Das Buddy-Gespräch – Smalltalk oder doch eher
wichtig?
Von Jessica Brühl und Olaf
Will ©
Jeder kennt es aus eigener Erfahrung: Der erste Tauchgang im Urlaub
steht an, die Ausrüstung ist überprüft, die Flasche aufgedreht
und das Briefing gehalten. Aber da war doch noch was? Richtig, einen Tauchpartner
sollte man ja noch bekommen. Also stellt man sich kurz vor, macht, wenn
überhaupt, einen oberflächlichen Buddy-Check und springt ins
Wasser. Hinterher kann man sich wahrscheinlich noch nicht einmal mehr an
den Namen des Tauchpartners erinnern. Da stellt sich doch wieder die Frage,
ob das Buddy-System nicht doch nur ein "Solo für zwei" ist.
Aber was könnte man besser machen? Wie sollte das Gespräch mit
dem Buddy, wohlgemerkt vor dem Tauchgang, aussehen?
Zum Kennenlernen taugt der Buddy-Check eigentlich rein gar nichts. Denn
schließlich tauche ich ja nicht gemeinsam mit der Ausrüstung,
sondern dem Menschen, der da drinsteckt. Und den lernt man in einem Gespräch
doch immer noch am besten kennen. Das sollte allerdings nicht gleich in
den üblichen Taucher-Smalltalk ausarten - dazu hat man beim Deko-Bier
immer noch Zeit. Aber Hand auf’s Herz: nehmt ihr Euch vor jedem Tauchgang
die Zeit, euch mit dem Buddy zu unterhalten? Wer ehrlich ist, muß
hier eigentlich mit "nein" antworten. Wenn doch bleibt immer
noch die Frage, ob man sich denn über die richtigen Dinge unterhalten
hat (siehe Smalltalk). Darum hier ein paar Denkanstösse
Erfahrung
Eigentlich falle ich nicht gerne mit der Tür ins Haus – die Frage
nach der Anzahl der Tauchgänge kann man also getrost erstmal hinten
anstellen. Wichtig ist erst einmal, wo der Buddy denn schon getaucht ist
und wie lange der letzte TG zurückliegt. Hat er oder sie zum Beispiel
Erfahrung im Süss-, bzw. Salzwasser? Ist er an kalte, dunkle und vor
allem trübe Gewässer gewöhnt ? Wie sieht es mit Strömung
aus, oder droht gar Nervosität, wenn Großfische auftauchen?
Und das mag vielleicht etwas lächerlich klingen:Hat der Buddy Erfahrung
mit Strömung ? Oder beruht das ganze Wissen darauf, dass man abgetrieben
werden kann ? So erfahren im Urlaub: Ein an sich relativ erfahrener Taucher
(es waren wohl so um die 80 TGs) war mein (Olafs) Buddy und kam mit der
Strömung nicht klar, weil er vorher nur in Seen getaucht war. Das
ging dann natürlich mit einem hohen Luftverbrauch einher, und der
Gute stand irgendwann kurz vor der Panik. Umgekehrt wird natürlich
auch ein Schuh draus. Der reine Urlaubstaucher, der zum ersten Mal in einen
Süsswasser-See springt, hat natürlich auch seine Probleme. Also,
das "Wo" ist, auch im Urlaub, nicht so unwichtig, wie man vielleicht
zuerst denkt.
Auf "Wo" folgt dann meistens "Wann". Dazu ist eigentlich
nicht viel zu sagen. Mag er 500 Tauchgänge haben; wenn er seit geraumer
Zeit nicht mehr im Wasser war, ist Vorsicht geboten. Zwar ist es mit dem
Tauchen wie mit dem Radfahren: Man verlernt es eigentlich nie so ganz,
aber beim Radfahren legt man sich vielleicht mal auf die Nase oder holt
sich ein blutiges Knie, beim Tauchen können die Folgen bekanntermaßen
weniger erfreulich aussehen.
Das "Wie" interessiert natürlich auch. Immer nur dem
Diveguide hinterher, gar vom Tauchlehrer am Händchen gehalten, oder
habe ich es wirklich mit einem selbstständigen Tauchpartner zu tun?
In hiesigen Gewässern sollte man eigentlich von letzterem ausgehen,
im Urlaub gibt’s da zuweilen immer wieder unangenehme Überraschungen.
Auch das "Womit" ist nicht ganz unwichtig. Klar, die wesentlichen
Sachen sieht man beim Buddy-Check. Aber ich lasse mir gerne mal die Ausrüstung
vom Besitzer erklären. Zum einen sehe ich da, ob er wirklich seine
Ausrüstung beherrscht oder die Ausrüstung ihn. Zum anderen kann
ich mir auch gleich einen Eindruck von ihrem Zustand verschaffen. Muß
nicht sein, kann aber sicher auch nicht schaden. Und, ja, ich geb’s zu:
Wieviele Tauchgänge mein Buddy hat, möchte ich dann auch noch
wissen. Und die Frage nach dem Ausbildungsstand sollte natürlich auch
nicht fehlen, auch wenn Papier, beziehungsweise bunte Plastikkärtchen,
geduldig sind.
Weiterhin von Interesse ist das Tauchverhalten der letzten Zeit, sowie
der Gesundheitszustand. Wann war der letzte TG, wie tief, ist der Buddy
vollständig entsättigt ? Hat er Medikamente genommen oder am
Abend zuvor Alkohol getrunken, fühlt er sich wirklich fit ? [kleiner
Anstoß falls mit dem Talk nicht so klappt].....vor allem letzteres
lässt sich ausgezeichnet beim Zusammenbau der Ausrüstung und
dem allg. Verhalten vor dem TG beobachten – falls mal der "Buddytalk"
etwas kürzer ausfällt – oder wenn der zukünftige Buddy nicht
ganz ehrlich ist....
Tauchgangsplanung
Was öfters zu kurz kommt, ist die Tauchgangsplanung. Flasche auf
den Rücken, rein, bei 50 bar wieder raus. Das kann ja wohl nicht alles
gewesen sein. Schließlich ist das Briefing im Urlaub ja auch dafür
da, daß ich mir in Absprache mit dem Buddy meinen persönlichen
Tauchgang zurechtlegen kann. Wie man einen TG plant, sollte eigentlich
bekannt sein. In Deutschland kommen natürlich noch die Absprachen
eventueller Rettungsmaßnahmen dazu. Aber auch im Urlaub bringt die
Planung viel, wenn beispielsweise einem der Tauchpartner
wohler ist, wenn das Profil recht konservativ gehalten wird, aus welchen
Gründen auch immer. Zur Planung gehören immer auch die wichtigeren
Handzeichen, die man mit dem Partner ruhig nochmal durchsprechen kann.
Natürlich nicht, wenn man zweimal pro Woche mit ihm oder ihr in einen
Tümpel springt. Aber, wie gesagt, im Urlaub passieren die tollsten
Sachen... Dies gilt insbesondere für Anfänger und reine Urlaubstaucher.
Was im Urlaub so nicht ansteht, ist die Rettungskette.
Die Rettungskette beginnt mit einigen banalen Dingen, die aber fatale
Konsequenzen haben können:
- wer hat den Autoschlüssel und wo ist er ?
- wo ist das nächste Telefon ? Ist Kleingeld und eine Telefonkarte
vorhanden ?
- wo liegt das Handy ? Ist sichergestellt, dass alle damit umgehen können
?
- sind Notrufnummern (wie Rettungsdienst, DAN oder VDST-Hotline) bekannt/gespeichert
(im Urlaub die nächste Druckkammer bzw. Ärztedienst etc. etc.
welche Sprache ist zu benutzen...)?
- ist allen bewußt, wo man sich überhaupt befindet ? Es nützt
der Rettungsleitstelle wenig, wenn man sagt: "Ich bin irgendwo am
Bodensee..."
- ist die Einstiegstelle für Rettungseinsätze geeignet (kommt
der Rettungswagen halbwegs dicht an die Unfallstelle heran) ?
- wenn Sauerstoff dabei ist, weiß jeder wie das System bedient
wird ?
Die Rettungskette an sich ist dagegen recht simpel:
- Opfer bergen, auf Vitalzeichen untersuchen
- Bei Bedarf HLW, sonst je nach Symptomatik links (!)- Seitenlage, Flüssigkeit
zuführen (wenn bei Bewußtsein), O²-Gabe, warmhalten, Opfer
und ggf. auch Buddy beruhigen.
- Unverzüglich Rettungsleitstelle informieren (Tel:112)
- Wichtig: Wenn man allein ist gilt: HLW vor Absetzen des Notrufs
!!!
Equipment
Am Ende steht dann eine kurze Einweisung in mein eigenes Equipment auf
dem Plan. Das ginge auch beim Buddy-Check, aber warum soll man sich künstlichen
Streß machen? Wenn es bis zum TG noch eine Stunde hin ist, hat man
Zeit genug, und die Nervosität ist lange nicht so groß wie fünf
Minuten vor dem Tauchgang. Dazu gehört, dass ich dem Buddy noch mal
zeige, wo der Zweitautomat, beziehungsweise der Octopus, sitzt und ihm
die Schnellablässe am Jacket zeige. Außerdem sollte die Funktion
der Schnellabwurfschnallen erklärt werden. Bei einem Stab-Jacket umreisst
man kurz, wie man den Verunfallten, trotz fehlender Schnellabwurfschnallen,
ohne größere Mühe von seinem Jacket trennt. Dazu kommt
noch das Blei. Denn viele tauchen bleiintegiert, aber nicht jeder kennt
sich damit aus und die Mechanismen sind so zahlreich wie die Hersteller.
Schlußendlich dann noch die Signalgeber: wo ist die Boje, wie
funktioniert der Hammerhead, wie lässt sich die SOS-Funktion der Lampe
einschalten...
So, das soll als Denkanstoß erst einmal reichen.
In diesem Sinne: Save diving !