| © 2003 Oliver Meise
Schon immer wenn es den jeweiligen Machthabern in einem Land nach Krieg
gelüstete, fuhren auch zur See die dann gegnerischen Marinen aufeinander
los und verarbeiteten sich gegenseitig zu Hackfleisch. An diesen Auseinandersetzungen
zur See waren nicht nur Schiffe beteiligt die mit ihren Kanonen direkt
aufeinander schossen, sondern auch umgebaute Zivilschiffe jeglicher Art.
Die schwersten Verluste gleich zu Kriegsbeginn mussten dabei die zu
Hilfsminenlegern umgebauten Passagierdampfer einstecken. Um hier nicht
bei fast jeder Fahrt ein großes Schiff einzubüßen verlangte
Admiral Tirpitz von seinen Konstrukteuren eine andere Möglichkeit
zum Minenlegen zu schaffen, bei der das Versenkungsrisiko gegen Null ginge.
Und so wurden nach einem russischen Vorkriegsgedanken die ersten deutschen
Minenleger-U-Boote vom Typ UC I entworfen. Diese mit kleinen Abmessungen
gebauten U-Boote waren speziell für die mittlerweile von deutschen
Truppen eroberte flandrische Küste erdacht worden und sollten von
dort aus ihre tödliche Fracht in die engen Fahrwasserkanäle der
britischen Küste verbringen. Und so geschah es dann auch eine Zeit
lang, bis nach einigen Monaten die Royal Navy immer wirksamer die deutschen
Uboote mit Minensperren und U-Boot-Netzen bekämpfte und dezimierte.
Um dem zu begegnen und das Potential der eigenen Minen-U-Boote zu erhöhen,
wurde nun eine größere Art von Zweihüllen-Minenubooten
in Form des Amtsentwurfs "Projekt 41" konstruiert und mit dem "Kriegsauftrag
H" bei den Werften bestellt: die 50,35m lange und 5,22m breite UC II-Klasse.
So erhielt die Blohm&Voss-Werft in Hamburg am 12. Januar 1916 den Auftrag
die Serie UC 65- UC 73 mit einem Stückpreis von jeweils 2.141.000
Reichsmark zu bauen.

Eines dieser maximal 427t großen U-Boote wurde dann mit der Baunummer
284 auf Kiel gelegt und nach einer mehrmonatigen Bauzeit soweit fertiggestellt, daß
es am 12. August 1916 vom Stapel laufen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war
schon fast alles eingebaut wzB. der 600 PS starke Sechszylinder-Viertaktdiesel
der Firma MAN. Dieser wirkte über zwei Wellen auf die beiden dreiflügligen
Schrauben mit einem Durchmesser von jeweils 1,29m, was eine Höchstgeschwindigkeit
von zwölf Knoten ermöglichte. Bei einer Sparfahrt von nur sieben
Knoten war mit dem maximalen Bordvorrat von 56t Treibstoff eine Reichweite
von 10.420km möglich! Ebenfalls befand sich schon der Elektroantrieb
für die Unterwasserfahrt an Bord. Dieser bestand aus zwei E-Motoren
die zusammen 620 PS stark waren und eine maximale Geschwindigkeit
von 7,4kn ermöglichten. Bei einer Sparfahrt von nur 4kn konnte man
aus den 124 Afag-Massezellenakkus an Bord immerhin eine Reichweite von
52 Seemeilen herausholen. Auch die Bewaffnung war schon auf der Werft vorbereitet
worden. Im Bug befanden sich sechs schräg hintereinander angeordnete
Minenschächte mit jeweils einem Durchmesser von 100cm. Diese sollten
später jeweils drei übereinander gelagerte Seeminen vom Typ UC
200 aufnehmen können. Im Bug hatte man außerdem zwei Überwassertorpedorohre
und am Heck ein Unterwassertorpedorohr eingebaut um aus diesen die mitgeführte
Chargierung von sieben Torpedos verschießen zu können. Im übrigen
baute man vor dem Turm eine Geschützbettung für die hier vorgesehene
8,8cm L/30-Uboot-Kanone ein und sorgte auch für einen Lagerplatz der
die Mitnahme von maximal 133 Granaten für die Kanone gestattete. Nach
dem oe. Stapellauf wurde der Rohbau des U-Bootes an die Ausrüstungspier
verholt. Dort baute man nun die speziellen Ausrüstungsteile wzB. das
Geschütz sowie das Turm- und das Zentralesehrohr und andere Dinge
ein. Am 28. November 1916 wurde es dann unter dem Kommando des späteren
U-Boot-As Oberleutnant zur See Hans Valentiner in Dienst gestellt.
Olt.z.S. Hans Valentiner
Zunächst unterzogen die drei Offiziere und 23 weiteren Seeleute
an Bord das bei der Indienststellung UC 71 getaufte U-Boot harten
Erprobungen und Übungen. Dabei stellt sich heraus, daß das für
eine maximale Tauchtiefe von 50m und Hochseeverwendung konzipierte U-Boot
gut drehte, jedoch eine nasses Vorderdeck hatte da die Bugkonstruktion viel
Spritzwasser verursachte. Nichtsdestotrotz erfüllte das Uboot die
ihm zugedachte Anforderungen und hielt auch die werftseitig versprochenen
Schnelltauchzeiten von nur 48 Sekunden ein. Nach gemeldeter Frontreife
ging das bis dato der 1. U-Halbflottille bei der I. U-Flottille in Kiel
unterstellte Uboot UC 71 am 28.Februar 1917 zwecks Überführung
zur U-Flottille Flandern in See und gelangte dort auch am 3.März 1917
an.
UC II-Schwesterboot UC 65 läuft in Zeebrügge
ein
Photo: Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Nach knapp einer Woche führte ab dem 10. März die erste Feindfahrt
die Männer von UC 71 in den Hoofden -jedoch ohne Ergebnis.
Und so musste man unverrichteterdinge am 14. März wieder einlaufen.
Das sollte sich aber schon bei der nächsten Unternehmung ändern. Diese
begann am 28. März und führte vor die französische Westküste. Hier
legte man vor Le Treport, Dieppe und St. Valery die Minensperren Nr. 269,269a
und 271. Auf diese sollten insgesamt fünf Schiffe aufbrummen. Außerdem
hatte auch die Torpedowaffe an Bord einiges zu tun, so daß man für
diesen Einsatz nach dem Einlaufen am 13. April 18.638 BRT auf dem Versenkungskonto
gutschreiben konnte. Zurück in Zeebrügge fand ein Kommandantenwechsel
statt. Die neue Feindfahrt begann somit am 30. April unter dem Kommando
von Oberleutnant zur See Hugo Thielmann. Dieser hatte bei seiner ersten
Unternehmung bis zum 7. Mai in den Hoofden und auch bei seiner zweiten
Feindfahrt vom 14. Mai bis zum 20. Mai in das gleiche Gebiet zwar kein
Pech, aber es kam "nur" Kroppzeug vor die Flinte. Man versenkte wohl sieben
Schiffe, diese hatten zusammen aber nur eine Gesamttonnage von 909 BRT.
Und so wechselte das Kommando wieder am 10. Juni.
Neuer Kommandant wurde Oberleutnant zur See Reinhold Saltzwedel.

Dieser war er erst seit Januar 1916 bei der U-Boot-Waffe -hatte aber schon
als Kommandant mit UB 10,UC 10,UC 11 und UC 21 recht beachtliche
121.616 BRT versenkt. Dieser hielt sich nicht lange auf und machte sich
schon zwei Tage nach Kommandoübernahme zu seiner ersten Feindfahrt
mit UC 71 auf. Zielgebiet war diesmal der Englische Kanal. Hier
versenkte das Uboot am 14. und 15. Juni die britischen Frachter SS Wega
mit 839 BRT und SS Wapello mit 5.576 BRT. Scheinbar hatte man bei
der Jagd auf diese Schiffe viel Treibstoff verbraucht, denn man legte schon
am 17. Juni wieder am heimischen U-Boot-Kai von Zeebrügge an.
Photo: Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Anders als die vorangegangenen drei Fahrten von UC 71 sollte
die nächste Fahrt des U-Bootes vor die französische Westküste
wiedereinmal mit einer Minenoperation verbunden werden. Und so stach man
am 24. Juni mit Kurs auf die Loire-Mündung in See, begegnete aber
schon nach einem Tag Fahrzeit vor Cherbourg einem ca. 700 BRT großen
Dreimastschoner. Hierbei handelte es sich um die nach außen ein wehrloses
Handelsschiff vortäuschende französische U-Boot-Falle SS Normandy.
Diese war mit vier getarnten 7,5cm-Geschützen und zwei Maschinengewehren
bewaffnet. Das überlegte Vorgehen von Oberleutnant Saltzwedel gegen
dieses ihm verdächtig erscheinende Schiff ersparte der Besatzung einen
schnellen Tod und man kam mit einer kurzen Kabbelei mit einigen in der
Nähe stehenden Zerstörern davon. Im Anschluss an dieses
Erlebnis wurde aber noch recht erfolgreich mit dem Legen der Minenfelder
Nr. 387 und 388 und dem verfeuern sämtlicher Torpedos von der Minen-
und Torpedowaffe Gebrauch gemacht, so daß diese Feindfahrt mit insgesamt
sieben versenkten Schiffen bzw.19.252 BRT zu Buche schlug. Nach der Rückkehr
am 8. Juli war erst mal eine längere Werftliegezeit erforderlich,
so dass erst wieder am 1. August in See gegangen werden konnte.
Zwei UC II - U-Boote stechen
von Zeebrügge aus in See
Wieder ging es an die französische Westküste. Neben dem anlegen
eines Minenfeldes vor der Gironde wurde auch wieder die Torpedowaffe fleißig
eingesetzt. So hatte man schon nach sieben Tagen in See drei Schiffe mit
8.675 BRT versenkt und ein weiteres mit 2.457 BRT beschädigt, als
am 8. August 1917 um 10.00 Uhr vormittags ca.120 Seemeilen westlich von
Ouessant ein größerer Dampfer von ca. 5.000 BRT gesichtet wurde.
An Bord des deutschen U-Bootes nahm man sehr wohl die 4,7cm-Kanone auf dem
Heck des Frachters wahr. Vielleicht lag es an der erst kürzlich
überlebten Begegnung mit der französischen U-Boot-Falle -jedenfalls
witterte Olt.z.S. Saltzwedel Unrat und ließ erst einmal zur Sicherheit
tauchen. Unter Wasser und in Sicherheit vor eventuell vom Dampfer abgeschossenen
Geschützgranaten besah sich Oberleutnant Saltzwedel den Dampfer erst
mal ganz genau durch das Periskop. Nach einiger Zeit ließ er aber
wieder auftauchen, da man unter Wasser nicht schnell genug war den Frachter
einzuholen. Nach einem kurzen Spurt war der Frachter in Reichweite der
deutschen Ubootsartillerie gekommen und wurde aus 3.000m Entfernung auch
prompt mit einigen Koffern bepflastert. Sofort wurden Treffer im Maschinenraum
und auf dem Achterdeck beobachtet. Da alliierte Handlesschiffe seinerzeit
in der Regel auch mit einem einzelnen Geschütz bewaffnet waren, trat
dieses nun auch in Aktion und erwiderte das Feuer des deutschen Ubootes.
Nach kurzer Zeit explodierte jedoch ein in unmittelbarer Nähe liegender
Munitionsstapel und zerstörte dieses Geschütz sowie große
Teile des Hecks. Plötzlich eröffneten bisher getarnte Geschütze
an Bord des Frachters das Feuer. Derart gewarnt und in seiner Überzeugung
bestätigt es mit einer U-Boot-Falle zu tun zu haben tauchte Saltzwedel
sofort und verfeuerte seinen letzten Torpedo in den Maschinenraum des Schiffes.
Dieser traf auch und ließ den Frachter achtern bis zu den Luken absacken,
so daß die Wellen den hinteren Schiffsteil schon überspülten.
Es folgte die in solchen Situationen übliche Reaktion : Während
einer Feuerpause bestieg die Schiffsmannschaft hastig die Rettungsboote
und ruderte weg. Seltsamerweise aber nur ein paar hundert Meter. Misstrauisch
näherte sich Saltzwedel nun unter Wasser dem Schiff und tauchte hinter
ihm im toten Winkel seiner Geschütze auf. Von hier aus trat das Geschütz
von UC 71 wieder in Aktion und verfeuerte aus nächster Nähe
fast den ganzen Bordvorrat an Granaten in die Aufbauten und die Bordwand
des unbekannten Schiffs. Zwar war der Gegner nunmehr völlig Wrack,
schwamm aber immer noch. Saltzwedel tauchte wieder und umkreiste den Frachter
in einer Entfernung von ca. 300m. Hierbei beobachtete er ihn permanent
mit seinem Periskop. Plötzlich konnte man im ganzen U-Boot sich nähernde
Propellergeräusche eines Torpedos hören. Scheinbar hatte der
Gegner aus einem unter der Wasserlinie eingebauten Breitseitentorpedorohr
einen Torpedo auf UC 71 abgefeuert! Saltzwedel konnte beobachten
wie die Blasenbahn des Torpedos haarscharf an seinem Periskop vorbeiging!
Und noch immer schwamm die U-Boot-Falle! Scheinbar hatte sie aber per Funk
Hilfe herbeigefunkt, da am späten Nachmittag britische Zerstörer
eintrafen die das Schiff in Schlepp nahmen. Ohne Torpedos und mit nur noch
ein paar Granaten in der Munitionslast kehrte UC 71 der Szene den
Rücken und lief ab Richtung Heimathafen, wo man am 11. August auch
wieder eintraf. Was war geschehen? Nach dem Krieg erfuhr man, dass
Großbritannien der U-Boot-Gefahr begegnen wollte, indem man harmlos
aussehende Handelsschiffe mit versteckten Kanonen ausstattete. Seinerzeit
bestand die übliche Vorgehensweise angreifender U-Boote darin, aufzutauchen,
und ein Schiff nach einer kurzen Untersuchung auf Feindstatus zu versenken. Hierbei
kam das U-Boot in der Regel nahe an das Schiff heran. Dies wollte man sich
zunutze machen und das arglose U-Boot heranzulocken an die getarnte U-Boot-Falle
um es dann mit einem Feuerüberfall aus den versteckten Geschützen
zu versenken. Und einem derartigen Schiff war UC 71 begegnet. Es
handelte sich hierbei um die 1910 gebaute 3.117 BRT große britische
U-Bootfalle HMS Dunraven. Diese war mit einem 10,2cm-Geschütz
sowie vier 7,5cm-Geschützen und zwei Unterwassertorpedorohren bewaffnet.
Der Kommandant dieser U-Bootfalle -britischerseits wurden diese Schiffe
Q-ships
genannt- war ein gewisser Gordon Campbell.
Captain Campbell
an Bord von HMS Tiger
Er hatte schon vorher sehr erfolgreich die U-Boot-Falle HMS Farnborough
bzw. Q 5 geführt und mit diesem vormaligen Kohle-Trampdampfer
namens
SS Loderer die deutschen U-Boote U 68 und U 83
versenkt. Später dann nach der Ausmusterung der HMS Farnborough
kommandierte er die U-Bootfalle
HMS Pargust -den ehemaligen Trampdampfer
SS
Vittoria. Hiermit konnte er das deutsche U-Boot UC 29 versenken.
Kurze Zeit später stellte der mittlerweile bis zum Kapitän zur
See avancierte Gordon Campbell mit dem Frachter SS Boverton die
dann in HMS Dunraven umbenannte U-Boot-Falle in Dienst.Nach kurzen
Eprobungen und Schießübungen ging man in See um dort dann schon
nach ein paar Tagen jenen Kampf mit
UC 71 auszutragen. Nach dem
Ablaufen des deutschen Ubootes schaffte es die waidwunde HMS Dunraven
mit Hilfe der bewaffneten Dampfjacht USS Roma und den beiden britischen
Zerstörern HMS Attack sowie HMS Christopher tatsächlich
bis unter die britische Küste - sank dort aber dennoch trotz großer
Anstrengungen das Schiff doch noch einzubringen.

Mittlerweile war Gordon Campbell und seine Mannschaft die höchstausgezeichnete
Militäreinheit des gesamten britischen Empire geworden. An Kapitän
und Mannschaft wurden insgesamt vier Victoria-Kreuze verliehen. Das
Victoria-Kreuz ist die höchste britische Tapferkeitsauszeichnung und
wird zum großen Teil nur posthum vergeben. Bis dann -und seitdem-
hat es das nie wieder gegeben.UC 71 absolvierte unter dem Kommando
von dem mittlerweile mit der höchsten kaiserlichen Tapferkeitsauszeichnung
-dem Pour le Merite- bedachten Oberleutnant zur See Saltzwedel in der Zeit
vom 1. September bis zum 11. September noch eine weitere Feindfahrt. Diese
führte diesmal vor die bretonische Küste, wo er die französische
Uboot-Falle in Gestalt des Dreimastschoners
SS Kleber austrickste,diverse
Schiffe torpedierte und vor der Loiremündung die Minensperre Nr. 470
legte. Nach erfolgreicher Rückkehr mit 8.885 BRT versenkten Schiffsraumes
übergab er am 14. September das Kommando über UC 71 an
Oberleutnant zur See Ernst Steindorff und verabschiedete sich Richtung
Heimat. Dort stellte er das neue U-Boot UB 81 in Dienst, wurde aber
schon auf dessen erster Feindfahrt am 2. Dezember 1917 versenkt.
Doch was machte UC 71? Zunächst wurde am 1. Oktober 1917
der FdU Flandern gebildet und UC 71 zusammen mit anderen typgleichen
Ubooten in Zeebrügge der 2. U-Flottille Flandern unterstellt. Diese
schickte das U-Boot bis zum Kriegsende unter wechselnden Kommandos noch
auf elf Feindfahrten. Hierbei konnten 41.092 BRT Schiffsraum versenkt,
sowie 70.010 BRT beschädigt werden. Insgesamt kam UC 71 damit
auf 59 Versenkungen bzw. 106.269 BRT versenkten Schiffsraums. Im Zuge der
Räumung der Flandern-Stützpunkte verlegte
UC 71 dann am
5. Oktober 1918 von Zeebrügge nach Brunsbüttel, wo es am 13.
Oktober ankam und dem BdU bzw. der I. U-Flottille im Kommando der Hochseestreitkräfte
unterstellt wurde.
Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote
Da sowohl das am 11. November 1918 bei Compiegne unterzeichnete Waffenstillstandsabkommen
in Abschnitt XXII wie auch der Versailler Vertrag in Artikel 188 die Ablieferung
der vorhandenen Unterseeboote vorsah, wurden diese gruppenmässig
erfasst und in mehreren Staffeln ausgeliefert. Zunächst war unklar,
ob auch die halbfertigen Neubauten und die von der Front gekommenen und
abgerüsteten U-Boote ausgeliefert werden sollten. Doch am 16. Januar
1919 trifft seitens des britischen Vertreters bei der alliierten Marine-Waffenstillstandskommission
Admiral Browning die Order ein, auch diese abzugeben. Dem wird durch die
Ankunft der alliierten Inspektions-Kommission PANAC am 6. Februar 1919
in Wilhelmshafen durch die Präsenz zweier Zerstörer und einem
kleinen Kreuzer Nachdruck verliehen. Am 19. Februar entschließt sich
somit das Reichs-Marine-Amt u.a. auch UC 71 abzuliefern. Und so sticht
am 20. Februar die 10. Staffel mit den U-Booten
U 25, U 38, U 71, U 118,
U 136, U 140, UC 60, U 21, UC 40 und UC 71 Richtung England
in See. Dort kommen am 23. Februar aber nur sieben U-Boote an. Neben
U
21 und UC 40 geht auch UC 71 am 20.Februar auf der Überführung
in Verlust. Als Ersatz für die unterwegs verlorenen U-Boote mußten
zwar die Hauptmaschinen der neuen U-Boote UB 158,UB 166 und UC
115 bis UC 117 nach England geschickt werden, dafür haben
wir Taucher aber nun eine Tauchattraktion mehr vor der Türe: UC
71 ! Denn dieses U-Boot sank freundlicherweise nur ein paar hundert
Meter von Helgoland entfernt auf der Position 54° 09`N / 07° 53`E
in bequeme Tauchtiefen. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll
die deutsche Überführungsmannschaft in bequemer Schwimmentfernung
zum Ufer der Insel Helgoland die Seeventile geöffnet, und sich anschließend
in den Badeurlaub auf Helgoland verabschiedet haben. Möchte man heute
am Wrack von UC 71 tauchen, braucht man dazu einen guten Grund.
Das U-Boot liegt nämlich als Wrack 1480 ausgerechnet im Naturschutzgebiet
"Helgoländer Festlandssockel". Um dort tauchen zu dürfen bedarf
es einer Ausnahmegenehmigung des WSA Tönning. Nichtsdestotrotz wird
sie gelegentlich gegeben um zB. durch die Taucher eine Rückmeldung
über den Zustand und die Erhaltung des Wracks zu bekommen. Taucht
man an der Untergangsstelle ab, trifft man UC 71 mit einer Steuerbord-Schlagseite
von ca. 30° auf steinigem Untergrund an - wie man es nach dem anklicken
des folgenden Panoramabildes schön sehen kann.
© Norbert Thiel 1998
Das Wrack liegt dort in einer Ausrichtung von Westen nach Osten in einer
Tiefe von ca. 17m und einer Sichtigkeit von ca. 5m. Es erhebt sich dort
frei von Netzen maximal 7m über den Meeresgrund. Insgesamt ist das
Uboot zwar stark bewachsen, jedoch für sein Alter in gutem Zustand.
Naturgemäß zieht es den Taucher an U-Booten immer zu dem auch
aus der Entfernung am besten zu identifizierenden Teil des U-Boots: den
Kommandoturm.
© Norbert Thiel 1998
Hier ist der Sehrohrblock noch intakt. Zwar ist das Turmsehrohr eingefahren
und man sieht nur dessen Oberteil, jedoch ist das Zentralesehrohr ein paar
Dezimeter ausgefahren und gut anzuschauen.
© Norbert Thiel 1998
Ganz in der Nähe des Sehrohrblocks im Turm befindet sich an der
vorderen Turminnenseite der Steuerstand von dem aus das U-Boot über
Wasser gefahren wurde. Da die wesentlichen Teile aus Bronze bestehen ist
der Erhaltungszustand dieser Anlage auch gut und man kann auf dem Ruderlageanzeiger
sogar noch die letzte Rudereinstellung "Mittschiffs" - was "Geradeaus" bedeutet -
ablesen. Nächster Betrachtungspunkt im Turm war das Turmluk mit dem
darauf befindlichen Handrad. Dieses war jedoch seinerzeit verschlossen worden
und ist es auch heute noch.
© Norbert Thiel 1998
Und so wendet man sich nun den anderen Teilen des U-Boots zu und taucht
in Richtung Bug. Hierbei schwebt man zunächst über den nunmehr
leeren Standort der 8,8cm L/30-Uboot-Kanone und gelangt so über die
sechs vertikalen Minenschächte von UC 71. Selbstverständlich
sind diese leer, da UC 71 ja seinerzeit im bereits abgerüsteten
Zustand auf der Auslieferungsfahrt war. Nichtsdestotrotz ein interessanter
Ort zum Verweilen und Betrachten. Taucht man weiter in Richtung Bug, sieht
man an jeder Schiffsseite jeweils einen länglichen, ziemlich kantigen
Metallkasten angeschweißt. Dies sind die 4m langen Bugtorpedorohre
des U-Bootes. Untersucht man diese genauer, kann man auf den Torpedorohrklappen
Herstellerschildchen mit der Aufschrift B.M.A.G. Schwartzkopf Berlin
1916 finden. Hat man sich hier satt gesehen und taucht weiter in Richtung
Bug, kommt man an den vorderen Tiefenrudern vorbei. Um diese herum verläuft
halbkreisförmig ein Ruderschutzbügel der ein Verhaken der Tiefenruder
in Minentauen oder U-Boot-Netzen verhindern sollte.
© Norbert Thiel 1998
Taucht man an dieser Stelle zu Meeresgrund, sieht man an der Stelle
wo der Kiel des Ubootes aufliegt einen halbrunden Buckel am U-Boot-Rumpf.
© Norbert Thiel 1998
Dies ist der Pilzanker von UC 71. Scheinbar ist dieser Teil des
Wracks das Zuhause eines ansehnlichen Krebses. Hat man nun am Bug alles
gesehen, taucht man wieder zurück über den U-Boot-Rumpf und am
Turm vorbei. Unmittelbar hinter diesem kommt man an einem mittig im Bootsdeck
eingelassenen Luk vorbei. Dies ist das offenstehende Maschinenluk durch
das seinerzeit die Überführungsmannschaft ausgestiegen sein muß.
Dies befindet sich genau über den Dieselmotoren des U-Boots und diente
auch also Torpedoluk um im Hafen Torpedos für das hintere Torpedorohr
in den Hecktorpedoraum zu verbringen. Da es sich bei UC 71 nicht
um ein Kriegsgrab handelt, könnte man theoretisch hier einsteigen und
sich im U-Boot umschauen. Dem ist aber abzuraten, auch wenn man noch so
gut ausgebildet ist. Das Wrack ist zwar gut erhalten, jedoch geht man ein
hohes Risiko ein. Die hier freundlicherweise zur Verfügung gestellten
Aufnahmen wurden vor fünf Jahren von Norbert Thiel gemacht und sollten
eigentlich jede Neugier befriedigen -jedenfalls soweit daß man nicht
selbst in das Wrack hineintaucht. Unmittelbar hinter dem breiten Maschinenluk
trifft man zunächst auf ägyptische Finsternis. Schaltet man die
mitgebrachte Lampe an, ist die Sichtigkeit extrem gut und klar. Leider
war hier alles von Modder überdeckt,so dass man kaum etwas erkennen
konnte. Schaute man hier angestrengt in Richtung Heck, verging einem angesichts
der wild von der Decke herunterhängenden Kabel jede weitere Lust auf
Nachforschungen.
© Norbert Thiel 1998
Dafür bietet die nächste Abteilung allerlei sehenswertes,
da man hier auf der einen Seite den Funkraum mit seinen Sende- und Empfangsanlagen
betrachten konnte. Auf der anderen Seite befand sich der U-Boot-Lokus mit
seiner Handpumpe :-) Tauchte man von hier aus durch das nächste offenstehende
Schott,kam man in die U-Boot-Zentrale. Hier kommt ein richtiges U-Boot-Gefühl
auf: In der Mitte der Sehrohrbrunnen mit den einsatzbereit aussehenden
Periskopen, rechts eine Phalanx von Elektro-Schaltkästen und links
die beiden Seiten- und Höhenruderstände mit denen das U-Boot gefahren
wurde.
© Norbert Thiel 1998
Hinzu kamen hier unzählige Schalter, Hebel, Ventile, Wasserstandsgläser, Meßgeräte,
Tiefenmesser usw. pp. Ein weiteres Vordringen in die nächste Abteilung
mit den Minenschächten war nicht möglich, da auch hier wieder
herunterhängende Kabel und zuwenig Platz für einen Taucher jedes
weitere Vordringen unmöglich machten.
Blick von der Zentrale auf das Kugelschott zur Minensektion
© Norbert Thiel 1998
Und so kehrte man an dieser Stelle wieder um und tauchte zurück
zum Maschinenluk um von dort aus - so man noch über genug Luft verfügte -
den Rest des U-Bootes zu erkunden. Hier bietet sich insbesondere das Heck
mit dem dortigen Tiefen- und Seitenruder sowie den Schrauben und der Klappe
für das hintere Torpedorohr zur Betrachtung an. Schaut man sich die
dreiblättrige Schiffsschraube aus Manganbronze einmal genauer an,
sieht man dort auf der Krone diverse Daten eingeschlagen wzB. der Herstellername,
das Gewicht und der Durchmesser der Schraube, wie auch mit dem Kürzel
UC
71 der Name des U-Bootes den erstmalig Tomas Termote nach einiger Kratzerei feststellen konnte.
© Norbert Thiel 1998
Unser spezieller Dank für das zur Verfügung stellen der schönen
Unterwasserphotos geht an den Unterwasserfotografen Norbert Thiel!
Die historische Recherche wurde wieder einmal großzügig
unterstützt von Horst Bredow, dem Leiter der Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote in Cuxhaven- Altenbruch. Wir danken ihm
und seiner Frau für die Bilderspende zu UC 71 !
Further "Thanks!" for sharing his experience about this submarine with
me go to Tomas Termote who also dived the wreck of "Seiner Majestät
Uboot UC 71" and shared his experience with us!
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