© 2003 Oliver Meise
- Keine Gewähr -
Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg lag die gesamte deutsche Handelsflotte
darnieder. Was bei Kriegsausbruch an Schiffen in neutralen Häfen interniert
wurde, mußte genauso wie die noch übriggebliebenen und nicht
im Krieg versenkten Frachtschiffe als Reparation an die Kriegsgegner ausgeliefert
werden. Erst nach einiger Zeit wurde unter Auflagen den deutschen Reedereien
wieder erlaubt mit eigenen Schiffen zu verkehren.Noch später durften
dann in Deutschland auch wieder größere Handelsschiffe gebaut
werden. Eines jener Schiffe wurde 1927 von der in Hamburg beheimateten
Hamburg-Amerika-Linie bei der Deutschen Weft AG in Hamburg in Auftrag gegeben.
Das neue 7.369 BRT große Schiff war als kombiniertes Fracht- und
Passagier-Motorschiff konzipiert und sollte im Liniendienst nach der Westküste
von Nordamerika eingesetzt werden. Alsbald ging die Deutsche Werft AG dann
auch in ihrem Betrieb Hamburg-Finkenwärder daran das später 146m
lange und 18,7m breite Schiff auf Stapel zu legen. Nach und nach nahm das
Schiff mit der Baunummer 104 Gestalt an. Zunächst wurde der Schiffsrumpf
mit den 13.619 m3 fassenden Laderäumen fertig. Hierin befanden sich
auch schon die anderweitigen Einbauten wzB. die beiden 5.400PSe starken
Siebenzylinder-Zweitaktdiesel der Firma MAN.Schließlich machte man
sich an die Decksaufbauten und installierte hier auch die Kajüten
für die 24 Passagiere, sowie die Abteile der III.Klasse für weitere
24 Passagiere. Nachdem das 14 Knoten schnelle Schiff schließlich
fertiggestellt war, lief es nach nur einem knappen Jahr Bauzeit 1928 vom
Stapel. Während dieser Zeremonie wurde es gemäß dem am
Ende der Linienstrecke entlang der nordamerikanischen Westküste liegenden
Hafenstädchen auf den Namen MS Seattle getauft. Nach der Verholung
des Schiffes aus dem Werftbecken wurde es an der Ausrüstungskaje alsbaldig
fertig ausgerüstet. So konnte noch im selben Jahr das Schiff an seine
63 Mann starke Besatzung übergeben, und unter dem Kommando von Kapitän
Carsten in Dienst gestellt werden. In den Folgejahren zockelte das Schiff
mit dem Unterscheidungssignal RGTD dreimal im Jahr gemütlich in jeweils
beide Richtungen über den Atlantik und passierte den Panamakanal um
nach Hamburg oder der Westküste der USA zu laufen.

Diese Routine wurde lediglich im Jahre 1930 einmal unterbrochen,als
das Kommando auf dem Schiff wechselte.Neuer "Alter" wurde Kapitän
Schöning. Doch ansonsten blieb alles beim alten und blieb auch die
nächsten Jahre so. Mit einer Ausnahme: in Deutschland änderten
sich die politischen Verhältnisse und Knobelbecher kamen zu unverdienten
Ehren. Deren Besitzer ließen bei ihren Überlegungen auch die
Handelsmarine nicht außer acht. Denn je länger aber ein Krieg
dauert, desto wichtiger wird der Frachtraum eines Schiffes.Man ging also
zunächst davon aus,daß sich bei Ausbruch etwaiger Feindseligkeiten
50-65% der deutschen Handelsflotte in ausländischen Gewässern
befinden würden -und somit auch wie im 1.Weltkrieg für Deutschland
verloren wäre. Um dies zu verhindern, wurde auf eine Idee des Oberbefehlshabers
der Reichsmarine Dr. h.c. Raeder hin schon 1934 die deutsche Handelsschiffahrt
mit Gegenmaßnahmen vertraut gemacht, die einen Verlust von Schiffen
in Überseeischen Gewässern verhindern sollten. Diese waren in
der geheimen Sonderanweisung für Handelsschiffe zusammengefaßt
und sollten im Kriegsfall von den Reedern verschlüsselt an die mit
dem geheimen Funkcode "H" ausgestatteten Kapitäne gefunkt werden.Anläßlich
der Tschechenkrise im Jahre 1938 zeigte es sich jedoch,daß die Reeder
lieber ihre Schiffe in neutrale Häfen legten statt die auf die risikoreiche
Fahrt nach Deutschland zu schicken,weshalb nun die Aufgabe der Übermittlung
der
Sonderanweisung für Handelsschiffe aus den Händen
der Reeder genommen wurde und dem Reichsverkehrsministrium bzw. dessen
Seeschiffahrtsbevollmächtigten übergeben wurde. Im Kriegsfalle
unterstanden somit die deutschen Handelsschiffe nicht mehr ihren Reedern,sondern
dem Reichsverkehrsministerium. Dies alles traf auch auf die mittlerweile
mit dem Unterscheidungssignal DIFA fahrende
MS Seattle zu. Hier
wechselte 1938 der Kapitän. Kapitän Schöning wechselte in
den Ruhestand und der "neue" -Kapitän Hermann Lehmann- kam an
Bord.

Kapitän Lehmann war ein alter Hase und fuhr schon seinen Lebtag
in Frieden und Krieg zur See. Nun hatte er eigentlich sogar schon das Pensionierungsalter
hinter sich, wollte aber die Seeluft nicht missen. Und so schipperte auch
er mit dem Schiff zwei Mal über den Atlantik ohne daß sich auf
diesen Reisen etwas besonderes ereignet hätte.Nur daheim war es unruhig.
Ein äußeres Anzeichen dieses Umstandes war,daß man in
Hamburg neben vollgepackten Laderäumen ein fast ausverkauftes Passagierlogis
hatte -sämtliche Passagiere waren Juden die nach Salvador,Guatemala,
Los Angeles, San Franzisko oder eben Seattle wollten.

Nachdem das Schiff abfahrbereit war, wurden am 28. Mai 1939 die Leinen
losgeworfen für die Fahrt nach Nordamerika...
Die Reise über den Atlantik verlief wie sonst auch ohne Zwischenfälle,so
daß man die karibischen Häfen Puerto Barrios und Telo bald hinter
sich lassen konnto um den Panamakanal zu befahren. Hiernach waren Punta
Arenas, La Libertad und San Jose die nächsten Anlaufhäfen. Am
10. Juli errecihte das Schiff schließlich mit Los Angeles den ersten
amerikanischen Hafen. Nach dem nächsten Hafen San Francisco schipperte
die MS Seattle durch die Straße von Juan de Fuca und lief
mit Nordkurs in den Puget Sound. Von hier aus ging es nach Tacoma wo man
am 31. Juli anlangte und Stückgüter,Schnitthölzer,Weizen,Trockenfrüchte
und Baumstämme lud. Mit vollen Laderäumen machte nun das Schiff
kehrt und lief den Anlaufweg zurück unter beständigem zu- und
abladen. So kam man dann am 6. August wieder in San Francisco an und nahm
am 9. August knapp 30.000 Kisten Südfrüchte und einiges an Stückgütern
über. Außerdem tankte man die großen Treibstofftanks des
Schiffes mit Gasöl voll um für die Heimfahrt gut gerüstet
zu sein. Am nächsten Tag schon wurde der Anker gelichtet und Kurs
auf den Panamakanal genommen. Entgegen dem Fahrplan bekam die Schiffsleitung
unterwegs aber die Funknachricht doch noch in Champerico,San Jose und La
Libertad Station zu machen um dort Ceibastämme zu laden. Das wurde
dann auch gemacht -kam dadurch aber erst am 24. August wieder auf die Ostseite
des Panamakanals in den Atlantik. Hier mußte in Christobal noch die
von der Westküste mitgebrachte Küstenladung gelöscht werden
und die Fracht nach Europa übernommen werden. Und so füllten
sich die Laderäume mit Stückgütern,Honig,Fellen,sowie Kaffee
und Kakao für Bremen und Hamburg. Auch das sehr bequeme Passagierlogis
füllte sich zufriedenstellend.

Insgesamt konnte man Passagegelder für elf Kajütpassagiere
und 23 Passagiere der III.Klasse auf die Habenseite buchen. Mittlerweile
zogen sich jedoch die Wolken über Europa zusammen und die Luft zum
greifen mit Unheil geschwängert. Überall war man sich bewußt
nur wenige Tage von einem großen Unheil entfernt zu sein. Und so
gab das Reichsverkehrsministerium zwischen 01.00 Uhr und 05.00 Uhr am frühen
Morgen des 25. August an die Funkstation Norddeich die Order, die erste
Warnnachricht für die deutsche Seeschiffahrt in Sachen Sonderanweisung
für Handelsschiffe in den Äther zu funken. Dies war die QWA
7. Die internationale Funkgruppe QWA ist an sich die Mitteilung,daß
eine Weitergabenachricht gefunkt wird die von den empfangenden Schiffen
auf der Welt sofort wiederholt und damit an Schiffe weitergeleitet werden
muß die nur über schwache Funkanlagen verfügen. Die nach
dem geheimen Schlüssel "H" kodierte Nachricht QWA 7 besagte:
"Nächste Woche wie verabredet Beobachtungen nehmen für Deutsche
Seewarte.Essberger." Dies war für die Kaptiäne deutscher Seeschiffe
der verabredete Satz nach dessen Erhalt die versiegelten Umschläge
mit den Sonderanweisung für Handelsschiffe geöffnet werden
durften. Soweit die Schiffe diese QWA 7 bekamen und die versiegelten Umschläge
öffneten, lasen sie nun die ersten Anweisungen: Sofort die Hauptschiffahrtsrouten
verlassen und sich 30 bis 100 Seemeilen außerhalb der Dampfertrecks
aufhalten! Sie unterstehen ab sofort ausschließlich den Weisungen
des Reichsverkehrsministeriums! Weitere Nachrichten abwarten!
Auch Kapitän Lehmann von der MS Seattle erhielt diese QWA
7. Nur befand er sich nicht auf hoher See,sondern noch in Christobal.
Eine sofortige Nachfrage beim Deutschen Konsul in Panama führte zu
keinem verwertbaren Ergebnis,weshalb der Kapitän nun abrupt alle Ladearbeiten
einstellen ließ und das Schiff beschleunigt seeklar machen ließ.
Wenig später war die MS Seattle aus Christobal verschwunden.
In der Hatz des schnelle Aufbruchs bekam man an Bord die QWA 8
nicht mit. Diese wurde ein paar Stunden nach der QWA 7 durch die
Funkstation Norddeich und Rügen verbreitet und beinhaltete folgende
Schlüsselsätze: " 1. Warten Sie auf Anwesiungen. 2. Inhaber
des Steuermannspatentes Große Fahrt namhaft machen. Essberger." Dies
waren die vereinbarten Sätze die es einem jeden Schiff aufgaben in
die Heimat zurückzukehren.Hierbei sollte das Schiff getarnt und der
Englische Kanal nicht benutzt werden.Außerdem sollte von nun an für
alle Funkmitteilungen der Schlüssel "H" verwendet werden.
Von alledem ahnte man an Bord der MS Seattle nichts,da man schlicht
keine Funknachricht aufgefangen hatte.Stattdessen schlich sich das Schiff
abgeblendet fahrend dicht unter der Küste den Golf von Darien entlang
und strebte dem kolumbianischen Hafen von Cartagena zu. Hier angekommen
verlangte man von deutschen Konsul Aufklärung -der konnte aber mangels
Wissen auch nicht weiterhelfen. In der Zwischenzeit hatte der Kapitän
mit seinen Offizieren schon eine Durchbruchsroute nach Deutschland für
das Schiff ausgeknobelt. Als ehemaligem Angehörigen der Kaiserlichen
Marine waren ihm die Durchbruchsrouten des legendären deutschen Hilfskreuzers
SMS
Möve geläufig.Auf dessen Spuren sollte es nun um die
Nordspitze Englands über die norwegischen Küstengewässer
mit Südkurs gen Heimat gehen! Dummerweise war der schön verpackten
Sonderanweisung
für Handelsschiffe aber kein entsprechendes Kartenmaterial beigefügt.
Erschwerend kam hinzu,daß weder in Christobal noch Cartagena auch
nur ein Fitzelchen der benötigten Karten aufzutreiben war.
Am 27. August fing man aber die QWA 9 auf. Diese hatte den Inhalt:"Alle
Möglichkeiten ausnutzen, um innerhalb der nächsten vier Tage
Heimathafen zu erreichen.Falls nicht möglich,Spanien,Italien, Japan,Rußland,Niederlande,andernfalls
neutrale Häfen gehen.Auf keinen Fall Vereinigte Staaten. Marineleitung."
Sofort ging Kapitän Lehmann in Cartagena Ankerauf und lief mit Heimatkurs
ab.In seinem Kielwasser folgten die beiden Fracht- und Passagierschiffe
des Norddeutschen Lloyd - die 7.915 BRT große SS Este und
die 5.7825 BRT messende MS Hannover. Diese befanden sich zusammen
mit dem 4.007 BRT großen Fracht- und Passagier-Motorschiff
der Reederei H.C. Horn MS Mimi Horn in Cartagena in der gleichen
Bredouille wie die MS Seattle und nutzten nun die Gelegenheit zusammen
durchzubrechen.
Der nächste Tag brachte dann mit QWA 10 weitere Verhaltensmaßregeln.
Nach der Entschlüsselung konnte man lesen: "Auch über die W-Nachricht
9 gegebene Frist hinaus gemäß Sonderanweisung Abschnitt B,Wortlaut
V und VI möglichst Heimat zurückkommen.Vorher gegebenenfalls
Brennstoff auffüllen. Marineleitung." Nur - entschlüsseln mußte
man diese Nachricht ersteinmal! Auf deutschen Schiffen dieser Zeit gab
es jedoch keinen regelrechten Funker.Diese Aufgabe wurde von einem der
Wachoffiziere gewissermaßen nur "miterfüllt". Es gelang aber
weder dem Kapitän noch zwei weiteren Schiffsoffizieren QWA 10
vollständig zu entschlüsseln. Da man für eine Rückreise
mindestens 14 Tage brauchte ,selbst wenn man die Passagiere einfach mit
auf die ungewollte Reise mitnähme, mußte man laut Anweisung
also einen Hafen anlaufen wie in den QWA beschrieben. Der nächste
Hafen dieser Art der auf der Strecke lag, war Willemstad auf holländischen
Karibikinsel Curacao.
Hafen von Willemstad
© 1972 Orell
Füssli Verlag
Dort war man am 29. August vormittags auch schon angelangt. Die MS
Seattle war nicht das einzige deutsche Schiff im Hafen.Curacao war
für die karibische Seeschiffahrt ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt
und auch eminent wichtiger Ölumschlagplatz. Und so befanden sich schon
vor der Ausgabe der ersten Warnnachricht QWA 7 die deutschen Motorschiffe
MS
Karibia und MS Heinz Horn sowie der deutsche Dampfer SS Alemania
und das ebenfalls deutsche Tankschiff SS Nordmeer der Hamburger
Reederei Essberger in Willemstad. Nach dem Senden der QWA 7 kam
auch noch die deutsch bereederte MS Phönicia und der riesengroße
deutsche 32.581 BRT- Passagierdampfer
SS Columbus hinzu.Zu dieser
recht beachtlichen deutschen Flotte gesellten sich noch zahlreiche kleine
deutsche Küstendampfer die in den südamerikanischen Gewässern
als Zubringer für die großen Hapag und Lloyd-Schiffe dienten.
Diese liefen alle nach Erhalt des QWA 9 Curacao an und legten sich
zu den anderen Schiffen in das Schottegat. Im einzelnen handelte es sich
um die Dampfer SS Wesermünde,SS Este und die Motorschiffe
MS
Patricia,MS Hannover,MS Mimi Horn,MS Frisia und MS Henry Horn.
Läßt
man die SS Columbus außen vor, eine recht beachtliche Menge
von knapp 40.000 BRT wertvollen Schiffsraums! Kein Wunder, daß diese
Schiffsansammlung schon bald Begehrlichkeiten auf Seiten der Kriegsgegner
weckte. Dem kamen aber einige Kapitäne zuvor wzB. Kapitän Rieck
von der MS Heinz Horn.Er büxte schon am 25. August aus und
erreichte als das schwedische Motorschiff MS Axel Johnson getarnt
am 1. Oktober Hamburg.Ebenfalls am 25. August machte sich Kapitän
Georg Hessler mit der MS Phönicia von Curacao aus auf den Weg
in die Heimat.Die MS Phönicia erreichte am 14. September als
das holländische Motorschiff MS Pericles getarnt den befreundeten
Hafen Murmansk.
Nur einige Tage nach diesen beiden Schiffen machte am 30.August auch
der Passagierdampfer SS Columbus endgültig die Leinen in Willemstad
los. Nach einer Odyssee durch diverse Häfen wurde der Passagierdampfer
bei Annäherung des britischen Zerstörers HMS Hyperion
schließlich am 19. September 240 Seemeilen querab der US-Küste
von Nantucket selbstversenkt.
Doch nicht jeden zog es von der Insel fort. Schon
vor Kriegsausbruch war ein Trupp deutscher Taucher auf Curacao eingetroffen
und wollte partout nicht zurückreisen.kein Wunder: unter ihnen befand
sich kein geringerer als der Tauchpionier Hans Hass!
© 1972 Orell
Füssli Verlag
Dieser befand sich mit einigen Jugendfreunden
die mit nach Curacao gekommen waren gerade auf seiner ersten Auslandsexpedition.
v.l.n.r.: Alfred von Wurzian, Jörg, Hans Hass
© 1972 Orell
Füssli Verlag
Mißtrauisch beäugt wurden sie schließlich
auf die kleine Insel Little Bonaire verbannt -und tauchten dort wie die
Weltmeister um die Unterwasserwelt zu erleben.
© 1972 Orell
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Auf Curacao wurden wegen der deutschen Schiffe
mittlerweile hinter den Kulissen Maßnahmen der Lokalbehörden
angeschoben -nicht zuletzt auf gutes Zureden des
britischen Botschafters hin. Und so erschienen am 2. September auch
Soldaten und Beamte an Bord der MS Seattle um das Schiff nach Waffen
zu durchsuchen.Außerdem wurden sämtliche Radiogeräte beschlagnahmt
und die Funkstation ausgebaut. Die Geheimpapiere fanden sie jedoch nicht,da
Kapitän Lehmann den Funkschlüssel in seinen Wachmantel eingenäht
hatte.Der gegenüber den Behörden geäußerte Wunsch,
doch wenigstens die größtenteils ausländischen Passagiere
an Land geben zu können um diesen eine Weiterreise nach eigenem Ermessen
zu ermöglichen, war bereits am 30. August abschlägig beschieden
worden.Auf einer Kapitänskonferenz der im Hafen festliegenden Schiffe
wurde besprochen, ob und wie man in die Heimat Durchbrechen solle. Hier
erhielt Kapitän Lehmann auch von Kapitän Grass eine Mißweisungskarte,
die erst mal bis 24° Ost reichen sollte. Ansonsten kam man aber zu
keinem Ergebnis. Mittlerweile waren an Land Maschinengewehre und kleine
Geschütze aufgefahren worden um zu verhindern,daß die Dampfer
ohne Genehmigung der holländischen Behörden das Weite suchten
-eine überflüssige Maßnahme da die Hafenausfahrt durch
eine Pontonbrücke gesperrt war und nur nach zwölfstündiger
Voranmeldung geöffnet wurde. Einige Tage später trudelt nun ein
"Kollege" ein: der 8.269 BRT Hapag-Dampfer
SS Vancouver.Auch er
war auf hoher See von den politischen Gegebenheiten überrascht worden
und suchte nun in Willemstad Zuflucht. Da man von der Landseite keinen
Nachschub erhält,muß man nun sowohl der Treibstoff wie auch
die Lebensmittel einteilen. Da die Ladungen der verschiedenen Schiffe recht
gemischt sind und man sich gegenseitig aushilft, ist dies kein Problem.
Auf der SS Seattle denkt man trotzdem darüber nach die treibstoffkonsumierenden
Kühlmaschinen für die 30.000 Kisten Südfrüchte abzustellen.
Mit Erlaubnis der Hafenverwaltung und unter Bewachung eines holländischen
U-Bootes läuft das Schiff kurz aus dem Hafen und knallt den Fischen
vor dem Hafen tonnenweise Zitronen und Apfelsinen auf die Köpfe. Die
mittlerweile von den holländischen Behörden zurück nach
Curacao und an Bord der SS Vancouver befohlene Tauchtruppe rund
um Hans Hass erlebt diese Südfrüchteschwemme als Segen vom Paradies,
denn viele der schmackhaften Vitaminspender sind frisch und werden vom
Meer an den Stränden angespült.
© 1972 Orell
Füssli Verlag
Da die Taucher sich frei an Land bewegen können,
nehmen sie die Gelegenheit zu ausgedehnten Apfelsinenschlachten wahr :-)
Nach der Rückkehr der Früchte schmeißenden
Schiffe in den Hafen erschien am 7.September ein Gerichtsvollzieher
mit starken Zoll- und Polizeikräften ua. auch
an Bord der MS Seattle. Wegen einer
Hypothek des Londoner Bankhauses Kleinworth Sons&Co. wurden alle deutschen
Schiffe im Hafen gepfändet und mit einer bewaffneten Zollwache an
Bord an die Kette gelegt. Wert der Forderung: 18.000 Pfund Sterling. Ein
durchsichtiges Manöver! Man will die deutschen Schiffe in Curacao
festhalten bis eine Militäreinheit eines Kriegsgegners heran ist um
die Schiffe dann nur noch einzusammeln. Einziger Lichtblick ist hier der
Umstand,daß man nach und nach die Passagiere von Bord geben kann
und diese schließlich mit holländischen und italienischen Dampfern
ihr Ziel wohlbehalten erreichen.
Mittlerweile hat man auf dem Tanker SS Nordmeer die Zeichen
der Zeit erkannt und büxt Abends am 9. Dezember trotz Bewachung von
Curacao aus.Kapitän Schubert erreichte mit seinem Schiff am 5. Januar
1940 das neutrale spanische Vigo und später noch die Gironde.
Am 23.Dezember läßt die auf Curacao sehr einflußreiche
englisch-niederländische Royal Dutch Shell-Company über die zuständigen
Behörden die deutschen Schiffe aus dem sicheren Hafen hinauswerfen.
Die Behörden befehlen ihnen in der San Miguel-Bucht hinter einem Korallenriff
zu ankern und dort das weitere abzuwarten.
MS Seattle vor Anker in der San Miguel - Bucht
© 1972 Orell
Füssli Verlag
Dieser Ankerplatz ist nichts als eine offene Seereede dreihundert Meter
von Land entfernt ohne geeigneten Ankergrund.Neben der Tatsache daß
man jederzeit von hoher See zusammengeschossen werden konnte befanden sich
bis dicht unter Land große Ankertiefen -und auf Korallengrund konnten
Anker keinen Halt finden. Trotz dieser fruchtlosen Beschwerde des Kapitäns
beim Oberstaatsanwalt von Willemstad mußte man schauen wie man zurechtkam.
Immerhin wurden aufgrund der Bezahlung der Schuld von 18.000 Pfund Sterling
die bei der Londoner Bank die deutschen Schiffe freigegeben.Zu Weihnachten
gab es dann ein besonderes Geschenk: beim Eingeborenendorf am Ufer wurde
eine Militärstation errichtet und Maschinengewehre mit Schußrichtung
auf die deutschen Schiffe in Stellung gebracht.
Taucher an Land unter Aufsicht eines bewaffneten Postens
© 1972 Orell
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Auch zur See tat sich wenig erfreuliches. Dort kreuzte nun nämlich
in einem Abstand von zwei bis drei Seemeilen zur Küste der französische
6.496t-Schulkreuzer Jeanne d`Arc zusammen mit einem kanadischen
Kreuzer und einem englischen Kanonenboot der Dundee-Klasse. Sollten nun
jemals die deutschen Schiffe ihre Nase aus den neutralen Gewässern
herausstrecken oder sollte Holland Kriegspartei werden,war es vorbei! Den
Januar 1940 verbringt die Besatzung der MS Seattle damit, das Schiff
gegen eine plötzliche Wegnahme zu sichern indem man überall an
zentralen Stellen des Schiffes leicht brennbare Materialien aufhäufte.
Im Ernstfalle würde man diese einfach anzünden und somit dem
Feind die Möglichkeit nehmen das Schiff zu erbeuten.Außerdem
wurden die Aufbauten grau angestrichen, so daß das Schiff nachts
vor denen mit Büschen bewachsenen Abhängen an Land von See aus
kaum auszumachen war.Am 7.Januar 1940 wurden die deutschen Schiffe wiederum
beschlagnahmt: dieses Mal ging es um eine Schuld von 66.666 Pfund Sterling,
13 Schilling und 4 Pence gegenüber dem Bankhaus Henry & Schröder
Co. in London.Ende Januar kommt Besuch an Bord.Der Abgesandte der Deutschen
Botschaft in Venezuela Dr. Poensgen kommt aus Caracas und bittet die übrigen
Kapitäne der deutschen Schiffe vor Ort zur Besprechung. Er teilt ihnen
mit,daß laut einem Funkspruch des Reichsverkehrsministeriums in Berlin
mit einem baldigen Kriegseintritt der Niederlanden gegen das Deutsche Recih
zu rechnen ist und daß deshalb an einem Stichtag alle fahrbereiten
Schiffe in See zu gehen haben um in die Heimat durchzubrechen. Aufgrund
der Treibstoff- und Proviantlage kamen für einen derartigen Durchbruch
aber nur noch die MS Seattle, MS Mimi Horn, MS Vancouver und MS
Hannover in Frage. Außerdem taten sich noch vielfältige
andere Probleme auf.Wie sollte man zB. an den Bewachern vorbeikommen die
dort auf hoher See lauerten? Und wie würden sich die Wachmannschaften
an Land verhalten wenn man einfach abhaut? Gleich am nächsten Tag
verabreden Kapitän Lehmann und der Kapitän der MS Vancouver
Volquardsen die Truppen an Land zu testen: in der nun folgenden Nacht lassen
die Kapitäne die Ankerwinschen an.An Land hört man das Rasseln
der Ankerspille und strahlt mit großen Scheinwerfern prompt die Schiffe
an.Gleich danach richtet man die Scheinwerfer hinaus auf die offene See
und signalisiert den Bewachern. In dem Verdacht bestätigt, marschierten
beide Kapitäne am nächsten Tag zum zweithöchsten Beamten
der Insel nach dem Gouveneur -dem Generalstaatsanwalt von Willemstad- und
beschwerten sich über das wenig neutrale Verhalten der Wachmannschaften
an Land. Dieser gibt beiden Schiffsführern recht und erwirkt ein regelgemäßes
Verhalten. Damit verblieb für die Ausreißer nur noch das Problem
mit den Wachschiffen auf hoher See....
Leider fährt jeden Morgen der englische Konsul mit seinem Wagen
zum Strand und kontrolliert ob noch alle deutschen Schiffe vor Anker liegen.
Jede Änderung teilt er per Funk den Schiffen auf See mit. Mittlerweile
hat es sich an Land herumgesprochen,daß einige Schiffe bald ausbrechen
wollen. Grund: Einige von anderen Schiffen bei der MS Seattle an
Bord eingestiegene Matrosen haben in den Spelunken vor Ort den Mund nicht
halten können. Offiziell wird das Vorhaben nun abgeblasen und die
Sündenböcke werden publikumswirksam von Bord geschickt. Insgeheim
denkt man natürlich garnicht an eine Aufgabe des Vorhabens und hat
bereits bis Ende Januar die Anker bis dicht unter die Wasseroberfläche
hochgezogen.Auch die Festmacher waren hinter den Pollern durchgeschlagen
und das Schiff lag nur noch an den Bojen fest. Bei einem plötzlichen
Aufbruch mußten vorn und achtern nur noch die Wieren losgeworfen
werden. Fehlte nur noch die Gelegenheit zum Ausbüxen. Ob sich eine
solche ergibt mußte herausgefunden werden.Und so wanderten die beiden
Kapitäne Lehmann und Volquardsen Tag für Tag an Land und erklommen
anläßlich eines harmlosen Spaziergangs regelmäßig
einen nahegelegenen Hügel von wo aus sie einen ausgedehnten Blick
hinaus auf das Meer und die vor der Bucht lauernden Schiffe werfen konnten.
Monatelang ändert sich nichts an diesem Bild. Am 4. März 1940
ändert sich die Situation plötzlich: der französische
Kreuzer war um 04.00 Uhr früh mit hoher Geschwindigkeit nach Osten
abgefahren. Gegen Mittag legte sich an Stelle des Kreuzers der kanadische
Zerstörer auf die Lauer. Aber auch er war am Nachmittag verschwunden.Scheinbar
haben Gerüchte nach denen deutsche U-Boote in der Karibik operieren
sollten die beiden Schiffe auf die Jagd gehen lassen. Diese günstige
Gelegenheit konnte man sich nicht durch die Lappen gehen lassen! Und so
machten die Kapitäne der MS Mimi Horn, MS Seattle,MS Hannover
und
MS Vancouver ihre Schiffe seeklar um bei Einbruch der Nacht
um 20.00 Uhr unauffällig zu verschwinden. Da man nicht wußte
ob nicht doch noch ein feindliches Kriegsschiff vor der Küste lag
wurde alles zum Versenken vorbereitet und auch Zündmittel für
die Brandstellen an Bord bereitgelegt.Langsam mogelte sich das Schiff aus
der Bucht und verschwand in der Dunkelheit -gerade noch rechtzeitig, denn
die Jeanne d`Arc kehrte zurück und legte sich noch in der gleichen
Nacht wieder an alter Stelle auf die Lauer. Da die MS Vancouver
und auch die MS Hannover nicht rechtzeitig genug Dampf aufmachten,
kamen sie in dieser Nacht nicht mehr aus der Bucht heraus. Dies gelang
nur noch der MS Hannover in der nächsten Nacht.Die MS Mimi
Horn sowie die MS Seattle entwischten jedoch und steuerten mit
Südkurs auf die venezolanische Küste zu. Damit befinden sich
beide Schiffe in karibischen Gewässern.Die Karibik selbst ist jedoch
im Westen von Südamerika begrenzt und auf den anderen Seiten durch
die großen und kleinen Antillen sowie unzähligen Inselchen abgeschirmt.
Ungesehen hier durchzukommen, ohne daß das Auftauchen eines nicht
gemeldeten Schiffes unmittelbar Verfolger heranruft, ist schwierig. Schließlich
entscheidet Kapitän Lehmann sich für eine nächtliche Passage
zwischen den Inseln Tobago und Barbados hindurch. Am 7. März steht
die MS Seattle in diesem Gebiet, dreht wegen des vielfältigen
Tankerverkehrs aber wieder ab. Da ein Nachlassen dieser Verkehrsströme
nicht zu erwarten war, mußte an einem anderen Ort der Zugang zur
offenen See gesucht werden. Mit halber Fahrt steuerte man nun Union Island
bei den Grenadinen an.Diese werden am Vormittag des nächsten Tages
zwar erreicht, jedoch mußte man tagsüber noch außer Sichtweite
bleiben um den Bewohnern an Land nicht aufzufallen.
Am gleichen Tag wurde die MS Hannover von Feindzerstörern
gesichtet und vom kanadischen Zerstörer HMCS Assiniboina gejagt.Querab
der Mona-Passage bei der Insel Santo Domingo wurde die Lage jedoch hoffnungslos
und das Schiff wurde brennend und mit geöffneten Seeventilen aufgegeben.Ein
Prisenkommando des kanadischen Kriegsschiffes konnte das sinken jedoch
verhindern und brachte es als Kriegsbeute in einen Hafen ein.Aus der MS
Hannover wurde 1941 der erste Geleitflugzeugträger der Alliierten:
die HMS Audacity. Dieser wurde nur kurze Zeit später von dem
deutschen U-Boot U 751 versenkt.
Am Tag wo die MS Hannover aufgebracht wurde,näherte sich
die MS Seattle bei Anbruch der Dämmerung schließlich
Union Island und konnte tatsächlich ohne weitere Behinderungen in
den Atlantik vorstoßen. Die nächsten Tage und Nächte drückte
sich die MS Seattle mit Höchtgeschwindigkeit auf nordöstlichem
Kurs über den Atlantik. Damit man tagsüber nicht weiter auffällt,wurde
das Schiff mit russischen Reedereizeichen getarnt.Auch eine in der Bordtischlerei
entstandene Holzkanone wird auf dem Heck aufgestellt um das Bild abzurunden.
Nachts fährt die MS Seattle selbstverständlich vollständig
abgeblendet um nicht durch ein verräterisches Licht seine Anwesenheit
zu verkünden. Nachrichten kann man nicht mehr empfangen da ja in Curacao
die Funkanlage ausgebaut wurde. Der Wissensdurst über die allgemeine
Weltlage kann nur Dank eines geistesgegenwärtig bei der Durchsuchung
der Holländer vom II. Wachoffizier versteckten Radios gestillt werden.
Der Wunsch nicht weiter aufzufallen wird nun jenseits des 50. Breitengrades
davon unterstützt,daß kein Schiff mehr in Sicht kommt. Da man
für den Durchbruch weit nach Norden ausholt, wird es allmählich
auch kälter.Auf der Höhe von Grönland fällt dann die
Entscheidung über den weiteren Kurs: man läuft wegen der Gefahr
dort englischen Fischdampfern zu begegnen nicht zwischen Island und den
Faröern entlang, sondern wählt die Passage durch die Dänemarkstraße.
Mit weiterem Vordringen auf diesem Weg fiel schließlich die Temperatur
auf nunmehr überhaupt nicht mehr tropische minus zwölf Grad Celsius.
Auch die Wetterverhältnisse waren echt nordisch: Schneetreiben, Sturm
und schlechte Sicht. Aber vor allem letzteres kam ja der MS Seattle
entgegen und verhüllte sie vor den neugierigen Augen eines hier möglicherweise
herumfliegenden englischen Aufklärungsflugzeuges.
Umgefähr zur selben Zeit ist die mit der MS Seattle in Curacao
ausgerissene MS Mimi Horn in der Dänemarkstraße unterwegs.Sie
hat aber nicht so viel Glück und wird am 28.März von dem britischen
16.923 BRT-Hilfskreuzer HMS Transsylvania erwischt. In der Einsicht
dem schnelleren Gegner nicht entkommen zu könnne, läßt
Kapitän Groebner die Besatzung in die Rettungsboote gehen und versenkt
sein Schiff.
Die MS Seattle aber rundete mit einem Abstand von 60 Seemeilen
die Nordwestecke Islands und steuerte bei erreichen von 70° Nord auf
die im Osten gelegene neutrale norwegische Küste zu. Diese kam am
30. März gegen sieben Uhr Abends auch in Sicht. Schwierigkeiten mit
der von Schneefall behinderten Sicht und fehlendes Kartenmaterial führte
nun am nächsten Tag zu einer Suche nach mit Sicherheit zu identifizierenden
Landmarken. Erst um 04.30 Uhr morgens konnte man am 31. März mit einiger
sicherheit das Blinkfeuer von Narvik ausmachen. Da man über keinen
Lotsen für diese Gewässer verfügte, heuerte man einen vorbeifahrenden
Fischer für 300 Kronen, mit Kurs Tromsö vorauszulaufen.Hier kam
die MS Seattle um 12.00 Uhr an und konnte endlich wieder den Anker
fallen lassen! Da an Land Sonntag ist und das Schiff eine Ruhepause nötig
hat läßt man nun den liben Gott einen guten Mann sein und macht
sich erst am nächsten Tag auf die Stümpfe um mit dem Deutschen
Konsulat in Narvik zu telefonieren.Hier erhält man die nachricht,daß
man nach Haugesund weiterfahren solle um sich mit dem dortigen Konsul in
Verbindung zu setzen um das weitere für die Heimfahrt zu mitgeteilt
zu bekommen. In einer Buchhandlung ersteht Kapitän Lehmann außerdem
noch die Seekarten für das Seegebiet zwischen Tromsö und der
Heimat. Am 2. April setzt man dann um 04.00 Uhr morgens mit zwei Lotsen
an Bord die Fahrt fort und läuft unter Lotsenabgabe in Lödingen
mit Südkurs Richtung Heimat. Unterwegs kommt aber vor Harstad ein
Wachboot heran und zwingt es in Harstad einzulaufen. Grund der erneuten
Untersuchung: Die MS Seattle soll unberechtigterweise die norwegische
Flagge geführt haben. Da man seit Insichtkommen der norwegischen Küste
aber lediglich die schwarz-weiß-rote Reichsflagge an der Gaffel führte
konnte das nicht stimmen. Lediglich die sowjetischen Hoheitszeichen die
zut Tarnung auf den Lukendeckeln aufgemalt waren mußten nun entfernt
werden. Schließlich durfte MS Seattle nach energischem Protest
seitens Kapitän Lehmann weiterfahren und schloß sich ab dem
Vestfjord einem von Narvik kommenden Geleitzug mit Südkurs an. Am
6. April kam man dann abends in Haugesund an, wo der Kapitän den Konsul
daheim aufsuchte und um weitere Anweisungen bat. Dieser trug dem Kapitän
auf mit den norwegischen Wachfahrzeugen innerhalb der norwegischen Gewässer
weiter nach süden zu laufen bis das Schiff die schwedischen Gewässer
erreichen würde.Hier sollte mit schwedischen Lotsen bis nach Halmstad
gefahren werden. Nach Lotsenabgabe sollte Kurs auf den Großen Belt
genommen werden um dort einen Kiregslotsen zu übernehmen der die MS
Seattle samt ihrer Fracht in den deutschen Hafen bringen sollte. Außerdem
gab der Konsul Kapitän Lehmann noch einige Spezialkarten und Leuchtfeuerverzeichnisse
mit die für die Fahrt noch gebraucht wurden. Und so schippert die
MS
Seattle am 8. April zuerst in Begleitung zweier norwegischer Wachboote
los.

Bei Stavanger werden diese abgelöst vom norwegischen Zerstörer
Gyller.
Nach einigen Stunden kommt starker Nebel auf und beide Schiffe müssen
regen Gebrauch von ihren Nebelhörnern machen. Gegen Abend kommt die
Gyller
plötzlich längsseits und erklärt in den querab liegenden
Hafen von Kristiansand-Süd einlaufen zu müssen. Weiter weist
der norwegische Bewacher das deutsche Schiff an, bis zur Rückkehr
vor Anker zu gehen und abzuwarten. Wohl oder übel muß man nun
auf 60m Wassertiefe vor dem Feuerturm von Oksö ankern und den nächsten
Tag abwarten. Dieser schicksalsschwere 9. April 1940 bringt früh am
Morgen eine Wetterbesserung und die MS Seattle kann um 05.00 Uhr
die Fahrt fortsetzen. Gerade erst eine kurze Strecke gefahren, zerreißt
die Nebelwand querab und gibt den Blick frei auf einen in Kiellinie fahrenden
Flottenverband. In nur einer halben Seemeile Entfernung kommen mehrere
Torpedoboote und ein Kreuzer heran.
Was man nicht wußte: Man war mitten in die deutsche Operation
"Weserübung" geraten! Dies war der Name für die militärische
Besetzung Norwegens. Damit kam man den schon zum gleichen Zweck auf hoher
See befindlichen Truppen aus Großbritannien nur einen Tag zuvor!
Im Laufe der letzen Tage waren mehrere Flottenverbände aus deutschen
Häfen ausgelaufen und hatten jeder einen anderen norwegischen Hafen
zum Ziel. Bei dem Kriegsschiffverband den Kapitän Lehmann am 9. April
1940 erblickte, handelte es sich um die 1.100 Mann Bodentruppen nach Kristiansand
befördernde "Kriegsschiffstaffel Kristiansand". Diese auch Gruppe
4 genannte Formation setzte sich aus den Torpedobooten Luchs,Seeadler
und
Greif
sowie der 2. Schnellbootflottille mit den sieben Schnellbooten
S 7,
S 8,S 17,S 30,S 31,S 32 und S 33 inklusive des Schnellbootbegleitschiffs
Tsingtau
und dem Leichten Kreuzer Karlsruhe zusammen. Sie war am Vortag um
05.30 Uhr morgens aus Wesermünde ausgelaufen und hatte den Regimentsstab
des zur 163. Infanteriedivision gehörenden Infanterieregimentes 310
nebst dem dazugehörigen I.Battalion sowie die Radfahrschwadron 234
an Bord. Außerdem befanden sich noch 150 Mann der Marineartillerie
an Bord der Schiffe und die 9. Kompanie des III.Battalions vom IR 310.
Dieses Kontingent sollte gegebenenfalls vorhandenen Wiederstand niederkämpfen
und Kristiansand besetzen.
An Bord des Leichten Kreuzers Karlsruhe erkennt man zwar
die plötzlich auftauchende MS Seattle, jedoch kann sie zunächst
nicht als deutsches Schiff identifizieren. Auch auf der Brücke des
deutschen Motorschiffes ist Kapitän Lehmann sich über die Nationalität
des Kriegsschiffverbands nicht im klaren und hält ihn für ein
britisches Geschwader. Um diesem nicht in die Hände zu fallen, wollte
er sich zwischen den Inseln Flekkerö und Kinn hindurchlavieren.Hierzu
war ua. eine Drehung um 90° nach Backbord notwendig. In diesen beengten
Seewegsverhältnissen mit einem Einschraubenschiff und rechtsdrehender
Schraube gar nicht so einfach. Über das was nun passierte herrscht
Uneinigkeit und man kann viele unterschiedliche Beschreibungen finden.
Überlassen wir deshalb das Wort dem an Bord der Karlsruhe eingeschifften
"Küstenbefehlshaber norwegische Südküste" Konteradmiral
Otto Schenk.
Leichter Kreuzer Karlsruhe
Er stand auf dem Signaldeck des deutschen Kreuzers und konnte die Ereignisse
gut verfolgen. Auch er sah die ihm damals noch unbekannte
MS Seattle.
Sie schien sich zwischen der Insel Oksö und der
Karlsruhe vorbeidrücken
zu wollen. In diesem Augenblick erfolgt gut hörbar ein Abschuß.
Hinter dem Kreuzer steigt vor dem nachfolgenden Schiff -der Tsingtau-
eine hohe Wassersäule auf. Dies war der erste Schuß aus den
schweren Geschützen der Festung Odderö.Sie liegt dem Hafen von
Kristiansand vorgelagert und deckt die Hafeneinfahrt und besteht aus einer
Batterie mit zwei 21cm-Schnellfeuerkanonen und zwei Batterien 15cm-Schnellfeuerkanonen
mit jeweils drei Geschützen. Hinzu kommt noch eine Haubitzenbatterie
mit vier 24cm-Geschützen. Angesichts der alten französischen
Marinemaxime nach der eine Kanone an Land 100 Geschütze zur See aufwiegt,
hat der deutsche Flottenverband nichts zu lachen! Da die deutschen Kriegsschiffe
aber auf die Einfahrt zufahren,können sie auch nur die Buggeschütze
zum Einsatz bringen und nicht die ganze Breitseite.Ein ungleiches Gefecht
bei dem der Verlierer von vornherein feststehen muß -und so drehen
die deutschen Schiffe nach einigen aus 7.000m Entfernung abgegebenen Salven
mit einer Gefechtskehrtwendung ab und zieht sich hinter eine zur Deckung
des Rückzuges angelegten künstlichen Nebelwand zurück.
Da man so nicht weiterkommt, wird die Unterstützung der Luftwaffe
angefordert. Diese erscheint auch prompt mit fünf Heinkel 111-Bomber
vom Kamfgeschwader 26 und fliegt die Festung Odderö an um die Batterien
dort zu bomben und zu zerstören.

Hierbei löst sich eine der geworfenen Bomben zu früh und fällt
auf die im Anflugweg der Bomber herumschippernde
MS Seattle. Anderen
Darstellungen zufolge soll zunächste eine der schweren norwegischen
Granaten aus der Festung Odderö etwa zwanzig Meter vor dem Bug des
Schiffes eingeschlagen sein.Unmittelbar darauf soll sich dann mittschiffs
eine schwere Detonation ereignet haben die auch noch auf der Brücke
alles durcheinanderwarf. Kapitän Lehmann verdächtigte im nachhinein
auch den im Hafen liegenden norwegischen Zerstörer Gyller ihm
mittschiffs eine 15cm-Granate verpaßt zu haben.Konteradmiral Otto
Schenk bestätigte auch einen Artillerieeinsatz der Gyller auf
die MS Seattle.Wie auch immer - die Detonation mittschiffs verursachte
einen Brand der schnell um sich griff und das Verlassen des Schiffes notwendig
machte. Da die Rettungsboote an Backbord schon ein Raub der Flammen waren,wurden
nun diejenigen and der Steuerbordseite besetzt und ausgeschwenkt. Hiermit
konnte sich die gesamte Besatzung retten und zur Insel Flekkerö hinüberrudern.
Hier kam sie kurzzeitig bis zur Einnahme von Kristiansand durch die deutschen
Truppen in Gefangenschaft.
Greif, Seeadler und Luchs im Hafen von
Kristiansand
Am 10. April fuhr Kapitän Lehmann zusammen mit dem 1. Offizier
Jürgensen, dem Leitenden Ingenieur Ihlbrock sowie dem Hafenkapitän
Kapitänleutnant Zahn nocheinmal herüber zur mittlerweile in die
Innenschären abgetriebenen MS Seattle.Diese brannte immer noch
lichterloh. Die wertvolle Getreide-,Kaffee-, Baumwoll-,Kakao- und Holzladung
gab dem Feuer noch drei Tag Nahrung -dann versank die MS Seattle.
Trotz der geschickten Heimführung des Schiffes und des unverschuldeten
Verlustes seines Schiffes wurde Kapitän Lehmann zu sieben Wochen Festungshaft
verurteilt. Das Feldgericht fand,daß er fahrlässig das QWA
10 falsch ausgelegt habe und nicht hätte in die Heimat durchbrechen
dürfen. Im Gnadenweg wurde später das Urteil erlassen. Statt
endlich in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen, wurde Kapitän Lehmann
1941 noch mit dem Kommando über das 17.001 BRT große Lazarettschiff
Strassbourg
betraut und kommandierte zuletzt das Marine-Hilfsbeischiff
Iberia.
Die in Curacao verbliebenen Schiffe SS Alemania,SS Este,MS Frisia,MS
Henry Horn,MS Karibia,MS Patricia und SS Vancouver wurden beim
Einmarsch deutscher Truppen in Holland am 10. Mai 1940 sofort in Curacao
beschlagnahmt.Die MS Seattle war als letzte aus Curacao entkommen
-und blieb nach ihrem Untergang vergessen.....
Fast 50 Jahre gingen ins Land bis der norwegische Sporttaucher Erling
Skjold 1988 das Wrack der MS Seattle bei Dvergsnestangen im Korsvikfjord
wiederfand. Seitdem hat es sich zu dem beliebtesten Wrack im norwegischen
Bundesland Vest-Agder gemausert. Es ist aber auf seine Weise auch berüchtigt,
da an ihm schon einige Taucher gestorben sind. Dies ist wohl nicht zuletzt
auf die Lage des Wracks zurückzuführen. Es beginnt nämlich
in einer Tiefe von 20m und führt hinab bis in 70m. Langsam tiefertauchend
ist hier sicherlich eine Art schleichende Verführung mit Tiefenrausch
möglich.Prinzipiell bietet das Wrack also sowohl den Preßlufttauchern
wie auch den Kameraden von der Mischgasfraktion einiges.Dementsprechend
gibt es auch zwei Tauchrouten an diesem Wrack.
Erraten:-) Die tiefe und die "flache". Ganz gleichgültig für
welche man sich entscheidet, ist bei der Wahl der Tauchausrüstung
Kälteschutz und Licht unbedingt notwendig! Schließlich muß
man auch noch an die lokalen Tauchvorschriften denken und an der Abtauchstelle
deutlich sichtbar die Tauchflagge setzen! In dem Tauchboot von dem man
meist taucht, muß außerdem auch immer eine weitere Person verbleiben
während die Taucher unterwegs sind. Die in das Wasser gehüpften
Taucher können sich an der Oberfläche über das Wrack so
orientieren,daß eine kleine weiße Boje das flachliegende Heck
markiert und eine weitere Boje am tieferliegenden Schornstein angebracht
ist. In der Regel tauchen Preßlufttaucher also an der Heckboje ab
und treffen dann in ca. 23m Tiefe auf das Heck der MS Seattle. Bei
einer Sicht von ca. 15m kann man das zerschrotete Hinterteil des Wracks
schon beim Abtauchen in ca. 10m Tiefe wahrnehmen. Am Heck angekommen, sticht
als besonders markant und betrachtenswert das wegen fehlender Oberdeckplatten
freiliegende Rudergestänge ins Auge.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Technisch interessierte können hier noch etwas abtauchen und das
ganze gaanz genau in Augenschein nehmen. Da das Ruder seinerzeit nicht
mehr nur von Muskelkraft bedient wurde, verband man die ölgetriebene
Rudermaschine mit einem sinnreichen Rudergestänge in dem es von Übersetzungen
und Zahnrädern nur so wimmelte und bewegte über diese Maschinerie
schlußendlich das Ruderblatt. Eine ähnliche Konstruktion kann
man auf der SS
Rosalie Moller im Roten Meer bewundern. Ein Blick nach oben bietet
wegen des ca. 45° abfallenden Rumpfes eine interessante "verdrehte"
Perspektive.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Hat man an dieser Stelle genug gesehen, kann man wieder auf Deckshöhe
"hinauftauchen" und mit mittlerweile notwendig werdender Beleuchtung der
Lampen dem Decksverlauf nach schräg unten folgen. Wobei "Decksverlauf"
wahrscheinlich fast ein mißverständliches Wort ist,da recht
häufig statt der Decksplatten nur noch die Stützbalken für
die Deckskonstruktion stehen.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Einige Meter hinter dem Rudergestänge trifft man schon auf die
nächste "Sehenswürdigkeit": die mannsgroßen Poller.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Da die MS Seattle ein großes Schiff war, mußten natürlich
auch die Festmacher für die Schiffstaue mit denen das Schiff am Hafenkai
festgemacht wurde, eine Nummer größer sein.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Wieder nur einige Meter weiter meint man eine Hügellandschaft zu
durchtauchen. Das Schiffsdeck ist hier bei der Hinterkante der achteren
Aufbauten besonders gewellt und verformt.Ob dies eine Folge des Aufschlagens
auf dem Meeresgrund ist -oder seine Ursache in der seinerzeit auf dem Schiff
rasenden Feuersbrunst hat, ist unbekannt.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Dafür scheint der Rumpf selbst im Heckbereich formtreu geblieben
zu sein.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Schaut man hier in Richtung Bug auf die vor sich liegenden Tauchstrecke,so
führt sie perspektivisch scheinbar nach vorn. In Wirklichkeit sieht
man in einem Winkel von ca. 45° in die Tiefe!
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Folgt man nun dem Decksverlauf mit seinem 45°-Gefälle in die
Tiefe, bietet sich das "überdachte" Promenadendeck mit seiner Reeling
dem Betrachter dar.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Auch der Überdachung fehlen viele Platten. Zumeist sind auch hier
nur noch die stählernen Decksbalken übriggeblieben.Während
man sich so langsam in Richtung Bug bewegt,sollte man -mindestens- ein
Auge auf dem Tiefenmesser behalten! Denn im Ruckzuck ist man auf 40m Tiefe
und damit am Ende des vertretbaren Tauchbereichs mit Preßluft angekommen!
Während des Aufenthaltes über dem Wrack sollte man immer in Rechnung
stellen,daß die gesamte Konstruktion durch das Feuer sehr geschwächt
wurde und natürlich nach so langer Zeit unter Wasser auch nicht mehr
allzu stabil ist. Der Zerfallprozeß mancht sich recht stark bemerkbar
wenn man unvorsichtig flosselt oder eine besonders schwache Stelle anfaßt:
sofort zerrieselt etwas und eine ganze Wolke Rostpartikel verbiestert die
Sicht. Was auch für Automaten nicht unproblematisch sein könnte.
Also Vorsicht!
Verfügt man noch über genug Atemgas, braucht man sich noch
nicht wieder auf den Rückweg zu machen,sondern kann noch die Umgebung
des Schornsteins einer näheren Betrachtung unterziehen.
Kennt sich der Guide am Wrack aus,kann man nun zu dem Schornstein tauchen.Ansonsten
sollte man sich dies lieber für einen zweiten Tauchgang aufsparen.
Falls man also an dieser Stelle umkehren muß bietet sich wieder das
"überdachte" Promenadendeck dafür an.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
wieder am Heck angekommen,kann man bei ausreichendem Atemgas noch einen
kurzen Abstecher zur Schiffsschraube machen.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Aber "Oh weh!" Die ist ja garnicht mehr da! Irgendwelche muntere Buben
haben in der Vergangenheit die Schraube abgesäbelt. Und so kann man
nur noch die leere Maschinenwelle begutachten. Zum Trost: die Schiffsschraube
ist nicht in irgendeinen verschwiegenen Schmelzofen gewandert, sondern
steht heute in der Zentrale der Hapag-Lloyd in Hamburg.
Der zweite Tauchgang wird in der Regel an der zweiten Boje über
dem Wrack begonnen und endet am anderen Ende der Bojenleine in -je nach
Tidenstand- ca. 40m Tiefe.Dort mit angeschalteten Tauchlampen angekommen,befindet
man sich umgefähr in der Schiffsmitte. Schon der Schornstein selbst
ist recht interessant. Oben verfügt er über eine Art Abdeckung
über dem Schornsteinloch. Leider ist diese zum Teil schon weggebrochen.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Man kann aber immer noch vier großkalibrige Abgasrohre innerhalb
des Schornsteins aus der Tiefe emporragen sehen.
Foto © 2002 Stefan
Baehr
Je nach Tidenstand kann man nun noch ein klein wenig abtauchen. Vorbei
an einem vom Mast gefallenen Ladebaum und Oberlichtern gelangt man zum
Peildeck über der Brücke. Hier ist man meist aber schon recht
tief und die Sicht wird bescheidener,weshalb man besser umkehren sollte.
Soweit man noch genug Preßluft übrig hat,kann man sich nun mit
dem Auftauchen Zeit lassen -oder auch nicht.Denn Tauchgänge an der
MS
Seattle sind recht oft auch ungewollt Dekompressionstauchgänge
außerhalb der Nullzeit,weshalb das Wrack eigentlich auch nur etwas
für erfahrenere Taucher ist. Je nach Jahreszeit darf man nun in den
Dekostufen sich edle Teile abfrieren oder aber sie den saisonal recht zahlreich
auftretenden Quallen zum abnesseln aussetzen. Sollte es während des
Austauchens oder des Tauchgangs allgemein zu einem Tauchunfall kommen,
so verfügt die nahegelegene Tauchbasis Dvergsnestangen über einen
Hubschrauberlandeplatz und einen Draht zur zwanzig Autominuten entfernten
Druckkammer des Krankenhauses von Kristiansand.
Möchte man an diesem Wrack den tiefen Mischgastauchgang machen,folgt
man im wesentlichen der gleichen Route wie die Preßlufttaucher und
läßt sich an der Schornsteinboje hinabgleiten. Vom Fuße
des Schornsteins geht es auch hier in Richtung Peildeck.Hieran wird hinunter
zur Brücke getaucht um sich danach weiter auf das Oberdeck hinabsinken
zu lassen. In ca. 65m Tiefe trifft man hier auf die gähnende Öffnung
des vorderen Laderaumes.Wenn man sich die betauchung des Laderaumes für
später aufsparen will und etwas abenteuerlich veranlagt ist, aber
auch über die entsprechende efahrung und Ausbildung verfügt,
kann nun bei sechs bis sieben Metern Sicht auf dem Oberdeck um den Decksaufbau
mit der Brücke herumtauchen und durch die Türen hindurchspähen
die früher die Zugänge zu den Manschaftsquartieren und der Passagierkabinen
waren. Außer zusammengefallenen Einrichtungsgegenständen und
Mulch gibt es kaum etwas zu sehen.In der Regel verbraucht man bei diesem
Abstecher seine Grundzeit und muß sich auf den Rückweg machen.
Ein weiterer Tieftauchgang würde wiederum bis zu dem Punkt wo man
auf dem Oberdeck vor der Brücke ankommt völlig identisch sein
mit dem soeben beschriebenen. Der zweite Tieftauchgang führt nun noch
tiefer. Man kann hierbei entweder direkt hinunter in den Laderaum tauchen
und dort auf ca. 71m durch Risse im Rumpf hinaustauchen aus dem Wrack,
oder man taucht gleich vom Oberdeck aus über die Bordwand hinunter
zum Meeresgrund und bewegt sich bei einer Sicht von ca. 15m an der Bordwand
entlang in Richtung Bug. Hierbei kommt man sowohl an zahlreichen intakten
Bullaugen inklusive Glasfenstern vorbei, wie auch an interessanten Haarsternen.
Über den Meeresgrund sind außerdem zahlreiche Teile des Wracks
verstreut die wohl beim auftreffen des Wracks auf den Meeresgrund abgefallen
sind wzB. diverse Winschen und Ladebäume. Schließlich kann man
durch einen wohl ebenfalls vom Aufprall des Rumpfes auf dem Meeresgrund
entstandenen Riß in den Laderaum hineintauchen und dort die Ladung
sehen : ....nichts! Alles restlos verbrannt und im Laufe des Zeit verrottet.Nun
ist es in der Regel auch schon Zeit wieder via Brücke und Schornstein
an den Aufstieg zu denken und nach einer längeren Dekompressionsphase
den Tauchgang zu beenden.
Für das großzügige Zurverfügungstellen der Unterwasserphotos
zum Wrack der MS Seattle danken wir dem Unterwasserfotografen Stefan
Baehr. Aus seiner Feder kennen wir bereits den schönen Wrackführer
"Wracktauchen in der Ostsee". In einer der nächsten Ausgaben stellen
wir außerdem seinen sehenswerten "Diveguide
Dorset" -eine interaktive CD- anhand eines Wracks vor. Ein Leckerbissen
auf den man sich jetzt schon freuen kann!
Weiterer Dank geht an den Orell
Füssli Verlag und Herrn Jan Rintelen von dessen Presseabteilung!
Mit dessen freundlicher Genehmigung konnten die
oben entsprechend gekennzeichneten Bilder für diesen Bericht aus dem
Buch von Hans Hass "JÄGER AUF DEM MEERESBODEN" hier gezeigt werden.
Dieser Verlag führt auch interessanten Lesestoff für des Tauchers
Kinder wzB. Antje Damm`s "PIRATENURLAUB",
Pro Juventute.
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