Der Tod auf dem Nil

 Geschrieben von Harry

Nach Hercule Poirot und Lara Croft besuchte auch ein Taucher.net Redakteur die pharaonischen Tempel und Grabanlagen am Nil. Eine Nilkreuzfahrt ist Kulturgenuß erster Klasse, den man sich nicht entgehen lassen sollte! Aber auch das Tauchen kam anschließend nicht zu kurz.

Nun kommt man als Taucher doch schon mal öfter nach Ägypten ans Rote Meer - die Unterwasserlandschaften sind atemberaubend schön. Aber Kultur: Hmmm, tja- die Umgebung von Hurghada ist nicht gerade für seine Kulturdenkmäler berühmt. In Sharm el-Sheikh sieht es etwas besser aus, aber die Konzentration, mit welcher sich die Kulturgüter im Niltal befinden, ist einfach sensationell!

Also beschlossen wir vor einiger Zeit, zwei Wochen Kultur und Tauchen zu kombinieren.

Tag 1
Wien-Luxor, einschiffen auf der "Nile Crocodile*****"- Bezug der Kabinen, Einweisung.

Tag 2: Theben West

Den ersten Tag begannen wir mit der Überquerung des Nils und einem Besuch bei den Memnons-Kolossen, den einzigen Resten des ehemaligen Totentempels Amenophis III.

Weiter, auf dem Weg zum Tal der Könige kamen wir auch am berühmten Dorf der Grabräuber, Gurna, vorbei. Zwischen den Erbauern der Gräber einerseits und den Grabräubern andererseits, besteht eine über mehrer Jahrtausende anhaltende Konkurrenz. Im Tal der Könige besuchten wir die Gräber der Pharaonen Ramses VI. Ramses III. und Ramses I. (mehr als drei sind pro Besucher und Tag nicht erlaubt) Die Grabmalereien sind in diesen 3000 bis 4000 Jahre alten, muffigen und stickigen Gräbern nach wie vor sehr gut erhalten bzw. restauriert.

Unglaublich, welche Hochkultur zu dieser Zeit bereits am Nil herrschte - zu dieser Zeit kamen die Mitteleuropäer - bildlich gesprochen - grade einmal aus den Höhlen heraus! Mit einer extra zu kaufenden Fotoerlaubnis für zwei Gräber, konnte ich (BLITZ VERBOTEN!) mit einem 3200 ASA schwarz-weiß Film eine sehr gute Bildausbeute in den recht düsteren Gräbern erreichen.

Tief beeindruckt fuhren wir zu unserem nächsten Ziel- dem Hatschepsut Tempel (1499 bis 1408 VOR Christus). Dieser Tempel wird seit Jahren von tschechischen Archäologen restauriert- und das sehr gründlich - meiner Meinung nach sieht er immer mehr wie ein Neubau aus.

Tag 3: Luxor-Edfu

In der Nacht begann nun unsere Fahrt nilaufwärts Richtung Süden, wo wir am nächsten Nachmittag in Edfu anlegten. Dabei erfolgte die obligate Kutschenfahrt zum sehr gut erhaltenen Horus Tempel (um 100 v.Chr.) mit seinem 36 Meter hohen, reich verzierten Pylon und den 36 Säulen im Hof. Die Reliefs zeigen den Ptolemäerkönig Neos Dionysos beim Erschlagen seiner Feinde und auf den Tempelwänden ist der Pharao in Gespräch mit verschiedenen Göttern abgebildet.

Den Abschluss bildete ein unvermeidlicher, hier nerviger, Besuch im Basar, wo unzählige Galabaja (Gewand der Ägypter) auf Käufer warteten und richtig - am Abend fand am Schiff die recht nette orientalische Nacht statt, für die man die Galabaja ja auch brauchen konnte…

Tag 4: Edfu-Kom Ombo- Assuan

Herrlich ist es, am Aussichtsdeck des Schiffes zu sitzen und diese uralte Kulturlandschaft am sich vorbeiziehen zu lassen. Einfache Dörfer, Zuckerrohrplantagen mit Wasserbüffeln und Arbeitseseln, spielende Kinder am Wasser - man könnte meinen, die Zeit sei hier einfach stehen geblieben. Ab Kom Ombo mit seinen interessanten Doppeltempel des krokodilköpfigen Sobek und des falkenköpfigen Haroeris veränderte sich auch die Landschaft. Das Grün der Felder verschwindet immer mehr und anstatt der braunen Geröllwüste reicht der gelbe Sand und die Dünen der Sahara nun fast direkt bis an den Nil.

Ach ja: Die Lektüre Agatha Christies "Der Tod auf dem Nil" war an diesen Schauplätzen des Krimis ein Lesevergnügen allererster Klasse!

Tag 5: Assuan

Assuan! Endlich am Tor zu Nubien!

Nach einer obligaten Felukkenfahrt zum Aga Khan Mausoleum segeln wir vorbei an der Kitchener Insel und der Insel Elephanthine zum Old Cataract Hotel. Abends genießen wir noch einen Spaziergang durch den quirligen Suq (Basar) von Assuan mit all seinen afrikanischen und orientalischen Gewürzen, Düften und Geheimnissen.

Den krönenden Tagesabschluss bildet die Sound and Light Show beim Isis - und Hathor Tempel auf der Insel Philae. Großartig!

Tag 6: Assuan und Flug nach Abu Simbel

Schon bei Morgengrauen startet unsere kleine Maschine, die uns in weniger als einer Stunde nach Abu Simbel am Nasser Stausee, knapp an der sudanesischen Grenze bringt.

Die UNESCO-Weltkulturerbe und weltberühmten Felsentempel vom Re-Harachte und der kleinere Hathor-Tempel wurden in einer beispiellosen Ingenieursleistung 1965 bis 1968 vor den steigenden Fluten des Assuan Stausees, abgebaut und einige hundert Meter weiter und einige Meter höher, authentisch wieder aufgebaut.

Der große Tempel, mit seinen vier, über 20 Metern hohen Sitzstatuen von Ramses II., ist unglaublich beeindruckend und wir können diesen Tempel ganz alleine genießen, da wir zu so früher Morgenstunde noch die erste Touristengruppe hier sind. Im Inneren des Tempels findet man immer wieder Reliefs, die an den für Ramses II. so wichtigen (jedoch unklaren) Sieg gegen die Hethiter bei der Schlacht von Kadesch erinnern.

Ganz hinten, im Allerheiligsten, finden sich die Sitzbildnisse von Ptah, Amun, - ihnen gleichgestellt- Ramses II. und Re-Harachte. Am Morgen der Sonnenwende beleuchten die Strahlen der aufgehenden Sonne diese Bildnisse. Eine Meisterleistung pharaonischer Baukunst und Architektur!

Gleich daneben liegt der kleiner Hathor-Tempel, den Ramses II. für seine nubische Lieblingsfrau Nefertari errichten lies. Auch hier die Gleichstellung von Nefertari mit der kuhköpfigen Göttin Hathor.

Interessantes Detail am Rande: Ist das weibliche Schönheitsideal für die meisten Ägypter und Araber heute eine blonde, füllige Frau, so war das Schönheitsideal zu pharaonischen Zeiten eine dunkle, schlanke Frau. Dies ist auch auf sämtlichen Bildnissen deutlich erkennbar!

Wieder zurück in Assuan. Nachmittags besuchten wir den 42 Meter langen, unvollendeten Obelisken, das Nubia-Museum, eine Goldschmiede und den neuen Staudamm. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen…

Tag 7: Assuan - Luxor

Nach der Fahrt zurück nach Luxor, besuchten wir Abends, als abschließendes Highlight, die gigantische Tempelanlage von Karnak mit ihrer gigantischen Säulenhalle und dem heiligen See. Jeder Pharao baute hier, in diese Anlage, um seine Macht zu beweisen und den Göttern zu gefallen - über 2000 Jahre hinweg war diese Tempelanlage das zentrale Amun-Heiligtum des Reiches und durfte nur von Priestern und dem Pharao betreten werden.

Von der Widdersphingenallee gelangt man zum ersten Pylon und weiter in den großen Hof und die Säulenhalle, welche wie ein gigantischer, steinerner Wald auf die Besucher einwirkt. Eine beeindruckende, riesige Anlage, in der man Tage verbringen könnte! Die alleinestehende Säule oben im Bild bezeichnete schon Rainer Maria von Rilke poetisch als "Die Eine, die Ägyptens Himmel trägt..."

Der nächtliche Besuch im Luxor Tempel mit seinem, vom Amenophis III. erbauten, 52 Meter langem Säulengang bildete dann den krönenden Abschluss unsere Nilkreuzfahrt. Auch hier zeigte sich die gewaltige Bautätigkeit von Ramses II. Der Eingangspylon wurde von ihm errichtet und auch darauf sind wieder die allgegenwärtigen Erinnerungen an die Schacht von Kadesch zu sehen.

Tag 8-15: Transfer nach Safaga und Tauchen

Die zweite Woche verbrachten wir im Holiday Inn**** in Safaga und tauchten dort, sehr zufrieden, mit Duck´s Dive Center von Robert und Lydia Furtner.

Am Bild zu sehen sind "Die drei Pedan" ;-)) Der Basisesel heisst in Wirklichkeit aber "Cherie". Highlights dieser zweiten Woche waren sicherlich Tobia Arbaa (die 7 Säulen - den Langnasenbüschelbarsch hab ich nicht entdeckt!), das Panorama Reef (Thunfische und Schildkröten), Gamul Soraya (Sandaale) sowie das bedrückende Wrack der "Salem Express", zu dem es hier ausführliche Informationen gibt

© 2003 Bilder und Text Harald Mathä

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