cm grosse Ornat-Geisterpfeifenfisch
kommen trotz Nachbearbeitung nicht so klar und gut raus, wie eigentlich
angestrebt. Da war ich definitiv zu nah dran und die Optik der Kamera spielte
nicht mehr mit. Auch diesmal war die ungenügende Schärfe nicht
im LCD der Kamera erkennbar. Ein solches Motiv kann mit einem analogen
Fotosystem zu Zeit zweifellos noch viel besser eingefangen werden. Tauchern,
die also schöne Nahaufnahmen von sehr kleinen Fischen oder Nacktschnecken
wünschen bzw. sich an Makroaufnahmen versuchen wollen, sind im Digitalbereich
technisch noch ganz klar Grenzen gesetzt.
Geisterpfeifenfisch
Probleme
mit überstrahlten Aufnahmen hatte ich dank des Diffusors, einer kleinen
milchigen Scheibe am UW-Gehäuse, die vor den Blitz geschoben wird,
überhaupt nicht (und wurde genau aus diesem Grund von einigen anwesenden
Digitalfotografen ein bisschen beneidet). Hier ist man gegenüber anderen
Modellen mit integriertem Blitz absolut im Vorteil. Je nach Sonneneinstrahlung
und Lichtverhältnissen liess ich für Aufnahmen im 5 bis 0 m Bereich
den Blitz ganz ausgeschaltet.
Vierstreifenschnapper
Uli
schildert in seinem Bericht über die IXUS V2 Probleme mit der Akkuspannung.
Es trifft auch bei der V3 zu, dass man die Kamera zwischen den Aufnahmen
besser ausschalten sollte. Ausserdem erwärmt sie sich recht stark
,so dass es durch die Temperaturunterschiede bei länger eingeschalteter
Kamera trotz Antibeschlaglösung zu Beschlagen des Gehäuses kommt.
Ein
kleiner Wermutstropfen noch zum Schluss: In den Plexiglaskörper des
Gehäuses ist vor dem Objektiv eine Glasscheibe eingesetzt. Diese Scheibe
wird von einem Aluminiumring gehalten, der mit 6 winzigen Schräubchen
am Gehäuse fest verschraubt ist. Leider sind hier inzwischen (unser
Testgehäuse war zuvor schon mit der IXUS V2 unterwegs im Starnberger
See und im Roten Meer und davor möglicherweise schon bei anderen Redaktionen
im Einsatz) erste Korrosionsspuren sichtbar geworden: 4 der 6 Schräubchen
zeigen im Gewindebereich winzige Roststellen. Trotz regelmässigen
Wässerns im Süsswasser. Offenbar konnten Salzwasserspuren, unter
dem grösseren Umgebungsdruck in der Tiefe am Gewinde entlang vordringen,
die sich später an der Oberfläche im Leitungswasser nicht mehr
herauslösen liessen. Doch keine Panik: bis dieser Umstand schliesslich
zum Durchrosten der Schräubchen führen und dann einen Wassereinbruch
verursachen könnte, werden bestimmt noch sehr viele Tauchgänge
vergehen. Dennoch liegt hier ein kleiner Qualitätsmangel vor, der
für Canon durchaus Anlass sein sollte, die Konstruktion dieses Gehäuses
bzw. die Qualität der verwendeten Schräubchen nochmals zu überprüfen.
Langnasenbüschelbarsch, Mandarinfisch
Ich
habe in diesem Urlaub wieder viel dazugelernt: Nicht nur über Motivauswahl,
Perspektive und Bildkomposition, sondern auch über das "unsichtbar
machen" durch extrem ruhiges Tauchen, um noch näher an die Favoriten
heranzukommen. Viele schöne Aufnahmen sind entstanden, die die Erinnerung
an die Tage in Nord-Sulawesi bis zum nächsten Besuch lebendig halten.
Und die IXUS V3 hat es mir auch ziemlich leicht gemacht: die Bedienungsfreundlichkeit
und die Bildqualität haben mich wirklich überzeugt. Die IXUS
V3 (empf. Verkaufspreis 599,00 Euro) ist eine sehr gute Allround-Kamera
und eine hervorragende preiswerte Alternative zu vielen teureren digitalen
Systemen. Extra Pluspunkte verdient das UW-Gehäuse allein schon wegen
des Diffusors, trotz der erwähnten Rostspuren.
Ach
ja: Ich habe mir die IXUS V3 übrigens inzwischen gekauft...
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