Whitsunday Islands

 Geschrieben von Andreas

Great Barrier Reef - die Whitsunday Islands: "Meine Damen und Herren, hier spricht Ihr Kapitän. Wenn sie links oder rechts aus dem Fenster sehen, können sie nichts sehen. Da es mir ganz genauso geht, musste ich die beiden vorausgegangenen Landeanflüge leider abrechen, da bei einer Flughöhe von nur noch 10m die Landebahn nicht sichtbar war. Wir versuchen es noch einmal, dann müssen wir nach Mackay fliegen um nachzutanken, da uns langsam der Sprit ausgeht."

Dazu kam es dann aber nicht - diesmal schaffte es der Pilot das Flugzeug runter zu bringen und auf der extrem kurzen Landebahn von Hamilton Island, einer Insel der Whitsunday Inselgruppe, zu landen. So hatte ich mir den Beginn meines Tauchaufenthalts in den Tropen nicht vorgestellt! Vom Balkon des Hotelzimmers hatte man theoretisch eine wunderschöne Aussicht über Catsay Bay, zu sehen war nur Regen. OK, ich hatte verstanden was mit Regenzeit gemeint ist, aber jetzt ist auch wieder genug.

Den meisten Tauchern dürfte das Great Barrier Reef ein Begriff sein. Das längste Barrier Reef der Welt erstreckt sich über eine Länge von 2500 km, bestehend aus fast 1000 Inseln, 3000 Einzelriffs und einigen hundert einzelnen Atollen. Die Gesamtfläche entspricht mit 250 000 km2 ungefähr der Größe der alten Bundesrepublik. Es zieht sich von den Torres Strait Islands bis hinunter nach Gladstone an der Küste von Queensland entlang. Neben ca. 350 verschiedenen Korallenarten, die helfen, die Riffe zu bilden, gibt es über 1500 verschiedene Fischarten, 4000 Weichtierarten und über 500 Schwämme. Ungezählte Tausende Krebse, Moostierchen, Weichkorallen, Seeanemonen und andere Lebewesen vervollständigen den Lebensraum Great Barrier Reef. Ungezählt stimmt hier im wahrsten Sinne des Wortes, denn neben den Regenwäldern gehört dieses Riff zu den biologisch noch am wenigsten erforschten Plätzen der Erde.

Die spektakuläre Einzigartigkeit des Great Barrier Reefs ist auch international anerkannt - es befindet sich auf der UNESCO Weltkulturerbe-Liste. Von den ungefähr 500 dort aufgeführten Orten erfüllen nur 13 alle vier UNESCO Kriterien - das Great Barrier Reef gehört dazu, genau wie Queenslands feuchte Tropenzone. Auch das australische Parlament hat erkannt, was für ein einzigartiger Lebensraum das Barrier Reef ist und verabschiedete 1975 den Great Barrier Reef Marine Parc Act. Dieses Gesetz teilt das Riff in 5 Zonen, zwei allgemeine, zwei Nationalparkzonen und eine wissenschaftliche Zone. In der Zone A allgemeine Nutzung ist bis auf Harpunieren mit Atemgerät, kommerzielles Bohren, Bergwerken und Abfallentsorgung praktisch alles erlaubt, inklusive kommerzielles Fischen - dieses und kommerzielle Schifffahrt sind in der Zone B allgemeine Nutzung verboten. Die Zone A Meeresnationalpark schützt speziell die natürlichen Rohstoffe, erlaubt aber einige Arten des Fischens. Die Zone B Meeresnationalpark weitet diesen Schutz aus - es darf nichts gesammelt & entfernt werden. Die Wissenschaftlichen Forschungs- & Schutzzonen sind für die Öffentlichkeit gesperrt, Forscher benötigen eine Sondergenehmigung.

Die meisten europäischen Taucher die am Great Barrier Reef tauchen wollen, zieht es nach Cairns, das zweifelsfrei das Zentrum der Touristentauchszene von Australien ist. Von hier aus fahren täglich unzählige Anbieter Tauchplätze im Inneren oder äußeren Riff an, man hat die Wahl zwischen kleineren (10 - 20 Taucher) und großen (bis ca. 450 Passagiere) Booten. Für jeden Geschmack und (fast) jeden Geldbeutel findet sich ein Anbieter. Es ist auch möglich von dort aus mehrtägige Tauchkreuzfahrten zu unternehmen - hier wird teilweise an Riffen getaucht, die praktisch noch unberührt sind.

Für Touristen die im australischen Sommer (November bis April) reisen hat Cairns jedoch einige Nachteile. Im tropischen Norden von Australien herrscht zu dieser Zeit Regenzeit und besonders die Gegend zwischen Cairns und Ingham zählt zu den niederschlagreichsten in Australien. Das stört die Tauchboote zwar weniger, allerdings kommt es in dieser Zeit immer wieder zu tropischen Wirbelstürmen, die für mehrere Tage eine Ausfahrt zum Riff verhindern. Gerade wenn man nur wenige Tage Zeit hat, birgt dies einiges an Risiko. Will man die Chancen erhöhen, muss man seinen Aufenthalt weiter im Süden planen. Ganz im Süden, am Ende des Barrier Reefs, gibt es die Bunker- und die Capricorn-Gruppe, zur letzteren gehört auch die berühmte Heron Insel.

Ein gutes Stück weiter nördlich, oberhalb von Mackay findet sich die Whitsunday Inselgruppe. Ihren Namen erhielt sie von Captain James Cook, der am Pfingstsonntag 1770 eine Passage fand und die Insel erforschte. Die Whitsundays bestehen aus ca. 150 Inseln verschiedener Größe und sind vulkanischen Ursprungs. Die Inseln bestechen durch teilweise paradiesische Strände, schöne, eigene Korallenriffe und natürlich der relativen Nähe zum Outer Reef.

Von den rund 150 Inseln sind nur 7 bewohnt, bzw. bieten Hotels oder Resorts. Auf einigen anderen kann man auf Wunsch und nach Anmeldung beim National Park Service auch Campen und so ein echtes Robinson Crusoe Erlebnis haben. Die wichtigsten Inseln sind:

Hayman Island

Wer auf der Flucht vor Paparazzi ist, gerne mal mit Musik- und Filmstars die Ferien verbringen möchte und das nötige Kleingeld hat, ist auf dieser Insel perfekt aufgehoben! Hayman Island ist die nördlichste Insel der Whitsunday Gruppe.

Hook Island

Die größte bewohnte Insel (Whitsunday Island ist unbewohnt). Auch hier gibt es eine große Resort-Anlage, die preislich aber unter der von Hamilton Island liegt. Außerdem gibt es hier auch einen Campingplatz, auf dem durch den örtlichen Laden auch längere Aufenthalte möglich sind. Hook Island hat neben schönen Wanderwegen als Attraktion eine Höhle mit Aboriginal- Zeichnungen und wunderschöne Korallenriffe

Long Island

Die lange Insel liegt nur wenige Kilometer vor der Festlandstadt Shute Harbour. Die zwei eher preiswerteren Resorts sprechen besonders ein jüngeres Publikum an. Abgesehen von Wanderungen durch den Regenwald liegt auch hier der sportliche Schwerpunkt eindeutig auf Wassersport: Tauchen, Schnorcheln, Jet- und Wasserskifahren - die ganze Palette kann hier ausprobiert werden.

Hamilton Island

Neben Hayman Island die einzige Insel die nicht als Nationalpark ausgewiesen ist. Dies hat u.a. zur Folge, dass sich auf dieser Insel ein der einzige Flughafen der Gruppe befindet. Da sich die Anzahl der Flüge aber im Rahmen hält, stört das nicht weiter. Die ganze Insel ist eine Resort-Anlage mit verschiedenen Unterkünften, von (relativ) einfachen Bungalows bis hin zur zweistöckigen Luxussuite mit eigenem Whirlpool. Die Insel bietet eine größere Anzahl an Restaurants, Bars und Einkaufsmöglichkeiten. Hier verbrachte ich letztes Jahr mit meiner Frau vier Tage. Wie richtig die Entscheidung für die Whitsundays war, zeigte sich an den Ausläufern des Sturms die unseren Anflug fast scheitern ließen und leider auch Ausfahrten zum äußeren Riff unmöglich machten. Das Zentrum dieses Zyklons war östlich von Cairns, mit der Folge, dass dort während unseres Aufenthalts keine Tauchschiffe den Hafen verlassen konnten.

Vor unserer Reise hatte ich Touren mit dem örtlichen Tauchcenter H2O Sportz gebucht. Dieses stellte sich als ein ziemlich kleine Tauchbasis heraus, vollgestopft mit Waren, die eher normale Touristen als Hardcoretaucher als Zielgruppe hatten. Bei einem Gespräch mit dem Personal stellte sich aber sehr schnell ein positiver Eindruck ein, was Kompetenz und Service betraf - beides wurde in den nächsten Tagen bei meinen Tauchtouren immer wieder bestätigt. Am nächsten Tag wurden wir nach dem Einchecken auf der Basis mit Ganzkörper 'Stinger Suits' sowie Shorties ausgerüstet. Die Stinger Suits' sind zu dieser Jahreszeit notwendig, weil es gefährliche Quallen gibt. Kurz nachdem wir dort waren, starb ein Mann, der ungeschützt in einer Bucht der Whitsundays badete, an den Folgen eines Quallenkontaktes.

Der Rest des Tauchequippments war schon an Bord des Tauchbootes, das sich als geräumiges Schiff entpuppte, mit Tauch- & Sonnendeck und einer klimatisierten Kabine, wo es umsonst Wasser, Tee und Kaffe gab; Sowie Cola etc. gegen einen geringen Betrag. Wir wurden vom Skipper Max begrüßt und gingen an Bord, wo als erstes ein Schiffssicherheitsbriefing stattfand. Anschließend überprüfte ich das Tauchequippment. Die Automaten (Aqualung) und Jackets (dito) sahen neu und gut gepflegt aus - ich hätte also nicht meinen Automaten durch die Weltgeschichte schleppen müssen, aber man weiß ja nie. An jeder Automatenkombination befand sich auch ein Tauchcomputer und in jeder Jackettasche befand sich eine Stabboje. Der erste Eindruck bezüglich Qualität der Ausrüstung und der Sicherheitsstandards war daher sehr gut.

Die erste Tour ging an das Ende von Hook Island zur Manta Ray Bay. Während das Boot sich mit beachtlicher Geschwindigkeit unserem Tauchplatz näherte, wurden in der Kabine nacheinander drei Briefings abgehalten: für die ausgebildeten Taucher, für die Tauchschüler und Schnupperer und eines für die Schnorchler. Unser Tauchguide Darren briefte uns ausführlich über die Fauna und Flora die wir sehen würden und besprach sehr detailreich alle wichtigen Sicherheitsthemen. Ich muss sagen, dass dies das beste und umfassendste Briefing war, das ich je vor einem Tauchgang hatte.

Manta Ray Bay gilt als eines der besten Tauchgebiete der Inselgruppe und bietet auch Schnorchlern ein tolles Erlebnis. Mit einer Maximaltiefe von nur 15m bietet es sich für ausgiebige Tauchgänge an, um die Korallenschluchten und Grotten zu erkunden. Highlight der Bucht ist der dort ansässige Napoleon Lippfisch - den wir leider nicht zu Gesicht bekamen. Auch die Mantas, die der Bucht den Namen geben waren leider nicht dort - zwischen Mai und September hat man die besten Voraussetzungen, sie zu sehen. Als wir dort waren, war das Wasser durch den Sturm sehr aufgewühlt, was unter Wasser geringere Sichtweiten, sowie teilweise beträchtliche Strömungen und an Bord vereinzeltes Fische-Füttern der Passagiere zur Folge hatte.

Am nächsten Tag ging es zur Luncheon Bay - direkt neben der Manta Ray Bay. Diese Bucht ist etwas geschützter, was besonders die nicht so seefesten Passagiere erfreute. Der Tauchgang war hervorragend, in der bis zu 25m tiefen Bucht gab es einen unglaublichen Artenreichtum an Weich- und Hartkorallen, unzählige Fischarten, wie Füsiliere, Riffbarsche, Kofferfische, Kaiserfische, Beaked Coralfish, Longnose Butterflyfish und viele mehr. Unser Dive Guide Darren erwies sich als perfekter Guide, nie aufdringlich zeigte er uns gleichwohl Tiere und Pflanzen die entweder zu klein waren, um von untrainierten Augen gesehen zu werden oder die gut versteckt unter Korallen waren. Der exzellente Pre-Dive Service setzte sich mit einem ebenso exzellenten After-Dive Service fort. Frische Früchte, Fruchtkuchen, Tee und Kaffe wurden an alle verteilt. Eine Nachbesprechung des Tauchgangs und der Logbucheintrag vollendeten einen faszinierenden und abwechslungsreichen Tauchgang.

Der dritte Tauchgang ging zu Maureen's Cove. Obwohl ich natürlich gerne an das Outer Reef gefahren wäre, erwies sich auch dieser Tauchgang wieder als einer der Extraklasse. Im Vergleich zu Mexiko, wo ich bei fast optimalen Bedingungen getaucht war, punktet das Great Barrier Reef selbst bei den inneren Riffen und schlechteren Wetterbedingungen durch seine unglaubliche Artenvielfalt- sowohl bei Korallen, wie auch Fischen.

Nach dem Tauchgang konnte ich wie an den vorangegangenen Tagen beobachten, wie sorgsam alles gecheckt wurde: Noch ehe wir an Bord gingen mussten wir Tauchzeit, Tiefe und Restluft melden. Gleichzeitig wurde vermerkt, dass wir an Bord gingen. Kurz vor der Abfahrt mussten wir dann noch abzeichnen, dass wir wieder an Bord waren und bei Abfahrt ging einer der Guides noch einmal herum und zählte alle. Sehr beruhigend - besonders wenn man weiß, dass der Grund für diese Vorsichtsmaßnahme ist, dass vor nicht allzu langer Zeit (1998) zwei Touristen in den Riffen vor Cairns "vergessen" wurden!

Tauchgebiete am äußeren Riff

Southern Face: Eines der besten Tauchgebiete des äußeren Whitsunday Riffs. Ca. 2 Stunden von der Inselgruppe entfernt, mit einer Tiefe von 5-30m (und ebensolcher Sicht) bietet es tiefe Furchen, bewachsen von Horn- und Weichkorallen. Riffbarsche, Drückerfische, Meeresschidkröten Mantas und Barrakudas können bei Tauchgängen meistens gesehen werden. Durch seine nicht teilweise geringe Tiefe ist es auch ein ideales Schnorchelriff.

Manta Ray Drop-Off: Laut Aussagen des H2o-Sportz Diveteams schlägt dieser Platz sogar South Face. Korallensteilwände, die bis auf eine Tiefe von 40m abfallen, Gorgonen, Peitschenkorallen Schwämme und die zahlreichen Fische bieten Photografen eine reiche Motivauswahl. Die Mantas nach denen der Tauchplatz benannt ist, schauen zwischen Mai und September vorbei. Mit ein bisschen Glück sieht man ganzjährig Haie.

Fantasea Reef World Platoon: Wer auf große Schiffe mit vielen Passagieren und einfachen Tauch- und Schnorchelgebieten steht, der ist hier genau richtig aufgehoben. Fantasea Reef Tours haben hier einen großen Pontoon verankert der inklusive Halb-U-Booten und einer UW-Aussichtsplattform alles bietet, um auch Nichttauchern die Riffwelt näher zu bringen. Auch für brevetierte Taucher durchaus interessant: die grandiose Fischwelt - wirklich große Riesen- Zackenbarsche, Schnapper- und Makrelenschwärme und vieles mehr.

Hardy Reef South: Ein für Taucher und Schnorchler gleichermaßen gut geeigneter Platz, allerdings kann es zu beträchtlichen Strömungen bei Südwind kommen. In den Seichtwassergebieten finden Schnorchler und Taucher eine spektakuläre Fischwelt vor mit Trompetenfischen, Riffbarschen, Anemonenfischen, Trompetenfischen, Drückern und Rotfeuerfischen, um nur ein paar zu nennen. Für Taucher interessant ist der korallenreiche Abhang der bis auf eine Tiefe von 30m relativ steil abfällt.

Little Fairey Inlet: Auch dieser Tauchplatz ist für Taucher und Schnorchler gleichermaßen geeigneter Platz. Mit einer Maximaltiefe von 20m und ebensolcher Sicht bieten sich dem Betrachter unzählige Stein- und Weichkorallen sowie Gorgonien dar. An der Steilwand halten sich Papagai- und Lippfische, Falter- und Kaiserfische sowie Juwelen-Zackenbarsche auf. Gorgonien- und andere Nacktschneckenarten verstecken sich in den Korallenvorsprüngen.

Pros & Cons
Was spricht also für und gegen einen Aufenthalt auf den Whitsunday Inseln:

+

  • In der Regenzeit ist die Chance, besseres Wetter als Cairns zu haben, ziemlich groß
  • Spektakuläre Tauchplätze an den Außenriffen
  • Sehr schöne Tauchplätze direkt an den Inseln
  • Gute Betreuung bei den Ausfahrten
  • Idealer Ort um die Seele ein wenig baumeln zu lassen

-

  • Relativ lange Fahrten zum Außenriff (ca. 2h)
  • Kein billiges Vergnügen

Gerade der letzte Punkt ist leider sehr schwerwiegend, da nicht nur die Unterkünfte, sondern auch die diversen Ausfahrten um einiges teurer sind, als entsprechende Angebote in Cairns. So kostet eine Tagesausfahrt zum Fantasea Pontoon inkl. 1 Tauchgang AUS$ 230,-! Allerdings muss man wissen, dass Tauchen in Australien generell kein billiger Spaß ist. Tauchgangspreise zwischen US$ 10-20, wie man sie in Mexiko finden kann, sind hier eher die Ausnahme.

Dennoch kann ich die Whitsundays und besonders Hamilton Island besonders Tauchern mit Nichttaucher-Partnern wärmstens empfehlen.

Weiterführende Informationen

  • Coleman, Neville; Great Barrier Reef, Bielefeld: Edition Naglschmid 1997 Hier finden sich die schönsten Tauchgebiete des Great Barrier Reef mit tollen Tauchplatzbeschreibungen
  • Albrecht, Steffen; Australien - Reisehandbuch, Dormagen: Iwanowski's Reisebuchverlag 2001 Meiner Ansicht nach einer der besten Reiseführer für Australien
  • Bryson, Bill; Down Under, London: Black Swan 2000 Kein Reiseführer im eigentlichen Sinn aber voller skurriler Geschichten. Unbedingt zu empfehlen!

Alle Bilder © Andreas Nowotny


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