Zürichsee Teil 1

 Geschrieben von Jessica

Mitten im Herzen des Kantons Zürich, sowie an den Rändern der Kantone St. Gallen und Schwyz, liegt der Zürichsee, Magnet für Naturliebhaber und Wassersportler aller Richtungen. Für Taucher ist dieser See das reinste Paradies, denn in der Regel gibt es ausreichend Parkplätze, die meist auch dicht am Tauchplatz liegen, er bietet sowohl Tiefe, als auch Beobachtungsmöglichkeiten an Tauchplätzen unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen.

Allgemein gilt zu sagen, dass das Tauchen in der Schweiz einfacher und problemloser ist, als in Deutschland. Grundsätzlich ist jeder See ein Tauchsee, ausser, er ist in Privatbesitz oder es wird ausdrücklich auf Tauchverbot hingewiesen. Tauchverbot herrscht selbstverständlich auch im Hafengebieten, an Anlegern und in Naturschutzgebieten. Einzige Bedingung: Am Ufer muss eine ausreichend grosse Alphaflagge gesetzt werden. Boote haben einen Abstand von mind. 50m zur Flagge einzuhalten. Sollte einen die Polizei ohne Flagge erwischen, wird es heftig teuer. Wie teuer, ist kantonal unterschiedlich. Am Zürichsee sind es 300 Schweizer Franken (215 Euro). Notfalls hilft auch selbst basteln. Nirgends steht geschrieben, dass es eine Teure aus dem Tauchshop sein muss.

Am Zürichsee gibt es sehr viele Seegrundstücke. Bitte unbedingt darauf achten, dass man keinen Privatbesitz betritt oder gar auf als privat markierten Parkplätzen parkt. Auf der gesamten Seeuferstrasse herrscht (bis auf wenige Ausnahmen) ein Tempolimit von 60km/h. Man ist gut beraten, dieses Limit einzuhalten. Es gibt sowohl stationäre, wie auch mobile Radarüberwachungen! Und Rasen ist in der Schweiz sehr teurer. Das Touristenvisum (ausländisches Autokennzeichen) schützt vor Busse nicht!

Der See ist 90 qkm gross, liegt 406m ueber dem Meeresspiegel und ist maximal 143m tief. Er ist ca. 30km lang und maximal 3.85 km breit. Die Ufer des Zürichsees dürfen zu Recht als eine Art Vorgarten der Stadt Zürich und der anliegenden Seegemeinden bezeichnet werden. Dank dem milden Klima sind sie zumindest teilweise mit entsprechend südlaendischer Flora gesegnet (ja, hier wachsen Palmen!). Vor der Stadt Zürich liegen schöne Villenvororte (Goldküste), und an den Gestaden des Sees erstrecken sich fruchtbare Weinanbaugebiete. Föhnige Wetterlagen bieten auch eine wundervolle Sicht auf die Glarner Alpen. Das besondere, was Taucher beachten müssen, ist, dass der See an fast allen Tauchplätzen schnell an Tiefe gewinnt. Nicht selten hat man bereits 30m vom Ufer bereits 45m Wassertiefe. Wirkliche Steilwände findet man nicht so oft, jedoch hat der Steil abfallende Grund fast schon Steilwandcharakter. Entsprechendes taucherisches Können und zwei getrennt absperrbare erste Stufen sind ein Muss! Am rechten Ufer herrscht eine leichte, zumeist kaum Merkbare Strömung vor, die aber nicht wirklich von Bedeutung ist. Man sollte sich ihrer jedoch bewusst sein.

Der See, ist analog dem Bodensee, mit einem Sturmwarnsystem ausgeruestet. Rund herum wurden rote Blitzlichter aufgestellt, die bei Sturmgefahr 40x pro Minute blinken. Man sollte in diesem Falle das Tauchen unterlassen. Auch wenn die Alpen je nach Standort 50km weg sind, kann der Sturm sehr schnell da sein. Das Wetter kann Blitzschnell umschlagen. Blinken die Lichter gar 90x pro Minute ist akute Sturmgefahr (oder er ist auch schon da, dann ist tauchen verboten! Man sollte sich in eigenem Interesse daran halten. Wellen können ganz schön hoch werden auf dem Zürichsee.

Noch ein dringender Tipp an Urlauber, die sich nicht lächerlich machen wollen: Auch wenn das Wort 'Grüezi' im Kanton Zuerich an der Tagesordnung ist (die Zentralschweiz und das Mittelland bezeichnen das hier daher auch als Grüeziland), lasst es :) Zumindest solange, bis euch jemand euer Grüezi-Diplom abgenommen hat. Es gibt viele fürchterliche Wege dies auszusprechen.... Bleibt neutral beim 'Guten Tag' oder wendet den Verschlucktrick an und sagt ' ~zi'. Das machen auch viele Schweizer so :)

Dieser erste Teil des Tauchfuehrers Zürichsee widmet sich der ersten Hälfte der Tauchplätze der rechten Uferseite (Flussrichtung der Limmat in Richtung Zürich).

Fuer alle Tauchplaetze gilt: Das Kursschiff fährt teils recht dicht an den Tauchplatz heran. Ggf. Zeiten auskundschaften und Tauchzeiten danach abstimmen. Auf vielen Teilen des Sees steigen zudem Surfer ein. Vorsicht beim Auftauchen im Sommer!

Tauchplatz 1: Zürich, Tauchzentrum Tiefenbrunnen

Von Zürich aus auf der Seestrasse Richtung Rapperswil fahren. Bei der Abzweigung Zumikon/Zollikon rechts abbiegen (eine Autorampe ist nicht zu übersehen). Man kommt an der Werft und am Tauchzentrum vorbei. Parken bitte unter der Brücke. Es gibt nur etwa 8 Parkplätze. Das Tauchgebiet befindet sich in etwa 100m Entfernung, am Betonwerk vorbei Richtung Hafen. Dort befindet sich eine Eisentreppe.

Dies ist ein guter Anfängertauchplatz. Der Grund fällt beim Einstieg leicht ab. Auf der linken Seite findet man eine Trinkwasserröhre. Wenn man dieser folgt, stösst man auf 10m auf eine Art Plattform und direkt daneben auf eine Tauchglocke. Auf 9 und 11m beobachten zwei Steinlöwen kritisch das Tauchgeschehen :) Links von der Röhre, auf 18m, findet man ausserdem ein versunkenes Boot. Am Einstieg ist eine Tafel angebracht, die Aussagt, dass die Wasserungsrampe und Zufahrten freizuhalten seien und im Gegenzug jeglicher Schiffsverkehr in der Sperrzone verboten ist, wenn die Alphaflagge gesetzt wurde. Trotzdem unbedingt auf Boote achten. Nicht jeder Skipper hält sich daran.

Tauchplatz 2: Kuesnacht, Terlinden

Von Zürich aus Richtung Rapperswil fahren bis zum Ortseingang. Auf der rechten Seite befindet sich ein Parkplatz. Wenn man an dem grossen Kamin an der Rechten Seite vorbei gefahren ist, ist man etwa 100m zu weit. Der Einstieg erfolgt über eine fuer Taucher recht schmale Leiter am Badesteg. Richtung Seemitte fällt der See auf 24m ab. Dort trifft man auf eine Felsklippe, die den Anfang einer Steilwand markiert, die bis auf 45m abfällt. Richtung Zürich getaucht, findet man dann grosse Canyonartige Spalten in der Felswand. In den diversen Nischen liegen Trüschen (Aalrutten) jeglicher Grösse. Der Anleger für das Kursschiff ist in direkter Naehe (siehe Bild)!

Tauchplatz 3: Kuesnacht, Schiffli

Nach dem Tauchzentrum Zuerisub in Küsnacht ist rechts ein kleiner Parkplatz mit nur 4 Stellplätzen, den man schnell übersieht. Markierungspunkt ist ein Spiegel gegenüber der Einmündung. Ist man am Hotel Ermittage vorbei, ist man 500m zu weit. Einstieg beim Schiffsteg. Achtung: Bootsverkehr! Richtung Zürich getaucht, stösst man bei ca. 28m auf eine Felswand, der Ausläufer jener, die man am Tauchplatz Terlinden betauchen kann. Am Grund (ca. 42m) sieht man grosse Felsblöcke. Auf 8m liegt ein versenktes Ruderboot.

Tauchplatz 4: Kuesnacht, Bellerive

In Küsnacht kurz vor dem Hotel Ermitage parken. Einstieg beim Bootssteg, Achtung Schiffsverkehr. Auf 9m Tiefe liegt das Wrack eines versunkenen Weidlings. Weiter Richtung Seemitte gelangt man zu einer Felswand, die auf etwa 30m endet.

Tauchplatz 5: Kuesnacht, Hotel Ermitage

Gegenüber der BP-Tankstelle befindet sich das Hotel. 30m hinter dem Hotel befinden sich Parkplätze, desweiteren einige entlang der Seestrasse. Das Hotel ist in einer Bucht gelegen, daher gibt es hier diverse Einstiegsmöglichkeiten. Wenn man den Spielplatz passiert hat, befindet man sich auf dem Richtigem Weg. Der Grund fällt relativ flach ab, ist daher auch für Anfänger geeignet (allerdings liegen hier auch Segelboote und im Sommer gibt es viele Schwimmer - Rücksicht nehmen!)

Links vom Hotelbootssteg liegt auf ca. 8m ein kleines Ruderboot. Diesen Privatsteg bitte nicht zum Ein- und Ausstieg benutzen. In der Mitte der Bucht befindet sich ein Holzsteg mit einer schräge, der benutzt werden kann, sofern nötig, da die Bucht an sich recht flach abfällt. Taucht man Richtung Zürich, kann man auf 15m den Sprungturm eines Schwimmbades entdecken, an dem eine Taucherglocke befestigt wurde. Die Felswand beginnt hier erst auf 30m.

Tauchplatz 6: Kuesnacht, Pflegeheim

An diesem Tauchplatz gibt es keine direkten Parkmöglichkeiten. Kurz vor dem Wegweiser zum Pflegeheim (aus Richtung Zürich kommend), befindet sich eine Badeanstalt. Hier darf man jedoch nur mit Eintrittskarte parken - es wird kontrolliert. Von daher eignet sich dieser Tauchplatz für Witterungen, wo normalerweise niemand schwimmen geht - bei Regen oder im Winter. Dann ist parken hier problemlos möglich. Zur Einstiegsstelle selbst führt zwar eine Strasse, dort ist jedoch Fahrverbot. Von Bad aus beträgt der Fussweg etwa 150m. Der Einstieg ist unmittelbar neben dem Anleger des Kursschiffes - unbedingt Fahrzeiten vorher abklären. Dieses Bild (vom Einstieg aus aufgenommen) verdeutlicht die Nähe zum Schiffsanleger.

Es befindet sich eine teilweise überhängende Felswand in einer Tiefe von etwa 15-30m. In den Rissen darin kann man oft Trüschen (Aalrutten) bewundern. Auf ca. 40m soll sich ein Trinkwasseransaugstutzen befinden, den ich jedoch selbst noch nie gesehen habe. Im Austauchbereich (an das Kursschiff denken!) kann man viele Egli (Barsche) und Wandermuscheln bewundern.

Tauchplatz 7:Erlenbach, kleiner Parkplatz

Fahrtrichtung Rapperswil befindet sich am Ortsausgang von Erlenbach ein kleiner Parkplatz zwischen Bäumen an der Strasse. Dort geht eine Treppe zum See hinab. Weitere Parkmöglichkeiten befinden sich auf dem nahen Schotterwendeplatz, etwa 80m weiter. Der grosse Parkplatz ist etwa 100m entfernt. Der Einstieg ist an ein paar angelegten Steintreppen unterhalb der Kaimauer oder alternativ an der angelegten Plattform.

Dieser Tauchplatz ist relativ unspektakulär. Man findet einzelne grosse Felsbrocken, bei 17m beginnt die Steilwand, die teilweise Überhänge hat. Positiv ist jedoch zu bewerten, dass hier kein direkter Bootsverkehr stattfindet.

Tauchplatz 8: Herrliberg, grosser Parkplatz

Etwa 100m nach dem kleinen Parkplatz gelangt man beim Ortseingang Herrliberg an einen recht grossen Parkplatz. Der Tauchereinstieg befindet sich im vorderen Teil. Die Wiese ist bei feuchtem Wetter sehr rutschig. Der Einstieg befindet sich dort, wo man am Ufer eine grössere Steinplatte sehen kann.

Das Tauchgebiet an sich ist mit drei gelben Bojen markiert. Da sich dort auch diverse Liegeplaetze für Segelboote befinden, immer ein Auge auf selbige haben. Das Ufer fällt hier recht Steil ab. Die Boje, die sich am nächsten zum Ufer befindet, kann zum Abtauchen benutzt werden - die Kette endet auf 12m. Von den drei gelben Bojen, führt je eine Kette zum Ausstieg. Man kann sie als Merkhilfe verwenden. Wenn man ihnen beim Austauchen begegnet, weiss man immer, wo man sich befindet. Es gibt hier keine Steilwand, doch der sedimenthaltige Grund fällt so steil ab, dass man ca. 30m von Ufer bereits 50m Wassertiefe erreicht hat. Gelegentlich sieht man dort einen versunkenen Baum, der im Zwielicht eine eigenartige Stimmung verbreitet. Im Sommer auch Einstiegsstelle für Surfer!

Tauchplatz 9: Herrliberg, Badeplatz Steinrad

Dieser Tauchplatz befindet sich am Ende des grossen Parkplatzes. Einstieg ist jedoch auf dem Grund und Boden des Herrliberger Seebades. Hier dürfen nur Ortsansässige Baden - ob man zum Tauchen hier herein darf, hängt vom Kassenwart ab und von der Füllung des Bades. Je kühler der Tag und je früher am Tag, desto grösser die Chance. Im Winter ist das Tor zum Bad im übrigen verschlossen. Das grillen ist hier verboten!

Rechts weg, Richtung Zuerich tauchen, Vorsicht steil! Die Badeflösse sind auf etwa 20m verankert. Auf etwa 25m beginnt ein kleiner Überhang, wo man oft Trüschen, Muscheln und Barsche bewundern kann.

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