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Onlinemagazin - 3. Ausgabe - Das Buddy-Gespräch




 Geschrieben von Jessica und Olaf

Das Buddy-Gespräch – Smalltalk oder doch eher wichtig?

Von Jessica Brühl und Olaf Will ©

Jeder kennt es aus eigener Erfahrung: Der erste Tauchgang im Urlaub steht an, die Ausrüstung ist überprüft, die Flasche aufgedreht und das Briefing gehalten. Aber da war doch noch was? Richtig, einen Tauchpartner sollte man ja noch bekommen. Also stellt man sich kurz vor, macht, wenn überhaupt, einen oberflächlichen Buddy-Check und springt ins Wasser. Hinterher kann man sich wahrscheinlich noch nicht einmal mehr an den Namen des Tauchpartners erinnern. Da stellt sich doch wieder die Frage, ob das Buddy-System nicht doch nur ein "Solo für zwei" ist. Aber was könnte man besser machen? Wie sollte das Gespräch mit dem Buddy, wohlgemerkt vor dem Tauchgang, aussehen?

Zum Kennenlernen taugt der Buddy-Check eigentlich rein gar nichts. Denn schließlich tauche ich ja nicht gemeinsam mit der Ausrüstung, sondern dem Menschen, der da drinsteckt. Und den lernt man in einem Gespräch doch immer noch am besten kennen. Das sollte allerdings nicht gleich in den üblichen Taucher-Smalltalk ausarten - dazu hat man beim Deko-Bier immer noch Zeit. Aber Hand auf’s Herz: nehmt ihr Euch vor jedem Tauchgang die Zeit, euch mit dem Buddy zu unterhalten? Wer ehrlich ist, muß hier eigentlich mit "nein" antworten. Wenn doch bleibt immer noch die Frage, ob man sich denn über die richtigen Dinge unterhalten hat (siehe Smalltalk). Darum hier ein paar Denkanstösse

Erfahrung

Eigentlich falle ich nicht gerne mit der Tür ins Haus – die Frage nach der Anzahl der Tauchgänge kann man also getrost erstmal hinten anstellen. Wichtig ist erst einmal, wo der Buddy denn schon getaucht ist und wie lange der letzte TG zurückliegt. Hat er oder sie zum Beispiel Erfahrung im Süss-, bzw. Salzwasser? Ist er an kalte, dunkle und vor allem trübe Gewässer gewöhnt ? Wie sieht es mit Strömung aus, oder droht gar Nervosität, wenn Großfische auftauchen?

Und das mag vielleicht etwas lächerlich klingen:Hat der Buddy Erfahrung mit Strömung ? Oder beruht das ganze Wissen darauf, dass man abgetrieben werden kann ? So erfahren im Urlaub: Ein an sich relativ erfahrener Taucher (es waren wohl so um die 80 TGs) war mein (Olafs) Buddy und kam mit der Strömung nicht klar, weil er vorher nur in Seen getaucht war. Das ging dann natürlich mit einem hohen Luftverbrauch einher, und der Gute stand irgendwann kurz vor der Panik. Umgekehrt wird natürlich auch ein Schuh draus. Der reine Urlaubstaucher, der zum ersten Mal in einen Süsswasser-See springt, hat natürlich auch seine Probleme. Also, das "Wo" ist, auch im Urlaub, nicht so unwichtig, wie man vielleicht zuerst denkt.

Auf "Wo" folgt dann meistens "Wann". Dazu ist eigentlich nicht viel zu sagen. Mag er 500 Tauchgänge haben; wenn er seit geraumer Zeit nicht mehr im Wasser war, ist Vorsicht geboten. Zwar ist es mit dem Tauchen wie mit dem Radfahren: Man verlernt es eigentlich nie so ganz, aber beim Radfahren legt man sich vielleicht mal auf die Nase oder holt sich ein blutiges Knie, beim Tauchen können die Folgen bekanntermaßen weniger erfreulich aussehen.

Das "Wie" interessiert natürlich auch. Immer nur dem Diveguide hinterher, gar vom Tauchlehrer am Händchen gehalten, oder habe ich es wirklich mit einem selbstständigen Tauchpartner zu tun? In hiesigen Gewässern sollte man eigentlich von letzterem ausgehen, im Urlaub gibt’s da zuweilen immer wieder unangenehme Überraschungen. Auch das "Womit" ist nicht ganz unwichtig. Klar, die wesentlichen Sachen sieht man beim Buddy-Check. Aber ich lasse mir gerne mal die Ausrüstung vom Besitzer erklären. Zum einen sehe ich da, ob er wirklich seine Ausrüstung beherrscht oder die Ausrüstung ihn. Zum anderen kann ich mir auch gleich einen Eindruck von ihrem Zustand verschaffen. Muß nicht sein, kann aber sicher auch nicht schaden. Und, ja, ich geb’s zu: Wieviele Tauchgänge mein Buddy hat, möchte ich dann auch noch wissen. Und die Frage nach dem Ausbildungsstand sollte natürlich auch nicht fehlen, auch wenn Papier, beziehungsweise bunte Plastikkärtchen, geduldig sind.

Weiterhin von Interesse ist das Tauchverhalten der letzten Zeit, sowie der Gesundheitszustand. Wann war der letzte TG, wie tief, ist der Buddy vollständig entsättigt ? Hat er Medikamente genommen oder am Abend zuvor Alkohol getrunken, fühlt er sich wirklich fit ? [kleiner Anstoß falls mit dem Talk nicht so klappt].....vor allem letzteres lässt sich ausgezeichnet beim Zusammenbau der Ausrüstung und dem allg. Verhalten vor dem TG beobachten – falls mal der "Buddytalk" etwas kürzer ausfällt – oder wenn der zukünftige Buddy nicht ganz ehrlich ist....

Tauchgangsplanung

Was öfters zu kurz kommt, ist die Tauchgangsplanung. Flasche auf den Rücken, rein, bei 50 bar wieder raus. Das kann ja wohl nicht alles gewesen sein. Schließlich ist das Briefing im Urlaub ja auch dafür da, daß ich mir in Absprache mit dem Buddy meinen persönlichen Tauchgang zurechtlegen kann. Wie man einen TG plant, sollte eigentlich bekannt sein. In Deutschland kommen natürlich noch die Absprachen eventueller Rettungsmaßnahmen dazu. Aber auch im Urlaub bringt die Planung viel, wenn beispielsweise einem der Tauchpartner

wohler ist, wenn das Profil recht konservativ gehalten wird, aus welchen Gründen auch immer. Zur Planung gehören immer auch die wichtigeren Handzeichen, die man mit dem Partner ruhig nochmal durchsprechen kann. Natürlich nicht, wenn man zweimal pro Woche mit ihm oder ihr in einen Tümpel springt. Aber, wie gesagt, im Urlaub passieren die tollsten Sachen... Dies gilt insbesondere für Anfänger und reine Urlaubstaucher.

Was im Urlaub so nicht ansteht, ist die Rettungskette.

Die Rettungskette beginnt mit einigen banalen Dingen, die aber fatale Konsequenzen haben können:

  • wer hat den Autoschlüssel und wo ist er ?
  • wo ist das nächste Telefon ? Ist Kleingeld und eine Telefonkarte vorhanden ?
  • wo liegt das Handy ? Ist sichergestellt, dass alle damit umgehen können ?
  • sind Notrufnummern (wie Rettungsdienst, DAN oder VDST-Hotline) bekannt/gespeichert (im Urlaub die nächste Druckkammer bzw. Ärztedienst etc. etc. welche Sprache ist zu benutzen...)?
  • ist allen bewußt, wo man sich überhaupt befindet ? Es nützt der Rettungsleitstelle wenig, wenn man sagt: "Ich bin irgendwo am Bodensee..."
  • ist die Einstiegstelle für Rettungseinsätze geeignet (kommt der Rettungswagen halbwegs dicht an die Unfallstelle heran) ?
  • wenn Sauerstoff dabei ist, weiß jeder wie das System bedient wird ?

Die Rettungskette an sich ist dagegen recht simpel:

  • Opfer bergen, auf Vitalzeichen untersuchen
  • Bei Bedarf HLW, sonst je nach Symptomatik links (!)- Seitenlage, Flüssigkeit zuführen (wenn bei Bewußtsein), O²-Gabe, warmhalten, Opfer und ggf. auch Buddy beruhigen.
  • Unverzüglich Rettungsleitstelle informieren (Tel:112)
  • Wichtig: Wenn man allein ist gilt: HLW vor Absetzen des Notrufs !!!

Equipment

Am Ende steht dann eine kurze Einweisung in mein eigenes Equipment auf dem Plan. Das ginge auch beim Buddy-Check, aber warum soll man sich künstlichen Streß machen? Wenn es bis zum TG noch eine Stunde hin ist, hat man Zeit genug, und die Nervosität ist lange nicht so groß wie fünf Minuten vor dem Tauchgang. Dazu gehört, dass ich dem Buddy noch mal zeige, wo der Zweitautomat, beziehungsweise der Octopus, sitzt und ihm die Schnellablässe am Jacket zeige. Außerdem sollte die Funktion der Schnellabwurfschnallen erklärt werden. Bei einem Stab-Jacket umreisst man kurz, wie man den Verunfallten, trotz fehlender Schnellabwurfschnallen, ohne größere Mühe von seinem Jacket trennt. Dazu kommt noch das Blei. Denn viele tauchen bleiintegiert, aber nicht jeder kennt sich damit aus und die Mechanismen sind so zahlreich wie die Hersteller.

Schlußendlich dann noch die Signalgeber: wo ist die Boje, wie funktioniert der Hammerhead, wie lässt sich die SOS-Funktion der Lampe einschalten...

So, das soll als Denkanstoß erst einmal reichen.

In diesem Sinne: Save diving !


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