Mit der Canon IXUS V3 unterwegs in den Gewässern Nord-Sulawesis

 Geschrieben von Katharina
Von Katharina Hartmann
 
Seit Oktober ist sie im Handel, die IXUS V3 von Canon. Sie ist die Weiterentwicklung der IXUS V2, von Uli Moesslang schon vor einiger Zeit im Starnberger See getestet (hier klicken: Redaktionsausgabe 25 ). Äusserlich unterscheiden sich die beiden Digitalkameras nicht: Sie sind klein, kompakt und designpreisverdächtig elegant. Das bis 30 m Tiefe geeignete Unterwassergehäuse Canon WP-DC600, welches schon mit der IXUS V2 (siehe auch in Ulis Bericht über die IXUS V2) in den Handel kam, passt auch für die IXUS V3. Sehr praktisch: Auch über das UW-Gehäuse können sämtliche Menüeinstellungen vorgenommen und Funktionen angewählt werden. 





Die Kamera ist insgesamt ausgesprochen bedienerfreundlich. Sämtliche Funktionen sind über übersichtlich angeordnete Knöpfe auf der Kamerarückseite und über die Menüanwahl im LCD-Display einstellbar. Im Grossen und Ganzen findet man sich in den Optionen für die Voreinstellungen im Aufnahme- und Wiedergabemodus schnell zurecht. Etwa ein halbes Stündchen sollte man für das Studium der Bedienungsanleitung durchaus veranschlagen Aber dann hat man auch schon eine recht gründliche Einweisung und einen guten Überblick. 

Ein paar neue interessante Details hat der Hersteller in die IXUS V3 hinein gepackt: Der neue CCD Sensor sorgt mit 3,2 Mio Bildpunkten für eine ausgezeichnete Bildqualität. Damit sind nun noch bessere großformatige Ausdrucke mit einer maximalen Grösse von 20 x 30 cm möglich (vorausgesetzt, die Kamera wurde zuvor für die Aufnahmen auf die höchste Auflösungsqualität eingestellt). Der Autofokus, hier AiAF genannt, hat nun nicht mehr nur drei Meßfelder wie noch bei der IXUS V2, sondern ganze neun Meßfelder. Für den Fotografen bedeutet dies eine noch exaktere automatische Schärfen- und Belichtungskontrolle, die in der Lage ist, die richtigen Bildinhalte zu identifizieren und fotografisch richtig zu bewerten. Einfacher ausgedrückt: Man kann mit dieser Kamera beim Fotografieren fast nichts mehr falsch machen! Zumindest über Wasser. Nur bei der Unterwasserfotografie ergeben sich ja noch ganz andere Anforderungen an die Fotoausrüstung und das Können des Tauchers. Deshalb nahm ich die IXUS V3 mit nach Nord-Sulawesi (Indonesien), um im Bunaken Marine Park und der Strasse von Lembeh zu tauchen und dabei viel zu fotografieren...

Meeresschildkröte

Denn Motive gibt es dort mehr als genug: Die Celebes See zählt zu den artenreichsten Meeresgebieten der Welt: Etwa 2.000 von weltweit ungefähr 7.000 Korallenfischarten leben in den Gewässern um die Insel Bunaken und ihren Nachbarinseln, die nordwestlich von Manado (am Ende des "Fingers" im Norden von Sulawesi) einige Seemeilen vor der Küste liegen. Dort wurde 1997 auch der Quastenflosser gesichtet, der sonst nur noch vor den Komoren vorkommt und von dem man bis zur Entdeckung der afrikanischen Spezies im Jahr 1938 annahm, dass er schon vor etwa 70 Millionen Jahren ausgestorben sei. Das Gefühl, an den gleichen von Spalten durchzogenen Wänden zu tauchen, wie das lebende Fossil, macht mir jedes Mal eine wohlige Gänsehaut. Persönlich ist der Quastenflosser aber nur weit jenseits einer Tiefe von 80 m anzutreffen. 

Crevices Gegenlicht
Korallenbleiche ist in diesen Gewässern unbekannt. Die Gegend ist recht strömungsreich und teilweise sehr tief, so dass die gefährliche Erwärmung hier glücklicherweise ausblieb. Trotzdem beträgt die Wassertemperatur angenehme 28-29°C an der Oberfläche und 26-28° C in der Tiefe. Ein 3 mm Anzug reicht eigentlich vollkommen aus, manche Taucher nehmen sogar einen Shorty. Meist macht man Strömungstauchgänge entlang der atemberaubenden Drop-Offs um Bunaken, die stets mit extrem bunten und ausgedehnten Austauchphasen im 3-5 Meter Bereich enden. Dort, wo die mit riesigen Schwämmen und vielen verschiedenen Weichkorallen bewachsenen Wände Bunakens in wunderschöne und intakte Korallengärten übergehen. Der Fischreichtum ist bemerkenswert. Am Riff und am Drop-Off sieht man viele verschiedene kleinere Arten, wie Falterfische, Skorpionfische, Schaukelfische, Drücker, Kaiser und vieles mehr, während im 30-50 m Bereich Schwarzspitzen- und Weisspitzenriffhaie auf Patrouille gehen. Riesige Füsilierschulen ziehen in langen blauen Bändern in der Strömung vorbei, dann wieder große Schwärme mit Nasendoktorfischen, Rotzahndrückern oder Langflossenfledermausfischen, Makrelen. Meeresschildkröten fliegen an der Wand ein und aus. Und... und... und... Bunaken - my love! 

 Fledermausfische
Die Strasse von Lembeh bedeutet dagegen oft schlammige, zugemüllte Tauchplätze mit Sichtweiten von nur ein paar Metern, aber hier liegt das Besondere im Kleinen: Lembeh ist das Mekka der Makrofotografen, Nacktschnecken- und Critterfans. Hier leben viele seltene und schwierig zu findende Arten, wie Pygmäenseepferdchen, verschiedene Geisterpfeifenfischarten, psychedelische Nacktschnecken, Anglerfische, unglaubliche Krabben und was-weiss-ich noch alles.

Drachenkopf
Nun wollte ich diese ganze Fülle mit der Kamera einfangen, um endlich meine Taucherlebnisse in  Nord-Sulawesi mit den Daheimgebliebenen teilen zu können. Hier nun also meine Erfahrungen mit den verschiedenen Motiven und Aufgabenstellungen:

Mit dem Einsatz des digitalen Zooms (bis 6,4-fach) sollte man, unter Wasser noch mehr als an Land, grundsätzlich etwas vorsichtig sein, denn die Qualität der Aufnahmen leidet dadurch- je nach Motiv  unterschiedlich stark. Darauf weist Canon in der Bedienungsanleitung der Kamera auch ordnungsgemäß hin. Nutzt man das Digitalzoom zum Heranzoomen entfernter liegende Objekte, z.B. eines Fischschwarms ein draussen im Blauwasser, einen scheuen Schriftfeilenfisch oder Napoleon, der Taucher nicht sehr nahe heran kommen lässt, gelingt die Aufnahme je nach Sichtweiten und Menge der Schwebeteilchen von gut bis überhaupt nicht. Das Bild wird dadurch grobkörniger. Besser ist es, wenn überhaupt, nur das optischen Zoom (2fach, Zoombereich 35-70 mm) zu verwenden und sich durch extrem ruhige Tauchweise eben selbst näher an das Objekt der Begierde heranzupirschen. Nahaufnahmen (bei Canon "Makro" genannt- es hat aber mit dem, was UW-Fotografen unter diesem Begriff verstehen, nicht wirklich etwas gemeinsam) gelingen je nach Motiv sehr gut bis ganz gut, mit leichten, noch zu tolerierenden Unschärfen- bis unbefriedigend bei sehr kleinen Motiven. Meine Aufnahmen in Lembeh sind mit der IXUS V3 nicht sehr gut geworden, denn hier vernebelten ja die vielen Schwebeteilchen die Sicht, so dass eigentlich nur Makroaufnahmen in Frage kommen- und genau in diesem Bereich kommt man mit den digitalen Kameras ja noch nicht so weit.

Bei grösseren Motiven, wie Zackis, Skorpionfische, Sepien, Haarsterne, Schwämme, Riesenmuscheln oder Meeresschildkröten gelingen sehr schöne Portraits von hoher Brillianz und Tiefenschärfe. Das Gleiche gilt für Weitwinkelaufnahmen wie Riffpanoramen und Gegenlichtaufnahmen. Wenn diese Aufnahmen nichts werden, liegt es bestimmt am Fotografen. 


Bewachsene Peitschenkoralle
 
Dieses Bild des Atemorgans einer Riesenmuschel wirkt wie ein Makro. Es ist aber keines - die Muschel IST einfach riesig!

Riesenmuschel
Bei manchen Motiven im Nahbereich wirken die Unschärfen wie Weichfilter. Zum Beispiel werden die weichen Züge von Anemonen dadurch noch hervorgehoben. Diese Nahaufnahmen des Inneren einer Anemone ist - streng betrachtet - mißlungen, da unscharf. Trotzdem hat sie eine gewisse Ästhetik, die mit der Vergrösserung noch deutlicher wird. Diese Feinheiten sind beim Fotografieren über das Kamera-Display leider nicht wahrzunehmen. Die wahre Qualität der Aufnahmen offenbart sich immer erst im PC-Bildschirm bzw. auf Fotopapier. Man sollte also nach dem Tauchgang nicht zu viele, augenscheinlich mißlungene Aufnahmen schon in der Kamera "aussortieren", sondern möglichst immer bis zur Betrachtung im Großformat warten. 

Anemone Nahaufnahme
Auch das Portrait des kleinen Halsbandanemonenfischs ist nicht ganz scharf, ich finde es aber eigentlich nicht störend. Dieser einäugige Wicht ist übrigens mein Lieblingsbild aus diesem Urlaub.

Halsbandanemonenfisch
Kleine, fragile Motive, wie z.B. dieser ca. 10 cm grosse Ornat-Geisterpfeifenfisch kommen trotz Nachbearbeitung nicht so klar und gut raus, wie eigentlich angestrebt. Da war ich definitiv zu nah dran und die Optik der Kamera spielte nicht mehr mit. Auch diesmal war die ungenügende Schärfe nicht im LCD der Kamera erkennbar. Ein solches Motiv kann mit einem analogen Fotosystem zu Zeit zweifellos noch viel besser eingefangen werden. Tauchern, die also schöne Nahaufnahmen von sehr kleinen Fischen oder Nacktschnecken wünschen bzw. sich an Makroaufnahmen versuchen wollen, sind im Digitalbereich technisch noch ganz klar Grenzen gesetzt. 

Geisterpfeifenfisch
Probleme mit überstrahlten Aufnahmen hatte ich dank des Diffusors, einer kleinen milchigen Scheibe am UW-Gehäuse, die vor den Blitz geschoben wird, überhaupt nicht (und wurde genau aus diesem Grund von einigen anwesenden Digitalfotografen ein bisschen beneidet). Hier ist man gegenüber anderen Modellen mit integriertem Blitz absolut im Vorteil. Je nach Sonneneinstrahlung und Lichtverhältnissen liess ich für Aufnahmen im 5 bis 0 m Bereich den Blitz ganz ausgeschaltet. 

Vierstreifenschnapper
Uli schildert in seinem Bericht über die IXUS V2 Probleme mit der Akkuspannung. Es trifft auch bei der V3 zu, dass man die Kamera zwischen den Aufnahmen besser ausschalten sollte. Ausserdem erwärmt sie sich recht stark ,so dass es durch die Temperaturunterschiede bei länger eingeschalteter Kamera trotz Antibeschlaglösung zu Beschlagen des Gehäuses kommt. 

Ein kleiner Wermutstropfen noch zum Schluss: In den Plexiglaskörper des Gehäuses ist vor dem Objektiv eine Glasscheibe eingesetzt. Diese Scheibe wird von einem Aluminiumring gehalten, der mit 6 winzigen Schräubchen am Gehäuse fest verschraubt ist. Leider sind hier inzwischen (unser Testgehäuse war zuvor schon mit der IXUS V2 unterwegs im Starnberger See und im Roten Meer und davor möglicherweise schon bei anderen Redaktionen im Einsatz) erste Korrosionsspuren sichtbar geworden: 4 der 6 Schräubchen zeigen im Gewindebereich winzige Roststellen. Trotz regelmässigen Wässerns im Süsswasser. Offenbar konnten Salzwasserspuren, unter dem grösseren Umgebungsdruck in der Tiefe am Gewinde entlang vordringen, die sich später an der Oberfläche im Leitungswasser nicht mehr herauslösen liessen. Doch keine Panik: bis dieser Umstand schliesslich zum Durchrosten der Schräubchen führen und dann einen Wassereinbruch verursachen könnte, werden bestimmt noch sehr viele Tauchgänge vergehen. Dennoch liegt hier ein kleiner Qualitätsmangel vor, der für Canon durchaus Anlass sein sollte, die Konstruktion dieses Gehäuses bzw. die Qualität der verwendeten Schräubchen nochmals zu überprüfen. 
 




Langnasenbüschelbarsch, Mandarinfisch
Ich habe in diesem Urlaub wieder viel dazugelernt: Nicht nur über Motivauswahl, Perspektive und Bildkomposition, sondern auch über das "unsichtbar machen" durch extrem ruhiges Tauchen, um noch näher an die Favoriten heranzukommen. Viele schöne Aufnahmen sind entstanden, die die Erinnerung an die Tage in Nord-Sulawesi bis zum nächsten Besuch lebendig halten. Und die IXUS V3 hat es mir auch ziemlich leicht gemacht: die Bedienungsfreundlichkeit und die Bildqualität haben mich wirklich überzeugt. Die IXUS V3 (empf. Verkaufspreis 599,00 Euro) ist eine sehr gute Allround-Kamera und eine hervorragende preiswerte Alternative zu vielen teureren digitalen Systemen. Extra Pluspunkte verdient das UW-Gehäuse allein schon wegen des Diffusors, trotz der erwähnten Rostspuren.

Ach ja: Ich habe mir die IXUS V3 übrigens inzwischen gekauft...

Surftipps:

Über die Ixus V3:     (http://www.canon.de ) (Uli's Bericht) 

Über Nord-Sulawesi: http://www.north-sulawesi.com
http://www.north-sulawesi.org
http://www.bunaken.info

Mein Urlaubsdomizil: http://www.twofishdivers.com
 


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