Vinkeveenser See - Der März

 Geschrieben von Andreas

In unserer Serie über die Biologie am Wrack hier im Vinkeveenser See wollen wir diesen Monat besonderes Augenmerk auf die Reproduktion der Arten im See werfen. Auch wenn sich der Mensch in der modernen Industriegesellschaft den direkten Einflüssen der Evolution entzogen hat, so herrschen diese Gesetze nach wie vor im Ökosystem See. "Survival of the fittest" nannte es schon Darwin. Ganz praktisch erklärt bedeutet das, daß der gesündeste, schönste, stärkste oder raffinierteste Geschlechtspartner die besten Chancen hat sein Erbmaterial weiterzugeben, und dazu gehört natürlich auch, sich statistisch gesehen häufiger zu vermehren.

Inzwischen ist es hier am See Frühling geworden. Taucher bevölkern nun immer häufiger die Ufer des Sees. Auch hier hat eine Art Evolution eingesetzt. Immer länger und tiefer müssen die Tauchgänge sein. Um das zu erreichen, wird häufig mit neuer, besserer, schönerer Hardware nachgerüstet. Der Gewinner dieses evolutionären Prozesses ist im allgemeiner die Tauchartikelindustrie.

Der Amerikanische Flußkrebs hat hier am Wrack sein Revier eingenommen und verteidigt es gegen seine Artgenossen. Die Paarungszeit ist jetzt im März schon fast vorbei. Nur ganz selten sehen wir auf unseren Tauchgängen noch Nachzügler in Paarungsstellung. Mit diesen beiden großen Scheren halten sich die Partner mit der Körperunterseite einander zugewandt, aneinander fest. Neben diesen umgewandelten Beinpaaren hat der Krebs noch Kieferfüße am Kopf und 5 Beinpaare zur Fortbewegung. Am Abdomen sitzen kleine beinartige Anhänge, mit welchen das Weibchen die befruchteten Eier am Unterleib angeheftet hält. Beim männlichen Krebs ist das erste abdominale Beinpaar zu einer Art Halbrinne umgestaltet, um die Befruchtung der Eier bei der Paarung effektiver zu machen.

Wir finden nicht weit vom Wrack entfernt eine Ansammlung von Teichmuscheln. Hier in geringerer Tiefe filtrieren sie das Wasser und ernähren sich von den herausgefilterten Mikrorganismen. Wer hier den besten Platz gefunden hat, hat die besten Chancen, Nahrung zu finden und sich fortzupflanzen. Die Große Teichmuschel (Anodonta cygnea L.) kann bis zu 80 Jahre alt werden.

Hier sieht man die geöffnete Einströmöffnung und dahinter die Ausströmöffnung. Ungefähr eine Million Eier werden in der äußeren Kiementasche der weiblichen Muschel aufbewahrt. Hier verbleiben die Eier bis sie durch Spermien der männlichen Muschel, die mittels Atemwasserstrom aufgenommen werden, befruchtet werden. Diese Larven werden in einem ganzen Klumpen ausgestoßen und eventuell von einem Fisch verschluckt. Nur wenn einzelne dieser Larven, die Glochidien, an den Fischkiemen hängen bleiben, werden diese von der Kiemenhaut überwuchert. Nur so können sie die nächste Entwicklungsstufe durchlaufen und heranreifen. Nach einigen Wochen verläßt der kleine Schmarotzer seinen Wirt und bildet sich auf dem Grunde des Sees zu einer jungen, fertigen Muschel heran.

Auf diesem Suchbild ist eine Groppe zu finden. Farblich gut dem Untergrund angepaßt, entzieht sich so der Fisch seinen Freßfeinden. Dieses nur 5 cm goße Exemplar ernährt sich von Flohkrebsen und anderen kleinen Bodentieren. Die Laichzeit reicht von Februar bis April. Das Männchen hat bei diesen Arten die Brutpflege übernommen.

Inzwischen haben die Hechte (Esox lucius L.) wieder ihre Lauerstellung am Wrack bezogen. Hier profitieren sie davon, daß auch viele Kleinfische das Wrack als Schutz aufsuchen. Die Laichzeit für Hechte erstreckt sich von Februar bis Juni. In flachem Wasser haftet das Hechtweibchen 150.000 Eier an Schilf und andere Wasserpflanzen an. Größere Weibchen haben zur Laichzeit oft mehrere Männchen als Begleiter. Die jungen Hechte schlüpfen schon nach 2-3 Wochen und ernähren sich zunächst von Kleinkrebsen. Im zweiten Lebensjahr werden sie schon geschlechtsreif.

"Fressen und gefressen werden" sind Regeln, denen auch Hechte unterworfen sind. Der Hecht ist ein ausgezeichneter Jäger und meist derjenige, der andere Fische jagt. Zuweilen aber ist auch er selber der gejagte. Hin und wieder fallen kleinere Exemplare größeren Artgenossen zum Opfer. Dieser Hecht ist wohl in seiner Jugend so einer Attacke ausgesetzt gewesen, wie die Bißpuren vor der Afterflosse deutlich zeigen.

Diesen Monat hatten wir uns dem Thema "Reproduktion der Arten gewidmet". Dieser Themenkomplex gibt aber bei weitem mehr her, als hier dargestellt. Auf der anderen Seite müssen wir zu den Themen auch die entsprechenden Bilder liefern. Alle Fotos in dieser Reihe sind ja authentisch und kein Archivmaterial. Jeder, der selber taucht und fotografiert, weis aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, zu einem bestimmten Thema in einem fest umgrenzten Zeitraum die richtigen Bilder zu bekommen. Wir werden aber weiterhin versuchen, dieser schweren Aufgabe gerecht zu werden, ohne uns zu wiederholen.

Wir werden im April auf der Jagd nach Eingriffen der Menschen in das aquatische Ökosystem See sein. Sind alle Eingriffe des Menschen immer schlecht für einen See? Wir werden versuchen, diese Fragen zu beantworten.


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