Thuner See

 Geschrieben von Jessica

Alle Bilder (c) Jessica Brühl

Alle Angaben nach bestem Wissen, jedoch ohne jegliche Gewähr!

Nachdem unser erstes Ziel, der Zuger See, ausgiebig beschrieben wurde, wenden wir uns nun einem anderen bekannten Tauchziel zu: Dem Thuner See. Die Neue Zuercher Zeitung beschrieb den See vor gut zwei Jahrzenten bereits sehr treffend: "Die ihm eigene Lieblichkeit ist ein Charakteristikum nur jener Alpenseen, die den Kopfteil in die Gebirgskulisse eingebettet haben, derweil die Füsse ins hügelig-gemässigte Vorland hinausragen." Tatsächlich liegt er, inmitten von Hügelketten und Bergen bis 2300m, idyllisch im Berner Oberland und erstreckt sich zwischen Thun und Interlaken auf einer Länge von gut 17km. Er liegt auf 560m Höhe und ist max. 3,5 km breit und in Höhe der Beatenbucht bis zu 218m tief.

Allgemein gilt zu sagen, dass das Tauchen in der Schweiz einfacher und problemloser ist als in Deutschland. Grundsätzlich ist jeder See ein Tauchsee, außer, er ist in Privatbesitz oder es wird ausdrücklich auf Tauchverbot hingewiesen. Tauchverbot herrscht selbstverständlich auch im Hafengebieten, an Anlegern und in Naturschutzgebieten. Einzige Bedingung: Am Ufer muss eine ausreichend große Alphaflagge gesetzt werden. Boote haben einen Abstand von mind. 50 m zur Flagge einzuhalten. Sollte einen die Polizei ohne Flagge erwischen, wird es heftig teuer. Wie teuer, ist kantonal unterschiedlich. Am Zürichsee sind es 300 Schweizer Franken (215 Euro), an anderen Seen meist um die 200 CHF (150 Euro). Notfalls hilft auch selbst basteln. Nirgends steht geschrieben, dass es eine teure Flagge aus dem Tauchshop sein muss.

Wie bereits erwähnt, ist der See nicht ganz einfach für den Tauchwilligen. Er ist sehr tief, hat Steilwände, die ohne Absatz bis nach "ganz unten" gehen - Tarierfähigkeit ist an solchen Tauchplätzen also ein Muss. Er ist dementsprechend kalt, was eine passende Ausrüstung erfordert (in der Tat sind es oft Ausländer, die dort tödlich verunglücken, weil sie zu tief und/oder mit falscher Ausrüstung unterwegs waren - Doppelventil sollte obligatorisch sein!) - und nicht zuletzt die Parkplatzsituation. Der See ist ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel, gerade im Sommer. Um den See herum führt jedoch nur eine typische Uferstrasse, die teilweise direkt an die Felswand grenzt. Da ist kein Platz für große Parkflächen. Und im Sommer sind zudem die wenigen Stellplätze schon belegt. Eine sehr frühe Anreise (vor 8 Uhr) ist also ratsam. Auf dem gesamten See verkehrt zudem ein Kursschiff, das zum Teil sehr dicht an die Tauchplätze heranfährt. Gerade in der Beatenbucht dröhnt es einem direkt über den Kopf, wenn man einmal die Landzunge umrundet hat. Auftauchen sollte man außerhalb der Ausstiegszone tunlichst nicht und nach Möglichkeit die Einstiegszeit nach dem Fahrplan des Schiffes richten. Doch dazu im einzelnen die Tauchplatzbeschreibungen:

Beatenbucht

Vorweg - dieser See hat auch einen Höhlentauchplatz. Er wird hier mit Absicht nicht beschrieben, denn die meisten Taucher haben nicht die entsprechende Ausbildung. Diese Höhle ist jedoch ein schwieriger Tauchplatz, mit allen Schikanen, die das Höhlentauchen so bietet, incl. einiger wirklich enger Stellen und noch unerforschten, sehr tiefen Gängen. Es ist für den Normal-Taucher dringendst davon abzuraten, in diese Höhle zu tauchen, wenn man dafür nicht ausgebildet wurde und das entsprechende Equipment hat!

Das nordöstliche Seeufer:

Tauchplatz 1: Beatenbucht

Von Thun aus Richtung Interlaken bis hinter Merlingen fahren, dort wo sich die Bergbahn befindet (unübersehbar). Wenn es den Berg hinaufgeht, ist man zu weit.... Gegenüber des Buswendeplatzes ist zudem ein großes Schild mit dem Namen Beatenbucht angebracht. Geparkt wird im gebührenpflichtigen Parkhaus der Bergbahn. Auch hier gilt: Nicht zu spät kommen! Es gibt zwar hier reichlich Parkplätze, die aber auch schnell belegt sind. Ausreichend Münzgeld für die zentrale Parkuhr mitbringen und unbedingt nutzen - es wird kontrolliert und es werden Strafzettel verteilt, auch an Autos mit 'Touristenvisum'.

Der Einstieg findet über den Schiffsteg statt, daher ist es untersagt, während der Schifffahrtszeiten zu tauchen!!! Es gibt auch eine alternative Einstiegstelle, die zwar mit einem "Zutritt verboten" Schild gekennzeichnet ist, zumindest im Winter jedoch geduldet wird. Zugang hier ab Parkebene 4.

Getaucht wird in Richtung der Landzunge zur Linken (mit dem Haus darauf). Zunächst fällt der Grund sanft ab, man findet Baumstämme und Felsgestein, dann geht es jedoch recht zügig in eine Steilwand über, die bis über 100 m hinabreicht. Nur für Taucher mit entsprechender Erfahrung, Ausrüstung und Tarierleistung!

Durchgang vom Parkhaus zum Alternativ-Einstieg

Tauchplatz 2: Merlingen, Fischbalme

Von Interlaken aus kommend ca. 500m nach der Beatenbucht beim Ortsende befinden sich einige Parkplätze (einer der größeren Parkmöglichkeiten am See). Achtung Linksabbiegeverbot, Wenden also erforderlich bei Anreise aus Richtung Interlaken. Es befindet sich dort eine blaue Parkzone - d.h. Parken mit Parkscheibe (nicht vergessen!) für 2 Std. kostenlos erlaubt. Auch das 'sich erwischen lassen' beim Vorstellen selbiger wird in der Schweiz gebüßt! Alternativ kann man sein Equipment ausladen und im Parkhaus an der Beatenbucht (siehe oben) parken. Der Tauchplatz wurde von der SUSV und der Gemeinde Sigriswil gestaltet. Es befindet sich dort eine Überdachung zum Umziehen bei schlechter Witterung, sowie einige Schließfächer (Vorhängeschloss bitte mitbringen), sowie ein Grillplatz.

Der Einstieg erfolgt über ein schmale, steile Treppe (jedoch mit Geländer). Dicht beim Einstieg beginnt eine Felswand, die bis weit über 100 m hinabfällt. In Ufernähe ist zudem eine ca. 10 m breite Felsplatte, die den Beginn einer Kalksteilwand markiert, die bis auf etwa 50 m abfällt.

Grillplatz

Boxen

Steile Treppe zum Einstieg

Tauchplatz 3: Merlingen, Bäregg

In Ortsmitte befindet sich eine gleichnamige Bushaltestelle. Dort befinden sich ca. 5 Stellplätze. Hier dürfen nur Kleingruppen tauchen (amtlich verordnet), aber dies ergibt sich aufgrund mangelnder Parkmöglichkeit eh von selbst. Ganztägige Kurse sind außerdem untersagt (andere wollen da auch mal parken *g* ). Links des Parkplatzes befindet sich eine Schräge, um Schiffe zu Wasser zu lassen. Dies ist der Einstieg. Der schlammige Seegrund fällt hier flach ab. Getaucht wird rechter Hand. Kein spektakulärer Tauchplatz, man findet jedoch viele Felsbrocken, von teils interessanter Gestaltung. Anfängergeeignet, da kein Schiffverkehr in direkter Nähe oder Steilwände.

Tauchplatz 4: Gunten/Merlingen, Entenecke

Zwischen Gunten und Merlingen gelegen gibt es aus Richtung Thun kommend ca. 10 Parkplätze in einer Linkskurve kurz vor dem Ortseingang Merlingen. Hier gibt es zwei Einstiegsmöglichkeiten: Zum einen ist in Richtung Interlaken eine Treppe, und zum anderen Richtung Thun eine Schräge, um Boote zu Wasser zu lassen. Auch hier sind Ganztages-Kurse untersagt. Nach dem Einstieg kann man sowohl nach links als auch nach rechts wegtauchen. Dort befindet sich eine Steilwand, die bis auf ungefähr 60 m reicht.

Tauchplatz 5: Gunten, Guntenbad

Am Ortsende von Gunten in Richtung Interlaken befindet sich ein Seebad mit sehr wenigen Parkplätzen. Hier herrscht zur Badesaison (ca. Mitte Mai bis Mitte September) ein Tauchverbot. Bei Unklarheiten bitte die Gemeinde Gunten kontaktieren. Vom Einstieg her in Richtung Floss tauchen, ab einer Tiefe von 15 m trifft man auf eine Wand, die stufig bis etwa 40 m abfällt. Ansonsten ist der Grund mit mehr oder minder großen Felsgeröllbrocken übersät.

Tauchplatz 6: Längenschachen

Von Thun kommend, befindet sich zwischen Oberhofen und Gunten zwischen zwei Kopfweiden ein winziger Parkplatz für zwei Autos (kann man leicht übersehen). Weitere wenige Stellplätze sind entlang der Seestrasse zu finden. Einstieg über eine Steintreppe oder eine schräge Rampe. Rechts herum lag in ca. 8 m mal eine Art Parcours mit absichtlich deponierten Gegenständen, verbunden durch eine Kette. Es ist nicht bekannt, ob es ihn noch gibt. Hier wurden schon Forellen, Barsche, Krebse, Hechte, Elritzen, Köcherfliegenlarven und vieles mehr beobachtet. Da eine Landzunge aufgeschüttet wurde, findet man auf dem Grund große Gesteinsbrocken. Ab 8 m wird der Boden schlammig und fällt sanft in große Tiefe ab. Fuer Anfänger geeignet. Achtung: Surfer !!!

Tauchplatz 7: Hilterfingen

Direkt gegenüber des Thuner Tauchtreffs befindet sich eine Einstiegstelle, über die mir aber nichts näher bekannt ist. Bitte den Thuner Tauchtreff kontaktieren.

Tauchplatz 8: Thun, Aarebecken/Kursaal

In der Stadt den Parkplatz beim Kursaal benutzen. 400 m entfernt in Richtung Interlaken findet man eine Einstiegsrampe. Es hat hier schon Beschwerden gegeben. Bitte ziemlich aufführen, besonders beim Umkleiden. Das gesamte Aarebecken ist ein Fischschongebiet. Hier laichen überwiegend Äschen. Beim einem TG mal keine Äsche anzutreffen ist so gut wie unmöglich. Die maximale Tauchtiefe beträgt hier allerdings nur 4 m, und gelegentlich herrscht hier eine leichte bis mittlere Strömung. Sollte vor dem TG unbedingt abgeklärt werden!

Das südwestliche Seeufer

Tauchplatz 9: Einigen/Schwefelquelle

Dieser Tauchplatz ist nur mit dem Tauchboot zu betauchen, da sich der Einstieg 200 m vom Ufer entfernt befindet (dort ist keine Einstiegsmöglichkeit). Die drei großen Quelltöpfe der UW-Schwefelquelle, die einen geringen Durchmesser aufweisen, befinden sich in nur rund 12 m Wassertiefe. Daher lassen sie sich bequem und in aller Ruhe betauchen. Während des Abstiegs gelangt man vom Seewasser in das kalte, jedoch auch sehr klare Quellwasser mit hervorragenden Sichtweiten. Der Grund ist stark Sedimenthaltig (Tarierung!), die schön bewachsenen Kraterwände sind wunderbar zu betrachten.

Tauchplatz 10: Faulensee, Restaurant Lido

Von Thun aus an der südwestlichen Seestrasse Richung Interlaken fahren. Beim Restaurant Lido befindet sich ein großer Parkplatz. Einstieg beim hölzernen Sprungturm. Ein Tauchplatz für Ausdauernde. Schräg Richtung Interlaken weggetaucht. beginnt die Felswand erst nach 300 m und auf 18 m Tiefe. Sie fällt etwa 50m ab. Vorsicht: Hier findet man Reste von Fischernetzen, an denen man sich verfangen kann. Auf das Kursschiff achten.

Tauchplatz 11: Leissingen, Gipsunion

Beim Ortsende in Richtung Interlaken befindet sich ein Wegweiser zur Firma 'Gipsunion'. Diesem Folgen und unter der Umgehungsstrasse parken. Der Einstieg ist recht mühsam über Felsblöcke am Ufer. Der schlammige Grund ist teils mit Seegras bewachsen und fällt leicht schräg ab. In Tiefen von 10-20 m kann man hier noch Werkzeuge finden. Hier stehen auch des öfteren größere Jungfischschwärme. Vorsicht vor treibenden Schleppnetzen!

Hier noch ein paar Seeimpressionen...

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