In unserer Serie über die Biologie am Wrack hier im Vinkeveenser
See wollen wir diesen Monat besonderes Augenmerk auf die Reproduktion der
Arten im See werfen. Auch wenn sich der Mensch in der modernen Industriegesellschaft
den direkten Einflüssen der Evolution entzogen hat, so herrschen diese
Gesetze nach wie vor im Ökosystem See. "Survival of the fittest"
nannte es schon Darwin. Ganz praktisch erklärt bedeutet das, daß
der gesündeste, schönste, stärkste oder raffinierteste Geschlechtspartner
die besten Chancen hat sein Erbmaterial weiterzugeben, und dazu gehört
natürlich auch, sich statistisch gesehen häufiger zu vermehren.

Inzwischen ist es hier am See Frühling geworden. Taucher bevölkern
nun immer häufiger die Ufer des Sees. Auch hier hat eine Art Evolution
eingesetzt. Immer länger und tiefer müssen die Tauchgänge
sein. Um das zu erreichen, wird häufig mit neuer, besserer, schönerer
Hardware nachgerüstet. Der Gewinner dieses evolutionären Prozesses
ist im allgemeiner die Tauchartikelindustrie.

Der Amerikanische Flußkrebs hat hier am Wrack sein Revier eingenommen
und verteidigt es gegen seine Artgenossen. Die Paarungszeit ist jetzt im
März schon fast vorbei. Nur ganz selten sehen wir auf unseren Tauchgängen
noch Nachzügler in Paarungsstellung. Mit diesen beiden großen
Scheren halten sich die Partner mit der Körperunterseite einander
zugewandt, aneinander fest. Neben diesen umgewandelten Beinpaaren hat der
Krebs noch Kieferfüße am Kopf und 5 Beinpaare zur Fortbewegung.
Am Abdomen sitzen kleine beinartige Anhänge, mit welchen das Weibchen
die befruchteten Eier am Unterleib angeheftet hält. Beim männlichen
Krebs ist das erste abdominale Beinpaar zu einer Art Halbrinne umgestaltet,
um die Befruchtung der Eier bei der Paarung effektiver zu machen.

Wir finden nicht weit vom Wrack entfernt eine Ansammlung von Teichmuscheln.
Hier in geringerer Tiefe filtrieren sie das Wasser und ernähren sich
von den herausgefilterten Mikrorganismen. Wer hier den besten Platz gefunden
hat, hat die besten Chancen, Nahrung zu finden und sich fortzupflanzen.
Die Große Teichmuschel (Anodonta cygnea L.) kann bis zu 80 Jahre
alt werden.

Hier sieht man die geöffnete Einströmöffnung und dahinter
die Ausströmöffnung. Ungefähr eine Million Eier werden
in der äußeren Kiementasche der weiblichen Muschel aufbewahrt.
Hier verbleiben die Eier bis sie durch Spermien der männlichen Muschel,
die mittels Atemwasserstrom aufgenommen werden, befruchtet werden. Diese
Larven werden in einem ganzen Klumpen ausgestoßen und eventuell von
einem Fisch verschluckt. Nur wenn einzelne dieser Larven, die Glochidien,
an den Fischkiemen hängen bleiben, werden diese von der Kiemenhaut
überwuchert. Nur so können sie die nächste Entwicklungsstufe
durchlaufen und heranreifen. Nach einigen Wochen verläßt der
kleine Schmarotzer seinen Wirt und bildet sich auf dem Grunde des Sees
zu einer jungen, fertigen Muschel heran.

Auf diesem Suchbild ist eine Groppe zu finden. Farblich gut dem Untergrund
angepaßt, entzieht sich so der Fisch seinen Freßfeinden. Dieses
nur 5 cm goße Exemplar ernährt sich von Flohkrebsen und anderen
kleinen Bodentieren. Die Laichzeit reicht von Februar bis April. Das Männchen
hat bei diesen Arten die Brutpflege übernommen.

Inzwischen haben die Hechte (Esox lucius L.) wieder ihre Lauerstellung
am Wrack bezogen. Hier profitieren sie davon, daß auch viele Kleinfische
das Wrack als Schutz aufsuchen. Die Laichzeit für Hechte erstreckt
sich von Februar bis Juni. In flachem Wasser haftet das Hechtweibchen 150.000
Eier an Schilf und andere Wasserpflanzen an. Größere Weibchen
haben zur Laichzeit oft mehrere Männchen als Begleiter. Die jungen
Hechte schlüpfen schon nach 2-3 Wochen und ernähren sich zunächst
von Kleinkrebsen. Im zweiten Lebensjahr werden sie schon geschlechtsreif.

"Fressen und gefressen werden" sind Regeln, denen auch Hechte
unterworfen sind. Der Hecht ist ein ausgezeichneter Jäger und meist
derjenige, der andere Fische jagt. Zuweilen aber ist auch er selber der
gejagte. Hin und wieder fallen kleinere Exemplare größeren Artgenossen
zum Opfer. Dieser Hecht ist wohl in seiner Jugend so einer Attacke ausgesetzt
gewesen, wie die Bißpuren vor der Afterflosse deutlich zeigen.
Diesen Monat hatten wir uns dem Thema "Reproduktion der Arten gewidmet".
Dieser Themenkomplex gibt aber bei weitem mehr her, als hier dargestellt.
Auf der anderen Seite müssen wir zu den Themen auch die entsprechenden
Bilder liefern. Alle Fotos in dieser Reihe sind ja authentisch und kein
Archivmaterial. Jeder, der selber taucht und fotografiert, weis aus eigener
Erfahrung, wie schwer es ist, zu einem bestimmten Thema in einem fest umgrenzten
Zeitraum die richtigen Bilder zu bekommen. Wir werden aber weiterhin versuchen,
dieser schweren Aufgabe gerecht zu werden, ohne uns zu wiederholen.
Wir werden im April auf der Jagd nach Eingriffen der Menschen in das
aquatische Ökosystem See sein. Sind alle Eingriffe des Menschen immer
schlecht für einen See? Wir werden versuchen, diese Fragen zu beantworten. |