Als regelmässige Besucher der Taucher.Net Seiten im Internet,
verfolgen wir viele Berichte und Diskussionen auch in Sachen Tauchunfällen.
Es ist jetzt wohl mal interessant, dass sich hierzu auch einmal eine Tauchbasis als solche
äussert und dazu vielleicht den einen oder anderen Input gibt. Wir
möchten mit diesem Bericht keine Position beziehen, sondern einen
Denkanstoss geben, um so etwas zu diesem Thema beizutragen.
Einleitung
Wir sind ein kleines Diving Center in Safaga/Ägypten, und zu unserer
Philosophie gehört es, Tauchen mit persönlicher und individueller
Betreuung anzubieten. Glücklicherweise wurden wir bis heute noch nie
mit einem Tauchunfall konfrontiert, dies vielleicht auch deswegen, weil
wir viel weniger Gäste haben als die vergleichsweise grossen Tauchbasen.
Es gehört zu unserer persönlichen Überzeugung, ausschliesslich
in kleinen Gruppen zu Tauchen.
Hier mal unsere Vorstellung über die Abläufe die in einen Unfall kulminieren können.
Tauchausbildung & die dazugehörige persönliche Einstellung?
Leider kommt es vor, dass zertifizierte Taucher (egal von welcher Organisation)
eine mangelnde Ausbildung genossen haben oder diese liegt oft so lange
zurück, dass viele wichtige Grundlagen zum Thema Tauchen einfach in
Vergessenheit geraten sind. Hier ist es an der Zeit, an all diejenigen Taucher
zu „appellieren“, welche sich unsicher fühlen und sich bewusst sind,
dass sie nach einem absolvierten Tauchkurs meist zuwenig Übung und
Erfahrung aufweisen, um sicher Tauchen zu können. Es ist kein „Meister“
vom Himmel gefallen, und wie in allen Dingen verliert man die Übung
und die nötige Sicherheit, wenn man etwas nicht regelmässig ausübt.
Es spricht überhaupt nichts gegen den überzeugten Urlaubstaucher,
immerhin hat nicht jeder Zeit, Tauchaktivitäten wöchentlich auszuüben.
Dass zwischen dem Urlaubstaucher und dem Taucher, der jede Woche ins Wasser
springt, ein Erfahrungs- und ein Sicherheits-GAP entsteht, ist jedem klar.
Also ist es eine Sache eines Einzelnen, der Tauchbasis ganz ehrlich zu
sagen, wo seine Unsicherheiten liegen; nur dann kann auch darauf eingegangen
werden. Also ist beim Tauchen falscher Stolz ganz klar fehl am Platz.
Kostenlose Sicherheit?
Jetzt ist es eine Frage der persönlichen Einstellung, wie man damit
umgeht. Warum soll sich ein Anfänger schämen, dass er noch nicht
soviel Erfahrung aufweist wie ein erfahrener Taucher? Warum also nicht
zugunsten der eigenen Sicherheit auf eine persönliche Begleitung bestehen,
um an den eigenen Tauchfertigkeiten und seiner persönlichen Erfahrung
zu arbeiten?
Warum wird oftmals darauf verzichtet? Ist es Stolz am falschen Platz
oder der finanzielle Aspekt? Also, beide Aspekte sollten zugunsten der Sicherheit
in Betracht gezogen werden.
Oft leisten auch die erfahrenen Taucher „ganze Arbeit“, indem Phänomene
wie „Luftverbrauch“, getauchte Tiefe und sonstige Prahlerei all diejenigen
mit weniger Erfahrung als unfähig dastehen lassen.
Aus unserer Sicht hat jeder einmal angefangen und ausnahmslos jeder
Taucher hat seine persönlichen Grenzen, die er auch genau kennt und
sich somit auch eingestehen sollte. Wo bleibt das Sicherheitsdenken der
erfahrenen Taucher, indem sie ein Tauchen mit „Anfängern“ schon von
vornherein ablehnen? Indem sie nicht bereit sind, all denjenigen etwas
weiterzugeben, die da sind, wo sie selber einmal standen? Wo bleibt das gegenseitige
Verständnis unter Tauchern, dass es eine Selbstverständlichkeit
ist, sich immer dem Schwächeren anzupassen und dafür in ausnahmslos
jeder Situation auch Verständnis aufzubringen?
Abchecken Gesundheitszustand?
Zum sicheren Tauchen gehört in jedem Fall, dass man sich in regelmässigen
Abständen einer ärztlichen Untersuchung beim qualifizierten Taucherarzt
unterzieht.
Bestimmt tut man dies nicht für das Diving Center, um Tauchen zu
dürfen, sondern für die eigene Sicherheit speziell unter Wasser.
Dass unter Wasser andere Gesetze gelten, lernen wir bereits in der Grundausbildung,
daher sollte auch hier ein Arzt beigezogen werden, welcher mit diesen Gesetzmässigkeiten
vertraut ist! Der Weg zum seriösen Check ist eine Selbstverständlichkeit.
Keine Tauchbasis ist in der Lage festzustellen, ob diese Tauchtauglichkeitsuntersuchung
seriös durchgeführt wurde, selbst wenn ein gültiges Attest
vorliegt. Hier sollte jeder für sich selbst bereit sein, diese Eigenverantwortung
zu tragen.
Tauchausbildungen?
Natürlich ist es für einen Tauchanfänger sehr schwer
abzuschätzen, ob er eine gute Tauchausbildung geniesst. Aber immer
noch hat man ein eigenes Gefühl, dem man trauen sollte und auch darüber
reden muss. Fühlt man sich mit dem Erlernten soweit sicher, dass man
darauf aufbauen kann? Oder merkt man, dass vielleicht das eine oder andere
noch nicht verstanden ist. Indem man nicht über seine Empfindungen
spricht, wird dem seriösen Tauchlehrer keine Möglichkeit gegeben,
an denjenigen Dingen noch weiterzuarbeiten, welche noch nicht klar sind.
Es geht nicht darum, viele Zertifikate vorzuweisen oder Zertifikate in
möglichst kurzer Zeit zu erlangen. Hier zeichnet sich ein Diving Center
durch eine beratende Funktion aus, um dem Schüler eine ehrliche Zusammenarbeit
anzubieten. Nur so können alle Beteiligten dabei ein gutes Gefühl
und den entsprechenden Erfolg haben. Die verschiedenen Tauchverbände
haben zwar alle ihre Rahmenbedingungen, wie die verschiedenen Levels erreicht
werden können, dennoch heisst es noch lange nicht, dass jeder gleich
schnell lernt oder sich gleich schnell für den nächst höheren
Level qualifiziert.
Wir haben uns als klares Ziel gesetzt, nur dann das nächst höhere
Zertifikat auszustellen, wenn der Schüler die benötigte Erfahrung
für diesen Level aufweist und damit die Leistungsanforderungen auch
erfüllen kann. Hier sollte seitens einer seriösen Tauchschule
nicht der kommerzielle Aspekt in den Vordergrund gestellt werden. Das ist
eine Grundeinstellung eines jeden einzelnen Menschen und hat nichts mit
den existierenden Verbänden zu tun.
Tauchunfälle/Eigenverantwortung tragen?
Vielleicht sollte man bei Tauchunfällen auch einmal den Werdegang
der Taucher, das noch vorhandene Wissen und vielleicht sogar die erhaltene
Ausbildung unter die Lupe zu nehmen, anstelle die Ursache da zu suchen,
wo sich der Unfall ereignet hat. Natürlich, darf die Tauchbasis
nicht ausser Acht gelassen werden, das ist ganz klar, aber es gibt bestimmt
mehr seriöse Tauchbasen als „schwarze Schafe“.
Wie will man "Tauchunfall" definieren? Dazu gibt es viele medizinische,
physikalische Erklärungen worauf wir hier nicht eingehen möchten.
Tatsache ist, dass es X Faktoren gibt, welche einen Tauchunfall auslösen
können. Hier kann man auch die Frage in den Raum stellen, warum passieren
Autounfälle, wo doch jeder seinen Führerschein gemacht hat?
Es ist unbestritten, dass ein Diving Center oder ein gut ausgebildeter
Guide sehr viel dazu beitragen können, diese zu vermeiden. Genauso viel kann
aber jeder Taucher selbst dazu beitragen, indem er die nötige Eigenverantwortung
trägt und diese nicht abschiebt.
Es ist uns allen klar, dass Faktoren wie .....
- Jo-Jo Tauchen
- zuwenig Flüssigkeit
- nicht einhalten der Nullzeit
- zu tiefe Tauchgänge
- zu schnelle Aufstiege
- sich nicht an die Anweisungen des Guides & der Tauchgangsplanung
zu halten
- Alkohol, Drogen, Medikamente
- schlechtes Befinden (tauche nur, wenn du dich wohl fühlst)
- Gruppenzwang
- mangelnde Fitness & Selbsteinschätzung
- eine fehlende seriöse ärztliche Untersuchung
- mangelnde Ausbildung und Kenntnisse der Gesetze unter Wasser
- Nichteinhalten persönlicher Grenzen
- usw.
.... einen sehr grossen Einfluss auf Tauchunfälle haben.
Gesundheitliche Schwächen können überall und in jeder
Situation auftreten, dementsprechend auch unter Wasser. Die persönliche
Einstellung, Disziplin und Eigenverantwortung sind Faktoren, welche wohl
einen wichtigen Beitrag dazu leisten könnten, Tauchunfälle
zu vermeiden. Genauso kann eine Tauchbasis dazu beitragen, indem gut gewartetes
Equipment, gut ausgebildete Guides/Tauchlehrer, Notfall- Infrastruktur
zur Verfügung gestellt werden und bestmögliche Sicherheitsvorkehrungen
getroffen werden.
Vertrauen?
Ist es nicht eine gegenseitige Vertrauensbasis? Warum gibt es immer
wieder Taucher die Tauchgängenach durchführen, ohne dem Guide Bescheid
zu sagen?
Es ist für niemanden schön, einen Unfall zu verbuchen, weder
für die Tauchbasis, noch für den Betroffenen.Was für eine Entscheidungsgrundlage
würde mit „schwarzen Listen“ geschaffen werden, indem man Tauchbasen
mit Unfällen auflistet? Ist es nicht auch eine Frage der Kapazitäten
einer Tauchbasis und eine damit verbundene Wahrscheinlichkeit eines Tauchunfalls?
Persönliche Grenzen?
Würde also jeder in seinen persönlich- und individuellen Grenzen
tauchen, sein Wissen up-to-date, sich an die Gesetzmässigkeiten und
Anweisungen beim Tauchen halten, dann sollte es eigentlich überhaupt
nicht zu einem Tauchunfall kommen. Sachliche Informationen zur gewählten
Tauchbasis sind umfangreich im Internet zu finden, so dass man hier selber
die Wahl hat, die Tauchbasis auszuwählen, die den eigenen, individuellen
Vorstellungen entspricht.
Tauchunfallversicherung vor Antritt des Tauchurlaubs?
Genauso wie Sicherheit bei den Tauchbasen vorausgesetzt wird, sollte
sich jeder Tauchurlauber vor Antritt der Reise für den Fall eines
Tauchunfalls absichern und die bestehende Deckung der Krankenkasse überprüfen,
und eventuell eine ergänzenden Tauchunfallversicherung in Erwägung
ziehen. Im Falle eines Unfalls wird ein schnelles Handeln und eine bestmögliche medizinische Versorgung im entsprechenden Land nicht nur
verbessert, sondern auch beschleunigt. Die Tauchbasis und sein Buddy sollte
somit unaufgefordert über die vorhandene Versicherungsdeckung in Kenntnis
gesetzt werden, um im Falle eines Unfalles das Einleiten einer Rettungskette
zu erleichtern.
Mangelnder Erfahrungsaustausch?
Ein sachlicher Erfahrungsaustausch zwischen betroffenen Tauchern und
involvierten Tauchbasen wäre wünschenswert. Dieser Austausch
wird solange nicht stattfinden, solange man alles daran setzt, in erster
Linie nur beidseitige Schuldzuweisungen zu machen, anstelle aus Fehlern zu lernen, indem
man sachlich bleibt und Spekulationen weglassen würde. Es wäre
an der Zeit, für Taucher eine umfassende Unfalldeckung als Pflicht
anzusehen, um so einen unbelasteten Erfahrungsaustausch überhaupt möglich
zu machen.
Unser Fazit
Würde beidseitig mit der nötigen Eigenverantwortung, den persönlichen
Grenzen, dem Ausbildungsstand sowie der Erfahrung angemessen getaucht,
dann sollten sich Tauchunfälle vermeiden lassen. Diese Einstellung
sollte für beide Seiten eine Selbstverständlichkeit darstellen,
also Tauchschule sowie Tauchurlauber.
Unser Schlusswort
Wir werden weiterhin alles daran setzen, unseren Gästen dabei zu
helfen, in ihren Grenzen zu tauchen, indem wir uns die Zeit nehmen, uns mit
Unsicherheiten der Gäste auseinander zusetzen, um so ein gegenseitiges
Vertrauen aufzubauen.
Wir werden weiterhin nur dann Taucher zertifizieren, welche die Leistungsanforderungen
für den gewünschten Level erfüllen und unsere Ausbildungen
in kleinen Gruppen dem individuellen Lerntempo anpassen.
Wir setzen alles daran, unseren Gästen die Sichtweise der Eigenverantwortung
mit auf den Weg zu geben.
Wir möchten unseren Gästen die Schönheiten des Roten
Meeres zeigen, denn nur so sind auch wir zufrieden; wenn jeder glücklich
und gesund mit schönen Erinnerungen nach Hause zurück kehrt.
Gleichzeitig möchten wir aber auch sagen, dass wir sehr glücklich
und dankbar sind für all diejenigen Gäste, die mit uns getaucht
haben. Denn sie haben dazu genauso viel wie wir beigetragen, immer
wieder sicher und gesund aufzutauchen. An dieser Stelle ein herzliches
Dankeschön an unsere Gäste! Allen Tauchern wünschen wir
allzeit gut Luft und grüssen die Leser dieses Artikels in der Hoffnung,
mit unseren Zeilen ein paar neue Gedanken und Aspekte angeregt zu haben.
Mimi & Tom
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