Tauchunfälle vermeiden

 Geschrieben von Mimi & Tom

Als regelmässige Besucher der Taucher.Net Seiten im Internet, verfolgen wir viele Berichte und Diskussionen auch in Sachen Tauchunfällen.

Es ist jetzt wohl mal interessant, dass sich hierzu auch einmal eine Tauchbasis als solche äussert und dazu vielleicht den einen oder anderen Input gibt. Wir möchten mit diesem Bericht keine Position beziehen, sondern einen Denkanstoss geben, um so etwas zu diesem Thema beizutragen.

Einleitung

Wir sind ein kleines Diving Center in Safaga/Ägypten, und zu unserer Philosophie gehört es, Tauchen mit persönlicher und individueller Betreuung anzubieten. Glücklicherweise wurden wir bis heute noch nie mit einem Tauchunfall konfrontiert, dies vielleicht auch deswegen, weil wir viel weniger Gäste haben als die vergleichsweise grossen Tauchbasen. Es gehört zu unserer persönlichen Überzeugung, ausschliesslich in kleinen Gruppen zu Tauchen.

Hier mal unsere Vorstellung über die Abläufe die in einen Unfall kulminieren können.

Tauchausbildung & die dazugehörige persönliche Einstellung?

Leider kommt es vor, dass zertifizierte Taucher (egal von welcher Organisation) eine mangelnde Ausbildung genossen haben oder diese liegt oft so lange zurück, dass viele wichtige Grundlagen zum Thema Tauchen einfach in Vergessenheit geraten sind. Hier ist es an der Zeit, an all diejenigen Taucher zu „appellieren“, welche sich unsicher fühlen und sich bewusst sind, dass sie nach einem absolvierten Tauchkurs meist zuwenig Übung und Erfahrung aufweisen, um sicher Tauchen zu können. Es ist kein „Meister“ vom Himmel gefallen, und wie in allen Dingen verliert man die Übung und die nötige Sicherheit, wenn man etwas nicht regelmässig ausübt.

Es spricht überhaupt nichts gegen den überzeugten Urlaubstaucher, immerhin hat nicht jeder Zeit, Tauchaktivitäten wöchentlich auszuüben. Dass zwischen dem Urlaubstaucher und dem Taucher, der jede Woche ins Wasser springt, ein Erfahrungs- und ein Sicherheits-GAP entsteht, ist jedem klar. Also ist es eine Sache eines Einzelnen, der Tauchbasis ganz ehrlich zu sagen, wo seine Unsicherheiten liegen; nur dann kann auch darauf eingegangen werden. Also ist beim Tauchen falscher Stolz ganz klar fehl am Platz.

Kostenlose Sicherheit?

Jetzt ist es eine Frage der persönlichen Einstellung, wie man damit umgeht. Warum soll sich ein Anfänger schämen, dass er noch nicht soviel Erfahrung aufweist wie ein erfahrener Taucher? Warum also nicht zugunsten der eigenen Sicherheit auf eine persönliche Begleitung bestehen, um an den eigenen Tauchfertigkeiten und seiner persönlichen Erfahrung zu arbeiten?

Warum wird oftmals darauf verzichtet? Ist es Stolz am falschen Platz oder der finanzielle Aspekt? Also, beide Aspekte sollten zugunsten der Sicherheit in Betracht gezogen werden.

Oft leisten auch die erfahrenen Taucher „ganze Arbeit“, indem Phänomene wie „Luftverbrauch“, getauchte Tiefe und sonstige Prahlerei all diejenigen mit weniger Erfahrung als unfähig dastehen lassen.

Aus unserer Sicht hat jeder einmal angefangen und ausnahmslos jeder Taucher hat seine persönlichen Grenzen, die er auch genau kennt und sich somit auch eingestehen sollte. Wo bleibt das Sicherheitsdenken der erfahrenen Taucher, indem sie ein Tauchen mit „Anfängern“ schon von vornherein ablehnen? Indem sie nicht bereit sind, all denjenigen etwas weiterzugeben, die da sind, wo sie selber einmal standen? Wo bleibt das gegenseitige Verständnis unter Tauchern, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, sich immer dem Schwächeren anzupassen und dafür in ausnahmslos jeder Situation auch Verständnis aufzubringen?

Abchecken Gesundheitszustand?

Zum sicheren Tauchen gehört in jedem Fall, dass man sich in regelmässigen Abständen einer ärztlichen Untersuchung beim qualifizierten Taucherarzt unterzieht.

Bestimmt tut man dies nicht für das Diving Center, um Tauchen zu dürfen, sondern für die eigene Sicherheit speziell unter Wasser. Dass unter Wasser andere Gesetze gelten, lernen wir bereits in der Grundausbildung, daher sollte auch hier ein Arzt beigezogen werden, welcher mit diesen Gesetzmässigkeiten vertraut ist! Der Weg zum seriösen Check ist eine Selbstverständlichkeit. Keine Tauchbasis ist in der Lage festzustellen, ob diese Tauchtauglichkeitsuntersuchung seriös durchgeführt wurde, selbst wenn ein gültiges Attest vorliegt. Hier sollte jeder für sich selbst bereit sein, diese Eigenverantwortung zu tragen.

Tauchausbildungen?

Natürlich ist es für einen Tauchanfänger sehr schwer abzuschätzen, ob er eine gute Tauchausbildung geniesst. Aber immer noch hat man ein eigenes Gefühl, dem man trauen sollte und auch darüber reden muss. Fühlt man sich mit dem Erlernten soweit sicher, dass man darauf aufbauen kann? Oder merkt man, dass vielleicht das eine oder andere noch nicht verstanden ist. Indem man nicht über seine Empfindungen spricht, wird dem seriösen Tauchlehrer keine Möglichkeit gegeben, an denjenigen Dingen noch weiterzuarbeiten, welche noch nicht klar sind.

Es geht nicht darum, viele Zertifikate vorzuweisen oder Zertifikate in möglichst kurzer Zeit zu erlangen. Hier zeichnet sich ein Diving Center durch eine beratende Funktion aus, um dem Schüler eine ehrliche Zusammenarbeit anzubieten. Nur so können alle Beteiligten dabei ein gutes Gefühl und den entsprechenden Erfolg haben. Die verschiedenen Tauchverbände haben zwar alle ihre Rahmenbedingungen, wie die verschiedenen Levels erreicht werden können, dennoch heisst es noch lange nicht, dass jeder gleich schnell lernt oder sich gleich schnell für den nächst höheren Level qualifiziert.

Wir haben uns als klares Ziel gesetzt, nur dann das nächst höhere Zertifikat auszustellen, wenn der Schüler die benötigte Erfahrung für diesen Level aufweist und damit die Leistungsanforderungen auch erfüllen kann. Hier sollte seitens einer seriösen Tauchschule nicht der kommerzielle Aspekt in den Vordergrund gestellt werden. Das ist eine Grundeinstellung eines jeden einzelnen Menschen und hat nichts mit den existierenden Verbänden zu tun.

Tauchunfälle/Eigenverantwortung tragen?

Vielleicht sollte man bei Tauchunfällen auch einmal den Werdegang der Taucher, das noch vorhandene Wissen und vielleicht sogar die erhaltene Ausbildung unter die Lupe zu nehmen, anstelle die Ursache da zu suchen, wo sich der Unfall ereignet hat. Natürlich, darf die Tauchbasis nicht ausser Acht gelassen werden, das ist ganz klar, aber es gibt bestimmt mehr seriöse Tauchbasen als „schwarze Schafe“.

Wie will man "Tauchunfall" definieren? Dazu gibt es viele medizinische, physikalische Erklärungen worauf wir hier nicht eingehen möchten. Tatsache ist, dass es X Faktoren gibt, welche einen Tauchunfall auslösen können. Hier kann man auch die Frage in den Raum stellen, warum passieren Autounfälle, wo doch jeder seinen Führerschein gemacht hat?
Es ist unbestritten, dass ein Diving Center oder ein gut ausgebildeter Guide sehr viel dazu beitragen können, diese zu vermeiden. Genauso viel kann aber jeder Taucher selbst dazu beitragen, indem er die nötige Eigenverantwortung trägt und diese nicht abschiebt.

Es ist uns allen klar, dass Faktoren wie .....

  • Jo-Jo Tauchen
  • zuwenig Flüssigkeit
  • nicht einhalten der Nullzeit
  • zu tiefe Tauchgänge
  • zu schnelle Aufstiege
  • sich nicht an die Anweisungen des Guides & der Tauchgangsplanung zu halten
  • Alkohol, Drogen, Medikamente
  • schlechtes Befinden (tauche nur, wenn du dich wohl fühlst)
  • Gruppenzwang
  • mangelnde Fitness & Selbsteinschätzung
  • eine fehlende seriöse ärztliche Untersuchung
  • mangelnde Ausbildung und Kenntnisse der Gesetze unter Wasser
  • Nichteinhalten persönlicher Grenzen
  • usw.

.... einen sehr grossen Einfluss auf Tauchunfälle haben.

Gesundheitliche Schwächen können überall und in jeder Situation auftreten, dementsprechend auch unter Wasser. Die persönliche Einstellung, Disziplin und Eigenverantwortung sind Faktoren, welche wohl einen wichtigen Beitrag dazu leisten könnten, Tauchunfälle zu vermeiden. Genauso kann eine Tauchbasis dazu beitragen, indem gut gewartetes Equipment, gut ausgebildete Guides/Tauchlehrer, Notfall- Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden und bestmögliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Vertrauen?

Ist es nicht eine gegenseitige Vertrauensbasis? Warum gibt es immer wieder Taucher die Tauchgängenach durchführen, ohne dem Guide Bescheid zu sagen?

Es ist für niemanden schön, einen Unfall zu verbuchen, weder für die Tauchbasis, noch für den Betroffenen.Was für eine Entscheidungsgrundlage würde mit „schwarzen Listen“ geschaffen werden, indem man Tauchbasen mit Unfällen auflistet? Ist es nicht auch eine Frage der Kapazitäten einer Tauchbasis und eine damit verbundene Wahrscheinlichkeit eines Tauchunfalls?

Persönliche Grenzen?

Würde also jeder in seinen persönlich- und individuellen Grenzen tauchen, sein Wissen up-to-date, sich an die Gesetzmässigkeiten und Anweisungen beim Tauchen halten, dann sollte es eigentlich überhaupt nicht zu einem Tauchunfall kommen. Sachliche Informationen zur gewählten Tauchbasis sind umfangreich im Internet zu finden, so dass man hier selber die Wahl hat, die Tauchbasis auszuwählen, die den eigenen, individuellen Vorstellungen entspricht.

Tauchunfallversicherung vor Antritt des Tauchurlaubs?

Genauso wie Sicherheit bei den Tauchbasen vorausgesetzt wird, sollte sich jeder Tauchurlauber vor Antritt der Reise für den Fall eines Tauchunfalls absichern und die bestehende Deckung der Krankenkasse überprüfen, und eventuell eine ergänzenden Tauchunfallversicherung in Erwägung ziehen. Im Falle eines Unfalls wird ein schnelles Handeln und eine bestmögliche medizinische Versorgung im entsprechenden Land nicht nur verbessert, sondern auch beschleunigt. Die Tauchbasis und sein Buddy sollte somit unaufgefordert über die vorhandene Versicherungsdeckung in Kenntnis gesetzt werden, um im Falle eines Unfalles das Einleiten einer Rettungskette zu erleichtern.

Mangelnder Erfahrungsaustausch?

Ein sachlicher Erfahrungsaustausch zwischen betroffenen Tauchern und involvierten Tauchbasen wäre wünschenswert. Dieser Austausch wird solange nicht stattfinden, solange man alles daran setzt, in erster Linie nur beidseitige Schuldzuweisungen zu machen, anstelle aus Fehlern zu lernen, indem man sachlich bleibt und Spekulationen weglassen würde. Es wäre an der Zeit, für Taucher eine umfassende Unfalldeckung als Pflicht anzusehen, um so einen unbelasteten Erfahrungsaustausch überhaupt möglich zu machen.

Unser Fazit

Würde beidseitig mit der nötigen Eigenverantwortung, den persönlichen Grenzen, dem Ausbildungsstand sowie der Erfahrung angemessen getaucht, dann sollten sich Tauchunfälle vermeiden lassen. Diese Einstellung sollte für beide Seiten eine Selbstverständlichkeit darstellen, also Tauchschule sowie Tauchurlauber.

Unser Schlusswort

Wir werden weiterhin alles daran setzen, unseren Gästen dabei zu helfen, in ihren Grenzen zu tauchen, indem wir uns die Zeit nehmen, uns mit Unsicherheiten der Gäste auseinander zusetzen, um so ein gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

Wir werden weiterhin nur dann Taucher zertifizieren, welche die Leistungsanforderungen für den gewünschten Level erfüllen und unsere Ausbildungen in kleinen Gruppen dem individuellen Lerntempo anpassen.

Wir setzen alles daran, unseren Gästen die Sichtweise der Eigenverantwortung mit auf den Weg zu geben.

Wir möchten unseren Gästen die Schönheiten des Roten Meeres zeigen, denn nur so sind auch wir zufrieden; wenn jeder glücklich und gesund mit schönen Erinnerungen nach Hause zurück kehrt.

Gleichzeitig möchten wir aber auch sagen, dass wir sehr glücklich und dankbar sind für all diejenigen Gäste, die mit uns getaucht haben. Denn sie haben dazu genauso viel wie wir beigetragen, immer wieder sicher und gesund aufzutauchen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unsere Gäste! Allen Tauchern wünschen wir allzeit gut Luft und grüssen die Leser dieses Artikels in der Hoffnung, mit unseren Zeilen ein paar neue Gedanken und Aspekte angeregt zu haben.

Mimi & Tom

http://www.toms-diver-house.ch info@toms-diver-house.ch

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