Vinkeveenser Sees - Der Februar

 Geschrieben von Andreas

Ein Jahr im Leben des Vinkeveenser Sees - Der Februar

Das Klima war dieses Jahr in mehrfacher Hinsicht anders als in den Jahren zuvor. Der Februar hatte nicht nur die meisten Sonnen-Tage seit Aufzeichnung des Klimas, er war auch an einigen Tagen extrem kalt. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Lebewesen im Vinkeveenser See, den wir ja dieses Jahr besonders genau beobachten wollen.

Trotz der vielen sonnenreichen Tage hat sich auf dem See eine so dicke Eisschicht gebildet, daß man dort bedenkenlos Schlittschuhlaufen kann. Für den See bedeutet das, daß die Umwälzung des Wassers so gut wie überhaupt nicht mehr stattfindet. Fische und andere Lebewesen müssen mit dem im Wasser gelösten Sauerstoff auskommen, bis das Eis wieder geschmolzen ist und die natürliche Umwälzung des Wassers durch Wind wieder stattfinden kann.

Für unsere heimischen Süsswasserschwämme hier am Wrack ist der Winter weniger gefährlich als für die Fische. Ein Schwamm besteht nämlich aus ungefähr 10 verschiedenen Typen von mehr oder weniger frei beweglichen Zellen. Jede dieser Zellen stellt ein separates Individuum dar, welches sich mit Individuen seiner eigenen Spezies zu einem Schwamm zusammen gruppiert und dort spezielle Aufgaben verrichtet. So haben einige Schwammzellen die Aufgabe Wasser durch den Schwamm zu strudeln, während andere die Nahrungsaufnahme oder die Fortpflanzung übernehmen. Im Winter bei niedrigen Temperaturen ist das Nahrungsangebot geringer, aber auch der Stoffwechsel verlangsamt. Der Tod einzelner Zellen bedeutet nicht den Tod des ganzen Schwammes.

Für unsere Süsswasserfische ist die Situation etwas komplizierter. Wenn der Sauerstoffgehalt im See zu gering wird, ersticken die Fische oder werden durch Schwefelwasserstoff vergiftet, der bei dem anaeroben Abbau organischen Materials entsteht. Viele Taucher haben bestimmt schon diesen fauligen Geruch bei Tauchgängen in überdüngten, sauerstoffarmen Gewässer wahrgenommen. Wir Taucher können uns diesem Nervengift entziehen, die im See befindlichen Lebewesen aber nicht.

Glücklicherweise ist der Vinkeveenser See aber nicht in dieser Situation. Hier können noch Hechte zu einigermaßen beachtlicher Größe heranwachsen. Dieser Hecht hat wohl inzwischen eine beachtliche Länge von einem Meter erreicht. Damit ist er an die Spitze der Nahrungspyramide im See gerückt. Daß er sich dieser Position bewusst ist, konnten wir daran merken, daß er vor Tauchern nur sehr wenig Scheu zeigt. Die einzige Gefahr die ihm hier droht, sind Angler und unsichtbare Umweltgifte.

Bei genauer Betrachtung dieses Hechts kann man den besonders stark gewölbten Magen erkennen. Der Hecht hat wohl vor gar nicht so langer Zeit Beute geschlagen und sie noch nicht vollständig verdaut. Im Wasser befindliche Schadstoffe reichern sich von einer Stufe der Nahrungspyramide zur Nächsten an. Angefangen von Mikroorganismen, über carnivore Zooplankter, pelagische Friedfische und pelagische Raubfische werden diese Umweltgifte immer weiter im Körpergewebe angereichert, bis sie irgendwann auf einer Stufe der Nahrungskette schädliche Konzentrationen erreichen. Der Hecht hat also hier im See, als Repräsentant der Spitze der Nahrungspyramide, die höchste Konzentration von Umweltgiften im Körper.

Im kalten, klaren Wasser haben wir jahreszeitlich bedingt die seltene Chance, relativ große Partien des Wracks zu überblicken. Durch die kurzen Wintertage bedingte geringere Sonneneinstrahlung und die geringere Wassertemperatur ist die Aktivität der Primärproduzenten herabgesetzt. Allgemeinverständlich ausgedrückt bedeutet dies, daß Algen und Phytoplankton kaum Photosynthese betreiben und dadurch weniger Biomasse erzeugen. Als Taucher erkennen wir diese Situation am verhältnismäßig klaren Wasser im See. Da Phytoplankton als Primärproduzent am Anfang der Nahrungskette steht, hat bei wenig vorhanden Primärproduzenten der Rest der Nahrungskette kaum Nahrung. Dies ist die Situation, die wir im Winter in unseren See vorfinden.

Um dem Nahrungsmangel im Winter zu entgehen, müssen Fische Energie einsparen, indem sie so wenig wie möglich davon verbrauchen. Deswegen sehen wir bei unseren winterlichen Tauchgängen viele Fische nahezu bewegungslos auf dem Seegrund ruhen. Alleine die langsame Bewegung der Kiemen verrät uns, daß der Fisch noch am Leben ist.

Produzieren, fressen und gefressen werden sind die Regeln, welche auch in unseren heimischen Gewässern eine wichtige Rolle spielen und die Nahrungskette am laufen halten. Grundlage der Nahrungskette ist aber auch die Reproduktion der Arten. Der erste Akt findet meist im Frühling mit der Partnerwahl, der Paarung und der Produktion von Nachkommen statt. Wir wollen versuchen im nächsten Monat diesen Lebensabschnitt genauer zu beobachten.


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19.06.2013 10:05 Taucher Online : 207
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